Schedelsche Weltchronik · Blatt 57 · Rom

Viertes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 57, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 57, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das vierd alter left Numa pompilius der ander roemisch koenig hat imm. xxvij. iar des reichs Ezechie nach Romulum zeregirn angehebt. vnd. xli. iar geregirt. Diser wardt von seiner geistlichkeit wegen auß dem Sabinischen volck zu koenig erwelet vnnd hat vil geistlicher vbung vnd alle ereerbietung der vntoedlichen goetter geleret. auch die bischoff. warsager vnd andere durch briesterschafft. vnd das iar in. xij. monat. vnd die feyertag vnd wercktag geordnet vnd beschriben. vnd dise ding alle in schein eyner vermanung der goettin Egerie. das das grob gepoeffel solchs destgerner annemen solte gehandelt. vnd damit auch das wild volck zu gehorsam gebracht. vnnd also das reich das er mit gewalt vnd vnrecht bekummert het in geistlichkeit vnd gerechtigkeit geregiret. vnd starb darnach. lxxx. iarig an eim leichten seuchen. Tullus hostilius der drit roemisch koenig hat imm. xxxix. iar des reichs Manasse von den roemernn erwelt. xxxi. iar geregirt. Disem wardt das reich zu eren seiner tugent williglich gegeben. vnd wiewol er auß grober pewrischer art seinen vrsprung het. vnnd darnach in der iugent des vihs warttet so name er doch zu letst also zu das er das roemisch volck regiret. vnnd er hat zu erst vnder den roemischen koenigen sich des purpurklaids vnd zierlicher klainat der wirdigkeit zegeprauchen angefangen. vnd die stat Rom mit einfahung des Celionischen berg erweytert. vnd nach langgen frid wider die Albanier gekriegt. die vberwunden. gein Rom gesenndt. vnnd ir stat außgenomen die tempel vmbgekert. vnd als nw in großer glori des kriegs gereichßnet het do ward er zu letst mit allen seinen haws durch einen plitzenslag verprennt. Anchus marcius des koenigs Nume auß seiner tochter enicklein der vierd roemisch koenig hat imm vierden iar des reichs Josie das roemisch konigreich empfangen vnd. xxv. iar geregirt. vnd ist vnder seinen vorfareden konigen an kuensten vnd ruom des frids vnd des kriegs nit der mynst gewest. Er vmbfienge die zynnen mit einer mawr vnd gab der stat den Auentinischen vnd den Janiculischen berg zu. vnnd warff erstlich ein brugk an die Tyber. vnd pawet die statt Hostiam. xvi. meyl von rom auff dem meer. Zu letst wardt er mit eim seuechen begriffen vnnd starb. Tarquinius priscus der. v. romisch koenig wardt imm. xxvij. iar des reichs Josie erwelt vnd regiret. xxxvij. iar. vnnd wiewol er auß Corintho der statt des kriechyschen lannds puertig was so wardt er doch von seiner tapferheit vnd fuertreffenlichkeit wegen zu roemischen koenig auffgenomen. Er richtet die kriechyschen sinnreichigkeit mit welschen kuensten auff vnd erweyttert die zal der ratherrlichen wirdigkeit vnd meret die mit dreyen hundertern. Er was zum frid nit beraytter dann zum krieg. wann er hat zwolff voelcker des Tuscianischen lands mit stettigen waffen ernidergelegt vnd dauon auff eim guldein wagen mit vier pferden triumphirt. vnd ist zu lertst nach vil gestrennglich begangnen taten von den suenen Anchi ertoedtet worden Zu disen zeiten hetten die koenig noch lantzen fuer ein dyadem. die hießen kriechyschen scepter. dann von anbeginn ereten die alten die lantzen fuer vntoedlich goetter. von desselben wegen steckt man nochmals lantzen zu den abgoet pildernn. left Sibilla erithrea die beruembst ob in allen auß Babilonia geporn lebet zu disen zeitten. vnnd was mit muenchs klaidern beklaidt. het