Schedelsche Weltchronik · Blatt 39

Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 39, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 39, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das drit alter Sicilia ist ein innsel des bemelten meers. da dann Siculus des Neptuni sun der in dieselben innsel kome nach Sicano seinem bruder zeregirn angefangen vnd dieselben inseln siciliam nach ime genennt hat. Erstlich hat sie Tiniacria. vnd darnach von Sicanio Sicania geheißen. vnd ist etwen ein teyl welscher land gewest. aber yetzo auß einem erdpidem (als Plinius setzt) mit ettlichen darzwischen komenden vnd on ruoe wellenden wassern von welschem lannd abgesuendert: sie ist dreyegket vnd hat in den wincklen drey gegenberg. der ein ist Pachinus. der ander Pelorus. der drit Lylibeus genant. der erst streckt sich gein mittem tag. der ander gein mitternacht von welschem land nit verrer dann tausent. vc. schrit. der drit raicht in Libiam gein dem nidergang. vnd siht fast in Carthaginem vnnd ist von dem affricanischen gestat nit verrer dann hundert zweyntzigtausent schrit gelegen. Die alten roemer haben dise insel einen stadel oder schewrn geheyßen. die auch in allen dingen ueber andere gegent welscher land geachtet vnd gehalten ist. nemlich in getrayd saffran. honig. vnd nit allein vil anderen fruechten sunder auch an vihe. fellen wollen vnnd kesen etc. Ciprus die innseln ist von Cethin (der der drit sun Janan vnd Japhets enicklein was) Cetina genant gewest dann derselb Cethin hat dise innseln zu erst innegehabt. Dise ist vnder andern innseln die beruembtst. dann sie ist auch an allen dingen habhaftig vnd ueberfluessig. vnd mit den reichtuemern der alten gezieret. vnd deßhalb leiplicher wolluestperkeit fast geflissen. daruemb wardt sie der goettin Venus geweyhet. Dise innsel ist nach abfall der roemer langzeit gewest vnder dem gewalt der kriechen. die nach dem kaiser Constantino zu Constantinopel regirten. Ricardus der koenig in engelland wolt auff ein zeit mit grosser schiffung gegen Jherusalem raysen do wardt er von vngestuemem gewitter des meers in dise innseln getragen. aber die inwoner diser innseln wolten dem koenig nit zumm gestat komen laßen. daruemb wardt er also zornig das er sein weer vnd waffen die er wider die Sarracener angenomen het gegen den kriechen prauchet. ine ir inseln entwendet vnd die innseln berawbt vnd mit starcker besetzung der seinen hinder im ließ. Er hat auch nit lang darnach dise innseln einem gallier Gwido lusimanus genant (der vmb das reich zu Jherusalem krieget) inngelaßen. welcher Lusimanus dieselben innseln von dem vorgenanten englischen koenig empfienge. vnd fuer sich vnd sein erben vnd nachkomen mancherlay zeit behielt. Nach mancherlay verwandelung der zeit kome sie an zwen brueder. der einer Petrus genant. verfolget vnd bekrieget mit beystannd der Catelanier vnd Gallier die stat alexandriam in Egypten. vnnd er kome auch in dieselben stat vnd zerruedet vnd erstoeret die halb. vnd wiewol die Egyptier in grosser mercklicher anzal der stat zu hilff vnd rettung zuzohen also das er sich zu der flucht wendet. yedoch bracht er einen reichen grossen rawb dauon. aber nit lang darnach wardt er von seinem bruder ertoedt. dann man find kein heyllige geselschafft in der herschung. do wardt er befleckt mit bruederlichem pluot. ein koenig erwelt vnd im doch auch nit lange ruoe verliehen. Nach disen dingen hat dise innsel groß anstoeß vnd widerwertigkeit erliden. aber yetzo ist sie vnder der Venediger herschung. Euboya ist ein namhaftige innsel. die wir yetzo Nigropont nennen. darinn Chalcis die stat ligt. die von Cecrope dem athenier. oder (als Cicero spricht) von Alabando gepawt ist. Aber Plato spricht Amasis der egyptisch koenig hab sie gezymmert. diss ist in dieser innsel die hawbtstat. ser beruembt vnd fast streytpar vnd zu der gegenwer geschickt. vnnd ist doch durch Machometum ottmannum den tuerckischen keyser den Venedigern abgedrungen