Schedelsche Weltchronik · Blatt 55

Viertes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 55, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 55, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das vierd alter center Ardisius oder Ardis von gepurt ein kriechyscher vnd an großmuetigkeit ein namhaftig vnd beruembt man. hat dem reich Lidoruz den anfang gemacht in dem. xlviij. iar des reichs Ozie die Lidier zeregiren angegebt. vnd (als Eusebius bezeuegt). xxvi. iar geregirt. Nw ist Lidia ein gegent des kleinernn Asie die yetzo eins teils Morea heißt. vnd (als Plinio gefelt) vormals Meonia genant wardt. Aber darnach von Lydo des konigs Athis sun. vnd des Thyri bruder Lydia geheißen ist. dann als sich dieselben zwen bruder von kuertze oder kleinheit wegen desselben reichs bey einander nit betragen mochten do wiche Tirrenus daruon. kome in welsche land vnd an das ort gegen dem vndernn meer gewenndet. das nennet er nach ime Thirrenam. aber Lydus plib anhayms. vnnd nennet dasselb Meoniam nach ime Lidiam. Darinn sind gewesen die stett Ephesus Colophon Clazomene vnd Phocea. doch ist diss reich nit vast namhaftig oder beruembt gewest. sunder darnach von den Persiernn vnder dem koenig Creso (der den Caldeyischen wider die Persier hilff raichet) vmbgekert worden. Diss reich bestuond. ijc. xxx. iar vnder. ix. koenigen. der namen vnd zeit hie vnden bestumbt sind. | Ardisius || j || xxxvi. iar || Candanles || iiij || xvij. iar || Sadiates || vij. || xv. iar. Aliates || ij || xiiij. iar || Gigius || v || xv. iar || Aliates || viij. || xlix. iar. Meles || iij || xij. iar || Ardis || vi || xxxvij. iar || Cresus || ix || xv. iar. Olimpias ist ein zeit vier iar lang dabey die lateinischen vnd kriechyschen ettwen ir zal oder gemerck in beschreibung der historien vnd geschihten gehabt haben. als wir dann yetzo vnser datum bey der zal der iar der gepurt Cristi her nemen. Nw ward die erst Olimpias bey den kriechen in fuenfftzigisten iar des reichs Ozie zu vbung eins kampffspils auffgesetzt. Von der fencknus Troye bis auff die ersten Olimpiadem veschinnen. iiijc. vi. iar. Imm andern iar Aeschyli des richters der Athenienser wardt die erst Olimpias gehalten. in dem kampff derselben Olimpiadis was Chorebus von der statt Elide ein obsyger oder vberwinder. die von derselben statt Elide vbten im fuenften iar sollich kempff vnd spil darinn ierlich fuersten hawbtlewt gesetzt warden. Dieselben Olimpiadem hat Iphitus der sun Praxonidis oder Hemonis erstlich auffgesetzt. Wiewol andere schreiben das Hercules im achten iar Jair des richters israhel solche Olimpiadem bey den kriechen dem Jupiter zu eren auff dem berg Olimpo zu erst eingestiftet vnd gewoellt hab das die vomm fuenften iar in das fuenft iar beschehen solt. von dem dann bis in dise zeit. iiijc. vnd fuenff iar gerechent werden. aber nach dem die kriechen in gewonheit hetten solche spil in dem fuenften iar zehalten so setzten sie auch in solchem spil vnd kampff vier ierlich fuersten. vnnd hieß dise zeit der vier iar olimpiadem. vnd solche spil vnd vbung beschahen allein imm fuenfften iar auff das sie ob sie fuerter verzogen wurden nit zu vergessung koemen. oder ob sie eer als innerhalb vier iar wurden das dann die vile des costens beschweret. daruemb ein olimpias begriffe vier gantze iar. vnnd vnser herr Jhesus cristus hat vnter dem hundersten vnd dreyundnewntzigisten olimpiade woellen geporn werden. Von diser zeit her glaubt man die kriechyschen historien warhaftig sein. dann dauor haben sie (als menicglicher sihet) mancherlay meynung fuerbracht. Blat LV der werlt left right Ozias der sun Amasie des konigs. der. xij. konig Juda ein man vil senftmuetigkeit vnd wirdigkeit thet das guot was vor dem