Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das drit alter left Vnder disem ist die niderlag vnd zerstoerung. aber villeicht der ersten vnd nicht der andern Troye beschehen. vnd alda hat sich das fuernemst anzeigen der zeit vnnd geschichten der kriechen angefangen. Dannenher haben sie ir historien vnnd geuebte handelung beschriben. Imm ersten oder andern iar nach niderlag vnd zerstoerung der stat troye vnd das was amm dritten iar Abdon das richters israhel. Vnder disem Athanis sollen die troyanischen krieg beschehen sein: dieweil Mnesteus bey den Atheniernn. vnnd Polisides bey den Sichioniern regirten. Thineus was der. xxviij. koenig der assirier. vnder dem auch das reich Sichiniorum sich endet. zu der zeit heli des briesters. vnnd het geweret. ixc. xxxviiij. iar. darnach warden briester Carni genant gesetzet. Iesse oder ysay het siben suen vnnd zwu toechter. der namen hie beschriben sind. center Blat XXXXIII der werlt left right Homerus der Asianisch poet ob allen kriechyschen der hohberuembtst (von des zeit vnd leben vngewise anzeygung sind) hat zu der zeit Saul des koenigs israhel gereichßnet. vnd ist von den atheniern fuer vnsynnig gehalten worden. daruemb das er saget das die goetter vnder ineselbs streyt gefurt hetten. vnd wiewol die geschichtbeschreiber von disem Homero sagen das er seiner kraft vnd auch alters halben ein fuerst nit allein der poeten sunder auch der naturlichen meister bey den kriechen genant vnd gehalten worden. vnd das er vor allen andern der gedechtnus offenbar ist gewesen sey. vnd auch das das er hat tichten woellen warlicher vnd clerlicher dann al andere an den tag hepracht hab. yedoch schreibt Policratus dise torheit von ime dz er (daruemb das er ein leichtfertige frag im von schiflewten oder vischernn fuergelegt nit het wißen auszeloesen. vnd deßhalben von den selben schiflewten vnschamiglich vnd hoenlich belachet wardt) als mit vergiftten gschoss der schand zumm tod durchdrungen den geyst auf sendet. dann ainßmals gieng er bey dem meer spacirn mit auferhebten angesicht gegen dem himel gleich als in eynen getrachte entzuecket. als ine nw etlich vischer die amm gestat beieinander saßen vnd mit einander redten vnd gewand wuermlein von iren klaidern laßen ersehen hetten vnd lachten. do fraget er sie wz sie hetten. sie antwurten vnd sprachen. Die wir fiengen die haben wir nit. vnd die wir nit gefangen haben. die haben wir noch. aber Homerus warff sein gedancken nit auff die wuermlein oder lewße die die vischer maynten. sunder auff die visch vnd gedachte wie das ymmer gesein moecht zehaben die vngefangen visch vnd die gefangen nit zehaben Ettlich sagen das Homerus auß diser sach also verpittert das er daruemb vnsinnig worden sey vnd sich erhenckt hab. Diser Homerus hat nach der zal der kriechischen buchstaben. xxiiij. buecher von der nyderlag vnd gefencknus Troye. vnd nach derselben anzal auch souil buecher von der irrfart Vlixis auff dem meer geschriben. vnnd lebet. c. vnd. viij. iar schier alweg plind Anchises ein sun Capis des Troianers wardt von Sibilla phrigia fuergewar net das die stat Troya vergeen wuerd daruemb gieng er in die wildtnus der welde vnd wonet in der eynoede vnd vnderstunde sich der huetung des vihs. in den offt die reichthuemer der alten waren. vnd do er bey Simeontem dem fluss mit dem vihe webert do wardt er von Venere der goettin liebgehabt. vnd im auß ir nach ir beder vermischung geporn der sun Eneas. der regiret in welschen landen. diss haben die betriger des groben volcks ertichtet vnd ire eeprecherey vnd iunckfraw swechung bedecket. Eneas der Anchises sun ist imm sechsten iar der herrschung Labdon in welsche land komen vnd ob allen andern an gestalt vnd geradigkeit adelich vnnd preyßlich gewest. der sich mit seinem vater ved Ascanio seinem sun vnd mit Creta seiner nererin zu vil Troyanern gesellet vnd nach erstoerung Troye von den kriechen in das ellennd versendet ward. vnd kome also in welsche land