worden. In diser innseln hat Cecrops der koenig erster den Appollinem einen got genennt. vnd abgoetterpild erfunden. vnd daselbst tempel gepawt vnd opffer gelegt. daselbst hat er auch on die drey toechter die vierden gepornn vnnd sie Phrigiam genennt. Die darnach vonn dannen in ein lannd zohe. Daselbst wonet. vnnd dasselb nach ir Phrigiam hieß. Machometus der tuerckisch keyser hat die obgenanten stat Chalcis imm sumer nach Cristi gepurt. im. iiijc. lxxi. iar auß verraterey eins liburinischen boeßwichts Thomas genannt mit großem schaden der cristen. vnnd allermeyst der Venediger gewannen. vnnd gepotten allen walhen daselbst. die zu iren tagen komen waren an spitzigen pfaln zespiessen. vnnd die kriechen. beym oder. vnterm spieß zeuerkawffen. Blat XXXIX der werlt Parys die koeniglich vnd hohberuembt stat der Gallier in dem Senonischen land gelegen hat nach der Troyanischen niderlag irn anfang gehabt. dann do Paris der troyaner mit Enea auß Troya wiche vnnd mitsampt Francone Hectoris sun in Galliam zohe do setzet er sich bey dem fluss Sequane genant nider vnd machet daselbst ein volck. vnnd nennet das nach im Parisier. Also das die Frantzosen vom vrsprung Troyaner sind. die nach der zerstoerung Troye auß belaytung irs hawbtmans Priami. des großen Priami enicklein durch das Eurinisch meer vnd die Meothidischen pfuetschen oder see in Scithiam komen. vnd haben daselbst ein stat (die sie Sicambriam nennten) gepawen. vnd wuchssen zu einem grossen volck. vnnd bliben den roemern zinsper wie ander scithier bis an die zeit Valentiniani des kaisers. do begunden die Alani das roemisch reich anzefechten. vnd auff dz nw der kaiser die grausamkeit der Alanier geschwaigen moecht so verhieß er den ihenen die ine widerstand tetten freyung auff. x. iar. Also auß soelicher begabung warden die sicambri geraytzt das sie sich mit weer vnnd waffen wider die Alanier setzten vnd sie mit krieg vberwunden vnd abtilgten. daruemb warden sie mit freyung begabet vnd deßhalb nach verwandeltem namen genant Franci. das souil ist nach atticischem gezueng als fraysam grawsam oder edel vnd nach welscher zungen frey. Als nw nach verscheinung der. x. iar die roemer die gewoenlichen zins vnd tribut widerforderten do warden die Franci von soelcher freyung wegen widerspennig worden vnd widersetzten sich gehorsam zesein. Do nw diss geslecht der Francier auß scithia in teuetsche land kome vnd daselbst langezeit gewonet het da wardt es teuetsch. Aber do das roemisch reich wuchse do name auch Francia zu. Alles das schier das gantz Gallia vnd ein grosser teyl teuetscher land von dem pirrenischen gepirg bis zu end des Pannonischen lands Francia genant wardt. dann alles das das vnnder den Franciern was das ward Francia genant. vnd dasselb Francia was in zwey teyl geteylt. dann Gallia hieß das occidentisch oder hinderfranckreich. vnd Germania das orientisch oder vorder franckreich oder Franckenland. Diss volck hat vnder dem grossen Karl das roemisch reich verdient. der dann den babstlichen stuel der mit dem Lampertischen krieg lang bekuemert wardt getroestet hat. Vil sind die woellen das allein die die vmb Parys wonen Franci seyen. vnd denselben das roemisch reich gegeben sey worden. Aber dieselben heißt man billicher Francigenas. als Frantzosen in Franckreich geporn. In diser statt haben die koenig vil zeit iren hoff vnd wonung gehalten vnd sie damit groß vnd mechtig gemacht. Vnd Karolus der groß hat nach empfagung seiner kaiserlichen kron derselben stat von irer wolgelegenheit wegen ein gemeine hohe schul aller roemischen auffgerichtet. vnd von dionisio Ariopagita dem Bischoff. der von den aposteln daselbst hin mitsampt Rustico vnd Eleueterio von predigens wegen gesendet wardt das heilig ewangelium Cristi empfangen hat. Daselbst hat auch sand Dionisius die kron der marter erstritten. Dise allerberuembst stat ist gezieret mit dem heilligthuz Bathildis der koenigin. vnd Aurea der iunckfrawen vnd ander vil martrer.