herren. außgenomen das er ime mit gewalt die briesterschafft vnder Azaria dem bischoff zuaygnet. in dem das er dz fewropffer auff dem altar der wolriechlichkeit selbs anzunden wolt. darumb wardt er mit dem außsatz geslagen. vnd beschah ein erdpidem. auß dem der halbteil des bergs zerreyße. vnd die koniglichen garten niderdrucket. doch hat diser Ozias die feynd vmb vnd vmb ernidergelegt vnnd iherusalem gezieret. vnnd die mawren die Joas zerbrach herwidergepawet. vnd wardt von seines außsatzs wegen auß der statt gethan. vnnd nach ime Joathan sein sun eingesetzt. vnd Ozias wardt do er starb in den grebern der konig zu Iherusalem begraben. Sardanapallus was ein zeruedter vnnd vnzuechtiger weibischer man. Diser hat zu erst den geprauch der küssen oder pfulgen gefunden. vnd sich in die versamlung vnuerschamter weiber vermischet. darumb ime schand vnd auch der tod nachfolget vnnd sein reich zertrennet wardt. als hieuor dauon geschriben steet. vnd es entstuonden grawsam zeit schier bis zu der gepurt Christi. in den das menschlich pluot gleich als ein wasser in der gantzen werlt vergossen wardt. PHull der konig der Assirier vnnd sein nachfolger woltten die monarchey widerauff bringen damit haben sie das land nit wenig bekuemert. Thegelatphalazar hat das land Neptalim vnd galileam eingefangen vnnd die. die ihenßhalben des iardans waren in die assirier gewendet. vnd darnalh auff die Achas begerung Damascum belegert. vnd Raasim der konig Damasci erslagen. Achas hat nach seins vaters Joathan tod in Juda geregirt. Diser ist der boeßt vnd auff die abgoetterey ser geflißen gewest. wider den kome in den streyt der konig Phacee vnd ersluog auß Juda an eim tag. c. xxm. streytperer mann zu tod. vnd fueret. cc. tausent kinder. maydlein vnd weiber gefangen. die haben sie aber nach irer erquickung widerheym gesenndet auß rat des propheten. zu des zeiten ist Rom gepawt. Salmanasar hat Samariam belegert vnd israhel in die assirier gewendet. vnd das reich israhel hat sich geendet das. ijc. lxxxij. iar bestanden was. Ezechias der sun Achabs der. xv. konig in iuda wz der bestt vnd fruemst. der das volck zu goettlichem dienst wider anlaytet. Zu des zeitten hat das reich der. x. geslecht israhel abgenomen. vnd ist durch den konig Salmanasar in die Assirier gewendet worden. Sennacherib der konig Assiriorum vberzohe den Ezechiam vnnd sein reich. vnd belegert iherusalem. aber auß gepette vnd demuetigung Ezechie vnd ysaye ersluog der engl des herren in einer nacht von dem heer Sennacherib. c. lxxxvm. mann zu tod. vnd also wardt Ezechias erledigt. Nw ist Ezechias entweder von hoehmuetiger erplasung oder von vndanckperkeit wegen bis zum tod kranck worden. aber durch rew vnd buoßwertigkeit wider zu gesundheit komen. vnd ime des in der widerkerung der suennen durch. x. linien ein zaichen gegeben. Diser zaiget der botschaft des Babilonischen konigs alle schetz. do verkundet ime ysayas dz dieselben ding alle von dem babiloniernn hingenomen wurden. Sennacherib ist (als hieuor steet) schentlich geflohen vnd kome gein Niniue vnd peyniget die iuden vnd Thobiam. Zu letst ward er von seinen suenen erslagen. Manasses der sun Ezechie hat nach im in iuda. lv. iar geregirt. vnd wz ein fast boeser man vnd zu der abgoetterey vnd aberglawben geflißen. vnd toedtet die propheten. vnd suenderlich ysayam hieß er mit einer hueltzin segen voneinander schneiden. der doch gein Babiloniam gefangen gefuert vnd in berewung also fast gedemutigt ward dz er in derselben fencknus gnad vnd vergebung erlangt vnd wider in sein reich gesetzt ward. vnd nach ime hat sein sun Amon geregirt. vnd dem vater in den sunden vnd nit buoßwertigkeit nach gefolgt. vnd wardt von den seinen erslagen Assaradon was des Sennacheribs sun.

