Schedelsche Weltchronik · Blatt 225

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 225, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 225, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Linea der bebst // Johannes der. xxii. Jar der werlt. vim.vc.xvi.Jar cristi. im.iiic.xvi. JOhannes der. xxii. dauor Jacobus caturcensis genannt ein bischoff zu Portua ist nach langer mißhelligkeit so. xxiii. cardinel in der wale vndereinander gehabt haben zu Lyon in der prediger brueeder closter babst erkorn in dem iar vnßers ails tawsent.iiic.xvi. als die cardinel der roemischen kirchen durch verfueegung Philipsen des Pictauischen oder Pickardischen grafen. koenig Ludwigs zu Franckreich bruders zu Lyon bey einander verschloßen warden bis zuuerstreckung diser wale. vor der dan der babstlich stuol zway iar lere gestanden was. Diser babst empfieng die kron des babstthumbs in der thumkirchen daselbst zu Lyon. von dannen zohe er gein auion. daselbst machet er acht cardinel. derselben einer was Jacobus caturcensis sein gesyppter freuend. vnd Johannes caietam des vrsinischen roemischen geschlechts. Diser babst versaget hertzog Ludwigen zu bayern bestettigung seiner erwelung zum romischen reich. auß beschuldung das derselb Ludwig sich vnderstanden haben solt einen roemischen koenig oder kaiser mer gewalts dann ime gepueret zeuerleihen oder nachzegeben. Diser babst was ein hohgelert vnd mit vil kluogheit geziert man vnd ein liebhaber der gelerten. Er machet die Tholosanischen kirchen zu eim ertzbisthumb vnd sechße irer castell zu stetten. vnd was zu newigkeit also geflißen dz er ettliche bistthumb taylet. vnd die getailten in ein einigs bistthumb zohe. Auch ettliche ebbtey in bistthumb vnd hinwiderumb bistthumb in ebbtey verwandlet. Diser babst hat das gaistlich rechtbuoch clementinarum genant bestettiget. vnnd den grandimontensischen orden (der auß mißtat ettlicher vnfrummen menschen in abfal komen was) in bessern stand vnd form gebracht mit abstellung ettlicher demselben orden schedlicher ding. vnd mit zusatz ettlicher ordnung dar zu fuerderlich vnd dienstlich. Diser babst hat auch die cesaraugustanischen kirchen (die er zumal liebet) zu eim ertzbistthumb aufgerichtet. vnd fuenff andere bischoflich kirchen derselben zu gewidemt. vnd auch einen newen orden der ritterschaft gestiftet. Vnd nach dem er aber vil sachen der kirchen stand an treffende fuersichtigclich handlet so hat er im sibenden iar seins babstthumbs Thomam den Erphordensischen bischoff. vnd Thomam von aquino prediger ordens in die zal der heilligen beichtiger cristi geschriben vnd darnach koenig Ludwigs wale widerrueft vnd geunkreftigt. vnd ine als einen scismaticum vnd der kirchen widerspennigen verpannet vnd dannoch vil ketzer verdambt. Zu letst starb er im. xc. iar seins alters vnd im. xx. seins babstthumbs. vnnd ließ einen solchen großen schatz der gleichen kein babst vor ime gethan het. Benedictus der.xii. Jar der werlt. vim.vc.xxxiiii.Jar cristi. im.iiic.xxxv. BEnedictus der. xii. von Tholosa auß frankreich cistercier ordens vormals iacobus genant ein cardinal wardt nach absterben Johannis seins vorfaren am xvi. tag babst zu auion erkorn. demnach bestettiget er den pan vormals von Johanne wider Ludwigen den hertzog zu bayern außgangen. Als nw babst Johannes gestorben was. vnd aber die welschen fuersten vnd voelcker mit einander der sachen eins kriegs eins waren. vnd sich auch Bononia zu inen gewendet het do wurden sie also stoltzmueetig das sie sich vil dings auß