Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter 100px Anfang der koenigreichs Persarum Cirus der erst vnd mechtigst koenig der Persier hat den Persiernn diss iars dz ist in dem. xxx. iar der gefencknus der iuden. vnd in der. lv. zal der roemer Olimpias genant koenigreich vnd keyserthumb gestift vnd. xxx. iar geregirt. Der ist gewesen ein enicklein Astyagis des koenigs der Medeer auß seiner tochter Mandana. denselbigen astyagem hat er (als Herodotus vnd Justinus sagen) ernider gelegt. sein reich in das reich Persarum eingezogen. do er vil der stett die ime widerspenig warnn geteuebt het. do stritte er wider Balthasar den konig der Caldeer vnd Babilonier vnnd hat in vberwunden. nach der vberwindung palde die konigliche vnd hohfertige Babiloniam zerstoert. darnach ist er gezogen wider Cresum den konig Lydorum der den Babiloniernn beystandt thet. den er an arbeyt zutrent vnd vberwunden. im alle guetter seins reichs genomen vnd zu armuot getrungen hat. Do Zirus Asiaz (gar nahend das gantz lande gegen dem aufgang der sonnen) in seinen gewalt gepracht hat er auch mit streit angefochten das volck der Scithier des die koenigin Tamyris ein vorgeerin was. do er in dem ersten streit den son der konigin vnd gantz sein heer erniderlegt. nit lang darnach ist er selbst von der konigin in dem gepirg mit aller seiner macht erslagen worden. wann do Thamiris vernam den todslag ires eynigen sons vnd die niderlag irs volcks do weynet sie nit wie die weiber thon sunder sie legert sich mit dem vbrigen volck gleich wie sie keinen trost het in dz gepirg vnd raitzet Cyrum in die engen hoehe der perg. doselbst Cirus mit. ijm. mann der keiner daruon kam erslagen ist. do die ding geschehen warnn do ließ Tamiris den leichnam Ciri suchen. do der gefunden warde im das hawbt abslagen vnnd dasselb in ein vas vol pluets seins volcks sencken gleich wie sie dem hohfertigen koenig wirdigs grabe berayt het. vnd sprach. Nym hin Cire das pluet darnach dich alweg geduerst hat. Seinen leichnam aber (der in die statt Pasargadas getragen warde) begruoben sie in die garten. auff dess grabe solche vberschrift wz (als man sagt) O mensch ich bin Cirus der koenig Asie der den Persiernn das keyserthumb gestift hat. Persia ist ein reich in großen Asia das seinen namen von Persio dem enicklein Acrisij des konigs Arginorum oder der kriechen hat in dem reich Parsipolim zu einer hawbtstat gemacht. die darnach die kriechen verprent vnd die land verheert haben. Diss stoest an die Caramannis Bactrianis vnd Medis vnd ist in vil lentlein getailt. Daruon Quintus Turcius in dem vierden buoch von den geschichten des großen Alexandri schreibt. vnd ist auß der massen pirgig vnd von hytz vnd wint wegen nicht fruchtper. so sind auch (als man sagt) vil koestlicher stett darinn vnd sunderlich Persipolis vnd Pasargadas auch andere mere. die do in dem obersten Gabis der gegent daselbst ligen. Zwischen Persia vnd Susam. die von dem Arphaxat mit großem gepew gemacht wz warnn ettliche steinige gepirg dasselb pracht darnach Cambises des koenigs sone zu seinem reich. vnd wiewol sein keyserthumb yezuzeitten vast groß was so ist es doch darnach von den Macedoniernn zertrennt vnd gemindert worden. Die Persier warden zum ersten von Nemroth dem rysen gelert das sie die sunnen vnd feuer moene vnd die Mineruam fuer goetter aupetten solten. aber nw haben sie die abgoetter verlaßen vnd volgen den gesetz Machmeti. von diser statt (als Plinius spricht in dem ersten buoch) kumen die oepffel Persica genant. Dise gegent oder statt Persipolis wird erleuecht mit dem syg des allerheiligsten martyres vnd ritters sancti Georgij. | 100px | Anaximander ein heidnischer meister vnd beruembter artzt ist zum ersten gewesen ein iunger Taletis vnd zu den zeitten (als Eusebius sagt) ein nachkomender in der schul. Er ist der erst gewest der himelische ding geleret vnd auffmercken