Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das drit alter left right Hie entspringt das reich der kriechen. do ynachus ein sun (als sie sagen) des meers vnd der erden im. lx. iar von ysaacs gepurt bey den kriechen in thessalia erster koenig zeregirn angefangen hat. dasselb reich hat geweret. vc. xliiij. iar. Aber Cecrops der egyptier hat im. xciiij. iar der iuedischen dienstperkeit der kriechenreich verlassen. vnd erster bey den athenieren. l. iar geregirt Athene was ein beruembte stat in Attica. der doch wenig fueßstapffen bliben sind. Cicero spricht. sie sey erstlieh von Abalando gepawet. Plato sagt. dz Amasis der koenig egypti dieselben stat gepawet vnd ir nach egyptischem gezuenge gegeben hab einen namen der nach kriechyscher sprach Athena genant sey. Etlich sagen der koenig Cecrops hab die gepawet vnnd von gehlinger erscheinung eins oelpawms mineruam genent. die derselb pawm bedeuedtet vnd in kriechischer zungen athena heyßt. Aber ander sprechen. das dise stat von ime nit gepawet sunder allain geauffet oder gemeret sey zu den zeiten als athena bey in fuer ein goettin geeret wardt. Dise sta was ein nererin der freyen kuenst vnd vil der philozophorum vnd liebhaber der weyßhait. aber auß teueflischer laycherey wardt sie ein abgoeterische ererin. Augustinus von der stat gotes amm. xviij. buch schreibt mancherlay von diser stat. als Cecrops der koenig zu athenis dieselben stat pawet do wer dz wasser pald an einer stat aufgeprochen vnd an eim andern ort ein oelpawm erschinen. als nw appollo der abgot vmb diss wunderzaichen gefragt worden wer. was man dabey versteen solt. do antwuertet er. das der oelpawm mineruam vnnd das wasser neptunum bedeuedtet. vnd das in derselben burger willen stuende nach derselben eynem dise stat zenennen. do sammelt sich alles volck. vnd die mann hiengen neptuno. vnd die frawen minerue an. vnd die frawen erlangten die stat nach Minerua zenennen. vnd also hiessen die kriechen dise stat athenaz. das zu latein souil als minerua lawtet. darumb wardt neptunus zu zornn geraitzt also dz er mit außlawffenden ueberswal des meers der athenier land verderbet. als nw die athenier sich mit neptuno zebefriden begerten do muesten sie ire weiber mit trifeltiger straff beschweren. Zu erst das sie nymmermer in gemaynen reten gegenwertig sein solten. Zum andern. so sol kein geporner seinen zunamen von der muoter nemen. Zum dritten solt nymant sein toechter athenas haißen. Der xvij. vnnd ir letster konig was Codrus zs den zeiten samuelis. vnnd wiewol dise stat etwen großmechtig vnnd hohberuembt gewesen ist so ist sie doch yetzo ein vnachtper stattlein. das dann ein florentiner dem machomet uebergeben hat. daruemb dvs er der walhen hilff langzeit begeret. vnnd doch nit erlangen mocht. center Blat XXVIII der werlt left right Minerua dz aller beruemtist weib ist im. lviij. iar des alters ysaac bey dem see Tritonidem erschinen. vnd auß desselben sees namen darnach das land Tritonia genant worden. dasselb weib hieß auch pallas von pallante der insel Tracie darinn sie ernert was. oder von pallante dem risen den sie ertoedtet. Dise was des ersten Jouis erstgeporne tochter. die dann bey den groben affrianern vil vor vnerkante ding erfunde. vnnd daruemb nit allain die affrianer sunder auch die kriechen glawbten das dieselb Minerua on ein muetter auß dem hirn Jouis geporn wer. dann ir vrsprung vnd herkomen was nit lawter offenwar. Dise hat dz wollwerck das vormals menigilchem vnbekant was zu erst erfunden. vnd die ordnung die wollen zerainigen vnnd mit eysnin zenen zekemmen. vnd alßdenn zespinnenangezaigt. vnd also die weberey erdacht. Dauon begunden die wolwercker. tuechmacher. weber