Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das ander alter ein schoener ochs erscheint so enthalten sie den auff ein zeit vnd peten ine an. Bey diser statt Memphis lauft hin Nilus der fluss egyptier land einer auß den groessern fluessen der gantzen werlt der mit grossen ueberswal der wasser alle iar so die sunn im krebs ist dz gantz egyptisch land begeuesset. Memphis ist ietzo der sarracener ein fuertreffentlichste volckreichste. vnd an vil guettern habhafftigiste stat. do selbst wonet der großmechtigst Soldan in einem weiten schloss. dise statt ist in zwu stett getailt. die ein wirdt die new Babilonia. vnd die ander Alkeyro genant. dar inn etwen Pharao der koenig egypti gewonet hat. vnd dahin die gloriwirdig iunckfraw maria mit irem kind Jhesu vnd mit Joseph komen ist zuuoran in den balsamgarten der dann an disen enden ist. daselbst hin haben auch vil gelerter mann gewandert. als Pitagoras vnd Plato etc. die Babilonischen weyssagen doselbst zehoeren. Dise gegent hat grosse sewln zu gedechtnus vnd eren der todten auffgerichtet. vnd sunst vil gedechtnus wirdiger ding. dauon ettlich vil vnd weyt schreiben. center In dem. lxxxxviiij. iar des alters Abrahe ist im got erschynnen verhayssende das im ein sun von seinem weyb Sara geporn wurd. den hieß er ysaac nennen. do nw ysaac. xxv. iar alt was vnd got Abrahams gehorsam beweren wolt do gepote er seinen sun im zeopffern. der flisse sich eylend die geheisse gottes zeerfuellen. vnd do er zu der slachtung des suns vnd auch zu dem altar zugetretten was. do erkennet er des menschen gehorsam. vnd rueeffet Abraham. du solt nit außstrecken die hand in das kind: Nw hab ich erkant das du den herren fuerchtest. vnd bracht pald vnfuersehenlich einen wider zum opfer herfuer. vnd als abraham got gerhorsam erschine in aufopferung seines suns ysaac. do beschahe im dise suesse verhayssung von Cristo. also das got sprach zu im. in deinem namen werden gebenedeyet alle voelcker dann du bist gehorsam gewest meiner stymm. Zoroastes der weise. was (als ysidorus spricht) ein koenig Baractrianorum den Ninus der koenig in dem kriege ersluge vnd die bueecher verprennen hieß. von dem schreibet Solinus also. wiewol die erst stymm der die geporn werden ein waynen ist. vnd die sinn der frewd bis in den. xlij. tag verzogen wird. so haben wir doch einen gekent Zoroastes genant der an dem tag lachet daran er geporn ward. diser was der erst weise oder swartzkuenstiger vnd erforscher des gestirns. vnd hat zwaintzig mal hundert tausent vers gemacht. die selben kunst hat Democritus lang darnach erweitert. vnd Zoroastes reichßnet zu der zeit thare des vaters abraham. center Blat XXIII der werlt Trier ist also ein alte statt das sie vor zukunft cristi. jm. ixc. xlvij. iar zu Abrahams zeiten von Trebeta Nini des koenigs bruder. der durch Semiramidem die koenigin auß assiria vertriben ward. in der nachpawrschafft germanie teuetschs lands zepawen angefanhen ist. dann do der gross Ninus starb do empfieng Semiramis gegen Trebetam argkwon vnd veintschafft. do wiche Trebeta mit grossem heer der assirier auß dem kuenigreich. vnd kome in das land Belgiam gallie. nit weyt vom rein an einem garfruchtpern ort. daselbst setzet er die gruondtfest diser stat vnd nennet die nach im Treuerim. darnach als Julius der kayser die gegent alle ihenßhalb rein im vnderworffen hett do ordnet er ir einen verwesenden ratgeben vnd einen ensamler der stewer oder tribut die daselbst bis auff das roemisch reich bliben: vnd die selb statt Trier ist alweg reich vnd habhafftig gewesen. vnd hat vnder den fuenft steten des belgischen lands den fuerstenthumb der wirdigkait vnd des alters behabt. vnd der ertzbischoff daselbst ist vnder den siben kuerfuersten