Viertes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das vierd alter Perusia ein gar alte vnd edele stat des lands Etrurie. vnd weylend die erst. aber yetzo die drit vnder den etrurischen steten namhaftig. ist von den Acheyern (als Justinus sagt) gepawt worden. vnd hat iren anfang von der erpawung der stat rom genomen. wiewol ettlich sprechen das ein Troyanischer fuerst Perusius genant ein erpawer diser stat gewesen sey vnd die nach ime Perusium oder Perusiam genennet hab. Nw hat dise statt allein vnder allen stetten welschs lannds dise schier vnerhoerte glueckseligkeit gehabt. das sie nochmals behelt schier dieselben art vnd wesen irs stannds vnd handels die sie vor erpawung der stat rom. vnnd auch darnach als Rom vnder koenigen. ratherren. vnd kaysernn vnd tyrannen gewesen ist gehabt hat. Doch hat dise stat mancherlay. vnd doch traglich anstoeß erlidden. Dieselben stat haben die roemer nach absterben des grossen Alexanders auß craft vnd zuthun. L. poschumy des ratherren in ergebung empfangen. Liuius schreibt das Fabius der roemer in dem vnfrid vnd krieg in Ethruria. iiijm. vnd. vc. Perusiner erslagen hab. Darnach in den zeiten der allervnglueckhaftigsten roemischen regirung der dreyer mann Triumuiratus zu latein genant hat keyser Octauianus. L. Anthoniuz den bruder. M. Anthonij in der stat Perusia belegert vnnd das heer desselben belegerten anthonij vnnd das Perusinisch volk dergleichen vormals selten erhoerten hunger erlidden. Also wardt die stat gefangen vnd zeruedet. Aber als derselb Octauianus ein einiger herrscher wardt hat er dise stat in kuertze wideraufgerichtet. vnd mit zynnen vnd pforten yetzo vor awgen wesende befestigt. vnd nach seinem namen Perusiam augustam genennt. als die elnpogenlang buchstaben in den pforten gehawen anzeigen. Nw ist dise stat an allen oertern gepirgig. vnd die art desselben ends also gestalt das nichts befestigters noch wunnsamers erfunden werden moecht. dann sie ist durch bewarung der gehen scharpffen allenthalben daruemb gelegen fellsen also vnbestreytlich das sie als keiner beschuetzung bedoerffe. Vnd wiewol ettwen vil innwendig zwitracht vnder den Perusinern gewesen sind vnd die tyrannen diess Perusiner zu zeitten bedrucket haben so ist doch dise stat yetzo frey vnd mit guotten vnd hohgelerten mannen vnd gesetzen besetzet. In diser stat sind großmechtige gotzhewser vnd wolgezierde cloester der geistlichen. hohe pallast der burger. vast weyte spital der armen. ein vastwolberuembte hohe schuel. ein weyter marck mit einem zierlichen prunnen lustgarten mit pawmen wol besetzt. ir feld an oel. wein. safftan vnd allerlay suessen fruechten vast fruchtper. In diser stat hat Baldus in hohem ruom geschinen. der dann mitsambt Bartolo Sassofferracensi in werltlichen vnd geistlichen rechten das fuerstenthumb vnd den vorpreys erlangt hat. Item Angelus vnd Petrus gebruder. vnd Cynus vor ine. Aber zu vnsern zeiten hat Matheolus der hohberuembtst artzt auß diser stat seinen vrsprung genomen. der zu Padua in der hohen schuel mit leren vnd reden vast geplueet hat. center Blat XLIX der werlt left Die schrifften der heiligen lerer gedencken bey disen zeiten der historien der hayden nicht villeicht auß der vrsach das dieß historien zu verstentnus der heiligen schrifft nit dienen. dann ettlich lerer thun bis auff Sardanapallum den letsten konig der Assirier von anderen do zwischen gewesen konigen kein meldung. Roboam der sun Salomonis vnd drit hebreysch konig hat seinen vater im reich aber nit in der weyßheit nachgefolgt. vnd nach vesmehung der eltern rat. vnd nach muetwilliger tuerftigkeit der iungen das volck bekuemmert vnd zway geslecht behalten. darumb hieß diß dz reich Juda. dann derselb muost auß erheischung seiner suend des konigs von egypto vngestuemigkeit vnd verfolgung gedulden. Roboam het. xviij. weiber vnd. xxx. zuweiber. vnd xxviij. suen vnd. xl. toechter. In dess ersten iar das reich Dauids geteilt vnnd nit mer herwider vereinigt wardt. center Diser Hieu ein sun Anani des propheten wardt gesendet wider Baaza vnd lidde die marter bestendigclich bis zu dem todt. Dise drey nemlich