Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Geschihten diser zeit in welschen landen DEr estensisch marggraff. der Ferrariam von der kirchen wegen in pflegnus. vnd die stett Mutinam vnd Regium nach dem gnadenreichen iar gezemet het was zu solcher mechtigkeit komen das der neapolitanisch koenig Carolus der ander Beatricem sein tochter Azoni deßmals astensischem marggrafen vermehlet. Aber Azo mocht sich der eren vnd freueden solcher heyrat nicht lang geprauchen. dann in dem ersten iar derselben heyrat fienge ine Friscus ein iungling der auß einem frembden weib sein sun was vnd bezwange ine in eim kercker zesterben. vnd also erlanget derselb iungling mit gunst ettlicher ferrarier vnd des bischofs die herrschung vber die statt ferraria mutina vnd regium. Daselbsthin sendeten die Venediger ime auf sein anruoffen ir hilff mit schiffung. dann das castell Thealdum genant lage an der prugk darauff man von der statt vber den fluss Padus gein Bononiam wartz zu zeueht. dasselb castel getrawet Friscus on schiffung nit zeeroebern. Als nw der cardinal Pelagura den der babst gein Bononiam senndet solchs verstuonde. do gepote er den Venedigern bey bedroung des panns sich der Ferrarier sachen zeentschlahen vnd mit irem volck vnd schiffung von dannen zeweichen. Aber die venediger rueckten alle weil iren streyt vnd schießzeueg an das castel vnd zuendeten die schiffung der Ferrarier allenthalben an. vnd namen das ort der statt an die prugk stossende ein. also ee der befelh vnd das gepote des babstlichen legaten lawt precht wardt do hetten die Venediger die prugken verprennt vnd zerrissen vnd das castel eingenomen. In mitler zeit zuendet Friscus durch beystand Rinaldi des hawbtmans des raysigen zeuegs schier diehalben statt Ferrariam an. Als nw die auffruor von den venedigern ein wenig gestillet wardt do ergaben sie sich an die venediger. Demnach tet babst Clemens der fuenft die venediger zu Auion oeffenlich in den pan mit gepote wo man die betrette zefahen vnd fuer knecht zeuerkawffen. darumb warden den venedigern in Flandern vnnd anderßwo vil gueeter aufgehalten vnd genomen. Robertus koenig RObertus des andern Caroli koenigs zu Sicilia vnd Apulia sun hat nach absterben seins vaters als koenig daselbst. xxxiii. iar geregirt. ein edler koenig vnnd sundere zierde aller tugent. vnd von vil rednern vnd poeten hohgelobt. vnnd nit allain in vbung vnd kuendigkeit ritterlicher hendel vnd sachen. sunder auch vnder andern seiner zeit genossen in kunst vnd weißheit der heilligen schrift. philozophey vnd ertzney beruembt. Er hat in seinem alter den poeten Franciscum petrarcham hoeren woellen. vnd zu Auion die bekroenung vom babst gewoenlicher weiß empfangen. Darnach schicket er Johannem seinen bruder wider kaiser Heinrichen gein Rom. vnd Heinrich entsetzet disen Robertum seins reichs. aber babst Clemens wolt nicht darein verwilligen. Nachfolgend empfieng er der Genueser statt in seinen gewalt. vnd als er aber sterben solt vnd keinen sun het do schaffet er dz Andreas koenig zu hungern sein enickl nach ime regiren solt. Canis von der layttern Anfang der herren von der laytern. CAnis von der layttern der von seiner gestrengklich geuebten handlung wegen der gross zugenambt ist albrechts von der laytern des hawbtmans sun ein hohberuembter man vnderzohe sich der herrschaft zu Bernn vnnd herrschet schier. xx. iar mit solcher gerechtigkeit. weißheit vnd gueetigkeit das er auch alles Romandiolam. mer mit seiner gueetigkeit den mit dem schwert ime vndertenig machet. Er was ein wolberedter fuerst. holdselig. milt. vnd ein sundrer liebhaber vnd erer der gelerten. als er nw zu letst die statt bern mit großen gepewen erlewchtet het do starb er nach der gepurt cristi. M.ccc.xxix. iar. on manlichen leibs erben. vnd ließ die herrschaft seinen zwayen vettern Alberto vnd Mascino gebrueedern. vnd sein leichnam ward mit bewaynung allermenigclichs in hohem geprengk in der kirchen bey der statt