Moderne Übersetzung

Das dritte Zeitalter. Sizilien ist eine Insel des besagten Meeres. Dort kam Siculus, der Sohn Neptuns, auf diese Insel, um nach seinem Bruder Sicano zu regieren, und benannte die Insel nach sich Sizilien. Zuerst hieß sie Tiniacria und danach von Sicanio Sicania. Und war einst ein Teil des italienischen Landes, aber jetzt durch ein Erdbeben (wie Plinius berichtet) mit einigen dazwischen kommenden und unruhig wogenden Wassern vom italienischen Land abgetrennt. Sie ist dreieckig und hat an den Ecken drei Vorgebirge: Das eine heißt Pachynus, das andere Pelorus, das dritte Lilybaeum. Das erste erstreckt sich gegen Mittag, das andere gegen Mitternacht, vom italienischen Land nicht weiter als 1500 Schritte. Das dritte reicht nach Libyen gegen den Untergang und blickt fast auf Karthago und ist von der afrikanischen Küste nicht weiter als 120.000 Schritte entfernt. Die alten Römer haben diese Insel einen Speicher oder eine Scheune genannt, die auch in allen Dingen über andere Gegenden des italienischen Landes geschätzt und gehalten wird, nämlich in Getreide, Safran, Honig und nicht allein vielen anderen Früchten, sondern auch an Vieh, Fellen, Wolle und Käse etc. Die Insel Zypern ist von Cethin (der der dritte Sohn Janans und Enkel Japhets war) Cetina genannt worden, denn derselbe Cethin hatte diese Insel zuerst inne. Diese ist unter anderen Inseln die berühmteste, denn sie ist auch in allen Dingen reichhaltig und überflüssig und mit den Reichtümern der Alten geschmückt und deshalb der leiblichen Wollust fast ergeben. Darum wurde sie der Göttin Venus geweiht. Diese Insel war nach dem Abfall der Römer lange Zeit unter der Herrschaft der Griechen, die nach Kaiser Konstantin in Konstantinopel regierten. Richard, der König von England, wollte einst mit großer Flotte nach Jerusalem reisen, da wurde er von einem ungestümen Seesturm auf diese Insel verschlagen. Aber die Bewohner dieser Insel wollten den König nicht an Land kommen lassen. Darum wurde er so zornig, dass er seine Wehr und Waffen, die er gegen die Sarazenen angenommen hatte, gegen die Griechen gebrauchte, ihnen ihre Insel entriss und die Insel beraubte und mit starker Besetzung der Seinen zurückließ. Er hat auch nicht lange danach diese Insel einem Gallier namens Guido Lusignan (der um das Reich zu Jerusalem kämpfte) überlassen, welcher Lusignan dieselbe Insel von dem vorgenannten englischen König empfing und für sich und seine Erben und Nachkommen lange Zeit behielt. Nach mancherlei Wandlung der Zeit kam sie an zwei Brüder. Der eine, Petrus genannt, verfolgte und bekriegte mit Beistand der Katalanen und Gallier die Stadt Alexandria in Ägypten. Und er kam auch in dieselbe Stadt und zerstörte und verwüstete die Hälfte. Und obwohl die Ägypter in großer, bemerkenswerter Anzahl der Stadt zu Hilfe und Rettung zuzogen, sodass er sich zur Flucht wandte, jedoch brachte er eine reiche, große Beute davon. Aber nicht lange danach wurde er von seinem Bruder getötet, denn man findet keine heilige Gemeinschaft in der Herrschaft. Da wurde er befleckt mit brüderlichem Blut, ein König erwählt und ihm doch auch nicht lange Ruhe vergönnt. Nach diesen Dingen hat diese Insel große Anstöße und Widerwärtigkeiten erlitten, aber jetzt ist sie unter der Herrschaft der Venezianer. Euböa ist eine namhafte Insel, die wir jetzt Negroponte nennen. Darin liegt die Stadt Chalkis, die von Kekrops, dem Athener, oder (wie Cicero sagt) von Alabando erbaut ist. Aber Plato sagt, Amasis, der ägyptische König, habe sie erbaut. Dies ist auf dieser Insel die Hauptstadt, sehr berühmt und sehr wehrhaft und zur Verteidigung geeignet. Und ist doch durch Mehmed II., den türkischen Kaiser, den Venezianern abgedrungen worden. Auf dieser Insel hat König Kekrops zuerst Apollon einen Gott genannt und Götzenbilder erfunden und daselbst Tempel gebaut und Opfer dargebracht. Daselbst hat er auch außer den drei Töchtern die vierte geboren und sie Phrygia genannt, die danach von dannen in ein Land zog, daselbst wohnte und dasselbe nach ihr Phrygia hieß. Mehmed, der türkische Kaiser, hat