Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das ander alter | (als sie sagen) einen gaispock auff dem perg Coricus genant in cilicia außgelaßen het hat derselb pock daselbst einen wilden weinreben geessen vnd ist truncken worden vnd fieng an die andern thier mit hoernern zestossen. do noe dz gemerckt het erkennet er die krafft des wilden weinreben: vnd pflantzet denselben reben pald ein mit leoben. schweines. lambs vnd affen pluet Do nw derselb wild reben in einen guoten weingarten gepflantzt wardt bracht er ein volkomne frucht. vnd er hat die abgelossen. als aber noe den wein zu gebrauch vnd nyessung gebracht het do opffert er den vnd machet ein grosse wirtschafft vnd wardt truncken daruon vnd als ein lamb zum slaff geursacht vnd lag also vnzuechtiglich entbloesset. do chaz sein sun (der vater chanaan) des vaters scham also entbloesset sahe do verkuendet vnd zaiget er seinen bruedern den vater zebelachen. als Sem vnd Japhet dz hoereten warden sie auß kintlicher guetigkait gein dem vater bewegt vnd legtten einen mantel auff sein schultern vnd giengen hinterwertling hinzu vnd bedeckten die scham irs vaters. dann ire angesicht waren abgekert das sie die manlichen glider irs vaters nit sehen. do nw noe diss empfunden het hat er den andern suenen seligkeit gewuenscht aber den cham hat er von sein selbs erkantnus wegen nit geflucht. sunder seinen samen. Als nw noe nach der sintfluss. iijc. vnnd. l. iar (die er seligklich verzert) gelebt het. vnd. ixc. vnd. l. iar alt was worden do ist er gestorben. vnnd hat außerhalb Sem Cham Japhet vnd Jonicum seiner suene nach der sintfluss auch ander suen vnd toechter geporn vnd auß den suenen der suene. vnd auß der suene suenen bis zu vil geflecht gesehen. Vil geslecht mancherlay wunderperlichgestalter menschen sind nach der zungen zerteilung durch got beschehen an manchen enden erschinnen. dann als der almechtig got wißet mit was gleichnus vnd manigformigkait er die schoen der werlt beschuff do wolt er auch wundergestalte menschen in die werlt einfueren. vnder den etlich also geformt sind wie hernach folgt. Item etliche haben enmitten in der styrn allain ein awg. Ettliche sind eins elnpogen lang die ueber acht iar nit leben. die wonen in dem gepirg indie nahend bey dem grossen meer an einer gesunden vnd alweg gruonenden gegent. vnd haben einen sundern streyt wider die kranich. Ire weiber gepern im. v. iar. Item ettliche andere haben fast groß fueeß vnd payn on puege vnd sind doch wunderperlicher schnelligkait. vnd bedecken sich zu sumerzeit mit dem schatten irer fueß amm rugken ligende. Item ettliche andere sind on nack habende ire awgen an der schultern Item ettlich haben huntzkoepff. Sunst sind mer vil vnd mancherlay geslecht wunderlichgestalter ding hernach gemeldet. So werden auch sunst vil gestaltnus der menschen von den gewoenlichen lawff der natur außschwaiffende. vnd allermaist weyt vom meer wonende in den historien gefunden. vnd vil menschen wundersam vnd vnglewplich geachtet. dann welcher wolt glawben dz morn wern so er die nit gesehen het. oder welchen menschen bringen sie nit ein verwunderung der zum ersten einen morn sihet. vil ding werden vnmueglich | | geachtet vor vnnd ee sie gesehen. Item in scithia der gegent gein mitternacht an eim ort Gesglithron genant. sind lewt als an den nachfolgenden blat verzaichent ist mit eim awgen enmitten an der stirn. stettiglich mit dem greyffen streittende. Item in scithia in einem tal des bergs Tunani ist ein grosse gegent abarimon genant. darinn leben waldtmenschen mit hindersichgekerten fersen vnglewplicher schnelligkeit mit den wilden thiern schwaiffende. die leben in kainen andern lufft daruemb sind sie auch weder vnder die vmbligenden koenig noch vnder den grossen Alexandrum gezogen worden. Item in india vnd in der morn rifir sind fast grosse thier. in anzaigung gleich als hund. groessere dann die andern. auch so hoh pawmen das die mit geschoß nit ueberraicht moegen werden. diss tut die fruchperkeit des erdpodens guot massigkeit des lufts vnd ueberfluessigkeit