duerftigkeit vendervuonden vnd die vier stett die koenig Johannes zu beheim der kirchen zu eren mit besetzung innhielt vnder sich tailten. also das Parma dem von der laitern. Regium dem Gonzage. Mutina dem estensischen marggrafen. vnd Luca dem Florentiner gefallen vnd werden solt Nach dem aber der babst in sorgen wz ob villeicht (dieweil der kaiserlich stuol oee stund) welschs land von einichem eueßern feind vberfallen vnd angegriffen werden moecht so setzet er vber die vorgenanten vnd auch vber andere grosse treffenliche welsche stett die obgemelten person vnnd auch ettliche andere als stathalter derselben auß babstlichem gewalt. vnd nach dem aber die stett dem estensischen marggrafen gegeben der kirchen zugehoerten so setzet er ime einen zinss. nemlich alle iar der kirchen zehen tawsent guldein zebezalen. Diser babst machet sechs cardinel. die treffenlich mann waren. vnnd was ein solcher bestendiger man das er weder mit gewalt. pyte. myet noch gabe von der gerechtigkeit nymmer abgewendt mocht. er liebet die frummen vnd verfolget die boßhaftigen offenlich. Er keret (wiewol vergebenlich) allen fleiß an die koenig franckreich vnd engelland zeuertragen. Zu letst starb er im achten iar seins babstthumbs vnd ließ einen großen schatz golds. aber nit seinen freuenden oder gesyppten sunder der kirchen. der werlt Blat CCXXV Linea der kaiser // Ludwig hertzog zu bayrn Friderich hertzog zu oesterreich LVdwig der vierd hertzog Ludwigs zu bayern sun wardt nach der gepurt cristi tawsent.iiic.xv. iar von ettlichen churfuersten erwelet vnd regiret. xxxii. iar. dann nach absterben kaiser Heinrichs komen die churfuersten zu Ach zesamen vnd weleten in zwitrechtigkeit zum reich zwen (die waren geschwistergit kind miteinander) Nemlich Ludwigen zu bayern vnd Friderichen zu oesterreich hertzogen. Zwischen den selben entstunde vnd weeret ein achtieriger krieg. Zu letst komen sie im feld zwischen Mueldorff vnd oettingen mit iren heeren zu streyt gegeneinander. darinn bliben beder seyt vil. aber auß dem oesterreichischen heer am maisten tod. vnd hertzog Friderich wardt vberwunden. gefangen vnd in einen kercker geworffen. vnd doch darnach auß guotwilligkeit koenig Ludwigs widerumb ledig gelassen. mit dem geding vnd beschaidenheit das hinfuero kein hertzog zu oesterreich sich zu erlangunng des roemischen kaiserthumbs wider die hertzogen zu bayern nicht setzen solt. aber Friderich wolt in vergessung seins zusagens sich des roemischen koenigclichen tittels nit massen So vberhuob sich Ludwig seins eroberten sygs vnnd hielte sichselbs alßpald fuer einen roemischen koenig. vnd ordnet vnd handlet vil sachen die eim bestettigten vnd gekroenten koenig gezymmen. dem rat vnd vrteil eins roemischen babsts zeunderwerffen. dann dieweil zwilewftigkeit vnd krieg in welschen landen vorawgen waren do vnderstund er sich bey den welschen stetten kaiserlichs gewalts zegeprauchen vnd kein aufsehen auf die babstlichen oeberkeit zehaben Er hat Matheum den vitzdomgrafen vnd Galeacium Marcum Luchinum Johannem vnd Stephanum seine suene also beschuetzt das sie sich deßmals zum ersten gein der statt Mayland tyranney vnuerschamt zegeprauchen vnderstunden. dieselben grafen zu Mayland machet er ime als er gein rom ziehen wolt gantz guotwillig damit er durch ire hilff den titel des roemischen kaiserthumbs destleichtlicher erlangen moecht. Aber babst Johannes verpannet dieselben grafen vnd disen ludwigen. die dann die Guelfiner verdruckten. Nw zohe Ludwig widerumb in teuetsche land vnd vnlang