Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das drit alter left right Dise Carmentis was ein tochter Euandri. die erfunde die lateinischen buchstaben. A b c d e f g h etc. Salmon der sun Naason ist geporn als die. lxx. außleger setzen im. iijm. vijc. xxv. iar der werlt. das ist vor der gepurt Cristi. jm. iiijc. lxxiiij. iar. Diser was ein hertzog in dem geslecht Juda vnd gieng mit Josue in das gelobt lannd. vnnd name zu der ee Raab das gemain weib. Italus der koenig pawet bey dem fluss Tiberis ein stat darinn regiret er. daselbsthin wardt darnach rom gepawet von demselben ytalo ist darnach das gantz welsch lannd ytalia genant worden. Von disem Rechab entsprung ein gar gaistlicher stamm. der zu diser zeit sol gewesen sein. vnd er kome her von yetro des Moyses freuend vnd ward bekert in dem iuedischen glawben. Tiberias oder Tiberiadis die stat vor zeiten Zennreth oder Cynaroth genant ligt bey den gestat des meers zwueschen dem aufgang vnnd dem mittemtag. auff zwu meyl von Bethulia dem berg da Judith den Holofernem ertoedtet. Als nw darnach dieselb stat von Herode dem regirer gallilee wider auffgericht wardt: do wardt sie Tiberio dem kaiser zu eren Tiberiadis genant vnd yetzo haist sie Tiberias. In derselben stat hat Cristus Matheuz vom zol zum apostelstand auffgenomen. Ettwen was daselbst ein bischoff der das gallileysch meer innen het. Bey diser statt sind (als man sagt) natuerlich warm pad. In derselben stat endet sich die gegent decapoleos von iren. x. fuernemlichen stetten also genant. In derselben gegent nit weit von Tiberiade ist der see Asphaltides. der von wegen seiner groesse vnd des wassers vnbeweglichkait das todt meer genant wirdt. dann dasselb wasser ist also sterr vnd zehe von den letten oder leym der den windwellen widerstrebt das es weder von dem windt wirdt bewegt noch auch einiche schiffung geduldet. sunder alle todte ding in die tieffe versencket. vnnd kaynerlay materi leidet. dann die vom liecht erleuecht wirdt. center Blat XXXV der werlt right Vmb dise zeit haben die koenig in welschen landen zeregirn angefangen. vnd ire namen offt verwandelt. vnd der allererst was Janus. der pawet einen pallast der wardt nach im Janiclum genant. vnd er wardt darnach fuer einen grossen got gehalten. vnd wirdt mit zwayen angesichten gepildet. vnd sein feiertag in dem anfang des iars begangen. daruemb das er ein ende des vergangen vnd ein anfang des kuenftigen iars was. vnd daher ist der erst monat von ime Januarius genent. sunst nennt man ine auch den zwystringen. Saturnus der vater Jouis ein konig der von Creta der sun Arij des suns Ninie. des suns Nini. des suns Beli. des suns nemroths. fieng an zeregirn zu der zeit ysaac vnd wardt darnach durch Jouem seinen sun von dem koenigreich außgetriben. Als nw Janus sahe das Saturnus burgerlich oder fridlich leben vnd weingarten pflantzen vnd leren wolt do name er ine guetlich auff vnnd taylet das reich mit im. vnd Saturnus gepar daselbst Picum der nach ime regiret. Etliche nennen ine Stercucium nach dem myst dann von ime als einem allererfarnsten agkerman wardt erfunden das mit dem myst des vihs die egker getuengt solten werden. daruemb machten sie ine nach seinen. tod einen got des agkers vnd gantzer glueckseligkait. von den roemern wardt die pildnus Saturni entworffen eins trawrigen angesichts. alt mit groen hare. in seiner lingken hand ein sicheln vnd in der rechten ein flammschiessender drack. Das trawrig angesicht bedeutet das er auß seinen reich vertriben wardt. oder das der anfang des sterns Saturni trawrige ding bedewtet. Item alt dann diser stern ist der allerkeltist in seiner wuerckung. daruemb sind der stainpock vnd wasserman (die saturnus verweiset) kalte zaichen. Item mit groem hare. dann er macht reyff vnd schnee in den yetzgenanten zaichen. Item ein sicheln. dann er hat den agkerpaw gefunden. oder daruemb das er ein veindt menschlicher natur ist auß seiner kelte dann er hielte (als Seruius setzt) an seinem lingken arm seine kinder die er mit der