Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das drit alter Damascus ist die erst stat vnd hawbtstat des lands assirie vnd schier aller stett asie die eltst. die die knecht abrahe (als die heilig schrifft sagt) gestifftet sollen haben: vnd ist feldig. vnd hat von natur ein vnfruchtpern vnd trucken erdpoden. dann souer der von oben befeuechtet wirdt mit wassern durchrinnen gelaytet. des selben wassers feuechtigkait macht die erden allerfruchtperst vnd in beschattung des laubgewachs allerfuertreffentlichst. vnd ist ein ainiger klainer fluss in der gegent zenehest an der mawer vnd zinnen hinflissende. ein klains zunglein der erden von den selben zinnen hindan gelegen. ist mit dem allerkoestlichsten laubgewachs bedecket. Dise loebliche stat ligt sechs tag reayse von iherusalem. daselbst innen hat sand pauls der apostel den tauff empfangen. da bey ist die stat da ine das liecht von himel vmblewchtet do er die stymm hoeret Saule was verfolgst mich. der dann nach den tauff in den iuedenschulen den herrn cristum prediget. vnd von der iueden haimlichen feintschafft wegen bey nacht in einen korb auß der stat ueber die mawern abgelassen ward. daselbst ist auch das haws ananie von dem sand pauls den tauf empfieng nochhewt bey tag voraugen. Dise stat hat vil widerwertigkait vnd anstoeß erliden. vnd zu letst hett koenig Cunrad einen zug in asiam fuorgenomen vnd fueret drey cristenlich fuersten. einen cardinal der was auch ein legat. vnd den patriarchen von iherusalem. vnd vil bischoff fuer damascum. Als nw vnser fuersten das heer mit klugem rat fuor die stat gelegt hetten. wiewol dann die stat mit hohen vnd dicken zinnen also befestigt was. das die mit krefften nit mocht gewunnen werden. yedoch wer sie in kurtzer weyl zeerobern gewest. wo den in der stat dz wasser des fluss also entweeret worden wer das sie ir vihe vnd pferd die sie zu schutz vnd beystand in der stat hetten nit hetten muegen neren. noch an den prunnen in der stat wesende. vnder einem soelchen grossen volck begnuegung haben. Aber do die burger besorgten das ine leichtlich die heimlichen roeren vnd verporgen wasserrinnen durch die in das wasser in die stat zugienge abgeschniten werden vnd als dann die prunnen beseuehen moechten do vermischet sich dar ein arglistigkait eines assyrischen menschen. der empfieng von den damasceneren gelt vnd riete den cristenlichen koenigen das sie ir heer von stat an ein ander ort ruecken vnd das ort von dannen ine auß der stat widerstand beschehe belegern soelten. do nw soelche verenderung beschahe do mochten sich die damascener des wasserfluss wideruemb geprauchen. vnd bewarenten sich mit solicher befestigung das sie den selben fluss in irn gewalt brachten. vnd den vnsern die wasserung entwereten. Also ward auch pald gebruch vnd teuerung an speys vnd narung die man nyndert dann auff dem selben wasser zufueren mocht. do zertrennet sich die legerung. vnd Cunradt vnd Ludwig die konig fuereten ire heer in europam vnd komen wider anhaims. Nach cristi vnsers liben herren gepurt Tausendt fuenfftzig vnd zway iare. center Blat XXIIII der werlt center Das reich hispanier hat seinen vrsprung nach den zeiten Tubal von phaleg seinen sun gehabt. dann derselb ist auch Armenia gegangen. vnd hat erster das reich der hispanier (als ysidorus spricht) erlangt. vnd im auch daselbst einen stul gesetzt. dauor ist hispania auch Hiberia genant gewest. vnd ist ein gegent die sich an den pyrrenischen pergen anfahet. vnd vmb die seuln herculis geende bis in das mitternachtlich meer raychet. also das alle ding in dem selben vmbkrais begriffen als in hispaniam gehoerende geachtet werden. der groesse (als Apianus der geschichtbeschreiber setzt) vil vnd vngleueblich in einer gegent ist. dann sie ist zehen tausent achteyl einer meyl prayt. vnd auch schier