darnach mit eim grossen heer auß teuetschem land fuer Trient. abermals gein Mayland. daselbst wardt er vom bischoff mit der eysnin kron gekroenet. von dannen zohe er fueroan gein rom. daselbst wardt er nach zukunft des adels vnd der welschen stett ratßbotschafter die teglich dohin komen auß rate vnd anlaytung der roemer von einem parfuoßer ordens. den der koenig zu eim babst machet zu kaiser gekroenet. demnach hat babst Johannes denselben Ludwigen mit mancherlay vrteyln vnd beschwerden verdambt. Nw was diser Ludwig ein fuersichtiger. kluoger vnd zu regirung des roemischen reichs ein woltueglicher man. aber des lateinischen ge gezuengs vnwissend. das ime dann zu grossem schaden gelanget. dann man sagt das einer Vlrich von augspurg genant des benanten koenig Ludwigs secretari vnd cantzler der zwittracht zwischen demselben koenig Ludwigen beruechtigt worden dess het sich derselb cantzler zu Nuermberg vor. xv. prelaten benemen vnd entschuldigen mueeßen. demselben nach het der cantzler zu rachsal gegen dem koenig von desselben koenigs wegen an den babst einen brieff geschriben vnd in demselben brieff ettliche dem babst schmaliche wort vnwissende des koenigs setzen lassen. als dann derselb cantzler dess an seinem letsten ende bekenntlich gewesen wer. Zu letst starb diser Ludwig in dem iar des herren tawsent.ccc.xlvii. in eins pawrn haws bey Fuerstenfeld als er in eim wald auff dem geiagde von einer hertzogin zu oesterreich auß einer flaschen die zwayerlay getrancks innhielt getruncken het. vnd wardt zu Muenchen begraben. vnd die suene taylten die landschaft zu Landsperg. den eltern hertzog Ludwigen. vnd hertzog Ludwigen zu rom geporn vnd hertzog Otten dem iungern gefiele oebern bayern. Aber Stephanus Wilhelmus vnd Albertus besaßen nydern bayern. auch hannogaw. holland. seeland vnd frießland So het kaiser Ludwig einen bruder Rudolffus genant pfaltzgrafen bey Rhein der het sein stymm in der wale dem hertzogen von oesterreich gegeben. darumb wardt er von ime vertriben. der ließ drey suen. die warden von disen kayser Ludwigen gar freuentlich gehalten. Von denselben dreyen suenen haben darnach die pfaltzgrafen iren vrsprung genomen. left EIn comet wardt in dem letsten iar diss kaisers zwen monat gesehen. vnd was deßmals ein großer hunger vnd tewrung in welschem land. SO haben dißmals vnzalliche stainlewß vil hewßer in der statt mumpitz gar fressentlich zerruedet menigclich lewt vnder sich begrabende.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Linie der Päpste. Johannes XXII. Jahr der Welt: 5516. Jahr Christi: 1316. Johannes XXII., zuvor Jacobus Caturcensis genannt, ein Bischof zu Porto, wurde nach langer Uneinigkeit, die 23 Kardinäle bei der Wahl untereinander gehabt hatten, zu Lyon im Kloster der Predigerbrüder zum Papst erwählt, im Jahr unseres Heils 1316. Dies geschah, als die Kardinäle der römischen Kirche durch die Verfügung Philipps, des Grafen von Poitou oder der Picardie, des Bruders König Ludwigs von Frankreich, zu Lyon beieinander eingeschlossen wurden, bis zur Vollendung dieser Wahl. Zuvor war der päpstliche Stuhl zwei Jahre lang vakant gewesen. Dieser Papst empfing die Krone des Papsttums in der Domkirche daselbst zu Lyon. Von dannen zog er gen Avignon. Daselbst machte er acht Kardinäle. Einer derselben war Jacobus Caturcensis, sein verwandter Freund, und Johannes Caietanus vom römischen Geschlecht der Orsini. Dieser Papst versagte Herzog Ludwig von Bayern die Bestätigung seiner Erwählung zum römischen Reich, aus der Beschuldigung