Registrum Coquine (Registrum Coquine quomodo et qualiter preparantur cibaria per integrum annum)
Karpfen in Gewürzsud
Moderne Übersetzung
Zur Zubereitung von Karpfen:
Nimm die Karpfen, entferne die Schuppen und teile sie in Stücke. Wasche sie in Wein und Essig. Gieße diese Flüssigkeit durch ein Stamintuch und gib sie als heißen Sud über die Fische. Schöpfe den Schaum nicht ab, sondern rühre stets mit einem Löffel - so ziehen die Fische im Sud gar, ohne am Topfboden zu kleben oder zu zerfallen.
Danach nimm Pfeffer, Nelken und Ingwer, zusammen mit anderen guten Gewürzen, und gib sie darüber. Manche kochen die Karpfen jedoch einfacher: nur in Wein mit Petersilie und Butter oder Öl.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| carpones | Karpfen | - | Wochenmarkt, Fischhändler | - |
| vino | Wein | - | - | - |
| aceto | Essig | - | - | - |
| piper | Pfeffer | - | - | - |
| gariofolos | Nelken | - | - | - |
| zinziber | Ingwer | - | - | - |
| aliis bonis spetiebus | Andere gute Gewürze | - | - | Muskat, Zimt, Galgant |
| petrosillo | Petersilie (für die einfache Variante) | - | - | - |
| butiro | Butter (für die einfache Variante) | - | - | Öl (für die einfache Variante, als Fastenspeise-Option) |
| oleo | Öl (für die einfache Variante, alternativ zu Butter) | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein klarer Vorfahr des heutigen Karpfen blau: frisch geschlachteter, in Stücke geteilter Karpfen, der in einem heißen Wein-Essig-Sud gar zieht und dabei die typische bläuliche Färbung annimmt. Verwandt sind die anderen Karpfen-in-Würzsud-Rezepte des Korpus, etwa die Pariser Karpfen-Galantine [men-283 und die Karpfenknödel mit Lebkuchensauce [sev-251, sowie das gleich gebaute Kaninchen in Gewürzsud [foc-062.
Laua in vino et aceto. "Waschen" meint hier im Kochkontext nicht bloßes Abspülen, sondern das Schwenken/Garziehen im heißen Wein-Essig-Sud. Die Säure denaturiert die Schleimschicht der frisch geschlachteten Haut und färbt sie bläulich - der klassische Karpfen-blau-Effekt. Wichtig: der Fisch muss ganz frisch und ungewaschen (Schleimschicht intakt) sein, sonst bleibt das Blau aus.
Non spuma, et moue semper cum cocleari. "Schöpfe den Schaum nicht ab, sondern rühre stets mit dem Löffel." Der säurereiche Sud schäumt ohnehin kaum; das ständige sanfte Rühren verhindert, dass der weiche Karpfen am Topfboden klebt oder zerfällt. Im Originaltext fehlt ein ausdrückliches "kochen" - der Garvorgang ist allein durch dieses Rühren am Feuer impliziert.
Piper, gariofolos, zinziber. Pfeffer, Nelken und Ingwer plus weitere gute Gewürze (Muskat, Zimt, Galgant) kommen über den fertigen Fisch - das festlich-aromatische Gewürzbild der Hauptversion.
Variante. Am Ende nennt das Rezept eine einfachere Fassung: Karpfen nur in Wein mit Petersilie und Butter (oder Öl als Fasten-Option) gekocht - rustikal statt höfisch gewürzt.
Praxis. Lebenden Karpfen frisch schlachten, schuppen, in Stücke teilen, Schleimschicht nicht abwaschen. Wein und Essig erhitzen, durch ein Seihtuch über die Fischstücke gießen, am Feuer unter ständigem sanften Rühren in ca. einer Stunde gar ziehen, nicht sprudelnd kochen. Mit Pfeffer, Nelken, Ingwer und weiteren Gewürzen bestreuen. Für die einfache Variante in Wein mit Petersilie und Butter/Öl garen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/boc-064/
fyndling.de/rezepte/boc-064/