einen swartzen schlaier auff truog ein ploß swert in irer hand. wz nit fast alt eins mittelmassigclich betruebten antlitzs. het vnder iren fueeßen einen guldein zirckel gezieret mit sternen zu gleichnus des himels. Die spricht also. In dem letsten alter wirdt got gedemuettigt. der goetlich samen vermenscht. die gotheit der menscheit gehorsam. das lamb imm hew ligen. vnnd mit iunckfrawlicher wartt erneret werden. Phaleris der Agrigentinisch wuettrich vnnd redner hat zu diser zeit geplueet. Zu dem kom von Athenis gein Agrigent einer der ime gar gehaym vnd ein sinnreicher kunstman was. do nw derselb kunstman diss wuettrichs grausamkeit erkennet. do schmidet er ime zugefallen auß ertze einen kunstwercklichen ochßen. vnd machet an der seytten ein thuer hineyn das die vbeltater darinn besloßen von dem fewr darunder gelegt gepeynigt werden solten. also das des menschen stymm darauß als eins ochßen pueln lawtet. vnd als er nw von dem wuetrich belonung solchs wercks begeret da wardt er auß befelhnus desselben wuettrichs selbs in den ochßen gesloßen. vnd der allererst zu bewerung seiner erfundnen kunst gepraucht. Wann Ouidius spricht. Kein gleicher gesetz mag ymmer sein dann so der stirbt mit solcher pein die er mit seiner kunst vnd rat eim anderen zu beraytet hat. inmaßen dann Phaleris den Atheniernn die sich von ime irs kunstmans beclagten solchs zu antwurt gab. Blat LVII der werlt | Rom die statt in der gantzen werltt beruembt ein herrin aller ding in welschen landen bey dem fluss Tyberis gelegen von romulo iren erpawer also genant ist (als man sagt) imm. xi. iar ezechie des konigs iuda. vnd imm andern iar der achten olimpiadischen zal von demselben Romulo gepawt worden. vnd wiwol mancherlay schrift von der weyte diser statt sagen. so schreibet doch vnder andern Flauius vopiscus dz Aurelius der kaiser den vmbkrais diser statt. auff. xxxm. schryt erweitert hab. wiewol sich die messung der alten mit der art die wir darinn halten nit vergleichet. Die Tyber fleuesset von mitternacht in die stat vnd rinnet auff der mittaglichen seyten gegen der stat hostiam widerhinauß. also das sie die zwen perg Vaticanum vnd Janiculum ihenßhalb auff der rechten seyten findet. Aber auff der lingken seyten begreyft die statt imm krais siben berg oder puehel. Plinius schreibt dz die stat. xxx. pforten offen vnnd siben besloßen gehabt hab. Aber nach dem sich die statt von weyln zu weyln gemeret hat deßhalb die pforten die innerhalb dem letsten vmbkrais der mawrnn bliben sind ir gestalt verlorn haben. vnd so dann auch dise stat darnach zerstoert worden ist so wollen wir sie alle zeerforschen vermeyden. die erst pfort heißt Flumentana. die ander Pinciana. die drit Solaria. die vierd Viminalis yetzo sand Agnesen oder numentana genant. die fuenft Exquilina yetzo sand Laurentzen. die sechst Nenia. die sibent Asmaria. ytzo sand Johansen. vnd von den alten Celimontana gehaissen. die acht die man yetzo in eim winckl besloßen siht heißt die pfort Metrodori. die die alten Gabiusam nennten. darnach die Lateinisch pfort. Item eine Apia weylund Capena genant: die letst in der Typer ettwen Hostiensis vnd sand Paulßen gehaißen dann sie fueret zu seiner kirchen vnnd gein Hostiam. Item noch eine ist in der Tyber genant Carmentalis. zum letsten Triumphalis die Sygpforten. vnd vnder den andern die allerberuembtst vnd noch bey vnsern zeiten ist durch die die Triumpff vnd sygspil geuebt warden. Da mag man sehen das groß gepew amm ewßern gestadt der Tyber. vnd auch ein prucken daselbsthin bis zu dem spital des hailigen gaists