die oben genannte Stadt Chalkis im Sommer nach Christi Geburt im Jahre 1471 durch Verrat eines liburnischen Bösewichts namens Thomas mit großem Schaden der Christen und allermeist der Venezianer gewonnen und befahl allen Walachen daselbst, die in ihre Hände gefallen waren, an spitzen Pfählen zu spießen und die Griechen beim oder unterm Spieß zu verkaufen. Blatt 39 der Welt. Paris, die königliche und hochberühmte Stadt der Gallier, im Senonischen Land gelegen, hat nach der Trojanischen Niederlage ihren Anfang genommen. Denn als Paris, der Trojaner, mit Aeneas aus Troja wich und mitsamt Franco, Hektors Sohn, nach Gallien zog, da ließ er sich beim Fluss namens Seine nieder und gründete daselbst ein Volk und nannte es nach sich Pariser. So dass die Franzosen vom Ursprung her Trojaner sind, die nach der Zerstörung Trojas unter Führung ihres Hauptmanns Priamus, des Enkels des großen Priamus, durch das Euxinische Meer und die Mäotischen Sümpfe oder Seen nach Skythien kamen und haben daselbst eine Stadt (die sie Sicambria nannten) gebaut und wuchsen zu einem großen Volk heran und blieben den Römern zinsbar wie andere Skythen bis zur Zeit Kaiser Valentinians. Da begannen die Alanen das Römische Reich anzufechten. Und auf dass nun der Kaiser die Grausamkeit der Alanen besänftigen möge, so verhieß er denjenigen, die ihm Widerstand leisteten, eine Befreiung auf 10 Jahre. So wurden die Sikambrer durch solche Begabung gereizt, dass sie sich mit Wehr und Waffen gegen die Alanen stellten und sie im Krieg überwanden und ausrotteten. Darum wurden sie mit Befreiung begabt und deshalb nach verwandeltem Namen Franken genannt, was nach attischem Zungenschlag so viel ist wie 'freisam', 'grausam' oder 'edel' und nach romanischer Zunge 'frei'. Als nun nach Ablauf der 10 Jahre die Römer den gewöhnlichen Zins und Tribut wiederforderten, da wurden die Franken wegen solcher Befreiung widerspenstig und widersetzten sich, gehorsam zu sein. Als nun dieses Geschlecht der Franken aus Skythien in deutsche Lande kam und daselbst lange Zeit gewohnt hatte, da wurde es deutsch. Aber als das Römische Reich wuchs, da nahm auch Franken zu. Alles, ja fast ganz Gallien und ein großer Teil deutscher Lande, vom Pyrenäischen Gebirge bis zum Ende des Pannonischen Landes, wurde Franken genannt, denn alles, was unter den Franken war, das wurde Franken genannt. Und dasselbe Franken war in zwei Teile geteilt: denn Gallien hieß das westliche oder Hinterfrankenreich, und Germanien das östliche oder Vorderfrankenreich oder Frankenland. Dieses Volk hat unter dem großen Karl das Römische Reich erworben, der dann den päpstlichen Stuhl, der mit dem Langobardischen Krieg lange bekümmert war, getröstet hat. Viele sind, die wollen, dass allein diejenigen, die um Paris wohnen, Franken seien und denselben das Römische Reich gegeben worden sei. Aber dieselben nennt man billigerweise Francigenas, als Franzosen in Frankreich.

Anmerkungen

drit alter
Frühneuhochdeutsch für 'dritte Zeitalter'.
innsel
Frühneuhochdeutsch für 'Insel'.
bemelten
Frühneuhochdeutsch für 'besagten', 'erwähnten'.
Siculus
Mythologischer König, Namensgeber Siziliens.
Neptuni sun
Lateinisch-deutsche Mischform für 'Sohn Neptuns'.
Sicano
Mythologischer König, Bruder des Siculus.
zeregirn
Frühneuhochdeutsch für 'zu regieren'.
Tiniacria
Alter Name für Sizilien, von 'Dreizack' (wegen der Form).
Sicania
Alter Name für Sizilien, nach den Sikanern.
etwen
Frühneuhochdeutsch für 'einst', 'ehemals'.
welscher land
Frühneuhochdeutsch für 'italienisches Land' (welsch = romanisch, hier italienisch).
yetzo
Frühneuhochdeutsch für 'jetzt'.
erdpidem
Frühneuhochdeutsch für 'Erdbeben'.
Plinius setzt
Lateinisch-deutsche Mischform für 'Plinius berichtet/schreibt'. Bezieht sich auf Plinius den Älteren (Gaius Plinius Secundus), römischer Gelehrter (23-79 n. Chr.).
on ruoe wellenden wassern
Frühneuhochdeutsch für 'unruhig wogenden Wassern'.
abgesuendert
Frühneuhochdeutsch für 'abgetrennt'.
dreyegket
Frühneuhochdeutsch für 'dreieckig'.
wincklen
Frühneuhochdeutsch für 'Ecken'.
gegenberg
Frühneuhochdeutsch für 'Vorgebirge'.
