Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das ander alter Noe der sun Lamechs der zehend von adam ist nach sag des buchs der geschoepff im c. lxxxij. iar seins vaters. vnd nach hebreyscher warheit im. jm. lvi. iar. aber nach beschreybung Orosij. Bede vnd der. lxx. außleger im. jm. vic. xlij. iar der werlt geporn. vnd wirdt als ein rue außgelegt daruemb dz vnder im alle ding geruet haben nach der sintfluss oder daruemb dz er den geprauch des ackerns mit dem vih erstlich gefunden hat. dem nach stet geschriben. Er wirdt vns troesten von den wercken vnser hend etc. dann erstlich plagen die menschen vnd darnach begunde dz vih zeackern. also ward der menschen arbait geringert. daruemb steet darnach. Noe was ein agkerman. vnd Augustinus erhebt die agkermanschafft als ein heilige von got aufgesetzte arbait ueber alle hantwerckische ambt vnd kunst. Von Sem Cham vnd Japhet den dreyen suenen Noe sind. lxxij. voelcker entsprungen des zu bedeueten sendet der herr Jhesus. lxxij. iunger vor seinem angesicht. Augustinus spricht. vil ander sind geporn der doch nit gedacht wirdt daruomb dz sie andern voelckern in geperung vorgegangen sind vnd doch kein volck haben muegen machen. vnd die namen der selben voelcker sind eins tails bliben. also das man west wo her die komen sind. als auß assur die assirij. vnd auß heber die hebreyschen. Eins tails sind mit dem alter der zeit verwandelt. also dz die allergelertisten vnd erfarnsten der historien mit aller. sunder kaum ettlicher voelcker vrsprung muegen finden. vnd nach betrachtung aller ding erfindet sich dz mer namen verwandelt dann bliben sind Ionichus der vierd sun noe ist geporn in dem dritten iar nach der sintfluss. des gesweigt moyses. Diser hat zu erst die kunst des gestirns lawffs erfunden vnd ettlich kuenfftig ding fuersehen. vnd da im der vater gab gegeben het gieng er in das land ethan vnd wonet aldo vnd machet ein volck vnd diss ist die erde (der sunnen erd genant) dohin sich ettlich fuertreffenlich mann der suen Japhet fuegten vnd Jonicho ein stat eliopolis genant paweten. vnd er soll auch dem nemroth rat gegeben haben wie er regirn moecht. vnd was fuerscheinender sinreichigkait. vnd ein grosser erkenner des gestirns. der den lavff vnd aigenschaft aller stern erschawet vnd dardurch den vrsprung vnd auch den vndergang der vier fuernemlichen reiche vorerkennet vnd leret. do er starb ward sein sun cosdron sein nachkomen Ahus was chams sun von dem komen (als Josephus wil) ethiopes die morn. dise warden von inselbs vnd von den asianern erstlich chusei vnd darnach ethiopes genant. von demselben ist die gegent ethiopia also gehayssen. die ist in den enden des lands mauritania. do dann grosse aynoede vnd wuestnus seyen gegen dem aufgang. Chanaan der sun cham hat geborn etheum. iebuseum. amoreum. gerseum. eueum. archeum. von der yedem ist ein sunders volck genant. als von etheo ethei. von iebuseo iebusei. von amoreo amorei. von gerseo gersei. von eueo euei oder gabaonite. von archeo wardt archas die stat vnder dem perg libano gepawet. Chanaan der erst sun cham von dem komen die chananei. vnd het. xi. suen die besaßen dz land der chananeier ietzo das gelobt land. nw iudea vnd von im chananea gehayssen. Cineus aradius von dem aradij die die inseln araden besaßen mit kleinen meer von den phenicern geschiden. Samarites von den syrie die edel stat vnd wirdt genent aeolis. Amatheus dauon amatite. Phuch der ander sun cham. dauon libia die gegent von athlante dem perg mauritanie vnd ein gegent phuteus genant ist Messaraym der drit sun. dauon egytij. vnd hat. v. suen. die egyptier hiessen etwen mersei von mersa irmm fuersten. Lidin. dauon lydi vnd lydia dz land genant. do sand Johanßen stul ist. Ananim dauon ananij. vnd Labim dauon cubarij vnd ander der voelcker vnbekant vnd mit der ethiopier krieg außgerewtt sind bis zu der vergessenhait der vergangen namen. Messram der ander sun chams gepar auß im syben voelcker. dz sechst volck sind die palestiner. ir land hayst palestina in syria an arabia stossent. vnd von der stat