Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das drit alter Mayntz die ertzbischoflich hawbtstat in teuetschen lannden hat von Maguncio einem Troyaner iren anfang vnnd namen zu der zeit der Troyanischen niderlag gehabt. als Carinus in den Cronicken schreibt. vnnd ist vnder den Belgierischen ein stat teuetscher lannd. vnd raichet an die fluess des reins. Drusus nero nach teuetscher nacion Germanicus genant hat das lob vnd den ruom derselben stat clerlich gemeret. dieweil er wider der teuetschen stet ihenßhalb reyns gelegen krieget. der dann auß einem pruch eins payns darauff im ein pferd fiele amm. xxx. tag darnach starb. dess leichnam von Nerone claudio seinem bruder (der auff verkuendung der kranckhet eylends kome) gein rom gefueert vnd in keyser Julij grab gelegt wardt. Von den großen taten des benanten Drusi Neronis bey dem reyn geuebt thun Tacitus vnd ander geschichtbeschreiber meldung. vnd des sind guote anzeigung vil alte ding zu Mayntz. Ettlich setzen das dise stat von Paulino pompeyo dem roemischen heerfuerer in teuetschem land vnder Nerone dem keyser volbracht worden sey. Der ertzbischoff diser stat gibt auch hilff zu der wale eins roemischen keysers. Dise stat hat bey ir den allerheiligisten man Albanum den martrer. Nit verr von diser stat ligt Franckfurt das edel gewerbhaws. darinn die obernn vnnd nideren teuetsche lewt alle iar zwaymal zusamen komen. daselbst wirdt auch ein keyser gewelet auß alter gewonheit. da beyhin fleueßt nit ein vnedler fluss den sie Mayn nennen. Ptolomeus heißt disen fluss obrigma. vnd spricht das derselb fluss die hohen teuetschen von den nidern teuetschen schaide. vnd sey auch kein andrer fluss dann der Mayn der solche vnderschidung offenbarlicher thun mueg. Vnd noch hewt bey tag raichen die nidern teuetschen herauff bis gein Maintz. von dannen auffwartz werden sie die obern teuetschen genant. Der Mayn entspringt auß den bergen nahend an Behmer land gelegen. vnd rinnt von der Maintzischen gegent in den reyn. daruemb sind ettlich die glawben das Maintz von demselben fluss des Mayns irnn namen hab. vnd in derselben stat werden nach der roemer sytten große vnd weyt hoeff vnd gepew vnd wolgezierte kirchen mitsamt einem bischoflichen gschloss vnd vil andere gedechtnus wirdige. vnnd auch ettliche von krieg wegen zerstoerte ding gesehen. center Blat XL der werlt left right Hie entspringt das reich der Lacedemonier. da erstlich Euristeus geregirt hat. xlij. iar. | Boos der sun Salmonn wardt geporn imm iar seins vaters. xlviij. vnd imm iar der werlt. iijm. vijc. lxxiiij. Das reich der Corinnthier entspringt hie. da dann erstlich regiret diser athlethes ein kriechisch vnd fast streitper vnnd syghaft man. Der da mercket das er zu Corintho gewaltig was vnnd das volck daselbst entweders mit gewalt oder mit rat fueret wohin er wolt. do name er sich der herschung an. Ruth was von geslecht ein Moabiterin. die name ir zu der ee einen man genant Malion. der was von gepurt ein iud auß der stat Bethleem geporn. desselben mans vaters hieß Elimelech vnd sein muter Noemi. die dann von hungers wegen irs lands mit irn zweyen suenen in dz land der moabiten wanderten. vnnd daselbst (dieweil ine alle ding wol zu stunden) iren suenen zwu Moabiterin. nemlich dem Celion die Orpham. vnd Malioni die Ruth zu weybern vereelichten. | | right Als nw darnach. xvij. iar verschinnen waren do starben