Schedelsche Weltchronik · Blatt 226

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 226, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 226, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Muenchen die statt des oebern teuetschen lannds an dem fluss der yser gelegen ist vnder der fuersten stetten in teuetschen landen hohberuembt vnd in bayerland die namhaftigst. Aber wiewol dise stat fuer new geachtet wirdt so fuertrift sie doch andere stett an edeln gemaynen vnnd sunderlichen gepewen. dann alda sind fast schoene behawsungen. weyte gassen vnd garwolgezierte gotzhewßer. Vnnd wiewol dise statt zu den zeitten kayser Otten des ersten den anfang irer vrhabe genomen hat. yedoch ist sie von dem yetzhieuorgeschriben kaiser Ludwigen erweitert vnd mit gepewen geziret worden. Als der benant Ott der erst das kaiserthumb in teuetschen land nach der gepurt cristi. ixc.lxij. iar empfieng do besaße hertzog Heinrich von prawnßwigk auß mueterlicher erbschaft einen teil des bayrischen lands. vnd het auff dem schloss veringen sein wonung. Zu derselben zeit wz an demselben ende ein gemayne straß oder durchfart vber die yser. do hieß derselb hertzog Heinrich ein prugken vber die yser bey dem muenchßhof da dann yetzo die statt Muenchen ligt machen vnd auffrichten vnd verornet daselbst ein gemayne straß zewerden mit eim kleinen stettlein. Aber nach dem bischoff Albrecht von freysingen deßhalb abbruch vnd vermynnderung an seinen zoellen vnd freyheiten empfunde do beclaget er sich des vor kaiser Otten Dem nach schaffet der kaiser die straßen nach alter gewonheit bey Veringen bleiben zelassen. Dazwischen starb hertzog Heinrich vnd ließ einen sun Ernst genant. Vnlang darnach starb auch fraw Odyena kayser Otten gemahel des koenigs von engelland tochter. also name kaiser Otto des gestorben hertzog Heinrichs zu bayern gelaßne wittiben frawen Adelhaiden zu der ee. Nw wardt derselben Adelhaiden sun hertzog Ernst von seiner redlichen an vil enden bey eueßern geuebten tate wegen dem bemelten kaiser Otten seinem stiefuater fast angeneme. darumb begeret er vomm kaiser ime zegestatten auß dem stettlein ein statt mit einer offnen strassen zemachen. also nach allerlay handlung verwilliget der kaiser darein. doch mit der vnderschaide. das deßhalb ierlich fuenftzig pfund pfennig gein Freysing bezalt werden solten. In solcher gestalt hat dise statt mit iren koenigclichen freheyten vnd begnadungen vrsprung gehabt. Vnd als nw dise statt durch hertzog Ernsten anfang genomen het do raichet sie von tag zu tag zu auffung vnd zunemung an volck vnd gepew nach der gepurt cristi. M.cc.lxx. iar. Zu der zeit bischoff Cunrats zu Freysingen wardt dise statt in zwuo pfarr getailt. vnd vnßer lieben frawen kirch auch zu einer pfarr auffgerichtet. dann vormals wz sant Peters kirch allain ein pfarr daselbst gewesen. Nachfolgend zu der werlt Blat CCXXVI den zeiten hertzog Ludwigs zu bayern vnd des roemischen kaisers hat dise statt mercklich vnd gross zugenomen dann derselb kaiser hat die vorstatt vnd vil andere gepew mit mawrn eingefangen. vnd das alt schloss mit der parfuoßer closter. vnd auch das closter Augustiner ordens in der statt auffgepawt. Bey diser statt in vnßer liben frawen pfarrkirchen vor dem hohen altar ligt derselb kaiser Ludwig begraben. alda man dann sein kaiserliche kron mit seinem tittel syht. Dise statt Muenchen ist in eim wunsamen ort an der yser gepawt. Daselbst haben die kawflewt zuzeiten iren durchzuch auß welschem in teuetsch lannd. Alda ist yetzo ein schoens wolgezierts schloss vnd ein fast weyter fuerstlicher hoff vnd behawßung mit vil huebschen vnd wunderwirdigen gemachen. camern vnd