belaytende. auch den weg den man das syghaft ertreich nennt. dasselb ertreich vnd wz daran hangt heißt man Vaticanum von dem berg also genant. der an sand Peters kirchen ligt. vnd vor allen dingenn emßigclicher besucht vnnd heiliger geachtet wirdt von wegen sand Peters heitums vnd seyner hohen kirchen vnd des babsts pallast. den babst Nicolaus der ander gestift vnd einen großen lustgarten mit mawrn vmbfangen hat. Janiculus ist ein rifier ihenßhalben der Tyber gelegen babst leo der vierdt hat erstlich den Vaticanum mit einer mawr befestigt vnd nach ime Leoninam genant. Zu rom sind syben berg. nemlich capitolinus. Auentinus. Palatinus. Celius. Exquilinus. Viminalis. vnnd |  | Quirinalis dauon ettwen rom die sibenbergig statt hieß. Capitolinus ist souil gesprochen als ein hawbtberg. dann do man vor zeiten darauff den grund zu dem tempel Jouis grube wardt ein menschenhawbt daselbst gefunden. er hieß auch davor Tarpeius von Tarpeya der vestalischen iunckfrawen. Auff disem berg was der beruembt tempel des großen abgots Jouis. die zierde diß gantzen bergs waren also koestlich dz sie alle wunderwerck der egyptier uebertraffen. vnd die guldine Capitolia vnd behawsung der goetter genant warden. dabey waren zwen marck der ochßen vnnd visch. vnd wiewol diser berg ettwen ein merckliche anzal der kirchlein vnd tempel gehabt hat. so ist doch yetzo kein kirch dann allein die sand Franciscem brueder Ara celi genant an demselben berg. Der Auentinisch berg ist also genant von den menschen daselbst hin komende oder von Auentino albano dem konig alda begraben. Auff demselben berg waren vil altar vnd tempel den goetternn vnd goettin aufgerichtet. auch ein lorberwaldt vnd freyung hewser. yetzo hat derselb berg die cloester sand Sabine vnd sand Bonifaciem. der uebrig teil des bergs ist entweders mit nidergefallem gepew oder mit weyngarten bedeckt. außgenomen sand Alexius closter das gar fast alt scheinet. Der Palatinisch berg hat seinen namen von den Palatiniernn die mit Euandro dem koenig auß Archadia gein Rom komen empfangen. vnd Rom den anfang irer erpawung (als Cornelius Tacitus sagt) auff demselben berg genomen So haben darauff die koenig. darnach die ratherren vnnd nachfolgend die keyser zu meermalnn iren stuel vnd wonung gehabt. Daselbst was der tempel des sygs. dahin (als Plinius schreibt) die groß muter der goetter auß kriechyschem land gefuert wardt. Daselbst was auch der tempel Febris. vnd der tempel keyser Augusti. der darnach auß prunst vergieng. Der keyser Cayus callicula fueeget durch ein prugk ueber disen tempel das pallacium vnd Capitolium zesamen. Keyser Augustus hat an demselben ort den tempel Appollinis erhebt. vnd dobey ein vorgepew mit lateinischer vnd kriechyscher librarey aufgerichtet. an demselben ende hielten die alten oft ir rate. dasselb gepew was mit wunderperlichen arbeiten gezieret. vnd mancherlay gepews von vil lewten erzaigt. vnd wiewol diser hohberuembt berg weylund mit großmechtigen gepewen erhebt vnd koestlich geziert gewesen ist. als dann des anzeigung geben die mercklichen an dem ort nider gefallen gepew. so hat doch yetzo derselb berg kein ander gepew dann sand Niclasen kierchen von Calixto dem babst erpawen. vnd dannoch an irem gebew kawm gantz wesende. Nw was an dem ort des pallacy gegen mitternacht auff des kaysers constantini sygpogen sehende die statt des pilds der goettin Minerue. da dann merckliche verfalne gepew vorhanden sind. die zwifaltig marmorstainin pforten

Moderne Übersetzung