Moderne Übersetzung

Das vierte Zeitalter. Ardisius oder Ardis, von Geburt ein Grieche und an Großmut ein namhafter und berühmter Mann, hat dem Reich Lydien den Anfang gemacht, indem er im 48. Jahr des Reiches Ozias begann, die Lyder zu regieren. Und (wie Eusebius bezeugt) regierte er 26 Jahre. Nun ist Lydien eine Gegend des kleineren Asiens, die jetzt teils Morea heißt und (wie Plinius berichtet) vormals Meonien genannt wurde. Aber danach wurde sie von Lydus, dem Sohn des Königs Atys und Bruder des Tyrrhenus, Lydien genannt. Denn als sich dieselben zwei Brüder wegen der Kürze oder Kleinheit desselben Reiches nicht beieinander vertragen konnten, da wich Tyrrhenus davon. Er kam in welsche Länder und an den Ort, der gegen das untere Meer gewendet ist, das er nach ihm Tyrrhenien nannte. Aber Lydus blieb daheim und nannte dasselbe Meonien nach ihm Lydien. Darin sind gewesen die Städte Ephesus, Kolophon, Klazomenai und Phokaia. Doch ist dieses Reich nicht sehr namhaftig oder berühmt gewesen, sondern wurde danach von den Persern unter dem König Krösus (der den Chaldäern gegen die Perser Hilfe reichte) umgekehrt. Dieses Reich bestand 230 Jahre unter neun Königen, deren Namen und Zeit hier unten bestimmt sind: Ardisius 1. 36 Jahre, Kandaules 4. 17 Jahre, Sadyattes 7. 15 Jahre, Alyattes 2. 14 Jahre, Gyges 5. 15 Jahre, Alyattes 8. 49 Jahre, Meles 3. 12 Jahre, Ardis 6. 37 Jahre, Krösus 9. 15 Jahre. Olympias ist eine Zeit von vier Jahren, wobei die Lateiner und Griechen zuweilen ihre Zählung oder ihr Merkmal in der Beschreibung der Historien und Geschichten gehabt haben, als wir dann jetzt unser Datum bei der Zahl der Jahre der Geburt Christi hernehmen. Nun ward die erste Olympiade bei den Griechen im fünfzigsten Jahr des Reiches Ozias zur Übung eines Kampfspiels aufgesetzt. Von der Gefangenschaft Trojas bis auf die erste Olympiade vergingen 406 Jahre. Im zweiten Jahr Aischylos', des Richters der Athener, ward die erste Olympiade gehalten. In dem Kampf derselben Olympiade war Chorebus von der Stadt Elis ein Sieger oder Überwinder. Die von derselben Stadt Elis übten im fünften Jahr solche Kämpfe und Spiele, darin jährlich Fürsten und Hauptleute eingesetzt wurden. Dieselbe Olympiade hat Iphitos, der Sohn des Praxonides oder Haimon, erstlich aufgesetzt. Wiewohl andere schreiben, dass Herkules im achten Jahr Jair, des Richters Israels, solche Olympiade bei den Griechen dem Jupiter zu Ehren auf dem Berg Olymp zuerst gestiftet und gewollt habe, dass sie vom fünften Jahr in das fünfte Jahr geschehen sollte, von dem dann bis in diese Zeit 405 Jahre gerechnet werden. Aber nachdem die Griechen in Gewohnheit hatten, solche Spiele in dem fünften Jahr zu halten, so setzten sie auch in solchem Spiel und Kampf vier jährliche Fürsten. Und hieß diese Zeit der vier Jahre Olympiade. Und solche Spiele und Übungen geschahen allein im fünften Jahr, auf dass sie, ob sie ferner verzogen wurden, nicht in Vergessenheit kämen, oder ob sie eher als innerhalb vier Jahre wurden, dass dann die Fülle des Kostens beschwerte. Darum eine Olympiade begriff vier ganze Jahre. Und unser Herr Jesus Christus hat unter der 193. Olympiade wollen geboren werden. Von dieser Zeit her glaubt man, die griechischen Historien wahrhaftig seien, denn davor haben sie (wie ein jeder sieht) mancherlei Meinungen vorgebracht. Blatt LV der Welt. Ozias, der Sohn des Amasias, der zwölfte König Judas, ein Mann von viel Sanftmut und Würdigkeit, tat das Gute vor dem Herrn, ausgenommen, dass er sich mit Gewalt die Priesterschaft unter Azaria, dem Bischof, aneignete, indem er das Feueropfer auf dem Altar der Wohlrieche selbst anzünden wollte. Darum ward er mit dem Aussatz