markt begraben als dann daselbst ob der kirchen thuer nochmals ein gross herrlichs grab mit seiner pildnus vnd vmbschrift vorawgen ist. Ludwig koenig LVdwig koenig Philipsen zu franckreich sun regiret nach seinem vater zway iar. vnd was ein liebhaber cristenlichs glawbens vnd der gaistlichkeit. dann als er verstund das die cardinel in manche stett gallie der mißhellung halben in der wale eins babsts enstanden lang zeit zerstrewet gewesen vnd zwen cardinel erschlagen worden weren do sammlet er sie pald zesamen vnnd riete inen zu der wale eins babsts gein Lyon zekomen. dem volgten sie vnd weleten Jacobum den Portuensischen bischoff. vnd in dem iar als derselb babst erkorn ward do endet diser koenig sein leben. vnd ließ Johanßen seinen sun noch ein kind das regiret nuor. xx. tag. der werlt Blat CCXXIIII Marsilius der carrarier fuerst Anfang der Carrarier herrschung MArsilius ein fuerst der edeln carrarier. Als er sich der herrschung zu Padua vnderstanden vnd daselbst nichtz tyrannisch sunder vetterlich vil iar geregirt het do stuonde er auß besorgknus des großen Canis von der layttern gewalts vnd mechtigkeit ime derselben herrschung willigclich ab. Als aber derselb Canis in dem iar darnach mit tod abgieng do zohe er widerumb gein Padua name die herrschung wider an vnd herrschet. x. iar. Diss was gar ein senftmueetig man. herrlicher syttlichkeit wandels vnd geperde mit vil tugenten gezieret. Der starb on manlich erben vnd schaffett Vbertino seinem vetter alle seine verlaßne erbschaft NAch der gepurt cristi tawsent.iiic.x. iar haben ettliche geschlecht zu venedig auß begirlichkeit der herrschung daselbst ein auffruor gemacht wider den hertzog Petrum grandenigum. aber dieselb wardt durch sein fuersichtigkeit pald gestillet. vnd die Quiriner mit iren anhengern auß der statt vertriben. vnd die fuernemsten vrsacher mit zwayen Florentinern enthawbtet. vnnd das was die erst zerstoerung des geschlechts in Venedig auß partheyschkeit. Vnd als aber nachfolgend dieweil Johannes sorancius das hertzogthumb daselbst regiret Jacobus quirinus vnd Marinus barocius zerruedung in dem gemaynen stand zu Venedig machen wolten do warden sie darumb getoedt. vnd deßmals die ordnung der sechs procurator sant Marxen auß dem rat fuergenomen. Arnaldus de villa nova ARnaldus de noua villa ein großer philozophus vbet sein lere zu Parys. vnnd fliße sich durch die prophecey danielis vnd sibille erithree die zukunft des anticrists zebeweren. vnd das die verfolgung der kirchen kuenftig wer zwischen M.ccc. vnd M.cccc. iar des herren schier in dem. M.ccc.lxxvi. iar gegenwertig gewesen. darueber machet er ein buoch. aber es wardt verworffen vnd gleich ketzerisch geachtet. dann ime waren darinn vil maister zu parys widerwertig. Nw besorget er sich vor dem ketzermaister. darumb fluhe er haymlich daruon vnd kom in Siciliam. von dannen ward er von koenig Friderichen zu Sicilia zum babst gesendet vnd starb auff dem meer. PHilippus koenig Ludwigs zu franckreich bruder regiret nach absterben koenig Johanßen desselben Ludwigs sun fuenff iar. Petrus de abeno PEtrus apponus oder de abano ein hohberuembter artzt vnnd philozophus vnd zu Parys ein namhaftiger lerer hat gar vil treffenlicher vnd tiefgegruendter schrifften in der ertzney vnd naturlichen kunst gemacht. vnnd auff das er ettliche in der kriechischen zungen geschribne bueecher versteen moecht so zohe er gein constantinopel vmb lernung willen kriechischs gezuengs. Als er dasselb gelernet do bracht er vil kriechischer bueecher Galieni in das latein. Er ist in allen freyen kuensten ein hoh erfarner man gewesen. vnnd hat vnder dem gemaynen regiment des volcks der koenigclichen statt Padua geplueet. Man sagt er sey ein großer schwartzkuenstner gewesen vnd hab wundersame ding dardurch erzaigt. Dynus ein artzt DInus de garbo ein Forentinischer artzt. hat diser zeit als ein hohgelerter vnd wolerfarner man der ertzney gar vil nuetzer vnd schoener