Pachinus
Pachynus, südöstlichstes Vorgebirge Siziliens.
Pelorus
Pelorus, nordöstlichstes Vorgebirge Siziliens.
Lylibeus
Lilybaeum, westlichstes Vorgebirge Siziliens.
mittem tag
Frühneuhochdeutsch für 'Mittag', hier 'Süden'.
mitternacht
Frühneuhochdeutsch für 'Mitternacht', hier 'Norden'.
tausent. vc. schrit
1500 Schritte (vc. ist die römische Zahl für 500).
Libiam
Libyen, hier wohl Nordafrika allgemein.
nidergang
Frühneuhochdeutsch für 'Untergang', hier 'Westen'.
Carthaginem
Karthago, antike Stadt in Nordafrika.
affricanischen gestat
Frühneuhochdeutsch für 'afrikanische Küste'.
hundert zweyntzigtausent schrit
120.000 Schritte. Ein römischer Schritt (passus) war ca. 1,48 m.
stadel oder schewrn
Frühneuhochdeutsch für 'Speicher oder Scheune'.
ueber andere gegent
Frühneuhochdeutsch für 'über andere Gegenden'.
getrayd
Frühneuhochdeutsch für 'Getreide'.
saffran
Safran.
honig
Honig.
fruechten
Früchten.
vihe
Frühneuhochdeutsch für 'Vieh'.
fellen
Fellen.
wollen
Wolle.
kesen
Frühneuhochdeutsch für 'Käse'.
Ciprus
Zypern.
Cethin
Biblische Figur, Sohn des Jawan (Janan), Enkel des Japhet.
Janan
Biblische Figur, Jawan, Sohn Japhets.
Japhets
Biblische Figur, Japhet, Sohn Noahs.
enicklein
Frühneuhochdeutsch für 'Enkel'.
Cetina
Alter Name für Zypern, abgeleitet von Cethin.
beruembtst
Frühneuhochdeutsch für 'berühmteste'.
habhaftig vnd ueberfluessig
Frühneuhochdeutsch für 'reichhaltig und überflüssig'.
gezieret
Frühneuhochdeutsch für 'geschmückt'.
deßhalb
Frühneuhochdeutsch für 'deshalb'.
leiplicher wolluestperkeit fast geflissen
Frühneuhochdeutsch für 'der leiblichen Wollust fast ergeben'.
daruemb
Frühneuhochdeutsch für 'darum'.
goettin Venus
Göttin Venus, römische Göttin der Liebe und Schönheit.
geweyhet
Frühneuhochdeutsch für 'geweiht'.
abfall der roemer
Hier im Sinne von 'Verlust der Herrschaft der Römer' oder 'Abfall vom Römischen Reich'.
gewalt der kriechen
Frühneuhochdeutsch für 'Herrschaft der Griechen'.
Constantino
Konstantin der Große, römischer Kaiser (272/280–337 n. Chr.).
Constantinopel
Konstantinopel, Hauptstadt des Byzantinischen Reiches.
Ricardus der koenig in engelland
Richard Löwenherz, König von England (1157–1199).
Jherusalem
Jerusalem.
raysen
Frühneuhochdeutsch für 'reisen'.
vngestuemem gewitter des meers
Frühneuhochdeutsch für 'ungestümen Seesturm'.
inwoner
Frühneuhochdeutsch für 'Bewohner'.
nit zumm gestat komen laßen
Frühneuhochdeutsch für 'nicht an Land kommen lassen'.
weer vnd waffen
Frühneuhochdeutsch für 'Wehr und Waffen'.
Sarracener
Sarazenen, mittelalterliche Bezeichnung für Araber oder Muslime.
angenomen het
Frühneuhochdeutsch für 'angenommen hatte'.
prauchet
Frühneuhochdeutsch für 'gebrauchte'.
entwendet
Frühneuhochdeutsch für 'entriss', 'wegnahm'.
berawbt
Frühneuhochdeutsch für 'beraubte'.
besetzung der seinen hinder im ließ
Frühneuhochdeutsch für 'Besetzung der Seinen zurückließ'.
gallier
Frühneuhochdeutsch für 'Gallier', hier 'Franzose'.
