Zweites Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das drit alter Padua ein fast alte treffentliche vnd weitgesuechte stat welscher land ist (als Virgilius vnd Titus liuius schreyben) durch Anthenorem auß Troya fluechtigen gepawen. dann anthenor zohe enmitten durch die achiuier bis an die Illirischen gestat. vnd kome in die herrschaft der Liburnier bis in das adriatisch meer vnd vertribe die Eueganier die dieselben gegent inhielten. vnd pawet die stat Padua. Aber Cicero spricht das die Paduaner den roemern fast freuentlich gewesen seyen. vnd inen zu den schwersten zeiten mit waffen vnd gelt geholffen haben. Padua ist aber darnach zu den glueckseligsten zeiten irs stands der roemer inwonung gewesen. doch nit in gestalt einer besitzung mit newem volck. sunder den Paduanern wardt die gerechtigkeit der mitwelung eins roemischen rats gegeben. vnd wir halten das kein stat in welschen landen an huebscheit offner gemeiner gepewe diser stat gleich sey. aber alle sundere vnd gemeine gepewe darinn sind new. dann Attila der Hunier koenig verwuestet sie. vnd wiewol sie von Narsete euenucho vnd von den von Rauenna wideraufgerichtet wardt so wardt sie doch darnach von den Lampartischen angezuendet vnd zeruedet. vnd aber nachfolgend zu den zeiten des grossen keyser Karsl vnd seiner suene vnd enicklen mit wunderperlicher zunemung gemeret bis zu den zeiten des ersten keyser Fridereichs. hat sie Ecelinus aller tyrannen der grausamst ime vnderworffen vnd vnzelich todsleg vnd außtreibung der burger begangen vnd fuergenomen. Darnach haben die Charrarier vnder dem tittel der hawbtmanschaft diser stat gepflegen vnd sie bey. c. iaren beseßen vnd habhaftiger reicher vnd zierlicher gemacht. dann auß vleis derselben Charrarier sind zum groeßeren teil erhebt vnd geziert die zynnen damit die stat mit trifeltigem vmbkrais vnd mawr befestigt ist. vnd wiewol Tymanus durch sie hinein fiel. yedoch sind durch vil vnd mancherlay graben mit grosser ueberschwencklicher arbeit gemacht die wasser vmb die stat an manchen oertern der stat. zu zier vnd fuog von denselben Charrariern gefuert vnd gelaitet worden In diser stat ist ein garfeste burg. vnd ein pallast vnder den walhen der erst. vnd ire gepew sind mancherlay. Keyser Henrich der vierd ein teuetscher hat die thumkirchen alda gepawen. da ist auch ein rathaws schoener den keins in der werlt. das darnach verprannt wardt. vnd doch die Venediger koestlicher wider gepawet. vnd die gepayn Titi liuij an ein sichpere stat gelegt haben. Daselbst ist auch sannd Anthonis ein so loebliche kierch das ir gleich selten in welschen landen gefunden wirdt. auch ist alda sand Justina der iunckfrawen tempel. darinn die leichnam sand Lucasen des ewangelisten. vnd Prosdoanni mitsambt der benanten sand Justina heiligthum behalten werden. vnd man sagt dieselben kirchen sey Jouis tempel gewesen: Aber yetzo ist daselbst ein weits closter sand Benedicten ordens. In diser stat ist ob allen hohenschulen welscher land die hohberuembtst. Dise stat hat außerhalb Tito liuio in der lere hohachtper vnd erleuechtet menner geporn. nemlich Paulum den rechtgelerten. Petruz de apono. dess fuertreffentliche schrift vnd lere zu gemeiner nutzperkeit der menschen in grossen eren gehalten werden. Item Albertum eynsidler ordens einen hohberuembten lerer vnd außschreyer der heiligen schrift. Item Stellam. Flaccum. Vollusium vnd vil ander in aller kunst fuertreffende mann. Vomm meer aufwartz hat dise stat ein schiffung auff dem fluss Brinta. der dabeyhin fleueßt. Von Lucafusina schiffet man pald sechs meyl gein Padua in einem mit hannd gemachten graben. Padua center Blat XLV der werlt center Von dem reich der Lateinischen vnnd welschs lannds Das lannd das yetzo Campania heißt ist ettwen der Lateinischen