der stund erdacht. vmbgang des meres vnd ertrichs beschriben vnd zirckel des himels gemacht hat. darumb nennet in Plinius in dem andern buch einen kunstreichen des gestyrns. In den. lxiiij. iar seins alters ist er gestorben. Es ist auch ein ander Anaximander Milesius historicus von dem Laercius schreibt gewesen. Anaximenes ein heidnischer meister vnd artzt ist des nechstgedachten Anaximander iunger gewest. der hat gesagt der luft sey der anfang. vnnd das gestirnn bewege sich nicht ob. sunder bey dem ertrich vnentlich. der starb an dem tag (als Laercius spricht) dar an Sardis gewonnen warde. Blat LXIX der werlt | 100px | Esoras der heilig vnd hohgelert man wardt als der ander Moyses vomm volck erwirdigclich gehalten. diser kom erstlich mit andern von Babilonia. aber auß bewegnus vetterlicher sorgkfelligkeit zohe er hinwider das er vil menschen nutz schaffen vnd mit ime hinfuern moecht. Zu diser zeit hat er das gesetz vnd andere heilige buecher. die die Caldeyer verprennt hetten herwideruemb gemacht. vnd der werlt ein selig testament an erfindung newer vnd leichtlich vernemlicher buecher gelaßen. Nach volbringung derselben durch mit hilff des heiligen geists kome er mit großer menige widerumb gein iherusalem mit koeniglichen freyheiten das volck zeleren. Er starb in wirdigem alter vnd wardt daselbst begraben. Darius was geswistert kind mit Astiage der gabe im dz reich. die beden warden ernidergelegt von Cyro der was der erst koenig der Persier vnd wendet die monarchey auff die Persier. Er vberwunde Babilonem vnd erslug den Balthasar vnd hat Danielem gegroßmachtigt vnd israhel wideranhayms gelaßen. den tempel widerzepawen. hat auch die vberwundnen guetlich versehen. dem Astyagi das reich der Hircanier vnd dem Dario dz reich der Medeer verlihen. Neemias was ein schenck Artaxersis des koenigs der Persier vnd gesand von ime die mawrn Jherusalem wider auffzerichten die pawet er in zwangsal der zeit. Diss wz ein gar guettig vnd sunderlich andechtiger man. do er das werk gottes volbracht het vnd ein fewer wunderperlich gefunden vnd die mawer geweihet wardt zohe er wider zu dem konig kom darnach wider gein iherusalem. starb vnnd wardt begraben bey der mawr die er gemacht het. Cambises der sun Cyri der ander konig der Persier hat imm. lx. iar der iuedischen gefencknus das reich angenomen vnd acht iar geregirt. der von Esdra Artaxerses oder Assuerus im buch iudith Nabuchodonosor vom vater genant wirdt. Diser verpote dz iherusalem vnd der tempel nit gepawet werden solten. dann als er das reich anname hat er in raysiger ruomratigkeit vnd gerechtigkeit doch ettlicher maß mit grausamkeit vermischet wider sein vndertan gestoltzet vnd darium den vater vbertroffen. Er hat die Ethiopes hernider gelegt. ime vil land vnderworffen. vil krieg durch Holofernem geuebt. in egybten gerayset vnd vil gegent daselbst verheeret vnd daselbst die andern Babiloniam gepawet. Valerius sagt Cambises hab die hawt eim vngerechten richter haißen abziehen vnd vber den richterstul spannen. vnnd seinen sun zu eim richter darueber gesetzt etc. | 100px Mardocheus der heilig man was zu diser zeit im gantzen reich der Persier hohberuembt vnd zur zeit seiner erhoehung. ijc. xcv. iar nach rechnung der lateinischen. | 100px | Smerdis der drit konig der Persier hat imm. lxviij. iar der iudischen fancknus. als Cambises an erben gestorben was siben monat geregirt vnd Patizetis den Cambises vber seine guetter gesetzt het erckleret seinen bruder der ime des namens vnd antlitzs gantz gleich was zu eim konig vnd ertoedtet den elternn. von diser arglistigkeit wegen hat Darius der sun Hitaspis nach pald beschehner puentnus den andern Smerdim vnd seinen bruder Patizetem vmbbracht vnd er wardt selbst nach dreyen tagen zu ein konig der Persier gesatzt. Holofernes als ein fuerst der ritterschafft Nabuchodonosor Cambisis vil lannd seim