der wasser. Daselbst sind auch so hohe ror dz auß yedem tail zwischen den knoepffen ein schiflein zu dreyen zeylen menschen neben einander sitzende zu zeitten gemacht werden mag. Auff dem perg milo sind menschen mit hindersichgekerten fersen an yeglichem fueß acht zehen habende. Item vnder einem geschlecht indier land gepern die weiber im leben ein mal. vnnd ire kinder veralten alßpald. Item ettliche haben an der nasloecher stat allain loecher. amm eueßersten ende indier land vom aufgang herwartz bey dem prunnen gangis ist ein volck on mund. an gantzem leib rawh mit myese der eßste beklaidt allain von luft vnd gesmack lebende on alle speys vnd getranck. dann auff das ine so sie weyten weg zihen an gesmack nit mangel begegne so tragen sie mancherlay gesmacks von wurtzeln. plumen vnd holtzoepffeln mit ine. vnnd so sie ein wenig eins sweren gesmacks empfinden so sterben sie. Item an den enden der indier lannd do nit schatten sind do sind die leib der menschen fuenff elnpogen vnd zwayer spann. vnd leben. c. xxx. iar vnd alten nit sunder sterben als in mittlem alter. Item an einem andern ende in india sind lewt die leben. ijc. iar. die haben in der iugent weiss har vnd im alter swartzs. Item in der Taprobanischen innsel fueern die lewt ein fast langs leben on ainichen seuechen des leibs. Item ein geslecht der menschen Sorite genant. die der fluss arabis von den indiern schaidt. kennen kain andere speys dann der fisch die sie mit den nageln zertailen. vnd an der sunnen derren vnd also prot darauß machen. Item in den aynoednen africe komen menschen gestaltnus den lewten entgegen vnd verschwinden in eim awgenplick wideruemb. als dann vil kriechischer geschichtbeschreiber von den hieuorgeschriben wunderperlichen vnd seltzamen gestaltnussen schreiben vnd meldung thun also das die sinnreich natur zu entdeckung irs gewalts solche vnd der gleiche gestaltnus vnd form vns wunderperlich beduenckende gemacht hat: vnder den ettliche hernach entworffen gesehen werden. Blat XII der werlt left right Von mancherlay gestaltnus der menschen schreiben Plinius: Augustinus vnd ysidorus die hernachgemelten ding. In dem land india sind menschen myt hundskoepffen vnd reden pellende. neren sich mit fogelgefeng vnd klaiden sich mit thierhewtten. Item ettlich haben allain ein aug an der stirnn ob der nasen vnnd essen allain thierfleisch. Item in dem land libia werden ettlich on hawbt geporn vnd haben mund vnd augen. Ettlich sind bederlay geslechts. die recht prust ist in manlich vnd die lingk weibisch vnd vermischen sich vndereinander vnd gepern. Item gegen dem paradis bey dem fluss Ganges sind etlich menschen die essen nichts. dann sie haben so klainen mund das sie das getranck mit einem halm einfloessen vnd leben vom gesmack der oepffel vnd plumen. vnd sterben pald von boeßem gesmack. Daselbst sind auch lewt an nasen eins ebnen angesichts. Ettlich haben vnden so groß lebfftzen das sie das gantz angesicht damit bedecken. Item ettlich an zungen. die deuedten einander ir maynung mit wincken als die closterlewt. Item in dem land Sicilia haben ettlich so große oren das sie den gantzen leib damit bedecken. Item in dem land ethiopia wandern etlich nidergebogen als das vih. vnd ettlich leben vierhundert iar. Item ettlich haben hoerner. lang nasen vnd gayßfuess das findest du in sand Anthonius gantzer legend. Itez in ethiopia gein dem nidergang sind lewt mit einem prayten fuess. vnd so schnell das sie die wilden thier erfolgen. Item in dem land Scithia haben sie menschen gestalt vnd pferds fueess. Item alda sind auch lewt fuenff elnpogen langk vnd werden nicht kranck bis zum tod. Item in den geschichten des grossen Alexanders liset man das in india menschen seyen mit sechs henden. Item ettlich nacket vnd rawh in den flueßen wonende. ettlich die an henden vnd fueßen sechs finger haben. ettlich in den wassern wonende halb menschen vnd halbs pferds gestalt habende. Itez weiber mit perten bis auff die prust auff dem hawbt eben vnd an har. Item in ethiopia gegen dem nidergang haben