koenigreich gewesen. vnd als Virgilius vnd Liuius bezeuegen so ist diss lannd auß. xviij. gegenten eins. das vil oerter het die vonn den andernn gegenten besuchet warden. Aber nach dem darinn meer beschedigung dann in den anderen landen oder gegenten beschehen sinnd. so ist darauß entsprungen das nwmaln dasselb lannd mynder erpawet ist oder mynder besuchet wirdt dann einiche der andern gegent. Dasselb land oder prouintz heißt daruemb die Lateinisch prouintz das Saturnus der Cretensier koenig seins suns Jouis waffen flihende an denselben enden heimlich oder verporgenlich gewonet hat. dann sollich heymlich verborgenlich wonung wirdt in dem wort latino (als die gelerten des lateins wißen) bedeuetet. Als dann solchs Virgilius in acht lateinischen versen beschriben vnnd angezeigt hat. Doch ist die groeße diser prouintz vomm anfang gar enge gewesen. Aber Seruius spricht das aigentlich die. die lateinischen genant weren die zwischen den inneren oertternn des albanischen bergs woneten. vnd dise prouintz hebt sich an vomm meer bey dem tiberinischen gestadt vnd raichet hin an die stat Cayetam da sind ettwieuill stett noch vor awgen wesende vnd etlich erstoeret. In diser gegent vnd prouintz sind voelcker gewest. die Aborigenes. Rutuli. Volsci. Hernici. Equicoli. vnd Marsi genant warden. dann dise gegent hat einen großen vmbkrais. Aber Janus ein vater vnd got der goetter zugenambt gar ein holdseliger vnd gutter man vnd hoher liebhaber der wirtschaft vnd gastung auß den orientischen gegenten komende hat allererster in welschem land zeregiren angefangen. vnd vnder andern wercken seiner tugent den Saturnum nit allein guetlich aufgenomen sunder auch mit ime das reich geteylet. center WElchsland ist ein gegent des teils Europe. vnd ob allen andern gegenten der gantzen werlt die beruembtst fuernembst vnd treffenlichst. die (als man naynt) den namen von ochßen oder stirnn gehabt hat. daruemb hat auch Plato in Thimeo die walhen nach demselben vihe. thauros genennt. vnd von irer menige. schoenheit vnnd fruchtperkeit welsch lannd ytaliam geheißen. Nw ist dise gegent in form vnd gestalt eins schenckels zwischen dem adriatischen vnd tuscianischen meer. vnd raichet von dem gepirg. vnd von hinden ab dem apenninischen berg sich ymmer mer vnd mer erhebende vnd bis hin an den Reginischen gipffel vnd an die Brutianischen gestadt außstrekende. In seinem ende trennet es sich in zwen spitz oder hoerner. der eins siht in das Joninisch. das ander in dz Siculianisch meer. vnd hat amm ort die stat Rhegium genant. Die lenge diss lands strecket sich von der stat Augusta pretoria amm end des gepirgs ligende durch Rom vnd Capuam hin bis zu der benanten stat Rhegium. vnd ist (als Solinns bezeuegt) zehenmalhundert vnd zwentzig tausent schrit weyt. amm groeßern vierhundert zehen. vnnd amm kleineren ort hundert sechs vnd dreyssig prayt. vnnd hat in der Reatinischen gegent einen nabel. vnd ettwen auß der seyten des oebern oder Adriatischen meers den fluss Rubiconem fuer ein ende gehabt. Vormals wardt diss lannd von Hespero dem bruder Atlantis Hesperia genant. darnah Oenotria von dem besten wein der alda wechst. vnd zu letst ist es ytalia von ytalo dem koenig der Siculier genent worden. der dann an dise end kom. darinn wonet vnd regiret. Dise gegent weichet keinem lannd weder in fruchtperkeit der erden. noch in dem ruom der waffen. vnd hat vil treffenlicher stett. | Die namen vnnd ordnung der Lateinischen vnnd Welschen konig. Janus j Siluius viij xxviij. iar Liberinus xv viij. iar Saturnus ||ij || Die er || Eneas siluius || .ix || xxxi. iar || Agrippa || xvi || xl. iar Picus || iij || sten. v. || Latinus |||x || l. iar ||Aromulus || xvij || xix. iar Faunus || iiij || regirten || Alba siluiss || xi || xxxix. iar || Auentinus || xviij || xxxviij. iar Latinus || v || .c. iar || Egyptus silui. || xij. || xxiiij. iar || Procas || xix|| xxiij. iar Eneas || vi || xxx. iar || Capis || xiij || xxviij. iar || Amulius || xx || xliiij. iar Ascanius || vij || xxxviij. iar || Carpentus || xiiij || xiij. iar || Numitor || xxi || j. iar
