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Sir Thomas Gowers Metheglin für die Gesundheit

The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchDas geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (~1669)

Koche zuerst das Wasser und schäume es ab. Gib dann auf 12 Gallonen 6 Handvoll Weinrosenblätter, von Majoran, Rosmarin und Thymian je eine Handvoll, von den Blüten von Ringelblume, Borretsch, Ochsenzunge und Salbei je zwei Handvoll. Lass alles zusammen ganz schwach kochen, bis ein Drittel verkocht ist.

Gib zu acht Gallonen davon zwei Gallonen reinen Honig und koche beides, bis die Flüssigkeit ein Ei trägt, so dass ein Stück in der Breite eines Threepence oder eines Groat herausragt, zusammen mit Gewürzen nach Belieben (angequetscht, aber nicht zerstoßen). Eine Unze von allen zusammen genügt.

Achte dabei genau auf Folgendes.

Erstens: Lass, bevor du die Flüssigkeit zum Kochen aufsetzt, einen kräftigen Diener (die Arme gut gewaschen) Honig und Wasser zusammenmischen und mit den Händen mindestens eine Stunde ohne Unterbrechung durcharbeiten.

Zweitens: Nimm, sobald es stark zu kochen beginnt, einen Teil des Feuers weg, damit es langsam kocht und Schaum und Unrat alle auf eine Seite gehen, während die andere klar bleibt. Wenn du das abnimmst, lass nichts von der Flüssigkeit mit dem Unrat weggehen.

Drittens: Lass es, wenn du es vom Feuer nimmst, gut absetzen, bevor es in das Fass gefüllt wird, in dem du es aufbewahren willst. Und wenn es nahe an den Boden kommt, nimm es vorsichtig mit einer dünnen Schale vom Bodensatz ab, so dass nur ins Fass kommt, was klar ist.

Viertens: Verspunde es sehr fest (wenn es an dem Ort steht, an dem es bleiben soll). Decke es mit einem Tuch ab, auf das einige Handvoll Baysalz und Salpeter gelegt werden, und lege darüber Lehm und eine Rasensode.

Fünftens: Gib, wenn du es verspundest, einige frisch gelegte Eier hinein, in der Zahl passend zur Größe des Fasses, die Schalen unversehrt. Sechs Eier auf etwa sechzehn Gallonen. Das ganze Ei samt Schale wird vollständig aufgezehrt.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
12 Gallons Wasser 12 Gallonen - -
6 handfuls of Sweet-bryar-leaves Weinrosenblätter 6 Handvoll Gartencenter, Wildkräuter -
Sweet-marjoram Majoran 1 Handvoll - -
Rosemary Rosmarin 1 Handvoll - -
Thyme Thymian 1 Handvoll - -
Flowers of Marigold Ringelblumenblüten 2 Handvoll - -
Borrage Borretschblüten 2 Handvoll - -
Bugloss Ochsenzungenblüten 2 Handvoll Gartencenter, Wildkräuter -
Sage, each two handfuls Salbeiblüten 2 Handvoll - -
two Gallons of pure honey reiner Honig 2 Gallonen - -
such spices as you like Gewürze nach Belieben, insgesamt 1 Unze 1 Unze - -
Six Eggs to about sixteen Gallons Eier auf etwa 16 Gallonen, frisch gelegt, mit unversehrter Schale 6 - -
some handfuls of Bay-salt einige Handvoll Baysalz - - Graues Meersalz
Salpeter Salpeter - - -

Was ist das? Ein Kräuter-Metheglin von Sir Thomas Gower, in dem der Honig in einem eingekochten Sud aus Weinrosenblättern, Kräutern und Blüten gekocht wird. Das Besondere sind die fünf Arbeitspunkte, die Digby an das knappe Rezept anhängt.

Der Sud. Aus 12 Gallonen werden durch das Einkochen um ein Drittel genau die acht Gallonen, auf die Digby den Honig setzt. Ob die Kräuter vorher herauskommen, sagt er hier nicht. Im Gower-Metheglin, das er im folgenden Stück (dig-016) festhält, setzt sich der Sud, und nur das Klare bekommt den Honig.

Das Einarbeiten von Hand. Punkt 1 steht vor dem Kochen, obwohl der erste Absatz gleich vom Kochen spricht: Sud und Honig werden erst mindestens eine Stunde von Hand durchgearbeitet und dann aufgesetzt. Dass der Sud dafür abgekühlt sein muss, schreibt Digby nicht, es ergibt sich aber aus der Arbeit mit bloßen Armen. In dig-016 heißt es, ein großer Teil der Vollkommenheit liege in diesem langen Rühren vor dem Kochen.

Feuer und Schaum. Starkes Kochen bringt den Schaum hoch, zurückgenommenes Feuer lässt ihn nach Digby auf eine Seite wandern, sodass er sich abnehmen lässt, ohne Flüssigkeit zu verlieren.

Eierprobe. Hier wird nicht Honig zugegeben, bis das Ei trägt, sondern gekocht. Die Stärke kommt also aus dem Einkochen. Die zwei Münzen geben eine kleine Spanne, keinen festen Wert.