geschlagen, und es geschah ein Erdbeben, aus dem der halbe Teil des Berges zerriss und die königlichen Gärten niedergedrückt wurden. Doch hat dieser Ozias die Feinde ringsum erniedrigt und Jerusalem geziert und die Mauern, die Joas zerbrach, wieder aufgebaut. Und ward von seines Aussatzes wegen aus der Stadt getan, und nach ihm Joathan, sein Sohn, eingesetzt. Und Ozias ward, als er starb, in den Gräbern der Könige zu Jerusalem begraben. Sardanapal war ein zerrütteter und unzüchtiger, weibischer Mann. Dieser hat zuerst den Gebrauch der Kissen oder Polster gefunden und sich in die Versammlung unverschämter Weiber gemischt, darum ihm Schande und auch der Tod nachfolgte und sein Reich zertrennt ward, als hievor davon geschrieben steht. Und es entstanden grausame Zeiten schier bis zu der Geburt Christi, in denen das menschliche Blut gleich als ein Wasser in der ganzen Welt vergossen ward. Pul, der König der Assyrer, und seine Nachfolger wollten die Monarchie wieder aufbringen, damit haben sie das Land nicht wenig bekümmert. Tiglat-Pileser hat das Land Naftali und Galiläa eingenommen und die, die jenseits des Jordans waren, in die Assyrer gewendet. Und darnach auf Achas' Begehren Damaskus belagert und Rezin, den König von Damaskus, erschlagen. Achas hat nach seines Vaters Joathan Tod in Juda regiert. Dieser ist der böseste und auf die Abgötterei sehr beflissen gewesen. Wider den kam in den Streit der König Pekach und erschlug aus Juda an einem Tag 120.000 streitbare Männer zu Tod und führte 200.000 Kinder, Mägdelein und Weiber gefangen. Die haben sie aber nach ihrer Erquickung wieder heim gesendet aus Rat des Propheten. Zu dessen Zeiten ist Rom gebaut. Salmanassar hat Samaria belagert und Israel in die Assyrer gewendet. Und das Reich Israel hat sich geendet, das 282 Jahre bestanden war. Hiskia, der Sohn des Achas, der 15. König in Juda, war der beste und frömmste, der das Volk zu göttlichem Dienst wieder anleitete. Zu dessen Zeiten hat das Reich der zehn Geschlechter Israels abgenommen und ist durch den König Salmanassar in die Assyrer gewendet worden. Sanherib, der König der Assyrer, überzog den Hiskia und sein Reich und belagerte Jerusalem. Aber aus Gebet und Demütigung Hiskias und Jesajas erschlug der Engel des Herrn in einer Nacht von dem Heer Sanheribs 185.000 Mann zu Tod. Und also ward Hiskia erledigt. Nun ist Hiskia entweder von hochmütiger Erblassung oder von Undankbarkeit wegen bis zum Tod krank geworden, aber durch Reue und Bußfertigkeit wieder zu Gesundheit gekommen. Und ihm ist des in der Wiederkehr der Sonne durch zehn Linien ein Zeichen gegeben. Dieser zeigte der Botschaft des babylonischen Königs alle Schätze. Da verkündet ihm Jesaja, dass dieselben Dinge alle von den Babyloniern hinweggenommen würden. Sanherib ist (als hievor steht) schändlich geflohen und kam gen Ninive und peinigte die Juden und Tobit. Zuletzt ward er von seinen Söhnen erschlagen. Manasse, der Sohn Hiskias, hat nach ihm in Juda 55 Jahre regiert und war ein sehr böser Mann und zur Abgötterei und Aberglauben beflissen und tötete die Propheten, und sonderlich Jesaja hieß er mit einer hölzernen Säge voneinander schneiden. Der doch gen Babylonien gefangen geführt und in Bereuung also fast gedemütigt ward, dass er in derselben Gefangenschaft Gnade und Vergebung erlangte und

Anmerkungen

Das vierd alter
Das vierte Zeitalter (der Weltgeschichte nach der Chronik)
Ardisius oder Ardis
Ardys II., König von Lydien (ca. 687–631 v. Chr.)
kriechyscher
griechischer
großmuetigkeit
Großmut
namhaftig
namhaft, berühmt
Lidoruz
Lydiens (Genitiv von Lydien)
xlviij.
römisch für 48
Ozie
Ozias, auch Usija, König von Juda (ca. 791–740 v. Chr.)