gewelben. Dise statt hat bißher mancherlay herren gehabt. aber diser zeit hat der durchleuechtig fuerst herr Albrecht hertzog zu bayern kaiser Friderichs des dritten tochterman dise statt innen. vnd neret auß seiner großtatigkeit vil leoben. In diser statt hat ein leobin vil iunger leoblin gewelft. Munchen center Freiheit des edeln geschlechts Forestorum MApheus bergomensis auß dem alten vnd edeln geschlecht Forestorum genannt geporn beder rechten ein hohgelerter. wolberedter vnd werltgescheider man wardt diser zeit von seiner woltuegclichkeit wegen bey kaiser Ludwigen in großer achtperkeit gehalten. vnd darumb von ime mit vil großen freyheiten begabet fuer sich vnd sein nachkomen. also das sie vnderm macht haben solten notari zeschoepffen. vneelich personen zeelichen. ordenlich richtere zesetzen vnd der gleichen. Raynaldus der estensisch marggraff Aldromandrini sun hat in disem iar nach seinem bruder die herrschung zu Ferraria erlangt vnd mitsambt Niclasen seinem bruder vier iar geherrschet. vnnd der gallier besetzung auß der statt vertriben vnd sich irs gewalts entledigt vnd die statt Argentam vndersich gebracht. vnnd der kirchen heer damit die statt ferraria belegert wz auß der statt vberfallen vnd zerstrewet. Zu letst starb er in guotem frid vnd ließ Obizonem Niclasen seins bruders sun als einen erben vnd nachkomen seiner herrschafft.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. München, die Stadt des oberen deutschen Landes, am Fluss der Isar gelegen, ist unter den Fürstenstädten in deutschen Landen hochberühmt und in Bayern die namhafteste. Doch obwohl diese Stadt als neu erachtet wird, übertrifft sie doch andere Städte an edlen öffentlichen und besonderen Gebäuden. Denn dort sind sehr schöne Behausungen, weite Gassen und sehr wohlverzierte Gotteshäuser. Und obwohl diese Stadt zu den Zeiten Kaiser Ottos des Ersten den Anfang ihres Ursprungs genommen hat, ist sie doch von dem jetzt zuvor beschriebenen Kaiser Ludwig erweitert und mit Gebäuden geziert worden. Als der benannte Otto der Erste das Kaisertum in deutschem Land nach der Geburt Christi im Jahre 962 empfing, besaß Herzog Heinrich von Braunschweig aus mütterlicher Erbschaft einen Teil des bayerischen Landes und hatte auf dem Schloss Veringen seine Wohnung. Zu derselben Zeit war an demselben Ende eine gemeine Straße oder Durchfahrt über die Isar. Da ließ derselbe Herzog Heinrich eine Brücke über die Isar beim Mönchshof, wo dann jetzt die Stadt München liegt, machen und aufrichten und verordnete daselbst, eine gemeine Straße mit einem kleinen Städtlein zu werden. Aber nachdem Bischof Albrecht von Freising deshalb Abbruch und Verminderung an seinen Zöllen und Freiheiten empfand, beklagte er sich dessen vor Kaiser Otto. Demnach schaffte der Kaiser, die Straßen nach alter Gewohnheit bei Veringen bleiben zu lassen. Dazwischen starb Herzog Heinrich und hinterließ einen Sohn namens Ernst. Unlängst danach starb auch Frau Odyena, Kaiser Ottos Gemahlin, die Tochter des Königs von England. Also nahm Kaiser Otto die hinterlassene Witwe des gestorbenen Herzogs Heinrich von Bayern, Frau Adelheid, zur Ehe. Nun ward derselben Adelheids Sohn, Herzog Ernst, wegen seiner redlichen, an vielen Orten im Ausland geübten Taten dem bemeldeten Kaiser Otto, seinem Stiefvater, fast angenehm. Darum begehrte er vom Kaiser, ihm zu gestatten, aus dem Städtlein eine Stadt mit einer offenen Straße zu machen. Also nach allerlei Handlung willigte der Kaiser darein, doch mit der Unterscheidung, dass deshalb jährlich fünfzig Pfund Pfennig gen Freising bezahlt werden sollten. In solcher Gestalt hat diese Stadt mit ihren königlichen