Das dritte Zeitalter. Padua, eine sehr alte, treffliche und weithin bekannte Stadt im italienischen Land, wurde (wie Vergil und Titus Livius schreiben) von Antenor, einem Flüchtling aus Troja, erbaut. Antenor zog mitten durch die Achaier bis an die illyrische Küste und gelangte in die Herrschaft der Liburner bis an das Adriatische Meer, vertrieb die Euganeer, die diese Gegend innehatten, und erbaute die Stadt Padua. Aber Cicero sagt, dass die Paduaner den Römern sehr freundlich gesinnt waren und ihnen in den schwersten Zeiten mit Waffen und Geld geholfen haben. Padua war aber danach in den glückseligsten Zeiten ihres Bestehens eine römische Einwohnung, doch nicht in Gestalt einer Besetzung mit neuem Volk, sondern den Paduanern wurde die Gerechtigkeit der Mitverwaltung eines römischen Rates gegeben. Und wir meinen, dass keine Stadt in den italienischen Ländern an Schönheit öffentlicher Gebäude dieser Stadt gleichkommt. Aber alle privaten und öffentlichen Gebäude darin sind neu, denn Attila, der König der Hunnen, verwüstete sie. Und obwohl sie von Narses, dem Eunuchen, und von den Bewohnern Ravennas wiederaufgerichtet wurde, so wurde sie doch danach von den Langobarden angezündet und zerstört. Und aber nachfolgend, zu den Zeiten des großen Kaisers Karl und seiner Söhne und Enkel, mit wunderbarer Zunahme gemehrt bis zu den Zeiten des ersten Kaisers Friedrichs, hat sie Ezzelino, der grausamste aller Tyrannen, sich unterworfen und unzählige Totschläge und Austreibungen der Bürger begangen und vorgenommen. Danach haben die Carrara unter dem Titel der Hauptmannschaft dieser Stadt gepflegt und sie ungefähr hundert Jahre besessen und wohlhabender, reicher und zierlicher gemacht. Denn aus Fleiß derselben Carrara sind zum größeren Teil die Zinnen erhöht und geziert, womit die Stadt mit dreifachem Umfang und Mauer befestigt ist. Und obwohl Tymanus durch sie hineinfiel, so wurden doch durch viele und mancherlei Gräben, mit großer, überschwänglicher Arbeit gemacht, die Wasser um die Stadt an manchen Orten der Stadt zur Zierde und zum Nutzen von denselben Carrara geführt und geleitet. In dieser Stadt ist eine sehr feste Burg und der erste Palast unter den Italienern, und ihre Gebäude sind mancherlei. Kaiser Heinrich IV., ein Deutscher, hat die Domkirche dort erbaut. Dort ist auch ein Rathaus, schöner als keines in der Welt, das danach verbrannt wurde und doch die Venezianer prächtiger wiedererbaut und die Gebeine des Titus Livius an einen sichtbaren Ort gelegt haben. Daselbst ist auch Sankt Antonius, eine so lobenswerte Kirche, dass ihresgleichen selten in den italienischen Ländern gefunden wird. Auch ist dort der Tempel der Jungfrau Sankt Justina, darin die Leichname Sankt Lukas des Evangelisten und Prosdocimus mitsamt den Heiligtümern der benannten Sankt Justina aufbewahrt werden. Und man sagt, dieselbe Kirche sei Jupiters Tempel gewesen; aber jetzt ist daselbst ein weites Kloster des Benediktinerordens. In dieser Stadt ist unter allen Hochschulen des italienischen Landes die hochberühmteste. Diese Stadt hat, außer Titus Livius, in der Lehre hochachtbare und erleuchtete Männer geboren, nämlich Paulus, den Rechtsgelehrten, Pietro d'Abano, dessen vortreffliche Schriften und Lehre zur allgemeinen Nützlichkeit der Menschen in großen Ehren gehalten werden. Ebenso Albert vom Einsiedlerorden, einen hochberühmten Lehrer und Ausleger der Heiligen Schrift. Ebenso Stella, Flaccus, Volusius und