Gwido lusimanus
Guido von Lusignan, König von Jerusalem und Zypern (ca. 1150–1194).
vmb das reich zu Jherusalem krieget
Frühneuhochdeutsch für 'um das Reich zu Jerusalem kämpfte'.
inngelaßen
Frühneuhochdeutsch für 'überlassen'.
empfienge
Frühneuhochdeutsch für 'empfing'.
fuer sich vnd sein erben vnd nachkomen mancherlay zeit behielt
Frühneuhochdeutsch für 'für sich und seine Erben und Nachkommen lange Zeit behielt'.
mancherlay verwandelung der zeit
Frühneuhochdeutsch für 'mancherlei Wandlung der Zeit'.
kome sie an zwen brueder
Frühneuhochdeutsch für 'kam sie an zwei Brüder'.
Petrus
Petrus I. von Zypern, König von Zypern und Titularkönig von Jerusalem (1328–1369).
verfolget vnd bekrieget
Frühneuhochdeutsch für 'verfolgte und bekriegte'.
Catelanier
Katalanen.
Gallier
Gallier, hier Franzosen.
stat alexandriam in Egypten
Stadt Alexandria in Ägypten.
kome
Frühneuhochdeutsch für 'kam'.
zerruedet vnd erstoeret die halb
Frühneuhochdeutsch für 'zerstörte und verwüstete die Hälfte'.
wiewol
Frühneuhochdeutsch für 'obwohl'.
Egyptier
Ägypter.
mercklicher anzal
Frühneuhochdeutsch für 'bemerkenswerter Anzahl'.
zuzohen
Frühneuhochdeutsch für 'zuzogen'.
sich zu der flucht wendet
Frühneuhochdeutsch für 'sich zur Flucht wandte'.
yedoch
Frühneuhochdeutsch für 'jedoch'.
rawb
Frühneuhochdeutsch für 'Beute'.
ertoedt
Frühneuhochdeutsch für 'getötet'.
heyllige geselschafft in der herschung
Frühneuhochdeutsch für 'heilige Gemeinschaft in der Herrschaft'.
befleckt mit bruederlichem pluot
Frühneuhochdeutsch für 'befleckt mit brüderlichem Blut'.
erwelt
Frühneuhochdeutsch für 'erwählt'.
ruoe verliehen
Frühneuhochdeutsch für 'Ruhe vergönnt'.
anstoeß vnd widerwertigkeit erliden
Frühneuhochdeutsch für 'Anstöße und Widerwärtigkeiten erlitten'.
Venediger herschung
Frühneuhochdeutsch für 'Herrschaft der Venezianer'.
Euboya
Euböa, griechische Insel.
namhaftige
Frühneuhochdeutsch für 'namhafte', 'berühmte'.
Nigropont
Negroponte, venezianischer Name für Euböa und ihre Hauptstadt Chalkis.
darinn
Frühneuhochdeutsch für 'darin'.
Chalcis
Chalkis, Hauptstadt Euböas.
Cecrope dem athenier
Kekrops, mythischer erster König von Attika und Gründer Athens.
Cicero spricht
Lateinisch-deutsche Mischform für 'Cicero sagt'. Bezieht sich auf Marcus Tullius Cicero, römischer Redner und Staatsmann (106–43 v. Chr.).
Alabando
Alabandus, mythischer Gründer von Alabanda in Karien.
gepawt ist
Frühneuhochdeutsch für 'erbaut ist'.
Plato spricht
Lateinisch-deutsche Mischform für 'Plato sagt'. Bezieht sich auf Platon, griechischer Philosoph (428/427–348/347 v. Chr.).
Amasis der egyptisch koenig hab sie gezymmert
Amasis, ägyptischer König (570–526 v. Chr.), habe sie erbaut.
hawbtstat
Frühneuhochdeutsch für 'Hauptstadt'.
ser beruembt
Frühneuhochdeutsch für 'sehr berühmt'.
streytpar vnd zu der gegenwer geschickt
Frühneuhochdeutsch für 'wehrhaft und zur Verteidigung geeignet'.
Machometum ottmannum den tuerckischen keyser
Mehmed II. (der Eroberer), osmanischer Sultan (1432–1481).
abgedrungen worden
Frühneuhochdeutsch für 'abgenommen worden'.
erster
Frühneuhochdeutsch für 'zuerst'.
Appollinem einen got genennt
Apollon einen Gott genannt.
abgoetterpild erfunden
Frühneuhochdeutsch für 'Götzenbilder erfunden'.
tempel gepawt vnd opffer gelegt
Frühneuhochdeutsch für 'Tempel gebaut und Opfer dargebracht'.
on die drey toechter die vierden gepornn
Frühneuhochdeutsch für 'außer den drei Töchtern die vierte geboren'.
