Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter | 100px | Nach erpawung der statt Rom. ijc. xxiiij. iar als ir konig ein ende hetten. do haben sie an der konig statt ratherren gesetzt. die ein iar des roemischen regiments pflegen solten. auff das durch verzug vnd lenge der zeit kein hohfart in ine entstuende. vnder den werden die fuernamsten hiebey gemeldet. auß den die ersten zwen mit porsemia dem konig der Etrurier einen krieg hetten. aber Brutus het zwen suen die wolten widerumb einen konig auf bringen die ließ er mit ruoten hawen vnd mit einer Axt todslagen. So wardt von Callatino die wirdigkeit. darumb das kein tarquinischer namen in der statt Rom sein solt. | Sibilla cumana was zur zeit Tarquinij prisci mit guldinem klaid beclaidet. ein offens vnnd hohs buch in der hand tragende. vnd ein buch in der lingken auff dem knye habende. mit bloßem hawbt erscheinende. die sprach wie auß der ewigkeit in dise werlt durch ein iunckfrawen ein wunderperlich gepurt entsprungen. vnd dz eyßnein volck sich enden. vnd ein guldeins entsteen wurdt. Dise zwen roemer legten die Sabiner ernider. vnd wardt von ine ein triumph gehalten vnd Valerius starb also arm. Nach erpawung der statt Rom. ijc. xxv. iar haben die Roemer als sie wider die Sabiner imm krieg erniderlagen einen sundern regenten den sie dictatorem nenten erkoren. des gewalt vnd macht vor der wirdigkrit der ratherrlichen pfleg gienge vnd wz ein namen eins wirdigern ambts. Manilius torquatus ein sun Lelij manilij hat einen krieg mit den Galliernn angefangen vnd einen Gallier der ine in einen sundern kampff vordert geschlagen. ime sein guldeins halßpand genomen vnd an seinen hals gehenckt. darumb warden er vnd sein nachkomen Torquati das ein halßpand bedeuetet genennt. Die Senonischen Gallier waren von natur ein grausams vnd an sitten ein vngeschickts volck vnd an groesse irer leib vnd waffen also erschreckenlich als ob sie zu vertilgung der menschen vnd verheerung der statt rom geporn wernn. darnach ebneten vnd verwueesteten die Barbari die gantzen stat mit fewr vnnd schwert sechs monat. deßmals warf Manilius auß geschray einer gans erweckt die. die bey der nacht einsteygen woltten vber einen hohen felsen ab. | 100px Popilia ein iunckfraw der goettin Vestis wardt von verlust wegen irer iunckfrawschaft lebendig begraben. Bey zeiten diser zwayer roemer beschah der vegentinisch streit darinn der obsigenden roemer souil als der vberwundnen Vegentiner erniderlagen vnd fielen. Aufsatzung der dictatorischen wirdigkeit. Iin dem newnden iar nach endschaft der roemischen konig (als Eusebius setzt) ist zu Rom ein newe wirdigkeit dictatura genant geschoepffet worden. vnd ein maister der raysigen gezeuegs der dem dictatori in allen dingen gefolgig sein solt. also ist Largus der erst dictator vnd Sp. cassius der erst maister der raysigen gewest. vnd derselb dictator wz also aufgesetzt das er in gewalt vnd machte wider die veind vor dem ratherren sein solt. Quincius cincinatus darnach gar ein fuertreffenlicher Dictator wardt vomm agkerpaw durch den Roemischen rat erfordert zu der wirdigkeit diser dictatur. die er doch wiewol vnwilliger anname. vnd darnach nit allein die belegerten roemer sunder auch die vberwunden feind mit vnzellichen rawb gein Rom brachte Under disem Valerio dem ratherren haben die ellenden burger vnnd die fluechtigen knecht das Capitolium vergewaltigt vnd angezuendet. vnd was der krieg also grawsam das derselb rather erslagen wardt. Blat LXX der werlt | 100px | Aracus der hohberuembt Astrologus vnd poet hat sich (als Augustinus setzt) beruembt das er mitsambt Eudoxo alle zall der stern begriffen vnd beschriben hab. dz ist aber als derselb Augustinus spricht wider die schrift die zu Abraham