philistea philistei genant. Sabatha dauon sabatheni von den kriechen astabari genant. Kegma het. ij. suen. vnd sabatha haben iren alten namen darnach verlorn. von dem sind voelcker der morn in den nidergang entsprungen. Saba dauon sabeus oder sabey. arabes vnd von in arabia genant an den pergen libani wonende. Dada dauon ethiopes. Eiula was der ander sun chus des suns cham von dem sind eiulei yetzo getuli genant in den verrern gegenden affrice wonende. Nemroth der sun chus des suns cham was ein rys eins grossen leibs vnd vnder den suenen der suen Noe der allergetuerstigst. der bey den babiloniern bleybende zu erst wueterey anfieng zeueben. Blat XV der werlt
Das zweite Zeitalter: Noah, der Sohn Lamechs, der zehnte Nachkomme Adams, wurde nach dem Buch der Schöpfung im 82. Jahr seines Vaters geboren und nach hebräischer Überlieferung im 1056. Jahr der Welt. Nach Orosius, Beda und den 70 Auslegern jedoch im 2242. Jahr der Welt. Er wird als "Ruhe" gedeutet, weil unter ihm nach der Sintflut alle Dinge zur Ruhe kamen, oder weil unter ihm erstmals der Ackerbau mit Hilfe des Viehs geordnet wurde. Daher steht geschrieben: "Er wird uns trösten von den Werken unserer Hände"; denn zuvor litten die Menschen, danach begann das Vieh zu pflügen, und so wurde die menschliche Arbeit erleichtert. Darum heißt es auch: Noah war ein Ackerbauer. Augustinus rühmt den Ackerbau als eine von Gott eingesetzte heilige Tätigkeit, über allen handwerklichen Künsten stehend. Von den drei Söhnen Noahs, Sem, Cham und Japhet, stammen 72 Völker ab. Zum Zeichen dessen sandte der Herr Jesus 72 Jünger aus. Augustinus sagt zudem, viele weitere Völker seien entstanden, würden aber nicht mehr erwähnt, da sie anderen Völkern vorausgingen oder keine eigenen großen Völker bildeten; ihre Namen seien teils erhalten geblieben, sodass man ihre Herkunft noch erkennen könne, etwa die Assyrer von Assur und die Hebräer von Heber. Teils seien die Namen im Lauf der Zeit verändert worden, sodass selbst gelehrte Historiker den Ursprung vieler Völker kaum noch bestimmen können. Ionichus, der vierte Sohn Noahs, wurde im dritten Jahr nach der Sintflut geboren. Ihm wird zugeschrieben, die Kunst der Sternenkunde erfunden und zukünftige Dinge vorhergesehen zu haben. Nachdem ihm sein Vater seinen Anteil gegeben hatte, zog er in das Land Ethan, gründete dort ein Volk und eine Stadt namens Heliopolis. Er soll auch Nemroth beraten haben, wie dieser herrschen könne, und war ein großer Kenner der Gestirne, der den Lauf der Sterne beobachtete und daraus den Aufstieg und Untergang der vier großen Weltreiche erkannte. Nach seinem Tod folgte ihm sein Sohn Cosdron. Aus Chams Sohn Ahus stammen nach Josephus die Äthiopier (die Mauren), die zunächst Chusai genannt wurden. Von Chanaan, dem Sohn Chams, stammen verschiedene Völker: die Hethiter, Jebusiter, Amoriter, Girgasiter, Hiviter (auch Gabaoniter) und die Arkeer. Auch die Kanaaniter gehen auf ihn zurück, die das verheißene Land, heute Judäa, besiedelten. Weitere Nachkommen Chams sind die Cineer und Aradier, die die Insel Arad bewohnten, sowie Samariter, Amathiter und Phuch, von dem Libyen seinen Namen erhält. Misraim, der dritte Sohn, ist Stammvater der Ägypter, die früher Mersai genannt wurden. Ludin führt zu den Lydern und Lydiern, Labim zu den unbekannten Völkern Cubarii und anderen, die im Krieg mit den Äthiopiern untergingen. Messram, der Sohn Chams, brachte sieben Völker hervor, darunter die Palästiner in Syrien an der Grenze zu Arabien. Sabatha führt zu den Sabatheniern (bei den Griechen Astabari). Von Kegma stammen weitere Völker, deren ursprüngliche Namen verloren gingen. Saba führt zu den Sabäern und Arabern in Arabien und an den Libanonbergen. Dada führt zu den Äthiopiern. Eiula, Sohn des Chus, ist Stammvater der heute Getulen genannten Völker Afrikas. Nemroth, Sohn des Chus und Enkel Chams, war ein riesenhafter, sehr mächtiger Mann unter den Nachkommen Noahs und der erste, der in der Zeit nach der Sintflut bei den Babyloniern die Tyrannei und Gewaltherrschaft einführte.