heraus, dass derselbe Ludwig sich angemaßt haben sollte, einem römischen König oder Kaiser mehr Gewalt zu verleihen oder zuzugestehen, als ihm gebührte. Dieser Papst war ein hochgelehrter und mit viel Klugheit gezierter Mann und ein Liebhaber der Gelehrten. Er machte die Toulouser Kirche zu einem Erzbistum und sechs ihrer Kastelle zu Städten. Und er war so sehr auf Neuerungen bedacht, dass er etliche Bistümer teilte und die geteilten in ein einziges Bistum zusammenzog. Auch verwandelte er etliche Abteien in Bistümer und umgekehrt Bistümer in Abteien. Dieser Papst hat das geistliche Rechtsbuch, Clementinarum genannt, bestätigt und den Grandmontensischen Orden (der durch die Missetat etlicher unfrommer Menschen in Verfall geraten war) in einen besseren Stand und eine bessere Form gebracht, indem er etliche dem Orden schädliche Dinge abstellte und etliche förderliche und dienliche Ordnungen hinzufügte. Dieser Papst hat auch die Kirche von Saragossa (die er besonders liebte) zu einem Erzbistum erhoben und fünf andere bischöfliche Kirchen derselben geweiht. Und auch einen neuen Ritterorden gestiftet. Und nachdem er aber viele den Stand der Kirche betreffende Sachen vorsichtig behandelt hatte, so hat er im siebten Jahr seines Papsttums Thomas, den Erfurter Bischof, und Thomas von Aquin, vom Predigerorden, in die Zahl der heiligen Bekenner Christi eingeschrieben und darnach König Ludwigs Wahl widerrufen und für ungültig erklärt. Und ihn als einen Schismatiker und Widerspenstigen der Kirche verbannt und dennoch viele Ketzer verdammt. Zuletzt starb er im 90. Jahr seines Alters und im 20. Jahr seines Papsttums und hinterließ einen so großen Schatz, wie ihn kein Papst vor ihm gehabt hatte. Benedikt XII. Jahr der Welt: 5534. Jahr Christi: 1335. Benedikt XII., aus Toulouse in Frankreich, vom Zisterzienserorden, vormals Jakobus genannt, ein Kardinal, wurde nach dem Ableben seines Vorgängers Johannes am 16. Tag zum Papst zu Avignon erwählt. Demnach bestätigte er den Bann, der vormals von Johannes gegen Ludwig, den Herzog von Bayern, ausgegangen war. Als nun Papst Johannes gestorben war und aber die welschen Fürsten und Völker miteinander in Kriegsangelegenheiten einig waren und sich auch Bologna ihnen zugewandt hatte, da wurden sie so hochmütig, dass sie sich vieler Dinge aus Notwendigkeit unterfingen und die vier Städte, die König Johann von Böhmen der Kirche zu Ehren mit Besetzung innehatte, unter sich aufteilten. So sollte Parma dem von der Leitern, Reggio dem Gonzaga, Modena dem estensischen Markgrafen und Lucca dem Florentiner zufallen und werden. Nachdem aber der Papst in Sorge war, ob vielleicht (da der kaiserliche Stuhl leer stand) das welsche Land von irgendeinem äußeren Feind überfallen und angegriffen werden könnte, so setzte er über die vorgenannten und auch über andere große, bedeutende welsche Städte die oben genannten Personen und auch etliche andere als Statthalter derselben aus päpstlicher Gewalt ein. Und nachdem aber die Städte, die dem estensischen Markgrafen gegeben wurden, der Kirche gehörten, so setzte er ihm einen Zins fest, nämlich alle Jahre der Kirche zehntausend Gulden zu bezahlen. Dieser Papst machte sechs Kardinäle, die bedeutende Männer waren. Und er war ein so beständiger Mann, dass er weder mit Gewalt, Bitte, Bestechung noch Gabe von der Gerechtigkeit niemals abgewendet werden konnte. Er liebte die Frommen und verfolgte die Boshaften öffentlich. Er wandte (wiewohl vergeblich) allen Fleiß an, die Könige von