Freiheiten und Begnadigungen Ursprung gehabt. Und als nun diese Stadt durch Herzog Ernst ihren Anfang genommen hatte, da reichte sie von Tag zu Tag zu Aufschwung und Zunahme an Volk und Gebäuden nach der Geburt Christi im Jahre 1270. Zu der Zeit Bischof Konrads von Freising ward diese Stadt in zwei Pfarreien geteilt, und Unserer Lieben Frauen Kirche auch zu einer Pfarrei aufgerichtet. Denn vormals war Sankt Peters Kirche allein eine Pfarrei daselbst gewesen. Nachfolgend, zu den Zeiten Herzog Ludwigs von Bayern und des römischen Kaisers, hat diese Stadt merklich und groß zugenommen. Denn derselbe Kaiser hat die Vorstadt und viele andere Gebäude mit Mauern eingefangen und das alte Schloss mit dem Barfüßerkloster und auch das Kloster des Augustinerordens in der Stadt aufgebaut. Bei dieser Stadt, in Unserer Lieben Frauen Pfarrkirche, vor dem hohen Altar, liegt derselbe Kaiser Ludwig begraben, wo man dann seine kaiserliche Krone mit seinem Titel sieht. Diese Stadt München ist an einem wünsamen Ort an der Isar gebaut. Daselbst haben die Kaufleute zuzeiten ihren Durchzug aus welschem in deutsches Land. Alda ist jetzt ein schönes, wohlgeziertes Schloss und ein sehr weiter fürstlicher Hof und Behausung mit vielen hübschen und wunderwürdigen Gemachen, Kammern und Gewölben. Diese Stadt hat bisher mancherlei Herren gehabt, aber dieser Zeit hat der durchlauchtige Fürst, Herr Albrecht, Herzog zu Bayern, Kaiser Friedrichs des Dritten Tochtermann, diese Stadt inne und nährt aus seiner Großtätigkeit viele Leute. In dieser Stadt hat eine Löwin viele junge Löwen gewölft. München, Zentrum der Freiheit des edlen Geschlechts Forestorum. Maffeus Bergomensis, geboren aus dem alten und edlen Geschlecht Forestorum genannt, ein hochgelehrter, wohlberedter und weltgescheiter Mann beider Rechte, ward dieser Zeit wegen seiner Wohltätigkeit bei Kaiser Ludwig in großer Achtbarkeit gehalten und darum von ihm mit vielen großen Freiheiten begabt für sich und seine Nachkommen, also dass sie unter anderem die Macht haben sollten, Notare zu schöpfen, uneheliche Personen zu ehelichen, ordentliche Richter zu setzen und dergleichen. Raynaldus, der estensische Markgraf, Sohn Aldromandrinis, hat in diesem Jahr nach seinem Bruder die Herrschaft zu Ferrara erlangt und mitsamt Niclas, seinem Bruder, vier Jahre geherrscht. Und die gallische Besetzung aus der Stadt vertrieben und sich ihres Gewalts entledigt und die Stadt Argenta unter sich gebracht. Und das Heer der Kirche, womit die Stadt Ferrara belagert war, wurde aus der Stadt überfallen und zerstreut. Zuletzt starb er in gutem Frieden und hinterließ Obizo, Niclas, seines Bruders Sohn, als einen Erben und Nachkommen seiner Herrschaft.

Anmerkungen

sechst alter
Das sechste Zeitalter (historische Periodisierung in Chroniken)
oebern teuetschen lannds
Oberdeutsches Land (historische Bezeichnung für eine Region im südlichen Teil des Heiligen Römischen Reiches)
yzer
Isar (Fluss)
fuersten stetten
Fürstenstädte (Städte unter der Herrschaft eines Fürsten, oft mit besonderen Privilegien)
teuetschen landen
Deutsche Lande (historische Bezeichnung für die deutschen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches)
bayerland
Bayern (historische Region und Herzogtum)
namhaftigst
namhafteste, berühmteste (archaisch für 'die bekannteste')
gemaynen
gemeinen, öffentlichen (archaisch)
sunderlichen gepewen
besonderen Gebäuden (archaisch)
behawsungen
Behausungen, Häuser (archaisch)
gotzhewßer
Gotteshäuser, Kirchen (archaisch)
kayser Otten des ersten
Kaiser Otto I. (der Große) (historische Person, römisch-deutscher Kaiser 962–973)
vrhabe
Ursprung, Entstehung (archaisch)