außlegung der bueecher durch die alten ertzte beschriben clerlich begriffen. vnd sunst in der ertzney vil guots dings hinder ime gelaßen. Gentilis ein artzt GEntilis fulginas von Perus ein fast weyser artzt was diser zeit nicht mynnders lobs vnd ruoms dann wie dynus. Dess geben ein anzaigung sein scharpff vnd fleißig außlegung der bueecher Auicenne. vnnd die subtil ermessung der wort desselben Auicenne. Sunst außerhalb solcher subtiler außlegung hat er vil nutzperer ratschleg wider die pestilentz beschriben. vnd vil schoener frag von den staffeln der ertzney gezaigt. MAtheus siluaticus ein artzt auß edeln eltern von Mantua geporn hat diser zeit ein schoens treffenlichs buch die kunst der ertzney antreffende geschriben vnd dem koenig Roberto zu Sicilia zugeschriben.
Das sechste Zeitalter. Geschichten dieser Zeit in den welschen Ländern. Der Markgraf von Este, der Ferrara von der Kirche in Obhut genommen und die Städte Modena und Reggio nach dem Gnadenjahr unterworfen hatte, war zu solcher Macht gelangt, dass der neapolitanische König Karl II. seine Tochter Beatrix mit Azo, dem damaligen Markgrafen von Este, vermählte. Aber Azo konnte sich der Ehre und Freude dieser Heirat nicht lange erfreuen, denn im ersten Jahr derselben Heirat nahm ihn Friscus, ein Jüngling, der sein Sohn von einer fremden Frau war, gefangen und zwang ihn, im Kerker zu sterben. Und so erlangte derselbe Jüngling mit der Gunst einiger Ferrarer und des Bischofs die Herrschaft über die Städte Ferrara, Modena und Reggio. Dorthin sandten die Venezianer ihm auf sein Anrufen ihre Hilfe mit Schiffen, denn die Burg namens Thealdo lag an der Brücke, über die man von der Stadt über den Fluss Po in Richtung Bologna zog. Diese Burg traute Friscus sich ohne Schiffe nicht zu erobern. Als nun der Kardinal Pelagrua, den der Papst nach Bologna gesandt hatte, dies verstand, gebot er den Venezianern unter Androhung des Kirchenbanns, sich aus den Angelegenheiten der Ferrarer herauszuhalten und mit ihrem Volk und ihren Schiffen von dort zu weichen. Aber die Venezianer rückten derweil ihr Kriegsgerät und ihre Geschütze an die Burg heran und zündeten die Schiffe der Ferrarer überall an. Und sie nahmen den an die Brücke stoßenden Teil der Stadt ein. So hatten die Venezianer, noch ehe der Befehl und das Gebot des päpstlichen Legaten laut verkündet wurde, die Brücken verbrannt und zerstört und die Burg eingenommen. In der Zwischenzeit zündete Friscus durch Beistand Rinaldos, des Hauptmanns der Reiterei, beinahe die halbe Stadt Ferrara an. Als nun der Aufruhr von den Venezianern ein wenig gestillt wurde, ergaben sie sich den Venezianern. Danach belegte Papst Clemens V. die Venezianer in Avignon öffentlich mit dem Kirchenbann und befahl, wo man sie antreffe, sie gefangen zu nehmen und als Knechte zu verkaufen. Darum wurden den Venezianern in Flandern und anderswo viele Güter zurückgehalten und genommen. König Robert. Robert, der Sohn Karls II., Königs von Sizilien und Apulien, hat nach dem Tod seines Vaters dort 33 Jahre als König regiert. Er war ein edler König und eine besondere Zierde aller Tugenden, von vielen Rednern und Poeten hochgelobt. Und nicht allein in der Übung und Kenntnis ritterlicher Handlungen und Angelegenheiten, sondern auch unter anderen Zeitgenossen in Kunst und Weisheit der Heiligen Schrift, Philosophie und Medizin berühmt. Er wollte in seinem Alter den Poeten Francesco Petrarca hören. Und in Avignon empfing er die Krönung vom Papst auf gewöhnliche Weise. Danach schickte er Johann, seinen Bruder, gegen Kaiser Heinrich nach Rom. Und Heinrich enthob diesen Robert seines Reiches, aber Papst Clemens wollte dem nicht zustimmen. Nachfolgend empfing er die Stadt Genua in seinen Gewalt. Und als er aber sterben sollte und keinen Sohn hatte, da verfügte er, dass Andreas, König von Ungarn, sein Enkel, nach ihm regieren sollte. Cangrande della Scala. Anfang der Herren von der Scala. Cangrande della