Hieu Eliezer vnd Oziel mit Azaria weyssagten den koenigen iuda. als Aza Josaphat vnnd Joram. Von disem siluio Enee sun dem dritten konig Latinorum sind sein nachkomende konig siluij genant. Eneas des benanten Siluij posthumi sun regiret xxx. iar vnd ließ Latinum einen erben nach ime vnd starb Abia der vierd konig der iuden Roboams sun hat drey iar geregirt. vbels vor dem herren gethan vnd in den suenden seins vaters gewandert vnd daruemb wenig iar geherschet. Iheroboan der konig israhel erhuob einen kriech wider ine darinn het. Iheroboam. lxxxm. vnd Abias. xlm. streytperer mann. vnd wiewol Abia ein solch groß heer wider sich komen sahe yedoch hat er getrawende in got die veind leichtlich geswaigt vnd vberwunden vnd bey. lm. mann in eim streit erslagen. Latinus regiret fuenftzig iar zu den zeiten Dauids. right Diser Anani ein prophet straffet Aza vnd wardt daruemb gekerckert. Alba siluius was Enee siluij sun. der pawet die statt Albam. von der die konig der Albanier genent worden sind. Athis hat zu den zenten Roboams. xxiiij. iar geregirt vnd einen sun Capi genant hinder ime gelaßen. Asa hat in dem anfang seins reichs. vnd darnach bis in dz sechßunddreysigst iar guots vor dem herren gethan vnnd in dem weg seins vaters Dauid gewandert. die abgoetter abgenomen. vnd die Ethiopes die wider ine komen geslagen. vnd zu letst kome er mit Benedab dem konig Syrie in puentnus darinn het got ein mißfallen vnd sendet zu ime den propheten Anani. den leget er in den kercker. darumb wardt er mit dem schmertzen der fueß geslagen vnd starb. Dieweil aber Aza regiret vnd dz reich nach dem gesetz des herren in guoten wesen stund do gienge wider ine auß Zara der koenig Ethiopie mit seinem heer vnzellicher menige. dem kome Aza mit seinem heer entgegen vnd rueffet den herren an vnd erschrecket die Ethiopier also dz sie sich zu der flucht kereten do lieffe ime azaria der prophet entgegen troestende vnd waessagende vnder anderm dz iherusalem von den Caldeieren wurd gefangen werden.
Das vierte Zeitalter. Perusia, eine sehr alte und edle Stadt des Landes Etrurien, und ehemals die erste, aber jetzt die dritte unter den etrurischen Städten, die namhaft ist, ist von den Achäern (wie Justinus sagt) erbaut worden und hat ihren Anfang von der Erbauung der Stadt Rom genommen, obwohl etliche sagen, dass ein Trojanischer Fürst namens Perusius ein Erbauer dieser Stadt gewesen sei und sie nach ihm Perusium oder Perusiam genannt habe. Nun hat diese Stadt allein unter allen Städten Welschlands diese schier unerhörte Glückseligkeit gehabt, dass sie noch immer fast dieselbe Art und Weise ihres Standes und Handels bewahrt, die sie vor der Erbauung der Stadt Rom und auch danach, als Rom unter Königen, Ratsherren und Kaisern und Tyrannen gewesen ist, gehabt hat. Doch hat diese Stadt mancherlei und doch erträgliche Anstöße erlitten. Dieselbe Stadt haben die Römer nach dem Absterben des großen Alexanders durch die Kraft und das Zutun des Ratsherren L. Postumius in Ergebung empfangen. Livius schreibt, dass Fabius der Römer in dem Unfrieden und Krieg in Etrurien 4500 Perusiner erschlagen habe. Danach, in den Zeiten der allerunglücklichsten römischen Regierung, des Dreimännerbundes, lateinisch Triumvirat genannt, hat Kaiser Octavian den Bruder des M. Antonius, L. Antonius, in der Stadt Perusia belagert und das Heer desselben belagerten Antonius und das perusinische Volk einen dergleichen vormals selten gehörten Hunger erlitten. So wurde die Stadt gefangen und zerstört. Aber als derselbe Octavian ein einziger Herrscher wurde, hat er diese Stadt in Kürze wiederaufgerichtet und mit Zinnen und Pforten, die jetzt vor Augen sind, befestigt und nach seinem Namen Perusiam Augustam genannt, wie die ellenbogenlangen Buchstaben in den Pforten gehauen anzeigen. Nun ist diese Stadt an allen Orten gebirgig, und die Art dieses Endes ist so gestaltet, dass nichts Befestigteres noch Wünschbareres erfunden werden könnte, denn sie ist durch die Bewahrung der steilen, scharfen, allenthalben darum gelegenen Felsen so unbestreitbar, dass sie keiner Beschützung bedürfte. Und obwohl