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Kochbuch des Meisters Hans (Maister Hannsen des von Wirtenberg Koch)

Württemberg / Basel, 1460 · Frühneuhochdeutsch (alemannisch-schwäbisch, 1460)

Grüne Hühner mit Petersilien-Sauce

Moderne Übersetzung

Die grünen Hühner bereitest du wie folgt zu:

Nimm fein gehackte Petersilie und vermische sie mit Eiern und Mehl. Würze die Mischung kräftig.

Schlage diese Masse anschließend durch ein feines Tuch, um eine glatte, grüne Sauce zu erhalten. Verfahre dann damit so, wie es im vorhergehenden Rezept (mha-182, „Schwarze Hühner mit farbigen Nägelein") beschrieben ist: Gieß die grüne Sauce über die gebratenen Hühner.

Zur Garnierung: Spicke die grünen Hühner mit Gewürznelken, die mit essbarem Silber- UND Goldblatt überzogen sind, diese Farb-Kombination ist im Schwarzen-Hühner-Rezept ausdrücklich den grünen Hühnern vorbehalten.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
huner (aus mha-182) 2 gebratene Hühner - -
petersill geriben Petersilie - -
ayren Eier - -
mel Mehl - -
gewurcz wol Gewürze - -
nagelein (aus mha-182) Gewürznelken (mit Silber- UND Goldblatt überzogen) - -
silbrein vnd guldein (aus mha-182) Essbares Silber- und Goldblatt Spezialgeschäft für Backzubehör, Online-Handel Für eine günstige Variante: Nelken mit Safran (gold-gelb) oder rotem Sandelholz einfärben

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein spätmittelalterliches Bankett-Schaugericht: gebratene Hühner, übergossen mit einer ungekochten, durch ein Tuch passierten Petersilien-Ei-Sauce. Die Grundidee - frische Kräuter roh mit Ei und Mehl verquirlt, passiert, über warmes Fleisch gegossen - ist eine frühe Vorstufe der grünen Kräutersaucen-Familie (Sauce Verte, Salsa Verde), allerdings ohne deren spätere Essig-Öl-Emulsion. Fast wortgleich findet sich dasselbe Verfahren im Königsberger Kochbuch (koe-011, „Grün gebratenes Huhn") sowie, mit anderer Verwendung, in der englischen Verde Sawse (foc-136).

Praxis. Die Hühner werden zunächst gebraten, wie im vorhergehenden Rezept mha-182 beschrieben. Für die Sauce Petersilie fein hacken oder im Mörser zerstoßen (geriben), mit Eiern und etwas Mehl vermischen und kräftig würzen, der Text nennt keine festen Mengen, üblich für „gewurcz wol" waren Salz, Pfeffer, Ingwer, Galgant und Nelken. Die Masse durch ein feines Tuch passieren, das entfernt Petersilienfasern und Ei-Klümpchen und ergibt eine glatte, sattgrüne Sauce. Anschließend über die bereits gebratenen Hühner gießen.

Eine Schwachstelle sollte man ehrlich benennen: Der Text erwähnt kein Erhitzen der Sauce selbst, sie wird kalt angerührt und lediglich über das heiße Huhn gegossen. Die Resthitze eines fertig gebratenen Huhns reicht kaum aus, um rohes Ei sicher zu garen oder eine verlässliche Bindung zu erzeugen, in der Praxis empfiehlt es sich, die Petersilien-Ei-Mischung kurz und vorsichtig zu erwärmen, bevor sie über die Hühner kommt. Frisch passieren und zügig servieren, Petersiliengrün oxidiert und verfärbt sich sonst braun. Zum Abschluss die Hühner mit Gewürznelken spicken, die abwechselnd mit Silber- und Goldblatt überzogen sind, laut mha-182 ist diese doppelte Edelmetall-Garnierung den grünen Hühnern als teuerster Variante der Serie vorbehalten.

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