Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.)
Sir Thomas Gowers Metheglin für die Gesundheit
Moderne Übersetzung
Koche zuerst das Wasser und schäume es ab. Gib dann auf 12 Gallonen 6 Handvoll Weinrosenblätter, von Majoran, Rosmarin und Thymian je eine Handvoll, von den Blüten von Ringelblume, Borretsch, Ochsenzunge und Salbei je zwei Handvoll. Lass alles zusammen ganz schwach kochen, bis ein Drittel verkocht ist.
Gib zu acht Gallonen davon zwei Gallonen reinen Honig und koche beides, bis die Flüssigkeit ein Ei trägt, so dass ein Stück in der Breite eines Threepence oder eines Groat herausragt, zusammen mit Gewürzen nach Belieben (angequetscht, aber nicht zerstoßen). Eine Unze von allen zusammen genügt.
Achte dabei genau auf Folgendes.
Erstens: Lass, bevor du die Flüssigkeit zum Kochen aufsetzt, einen kräftigen Diener (die Arme gut gewaschen) Honig und Wasser zusammenmischen und mit den Händen mindestens eine Stunde ohne Unterbrechung durcharbeiten.
Zweitens: Nimm, sobald es stark zu kochen beginnt, einen Teil des Feuers weg, damit es langsam kocht und Schaum und Unrat alle auf eine Seite gehen, während die andere klar bleibt. Wenn du das abnimmst, lass nichts von der Flüssigkeit mit dem Unrat weggehen.
Drittens: Lass es, wenn du es vom Feuer nimmst, gut absetzen, bevor es in das Fass gefüllt wird, in dem du es aufbewahren willst. Und wenn es nahe an den Boden kommt, nimm es vorsichtig mit einer dünnen Schale vom Bodensatz ab, so dass nur ins Fass kommt, was klar ist.
Viertens: Verspunde es sehr fest (wenn es an dem Ort steht, an dem es bleiben soll). Decke es mit einem Tuch ab, auf das einige Handvoll Baysalz und Salpeter gelegt werden, und lege darüber Lehm und eine Rasensode.
Fünftens: Gib, wenn du es verspundest, einige frisch gelegte Eier hinein, in der Zahl passend zur Größe des Fasses, die Schalen unversehrt. Sechs Eier auf etwa sechzehn Gallonen. Das ganze Ei samt Schale wird vollständig aufgezehrt.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| 12 Gallons | Wasser | 12 Gallonen | - | - |
| 6 handfuls of Sweet-bryar-leaves | Weinrosenblätter | 6 Handvoll | Gartencenter, Wildkräuter | - |
| Sweet-marjoram | Majoran | 1 Handvoll | - | - |
| Rosemary | Rosmarin | 1 Handvoll | - | - |
| Thyme | Thymian | 1 Handvoll | - | - |
| Flowers of Marigold | Ringelblumenblüten | 2 Handvoll | - | - |
| Borrage | Borretschblüten | 2 Handvoll | - | - |
| Bugloss | Ochsenzungenblüten | 2 Handvoll | Gartencenter, Wildkräuter | - |
| Sage, each two handfuls | Salbeiblüten | 2 Handvoll | - | - |
| two Gallons of pure honey | reiner Honig | 2 Gallonen | - | - |
| such spices as you like | Gewürze nach Belieben, insgesamt 1 Unze | 1 Unze | - | - |
| Six Eggs to about sixteen Gallons | Eier auf etwa 16 Gallonen, frisch gelegt, mit unversehrter Schale | 6 | - | - |
| some handfuls of Bay-salt | einige Handvoll Baysalz | - | - | Graues Meersalz |
| Salpeter | Salpeter | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Kräuter-Metheglin von Sir Thomas Gower, in dem der Honig in einem eingekochten Sud aus Weinrosenblättern, Kräutern und Blüten gekocht wird. Das Besondere sind die fünf Arbeitspunkte, die Digby an das knappe Rezept anhängt.