gewalt vndertenig gemacht vnd ist zu letst gein Bethuliaz komen vnd doselbst von Judith dem weib in seiner schlafkamer ertoedt vnd alles sein heer veriagt worden. dann Judith was ein wittib fuertreffenliches gemuets vnd vnglewplichs angesihts. vnd nach dem die Holofernem den fuersten vmbracht het do wardt sie also weerd bey den iuden gehalten. das sie alle ir tag allen iuden geachtet vnd mit syglichem lob vnd ewigem preyße erhebt wardt. vnd do sie. c. l. iar alt wardt do wardt sie zu irem mann mit grosser clag vnd pomp begraben. Ein newes Babilonia wardt van Cambise in Egy[p]to gepawen.
Das fünfte Zeitalter. Kyros, der erste und mächtigste König der Perser, hat den Persern in diesem Jahr, das ist im 30. Jahr der Gefangenschaft der Juden und im 55. Jahr der römischen Olympiade genannt, ein Königreich und Kaisertum gestiftet und 30 Jahre regiert. Er war ein Enkel des Astyages, des Königs der Meder, von seiner Tochter Mandana. Diesen Astyages hat er (wie Herodot und Justinus berichten) niedergeworfen, sein Reich in das Reich der Perser eingegliedert, nachdem er viele Städte, die ihm widerspenstig waren, unterworfen hatte. Da stritt er gegen Belshazzar, den König der Chaldäer und Babylonier, und hat ihn überwunden. Nach dem Sieg zerstörte er bald das königliche und hochmütige Babylon. Danach zog er gegen Krösus, den König der Lyder, der den Babyloniern Beistand leistete, den er mühelos besiegte und überwunden hat. Ihm wurden alle Güter seines Reiches genommen und er wurde zur Armut gezwungen. Als Kyros fast ganz Asien (nahezu das gesamte Land gegen den Aufgang der Sonne) in seine Gewalt gebracht hatte, griff er auch mit Krieg das Volk der Skythen an, dessen Königin Tomyris eine Anführerin war. Dabei besiegte er im ersten Kampf den Sohn der Königin und sein gesamtes Heer. Nicht lange danach wurde er selbst von der Königin im Gebirge mit all seiner Macht erschlagen. Denn als Tomyris den Tod ihres einzigen Sohnes und die Niederlage ihres Volkes vernahm, weinte sie nicht wie die Frauen es tun, sondern lagerte sich mit dem übrigen Volk, als hätte sie keinen Trost, im Gebirge und reizte Kyros in die engen Höhen der Berge. Dort wurde Kyros mit zweihunderttausend Mann erschlagen, von denen keiner entkam. Als diese Dinge geschehen waren, ließ Tomyris den Leichnam des Kyros suchen. Als dieser gefunden wurde, schlug sie ihm das Haupt ab und senkte es in ein Gefäß voll Blut seines Volkes, als hätte sie dem hochmütigen König ein würdiges Grab bereitet. Und sie sprach: 'Nimm hin, Kyros, das Blut, wonach dich allezeit gedürstet hat.' Seinen Leichnam aber (der in die Stadt Pasargadai getragen wurde) begruben sie in den Gärten. Auf dessen Grab war eine solche Inschrift (wie man sagt): 'O Mensch, ich bin Kyros, der König Asiens, der den Persern das Kaisertum gestiftet hat.' Persien ist ein Reich im großen Asien, das seinen Namen von Perseus, dem Enkel des Akrisios, des Königs der Argiver oder der Griechen, hat. In diesem Reich wurde Persepolis zur Hauptstadt gemacht, die danach die Griechen verbrannt und das Land verheert haben. Dies stößt an die Karmanier, Baktrier und Meder und ist in viele Ländchen geteilt. Darüber schreibt Quintus Curtius im vierten Buch über die Geschichte des großen Alexander. Und es ist überaus gebirgig und wegen Hitze und Wind nicht fruchtbar. So sind auch (wie man sagt) viele kostbare Städte darin, und besonders Persepolis und Pasargadai, auch andere mehr, die dort im obersten Gabis der Gegend liegen. Zwischen Persien und Susa, das von Arphaxad mit großem Bauwerk errichtet wurde, waren einige steinige Gebirge. Dasselbe brachte danach Kambyses, der Sohn des Königs, zu seinem Reich. Und obwohl sein Kaisertum zuweilen sehr groß war, so ist es doch danach von den Makedoniern zertrennt und gemindert worden. Die Perser wurden zuerst von Nimrod, dem Riesen, gelehrt, dass sie die Sonne