also lang. mancherlay voelcker mancherlay namens haben darnach daselbst gewonet. da sind auch vil schifreiche wasser. dise gegent ist fruchtper vnd reich an waytz. wein. oel auch allen metallen vnd thiren die den geprauch der menschen dienstlich sein muegen. vnd suenderlich ist sie ueberfluessig an ueberschnellen vnd allerstercksten pferden. Dreyhundert gantze iar ist bey den hispaniern vnder den roemischen heerfuerern Scipione: Gracco. Albino. Cathone. Metello: Pompeyo dem kayser vnd andern gekriegt. vnd hispania darnach durch die selben herfuerer angenomen vnd das volck cantabri zu letst von augusto bestritten worden. als aber hispania den roemern freylich gehorsam erschinnen ist. ist sie auch den roemern mit soelchem beystand vnd zierde ersprosse das die roemer nye einichen merklichen krieg on den hispanischen ritter gefurt haben. vnd auff disen heuotigen tag werden vil anzeigunge der roemer in hispania gesehen vnd sind vil stett darinn etwen von den roemern besetzt worden. vnd wir haben auß disem reich empfangen nit allain Quintilianum. Senecam. Lucanum. Lucium. Florum. Pompeyum. Mellum. Silium. Italicum. Marcialem vnd Orosium die lerer vnd schrifftweisen: sunder auch die allernuotzlichsten gemains nutz regirer vnd durchleuechtigisten kayser. als Neruam. Traianum. Hadrianum vnd die Theodosier zu zeiten der heyden. Aber zu eren dem cristenlichen namen hat hispania auch geporn die allerhohberuombsten sand Laurentien vnd sand Vincentzen Valerij diacones. vnd schier zu der selben zeit Eugraciam vnd sunst vil vnzellich martrer: der fußstapffen haben Ferdinandus der koenig vnd Elizabeth die koenigin nachgefolgtr. vnd tausent vierhundert vnd in dem einundnewntzigisten iar in dem ende des selben iars die grossen stat Granatan ettwen die gross Ilipula genant zu der anbettung cristi vnd zu cristenlicher gehorsam gebracht. center Das reich der Beheim hat seinen vrsprung genomen von den windischen lewten die das feld Sennaar verließen vnd auß asia in eüropam zohen. darinn entstund auß nit vnberuembten eltern. einer genant Cechius ein Crabat. der machet das behemisch volck. dann Behemer land was etwen vnerpawt von welden vnd dornhegken rawh den wilden thiren fueglicher vnd schicklicher denn den menschen. Aber do sein bruder Leches ein mitgeferrt des elends gesehen het das sein bruder an eckern vnd ochßen reich vnd mechtig worden was. do zohe er gegen den aufgang. vnd setzet sein wonung in einer grossen ebne der felder. vnd gab ir von der gegent den namen. Poln. Als nw ir erben zu einer grossen menig volcks worden waren do brachten sie ein gross erdreich an sich. nach seinem absterben erwelten sie Crokum zu einem fuersten. der pawet ein purg bey stennam. vnd do er starb liess er drey toechter. Libussam Brelam vnd Therbam. Libussa die elter tochter regirt nach irs vaters tod das land. vnd befestiget die burg Vischerat genant. Brela was ein artztin. der krewter vnd artzney erfaren. vnd Therba ein warsagerin oder gluecks walterin. darnach maynten die Beheim vnbillich sein das ein solcher gewalt vnd mechtigkait durch ein einigs weybßpild geregirt werden soltt. do sprach Libussa eins mals in versamlung einer grossen menig irs volcks. Ich hab gefelligklich vnd waichlich geherschet. nw solt ir frey sein. Ich wil euch geben einen man der euch nuetz ist. Geet hin vnd fuered mein pferd ins feldt. dem folget nach wahin es geet. zu letst wirt das pferd besten vor einem man auf einem eyßnen tisch essende derselb wirt mein man vnd ewer fuerst. do nw das pferd ledig gelassen ward. do blyb es zu iungst steen vor einem ackermann. Primislaus genant. der het seinen pflug vmbgekert vnd empfing sein speis mit einem kes auff dem eysnen pflugschar das was der eysnen tisch. den selben Primislaum forderten sie zu einem hertzogen. vnd setzten in auff ein pferd. do name er sein schuh auß aychen past gemacht mit ime. do sie ine fragten waruemb er die mit ime nemen wolt. anwurtet er vnd sprach. daruomb wil ich sie mit mir nemen vnd im vischerat behalten dz mein nachkomen wissen sollen welcher vnder den Behemen das fuerstenthumb empfangen hab. Diss reich ist darnach langzeit von hertzogen geregirt worden. vnd hat darnach seydher der zeit kayser fr. dereichs des ersten von koengen in grosser glori bis zu aufgang der ketzerey vnder mancherlay koenigen vnd kaysern geblueet.