Klären und Verschließen. Das Absetzen und vorsichtige Abnehmen hält den Bodensatz aus dem Fass. Das Fass wird erst am endgültigen Platz verspundet. Für Tuch, Baysalz, Salpeter, Lehm und Rasensode nennt Digby keinen Grund. Lehm und Salz als Verschluss kommen auch in anderen seiner Rezepte vor (dig-029, dig-055), und nach dem Wortlaut liegt das Salz auf dem Tuch, nicht in der Flüssigkeit.

Gärung mit der Fasshefe. Digby nennt hier keine Hefe und verspundet sofort sehr fest. Der gekochte Sud bringt selbst keine Hefe mit, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein Fass, das immer wieder für Met oder Wein dient, trägt im Holz eine eingefahrene Hefe. Über die vielen Ansätze haben sich darin die gärkräftigen Stämme durchgesetzt, und sie gären den Ansatz zuverlässig durch. Weil das Fass gleich fest verspundet wird, gärt der Met unter Druck. Im folgenden Stück verlangt Digby Hefe auf geröstetem Brot ausdrücklich für einen Met, der schwach sein und bald getrunken werden soll; dieser hier ist auf langes Liegen angelegt.

Die Eier. Warum die Eier hineinkommen, sagt Digby nicht, nur dass sie samt Schale aufgezehrt werden. Rohe Eier, die lange in einem Getränk liegen, sind nach heutigem Maßstab ein Hygienerisiko. Die Stelle ist als Zeugnis zu lesen, nicht als Anleitung.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
2 Gallonen Honig auf 8 Gallonen Kräutersud (1 : 4), gekocht bis zur Eierprobe247-381 g/l1,096-1,14796-14722,8-33,714,7-22,6 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Sud sind im selben Maß gemessen, die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Das Einkochen um ein Drittel betrifft den Kräutersud vor dem Honig und steckt schon in den acht Gallonen. Wie weit der Honigsud danach bis zur Eierprobe einkocht, beziffert Digby nicht; die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind Kräuter, Blüten, Gewürze, die Eier und der abgenommene Schaum.

Praxis. Heutiges Wissen: Gärt ein Honigsud im fest verschlossenen Fass, baut er Druck auf und kann das Fass sprengen. Wer das Rezept nachmacht, lässt den Met unter einem Gärspund gären und verschließt erst, wenn die Gärung ruht. Ohne ein eingefahrenes Fass setzt man heute Weinhefe zu. Die einzige Zeitangabe ist die mindestens eine Stunde von Hand. Kochdauer und Lagerzeit fehlen. Digby schreibt im folgenden Stück nur, so müsse man kochen, wenn das Getränk länger als ein halbes Jahr halten soll.

Was bedeutet die Eierprobe mit Threepence und Groat?

Die Flüssigkeit wird gekocht, bis sie ein Ei trägt. Vom Ei soll dann ein Stück in der Breite eines Threepence oder eines Groat herausragen. Eine Millimeterangabe nennt Digby nicht: Maßstab sind Ei und Münze.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Es geht um 12 Gallonen Wasser und ein fest verschlossenes Fass, das an seinem Platz bleibt, und Digby nennt keine Lagerdauer. Gärung und Lagerung über Tage bis Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.

Gärt dieser Metheglin?

Ja. Digby nennt keine Hefe, die Gärung kommt aus dem Fass: Ein immer wieder für Met oder Wein benutztes Fass trägt im Holz eine eingefahrene Fasshefe, die den Ansatz zuverlässig durchgärt. Weil das Fass sofort fest verspundet wird, gärt der Met unter Druck. Hefe auf geröstetem Brot verlangt Digby im folgenden Stück nur für einen Met, der schwach sein und bald getrunken werden soll. Wer heute ohne ein eingefahrenes Fass arbeitet, setzt Weinhefe zu und lässt unter einem Gärspund gären.

Warum kommen Eier mit Schale ins Fass?

Digby verlangt beim Verspunden einige frisch gelegte Eier mit unversehrter Schale, sechs auf etwa sechzehn Gallonen, und versichert, dass das ganze Ei samt Schale aufgezehrt wird. Einen Grund nennt er nicht. Nach heutigem Maßstab sind rohe Eier, die lange im Getränk liegen, ein Hygienerisiko.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.