Frankreich und England zu versöhnen. Zuletzt starb er im achten Jahr seines Papsttums und hinterließ einen großen Schatz an Gold, aber nicht seinen Freunden oder Verwandten, sondern der Kirche. Blatt 225 der Weltchronik. Linie der Kaiser. Ludwig, Herzog von Bayern. Friedrich, Herzog von Österreich. Ludwig der Vierte, Herzog Ludwigs von Bayern Sohn, wurde nach der Geburt Christi im Jahr 1315 von etlichen Kurfürsten erwählt und regierte 32 Jahre. Denn nach dem Ableben Kaiser Heinrichs kamen die Kurfürsten zu Aachen zusammen und wählten in Zwietracht zum Reich zwei (die waren Geschwisterkinder miteinander), nämlich Ludwig von Bayern und Friedrich von Österreich, Herzöge. Zwischen denselben entstand und währte ein achtjähriger Krieg. Zuletzt kamen sie im Feld zwischen Mühldorf und Oettingen mit ihren Heeren zum Streit gegeneinander. Darin blieben auf beiden Seiten viele, aber aus dem österreichischen Heer am meisten tot. Und Herzog Friedrich wurde überwunden, gefangen und in einen Kerker geworfen. Und doch darnach aus Gutwilligkeit König Ludwigs wieder ledig gelassen, mit der Bedingung und Bestimmtheit, dass hinfort kein Herzog von Österreich sich zur Erlangung des römischen Kaisertums wider die Herzöge von Bayern nicht stellen sollte. Aber Friedrich wollte in Vergessenheit seines Zusagens sich des römischen königlichen Titels nicht entäußern. So erhob sich Ludwig seines eroberten Sieges und hielt sich selbst alsbald für einen römischen König. Und er ordnete und handelte viele Sachen, die einem bestätigten und gekrönten König zukommen, ohne sich dem Rat und Urteil eines römischen Papstes zu unterwerfen. Denn dieweil Zwietracht und Krieg in den welschen Ländern vor Augen waren, da unterstand er sich, bei den welschen Städten kaiserliche Gewalt zu gebrauchen und kein Aufsehen auf die päpstliche Oberkeit zu haben. Er hat Matteo, den Vizegrafen, und Galeazzo, Marco, Luchino, Johann und Stephan, seine Söhne, so beschützt, dass sie sich damals zum ersten Mal unverschämt unterstanden, in der Stadt Mailand Tyrannei auszuüben. Dieselben Grafen zu Mailand machte er sich, als er gen Rom ziehen wollte, ganz wohlgesonnen, damit er durch ihre Hilfe den Titel des römischen Kaisertums desto leichter erlangen möchte. Aber Papst Johannes verbannte dieselben Grafen und diesen Ludwig, die dann die Guelfen unterdrückten. Nun zog Ludwig wiederum in deutsche Lande und unlängst darnach mit einem großen Heer aus deutschem Land vor Trient, abermals gen Mailand. Daselbst wurde er vom Bischof mit der eisernen Krone gekrönt. Von dannen zog er fürderhin gen Rom. Daselbst wurde

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (historische Periodisierung der Weltgeschichte)
Linea der bebst
Linie der Päpste (Bezug auf die Abfolge der Päpste)
xxii.
römisch für 22
vim.vc.xvi.
römisch für 5516
im.iiic.xvi.
römisch für 1316
dauor
zuvor
Jacobus caturcensis
Jacobus Caturcensis (historische Person, später Papst Johannes XXII.)
Portua
Porto (vermutlich das suburbikarische Bistum Porto-Santa Rufina bei Rom, nicht die Stadt Porto in Portugal)
xxiii.
römisch für 23
wale
Wahl
prediger brueeder closter
Kloster der Predigerbrüder (Dominikanerkloster)
vnßers ails
unseres Heils (unserer Zeitrechnung)
tawsent.iiic.xvi.
römisch für 1316
verfueegung
Verfügung, Anordnung
Philipsen des Pictauischen oder Pickardischen grafen
Philipp V. (der Lange), Graf von Poitou (Pictauisch) und später König von Frankreich. Die Bezeichnung 'Pickardisch' ist hier ungenau, da Philipp V. Graf von Poitou war.