vnd weberin (als Ouidius bezeuegt) derselben Minerue hohzeitlichen tag andechtiglich zebegeen Sie erfunde auch vnd leret den geprauch des oels der bis zu derselben zeit den menschen vnbekant was. Sie wirdt auch (als Cicero sagt) ein goettin der weißhait vnd ein erfinderin der kunst genant. vnd als nw zu letst ir lewmet lob vnd ere weyt erschollen vnd außgepraytet wz do paweten sie ir zu eren etlich templ zuuoran zu rom bey dem tempel Jouis Armaniter ist (als Augustinus setzt) der acht koenig der assirier gewesen. zu des zeiten got dem ysaac erschine vnd ime auch verhieße die ding die er seinem vater Abraham verheyssen het. Promotheus reichßnet zu disen zeiten in Archadia. ein man scharpffer sinreichigkait vnd grosser erfarung. der die vngeschickten vnd groben lewt zu zierlicheren sytten schicket. vnd zum ersten auß der erden pildnus der menschen formiret. vnd die gleich als hetten sie einen gaist beweglich machet. vnd darnach als er in dem hoehsten des bergs caucasi wonet vnd astrologey gelernet het. do leret er die zu erst die assirier. Diser ist auch der erst der dz fewr auß den kislingstain slug. Er hat auch erstlich den geprauch des (aber eysnin) fingerleins an dem vierden finger zu eren der hertz adern zetragen erdacht. Aber nach verscheinung ettlicher zeit gienge bey den roemern ein gesetz auß das sich die gefreyten vnd burger eins gulden fingerleins vnd die kinder der gefreyten eins silbereins. vnnd die knecht eins eysnens geprauchten. Under disem Beloco dem. ix. koenig der assirier redet der herr zu Jacob vnd verhieße im die ding die er seinenveteren verhayssen het. nemlich zway stueck. als besitzung des lands chanaan vnd benedeyung aller voelcker in seinem samen. der do ist Cristus. Derselb Belocus regiret. xxxvi. iar. Athlas wz ein grosser sternseher vnd der kunst des gestirns also erfarn das man von im saget das er den himel mit seinen achselnn getragen het. Baleus wz der. x. koenig der assirier. vnder dem ysaac gestorben ist vnd er regiret. lij. iar. zu den zeiten mesapi des. ix. koenigs der sichionier Appollo hat die harpffen erfunden. vnd die kunst der ertzney erdacht. die darnach sein bruder Esculapius erweytert hat. der auch mit einem wetterplitzen vergienge. derselb Appollo delphicus genant wardt fuer einen erleuechten vnd hohachtperen man geachtet. vnd nach seinem tod fuer einen got gehalten. vnd ein got der warsagung vnd weyßhait gehayssen. vnd er wz ein erfinder der kunst der ertzney. vnd der erst erkenner der krewter krefft. als ouidius von im schreibt. Annichus was der. xij. koenig der assirier. vnder dem Joseph starb. dieweil Plemmeus der. xi. koenig der sichinier regiret. Iupiter wardt auch als ein got verkuendet. vnd im zu eren von dem thoereten volck ein ochß geopffert. vnd er was der erst des oebern elements des fewrs. vnd (als sie sagen) ein sun des tags. vnd sein aigner nam Lisania. vnd er wardt zu disen zeiten in archadia hohgeachtet: vnd von seiner sitlichen tugent wegen erkriegt er den hohberuembten namen Jouis. vnd daruemb das er von edelm geslecht auß archadia was. sagen sie das er zu athenas gewesen sey vnd ein man also grosser sinreich gkait wer das er die groben lewt des lannds die schier in vihischen sitten lebten mit schickerlichen gesetzen vnd gemainen ordenungen zu rechten menschlichen geperden vnd sitten brachte. vnd sie darnach zu erung der abgoeter vermanet. vnd templ vnd brister auffrichtet. vnd ine auch sunst vil nuotzs dings zaiget. diss verwundert sich dz grob wild volck vnd achteten ine einen got vnd hiessen ine iupiter vnd machten ine pald zu einem koenig. Saffeus was der. xviiij. konig der assirier. vnder dem Moyses in egypto geporn ward. die weil Orthopolis der. xij. koenig sichiniorum. vnd Criasus der fuenfft koenig der kriechen regirten.