ettlich vier awgen. So sind in Eripia schoen lewt mit kranchßhelsen vnnd snebeln. Doch ist als Augustinus schreibt nit zuglawben das ettliche menschen an dem ort der erden gegen vns da die sunn auff geet. so sie wider nider geet die versen gegent vnsern fueßen keren. Doch ist ein grosser streyt in der schrifft wider den wone des gemaynen volcks. das geringßumb allenthalben menschen auff der erden seyen. vnd die fueß gegen einander kerende darauff steen. vnnd doch alle menschen ir schayttel gem himel keren. in verwunderung waruemb doch wir oder die die ir fersen gegen vnns wennden nit fallen. Aber das koembt auß der natur. dann gleicherweis als der stul des feuers nynndert ist denn in den feueern. der wasser nyndert denn in den wassern. vnnd des gaysts nynndert denn in dem gayst. also auch der stul der erden nynndert anderß wo denn in irselbs.
Das zweite Zeitalter. Als (wie sie sagen) ein Ziegenbock auf dem Berg Coricus in Kilikien freigelassen worden war, fraß derselbe Bock dort eine wilde Weinrebe und wurde trunken und fing an, die anderen Tiere mit Hörnern zu stoßen. Als Noah das bemerkt hatte, erkannte er die Kraft der wilden Weinrebe und pflanzte dieselbe Rebe bald ein mit Löwen-, Schweine-, Lamm- und Affenblut. Als nun dieselbe wilde Rebe in einen guten Weingarten gepflanzt wurde, brachte sie eine vollkommene Frucht. Und er hat sie abgelesen. Als aber Noah den Wein zum Gebrauch und zur Nutzung gebracht hatte, da opferte er ihn und veranstaltete ein großes Gelage und wurde davon trunken und wie ein Lamm zum Schlaf veranlasst und lag so unsittlich entblößt. Als Cham, sein Sohn (der Vater Kanaans), die Blöße des Vaters so entblößt sah, da verkündete und zeigte er seinen Brüdern den Vater zum Spott. Als Sem und Japhet das hörten, wurden sie aus kindlicher Güte dem Vater gegenüber bewegt und legten einen Mantel auf seine Schultern und gingen rückwärts hinzu und bedeckten die Blöße ihres Vaters; denn ihre Angesichter waren abgewandt, damit sie die männlichen Glieder ihres Vaters nicht sähen. Als nun Noah dies empfunden hatte, hat er den anderen Söhnen Segen gewünscht, aber den Cham hat er wegen seiner eigenen Tat nicht verflucht, sondern seinen Samen. Als nun Noah nach der Sintflut dreihundertfünfzig Jahre (die er seliglich verzehrte) gelebt hatte und neunhundertfünfzig Jahre alt geworden war, da ist er gestorben. Und er hat außerhalb Sem, Cham, Japhet und Jonicum, seiner Söhne, nach der Sintflut auch andere Söhne und Töchter geboren und aus den Söhnen der Söhne und aus der Söhne Söhnen bis zu vielen Geschlechtern gesehen. Viele Geschlechter mancherlei wunderbar gestalteter Menschen sind nach der Sprachenverwirrung durch Gott an manchen Orten erschienen. Denn als der allmächtige Gott wusste, mit welcher Gleichnis und Mannigfaltigkeit er die Schönheit der Welt beschuf, da wollte er auch wunderbar gestaltete Menschen in die Welt einführen, unter denen etliche also geformt sind, wie hiernach folgt. Item: Etliche haben inmitten der Stirn allein ein Auge. Etliche sind einen Ellenbogen lang, die über acht Jahre nicht leben. Die wohnen in dem Gebirge Indiens, nahe beim großen Meer, an einer gesunden und allweg grünenden Gegend und haben einen besonderen Streit wider die Kraniche. Ihre Weiber gebären im fünften Jahr. Item: Etliche andere haben sehr große Füße und Beine ohne Beuge und sind doch von wunderbarer Schnelligkeit und bedecken sich zur Sommerzeit mit dem Schatten ihrer Füße, auf dem Rücken liegend. Item: Etliche andere sind ohne Nacken, ihre Augen an den Schultern habend. Item: Etliche haben Hundsköpfe. Sonst sind mehr viele und mancherlei Geschlechter wunderlich gestalteter Dinge hiernach gemeldet. So werden auch sonst viele Gestalten der Menschen, vom gewöhnlichen Lauf der Natur ausschweifend und allermeist weit vom Meer wohnend, in den Historien gefunden. Und viele Menschen werden wundersam und unglaublich geachtet; denn welcher wollte glauben, dass Mohren wären, wenn er sie nicht gesehen hätte? Oder welchen Menschen bringen sie nicht eine Verwunderung, der