koenig Ludwigs zu Franckreich bruders
Bruder König Ludwigs X. von Frankreich
zuuerstreckung
zur Vollendung, zum Abschluss
babstlich stuol
päpstlicher Stuhl (Heiliger Stuhl)
lere gestanden
leer gestanden, vakant gewesen
thumkirchen
Domkirche
gein auion
gen Avignon (Avignon, Stadt in Frankreich, päpstliche Residenz im 14. Jahrhundert)
acht
8
gesyppter freuend
verwandter Freund
Johannes caietam des vrsinischen roemischen geschlechts
Johannes Caietanus Orsini (historische Person, Kardinal)
hertzog Ludwigen zu bayern
Herzog Ludwig IV. von Bayern (historische Person, später Kaiser Ludwig der Bayer)
bestettigung seiner erwelung zum romischen reich
Bestätigung seiner Wahl zum römischen König/Kaiser
auß beschuldung
aus der Beschuldigung
vnderstanden haben solt
sich angemaßt haben sollte
mer gewalts dann ime gepueret zeuerleihen oder nachzegeben
mehr Gewalt zu verleihen oder zuzugestehen, als ihm gebührte
hohgelert vnd mit vil kluogheit geziert man
hochgelehrter und mit viel Klugheit ausgestatteter Mann
liebhaber der gelerten
Liebhaber der Gelehrten
Tholosanischen kirchen
Toulouser Kirche (Erzbistum Toulouse)
ertzbisthumb
Erzbistum
sechße
sechs
castell
Kastelle, Burgen (hier: befestigte Orte, die zu Städten erhoben wurden)
zu newigkeit also geflißen
so sehr auf Neuerungen bedacht
taylet
teilte
ebbtey
Abtei
gaistlich rechtbuoch clementinarum genant
geistliches Rechtsbuch, genannt Clementinae (Sammlung päpstlicher Dekretalen, Teil des Corpus Iuris Canonici)
grandimontensischen orden
Grandmontensischer Orden (ein Mönchsorden, der im 11. Jahrhundert in Frankreich gegründet wurde)
mißtat ettlicher vnfrummen menschen
Missetat etlicher unfrommer Menschen
in abfal komen was
in Verfall geraten war, abgefallen war
abstellung
Abstellung, Beseitigung
schedlicher ding
schädlicher Dinge
zusatz ettlicher ordnung dar zu fuerderlich vnd dienstlich
Hinzufügung etlicher förderlicher und dienlicher Ordnungen
cesaraugustanischen kirchen
Kirche von Saragossa (Caesaraugusta, altrömischer Name für Saragossa in Spanien)
zumal liebet
besonders liebte
fuenff
fünf
zu gewidemt
geweiht, zugeordnet
newen orden der ritterschaft
neuen Ritterorden
vil sachen der kirchen stand an treffende
viele den Stand der Kirche betreffende Sachen
fuersichtigclich handlet
vorsichtig, umsichtig handelte
sibenden iar
siebten Jahr
Thomam den Erphordensischen bischoff
Thomas, den Erfurter Bischof (Hier liegt vermutlich ein Fehler in der Chronik vor, da Thomas von Aquin 1323 heiliggesprochen wurde, aber kein 'Erfurter Bischof Thomas' bekannt ist, der zu dieser Zeit heiliggesprochen wurde.)
Thomam von aquino prediger ordens
Thomas von Aquin, vom Predigerorden (Dominikanerorden, historische Person, Kirchenlehrer)
zal der heilligen beichtiger cristi
Zahl der heiligen Bekenner Christi (Heiligsprechung)
koenig Ludwigs wale
König Ludwigs Wahl (Ludwig IV. der Bayer)
widerrueft vnd geunkreftigt
widerrief und für ungültig erklärte
scismaticum
lat. schismaticus – Schismatiker, Kirchenspalter
widerspennigen
Widerspenstigen, Aufsässigen
verpannet
verbannt, exkommuniziert
ketzer verdambt
Ketzer verdammt
xc.
römisch für 90
xx.