Phrigiam genennt
Phrygia genannt.
darnach vonn dannen in ein lannd zohe
Frühneuhochdeutsch für 'danach von dannen in ein Land zog'.
wonet
Frühneuhochdeutsch für 'wohnte'.
hieß
Frühneuhochdeutsch für 'hieß'.
Machometus der tuerckisch keyser
Mehmed, der türkische Kaiser (Mehmed II.).
obgenanten stat Chalcis
Frühneuhochdeutsch für 'oben genannte Stadt Chalkis'.
imm sumer nach Cristi gepurt. im. iiijc. lxxi. iar
Im Sommer nach Christi Geburt im Jahre 1471.
iiijc. lxxi.
Römische Zahl für 1471.
verraterey eins liburinischen boeßwichts Thomas genannt
Verrat eines liburnischen Bösewichts namens Thomas.
gewannen
Frühneuhochdeutsch für 'gewonnen'.
gepotten
Frühneuhochdeutsch für 'befahl'.
walhen
Frühneuhochdeutsch für 'Walachen', hier wohl 'Lateiner' oder 'Fremde' im Allgemeinen.
zu iren tagen komen waren
Frühneuhochdeutsch für 'in ihre Hände gefallen waren'.
an spitzigen pfaln zespiessen
Frühneuhochdeutsch für 'an spitzen Pfählen zu spießen'.
kriechen
Griechen.
beym oder. vnterm spieß zeuerkawffen
Frühneuhochdeutsch für 'beim oder unterm Spieß zu verkaufen', d.h. als Sklaven verkaufen, unter dem Zeichen der Kriegsbeute.
Blat XXXIX der werlt
Blatt 39 der Welt.
XXXIX
Römische Zahl für 39.
Parys
Paris.
koeniglich vnd hohberuembt stat
Frühneuhochdeutsch für 'königliche und hochberühmte Stadt'.
Gallier
Gallier, hier Franzosen.
Senonischen land
Senonisches Land, Gebiet der Senonen, um Sens.
Troyanischen niderlag
Trojanische Niederlage.
irn anfang gehabt
Frühneuhochdeutsch für 'ihren Anfang genommen'.
Paris der troyaner
Paris, der Trojaner, Sohn des Priamus.
Enea
Aeneas, trojanischer Held.
Troya
Troja.
wiche
Frühneuhochdeutsch für 'wich', 'floh'.
mitsampt Francone Hectoris sun
Mitsamt Franco, Hektors Sohn. Franco ist eine mythische Figur, Stammvater der Franken.
Galliam
Gallien.
zohe
Frühneuhochdeutsch für 'zog'.
setzet er sich bey dem fluss Sequane genant nider
Frühneuhochdeutsch für 'ließ er sich beim Fluss namens Seine nieder'.
Sequane
Seine, Fluss in Frankreich.
machet daselbst ein volck
Frühneuhochdeutsch für 'gründete daselbst ein Volk'.
nennet das nach im Parisier
Frühneuhochdeutsch für 'nannte es nach sich Pariser'.
Frantzosen vom vrsprung Troyaner sind
Frühneuhochdeutsch für 'Franzosen vom Ursprung her Trojaner sind'.
zerstoerung Troye
Frühneuhochdeutsch für 'Zerstörung Trojas'.
belaytung irs hawbtmans Priami. des großen Priami enicklein
Frühneuhochdeutsch für 'Führung ihres Hauptmanns Priamus, des Enkels des großen Priamus'. Priamus ist hier wohl ein Nachfahre des trojanischen Königs Priamus.
Eurinisch meer
Frühneuhochdeutsch für 'Euxinisches Meer', das Schwarze Meer.
Meothidischen pfuetschen oder see
Frühneuhochdeutsch für 'Mäotischen Sümpfe oder Seen', das Asowsche Meer.
Scithiam
Skythien, antike Region im heutigen Südrussland und Ukraine.
gepawen
Frühneuhochdeutsch für 'gebaut'.
Sicambriam
Sicambria, mythische Stadt der Sikambrer.
wuchssen zu einem grossen volck
Frühneuhochdeutsch für 'wuchsen zu einem großen Volk heran'.
zinsper
Frühneuhochdeutsch für 'zinsbar', 'tributpflichtig'.
Valentiniani des kaisers
Kaiser Valentinian I. (321–375 n. Chr.) oder Valentinian III. (419–455 n. Chr.).
begunden
Frühneuhochdeutsch für 'begannen'.