Das vierte Zeitalter. Numa Pompilius, der zweite römische König, hat im 27. Jahr des Reiches Ezechias nach Romulus zu regieren begonnen und 41 Jahre regiert. Dieser wurde wegen seiner Frömmigkeit aus dem sabinischen Volk zum König erwählt und lehrte viele geistliche Übungen und alle Ehrerbietung der unsterblichen Götter. Auch die Bischöfe, Wahrsager und andere durch Priesterschaft, und das Jahr in zwölf Monate, und die Feiertage und Werktage ordnete und beschrieb er. Und all diese Dinge handelte er unter dem Anschein einer Ermahnung der Göttin Egeria, damit das grobe Pöbelvolk solches desto lieber annehmen sollte. Und damit auch das wilde Volk zu Gehorsam gebracht. Und so regierte er das Reich, das er mit Gewalt und Unrecht übernommen hatte, in Frömmigkeit und Gerechtigkeit. Und starb danach achtzigjährig an einer leichten Seuche. Tullus Hostilius, der dritte römische König, im 39. Jahr des Reiches Manasse von den Römern erwählt, regierte 31 Jahre. Diesem wurde das Reich zu Ehren seiner Tugend willentlich gegeben. Und wiewohl er aus grober bäuerlicher Art seinen Ursprung hatte und danach in der Jugend das Vieh hütete, so nahm er doch zuletzt so zu, dass er das römische Volk regierte. Und er hat zuerst unter den römischen Königen angefangen, sich des Purpurkleides und zierlicher Kleinode der Würdigkeit zu gebrauchen. Und die Stadt Rom mit Einbeziehung des Celionischen Berges erweitert. Und nach langem Frieden gegen die Albaner gekriegt, diese überwunden, nach Rom gesandt und ihre Stadt, ausgenommen die Tempel, dem Erdboden gleichgemacht. Und als er nun in großer Kriegsglory ausgezeichnet hatte, da wurde er zuletzt mit seinem ganzen Haus durch einen Blitzschlag verbrannt. Ancus Marcius, des Königs Numa Enkelkind von seiner Tochter, der vierte römische König, hat im vierten Jahr des Reiches Josias das römische Königreich empfangen und 25 Jahre regiert. Und ist unter seinen Vorfahren-Königen an Künsten und Ruhm des Friedens und des Krieges nicht der geringste gewesen. Er umfing die Zinnen mit einer Mauer und gab der Stadt den Aventinischen und den Janiculischen Berg hinzu. Und warf erstlich eine Brücke an die Tiber. Und baute die Stadt Ostia, 16 Meilen von Rom entfernt, am Meer. Zuletzt wurde er von einer Seuche ergriffen und starb. Tarquinius Priscus, der fünfte römische König, wurde im 27. Jahr des Reiches Josias erwählt und regierte 37 Jahre. Und wiewohl er aus Korinth, der Stadt des griechischen Landes, gebürtig war, so wurde er doch wegen seiner Tapferkeit und Vortrefflichkeit zum römischen König aufgenommen. Er richtete die griechische Sinnreichigkeit mit welscher Kunst auf und erweiterte die Zahl der ratsherrlichen Würdigkeit und mehrte diese um dreihundert. Er war zum Frieden nicht bereiter als zum Krieg, denn er hat zwölf Völker des toskanischen Landes mit stetigen Waffen niedergeworfen und davon auf einem goldenen Wagen mit vier Pferden triumphiert. Und ist zuletzt nach vielen streng begangenen Taten von den Söhnen des Ancus getötet worden. Zu diesen Zeiten hatten die Könige noch Lanzen für ein Diadem, die hießen griechische Zepter. Denn von Anbeginn ehrten die Alten die Lanzen für unsterbliche Götter. Aus demselben Grund steckt man nochmals Lanzen zu den Abgötterbildern. Sibylla Erythraea, die berühmteste unter allen, aus Babylonien geboren, lebte zu diesen Zeiten. Und war mit Mönchskleidern bekleidet, hatte einen schwarzen Schleier auf, trug ein bloßes Schwert in ihrer Hand, war nicht sehr alt, von einem mittelmäßig betrübten Antlitz. Hatte unter ihren Füßen einen goldenen Zirkel, geziert mit Sternen, zum Gleichnis des Himmels. Die spricht also: „In dem letzten Zeitalter wird Gott gedemütigt, der göttliche Same vermenschlicht, die Gottheit der Menschheit gehorsam, das Lamm im Heu liegen und mit jungfräulicher Wart ernährt werden.