yetzhieuorgeschriben
jetzt zuvor beschrieben (archaisch, verweist auf einen früheren Abschnitt der Chronik)
kaiser Ludwigen
Kaiser Ludwig (IV., der Bayer) (historische Person, römisch-deutscher Kaiser 1328–1347)
ixc.lxij. iar
962 Jahre (römische Zahl für 962)
hertzog Heinrich von prawnßwigk
Herzog Heinrich von Braunschweig (historische Person, hier wohl Heinrich der Zänker, Herzog von Bayern, obwohl die Braunschweig-Verbindung und die Chronologie mit Otto I. in Schedel oft vereinfacht oder ungenau sind)
prawnßwigk
Braunschweig (historisches Herzogtum und Stadt)
schloss veringen
Schloss Veringen (Ort, Veringenstadt)
wz
war (archaische Schreibweise)
gemayne straß
gemeine Straße, öffentliche Straße (archaisch)
durchfart
Durchfahrt, Passage (archaisch)
prugken
Brücke (archaische Schreibweise)
muenchßhof
Mönchshof (Ort, bezieht sich auf die Ursprünge Münchens, von 'Munichen' = 'bei den Mönchen')
stettlein
Städtlein, kleines Städtchen (archaisches Diminutiv)
bischoff Albrecht von freysingen
Bischof Albrecht von Freising (historische Person, Albrecht I. von Freising, Bischof 937–957)
freysingen
Freising (Ort, Bistum)
abbruch vnd vermynnderung
Abbruch und Verminderung, Einbuße und Minderung (archaische Formulierung)
zoellen
Zöllen (archaische Schreibweise)
freyheiten
Freiheiten, Privilegien (archaisch)
schaffet
schaffte, ordnete an (archaisch)
gewonheit
Gewohnheit (archaische Schreibweise)
sun Ernst genant
Sohn Ernst genannt (historische Person, Ernst von Bayern, Sohn Heinrichs I. von Bayern)
fraw Odyena
Frau Odyena (historische Person, hier wohl Eadgyth von Wessex, erste Gemahlin Ottos I., obwohl der Name leicht abweicht)
koenigs von engelland
König von England (historische Referenz)
gelaßne wittiben frawen Adelhaiden
hinterlassene Witwe Frau Adelheid (historische Person, Adelheid von Burgund, zweite Gemahlin Ottos I. Die Verbindung zu Herzog Heinrich von Bayern ist in der Chronik historisch ungenau.)
zu der ee
zur Ehe (archaische Formulierung)
redlichen an vil enden bey eueßern geuebten tate
redlichen, an vielen Orten im Ausland geübten Taten (archaische Formulierung)
bemelten
bemeldeten, erwähnten (archaisch)
stiefuater
Stiefvater (historische Beziehung, basierend auf der Chronik)
offnen strassen
offenen Straßen, öffentlichen Straßen (archaisch)
allerlay handlung
allerlei Handlung, Verhandlung (archaisch)
vnderschaide
Unterscheidung, Bedingung (archaisch)
fuenftzig pfund pfennig
fünfzig Pfund Pfennig (historische Währungseinheit und Maß)
gein Freysing
gen Freising, nach Freising (archaische Präposition)
koenigclichen freheyten vnd begnadungen
königlichen Freiheiten und Begnadigungen (archaische Formulierung)
vrsprung
Ursprung (archaische Schreibweise)
raichet sie von tag zu tag zu auffung vnd zunemung
reichte sie von Tag zu Tag zu Aufschwung und Zunahme (archaische Formulierung)
volck vnd gepew
Volk und Gebäude (archaisch)
M.cc.lxx. iar
1270 Jahre (römische Zahl für 1270)
bischoff Cunrats zu Freysingen
Bischof Konrad von Freising (historische Person, Konrad III. von Freising, Bischof 1258–1278)
zwuo pfarr getailt
in zwei Pfarreien geteilt (archaische Formulierung)
vnßer lieben frawen kirch
Unserer Lieben Frauen Kirche (historisches Gebäude, Frauenkirche in München)
sant Peters kirch
Sankt Peters Kirche (historisches Gebäude, Peterskirche in München)
allain
allein (archaische Schreibweise)
werlt Blat CCXXVI
Weltchronik, Blatt 226 (Referenz zur Quelle, Schedels Weltchronik)
CCXXVI
226 (römische Zahl)
hertzog Ludwigs zu bayern vnd des roemischen kaisers
Herzog Ludwig von Bayern und des römischen Kaisers (historische Person, Ludwig IV., der Bayer, Herzog von Bayern und römisch-deutscher Kaiser)