mit. xx. schiffen vnd erwecket vil krieg. Diser sol die tochter Priami zu einem weib gehabt haben. vnd auß irrsale des gepoeffels fuer einen got gehalten worden sein. left Codrus was Melanti des koenigs sun. vnnd der letst koenig der Athenier. vnd fieng an zeregirn imm. xxvij. iar Samuelis herrschung vnd regiret. xxi. iar. vnd nach seinem tod haben die koenig der athenier ein endschafft gehabt. Diser hat sich nit in koeniglichez sunder in geringem vnd verworffem klaid. darinn er vnkentlich was williglich in den tod gegeben. daruemb das er mit seinem tod sein volck von den veinden erledigen moecht. vnd wiewol er den fuersten vnd herren ein loeblich ebenpild an diser seiner tat gelassen hat so volgen ime doch wenig oder gar keiner nach vnnd von diser seiner wunderperlichen trew wegen wirdt er von den heiligen leren offt eingezogen gleich als ob ein figur cristi in im vergangen wer. dann do er ein wissen het dz die peloponeser von den goettern ein antwutt hette empfangen dz dz heer syge vnd ueberwindung het dess koenig imm streyt erslagen wurd auff dz dann sein heer dem syge erlangen moecht so stelle er sich an die eueßern spitzen der feinde vnd ließ sich erslagen. do das die Peloponeser erkanten do ließen sie pald vomm krieg vnd warden die Athenir erledigt. diser Codrus wolt zu obsyge seines volcks liber also sterben. dann nach niderlag seins volcks erlich leben. Do nw Codrus also gestorben was do wardt der Athenier stand so lang durch ratherrliche oeberkeit darnach geregirt bis Solon der treffenlich gesetzgeber zu einem hertzogen erwelt wardt. Also haben die athenischen koenig von dem hindersten iar der hebreyschen dinstperkeit bis auff disen Codrum. iiijc. lxxxvij. iar geregirt. Ascanius ein sun Enee auß Creuesa Priami des koenigs tochter. der ander koenig der lateinischen hat die stat Albam gepawet vnnd daselbst geregiret. vnd ist ein koenig der Albanier genant. vnd sind auch sein nachkomen Albanier geheyßen worden.
Das dritte Zeitalter. Unter diesem ist die Niederlage und Zerstörung, aber vielleicht der ersten und nicht der zweiten Troja geschehen. Und dort hat sich das vornehmste Anzeichen der Zeit und der Geschichten der Griechen angefangen. Von daher haben sie ihre Historien und geübte Handlungen beschrieben. Im ersten oder zweiten Jahr nach Niederlage und Zerstörung der Stadt Troja, und das war im dritten Jahr Abdons, des Richters Israels. Unter diesem Athanis sollen die Trojanischen Kriege geschehen sein, während Mnesteus bei den Athenern und Polisides bei den Sikyoniern regierten. Thineus war der 28. König der Assyrer, unter dem auch das Reich der Sikyonier sich endete, zur Zeit Helis, des Priesters. Und es hatte 939 Jahre gewährt. Danach wurden Priester, Carni genannt, eingesetzt. Jesse oder Isai hatte sieben Söhne und zwei Töchter, deren Namen hier beschrieben sind. Homer, der asiatische Dichter, der berühmteste unter allen griechischen (über dessen Zeit und Leben unsichere Angaben existieren), hat zur Zeit Sauls, des Königs Israels, gewirkt. Und ist von den Athenern für unsinnig gehalten worden, weil er sagte, dass die Götter untereinander Streit geführt hätten. Und wiewohl die Geschichtsschreiber von diesem Homer sagen, dass er seiner Kraft und auch seines Alters halber ein Fürst nicht allein der Poeten, sondern auch der Naturphilosophen bei den Griechen genannt und gehalten wurde, und dass er vor allen anderen im Gedächtnis geblieben sei, und auch, dass das, was er dichten wollte, wahrhaftiger und klarer als alle anderen an den Tag gebracht habe, so schreibt doch Polykrates diese Torheit von ihm, dass er (weil er eine leichtfertige Frage, die ihm von Schiffsleuten oder Fischern vorgelegt wurde, nicht hatte lösen können und deshalb von denselben Schiffsleuten unverschämt und höhnisch belacht wurde) wie mit vergifteten Geschossen der Schande zum Tod durchdrungen seinen Geist aufgab. Denn einst ging er am Meer spazieren mit erhobenem Angesicht gegen den Himmel, gleich als in einen Gedanken entrückt. Als ihn nun etliche Fischer, die am Gestade beieinander saßen und miteinander redeten und Würmlein von ihren Kleidern fallen ließen, gesehen hatten und lachten, da fragte er sie, was sie hätten. Sie antworteten und sprachen: „Die wir fingen, die haben wir nicht. Und die wir nicht gefangen haben, die haben wir noch.