“ Phalaris, der agrigentinische Wüterich und Redner, hat zu dieser Zeit geblüht. Zu dem kam von Athen nach Agrigent einer, der ihm sehr vertraut und ein sinnreicher Kunstmann war. Als nun derselbe Kunstmann dieses Wüterichs Grausamkeit erkannte, da schmiedete er ihm zu Gefallen aus Erz einen kunstwerklichen Ochsen. Und machte an der Seite eine Tür hinein, damit die Übeltäter darin eingeschlossen von dem darunter gelegten Feuer gepeinigt werden sollten, sodass die menschliche Stimme daraus wie das Brüllen eines Ochsen lautete. Und als er nun von dem Wüterich Belohnung für solches Werk begehrte, da wurde er auf Befehl desselben Wüterichs selbst in den Ochsen eingeschlossen und als allererster zur Bewährung seiner erfundenen Kunst gebraucht. Denn Ovid spricht: „Kein gleiches Gesetz mag immer sein, als wenn der mit solcher Pein stirbt, die er mit seiner Kunst und Rat einem anderen bereitet hat.“ Insofern dann Phalaris den Athenern, die sich von ihm ihres Kunstmannes beklagten, solches zur Antwort gab. Blatt 57 der Welt. Rom, die in der ganzen Welt berühmte Stadt, eine Herrin aller Dinge, in welschem Lande beim Fluss Tiberis gelegen, von Romulus, ihrem Erbauer, so genannt, ist (wie man sagt) im 11. Jahr Ezechias, des Königs von Juda, und im zweiten Jahr der achten Olympiade von demselben Romulus gebaut worden. Und wiewohl mancherlei Schriften von der Weite dieser Stadt sagen, so schreibt doch unter anderen Flavius Vopiscus, dass Kaiser Aurelian den Umkreis dieser Stadt auf 30.000 Schritte erweitert habe, wiewohl sich die Messung der Alten mit der Art, die wir darin halten, nicht vergleicht. Die Tiber fließt von Norden in die Stadt und rinnt auf der südlichen Seite gegen die Stadt Ostia wieder hinaus. So dass sie die zwei Berge Vatikan und Janiculum jenseits auf der rechten Seite findet. Aber auf der linken Seite begreift die Stadt im Kreis sieben Berge oder Bühel. Plinius schreibt, dass die Stadt 30 offene und sieben geschlossene Pforten gehabt habe. Aber nachdem sich die Stadt von Zeit zu Zeit ausgedehnt hat, deshalb die Pforten, die innerhalb des letzten Umkreises der Mauern geblieben sind, ihre Gestalt verloren haben. Und da dann auch diese Stadt danach zerstört worden ist, so wollen wir es vermeiden, sie alle zu erforschen. Die erste Pforte heißt Flumentana, die zweite Pinciana, die dritte Salaria, die vierte Viminalis, jetzt Sankt Agnesen oder Nomentana genannt. Die fünfte Esquilinische, jetzt Sankt Laurenzen, die sechste Naenia, die siebte Asinaria, jetzt Sankt Johannsen und von den Alten Caelimontana geheißen. Die achte, die man jetzt in einem Winkel geschlossen sieht, heißt die Pforte Metrodori, die die Alten Gabiusa nannten. Danach die Lateinische Pforte. Item eine Appia, weiland Capena genannt; die letzte an der Tiber, etwann Ostiensis und Sankt Paulsen geheißen, denn sie führt zu seiner Kirche und nach Ostia. Item noch eine ist an der Tiber, genannt Carmentalis. Zum Letzten die Triumphalis, die Siegespforte, und unter den anderen die allerberühmteste und noch zu unseren Zeiten ist, durch die die Triumphe und Siegespiele geübt wurden. Da mag man das große Gebäude am äußeren Gestade der Tiber sehen und auch eine Brücke dorthin bis zu dem Spital des Heiligen Geistes leitend. Auch den Weg, den man das sieghafte Erdreich nennt. Dasselbe Erdreich und was daran hängt, nennt man Vatikanum, von dem Berg so.