Lidier zeregiren angegebt
begann, die Lyder zu regieren
Eusebius
Eusebius von Caesarea, Kirchenhistoriker (ca. 260–339 n. Chr.)
xxvi.
römisch für 26
Lidia
Lydien, antike Landschaft in Kleinasien
kleinernn Asie
Kleinasien
yetzo eins teils Morea heißt
heute teils Morea (Peloponnes) heißt. Hier eine geografische Ungenauigkeit, da Lydien in Kleinasien liegt, Morea aber auf dem griechischen Festland.
Plinio
Plinius der Ältere, römischer Gelehrter (23–79 n. Chr.)
gefelt
berichtet, gefällt
Meonia
Meonien, alter Name für Lydien
Lydo des konigs Athis sun
Lydus, der Sohn des Königs Atys
Thyri bruder
Bruder des Tyrrhenus
kuertze oder kleinheit wegen desselben reichs
wegen der Kleinheit oder Begrenztheit desselben Reiches
bey einander nit betragen mochten
sich nicht beieinander vertragen konnten
wiche Tirrenus daruon
wich Tyrrhenus davon, zog weg
welsche land
romanische Länder, hier wohl Italien
vndernn meer
unteres Meer, hier das Tyrrhenische Meer
Thirrenam
Tyrrhenien
anhayms
daheim, zu Hause
Ephesus Colophon Clazomene vnd Phocea
Ephesus, Kolophon, Klazomenai und Phokaia, antike Städte in Lydien/Ionien
vast
sehr
Persiernn
Perser
koenig Creso
König Krösus, letzter König Lydiens (ca. 595–547 v. Chr.)
Caldeyischen
Chaldäer, hier wohl die Babylonier
hilff raichet
Hilfe reichte, Hilfe leistete
umbgekert worden
gestürzt, unterworfen worden
bestuond
bestand
ijc. xxx.
römisch für 230
ix.
römisch für 9
bestumbt
bestimmt
j || xxxvi. iar
1. 36 Jahre
iiij || xvij. iar
4. 17 Jahre
vij. || xv. iar.
7. 15 Jahre
ij || xiiij. iar
2. 14 Jahre
v || xv. iar
5. 15 Jahre
viij. || xlix. iar.
8. 49 Jahre
iij || xij. iar
3. 12 Jahre
vi || xxxvij. iar
6. 37 Jahre
ix || xv. iar.
9. 15 Jahre
Olimpias
Olympiade, ein Zeitraum von vier Jahren
ettwen ir zal oder gemerck
zuweilen ihre Zählung oder ihr Merkmal
datum bey der zal der iar der gepurt Cristi her nemen
unser Datum nach der Jahreszahl der Geburt Christi nehmen
fuenfftzigisten iar des reichs Ozie
fünfzigsten Jahr des Reiches Ozias
zu vbung eins kampffspils auffgesetzt
zur Ausübung eines Kampfspiels (Olympische Spiele) aufgesetzt, eingeführt
fencknus Troye
Gefangenschaft Trojas, hier wohl die Eroberung Trojas
auff die ersten Olimpiadem veschinnen
bis zur ersten Olympiade vergingen
iiijc. vi.
römisch für 406
Aeschyli des richters der Athenienser
Aischylos, Richter der Athener. Hier ist eine Verwechslung oder ungenaue Angabe. Aischylos war ein Tragödiendichter, kein Richter im Sinne eines Archonten. Die erste Olympiade wurde 776 v. Chr. datiert.
Chorebus von der statt Elide
Koroibos von Elis, der erste namentlich bekannte Olympiasieger
obsyger oder vberwinder
Sieger oder Überwinder
vbten im fuenften iar sollich kempff vnd spil
übten im fünften Jahr solche Kämpfe und Spiele. Gemeint ist 'alle vier Jahre', also im fünften Jahr nach der letzten Austragung.
ierlich fuersten hawbtlewt gesetzt warden
jährlich Fürsten und Hauptleute eingesetzt wurden. Hier widersprüchlich zur Olympiade als Vierjahreszeitraum.
Iphitus der sun Praxonidis oder Hemonis
Iphitos, der Sohn des Praxonides oder Haimon, wird als Wiederbegründer der Olympischen Spiele genannt.