römisch für 20
xii.
römisch für 12
vim.vc.xxxiv.
römisch für 5534
im.iiic.xxxv.
römisch für 1335
Tholosa auß frankreich
Toulouse aus Frankreich (Toulouse, Stadt in Frankreich)
cistercier ordens
Zisterzienserordens
vormals iacobus genant
vormals Jakobus genannt (Jacques Fournier, später Papst Benedikt XII.)
xvi. tag
16. Tag (nach dem Tod des Vorgängers)
pan vormals von Johanne wider Ludwigen den hertzog zu bayern außgangen
Bann, der vormals von Johannes (XXII.) gegen Ludwig (IV. den Bayern) ausgegangen war
welschen fuersten vnd voelcker
welsche Fürsten und Völker (italienische Fürsten und Völker)
der sachen eins kriegs eins waren
in Kriegsangelegenheiten einig waren
Bononia
Bologna (Stadt in Italien)
stoltzmueetig
hochmütig
vil dings auß duerftigkeit vendervuonden
sich vieler Dinge aus Notwendigkeit unterfingen (hier: sich vieles herausnahmen, sich anmaßten)
koenig Johannes zu beheim
König Johann von Böhmen (Johann der Blinde, historische Person)
mit besetzung innhielt
mit Besatzung innehatte
tailten
teilten
Parma dem von der laitern
Parma dem von der Leitern (Familie della Scala, Herren von Verona)
Regium dem Gonzage
Reggio dem Gonzaga (Familie Gonzaga, Herren von Mantua)
Mutina dem estensischen marggrafen
Modena dem estensischen Markgrafen (Familie Este, Herren von Ferrara und Modena)
Luca dem Florentiner
Lucca dem Florentiner (Florenz, Stadt in Italien, hier wohl die Republik Florenz)
gefallen vnd werden solt
zufallen und gehören sollte
in sorgen wz ob villeicht
in Sorge war, ob vielleicht
kaiserlich stuol oee stund
kaiserlicher Stuhl leer stand (Vakanz des römisch-deutschen Kaisertums)
welschs land
welsches Land (Italien)
einichem eueßern feind
irgendeinem äußeren Feind
treffenliche
bedeutende, wichtige
stathalter
Statthalter
zinss
Zins, Abgabe
zehen tawsent guldein
zehntausend Gulden (Gulden, alte Währungseinheit)
sechs
sechs
treffenlich mann
bedeutende Männer
bestendiger man
beständiger, standhafter Mann
pyte
Bitte
myet
Miete, Bestechungsgeld (hier im Sinne von Bestechung)
gabe
Gabe, Geschenk (hier im Sinne von Bestechung)
nymmer abgewendt mocht
niemals abgewendet werden konnte
frummen
Frommen
boßhaftigen
Boshaften, Bösen
keret (wiewol vergebenlich) allen fleiß an
wandte (wiewohl vergeblich) allen Fleiß an, bemühte sich (vergeblich)
koenig franckreich vnd engelland zeuertragen
die Könige von Frankreich und England zu versöhnen, zu einigen
achten iar
achten Jahr
nit seinen freuenden oder gesyppten sunder der kirchen
nicht seinen Freunden oder Verwandten, sondern der Kirche
der werlt Blat CCXXV
Blatt 225 der Weltchronik
CCXXV
römisch für 225
Linea der kaiser
Linie der Kaiser (Bezug auf die Abfolge der Kaiser)
Ludwig hertzog zu bayrn
Ludwig, Herzog von Bayern (Ludwig IV. der Bayer)
Friderich hertzog zu oesterreich
Friedrich, Herzog von Österreich (Friedrich der Schöne)
LVdwig der vierd hertzog Ludwigs zu bayern sun
Ludwig der Vierte, Sohn Herzog Ludwigs von Bayern (Ludwig IV. der Bayer, Sohn Ludwigs II. des Strengen)
gepurt cristi tawsent.iiic.xv. iar
Geburt Christi 1315 (römisch für 1315)
xxxii. iar
römisch für 32 Jahre
kaiser Heinrichs
Kaiser Heinrich VII. (historische Person)