des roemischen reichs der wirdiger geachtet. da selbst sind auch vil anzaigung ires alters. dauon vnder andern zu vnsern zeiten gefunden worden ist ein lateinische schrifft von den obgenanten Trebeta vnd Semiramide sagend. daselbst wird gezaigt ein pallast wunderperlichs wercks zu gleichnus der Babilonischen mawrn auß gepachen ziegel gemacht. noch hewt bey tag soellicher festikeit wesende das es nit allain den feind nicht foerchtet. sunder auch mit keinem werckzeueg geprochen werden mag. Die burgere der statt werden nw an sitten. zierlichkeit vnd gesetzen auß stetiger besuchung. hantirung vnd verwandtschafft der kaufflewt do selbsthin komende zu mal geschmuckt vnd werltselig geachtet: die sich von nachtpawrschafft wegen teuetschs lannds. auch teuetschs gezuengs geprauchen. vnd auch von den teuetschen mit geschmuck vnd uebung vnd mit ernsthafftigkeit in kriegs hendeln nit vil vnderschiden sind. vnd vnder den galliern sunderer krafft gehalten. vnd an raysigem gezeueg vnd fueßfolck ser tueglich geschatzt werden. Daselbst wird auch ein pforten gezaigt die auß vnglewplicher groesse der stein mit eysen zusamen gefueeget die leichnam sand Simeonis vnd des erwirdigen bischoffs Popionis in der kirchen von dem selben bischoff gemacht inn sich helt. Dise stat hat erstlich von Valerio dem bischoff sand Peters iunger das ewangelium Cristi empfangen. vnd darnach von sancto Paulino dem heilligen mann. bischoff daselbst erleuechtung genomen. der dann von Constantio dem kayser von cristenlichs glawbens wegen in das elend verschickt vnd bis zum tod mit elend betruebt ward. vnd zeletst in phrisia die kron der heiligen marter empfieng Daselbst hat auch gereichßnet der bischoff Maximus von dem der babst Anathasius die verfolgung des kaysers Constancij fliehende erlich empfangen ward. Dise statt hat auch gehabt den bischoff Nicenum einen man gantzer heilligkeit vnd vil andere etc.
Das zweite Zeitalter. Ein schöner Ochse erscheint, den sie einst festhalten und anbeten. Bei dieser Stadt Memphis fließt der Nil, der Fluss Ägyptens, einer der größten Flüsse der ganzen Welt, der mit großem Überschwall des Wassers jedes Jahr, wenn die Sonne im Krebs steht, das ganze ägyptische Land bewässert. Memphis ist jetzt die vorzüglichste, bevölkerungsreichste und an vielen Gütern reichste Stadt der Sarazenen. Dort wohnt der großmächtigste Sultan in einem weiten Schloss. Diese Stadt ist in zwei Städte geteilt: die eine wird Neu-Babylon genannt und die andere Al-Qahira, wo einst Pharao, der König Ägyptens, gewohnt hat und wohin die glorwürdige Jungfrau Maria mit ihrem Kind Jesus und mit Joseph gekommen ist, zuerst in den Balsamgarten, der sich an diesen Orten befindet. Dorthin sind auch viele gelehrte Männer gewandert, wie Pythagoras und Plato etc., um die babylonischen Weissagungen dort zu hören. Diese Gegend hat große Säulen zum Gedächtnis und zur Ehre der Toten aufgerichtet und sonst viele denkwürdige Dinge, worüber etliche viel und weit schreiben. Im 99. Jahr des Alters Abrahams ist ihm Gott erschienen und hat verheißen, dass ihm ein Sohn von seinem Weib Sara geboren würde, den er Isaak nennen hieß. Als nun Isaak 25 Jahre alt war und Gott Abrahams Gehorsam beweisen wollte, da gebot er ihm, seinen Sohn zu opfern. Er beeilte sich, die Gebote Gottes zu erfüllen, und als er zur Schlachtung des Sohnes und auch zum Altar zugetreten war, da erkannte er den Gehorsam des Menschen und rief Abraham: „Du sollst die Hand nicht an das Kind legen! Nun habe ich erkannt, dass du den Herrn fürchtest.“ Und brachte bald unversehens einen Widder zum Opfer hervor. Und als Abraham Gott gehorsam erschien in der Aufopferung seines Sohnes Isaak, da geschah ihm diese süße Verheißung von Christus, so dass Gott zu ihm sprach: „In deinem Namen werden alle Völker gesegnet werden, denn du bist meiner Stimme gehorsam gewesen.