Anmerkungen

vierd alter
viertes Zeitalter (historische Periodisierung)
imm. xxvij. iar
im 27. Jahr (römisch für 27)
Ezechie
Ezechias (biblischer König von Juda)
Romulum
Romulus (legendärer Gründer Roms)
xli. iar
41 Jahre (römisch für 41)
geistlichkeit
Frömmigkeit, Religiosität
Sabinischen volck
Sabiner (antikes Volk in Mittelitalien)
ereerbietung
Ehrerbietung
vntoedlichen goetter
unsterblichen Götter
bischoff
hier: römische Priester, z.B. Pontifices oder Auguren
warsager
Wahrsager
briesterschafft
Priesterschaft
xij. monat
zwölf Monate (römisch für 12)
feyertag vnd wercktag
Feiertage und Werktage
schein eyner vermanung
unter dem Anschein einer Ermahnung
goettin Egerie
Göttin Egeria (römische Nymphe, Beraterin des Numa Pompilius)
grob gepoeffel
grobes Pöbelvolk
destgerner
desto lieber
bekummert het
übernommen hatte (archaisch für 'in Besitz genommen')
lxxx. iarig
achtzigjährig (römisch für 80)
leichten seuchen
leichte Seuche (Krankheit)
Tullus hostilius
Tullus Hostilius (dritter römischer König)
drit
dritter
imm. xxxix. iar
im 39. Jahr (römisch für 39)
Manasse
Manasse (biblischer König von Juda)
xxxi. iar
31 Jahre (römisch für 31)
williglich
willentlich, freiwillig
grober pewrischer art
grober bäuerlicher Art
des vihs warttet
das Vieh hütete
name er doch zu letst also zu
entwickelte er sich doch zuletzt so
purpurklaids
Purpurkleid (Zeichen königlicher oder hoher Würde)
zierlicher klainat
zierlicher Kleinode (Schmuck, Insignien)
wirdigkeit zegeprauchen
Würdigkeit zu gebrauchen (als Zeichen seiner Würde)
einfahung des Celionischen berg
Einbeziehung des Celionischen Berges (Caelius, einer der sieben Hügel Roms)
Albanier
Albaner (Bewohner von Alba Longa, einer antiken Stadt in Latium)
gein Rom gesenndt
nach Rom gesandt (die Bevölkerung)
ir stat außgenomen die tempel vmbgekert
ihre Stadt, ausgenommen die Tempel, umgekehrt (zerstört, dem Erdboden gleichgemacht)
gereichßnet het
ausgezeichnet hatte (sich hervorgetan hatte)
haws
Haus (Familie, Haushalt)
plitzenslag verprennt
Blitzschlag verbrannt
Anchus marcius
Ancus Marcius (vierter römischer König)
enicklein
Enkelkind
vierd
vierter
imm vierden iar
im vierten Jahr (römisch für 4)
Josie
Josias (biblischer König von Juda)
xxv. iar
25 Jahre (römisch für 25)
vorfareden konigen
Vorfahren-Königen
kuensten
Künsten (Fähigkeiten, Leistungen)
ruom
Ruhm
mynst
geringste
vmbfienge die zynnen mit einer mawr
umfing die Zinnen mit einer Mauer (befestigte die Stadtmauern)
Auentinischen vnd den Janiculischen berg
Aventinischer und Janiculischer Berg (Aventin und Janiculum, zwei der römischen Hügel)
brugk an die Tyber
Brücke an die Tiber (Pons Sublicius)
Hostiam
Ostia (antike Hafenstadt Roms)
xvi. meyl
16 Meilen (römisch für 16)
meyl
Meile (alte Längenmaßeinheit, ca. 1,5 km)
seuechen begriffen
von einer Seuche ergriffen
Tarquinius priscus
Tarquinius Priscus (fünfter römischer König)
v. romisch koenig
fünfte römische König (römisch für 5)
imm. xxvij. iar
im 27. Jahr (römisch für 27)
xxxvij. iar
37 Jahre (römisch für 37)
Corintho
