Back ArrowZurück zum Rezept ÜbersetzenTranslate

Regensburger Kochbuch (Cgm 5919) (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 5919)

Regensburg, Bayern, um 1500 · Frühneuhochdeutsch (mittelbairisch, Regensburg, um 1500-1510)

Mörserhühner (gestoßenes Huhn)

Moderne Übersetzung

Nimm ein gebratenes Huhn und zerteile es klein. Nimm weißes Brot. Mache einen dünnen Teig aus Eiern mit Pfeffer, Anis und Safran. Stoße alles zusammen in einem Mörser sehr fein. Backe es in wenig Schmalz. Das sind Mörserhühner.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
gepraten huen gebratenes Huhn (klein zerteilt) Metzger, gut sortierter Supermarkt gegartes/gebratenes Hähnchenfleisch (Keule saftiger als Brust)
weyß prat Weißbrot - -
ayren Eier - -
pfeffer Pfeffer - -
aneis Anis - -
saffran Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
klain smaltz wenig Schmalz - Pflanzenöl oder Butter

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein „Mörserhuhn“ - ein bereits gebratenes Huhn wird klein zerteilt und mit Weißbrot, Ei und Gewürzen im Mörser zu einer feinen Masse gestoßen, die man in wenig Schmalz ausbäckt. Das Gericht lebt bis heute als Gerichtstyp „gestoßenes Huhn / Königshühner“: dieselbe Logik (gegartes Geflügel, fein zerstoßen, mit Ei und Safran gebunden) findet sich in bgs-011, koe-002, koe-013 und beim direkten Schwesterrezept m5919-065 desselben Schreibers.

Die eine echte Crux ist ain gepraten huen. Das ist „ein gebratenes Huhn“ (Partizip + Substantiv), nicht „Hühnerbrät“ - man kann nur einen ganzen, garen Vogel „klain zerglidern“. Die bairische Lesefalle „geprät = Brät“ greift hier nicht, sie betrifft nur das allein stehende Substantiv (Fischbrät als Form-Imitat). Da für Cgm 5919 keine deutsche Eich-Edition vorliegt, bleibt eine Restunsicherheit, doch alle Familien-Parallelen lesen unisono „gebraten“.

Praxis. Richtwerte für 2-4 Personen: ca. 300-400 g gegartes/gebratenes Hähnchen (Keule saftiger als Brust), 60-80 g entrindetes Weißbrot, in 2-3 Eiern eingeweicht (bindet und lockert), eine Prise Salz (im Text nicht genannt, küchentechnisch nötig), etwa 1/2 TL Pfeffer, 1/4 TL gemahlener Anis (sparsam, sonst lakritzig-dominant - die Süße passt zur Festtagsküche um 1500), einige Safranfäden in 1 EL warmem Wasser oder Ei eingeweicht für Farbe. Im Mörser zu einer formbaren, streichfähigen Masse stoßen; ist sie zu nass, mehr Brot, zu trocken, mehr Ei. In wenig Schmalz bei mittlerer Hitze als kleine Taler goldbraun ausbacken. Wer der Königshuhn-Variante folgen will, gart die überzogenen Stücke stattdessen im heißen, gefetteten Mörser am Feuer.

fyndling.de/rezepte/m5919-063/