“ Aber Homer warf seine Gedanken nicht auf die Würmlein oder Läuse, die die Fischer meinten, sondern auf die Fische und dachte, wie das immer sein mochte, die ungefangenen Fische zu haben und die gefangenen nicht zu haben. Etliche sagen, dass Homer aus dieser Sache so verbittert wurde, dass er deshalb unsinnig geworden sei und sich erhängt habe. Dieser Homer hat nach der Zahl der griechischen Buchstaben 24 Bücher von der Niederlage und Gefangenschaft Trojas und nach derselben Anzahl auch so viele Bücher von der Irrfahrt des Odysseus auf dem Meer geschrieben. Und lebte 108 Jahre, fast immer blind. Anchises, ein Sohn des Trojaners Capys, wurde von der phrygischen Sibylle vorgewarnt, dass die Stadt Troja vergehen würde. Deshalb ging er in die Wildnis der Wälder und wohnte in der Einöde und widmete sich der Hütung des Viehs, in dem oft die Reichtümer der Alten bestanden. Und als er bei dem Fluss Simois mit dem Vieh weidete, da wurde er von Venus, der Göttin, geliebt. Und ihm wurde aus ihr, nach ihrer beider Vereinigung, der Sohn Aeneas geboren, der in den welschen Ländern regierte. Dies haben die Betrüger des groben Volkes erdichtet und ihre Ehebruch und Jungfrauen-Schändung bedeckt. Aeneas, der Sohn des Anchises, ist im sechsten Jahr der Herrschaft Labdons in die welschen Länder gekommen und war vor allen anderen an Gestalt und Rechtschaffenheit edel und preiswürdig. Der sich mit seinem Vater und Ascanio, seinem Sohn, und mit Creusa, seiner Nährerin, zu vielen Trojanern gesellte und nach Zerstörung Trojas von den Griechen in die Verbannung gesandt wurde. Und kam so in die welschen Länder mit 20 Schiffen und erregte viele Kriege. Dieser soll die Tochter Priamos' zur Frau gehabt haben und aus Irrtum des Pöbels für einen Gott gehalten worden sein. Kodros war der Sohn des Königs Melanthos und der letzte König der Athener. Und fing an zu regieren im 27. Jahr Samuels Herrschaft und regierte 21 Jahre. Und nach seinem Tod haben die Könige der Athener ein Ende gefunden. Dieser hat sich nicht in königlichem, sondern in geringem und verworfenem Kleid, darin er unkenntlich war, willentlich in den Tod gegeben, damit er mit seinem Tod sein Volk von den Feinden erlösen könnte. Und obwohl er den Fürsten und Herren ein löbliches Vorbild in dieser seiner Tat hinterlassen hat, so folgen ihm doch wenige oder gar keiner nach. Und wegen dieser seiner wunderbaren Treue wird er von den heiligen Lehren oft herangezogen, gleich als ob eine Figur Christi in ihm Gestalt angenommen hätte. Denn als er wusste, dass die Peloponnesier von den Göttern eine Antwort empfangen hatten, dass das Heer Sieg und Überwindung hätte, dessen König im Streit erschlagen würde, auf dass dann sein Heer den Sieg erlangen möchte, so stellte er sich an die äußersten Spitzen der Feinde und ließ sich erschlagen. Als das die Peloponnesier erkannten, da ließen sie bald vom Krieg ab und die Athener wurden erlöst. Dieser Kodros wollte zum Sieg seines Volkes lieber so sterben, als nach der Niederlage seines Volkes ehrenhaft leben. Als nun Kodros so gestorben war, da wurde der Athener Staat so lange durch ratsherrliche Obrigkeit danach regiert, bis Solon, der treffliche Gesetzgeber, zu einem Archonten erwählt wurde. So haben die athenischen Könige vom letzten Jahr der hebräischen Dienstbarkeit bis auf diesen Kodros 487 Jahre regiert. Ascanius, ein Sohn des Aeneas aus Creusa, der Tochter des Königs Priamos, der zweite König der Latiner, hat die Stadt Alba gebaut und daselbst regiert. Und ist ein König der Albaner genannt. Und sind auch seine Nachkommen Albaner geheißen worden.