Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Linea der bebst // Clemens der sechst Jar der werlt .vim.vc.xlii.Jar cristi .im.iiiec.xliii. CLemens der sechst dauor Petrus genannt erstlich ein closterman darnach ein rothomagensischer ertzbischoff vnd zu lestt in dem monat des mayen nach cristi gepurt tawsent.ccc.xlii. iar zu auion babst erkorn wz ein wolgelert. gesprech. mylt vnd holdselig man. Der machet in dem ersten iar seins babstthumbs acht cardinel vnd zwen dyacon. Aber nach dem er verstund das vil zwittracht vnnd auffruor in welschem land wer so bestettiget er allain Luchinum vnd Johannem zu vitzdomgrafen des lands insubrie vngeachtet andrer fuersten in welschem land. der hoffnung dz dieselben zwen kaiser Ludwigen so der welsche land vbeziehen woelt am maisten widerstand thun moechten. Nw zohe der kaiser bis gein Trient vnd bestettiget dem babst zuuerdrieß vnd wider. vil statthalter welscher stett zu der kirchen gehoerende auß kayserlichem gewalt. Solche widerdrießlich grammschaft kome dem babst vnnd seinen nachkomen zu mercklichem vnstatten. dann der roemischen kirchen warden vil stett vnder dem tittel der statthaltung auß der gehorsam entzogen. Diser babst Clemens sendet ettlich cardinel von Auion gein rom den stand vnnd das wesen der roemer zerechtfertigen. Zu letst starb diser Clemens in dem. xi. iar seins babstthumbs zu Auion vnd wardt daselbst begraben. DAs iubel oder gnadenreich iar wardt auff begere der roemer nach der gepurt cristi .M.ccc.l. iar von babst Clemente gesetzt. also das auch fueroan alweg vber. l iar ein gnadenreich iar sein solt zu vergebung aller suennd. den ihenen die die heilligen gotzhewßer vnd stette zu rom haymsuchten. dann wiewol vormals dem alten gesetz nach alweg vber hundert iar ein iubel iar gewesen wer. yedoch so sich des menschen alter also lang nicht erstreckt so maynten sie es wer besser ye vber. l. iar die romfart fuerzenemen. also kome auff dasselb iar teglich auß allen cristenlichen gegenten ein soelche große menig volcks gein rom das dauor in einichem iubel iar souil volcks nye daselbsthin komen was. IN den selben zeitten was ein vormals vnerhoerter sterbe der pestilentz zu Mayland vnd durch das gantz welsch land drey iar aneinander also erschrockenlich das vnder tawsent menschen kawm der zehend in leben blib. vnd des was sich nit zeuerwundern dann die menig des volcks das von allen gegenten durch welsche land im iubel iar zohe befleckten vnd vergiften aneinander. Innocentius der sechst INnocentius der sechst vormals Stephanus genant geistlicher vnd werltlicher recht ein hohgelert man. erstlich ein procurator darnach ein bischoff vnd cardinal. vnd zu letst in dem iar cristi tawsent.iiic.lii. babst erwelt. was ein man rechtfertigs lebens. großer bestendigkeit vnd ernstlichkeit. Er verliehe die gaistlichen pfruend nymant dann frummen gelerten briestern guots lebens. Alßpald nach seiner bekroenung ordnet vnd setzet er das alle prelaten vnd alle die die pfruend hetten bey der peen des panns zu iren kirchen ziehen solten. dann er sprach die waydschaff solten von iren aygen hirten vnd nicht von dem tagloener bewaret werden. So rynngeret er die hawszerung die zumal gross was vnd erwelet ime frumm lewt zu hoffgesind. Deßgleichen schaffet er auch den cardinel zethun. Er setzet den sachhoerern des babstlichen pallasts sold vnd belonung auff das sie von armuot wegen in entschied der sachen mit myet vnd gaben nicht verwenckt wuerden. Er was der speys messig. aber in kriegßzerung gantz milt. als er das das die tyrannen vormals der kirchen abgedrungen hetten wider forderet. dann er schicket Egidium von dem edeln geschlecht Carilla in Hyspania geporn. der was ein bischoff sabinorum vnd ein cardinal vnd gar ein treffenlicher anschlagiger vnd mechtiger man. durch den bracht er in kurtzer zeit alle stett vnd schloesser der kirchen zugehoerende vnd von den tyrannen bekuemert in seinen gewalt. Diser Innocentius hat die Genueser vnnd Venediger mit einander zu puentnus gebracht. Zwischen den von Pisa vnd Florentz frid