SIR THOMAS GOWER'S METHEGLIN FOR HEALTH First boil the water and scum it; Then to 12 Gallons put 6 handfuls of Sweet-bryar-leaves, of Sweet-marjoram, Rosemary, Thyme, of each one a handful: Flowers of Marigold, Borrage, Bugloss, Sage, each two handfuls. Boil all together very gently, till a third waste. To eight Gallons of this put two Gallons of pure honey, and boil them till the Liquor bear an Egge, the breadth of threepence or a Groat, together with such spices as you like (bruised, but not beaten) an ounce of all is sufficient. You must observe carefully. 1. Before you set the Liquor to boil, to cause a lusty Servant (his Arms well washed) to mix the honey and water together, labouring it with his hands at least an hour without intermission. 2. That when it begins to boil fast, you take away part of the fire, so as it may boil slowly, and the scum and dross go all to one side, the other remaining clear. When you take it off, let none of the liquor go away with the dross. 3. When you take it from the fire, let it settle well, before it be tunned into the vessel, wherein you mean to keep it: and when it comes near the bottom, let it be taken carefully from the sediment, with a thin Dish, so as nothing be put into the vessel, but what is clear. 4. Stop it very close (when it is set in the place, where it must remain) cover it with a cloth, upon which some handfuls of Bay-salt and Salpeter is laid, and over that lay clay, and a Turf. 5. Put into it, when you stop it, some New-laid-eggs in number proportionable to the bigness of the vessel, Shell's unbroken. Six Eggs to about sixteen Gallons. The whole Egg-shell and all will be entirely consumed.
Gallon

Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.

Metheglin

Digbys Wort für gewürzten oder mit Kräutern angesetzten Met. Hier geben Kräuter und Blüten den Charakter, die Gewürze stellt Digby frei.

Sweet-bryar

Weinrose, auch Eglantine genannt (Rosa rubiginosa). Verwendet werden die Blätter. Gemeint ist keine Brombeere.

Bugloss

Ochsenzunge (Anchusa), ein borretschverwandtes Kraut. Hier werden die Blüten gebraucht.

Groat

Englische Silbermünze zu vier Pence. Sie dient bei der Eierprobe als Maß dafür, wie viel vom Ei aus der Flüssigkeit ragt.

threepence

Englische Silbermünze zu drei Pence, kleiner als der Groat.

Bay-salt

Seesalz. Ludwigs Wörterbuch von 1706 übersetzt „ein schwartz seesaltz“, französisch „sel gris“.

Salpeter

Das Salz, das Ludwig 1706 auch unter dem Wort „nitre“ führt. Es liegt hier mit dem Baysalz auf dem Tuch über dem Fass.

Druck
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.
Teil
Met und Metheglin
Sprache
Frühneuenglisch (London 1669, Restaurationszeit), Rezeptsammlung des Naturphilosophen Sir Kenelm Digby (1603-1665) mit vielen namentlich genannten Gewährsleuten aus England und vom Festland (Lüttich, Antwerpen); Maße nach englischem Weinmaß (Gallon, Pottle, Quart)
Entstehung
London, 1669

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

12 Gallonswater Q283
Sweet-marjorammarjoram Q22694
Rosemaryrosemary Q122679

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartthe honey and water

Gewählte Lesart: Mit „water“ ist in Punkt 1 der Kräutersud gemeint: Digby setzt den Honig auf „eight Gallons of this“. Das Gower-Rezept in dig-016 bestätigt es: Honig zum geklärten Sud, „and stir it ... with stripped arms“, dann kochen.

Andere mögliche Lesart:

  • Reines Wasser, in das der Honig eingearbeitet wird, die Kräuter kämen getrennt dazu. - Passt zum bloßen Wortlaut von Punkt 1, widerspricht aber dem ersten Absatz.

LesartFlowers of Marigold, Borrage, Bugloss, Sage

Gewählte Lesart: Blüten von allen vier Pflanzen, also auch Salbeiblüten: Die Mengenangabe „each two handfuls“ fasst die Reihe zusammen.

Andere mögliche Lesart:

  • Beim Salbei die Blätter. - „Flowers of“ könnte nur für die ersten Glieder gelten; bei Borretsch und Salbei ist auch das Kraut denkbar.

Lesartan ounce of all

Gewählte Lesart: Eine Unze aller Gewürze zusammen. Wo Digby in diesem Rezept die Einzelmenge meint, schreibt er „of each“.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Unze von jedem Gewürz. - Grammatisch möglich, dann hinge die Gesamtmenge von der freien Auswahl ab.

LesartHefe

Gewählte Lesart: Der Text nennt keine zugesetzte Hefe; die Gärung trägt die Fasshefe, also die im Holz eingefahrene Hefe eines immer wieder für Met oder Wein benutzten Fasses. Das passt zu dig-016, wo die Hefe auf geröstetem Brot nur für schwachen, bald zu trinkenden Met steht („If to be weak, and to be soon drunk“).

Andere mögliche Lesart:

  • Digby setzt Bierhefe stillschweigend voraus. - Viele seiner Nachbarrezepte gären mit Bierhefe und nennen sie ausdrücklich, dieses nicht. Das sofortige feste Verspunden spricht hier nicht dafür, daher wird nichts ergänzt.

Originalwerk (~1669) gemeinfrei.

Bildquelle
S. 27, The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened (London 1669), Mikrofilm der Reihe Early English Books 1641-1700 via archive.org
Transkription
Project Gutenberg #16441, nach der Ausgabe von Anne Macdonell (London: Philip Lee Warner 1910) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/dig-015
LagerkücheLagerküche
Fassgetränk: Digby nennt eine Lagerung im fest verschlossenen Fass, aber keine Dauer. Gärung und Lagerung über Tage bis Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.