“ Zoroaster, der Weise, war (wie Isidor sagt) ein König der Baktrer, den König Ninus im Krieg erschlug und dessen Bücher verbrennen ließ. Von ihm schreibt Solinus also: „Obwohl der erste Laut der Neugeborenen ein Weinen ist und der Sinn der Freude bis zum 42. Tag verzögert wird, so haben wir doch einen gekannt, genannt Zoroaster, der an dem Tag lachte, an dem er geboren wurde.“ Dieser war der erste Weise oder Schwarzkünstler und Erforscher der Gestirne und hat zwanzigmal hunderttausend Verse gemacht. Dieselbe Kunst hat Demokrit lange danach erweitert. Und Zoroaster regierte zur Zeit Terachs, des Vaters Abrahams. Blatt 23 der Welt. Trier ist eine so alte Stadt, dass sie vor der Ankunft Christi, im 947. Jahr, zu Abrahams Zeiten, von Trebeta, dem Bruder König Ninus', der durch Semiramis, die Königin aus Assyrien, vertrieben wurde, in der Nachbarschaft Germaniens, des deutschen Landes, zu bauen angefangen wurde. Denn als der große Ninus starb, da hegte Semiramis Argwohn und Feindschaft gegen Trebeta. Da wich Trebeta mit einem großen Heer der Assyrer aus dem Königreich und kam in das Land Gallia Belgica, nicht weit vom Rhein an einem sehr fruchtbaren Ort. Dort setzte er die Grundfesten dieser Stadt und nannte sie nach ihm Treverim. Danach, als Kaiser Julius die Gegend jenseits des Rheins ihm unterworfen hatte, da ordnete er ihr einen verwaltenden Ratgeber und einen Einsammler der Steuern oder Tribute zu, die dort bis zum Römischen Reich blieben. Und dieselbe Stadt Trier ist allzeit reich und wohlhabend gewesen und hat unter den fünf Städten des belgischen Landes den Fürstentitel der Würdigkeit und des Alters innegehabt. Und der Erzbischof dort wird unter den sieben Kurfürsten des Römischen Reiches als der würdigere geachtet. Dort sind auch viele Anzeichen ihres Alters, davon unter anderem zu unseren Zeiten eine lateinische Schrift gefunden wurde, die von den obgenannten Trebeta und Semiramis erzählt. Dort wird ein Palast wunderbaren Werkes gezeigt, nach dem Vorbild der babylonischen Mauern aus gebrannten Ziegeln gemacht, noch heute von solcher Festigkeit, dass er nicht allein den Feind nicht fürchtet, sondern auch mit keinem Werkzeug gebrochen werden kann. Die Bürger der Stadt werden nun in Sitten, Zierlichkeit und Gesetzen durch stetige Besuche, Handel und Verwandtschaft der dorthin kommenden Kaufleute überaus geschmückt und als weltgewandt angesehen; die sich wegen der Nachbarschaft des deutschen Landes auch der deutschen Zunge bedienen und auch von den Deutschen in Schmuck und Übung und mit Ernsthaftigkeit in Kriegsangelegenheiten nicht viel unterschieden sind und unter den Galliern besondere Kraft besitzen und an reitendem Gerät und Fußvolk sehr tüchtig geschätzt werden. Dort wird auch eine Pforte gezeigt, die aus unglaublich großen Steinen mit Eisen zusammengefügt ist und die Leichname des heiligen Simeon und des ehrwürdigen Bischofs Poppo in der von demselben Bischof erbauten Kirche in sich birgt. Diese Stadt hat erstlich von Valerius, dem Bischof, einem Jünger des heiligen Petrus, das Evangelium Christi empfangen und danach von dem heiligen Mann, Bischof Paulinus, Erleuchtung genommen, der dann von Kaiser Constantius wegen des christlichen Glaubens ins Exil geschickt und bis zum Tod mit Elend betrübt wurde und zuletzt in Friesland die Krone des heiligen Martyriums empfing. Dort hat auch Bischof Maximin regiert, von dem Papst Athanasius, der die Verfolgung des Kaisers Constantius floh, ehrenvoll empfangen wurde. Diese Stadt hat auch den Bischof Nicetius gehabt, einen Mann von ganzer Heiligkeit, und viele andere etc.