sicheln ertoedtet. Item der tragk bedeuetet das er dz ende des iars ist. Er wirt auch ein vater Jouis genant. dann er ist hoeher dann Jupiter. Er het auch ein wasserfarbig klayd an. dann sein stern ist kaltter vnd wasseriger natur. Saturnus empfieng auch gern die opfferung ein iungen menschen in den tod. dann der teuefel erluestigt sich in der vergiessung des menschlichen pluts auß grausamkayt des opfferes. vnd auß dem neyd des menschlichen geslechts. left Iuno ein tochter Saturni vnd Opis. vnnd ein swester vnd weib des Jupiters ist zu diser zeit gewesen vnnd auß haydnischer irrung ein koenigin der goetter. vnnd daruemb von den hayden ein goettin der koenigreich reichtuemer vnd gemahelschafft genant worden. vnd wolten das sie ein verweserin oder pflegerin der geperenden sein solt. daruemb machten sie ir einen schoenen wagen vnd wappen daran. vnd schriben ir. xiiij. fuertreffenlich wartterin oder pflegerin zu. der dann auch (als sie sprechen) zu wartt gegeben wardt ein pfab. an dess swantz dise goettin (als Ouidius setzt) die awgen Argi irs hirten von Mercurio erslagen angesetzet het. Dise Juno empfieng auß dem Jupiter den Vulcanum vnd wardt nach irem absterben vnder die goettin gezelet. die Samyer pawten ir einen edeln tempel. Picus der sun Saturni was der erst koenig. der von Laurento. vnd ein fuertreffenlicher streyter. vnnd ein tichter kuenftiger ding auß dem geschray der foegel vnnd wardt auch vndter die goetter gezelet. Faunus was der ander kuenig der von Laurento. vnnd er was auch ein got der ihenen die also wolten oder maynten. Von den Sibillen Alle die frawen die weyssagen. oder kuenftige ding verkuenden werden gemainikglich nach kriechyschen gezueng Sibille genant. derselben sind von den hoh gelerten zehen beschriben. als eine von Persis. die ander Libica. die drit Delphica. die vierd Cymeria: die fuenfft Erithrea. die sechst Samya. die sibend Cumana oder Amalthea. die acht Hellespontica. die newndt Frigia. die zehend Tiburtina.
Das dritte Zeitalter. Diese Carmentis war eine Tochter des Euander, die die lateinischen Buchstaben erfand: A, B, C, D, E, F, G, H etc. Salmon, der Sohn des Naason, wurde geboren, wie die siebzig Ausleger setzen, im 3725. Jahr der Welt, das ist vor der Geburt Christi im 474. Jahr. Dieser war ein Herzog aus dem Geschlecht Juda und zog mit Josua in das Gelobte Land und nahm Raab, das gemeine Weib, zur Ehe. Italus, der König, baute bei dem Fluss Tiber eine Stadt, in der er regierte; dort wurde danach Rom gebaut. Von demselben Italus ist danach das ganze welsche Land Italia genannt worden. Von diesem Rechab entsprang ein sehr geistlicher Stamm, der zu dieser Zeit soll gewesen sein, und er kam her von Jethro, dem Schwager des Moses, und wurde zum jüdischen Glauben bekehrt. Tiberias oder Tiberiadis, die Stadt, vorzeiten Zennreth oder Cynaroth genannt, liegt bei den Gestaden des Meeres zwischen dem Aufgang und dem Mittag, zwei Meilen von Bethulia, dem Berg, wo Judith den Holofernes tötete. Als nun danach dieselbe Stadt von Herodes, dem Regenten Galiläas, wieder aufgerichtet wurde, da wurde sie dem Kaiser Tiberius zu Ehren Tiberiadis genannt, und jetzt heißt sie Tiberias. In derselben Stadt hat Christus Matthäus vom Zoll zum Apostelstand aufgenommen. Einst war daselbst ein Bischof, der das galiläische Meer innehatte. Bei dieser Stadt sind (wie man sagt) natürliche warme Bäder. In derselben Stadt endet sich die Gegend Decapoleos, von ihren zehn vornehmlichen Städten also genannt. In derselben Gegend, nicht weit von Tiberiade, ist der See Asphaltides, der wegen seiner Größe und der Unbeweglichkeit des Wassers das Tote Meer genannt wird; denn dasselbe Wasser ist so starr und zäh von dem Lehm oder Ton, der den Windwellen widersteht, dass es weder von dem Wind bewegt noch auch irgendeine Schifffahrt duldet, sondern alle toten Dinge in die Tiefe versenkt und keinerlei Materie trägt, außer der, die vom Licht erleuchtet wird. Um diese Zeit haben die Könige in den welschen Ländern zu regieren