Das dritte Zeitalter. Hier entspringt das Reich der Griechen. Als Inachos, ein Sohn (wie man sagt) des Meeres und der Erde, im 60. Jahr nach Isaaks Geburt bei den Griechen in Thessalien als erster König zu regieren begann. Dasselbe Reich währte 544 Jahre. Aber Cecrops, der Ägypter, hat im 94. Jahr der jüdischen Dienstbarkeit das Griechenreich verlassen und zuerst bei den Athenern 50 Jahre regiert. Athen war eine berühmte Stadt in Attika, von der jedoch wenige Fußstapfen geblieben sind. Cicero spricht, sie sei ursprünglich von Abalando erbaut worden. Platon sagt, dass Amasis, der König Ägyptens, dieselbe Stadt erbaut und ihr nach ägyptischem Brauch einen Namen gegeben habe, der nach griechischer Sprache Athena genannt sei. Einige sagen, König Cecrops habe sie erbaut und sie aufgrund des plötzlichen Erscheinens eines Ölbaums Minerva genannt, die derselbe Baum bedeutet und in griechischer Zunge Athena heißt. Aber andere sprechen, dass diese Stadt nicht von ihm erbaut, sondern allein vergrößert oder vermehrt wurde zu den Zeiten, als Athena bei ihnen als Göttin geehrt wurde. Diese Stadt war eine Nährerin der freien Künste und vieler Philosophen und Liebhaber der Weisheit; aber aus teuflischer Leichtfertigkeit wurde sie eine abgöttische Verehrerin. Augustinus schreibt im 18. Buch seines Werkes 'Vom Gottesstaat' mancherlei über diese Stadt: Als König Cecrops zu Athen dieselbe Stadt baute, da wurde das Wasser bald an einer Stelle aufgebrochen und an einem anderen Ort ein Ölbaum erschienen. Als nun Apollo, der Abgott, um dieses Wunderzeichen gefragt worden war, was man dabei verstehen sollte, da antwortete er, dass der Ölbaum Minerva und das Wasser Neptun bedeute, und dass es im Willen derselben Bürger stünde, nach einem von beiden diese Stadt zu nennen. Da versammelte sich alles Volk, und die Männer hingen Neptun an, und die Frauen Minerva. Und die Frauen erlangten, die Stadt nach Minerva zu nennen, und so nannten die Griechen diese Stadt Athenas, was zu Latein so viel wie Minerva lautet. Darum wurde Neptun zum Zorn gereizt, sodass er mit auslaufendem Überschwall des Meeres das Land der Athener verdarb. Als nun die Athener sich mit Neptun zu befrieden begehrten, da mussten sie ihre Weiber mit dreifacher Strafe beschweren. Zuerst, dass sie nimmermehr in gemeinen Räten gegenwärtig sein sollten. Zum anderen, so soll kein Geborener seinen Zunamen von der Mutter nehmen. Zum dritten sollte niemand seine Töchter Athenas heißen. Ihr siebzehnter und letzter König war Kodrus zu den Zeiten Samuels. Und wiewohl diese Stadt einst großmächtig und hochberühmt gewesen ist, so ist sie doch jetzt ein unachtbares Städtlein, das dann ein Florentiner dem Machomet übergeben hat, darum, dass er die Hilfe der Walachen lange Zeit begehrte und doch nicht erlangen mochte. Minerva, das allerberühmteste Weib, ist im 58. Jahr des Alters Isaaks bei dem See Tritonidem erschienen. Und aus desselben Sees Namen ist danach das Land Tritonia genannt worden. Dasselbe Weib hieß auch Pallas, von Pallante, der Insel Thrakiens, darin sie ernährt wurde, oder von Pallante, dem Riesen, den sie ertötete. Diese war des ersten Jupiters erstgeborene Tochter, die dann bei den groben Afrikanern viel zuvor unerkannte Dinge erfand, und darum nicht allein die Afrikaner, sondern auch die Griechen glaubten, dass dieselbe Minerva ohne eine Mutter aus dem Hirn Jupiters geboren sei, denn ihr Ursprung und Herkommen war nicht lauter offenbar. Diese hat das Wollwerk, das vormals manchem unbekannt war, zuerst erfunden, und