Der Sud. Aus 12 Gallonen werden durch das Einkochen um ein Drittel genau die acht Gallonen, auf die Digby den Honig setzt. Ob die Kräuter vorher herauskommen, sagt er hier nicht. Im Gower-Metheglin, das er im folgenden Stück (dig-016) festhält, setzt sich der Sud, und nur das Klare bekommt den Honig.
Das Einarbeiten von Hand. Punkt 1 steht vor dem Kochen, obwohl der erste Absatz gleich vom Kochen spricht: Sud und Honig werden erst mindestens eine Stunde von Hand durchgearbeitet und dann aufgesetzt. Dass der Sud dafür abgekühlt sein muss, schreibt Digby nicht, es ergibt sich aber aus der Arbeit mit bloßen Armen. In dig-016 heißt es, ein großer Teil der Vollkommenheit liege in diesem langen Rühren vor dem Kochen.
Feuer und Schaum. Starkes Kochen bringt den Schaum hoch, zurückgenommenes Feuer lässt ihn nach Digby auf eine Seite wandern, sodass er sich abnehmen lässt, ohne Flüssigkeit zu verlieren.
Eierprobe. Hier wird nicht Honig zugegeben, bis das Ei trägt, sondern gekocht. Die Stärke kommt also aus dem Einkochen. Die zwei Münzen geben eine kleine Spanne, keinen festen Wert.
Klären und Verschließen. Das Absetzen und vorsichtige Abnehmen hält den Bodensatz aus dem Fass. Das Fass wird erst am endgültigen Platz verspundet. Für Tuch, Baysalz, Salpeter, Lehm und Rasensode nennt Digby keinen Grund. Lehm und Salz als Verschluss kommen auch in anderen seiner Rezepte vor (dig-029, dig-055), und nach dem Wortlaut liegt das Salz auf dem Tuch, nicht in der Flüssigkeit.
Gärung mit der Fasshefe. Digby nennt hier keine Hefe und verspundet sofort sehr fest. Der gekochte Sud bringt selbst keine Hefe mit, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein Fass, das immer wieder für Met oder Wein dient, trägt im Holz eine eingefahrene Hefe. Über die vielen Ansätze haben sich darin die gärkräftigen Stämme durchgesetzt, und sie gären den Ansatz zuverlässig durch. Weil das Fass gleich fest verspundet wird, gärt der Met unter Druck. Im folgenden Stück verlangt Digby Hefe auf geröstetem Brot ausdrücklich für einen Met, der schwach sein und bald getrunken werden soll; dieser hier ist auf langes Liegen angelegt.
Die Eier. Warum die Eier hineinkommen, sagt Digby nicht, nur dass sie samt Schale aufgezehrt werden. Rohe Eier, die lange in einem Getränk liegen, sind nach heutigem Maßstab ein Hygienerisiko. Die Stelle ist als Zeugnis zu lesen, nicht als Anleitung.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 2 Gallonen Honig auf 8 Gallonen Kräutersud (1 : 4), gekocht bis zur Eierprobe | 247-381 g/l | 1,096-1,147 | 96-147 | 22,8-33,7 | 14,7-22,6 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Sud sind im selben Maß gemessen, die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Das Einkochen um ein Drittel betrifft den Kräutersud vor dem Honig und steckt schon in den acht Gallonen. Wie weit der Honigsud danach bis zur Eierprobe einkocht, beziffert Digby nicht; die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind Kräuter, Blüten, Gewürze, die Eier und der abgenommene Schaum.
Praxis. Heutiges Wissen: Gärt ein Honigsud im fest verschlossenen Fass, baut er Druck auf und kann das Fass sprengen. Wer das Rezept nachmacht, lässt den Met unter einem Gärspund gären und verschließt erst, wenn die Gärung ruht. Ohne ein eingefahrenes Fass setzt man heute Weinhefe zu. Die einzige Zeitangabe ist die mindestens eine Stunde von Hand. Kochdauer und Lagerzeit fehlen. Digby schreibt im folgenden Stück nur, so müsse man kochen, wenn das Getränk länger als ein halbes Jahr halten soll.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/dig-015/
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