Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
600px Verona oder Bern die schoen vnd zierlich statt der Venediger an das gepirg stossend (als Justinus auß Trogo Pompeyo sagt) ist mitsambt Maylandt Brixen vnd Pergamo durch die Gallier die Rom gewunnen erpawt worden. wiewol ettlich mit Siccardo dem bischoff zu Cremon sprechen. sie sey vormals nach der erstoerung Troie gepawt. durch vnd vmb die dy Etsch fleuest vnd damit befestigt vnd geziert ist. also das dasselb wasser die Etsch den von Verona zu der kauffmanschatz. auch die frucht ab vnd zu zufuern groß nützlich ist vmb vnd dabey. dz feld sunderliche gut frucht vnd allerlay geslecht der oepffel. auch oele. mancherlay wein vnd wollen bringt. damit durch subtilitet der welischen subtile schoene tuecher gemacht werden. welch subtilitet die schaff auß aygenschaft der wayde nemen damit die innwoner vberfluessige kauffmanschatz vben. welcher stat wysen vnd feld naturlichen vnd luestigen anplick geben. die der hoh berg Balbus vberlangt. auff dem allerlay geschlecht der krewtter wachßen. dy die wurtzgraber allenthalben darkomende wurtzel vnd krewter zu gesunthait der lebendigen douon erlesen. vmb vnd dabey in dem felde vil lustperlicher lebendiger wasser entspringen. welche statt auch den mechtigen Roemernn also angenem gewest ist. das sie nach irer gewonheit darinn ein spilhaws vnd andere gepew gemacht haben. Nachfolgend sind daselbst hohe gepew. schoen tempel. starcke schloß vnd castel vonn den koenigen Gottorum vnnd Longobardorum gemacht. Daselbst ist ein weinwachs sunderlichs lieplichs gesmacks. Der (als Cassiodorus spricht) durch Theodatum den dritten koenig Ostrogottorum do er dise wein von der Etsch in schiffen auff dem meer gein Rom fueret hohe gepreyst ist. Daselbst haben sich auch mancherlay geschicht begeben. Attila ein koenig Gothorum hat sie zustoert vnd verprent. Alda ist Alboninus der erst konig Langobardoruz durch sein weib Rosimunde ertoedt worden. Der keyser Rudolffus hat den keyser Berengarium aldo vberwunden vnd erslagen. vnd das edel geslecht die herren von der leytteren die oberkeit alda gehabt vnd. lxx. iar scheinperlich geregirt. Nachfolgend ist sie in der Venediger gewalt komen. Darinn sind als in anderen achtparen stetten fuergenge mann gewesen. Zeno ist der erst bischoff zu Verona gewesen. der vil der heiligen geschrifft das alt vnd new testament erclerende geschriben hat. Eusebius sagt das Emilius marcus ein poet vnd Veron vnd in Asia gestorben sey. darnach Catullus ein poet. nachfolgend pede Plinius auch Gwarinus ein beruembter orator vnnd ander mer gewesen sein.
Das sechste Zeitalter. Verona, oder Bern, die schöne und zierliche Stadt der Venezianer, am Gebirge gelegen (wie Justinus aus Trogus Pompeius berichtet), wurde zusammen mit Mailand, Brixen und Bergamo von den Galliern, die Rom eroberten, erbaut. Obwohl einige, wie Siccardus, der Bischof von Cremona, behaupten, sie sei bereits nach der Zerstörung Trojas erbaut worden. Um sie herum fließt die Etsch, und damit ist sie befestigt und geschmückt. So ist dieses Wasser, die Etsch, den Bewohnern Veronas für den Handel und auch zum Transport von Gütern sehr nützlich. Das umliegende Feld bringt besonders gute Früchte und allerlei Apfelsorten, auch Öle, mancherlei Wein und Wolle hervor. Daraus werden durch die Kunstfertigkeit der Welschen feine, schöne Tücher gemacht. Diese Feinheit nehmen die Schafe aus der Eigenart der Weide auf, wodurch die Einwohner einen regen Handel betreiben. Die Wiesen und Felder dieser Stadt bieten einen natürlichen und lieblichen Anblick. Der hohe Berg Baldo überragt sie, auf dem allerlei Kräuter wachsen, die die Wurzelsammler, die überall dorthin kommen, zur Gesundheit der Lebenden auswählen. In der Umgebung entspringen im Feld viele liebliche, lebendige Quellen. Diese Stadt war auch den mächtigen Römern so angenehm, dass sie nach ihrer Gewohnheit darin ein Amphitheater und andere Bauwerke errichteten. Später wurden dort hohe Gebäude, schöne Tempel, starke Schlösser und Burgen von den Königen der Goten und Langobarden errichtet. Dort gibt es einen Wein von besonders lieblichem Geschmack. Dieser wurde (wie Cassiodorus berichtet) von Theodahad, dem dritten König der Ostgoten, hoch gepriesen, als er diesen Wein von der Etsch in Schiffen über das Meer nach Rom führte. Dort haben sich auch mancherlei Ereignisse zugetragen. Attila, ein König der Goten, hat sie zerstört und verbrannt. Dort wurde Alboin, der erste König der Langobarden, von seiner Frau Rosamunde getötet. Kaiser Rudolf hat dort Kaiser Berengar überwunden und erschlagen. Und das edle Geschlecht, die Herren von der Leiter, hatte dort die Herrschaft inne und regierte siebzig Jahre lang prominent. Später kam sie in die Gewalt der Venezianer. Darin waren, wie in anderen angesehenen Städten, bedeutende Männer. Zeno war der erste Bischof von Verona, der vieles zur Erklärung der Heiligen Schrift, des Alten und Neuen Testaments, geschrieben hat. Eusebius sagt, dass Aemilius Marcus, ein Dichter aus Verona, in Asien gestorben sei. Danach war Catullus ein Dichter, gefolgt von beiden Plinius und auch Guarino, einem berühmten Redner, und vielen anderen mehr.