gemacht. vnd die zwitracht zu rom die sie in wale der ratherren hetten gar wol gestillet. So keret er allen fleiß an die sache des Franckreichischen vnd Engellendischen kriegs nyderzedrucken. vnd liess auch schiffung wider die vnglawbigen berayten. aber in solchen bekuemernußen muee vnnd anfechtungen starb er im zehenden iar seins babstthumbs vnnd wardt begraben in Auion in der carthewßer closter das er mit aygner kostung vnd darlegung gepawt vnd begabt het. der werlt Blat CCXXIX Linea der kaiser // Carolus der vierd CArolus des namens der vierd koenig Johanßen zu beheim sun vnd kaiser heinrichs enicklein ward nach der gepurt cristi tawsent.iiic.xlvii. iar auß verfuegung babst Clementis des sechsten kaiser Ludwigen zu schmah vnd verdruckung von den churfuersten des reichs zu roemischem koenig erkorn vnd regiret .xxxii. iar. Diser Carolus was wolgelert vnd kund vil sprache. er was gerecht. frumm. gotzßfoerchtig. ein liebhaber der frummen vnd ein hasser der boßhaftigen. Er machet zu fuerderung der gerechtigkeit ettliche gesetze die noch vorawgen sind vnd nach ime Caroline genant werden Er hat noch in leben seins vaters wider die vnglawgigen gluecklich gefochten. vnd die stett in Lombardia die sein vater dauor eingenomen het mit dem schwert beschuetzt vnd noch ein iunger mit den von Bern gestritten vnd sie vberwunden. In demselben streyt kom er zwaymal vom pferd vnd zum dritten mal wider darauff mit erzaygung ritterlicher tate. Diser Carolus wardt in seinem tawff Wentzlaw genant vnd ime darnach derselb namen in seiner firmung von Carolo dem franckreichischen koenig verwandelt. vnd von ime in seiner kintheit erzogen. Diser Carolus wz ein großtetig man der dz behmisch koenigreich mit goetlicher dienstpflichtperkeit. auch mit zucht guoter gesetze vnd sytten erleuechtet. Die schuol der freyen kuenst zu Prag aufgerichtet. Die newen statt daselbst mit mawrn vnd zynnen eingefangen. den koenigclichen pallast herrlich erpawt vil cloester gestifftet. wunderwirdige schloss auffgerichtet vnnd das gantz behmisch koenigreich befridet hat. Als nw diser Carolus das Roemisch koenigreich erlanngt het do zohe er widerumb in welsche land vnd verzohe lang vnderwegen zu mantua vnd machet die zwittrechtigen welschen fuersten die sich vor ime besorgten einig. vnd zohe fueroan gein Mayland. daselbst empfieng er nach gewonheit die eyßnin kron. Als er aber auff dem weg gein rom ziehen wolt do kome er gein Pisa. daselbst stillet er die widerpartheyer. So erzaigten vnd oppferten sich die Senenses Volaterani Miniatenses vnd Florentiner dem kaiser zu gehorsam. Zu lest kom Carolus gein rom daselbst wardt er von zwayen cardineln (die babst Innocentius darumb dahyn gesendt het) mit der kaiserlichen kron bekroenet. Darnach hat er die gibelliner außgeworffen vnd die guelfos an ir stat gesetzt. vnd die Lombarder in seinen gewalt genomen. vnd den andern oertern des ethrurischen lands nach seinem willen gesetze vnd ordnung gegeben. Als nw Carolus also zu rom gekroenet was worden do gabe er die ihenen die wider die kirchen handelten dem babst in seinen gewalt dieselben zeurteiln. Darnach zohe Carolus durch Ethruriam vnd Lombardiam widerumb in teuetsche land. vnd hat Johanni seinem bruder Merhern eingegeben. den vischerat zu Prag mit newen mawrn vnd vorweere befestigt. vnd die prugken vber die Mulda die auß verfloesung eingefallen was widerumb auffgericht. Sant Veits leichnam gein Prag gebracht. vnd die kirchen daselbst zu eim bischoffthumb erhebt. die dauor dem Maintzischen bischoff vnderworffen was. Er was gar ein hohberuembt loeblich man. außgenomen das er (als ettlich schreiben) mer des behmischen dann des roemischen reichs nutz vnd ere soll haben gesucht. Er verhieße yedem churfuersten hunderttawsent gulden das sie Wentzlawen seinen eltern sun zu roemischem koenig nach ime welen solten. Aber nach dem er ine souil gelts par nicht laysten kund so verschrib vnd versetzet er inen gemayne des roemischen reichs zoelle. vber ettliche iar darnach starb diser Carolus in gutem alter nach der gepurt