Das dritte Zeitalter. Damaskus ist die erste Stadt und Hauptstadt des Landes Assyrien und fast die älteste aller Städte Asiens, die die Knechte Abrahams (wie die Heilige Schrift sagt) gegründet haben sollen. Sie ist flach und hat von Natur aus einen unfruchtbaren und trockenen Erdboden. Denn sofern dieser von oben mit durchgeleiteten Wassern befeuchtet wird, macht die Feuchtigkeit dieses Wassers die Erde äußerst fruchtbar und im Schatten des Laubgewächses überaus prächtig. Und es ist ein einziger kleiner Fluss in der Gegend, der am nächsten an der Mauer und den Zinnen vorbeifließt. Ein kleines Stück Land, das hinter diesen Zinnen liegt, ist mit dem köstlichsten Laubgewächs bedeckt. Diese lobenswerte Stadt liegt sechs Tagesreisen von Jerusalem entfernt. Dort hat der Apostel Sankt Paulus die Taufe empfangen. Dabei ist die Stadt, wo ihn das Licht vom Himmel umleuchtete, als er die Stimme hörte: „Saul, was verfolgst du mich?“ Der dann nach der Taufe in den Judenschulen den Herrn Christus predigte und wegen der heimlichen Feindschaft der Juden bei Nacht in einem Korb aus der Stadt über die Mauern abgelassen wurde. Dort ist auch das Haus des Ananias, von dem Sankt Paulus die Taufe empfing, noch heute zu sehen. Diese Stadt hat viele Widrigkeiten und Anstöße erlitten. Und zuletzt hatte König Konrad einen Feldzug nach Asien unternommen und führte drei christliche Fürsten, einen Kardinal, der auch ein Legat war, und den Patriarchen von Jerusalem sowie viele Bischöfe vor Damaskus. Als nun unsere Fürsten das Heer mit klugem Rat vor die Stadt gelegt hatten, obwohl die Stadt mit hohen und dicken Zinnen so befestigt war, dass sie mit Gewalt nicht gewonnen werden konnte, jedoch wäre sie in kurzer Zeit zu erobern gewesen, wenn in der Stadt das Wasser des Flusses so entzogen worden wäre, dass sie ihr Vieh und ihre Pferde, die sie zum Schutz und Beistand in der Stadt hatten, nicht hätten ernähren können, noch an den Brunnen in der Stadt, bei einer so großen Bevölkerung, Genüge gehabt hätten. Aber als die Bürger besorgten, dass ihnen leicht die heimlichen Röhren und verborgenen Wasserrinnen, durch die das Wasser in die Stadt gelangte, abgeschnitten werden und alsdann die Brunnen versiegen könnten, da mischte sich die Arglist eines assyrischen Menschen darein. Dieser empfing von den Damaszenern Geld und riet den christlichen Königen, dass sie ihr Heer von der Stadt an einen anderen Ort rücken und den Ort belagern sollten, von dem ihnen aus der Stadt Widerstand geschah. Als nun solche Veränderung geschah, da konnten sich die Damaszener des Wasserflusses wieder bedienen und sicherten sich mit solcher Befestigung, dass sie denselben Fluss in ihre Gewalt brachten und den Unseren die Wasserversorgung entzogen. So entstand auch bald Mangel und Teuerung an Speise und Nahrung, die man nirgends anders als auf diesem Wasser zuführen konnte. Da löste sich die Belagerung auf. Und Konrad und Ludwig, die Könige, führten ihre Heere nach Europa und kehrten wieder heim. Nach Christi, unseres lieben Herrn, Geburt tausendfünfzig und zwei Jahre. Blatt XXIV der Weltchronik. Das Reich der Hispanier hat seinen Ursprung nach den Zeiten Tubals von Phaleg, seinem Sohn, gehabt. Denn derselbe ist auch nach Armenien gegangen und hat zuerst das Reich