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Koch und Kellermeisterei (Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken)

Frankfurt am Main, 1574 · Frühneuhochdeutsch

Sülzbrüh über kaltes Geflügel (mit Barsch)

Moderne Übersetzung

Siede junge Schweinsohren und -füße sowie drei oder vier kleine Barsche in einem neuen Topf ohne Salz. Danach stoße das entbeinte Fleisch und die Barsche in einem Mörser, ohne Brot, mit etwas der eigenen Brühe trocken zu einer Paste. Treibe es durch ein feines Tuch in einen anderen Topf. Lasse es sich setzen, seihe die Brühe vorsichtig ab und lasse die Trübstoffe am Boden zurück. Lasse die Sülzbrühe in einer Pfanne aufwallen. Würze sie mit Salz, Gewürzen und Safran. Gieße sie so heiß über etwa übernächtige Vögel, Hühner oder kaltes Fleisch. Lasse sie an der Luft fest werden, im Sommer im Keller. Wenn du sie auftragen willst, so bestecke sie mit weiß geschälten Mandeln.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
junge Schweinsohren vnd Fuß Junge Schweinsohren und -füße Metzger -
drey oder vier kleine Birsing 3-4 kleine Barsche Fischhändler anderer fester Süßwasserfisch (z.B. Zander, Flussbarsch)
saltz Salz - -
würtz Gewürzmischung (z.B. Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat) - Gängige Gewürzmischung nach Geschmack
Saffran Safranfäden Supermarkt / Gewürzladen -
weis geschelten Mandeln Geschälte Mandeln (weiß) - -

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Eine klare Sülzbrühe (Aspik) zum Übergießen kalter Speisen - der direkte Vorfahr des Sülzkotelett-Aspiks und der gestürzten Geflügelsülze. Schweinsohren und -füße liefern reichlich Gelatine, kleine Barsche und die Würze tragen den Geschmack; daraus wird ein klarer Geliersud, der über kaltes Geflügel oder Fleisch gegossen erstarrt.

Birsing ist Barsch, nicht Pfirsich. Das Wort meint hier den Fisch (Barsch), nicht die Frucht: Im selben Buch steht dieselbe Wendung vier kleine Birsing in einer Fisch-Sülze (kkm-041) und Fischbrüh, da Bersing inn gesotten in der farbigen Mandelmilch (kkm-042) - beides eindeutig Fisch. Den Pfirsich schreibt die „Koch und Kellermeisterei" dagegen Pfirsing (kkm-039). Ein paar kleine Barsche im Geliersud steuern Aroma und etwas zusätzliche Bindung bei; gestoßene Pfirsiche in einer Schweinsfuß-Sülze ergäben dagegen keinen Sinn.

Klären macht das Aspik. Das Durchtreiben durch das feine Tuch, das Setzenlassen und vorsichtige Abgießen der klaren Brühe vom Bodensatz - das ist der entscheidende Schritt für ein durchsichtiges Gelee. Safran gibt eine goldgelbe Tönung. Über übernechtige (vom Vortag übrige) Vögel oder kaltes Fleisch heiß gegossen, schließt der Sud die Speise glänzend ein und macht sie zugleich haltbarer.

Praxis. Schweinsohren und -füße mit 3-4 kleinen, ausgenommenen Barschen in frischem Wasser ohne Salz weich kochen. Fleisch und Fisch entbeinen/entgräten, mit wenig Brühe im Mörser oder Mixer fein zerstoßen, durch ein feines Tuch in einen sauberen Topf treiben. Absetzen lassen, die klare Brühe vom Trub abgießen, aufwallen lassen, mit Salz, Gewürzen und eingeweichtem Safran abschmecken. Heiß über kaltes, fertig gegartes Geflügel oder Fleisch gießen und kühl (Kühlschrank, früher Keller) fest werden lassen. Zum Anrichten mit blanchierten, geschälten Mandeln bestecken.

fyndling.de/rezepte/kkm-059/