etliche Male viel innere Zwietracht unter den Perusinern gewesen ist und die Tyrannen diese Perusiner zu Zeiten bedrückt haben, so ist doch diese Stadt jetzt frei und mit guten und hochgelehrten Männern und Gesetzen besetzt. In dieser Stadt sind großmächtige Gotteshäuser und wohlgezierde Klöster der Geistlichen, hohe Paläste der Bürger, sehr weite Spitäler der Armen, eine sehr wohlberühmte hohe Schule, ein weiter Markt mit einem zierlichen Brunnen, Lustgärten mit Bäumen wohl besetzt; ihr Feld ist an Öl, Wein, Safran und allerlei süßen Früchten sehr fruchtbar. In dieser Stadt hat Baldus in hohem Ruhm geschienen, der dann mitsamt Bartolo von Sassoferrato in weltlichen und geistlichen Rechten das Fürstentum und den Vorpreis erlangt hat. Ebenso die Gebrüder Angelus und Petrus, und Cynus vor ihnen. Aber zu unseren Zeiten hat Matheolus, der hochberühmteste Arzt, aus dieser Stadt seinen Ursprung genommen, der zu Padua in der hohen Schule mit Lehren und Reden sehr geblüht hat. Blatt 49 der Welt. Die Schriften der heiligen Lehrer gedenken zu diesen Zeiten der Historien der Heiden nicht, vielleicht aus dem Grund, dass diese Historien zum Verständnis der Heiligen Schrift nicht dienen, denn etliche Lehrer machen bis auf Sardanapal, den letzten König der Assyrer, von anderen dazwischen gewesenen Königen keine Meldung. Rehabeam, der Sohn Salomos und dritter hebräischer König, hat seinem Vater im Reich, aber nicht in der Weisheit nachgefolgt, und nach Verachtung des Rates der Älteren und nach mutwilliger Torheit der Jungen das Volk bekümmert und zwei Geschlechter behalten; darum hieß dies das Reich Juda, denn derselbe musste aufgrund der Forderung seiner Sünden die Ungestümigkeit und Verfolgung des Königs von Ägypten erdulden. Rehabeam hatte 18 Weiber und 30 Nebenfrauen und 28 Söhne und 40 Töchter. In dessen erstem Jahr das Reich Davids geteilt und nicht mehr wieder vereinigt wurde. Dieser Jehu, ein Sohn Hananis des Propheten, wurde gegen Bascha gesendet und litt die Marter beständiglich bis zum Tod. Diese drei, nämlich Jehu, Elieser und Oziel mit Asarja, weissagten den Königen Judas, als Asa, Josaphat und Joram. Von diesem Silvius, Sohn des Aeneas, dem dritten König der Latiner, sind seine Nachkommen Könige Silvii genannt. Aeneas, der Sohn des genannten Silvius Postumus, regierte 30 Jahre und ließ Latinus einen Erben nach sich und starb. Abija, der vierte König der Juden, Rehabeams Sohn, hat drei Jahre regiert, Übles vor dem Herrn getan und in den Sünden seines Vaters gewandert und darum wenige Jahre geherrscht. Jerobeam, der König Israels, erhob einen Krieg wider ihn, darin hatte Jerobeam 800.000 und Abija 400.000 streitbarer Männer. Und obwohl Abija ein solch großes Heer wider sich kommen sah, jedoch hat er, Gott vertrauend, die Feinde leichtlich besiegt und überwunden und bei 500.000 Mann in einem Streit erschlagen. Latinus regierte fünfzig Jahre zu den Zeiten Davids. Dieser Hanani, ein Prophet, strafte Asa und wurde darum gekerkert. Alba Silvius war Aeneas Silvius' Sohn, der baute die Stadt Alba, von der die Könige der Albaner genannt worden sind. Athis hat zu den Zeiten Rehabeams 24 Jahre regiert und einen Sohn namens Capys hinter sich gelassen. Asa hat im Anfang seines Reiches und danach bis in das sechsunddreißigste Jahr Gutes vor dem Herrn getan und ist in dem Weg seines Vaters David gewandert, die Abgötter abgenommen und die Äthiopier, die wider ihn kamen, geschlagen. Und zuletzt kam er mit Ben-Hadad, dem König Syriens, in Bündnis, darin hatte Gott ein Missfallen und sendete zu ihm den Propheten Hanani. Den legte er in den Kerker; darum wurde er mit dem Schmerz der Füße geschlagen und starb. Dieweil aber Asa regierte und das Reich nach dem Gesetz des Herrn in gutem Wesen stand, da ging wider ihn aus Zara, der König von Äthiopien, mit seinem Heer unzähliger Menge. Dem kam Asa mit seinem Heer entgegen und rief den Herrn an und erschreckte die Äthiopier, sodass sie sich zur Flucht kehrten; da lief ihm Asarja der Prophet entgegen, tröstend und weissagend, unter anderem, dass Jerusalem von den Chaldäern gefangen werden würde.