Hercules im achten iar Jair des richters israhel
Herkules im achten Jahr Jair, des Richters Israels. Jair war ein Richter Israels, aber die Verbindung zu Herkules und den Olympischen Spielen ist mythologisch und chronologisch problematisch.
Jupiter zu eren auff dem berg Olimpo
Jupiter zu Ehren auf dem Berg Olymp. Die Spiele waren dem Zeus geweiht, der Olymp ist der Göttersitz, die Spiele fanden in Olympia statt.
eingestiftet vnd gewoellt hab das die vomm fuenften iar in das fuenft iar beschehen solt
eingestiftet und gewollt habe, dass sie vom fünften Jahr in das fünfte Jahr geschehen sollte (also alle vier Jahre)
iiijc. vnd fuenff iar
römisch für 405
vier ierlich fuersten
vier jährliche Fürsten. Hier ist wohl gemeint, dass die Spiele von vier 'Fürsten' oder Verantwortlichen geleitet wurden, nicht dass sie jährlich stattfanden.
ob sie fuerter verzogen wurden nit zu vergessung koemen
damit sie, wenn sie weiter hinausgezögert würden, nicht in Vergessenheit gerieten
ob sie eer als innerhalb vier iar wurden das dann die vile des costens beschweret
oder wenn sie früher als innerhalb von vier Jahren stattfänden, dass dann die Fülle der Kosten beschwerte (zu viele Kosten verursachte)
begriffe
umfasste
hundersten vnd dreyundnewntzigisten olimpiade
193. Olympiade. Die Geburt Christi wird traditionell in das Jahr 1 v. Chr. oder 0 datiert, was in der 194. Olympiade (beginnend 3 v. Chr.) oder 195. Olympiade (beginnend 1 v. Chr.) liegen würde. Die 193. Olympiade begann 8 v. Chr.
menicglicher sihet
ein jeder sieht
mancherlay meynung fuerbracht
mancherlei Meinungen vorgebracht
Blat LV der werlt
Blatt 55 der Welt (gemeint ist die Schedelsche Weltchronik)
Ozias der sun Amasie des konigs
Ozias, der Sohn des Amasias, König von Juda
xij. konig Juda
zwölfter König Judas
senftmuetigkeit vnd wirdigkeit
Sanftmut und Würdigkeit
briesterschafft vnder Azaria dem bischoff zuaygnet
Priesterschaft unter Azaria, dem Bischof, aneignete
fewropffer auff dem altar der wolriechlichkeit
Feueropfer auf dem Altar des Wohlgeruchs (Räucheraltar)
aussatz geslagen
mit Aussatz geschlagen
erdpidem
Erdbeben
halbteil des bergs zerreyße
halbe Teil des Berges zerriss. Dies bezieht sich auf ein Erdbeben, das in der Zeit des Ozias stattfand (Amos 1,1; Sacharja 14,5).
koniglichen garten niderdrucket
königlichen Gärten niedergedrückt
umb vnd umb ernidergelegt
ringsherum erniedrigt, besiegt
iherusalem gezieret
Jerusalem geziert, verschönert
mawren die Joas zerbrach herwidergepawet
Mauern, die Joas zerbrach, wieder aufgebaut
aus der statt gethan
aus der Stadt getan, verbannt
Joathan sein sun
Joathan (Jotam), sein Sohn
grebern der konig zu Iherusalem
Gräbern der Könige zu Jerusalem
Sardanapallus
Sardanapal, legendärer letzter König von Assyrien, bekannt für seinen ausschweifenden Lebensstil
zeruedter vnnd vnzuechtiger weibischer man
zerrütteter und unzüchtiger, weibischer Mann
geprauch der küssen oder pfulgen gefunden
Gebrauch der Kissen oder Polster gefunden (hier wohl im Sinne von Luxus und Weichlichkeit)
versamlung vnuerschamter weiber vermischet
Versammlung unverschämter Weiber gemischt
hieuor dauon geschriben steet
hievor (zuvor) davon geschrieben steht
grawsam zeit schier bis zu der gepurt Christi
grausame Zeiten fast bis zur Geburt Christi
menschlich pluot gleich als ein wasser in der gantzen werlt vergossen wardt
menschliches Blut gleich wie Wasser in der ganzen Welt vergossen ward
PHull der konig der Assirier
Pul, auch Tiglat-Pileser III., König von Assyrien (reg. 745–727 v. Chr.)