zum ersten Mal einen Mohren sieht? Viele Dinge werden unmöglich erachtet, bevor und ehe sie gesehen werden. Item: In Scythien, der Gegend gegen Mitternacht, an einem Ort Gesglithron genannt, sind Leute, wie auf dem nachfolgenden Blatt verzeichnet ist, mit einem Auge inmitten an der Stirn, ständig mit den Greifen streitend. Item: In Scythien, in einem Tal des Berges Tunani, ist eine große Gegend Abarimon genannt, darin leben Waldmenschen mit rückwärts gekehrten Fersen, von unglaublicher Schnelligkeit, mit den wilden Tieren schweifend. Die leben in keinem anderen Klima; darum sind sie auch weder unter die umliegenden Könige noch unter den großen Alexander gezogen worden. Item: In Indien und am Mohrenfluss sind sehr große Tiere, in der Erscheinung gleich wie Hunde, größer als die anderen. Auch so hohe Bäume, dass sie mit Geschossen nicht erreicht werden können. Dies tut die Fruchtbarkeit des Erdbodens, gute Mäßigkeit der Luft und Überfluss an Wasser. Daselbst sind auch so hohe Rohre, dass aus jedem Teil zwischen den Knoten zuweilen ein Schifflein für drei Reihen nebeneinander sitzender Menschen gemacht werden kann. Auf dem Berg Milo sind Menschen mit rückwärts gekehrten Fersen, an jedem Fuß acht Zehen habend. Item: Unter einem Geschlecht im Land der Indier gebären die Weiber im Leben einmal, und ihre Kinder altern alsbald. Item: Etliche haben statt Nasenlöcher allein Löcher. Am äußersten Ende Indiens, vom Aufgang herwärts, beim Quell des Ganges, ist ein Volk ohne Mund, am ganzen Leib rau mit Moos der Äste bekleidet, allein von Luft und Geruch lebend, ohne alle Speise und Getränk. Denn auf dass ihnen, wenn sie weite Wege ziehen, an Geruch nicht Mangel begegne, so tragen sie mancherlei Gerüche von Wurzeln, Blumen und Holzäpfeln mit sich. Und so sie ein wenig eines schweren Geruchs empfinden, so sterben sie. Item: An den Enden der Indierländer, wo kein Schatten ist, da sind die Leiber der Menschen fünf Ellenbogen und zwei Spannen lang und leben einhundertdreißig Jahre und altern nicht, sondern sterben wie im mittleren Alter. Item: An einem anderen Ende in Indien sind Leute, die leben zweihundert Jahre. Die haben in der Jugend weißes Haar und im Alter schwarzes. Item: In der Taprobanischen Insel führen die Leute ein sehr langes Leben ohne irgendeine Krankheit des Leibes. Item: Ein Geschlecht der Menschen, Soriten genannt, die der Fluss Arabis von den Indiern scheidet, kennen keine andere Speise als den Fisch, den sie mit den Nägeln zerteilen und an der Sonne dörren und so Brot daraus machen. Item: In den Einöden Afrikas kommen Menschengestalten den Leuten entgegen und verschwinden in einem Augenblick wieder. Als dann viele griechische Geschichtsschreiber von den hiervor beschriebenen wunderbaren und seltsamen Gestaltnissen schreiben und Meldung tun, also dass die sinnreiche Natur zur Entdeckung ihrer Macht solche und dergleichen Gestaltnisse und Formen, die uns wunderbar dünken, gemacht hat, unter denen etliche hiernach entworfen gesehen werden. Blatt XII der Welt. Von mancherlei Gestaltnissen der Menschen schreiben Plinius, Augustinus und Isidor die hiernach gemeldeten Dinge. Im Land Indien sind Menschen mit Hundsköpfen und reden bellend, nähren sich mit Vogelfang und kleiden sich mit Tierhäuten. Item: Etliche haben allein ein Auge an der Stirn über der Nase und essen allein Tierfleisch. Item: In Libyen werden etliche ohne Haupt geboren und haben Mund und Augen. Etliche sind beiderlei Geschlechts; die rechte Brust ist männlich und die linke weibisch, und sie vermischen sich untereinander und gebären. Item: Gegen dem Paradies beim Fluss Ganges sind etliche Menschen, die essen nichts; denn sie haben so kleinen Mund, dass sie das Getränk mit einem Halm einflößen und leben vom Geruch der Äpfel und Blumen und sterben bald von bösem Geruch. Daselbst sind auch Leute ohne Nasen, eines ebenen Angesichts. Etliche haben unten so große Lefzen, dass sie das ganze Angesicht damit bedecken. Item: Etliche ohne Zungen. Die deuteten einander ihre Meinung mit Winken.