Elimelech vnd sein zwen suen. do setzet Noemi auß bitterer geduldung irs vngluocks ir fuer wideruemb in ir land Juda anhayms zeziehen. aber ir schnuer oder irer suen weyber wolten nit gedulden das sie von ir verlaßen solten werden. also mocht sie an ir schnuer nit ziehen. doch blibe die eine anhayms. Aber do Ruth nit bleyben mocht do fueret Neomi ir swiger sie mit ir in Judeam. vnd so sie in Bethleem eingegangen warnn do empfieng sie Boos des Elimelechs freuend in sein haws. Als nw nach ettlicher zeit Boos erlernet het das Ruth seins gestorbens freuends weib gewesen wer. vnd so dann auch er on ein weib was do name er nach dem gesetz Moysi die Ruth zu einem weib. als das geschahe do gepare sie ime nach einem iar einen sun den name noemi die swiger vnd hieß ine mit iren rat Obeth. daruemb dz er in iren alter erneret wurde. darnach hat derselb obeth geporn Jesse. auß dem wardt geporn Dauid der koenig. ZEmercken das hie durch die ewangelisten ein sprung oder ueberhuepffung beschiht von Boos auff Obeth. dann zwischen ine sind hingefloßen. ijc. lxxij. iar die doch auff einen einigen menschen nit muegen gezogen werden. vnd daruemb stet zu fuenffmalen Boos zebedeueten die zeit als ein geschehen ding. Nicolaus de lyra spricht. das nach warheit der geschiht drey nacheinander folgennde Boos gewesen seyen. aber das mag fuer bestendig nit angezaigt werden. dann man find soelchs nit in glawbwirdiger ordenlicher histori. Aber das ist gewiss das zwischen dem anfang des richterampts Josue. da Salomon die Raab eelichet. die den Boos gepare bis auff die gepurt Dauids hingestoßen sind bey. iijc. lxvij. iar. da doch allein drey geslecht von den ewangelisten gesetzt werden.
Das dritte Zeitalter. Mainz, die erzbischöfliche Hauptstadt in deutschen Landen, hat von Maguncius, einem Trojaner, ihren Anfang und Namen zur Zeit der Trojanischen Niederlage gehabt, wie Carinus in den Chroniken schreibt. Und ist unter den Belgiern eine Stadt deutschen Landes und reicht an den Fluss des Rheins. Drusus Nero, nach deutscher Nation Germanicus genannt, hat das Lob und den Ruhm derselben Stadt klar gemehrt, dieweil er gegen die deutschen Städte jenseits des Rheins Krieg führte. Der dann aus einem Bruch eines Beines, worauf ihm ein Pferd fiel, am dreißigsten Tag danach starb. Dessen Leichnam von Nero Claudius, seinem Bruder (der auf Verkündung der Krankheit eilends kam), gen Rom geführt und in Kaiser Julis Grab gelegt wurde. Von den großen Taten des benannten Drusus Nero, am Rhein geübt, tun Tacitus und andere Geschichtsschreiber Meldung. Und davon sind viele alte Dinge in Mainz gute Anzeichen. Etliche setzen, dass diese Stadt von Paulinus Pompeius, dem römischen Heerführer, in deutschem Land unter Nero dem Kaiser vollbracht worden sei. Der Erzbischof dieser Stadt gibt auch Hilfe zur Wahl eines römischen Kaisers. Diese Stadt hat bei ihr den allerheiligsten Mann Albanus, den Märtyrer. Nicht fern von dieser Stadt liegt Frankfurt, das edle Gewerbehaus. Darin die oberen und niederen deutschen Leute alle Jahre zweimal zusammenkommen. Daselbst wird auch ein Kaiser gewählt aus alter Gewohnheit. Dabei fließt nicht ein unedler Fluss, den sie Main nennen. Ptolemäus heißt diesen Fluss Obrigma und spricht, dass derselbe Fluss die hohen Deutschen von den niederen Deutschen scheidet. Und sei auch kein anderer Fluss als der Main, der solche Unterscheidung