Ach zesamen
zu Aachen zusammen
zwitrechtigkeit
Zwietracht, Uneinigkeit
zwen
zwei
geschwistergit kind miteinander
Geschwisterkinder miteinander (Cousins, Ludwig und Friedrich waren Cousins)
Friderichen zu oesterreich hertzogen
Friedrich, Herzog von Österreich (Friedrich der Schöne)
achtieriger krieg
achtjähriger Krieg (Bezug auf den Konflikt, der zur Schlacht bei Mühldorf 1322 führte)
Mueldorff vnd Oettingen
Mühldorf und Oettingen (Orte in Bayern)
zu streyt gegeneinander
zum Kampf gegeneinander
beder seyt vil
auf beiden Seiten viele (Tote)
am maisten tod
am meisten tot
kercker geworffen
in einen Kerker geworfen
guotwilligkeit
Gutwilligkeit, Wohlwollen
ledig gelassen
freigelassen
geding vnd beschaidenheit
Bedingung und Bestimmtheit, Abmachung
hinfuero
hinfort, künftig
erlangunng des roemischen kaiserthumbs
Erlangung des römischen Kaisertums
wider die hertzogen zu bayern nicht setzen solt
sich nicht gegen die Herzöge von Bayern stellen sollte
in vergessung seins zusagens sich des roemischen koenigclichen tittels nit massen
in Vergessenheit seines Zusagens sich des römischen königlichen Titels nicht entäußern (hier: nicht auf den Titel verzichten, obwohl er es zugesagt hatte)
vberhuob sich Ludwig seins eroberten sygs
Ludwig erhob sich seines eroberten Sieges, Ludwig triumphierte
alßpald
alsbald, sofort
gezymmen
zukommen, geziemen
dem rat vnd vrteil eins roemischen babsts zeunderwerffen
sich dem Rat und Urteil eines römischen Papstes zu unterwerfen (hier: ohne sich zu unterwerfen, impliziert durch den Kontext des Konflikts)
zwilewftigkeit
Zwietracht, Uneinigkeit
welschen landen
welsche Länder (Italien)
vorawgen waren
vor Augen waren, bevorstanden
vnderstund er sich
er unterstand sich, er wagte es, er maßte sich an
kaiserlichs gewalts zegeprauchen
kaiserliche Gewalt zu gebrauchen
kein aufsehen auf die babstlichen oeberkeit zehaben
kein Aufsehen auf die päpstliche Oberkeit zu haben, die päpstliche Autorität zu ignorieren
Matheum den vitzdomgrafen
Matteo I. Visconti, den Vizegrafen (Visconte, Herr von Mailand)
Galeacium Marcum Luchinum Johannem vnd Stephanum seine suene
Galeazzo I., Marco, Luchino, Giovanni und Stefano Visconti (Söhne und Verwandte von Matteo I. Visconti, hier vereinfachend als 'seine Söhne' bezeichnet)
gein der statt Mayland tyranney vnuerschamt zegeprauchen vnderstunden
sich unverschämt unterstanden, in der Stadt Mailand Tyrannei auszuüben
grafen zu Mayland
Grafen zu Mailand (die Familie Visconti, Herren von Mailand)
gantz guotwillig
ganz wohlgesonnen
destleichtlicher erlangen moecht
desto leichter erlangen möchte
babst Johannes verpannet
Papst Johannes (XXII.) verbannte
Guelfiner verdruckten
die Guelfen unterdrückten (Guelfen, politische Partei in Italien, papsttreu)
teuetsche land
deutsche Lande
vnlang darnach
unlängst darnach, kurz darauf
fuer Trient
vor Trient (Trient, Stadt in Italien)
eysnin kron gekroenet
mit der eisernen Krone gekrönt (Eiserne Krone der Langobarden, Krönung zum König von Italien)
fueroan gein rom
fürderhin gen Rom (weiterhin nach Rom)
daselbst wardt
daselbst wurde (Text bricht hier ab, vermutlich vor der Kaiserkrönung)