Alani
Alanen, ein Reitervolk.
anzefechten
Frühneuhochdeutsch für 'anzufechten', 'angreifen'.
auff dz nw der kaiser die grausamkeit der Alanier geschwaigen moecht
Frühneuhochdeutsch für 'auf dass nun der Kaiser die Grausamkeit der Alanen besänftigen möge'.
verhieß er den ihenen die ine widerstand tetten freyung auff. x. iar
Frühneuhochdeutsch für 'verhieß er denjenigen, die ihm Widerstand leisteten, eine Befreiung auf 10 Jahre'.
x. iar
Römische Zahl für 10 Jahre.
soelicher begabung
Frühneuhochdeutsch für 'solcher Begabung', 'solcher Vergünstigung'.
warden die sicambri geraytzt
Frühneuhochdeutsch für 'wurden die Sikambrer gereizt'.
setzten
Frühneuhochdeutsch für 'stellten'.
vberwunden vnd abtilgten
Frühneuhochdeutsch für 'überwanden und ausrotteten'.
daruemb
Frühneuhochdeutsch für 'darum'.
freyung begabet
Frühneuhochdeutsch für 'mit Befreiung begabt'.
verwandeltem namen genant Franci
Frühneuhochdeutsch für 'verwandeltem Namen Franken genannt'.
souil ist nach atticischem gezueng als fraysam grawsam oder edel vnd nach welscher zungen frey
Frühneuhochdeutsch für 'so viel ist nach attischem Zungenschlag wie 'freisam', 'grausam' oder 'edel' und nach romanischer Zunge 'frei''.
atticischem gezueng
Frühneuhochdeutsch für 'attischem Zungenschlag', 'attischer Sprache'.
welscher zungen
Frühneuhochdeutsch für 'romanischer Zunge', 'romanischer Sprache'.
verscheinung der. x. iar
Frühneuhochdeutsch für 'Ablauf der 10 Jahre'.
gewoenlichen zins vnd tribut widerforderten
Frühneuhochdeutsch für 'gewöhnlichen Zins und Tribut wiederforderten'.
widerspennig worden
Frühneuhochdeutsch für 'widerspenstig geworden'.
widersetzten sich gehorsam zesein
Frühneuhochdeutsch für 'widersetzten sich, gehorsam zu sein'.
geslecht der Francier
Frühneuhochdeutsch für 'Geschlecht der Franken'.
scithia
Skythien.
teuetsche land
Frühneuhochdeutsch für 'deutsche Lande'.
gewonet het
Frühneuhochdeutsch für 'gewohnt hatte'.
wardt es teuetsch
Frühneuhochdeutsch für 'wurde es deutsch'.
wuchse
Frühneuhochdeutsch für 'wuchs'.
name auch Francia zu
Frühneuhochdeutsch für 'nahm auch Franken zu'.
pirrenischen gepirg
Pyrenäisches Gebirge.
Pannonischen lands
Pannonisches Land, antike römische Provinz im heutigen Ungarn und Teilen angrenzender Länder.
Francia genant wardt
Frühneuhochdeutsch für 'Franken genannt wurde'.
vnnder den Franciern was
Frühneuhochdeutsch für 'unter den Franken war'.
in zwey teyl geteylt
Frühneuhochdeutsch für 'in zwei Teile geteilt'.
Gallia hieß das occidentisch oder hinderfranckreich
Gallien hieß das westliche oder Hinterfrankenreich.
Germania das orientisch oder vorder franckreich oder Franckenland
Germanien das östliche oder Vorderfrankenreich oder Frankenland.
verdient
Frühneuhochdeutsch für 'erworben', 'sich verdient gemacht'.
babstlichen stuel
Frühneuhochdeutsch für 'päpstlichen Stuhl'.
Lampertischen krieg
Langobardischer Krieg, Kriege der Franken gegen die Langobarden in Italien.
bekuemert wardt
Frühneuhochdeutsch für 'bekümmert war'.
getroestet hat
Frühneuhochdeutsch für 'getröstet hat'.
Vil sind die woellen
Frühneuhochdeutsch für 'Viele sind, die wollen'.
allein die die vmb Parys wonen Franci seyen
Frühneuhochdeutsch für 'allein diejenigen, die um Paris wohnen, Franken seien'.
denselben das roemisch reich gegeben sey worden
Frühneuhochdeutsch für 'denselben das Römische Reich gegeben worden sei'.
billicher
Frühneuhochdeutsch für 'billigerweise', 'gerechterweise'.
Francigenas
Lateinisch für 'Frankenstämmige', 'Franken'.
Frantzosen in Franckrei
Franzosen in Frankreich.