die Ordnung, die Wolle zu reinigen und mit eisernen Zähnen zu kämmen und alsdann zu spinnen, angezeigt und so die Weberei erdacht. Davon begannen die Wollwirker, Tuchmacher, Weber und Weberinnen (wie Ovid bezeugt) denselben Minerva-Feiertag andächtig zu begehen. Sie erfand auch und lehrte den Gebrauch des Öls, der bis zu derselben Zeit den Menschen unbekannt war. Sie wird auch (wie Cicero sagt) eine Göttin der Weisheit und eine Erfinderin der Kunst genannt. Und als nun zuletzt ihr Ruhm, Lob und Ehre weit erschollen und ausgebreitet war, da bauten sie ihr zu Ehren etliche Tempel, zuvor zu Rom bei dem Tempel Jupiters. Armaniter ist (wie Augustinus setzt) der achte König der Assyrer gewesen, zu dessen Zeiten Gott dem Isaak erschien und ihm auch die Dinge verhieß, die er seinem Vater Abraham verheißen hatte. Prometheus regierte zu diesen Zeiten in Arkadien, ein Mann scharfer Sinnreichigkeit und großer Erfahrung, der die ungeschickten und groben Leute zu zierlicheren Sitten schickte und zum ersten aus der Erde Bildnisse der Menschen formierte und die gleich, als hätten sie einen Geist, beweglich machte. Und darnach, als er in dem höchsten des Berges Kaukasus wohnte und Astrologie gelernt hatte, da lehrte er diese zuerst die Assyrer. Dieser ist auch der Erste, der das Feuer aus den Kieselsteinen schlug. Er hat auch erstlich den Gebrauch des (aber eisernen) Fingerleins am vierten Finger zu Ehren der Herzader zu tragen erdacht. Aber nach Verstreichen etlicher Zeit ging bei den Römern ein Gesetz aus, dass sich die Freigelassenen und Bürger eines goldenen Fingerleins und die Kinder der Freigelassenen eines silbernen und die Knechte eines eisernen gebrauchten. Unter diesem Belochus, dem neunten König der Assyrer, redete der Herr zu Jakob und verhieß ihm die Dinge, die er seinen Vätern verheißen hatte, nämlich zwei Stücke: als Besitzung des Landes Kanaan und Segnung aller Völker in seinem Samen, der da ist Christus. Derselbe Belochus regierte 36 Jahre. Atlas war ein großer Sternseher und der Kunst des Gestirns so erfahren, dass man von ihm sagt, dass er den Himmel mit seinen Achseln getragen hätte. Baleus war der zehnte König der Assyrer, unter dem Isaak gestorben ist, und er regierte 52 Jahre, zu den Zeiten Mesapus, des neunten Königs der Sicyonier. Apollo hat die Harfe erfunden und die Kunst der Arznei erdacht, die darnach sein Bruder Aesculapius erweitert hat, der auch mit einem Wetterblitz verging. Derselbe Apollo, Delphicus genannt, wurde für einen erleuchteten und hochachtbaren Mann geachtet und nach seinem Tod für einen Gott gehalten und ein Gott der Wahrsagung und Weisheit geheißen. Und er war ein Erfinder der Kunst der Arznei und der erste Erkenner der Kräuterkräfte, wie Ovid von ihm schreibt. Annichus war der zwölfte König der Assyrer, unter dem Josef starb, dieweil Plemmeus, der elfte König der Sicyonier, regierte. Jupiter wurde auch als ein Gott verkündet und ihm zu Ehren von dem törichten Volk ein Ochse geopfert. Und er war der Erste des oberen Elements des Feuers und (wie sie sagen) ein Sohn des Tages, und sein eigener Name war Lisania. Und er wurde zu diesen Zeiten in Arkadien hochgeachtet; und von seiner sittlichen Tugend wegen erwarb er den hochberühmten Namen Jupiters. Und darum, dass er von edlem Geschlecht aus Arkadien war, sagen sie, dass er zu Athen gewesen sei und ein Mann also großer Sinnreichigkeit war, dass er die groben Leute des Landes, die schier in viehischen Sitten lebten, mit schicklichen Gesetzen und gemeinen Ordnungen zu rechten menschlichen Gebärden und Sitten brachte und sie darnach zur Ehrung der Abgötter ermahnte und Tempel und Priester aufrichtete.