der Hispanier (wie Isidor sagt) erlangt und ihm auch dort einen Thron gesetzt. Davor ist Hispanien auch Iberien genannt worden. Und ist eine Gegend, die sich an den Pyrenäen beginnt und um die Säulen des Herkules herum bis in das nördliche Meer reicht, sodass alle Dinge, die in diesem Umkreis begriffen sind, als zu Hispanien gehörend erachtet werden, dessen Größe (wie Apian, der Geschichtsschreiber, angibt) viel und unglaublich in einer Gegend ist. Denn sie ist zehntausend Achtel einer Meile breit und auch fast ebenso lang. Mancherlei Völker mancherlei Namens haben danach dort gewohnt. Dort sind auch viele schiffbare Gewässer. Diese Gegend ist fruchtbar und reich an Weizen, Wein, Öl, auch allen Metallen und Tieren, die dem Gebrauch der Menschen dienlich sein können. Und besonders ist sie überflüssig an sehr schnellen und allerstärksten Pferden. Dreihundert ganze Jahre wurde bei den Hispaniern unter den römischen Heerführern Scipio, Gracchus, Albinus, Cato, Metellus, Pompeius dem Kaiser und anderen gekämpft. Und Hispanien wurde danach durch dieselben Heerführer eingenommen und das Volk der Kantabrer zuletzt von Augustus bekämpft. Als aber Hispanien den Römern willig gehorsam erschien, ist sie auch den Römern mit solchem Beistand und solcher Zierde erwachsen, dass die Römer nie einen merklichen Krieg ohne die hispanischen Ritter geführt haben. Und auf diesen heutigen Tag werden viele Anzeichen der Römer in Hispanien gesehen, und viele Städte darin sind einst von den Römern besetzt worden. Und wir haben aus diesem Reich empfangen nicht allein Quintilian, Seneca, Lucan, Lucius Florus, Pompeius Mela, Silius Italicus, Martial und Orosius, die Lehrer und Schriftgelehrten, sondern auch die nützlichsten Regenten des Gemeinwohls und die durchlauchtigsten Kaiser, als Nerva, Trajan, Hadrian und die Theodosier zu Zeiten der Heiden. Aber zu Ehren des christlichen Namens hat Hispanien auch die hochberühmtesten Sankt Laurentius und Sankt Vinzenz Valerius, Diakone, geboren, und fast zur selben Zeit Eugracia und sonst viele unzählige Märtyrer. Deren Fußstapfen haben Ferdinand der König und Elisabeth die Königin nachgefolgt und im Jahre tausendvierhundert und einundneunzig, am Ende desselben Jahres, die große Stadt Granada, einst die große Ilipula genannt, zur Anbetung Christi und zu christlichem Gehorsam gebracht. Das Reich der Böhmen hat seinen Ursprung von den wendischen Leuten genommen, die das Feld Sinear verließen und aus Asien nach Europa zogen. Darin entstand aus nicht unberühmten Eltern einer namens Cech, ein Kroate, der das böhmische Volk begründete. Denn das Böhmenland war einst unbebaut von Wäldern und Dornhecken, rauer und für wilde Tiere geeigneter und passender als für Menschen. Aber als sein Bruder Lech, ein Gefährte des Elends, gesehen hatte, dass sein Bruder an Äckern und Ochsen reich und mächtig geworden war, da zog er gegen den Aufgang und setzte seine Wohnung in einer großen Ebene der Felder und gab ihr von der Gegend den Namen Polen. Als nun ihre Erben zu einer großen Menge Volkes geworden waren, da brachten sie ein großes Erdreich an sich. Nach seinem Absterben erwählten sie Krok zu einem Fürsten, der baute eine Burg bei Stennam. Und als er starb, hinterließ er drei Töchter: Libussa, Brela und Therba. Libussa, die ältere Tochter, regierte nach ihres Vaters Tod das Land und befestigte die Burg namens Vyšehrad. Brela war eine Ärztin, erfahren in Kräutern und Arznei. Und Therba eine Wahrsagerin oder Schicksalslenkerin. Danach meinten die Böhmen, es sei unbillig, dass eine solche Gewalt und Mächtigkeit durch ein einziges Weibsbild regiert werden sollte. Da sprach Libussa einmal in Versammlung einer großen Menge ihres Volkes: „Ich habe gefällig und sanft geherrscht. Nun sollt ihr frei sein. Ich will euch geben ein