und das Feuer, den Mond und die Minerva für Götter anbeten sollten. Aber nun haben sie die Abgötter verlassen und folgen den Gesetzen Mohammeds. Von dieser Stadt (wie Plinius im ersten Buch spricht) kommen die Äpfel, Persica genannt. Diese Gegend oder Stadt Persepolis wird erleuchtet mit dem Sieg des allerheiligsten Märtyrers und Ritters Sankt Georg. Anaximander, ein heidnischer Meister und berühmter Arzt, war zuerst ein Jünger des Thales und zu den Zeiten (wie Eusebius sagt) ein Nachfolger in der Schule. Er war der Erste, der himmlische Dinge lehrte und die Beobachtung der Stunden erdachte, den Umfang des Meeres und der Erde beschrieb und Himmelsgloben machte. Darum nennt ihn Plinius im zweiten Buch einen Kunstfertigen der Gestirne. Im 64. Jahr seines Alters ist er gestorben. Es ist auch ein anderer Anaximander aus Milet, ein Historiker, von dem Laertius schreibt, gewesen. Anaximenes, ein heidnischer Meister und Arzt, war ein Jünger des zuletzt genannten Anaximander. Der hat gesagt, die Luft sei der Anfang, und die Gestirne bewegen sich nicht oben, sondern unendlich nahe bei der Erde. Er starb an dem Tag (wie Laertius spricht), an dem Sardes gewonnen wurde. Blatt 69 der Welt. Esra, der heilige und hochgelehrte Mann, wurde vom Volk ehrwürdig wie ein zweiter Moses gehalten. Dieser kam erstlich mit anderen von Babylon, aber aus väterlicher Fürsorge zog er wieder hin, damit er vielen Menschen Nutzen schaffen und mit sich hinführen möge. Zu dieser Zeit hat er das Gesetz und andere heilige Bücher, die die Chaldäer verbrannt hatten, wiederhergestellt und der Welt ein seliges Testament in der Erfindung neuer und leicht verständlicher Bücher hinterlassen. Nach Vollbringung derselben durch Mithilfe des Heiligen Geistes kam er mit großer Menge wieder nach Jerusalem, mit königlichen Freiheiten, um das Volk zu lehren. Er starb in würdigem Alter und wurde daselbst begraben. Dareios war ein Geschwisterkind des Astyages, der ihm das Reich gab. Die beiden wurden von Kyros niedergeworfen, der der erste König der Perser war und die Monarchie auf die Perser übertrug. Er überwand Babylon und erschlug Belshazzar und hat Daniel groß gemacht und Israel wieder heimkehren lassen, um den Tempel wieder aufzubauen. Hat auch die Überwundenen gütlich versorgt, dem Astyages das Reich der Hyrkanier und dem Dareios das Reich der Meder verliehen. Nehemia war ein Schenk des Artaxerxes, des Königs der Perser, und von ihm gesandt, die Mauern Jerusalems wieder aufzurichten. Die baute er in Bedrängnis der Zeit. Dies war ein sehr gütiger und besonders andächtiger Mann. Als er das Werk Gottes vollbracht hatte und ein Feuer wunderbar gefunden und die Mauer geweiht wurde, zog er wieder zu dem König, kam danach wieder nach Jerusalem, starb und wurde bei der Mauer begraben, die er gemacht hatte. Kambyses, der Sohn des Kyros, der zweite König der Perser, hat im 60. Jahr der jüdischen Gefangenschaft das Reich angenommen und acht Jahre regiert. Der von Esra Artaxerxes oder Ahasveros, im Buch Judith Nebukadnezar vom Vater genannt wird. Dieser verbot, dass Jerusalem und der Tempel nicht gebaut werden sollten. Denn als er das Reich annahm, hat er in kriegerischer Ruhmhaftigkeit und Gerechtigkeit, doch einigermaßen mit Grausamkeit vermischt, gegen seine Untertanen gestolzt und Dareios, den Vater, übertroffen. Er hat die Äthiopier niedergeworfen, ihm viele Länder unterworfen, viele Kriege durch Holofernes geführt, in Ägypten gereist und viele Gegenden daselbst verheert und daselbst das andere Babylon gebaut. Valerius sagt, Kambyses habe die Haut eines ungerechten Richters abziehen und über den Richterstuhl spannen lassen und seinen Sohn zu einem Richter darüber gesetzt etc. Mordechai, der heilige Mann, war zu dieser Zeit im ganzen Reich der Perser hochberühmt und zur Zeit seiner Erhöhung 290 [Jahre nach einem chronologischen Marker].