Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.)
Kräuter-Met von My Lord Gorge
Moderne Übersetzung
Nimm eine ausreichende Menge Regenwasser und koche darin die Spitzen von Rosmarin, Weinrose, Betonie, Erdbeerblättern, Goldlack, Borretsch und Ochsenzunge, von jedem eine Handvoll, einen Zweig Lorbeer und zwei oder drei Zweige Salbei.
Nimm es dann vom Feuer, gib ein ganzes rohes Ei hinein und gieße so viel Honig dazu, bis das Ei nach oben steigt. Koche es dann noch einmal, schäume dabei sehr gut ab und lass es so abkühlen.
Dann fülle es auf das Fass und gib Bierhefe dazu, damit es gut gärt. Dann verspunde es und hänge die Gewürze hinein, die dir am besten gefallen. Vor drei oder vier Monaten wird es nicht recht zu trinken sein.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a sufficient quantity of Rain-water | Regenwasser | - | - | Weiches Wasser |
| the tops of Rose-mary | Rosmarinspitzen | 1 Handvoll | - | - |
| Eglantine | Weinrose | 1 Handvoll | Staudengärtnerei, nur ungespritzt | - |
| Betony | Betonie | 1 Handvoll | Online-Kräuterhandel oder Staudengärtnerei | - |
| Strawberry-leaves | Erdbeerblätter | 1 Handvoll | - | - |
| Wall-flowers | Goldlack | 1 Handvoll | - | Beim Nachbrauen weglassen, Goldlack gilt heute als giftig |
| Borage | Borretsch | 1 Handvoll | - | - |
| Bugloss | Ochsenzunge | 1 Handvoll | Staudengärtnerei oder Online-Kräuterhandel | Mehr Borretsch |
| one sprig of Bays | Lorbeer | 1 Zweig | - | - |
| two or three of Sage | 2 oder 3 Zweige Salbei | - | - | - |
| a whole raw Egge | ganzes rohes Ei | 1 | - | - |
| honey | Honig | - | - | - |
| Barm | Bierhefe | - | Brauereibedarf, Heimbrau-Fachhandel | - |
| such spices, as you like best | Gewürze nach Geschmack | - | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Kräuter-Met, dessen Stärke allein die Eierprobe festlegt. Digby nennt weder eine Wassermenge noch eine Honigmenge, nur die Kräuter sind bemessen.
Der Kräutersud. Die Kräuter kochen im Regenwasser, eine Zeit nennt Digby nicht. Ob sie vor dem Honig oder überhaupt herausgenommen werden, sagt er ebenfalls nicht.
Die Eierprobe. Das Ei kommt gleich nach dem Abnehmen vom Feuer hinein, dann der Honig, bis es nach oben steigt. Eine Münzbreite wie in anderen Rezepten fehlt, die Probe bleibt also ein grober Anhalt. Dass der Sud dafür erst abkühlt, steht hier nicht. In dig-041 kommt der Honig erst in den fast kalten Sud, in dig-020 in den milchwarmen. Auch wann das Ei wieder herauskommt, bleibt offen; vor dem zweiten Kochen liegt es nahe, steht aber nicht da.
Kochen und Gärung. Das zweite Kochen dient hier sichtbar dem Abschäumen. Die Bierhefe kommt erst, wenn der Sud abgekühlt und im Fass ist. Hefemenge und Gärdauer nennt Digby nicht.
Verspunden und Gewürze. Auf die Hefe folgt im Text sofort das Verspunden, ohne eine Wartezeit. In dig-037 wartet Digby dagegen, bis das Zischen aufhört. Die Gewürze wählt der Brauer selbst. Einen Beutel erwähnt Digby hier nicht, in dig-037 hängt er im Spund.
Praxis. Heute würde man das Gefäß erst nach der Hauptgärung dicht schließen, weil sich sonst Druck aufbaut; das steht nicht bei Digby. Digbys einzige Zeitangabe sind die drei oder vier Monate bis zum Trinken. Goldlack gilt heute als giftig und gehört beim Nachbrauen nicht in den Sud.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/dig-043/
fyndling.de/rezepte/dig-043/