offenbarer tun möge. Und noch heute reichen die niederen Deutschen herauf bis gen Mainz. Von dannen aufwärts werden sie die oberen Deutschen genannt. Der Main entspringt aus den Bergen, nahe an Böhmen gelegen, und rinnt von der Mainzer Gegend in den Rhein. Darum sind etliche, die glauben, dass Mainz von demselben Fluss des Mains ihren Namen habe. Und in derselben Stadt werden nach der Römer Sitten große und weite Höfe und Gebäude und wohlgezierte Kirchen mitsamt einem bischöflichen Schloss und viele andere gedenkwürdige, und auch etliche von Krieg wegen zerstörte Dinge gesehen. Hier entspringt das Reich der Lakedämonier, da erstlich Eurystheus regiert hat, 42 Jahre. Boas, der Sohn Salmons, wurde geboren im 48. Jahr seines Vaters und im 3774. Jahr der Welt. Das Reich der Korinther entspringt hier, da dann erstlich regierte dieser Athlethes, ein griechischer und fast streitbarer und sieghafter Mann. Der da merkte, dass er zu Korinth gewaltig war und das Volk daselbst entweder mit Gewalt oder mit Rat führte, wohin er wollte, da nahm er sich der Herrschaft an. Ruth war von Geschlecht eine Moabiterin. Die nahm sich zur Ehe einen Mann, genannt Mahlon. Der war von Geburt ein Jude, aus der Stadt Bethlehem geboren. Desselben Mannes Vater hieß Elimelech und seine Mutter Noemi. Die dann von Hungers wegen ihres Landes mit ihren zwei Söhnen in das Land der Moabiter wanderten. Und daselbst (dieweil ihnen alle Dinge wohl zustanden) ihren Söhnen zwei Moabiterinnen, nämlich dem Kilion die Orpa und dem Mahlon die Ruth, zu Weibern verehelichten. Als nun darnach 17 Jahre verschwunden waren, da starben Elimelech und seine zwei Söhne. Da setzte Noemi aus bitterer Duldung ihres Unglücks sich vor, wiederum in ihr Land Juda heimzuziehen. Aber ihre Schwiegertöchter oder ihrer Söhne Weiber wollten nicht dulden, dass sie von ihr verlassen werden sollten. Also mochte sie ihre Schwiegertöchter nicht verlassen. Doch blieb die eine daheim. Aber da Ruth nicht bleiben mochte, da führte Noemi, ihre Schwiegermutter, sie mit ihr in Judäa. Und so sie in Bethlehem eingegangen waren, da empfing sie Boas, des Elimelech Freund, in sein Haus. Als nun nach etlicher Zeit Boas erlernt hatte, dass Ruth seines gestorbenen Freundes Weib gewesen wäre, und so dann auch er ohne ein Weib war, da nahm er nach dem Gesetz Moses die Ruth zu einem Weib. Als das geschah, da gebar sie ihm nach einem Jahr einen Sohn, den nahm Noemi, die Schwiegermutter, und hieß ihn mit ihrem Rat Obed, darum, dass er in ihrem Alter ernährt würde. Darnach hat derselbe Obed geboren Jesse. Aus dem wurde geboren David, der König. Zu merken, dass hier durch die Evangelisten ein Sprung oder Überhüpfung geschieht von Boas auf Obed. Denn zwischen ihnen sind hingeflossen 272 Jahre, die doch auf einen einzigen Menschen nicht mögen gezogen werden. Und darum steht zu fünfmalen Boas, zu bedeuten die Zeit als ein geschehen Ding. Nikolaus von Lyra spricht, dass nach Wahrheit der Geschichte drei nacheinander folgende Boas gewesen seien. Aber das mag für beständig nicht angezeigt werden, denn man findet solches nicht in glaubwürdiger, ordentlicher Historie. Aber das ist gewiss, dass zwischen dem Anfang des Richteramtes Josuas, da Salmon die Rahab ehelichte, die den Boas gebar, bis auf die Geburt Davids hingestoßen sind bei 367 Jahre, da doch allein drei Geschlechter von den Evangelisten gesetzt werden.