Das Buch von guter Speise (Daz buoch von guoter spîse)
Apfelmus mit Wein und Ei
Moderne Übersetzung
Ein Apfelmus. Willst du ein Apfelmus zubereiten, so nimm schöne Äpfel, schäle sie und schneide sie in kaltes Wasser. Koche sie dann in einem Topf weich. Vermische sie mit Wein und Schmalz. Schlage die Eier mit dem Weißen und mit allem auf und gib sie dann dazu. Dies ist ein sehr gutes Gericht. Versalze es nicht.
Zutaten
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| schoen epfele | 1 kg Äpfel | Supermarkt / Wochenmarkt | - |
| kalt wazzer | 500 ml kaltes Wasser | Leitung | - |
| wine | 200 ml Wein (trocken, weiß) | - | - |
| smaltze | 50 g Schmalz | Metzger / Supermarkt | Butter oder Pflanzenöl |
| eyer | 2 Stück Eier | Supermarkt / Wochenmarkt | - |
| versaltz niht | Prise Salz | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein mit Wein, Schmalz und Ei angereichertes Apfelmus - kein schlichtes Kompott, sondern eine cremig gebundene, süß-säuerliche Beilage, gut zu Braten und Geflügel. Verwandt ist das bis heute geläufige Apfelmus zu Gans oder Schweinebraten; strukturell näher noch das mittelenglische appelmoy (Forme of Cury), ebenfalls ein mit Wein angereichertes, teils mit Ei gebundenes Apfelmus als eigener Gang. Im Korpus die Apfelmus-Sippe: das Tegernseer Apfelmus mit Gewürzen teg-002, das mit Mandeln foc-077, das Fasten-Apfelmus wes-016 und zwei sehr enge Verwandte mit fast demselben Verfahren: kkm-037 sowie m5919-031, das dieselbe Zubereitung ausdrücklich für den Fleischtag vorschreibt und für den Fastentag Brot statt Ei einsetzt.
Der Text hat nach „in einem“ eine Lücke - vermutlich fehlt dort die Nennung des Kochgefäßes (ein Topf), nicht eine zweite Wasserangabe.
Auch vor „schneide“ fehlt vermutlich ein Wort: die Anweisung, die Äpfel zu schälen, bevor sie in kaltes Wasser kommen - im Korpus wird das Schälen an vergleichbarer Stelle sonst stets eigens genannt.
Und der Schluss bricht nach „ein guot“ ab, bevor die Mahnung „versaltz niht“ folgt - offen bleibt, welches Wort für die fertige Speise dort ursprünglich stand.
Äpfel ins kalte Wasser. Die geschälten, geschnittenen Äpfel kommen sofort in kaltes Wasser - das verhindert das Braunwerden, bis alle Stücke geschnitten sind. Danach weich kochen.
Wein, Schmalz und Ei. Wein gibt Säure, Schmalz Geschmack und Schmelz. Die Eier - ganz aufgeschlagen, mit Weißem und Gelbem - binden das Mus zu einer cremigen Masse.
versaltz niht. Das Rezept endet mit der Mahnung, nicht zu versalzen - eine kleine Prise genügt, um die Apfelsüße zu balancieren.
Praxis. Auf 500 g Äpfel etwa 50-80 ml trockener Weißwein und 1-2 EL Schmalz. Äpfel schälen, entkernen, in kaltes Wasser schneiden, dann in wenig Wasser sehr weich kochen, für ein feines Mus pürieren oder passieren. Wein und Schmalz unter das heiße Mus rühren. Die Eier lassen sich dem Originaltext nach einfach einschlagen und zugeben; wer modern vorsichtig sein möchte, nimmt den Topf kurz vom Feuer und rührt sie langsam ein, damit sie nicht stocken. Sparsam salzen. Warm servieren. Ein Hauch Zimt oder Ingwer passt zeittypisch dazu, auch wenn das Rezept ihn hier nicht nennt.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/bgs-069/
fyndling.de/rezepte/bgs-069/