cristi. M.ccc.lxxviii. iar. Graf Guenther von schwartzburg GRaff Guenther von schwartzburg ein großmueetig man setzet sich mit gunst etlicher churfuersten wider den obgenanten kaiser Carolum vnd nennet sich eynen roemischen koenig. vnd als er aber vil volcks gesammlet het vnd wider disen Carolum kriegen wolt vnd inen weder mit bitte noch erschreckung nymant dauon abwenden moch do wardt ime mit gift vergeben vnd Carolus durch einen artzt dess verargkwonet Nach diss graff Gunthers tod regiret Carolus on widerstand gerueelich. right EIn comet erschine im .M.ccc.li. iar in dem december monat in der mitternachtlichen gegent. darnach komen schwere wind. vnd man sahe einen vornen prinnenden palcken von himel fallen. Vnnd man sagt das vor babst Innocencii des sechsten tod ein groeßere vinsternus der sunnen gewesen dann dauor ye gesehen worden wer. EIn großer vberschwencklicher schewhlicher tampff beweget sich in dem gewuelcke vnd fiel auff die erden nyder. vnd man sagt das ein große zal gewuerms im oriennt von himel herab gefallen sey.
Das sechste Zeitalter, Linie der Päpste. Clemens der Sechste. Jahr der Welt 8542, Jahr Christi 1343. Clemens der Sechste, zuvor Petrus genannt, zuerst ein Klostermann, danach ein Erzbischof von Rouen und zuletzt im Monat Mai nach Christi Geburt 1342 in Avignon zum Papst erwählt, war ein wohlgelehrter, gesprächiger, milder und holdseliger Mann. Er machte im ersten Jahr seines Papsttums acht Kardinäle und zwei Diakone. Aber nachdem er verstand, dass viel Zwietracht und Aufruhr in Italien herrschte, so bestätigte er allein Luchino und Giovanni als Viztume des Landes Insubrien, ungeachtet anderer Fürsten in Italien. Er tat dies in der Hoffnung, dass dieselben zwei Kaiser Ludwig, wenn dieser Italien durchziehen wollte, am meisten Widerstand leisten könnten. Nun zog der Kaiser bis nach Trient und bestätigte dem Papst zum Verdruss und Widerstand viele Statthalter italienischer Städte, die der Kirche gehörten, aus kaiserlicher Gewalt. Solche widerwärtige Feindschaft kam dem Papst und seinen Nachkommen zu merklichem Nachteil, denn der römischen Kirche wurden viele Städte unter dem Titel der Statthalterschaft dem Gehorsam entzogen. Dieser Papst Clemens sandte etliche Kardinäle von Avignon nach Rom, um den Zustand und das Wesen der Römer zu ordnen. Zuletzt starb dieser Clemens im elften Jahr seines Papsttums in Avignon und wurde daselbst begraben. Das Jubel- oder Gnadenjahr wurde auf Begehren der Römer nach der Geburt Christi 1350 von Papst Clemens festgesetzt, sodass auch fortan immer über 50 Jahre ein Gnadenjahr sein sollte zur Vergebung aller Sünden für diejenigen, die die heiligen Gotteshäuser und Stätten in Rom besuchten. Denn wiewohl vormals nach dem alten Gesetz immer über hundert Jahre ein Jubeljahr gewesen wäre, jedoch da sich das Alter des Menschen nicht so lange erstreckt, so meinten sie, es wäre besser, jeweils über 50 Jahre die Romfahrt vorzunehmen. So kam auf dasselbe Jahr täglich aus allen christlichen Gegenden eine so große Menge Volkes nach Rom, dass zuvor in keinem Jubeljahr so viel Volk dorthin gekommen war. In denselben Zeiten war ein vormals unerhörter Tod durch die Pestilenz in Mailand und durch das ganze Italien drei Jahre hintereinander so erschrecklich, dass unter tausend Menschen kaum der zehnte am Leben blieb. Und das war nicht zu verwundern, denn die Menge des Volkes, das von allen Gegenden durch Italien im Jubeljahr zog, infizierte und steckte einander an. Innozenz der Sechste, vormals Stephanus genannt, in geistlichem und weltlichem Recht ein hochgelehrter Mann, zuerst ein Prokurator, danach ein Bischof und Kardinal, und zuletzt im Jahr Christi 1352 zum Papst erwählt, war ein Mann rechtschaffenen Lebens, großer Beständigkeit und Ernsthaftigkeit. Er verlieh die geistlichen Pfründen niemandem außer frommen, gelehrten Priestern guten Lebens. Alsbald nach seiner Krönung ordnete und setzte er, dass alle Prälaten und alle, die Pfründen hatten, bei Strafe des Bannes zu ihren Kirchen ziehen sollten. Denn er sprach: Die Herde sollte von ihren eigenen Hirten und nicht von Tagelöhnern bewahrt werden. So verringerte er die Haushaltsführung, die damals groß war, und erwählte sich fromme Leute als Hofgesinde. Desgleichen schaffte er auch den Kardinälen zu tun. Er setzte den Sachhörern des päpstlichen Palastes Sold und Belohnung fest, damit sie aus Armut wegen in der Entscheidung der Sachen nicht mit Bestechung und Gaben verführt würden. Er war in der Speise mäßig, aber in Kriegsführung ganz großzügig, als er das, was die Tyrannen vormals der Kirche abgedrungen hatten, wieder forderte. Denn er schickte Egidius vom edlen Geschlecht Carrillo, in Hispanien geboren, der war ein Bischof von Sabina und ein Kardinal und gar ein trefflicher, umsichtiger und mächtiger Mann. Durch ihn brachte er in kurzer Zeit alle Städte und Schlösser, die der Kirche gehörten und von den Tyrannen besetzt waren, in seinen Gewalt. Dieser Innozenz hat die Genuesen und Venezianer miteinander zu einem Bündnis gebracht, zwischen den Pisanern und Florentinern Frieden gemacht und die Zwietracht in Rom, die sie bei der Wahl der Ratsherren hatten, sehr gut beigelegt. So wandte er allen Fleiß an, die Sache des Französischen und Englischen Krieges niederzudrücken, und ließ auch Schiffe gegen die Ungläubigen bereiten. Aber in solchen Bekümmernissen, Mühen und Anfechtungen starb er im zehnten Jahr seines Papsttums und wurde in Avignon im Kartäuserkloster begraben, das er mit eigener Kost und Stiftung gebaut und begabt hatte. Der Welt Blatt 229, Linie der Kaiser. Karl der Vierte. Karl des Namens der Vierte, König Johanns von Böhmen Sohn und Kaiser Heinrichs Enkel, wurde nach der Geburt Christi 1347 auf Anordnung Papst Clemens des Sechsten, Kaiser Ludwig zur Schmach und Unterdrückung, von den Kurfürsten des Reiches zum römischen König erkoren und regierte 32 Jahre. Dieser Karl war wohlgelehrt und konnte viele Sprachen. Er war gerecht, fromm, gottesfürchtig, ein Liebhaber der Frommen und ein Hasser der Boshaften. Er machte zur Förderung der Gerechtigkeit etliche Gesetze, die noch gültig sind und nach ihm „Caroline“ genannt werden. Er hat noch zu Lebzeiten seines Vaters gegen die Ungläubigen glücklich gefochten und die Städte in der Lombardei, die sein Vater zuvor eingenommen hatte, mit dem Schwert beschützt und noch als junger Mann mit den Bernern gestritten und sie überwunden. In demselben Streit kam er zweimal vom Pferd und zum dritten Mal wieder darauf mit Erzeigung ritterlicher Taten. Dieser Karl wurde in seiner Taufe Wenzel genannt, und ihm danach derselbe Name in seiner Firmung von Karl, dem französischen König, verwandelt und von ihm in seiner Kindheit erzogen. Dieser Karl war ein großtätiger Mann, der das böhmische Königreich mit göttlicher Dienstpflichtigkeit, auch mit Disziplin, guter Gesetze und Sitten erleuchtete. Die Schule der freien Künste in Prag aufgerichtet, die Neustadt daselbst mit Mauern und Zinnen eingefasst, den königlichen Palast herrlich erbaut, viele Klöster gestiftet, wunderwürdige Schlösser aufgerichtet und das ganze böhmische Königreich befriedet hat. Als nun dieser Karl das römische Königreich erlangt hatte, da zog er wiederum in italienisches Land und verweilte lange unterwegs in Mantua und machte die zwieträchtigen italienischen Fürsten, die sich vor ihm fürchteten, einig. Und zog fortan nach Mailand. Daselbst empfing er nach Gewohnheit die eiserne Krone. Als er aber auf dem Weg nach Rom ziehen wollte, da kam er nach Pisa. Daselbst stillte er die Widerparteien. So unterwarfen sich die Sieneser, Volterraner, Miniatoer und Florentiner dem Kaiser zu Gehorsam. Zuletzt kam Karl nach Rom, daselbst wurde er von zwei Kardinälen (die Papst Innozenz deswegen dorthin gesandt hatte) mit der kaiserlichen Krone gekrönt. Danach hat er die Ghibellinen ausgeworfen und die Guelfen an ihre Statt gesetzt und die Lombarden in seinen Gewalt genommen und den anderen Orten des etruskischen Landes nach seinem Willen Gesetze und Ordnung gegeben. Als nun Karl also zu Rom gekrönt worden war, da gab er jene