Scala, der wegen seiner streng ausgeübten Herrschaft der Große genannt wird, Sohn Albrechts della Scala, des Hauptmanns, ein hochberühmter Mann, übernahm die Herrschaft in Verona und herrschte beinahe 20 Jahre mit solcher Gerechtigkeit, Weisheit und Güte, dass er auch ganz Romagna mehr mit seiner Güte als mit dem Schwert sich untertan machte. Er war ein wortgewandter Fürst, holdselig, mildtätig und ein besonderer Liebhaber und Förderer der Gelehrten. Als er nun zuletzt die Stadt Verona mit großen Bauten verschönert hatte, da starb er im Jahr 1329 nach Christi Geburt, ohne männliche leibliche Erben. Und er hinterließ die Herrschaft seinen beiden Vettern, den Brüdern Alberto und Mascino. Und sein Leichnam wurde unter Beweinung aller Leute mit großem Prunk in der Kirche beim Stadtmarkt begraben, wo dann dort über der Kirchentür noch immer ein großes, herrliches Grab mit seiner Bildnis und Inschrift zu sehen ist. König Ludwig. König Ludwig, Sohn Philipps von Frankreich, regierte nach seinem Vater zwei Jahre. Und er war ein Liebhaber des christlichen Glaubens und der Geistlichkeit. Denn als er verstand, dass die Kardinäle in manchen Städten Galliens wegen der Uneinigkeit bei der Papstwahl lange Zeit zerstreut gewesen und zwei Kardinäle erschlagen worden waren, da sammelte er sie bald zusammen und riet ihnen, zur Papstwahl nach Lyon zu kommen. Dem folgten sie und wählten Jakob, den Bischof von Porto. Und in dem Jahr, als derselbe Papst gewählt wurde, da beendete dieser König sein Leben. Und er hinterließ Johann, seinen Sohn, noch ein Kind, das nur 20 Tage regierte. Blatt 224 der Weltchronik. Marsilius, der Carrara-Fürst. Anfang der Carrara-Herrschaft. Marsilius, ein Fürst der edlen Carrara. Als er sich der Herrschaft in Padua unterzogen und dort viele Jahre nicht tyrannisch, sondern väterlich regiert hatte, da trat er aus Besorgnis vor der Gewalt und Macht des großen Cangrande della Scala freiwillig von dieser Herrschaft zurück. Als aber derselbe Cangrande im Jahr danach starb, da zog er wieder nach Padua, nahm die Herrschaft wieder an und herrschte 10 Jahre. Dies war ein sehr sanftmütiger Mann, mit herrlicher Sittlichkeit, Wandel und Gebaren, mit vielen Tugenden geschmückt. Er starb ohne männliche Erben und vermachte seinem Vetter Ubertino sein gesamtes hinterlassenes Erbe. Im Jahr 1310 nach Christi Geburt haben einige Geschlechter in Venedig aus Begierde nach der Herrschaft dort einen Aufruhr gegen den Dogen Pietro Gradenigo gemacht. Aber derselbe Aufruhr wurde durch seine Umsicht bald gestillt. Und die Quirini mit ihren Anhängern wurden aus der Stadt vertrieben. Und die vornehmsten Urheber wurden mit zwei Florentinern enthauptet. Und das war die erste Zerstörung des Geschlechts in Venedig aus Parteigeist. Und als aber nachfolgend, während Johannes Soranzo das Herzogtum dort regierte, Jacobus Quirinus und Marinus Barocius Unruhe im Gemeinwesen Venedigs stiften wollten, da wurden sie deswegen getötet. Und damals wurde die Ordnung der sechs Prokuratoren des Heiligen Markus aus dem Rat eingeführt. Arnaldus de Villa Nova. Arnaldus de Nova Villa, ein großer Philosoph, übte seine Lehre in Paris aus. Und er bemühte sich, durch die Prophezeiung Daniels und der Sibylle Erythraea die Zukunft des Antichristen zu beweisen. Und dass die Verfolgung der Kirche künftig sei zwischen 1300 und 1400 des Herrn, beinahe im Jahr 1376 gegenwärtig gewesen. Darüber machte er ein Buch, aber es wurde verworfen und als ketzerisch angesehen. Denn ihm waren darin viele Meister in Paris entgegen. Nun fürchtete er sich vor dem Inquisitor. Darum floh er heimlich davon und kam nach Sizilien. Von dort wurde er von König Friedrich von Sizilien zum Papst gesandt und starb auf dem Meer. König Philipp. Philipp, der Bruder Ludwigs von Frankreich, regierte nach dem Tod König Johanns, des Sohnes desselben Ludwigs, fünf Jahre. Petrus de Abano. Petrus Apponus oder de Abano, ein hochberühmter Arzt.