monarchey widerauff bringen
Monarchie wieder aufbringen, wiederherstellen
land nit wenig bekuemert
Land nicht wenig bekümmert, bedrängt
Thegelatphalazar
Tiglat-Pileser III., König von Assyrien
Neptalim vnd galileam eingefangen
Naftali und Galiläa eingenommen
die ihenßhalben des iardans waren in die assirier gewendet
die jenseits des Jordans waren, in die Assyrer gewendet (deportiert)
Achas begerung
Achas' Begehren (auf Achas' Bitte hin)
Damascum belegert
Damaskus belagert
Raasim der konig Damasci erslagen
Rezin, der König von Damaskus, erschlagen
Achas
Achas, König von Juda (reg. 736–716 v. Chr.)
boeßt vnd auff die abgoetterey ser geflißen gewest
böseste und auf die Abgötterei sehr beflissen gewesen
Phacee
Pekach, König von Israel (reg. 737–732 v. Chr.)
c. xxm.
römisch für 120.000
streytperer mann
streitbarer Mann, Krieger
cc. tausent kinder. maydlein vnd weiber
200.000 Kinder, Mägdelein (Mädchen) und Weiber (Frauen)
nach irer erquickung widerheym gesenndet auß rat des propheten
nach ihrer Erquickung (Stärkung) wieder heim gesendet auf Rat des Propheten (Oded, 2. Chronik 28,9-15)
Rom gepawt
Rom gebaut (traditionell 753 v. Chr.)
Salmanasar
Salmanassar V., König von Assyrien (reg. 727–722 v. Chr.)
Samariam belegert
Samaria belagert
israhel in die assirier gewendet
Israel in die Assyrer gewendet (deportiert)
ijc. lxxxij.
römisch für 282
Ezechias der sun Achabs
Hiskia (Hezekiah), der Sohn des Achas (nicht Achab), 15. König in Juda (reg. 716–687 v. Chr.)
xv. konig in iuda
15. König in Juda
bestt vnd fruemst
beste und frömmste
volck zu goettlichem dienst wider anlaytet
Volk zu göttlichem Dienst wieder anleitete
reich der. x. geslecht israhel abgenomen
Reich der zehn Geschlechter Israels (Nordreich) abgenommen, beendet
Sennacherib der konig Assiriorum
Sanherib, der König der Assyrer (reg. 705–681 v. Chr.)
vberzohe den Ezechiam vnnd sein reich
überzog den Hiskia und sein Reich, griff an
gepette vnd demuetigung Ezechie vnd ysaye
Gebet und Demütigung Hiskias und Jesajas
engl des herren
Engel des Herrn
c. lxxxvm.
römisch für 185.000
erledigt
befreit
hoehmuetiger erplasung oder von vndanckperkeit wegen
hochmütiger Erblassung (Stolz) oder von Undankbarkeit wegen
rew vnd buoßwertigkeit
Reue und Bußfertigkeit
in der widerkerung der suennen durch. x. linien ein zaichen gegeben
in der Wiederkehr der Sonne durch zehn Linien ein Zeichen gegeben (Rückgang des Schattens auf der Sonnenuhr des Ahas, 2. Könige 20,8-11)
botschaft des Babilonischen konigs
Botschaft des babylonischen Königs (Merodach-Baladan, 2. Könige 20,12-19)
ysayas
Jesaja, Prophet
schentlich geflohen
schändlich geflohen
gein Niniue
gen Ninive, nach Ninive
peyniget die iuden vnd Thobiam
peinigte die Juden und Tobit (Tobias, aus dem Buch Tobit)
von seinen suenen erslagen
von seinen Söhnen erschlagen (Adrammelech und Sarezer, 2. Könige 19,37)
Manasses der sun Ezechie
Manasse, der Sohn Hiskias (reg. 687–642 v. Chr.)
lv. iar
römisch für 55
aberglawben geflißen
Aberglauben beflissen, ergeben
suenderlich ysayam hieß er mit einer hueltzin segen voneinander schneiden
sonderlich Jesaja hieß er mit einer hölzernen Säge voneinander schneiden (eine Legende über den Tod Jesajas)
gein Babiloniam gefangen gefuert
gen Babylonien gefangen geführt
in berewung also fast gedemutigt ward
in Reue so sehr gedemütigt ward