Korinth (antike Stadt in Griechenland)
kriechyschen lannds
griechischen Landes
puertig was
gebürtig war
fuertreffenlichkeit
Vortrefflichkeit
kriechyschen sinnreichigkeit
griechische Sinnreichigkeit (Klugheit, Erfindungsreichtum)
welschen kuensten
welscher Kunst (römische, lateinische Kunst; 'welsch' = romanisch, italienisch)
ratherrlichen wirdigkeit
ratsherrlichen Würdigkeit (Würde der Senatoren)
dreyen hundertern
dreihundert (römisch für 300)
beraytter
bereiter
zwolff voelcker
zwölf Völker (römisch für 12)
Tuscianischen lands
toskanischen Landes (Etrurien)
stettigen waffen
stetigen Waffen (ständigen, ununterbrochenen Kriegen)
guldein wagen
goldenen Wagen
gestrennglich begangnen taten
streng begangenen Taten (energisch, entschlossen ausgeführte Taten)
suenen Anchi
Söhnen des Ancus (Söhne des Ancus Marcius)
lantzen fuer ein dyadem
Lanzen für ein Diadem (Königskrone, Herrschaftszeichen)
kriechyschen scepter
griechische Zepter
ereten
ehrten
abgoet pildernn
Abgötterbildern (Götzenbildern)
Sibilla erithrea
Sibylla Erythraea (eine der Sibyllen, antike Prophetinnen)
Babilonia
Babylonien (antike Region in Mesopotamien)
muenchs klaidern
Mönchskleidern (ungewöhnliche Beschreibung für eine Sibylle)
ploß swert
bloßes Schwert (gezogenes, unbedecktes Schwert)
mittelmassigclich betruebten antlitzs
mittelmäßig betrübten Antlitzes (eher ernst, nachdenklich)
guldein zirckel
goldenen Zirkel (Kreis, Ring)
gleichnus des himels
Gleichnis des Himmels (Symbol des Himmels)
letsten alter
letztes Zeitalter (Endzeit, hier wohl auf die Geburt Christi bezogen)
goetlich samen vermenscht
göttlicher Same vermenschlicht (Inkarnation Christi)
gotheit der menscheit gehorsam
Gottheit der Menschheit gehorsam (Christus als Mensch)
lamb imm hew ligen
Lamm im Heu liegen (Geburt Christi in der Krippe)
iunckfrawlicher wartt erneret
jungfräulicher Wart ernährt (von der Jungfrau Maria)
Phaleris
Phalaris (Tyrann von Agrigent)
Agrigentinisch wuettrich
agrigentinischer Wüterich (Tyrann von Agrigent, antike Stadt auf Sizilien)
geplueet
geblüht (gelebt, gewirkt)
Athenis
Athen (antike Stadt in Griechenland)
gehaym
vertraut, geheim
sinnreicher kunstman
sinnreicher Kunstmann (erfinderischer Handwerker, Künstler)
ertze
Erz
kunstwercklichen ochßen
kunstwerklichen Ochsen (der eherne Stier des Phalaris)
pueln lawtet
Brüllen lautete
befelhnus
Befehl
bewerung
Bewährung, Erprobung
Ouidius
Ovid (römischer Dichter)
gleicher gesetz
gleiches Gesetz (gerechtes Gesetz, hier im Sinne von 'gerechte Strafe')
beraytet hat
bereitet hat
inmaßen dann
insofern dann
irs kunstmans beclagten
sich ihres Kunstmannes beklagten (über ihren Kunstmann beschwerten)
Blat LVII
Blatt 57 (römisch für 57)
werlt
Welt
welschen landen
welschem Land (Italien)
Tyberis
Tiber (Fluss in Italien)
erpawer
Erbauer
imm. xi. iar
im 11. Jahr (römisch für 11)
achten olimpiadischen zal
achten Olympiade (antike Zeitrechnung)
mancherlay schrift
mancherlei Schriften
weyte
Weite, Ausdehnung
Flauius vopiscus
Flavius Vopiscus (römischer Historiker)