viele andere in aller Kunst vortreffliche Männer. Vom Meer aufwärts hat diese Stadt eine Schifffahrt auf dem Fluss Brenta, der dabei hinfließt. Von Luccafusina schifft man bald sechs Meilen nach Padua in einem von Hand gemachten Graben. Padua, Seite 45 der Welt. Vom Reich der Lateiner und des italienischen Landes. Das Land, das jetzt Kampanien heißt, war einst das Königreich der Lateiner. Und wie Vergil und Livius bezeugen, ist dieses Land eines von achtzehn Gegenden, das viele Orte hatte, die von den anderen Gegenden besucht wurden. Aber nachdem darin mehr Beschädigung als in den anderen Ländern oder Gegenden geschehen ist, so ist daraus entsprungen, dass nunmehr dasselbe Land minder bebaut ist oder minder besucht wird als irgendeine der anderen Gegenden. Dasselbe Land oder Provinz heißt darum die Lateinische Provinz, weil Saturn, der König der Kreter, vor den Waffen seines Sohnes Jupiter fliehend, an denselben Enden heimlich oder verborgen gewohnt hat; denn solch heimliches, verborgenes Wohnen wird in dem Wort „latino“ (wie die Gelehrten des Lateins wissen) bedeutet. Als dann solches Vergil in acht lateinischen Versen beschrieben und angezeigt hat. Doch ist die Größe dieser Provinz vom Anfang her sehr eng gewesen. Aber Servius sagt, dass eigentlich diejenigen die Lateiner genannt wurden, die zwischen den inneren Orten des Albaner Berges wohnten. Und diese Provinz hebt sich an vom Meer bei der tiberinischen Küste und reicht hin an die Stadt Gaeta; da sind etliche Städte noch vor Augen, bestehend, und etliche zerstört. In dieser Gegend und Provinz sind Völker gewesen, die Aboriginer, Rutuler, Volsker, Herniker, Äquikuler und Marser genannt wurden; denn diese Gegend hat einen großen Umfang. Aber Janus, ein Vater und Gott der Götter genannt, ein sehr holdseliger und guter Mann und hoher Liebhaber der Wirtschaft und Gastfreundschaft, aus den orientalischen Gegenden kommend, hat als allererster im italienischen Land zu regieren angefangen und unter anderen Werken seiner Tugend den Saturn nicht allein gütlich aufgenommen, sondern auch mit ihm das Reich geteilt. Welschland (Italien) ist eine Gegend des Teils Europas und über allen anderen Gegenden der ganzen Welt die berühmteste, vornehmste und trefflichste, die (wie man meint) den Namen von Ochsen oder Stieren gehabt hat. Darum hat auch Platon im Timaios die Italiener nach demselben Vieh „tauros“ genannt. Und von ihrer Größe, Schönheit und Fruchtbarkeit wurde das italienische Land „Italiam“ geheißen. Nun ist diese Gegend in Form und Gestalt eines Schenkels zwischen dem Adriatischen und Tyrrhenischen Meer und reicht vom Gebirge und von hinten ab dem Apenninischen Berg, sich immer mehr und mehr erhebend, bis hin an den Regginer Gipfel und an die bruttische Küste ausstreckend. An seinem Ende trennt es sich in zwei Spitzen oder Hörner, von denen das eine in das Ionische, das andere in das Sizilische Meer blickt und am Ort die Stadt Rhegium genannt hat. Die Länge dieses Landes streckt sich von der Stadt Augusta Praetoria, am Ende des Gebirges liegend, durch Rom und Capua hin bis zu der benannten Stadt Rhegium und ist (wie Solinus bezeugt) eintausendzwanzigtausend Schritte weit, am größeren Ort vierhundertzehn und am kleineren Ort hundertsechsunddreißig breit. Und hat in der Reatinischen Gegend einen Nabel. Und einst, an der Seite des oberen oder Adriatischen Meeres, den Fluss Rubikon für ein Ende gehabt. Vormals wurde dieses Land von Hesperus, dem Bruder des Atlas, Hesperia genannt, danach Oenotria, von dem besten Wein, der dort wächst, und zuletzt ist es Italia, nach Italo, dem König der Sikuler, genannt worden, der dann an diese Enden kam, darin wohnte und regierte. Diese Gegend weicht keinem Land, weder in Fruchtbarkeit der E[rde].