angefangen und ihre Namen oft verwandelt. Und der allererste war Janus, der einen Palast baute, der nach ihm Janiculum genannt wurde. Und er wurde danach für einen großen Gott gehalten und wird mit zwei Angesichtern gebildet und sein Feiertag im Anfang des Jahres begangen, darum, dass er ein Ende des vergangenen und ein Anfang des künftigen Jahres war. Und daher ist der erste Monat von ihm Januar genannt. Sonst nennt man ihn auch den Doppelgesichtigen. Saturn, der Vater Jovis, ein König von Kreta, der Sohn des Ari, des Sohnes des Ninie, des Sohnes des Nini, des Sohnes des Beli, des Sohnes des Nimrod, fing an zu regieren zur Zeit Isaaks und wurde danach durch Jov, seinen Sohn, vom Königreich ausgetrieben. Als nun Janus sah, dass Saturn ein bürgerliches oder friedliches Leben und Weingärten pflanzen und lehren wollte, da nahm er ihn gütlich auf und teilte das Reich mit ihm. Und Saturn gebar daselbst Picus, der nach ihm regierte. Etliche nennen ihn Stercutius nach dem Mist, denn von ihm als einem allererfahrensten Ackermann wurde erfunden, dass mit dem Mist des Viehs die Äcker gedüngt werden sollten. Darum machten sie ihn nach seinem Tod zu einem Gott des Ackers und ganzer Glückseligkeit. Von den Römern wurde das Bildnis Saturns entworfen: eines traurigen Angesichts, alt mit grauem Haar, in seiner linken Hand eine Sichel und in der rechten ein flammenwerfender Drache. Das traurige Angesicht bedeutet, dass er aus seinem Reich vertrieben wurde, oder dass der Anfang des Sterns Saturn traurige Dinge bedeutet. Ebenso alt, denn dieser Stern ist der allerkälteste in seiner Wirkung; darum sind der Steinbock und Wassermann (die Saturn beherrscht) kalte Zeichen. Ebenso mit grauem Haar, denn er macht Reif und Schnee in den jetzt genannten Zeichen. Ebenso eine Sichel, denn er hat den Ackerbau gefunden, oder darum, dass er ein Feind menschlicher Natur ist aus seiner Kälte, denn er hielt (wie Servius schreibt) an seinem linken Arm seine Kinder, die er mit der Sichel tötete. Ebenso der Drache bedeutet, dass er das Ende des Jahres ist. Er wird auch ein Vater Jovis genannt, denn er ist höher als Jupiter. Er hatte auch ein wasserfarbiges Kleid an, denn sein Stern ist kalter und wässriger Natur. Saturn empfing auch gern die Opferung eines jungen Menschen in den Tod, denn der Teufel ergötzt sich in dem Vergießen des menschlichen Blutes aus Grausamkeit des Opfers und aus dem Neid des menschlichen Geschlechts. Juno, eine Tochter Saturns und Opis und eine Schwester und das Weib des Jupiter, ist zu dieser Zeit gewesen und aus heidnischer Irrung eine Königin der Götter und darum von den Heiden eine Göttin der Königreiche, Reichtümer und Gemahlschaft genannt worden. Und sie wollten, dass sie eine Verweserin oder Pflegerin der Gebärenden sein sollte. Darum machten sie ihr einen schönen Wagen und Wappen daran und schrieben ihr vierzehn vortreffliche Wärterinnen oder Pflegerinnen zu, der dann auch (wie sie sprechen) zur Wart gegeben wurde ein Pfau, an dessen Schwanz diese Göttin (wie Ovid schreibt) die Augen des Argos, ihres Hirten, von Merkur erschlagen, angesetzt hatte. Diese Juno empfing aus dem Jupiter den Vulkan und wurde nach ihrem Absterben unter die Göttinnen gezählt. Die Samier bauten ihr einen edlen Tempel. Picus, der Sohn Saturns, war der erste König von Laurentum und ein vortrefflicher Streiter und ein Deuter zukünftiger Dinge aus dem Geschrei der Vögel und wurde auch unter die Götter gezählt. Faunus war der andere König von Laurentum, und er war auch ein Gott derer, die so wollten oder meinten. Von den Sibyllen: Alle die Frauen, die weissagen oder zukünftige Dinge verkünden, werden gemeiniglich nach griechischer Zunge Sibylle genannt. Derselben sind von den hoch Gelehrten zehn beschrieben, als eine von Persien, die andere Libysche, die dritte Delphische, die vierte Kimmerische, die fünfte Erythräische, die sechste Samische, die siebte Kumäische oder Amalthea, die achte Hellespontische, die neunte Phrygische, die zehnte Tiburtinische.