mercklich vnd gross zugenomen
merklich und groß zugenommen (archaische Formulierung)
vorstatt
Vorstadt (archaisch)
mawrn eingefangen
mit Mauern eingefangen, ummauert (archaische Formulierung)
parfuoßer closter
Barfüßerkloster (historisches Gebäude/Orden, Franziskanerkloster)
closter Augustiner ordens
Kloster des Augustinerordens (historisches Gebäude/Orden)
tittel
Titel (archaische Schreibweise)
wunsamen ort
wünsamen Ort, angenehmen Ort (archaisch)
kawflewt
Kaufleute (archaische Schreibweise)
durchzuch
Durchzug, Transit (archaisch)
welschem
Welschem (alte Bezeichnung für romanischsprachige Gebiete, hier Italien)
wolgezierts
wohlgeziertes, gut geschmücktes (archaisch)
fuerstlicher hoff
fürstlicher Hof (archaisch)
huebschen
hübschen, schönen (archaisch)
wunderwirdigen
wunderwürdigen, bemerkenswerten (archaisch)
gemachen
Gemachen, Räumen (archaisch)
camern
Kammern (archaische Schreibweise)
gewelben
Gewölben (archaische Schreibweise)
mancherlay herren
mancherlei Herren, verschiedene Herren (archaisch)
durchleuechtig fuerst herr Albrecht hertzog zu bayern
durchlauchtiger Fürst Herr Albrecht, Herzog zu Bayern (historische Person, Albrecht IV. von Bayern, Herzog 1465–1508)
kaiser Friderichs des dritten tochterman
Kaiser Friedrichs des Dritten Tochtermann (historische Beziehung, Albrecht IV. war Schwiegersohn Kaiser Friedrichs III.)
kaiser Friderichs des dritten
Kaiser Friedrich III. (historische Person, römisch-deutscher Kaiser 1452–1493)
dise statt innen
diese Stadt innehat, besitzt (archaische Formulierung)
neret auß seiner großtatigkeit vil leoben
nährt aus seiner Großtätigkeit viele Leute (archaische Formulierung)
leobin
Löwin (archaisch)
leoblin
Löwen, junge Löwen (archaisches Diminutiv)
gewelft
gewölft, geboren (archaisch, speziell für Raubtiere)
Forestorum
Forestorum (lateinisch, Name eines Adelsgeschlechts)
MApheus bergomensis
Maffeus Bergomensis (historische Person, Maffeo Vegio da Lodi, Humanist und Jurist. Schedel nennt ihn hier 'Bergomensis', was 'aus Bergamo' bedeutet, obwohl Vegio aus Lodi stammte.)
beder rechten
beider Rechte (akademischer Grad in Zivil- und Kirchenrecht)
hohgelerter
hochgelehrter (archaisch)
wolberedter
wohlberedter, redegewandter (archaisch)
werltgescheider
weltgescheiter, weltkluger (archaisch)
woltuegclichkeit
Wohltätigkeit, Wohltätigkeit (archaisch)
achtperkeit
Achtbarkeit, Ansehen (archaisch)
notari zeschoepffen
Notare zu schöpfen, zu ernennen (archaische Formulierung, bezieht sich auf ein Privileg)
vneelich personen zeelichen
uneheliche Personen zu ehelichen, zu verheiraten (archaische Formulierung, bezieht sich auf ein Privileg)
ordenlich richtere zesetzen
ordentliche Richter zu setzen, zu ernennen (archaische Formulierung, bezieht sich auf ein Privileg)
Raynaldus der estensisch marggraff
Raynaldus, der estensische Markgraf (historische Person, Rinaldo I. d'Este, Markgraf von Ferrara)
Aldromandrini sun
Aldromandrinis Sohn (hier wohl eine Verwechslung oder vereinfachte Genealogie in der Chronik. Rinaldo I. war Sohn von Azzo VII. d'Este.)
Ferraria
Ferrara (Ort, Stadt in Italien)
Niclasen seinem bruder
Niclas, seinem Bruder (historische Person, hier wohl Niccolò III. d'Este, obwohl die Chronologie in Schedel stark komprimiert und vereinfacht ist.)
gallier besetzung
gallische Besetzung (Bezeichnung für französische Truppen)
Argentam
Argenta (Ort, Stadt in Italien)
kirchen heer
Heer der Kirche, päpstliches Heer (historische Referenz)
Obizonem Niclasen seins bruders sun
Obizo, Niclas, seines Bruders Sohn (historische Person, Obizzo II. d'Este, Sohn von Niccolò I. d'Este. Die Genealogie ist in Schedel oft vereinfacht oder ungenau.)