Aurelius der kaiser
Kaiser Aurelian (römischer Kaiser)
umbkrais
Umkreis
xxxm. schryt
30.000 Schritte (römisch für 30.000; ca. 30 römische Meilen)
schryt
Schritt (Maßeinheit, 1000 Schritte = 1 römische Meile)
messung der alten
Messung der Alten
art die wir darinn halten
Art, die wir darin halten (unsere heutige Art der Messung)
mitternacht
Norden (alte Bezeichnung für Himmelsrichtung)
mittaglichen seyten
südlichen Seite (alte Bezeichnung für Himmelsrichtung)
zwen perg Vaticanum vnd Janiculum
zwei Berge Vatikan und Janiculum (Vatikanischer Hügel und Janiculum)
ihenßhalb
jenseits (auf der anderen Seite des Flusses)
lingken seyten
linken Seite (des Flusses, also östlich)
siben berg oder puehel
sieben Berge oder Bühel (die sieben Hügel Roms)
Plinius
Plinius (Plinius der Ältere, römischer Gelehrter)
xxx. pforten
30 Pforten (römisch für 30)
siben besloßen
sieben geschlossene (römisch für 7)
von weyln zu weyln
von Zeit zu Zeit
gemeret hat
vermehrt hat (ausgedehnt hat)
umbkrais der mawrnn
Umkreis der Mauern
zeerforschen vermeyden
zu erforschen vermeiden (aufzuzählen vermeiden)
Flumentana
Porta Flumentana (römische Stadttor)
Pinciana
Porta Pinciana (römische Stadttor)
Solaria
Porta Salaria (römische Stadttor)
Viminalis
Porta Viminalis (römische Stadttor)
sand Agnesen oder numentana
Porta Nomentana (später nach St. Agnes benannt)
fuenft Exquilina
fünfte Esquilinische (Porta Esquilina)
sand Laurentzen
Porta San Lorenzo (späterer Name der Porta Tiburtina, oder Porta Esquilina)
sechst Nenia
Porta Naenia (nicht eindeutig identifizierbares römisches Stadttor, möglicherweise eine Verwechslung oder alte Bezeichnung)
sibent Asmaria
siebte Asinaria (Porta Asinaria)
sand Johansen
Porta San Giovanni (späterer Name der Porta Asinaria)
Celimontana
Porta Caelimontana (römische Stadttor)
pfort Metrodori
Porta Metrodori (nicht standardmäßig in römischen Torlisten, möglicherweise eine Verwechslung oder lokale Bezeichnung)
Gabiusam
Porta Gabiusa (nicht standardmäßig in römischen Torlisten, möglicherweise Porta Gabina)
Lateinisch pfort
Porta Latina (römische Stadttor)
Apia weylund Capena genant
Porta Appia, weiland Capena genannt (Porta Capena, später Porta Appia)
letst in der Typer
letzte an der Tiber (hier: eine Pforte am Flussufer, die zur Tiber führt)
ettwen Hostiensis vnd sand Paulßen gehaißen
etwann Ostiensis und Sankt Paulsen geheißen (Porta Ostiensis, später Porta San Paolo)
seiner kirchen
seiner Kirche (Basilika Sankt Paul vor den Mauern)
Carmentalis
Porta Carmentalis (römische Stadttor)
Triumphalis die Sygpforten
Porta Triumphalis, die Siegespforte (spezielles Tor für Triumphzüge)
sygspil
Siegespiele
gepew amm ewßern gestadt
Gebäude am äußeren Gestade (Ufer)
spital des hailigen gaists
Spital des Heiligen Geistes (Ospedale di Santo Spirito in Sassia)
belaytende
leitend, führend
syghaft ertreich
sieghaftes Erdreich (Vaticanum, als Ort der Triumphe)
wz daran hangt
was daran hängt (was dazugehört)
Vaticanum von dem berg also
Vatikanum, von dem Berg so (der Vatikanische Hügel)