spricht. Sihe an die sternn vnd zele sie ob du magst. aber wie kuenden sie gezelet so sie nit alle muegen gesehen werden. vnnd nach dem er der Astrologey nit vnwissend wz so hat er gar ein treffenlichs buch dauon geschriben mit schoenen zierlichen getichte. als im dess Cicero gezeuegnus gibt. | 100px Mitten in der statt Rom erschine ein mund der hell mit eim weiten rachen erschrockenlich. der begeret (als die warsager außlegten) begrebnus eins lebendigen menschen. dann zu Rom (als Liuius sagt) het sich die erd an eim gemainen ort on einich einwerffung oder andern gewalt als weit aufgetan dz man mainet das solcher schlund mit einicher materi nit moecht erfuelt werden. diss hoeret ein roemischer raysiger gesell Marcus curcius genant. der bedacht der goetter tempel die an dasselb ort stiessen vnd setzet sich auff ein garwolgezierts pferd vnd sprenget gewappet auß liebe seins vaterlands in das loch. vnd als er gestorben was do beschloße sich der schlund. | 100px | Esopus adelphus der hohberuembt poet vnd mersager hat zu den zeitten Ciri des koenigs der persier gereichßnet. Er was ein kriechischer man. sinnreich vnd kluog vnd tichtet treffenlich fabeln. die Romulus darnach auß kriechyscher zungen zu latein gebracht vnd seinem sun Tibertino zugeschickt hat. darinn hat Esopus die menschen wie sie sich halten sollen geleret. vnd zu anzeigung menschlicher sitten die foegel. pawmen vnd vnuernueftigen thier als ob sie redten eingefueret. also wo die vleißigclich betracht werden so werden darinn solche ding gefunden die nit allain schimpff vnd gelachter vrsachen sunder auch die synn scherpffen. Sie sagen diser Esopus sol im ersten iar Ciri des koenigs vmbbracht worden sein. Erwelung der zehen mann zu Rom In dem zwelfften iar des reichs Artaxersis. vnd imm. ijc. ij. iar nach erpawung der statt Rom als Meneuius vnd P. Sextillus Capitolinus ratherren waren haben sich die roemer entsloßen. das der ratherrlich gewalt in ruoe steen. vnd an seiner stat zehen mann gewelet werden solten. durch die. die gantz stat on aufruor geregirt solt werden Die zeit desselben burgermeisterlichen ambts waren froelich (als Linius spricht) vnd sie fiengen an sich vberfluessigkeit zegebrauchen vnd ir sach fiel pald. dann sie warden nach eim iar vermueedet von wegen der mißtat Claudij appij Die gesetz der. xij. tafeln: Nach dem die roemer bis auff dise zeit nochmals kein gesetz hetten. vnnd nw zwischen den die dem gemainen volck zu sundern entschaidern gegeben waren die man Tribunos nennet. vnd zwischen den ratherren ein irrung eins gesetzgebers halben entstunde. do sandten die roemer imm. xiij. iar Artaxersis gein Athenas ir botschafft. die do nit allain von den Athenier die gesetz Solonis. sunder auch auß andern kriechyschen stetten beschriben gewonheit vnd ordnung gein Rom brachten. auß welchen gesetzen zehen tafeln gemacht. vnd dar zu auch zwu tafeln von den roemern gethan warden. auß den dann das beruembt gesetz der. xij. tafeln seinen vrsprung het. darinn auch die gantz gerechtigkeit verordnet was. Erwelung der auß der gemayn Begierde zierlicher gueter hat die vierden zwitracht erweckt das auch gemayn burgermeister erwelt warden vnd warden erwelt imm sechzehenden iar Artaxersis. vnd wiwol diss ambt der burgermeister auß der gemayn einiche burgermeisterliche wirdigkeit nicht het so wardt es doch fast groß geachtet in den gemaynen wesen. | 100px | Veturia die muter Coriolani des roemischen ratherren: diser zeit ein alte fraw hat ire iar mit loeblichem werck zu ewiger gruonung gesteckt. dann do ir sun die statt vnschuldigclich belegert het. wiewol er denn. weder die erbernn zu im gesandten botschaft nach die wirdigkeit der obersten briester erhoehen nach ansehen wolt so naiget ine doch die obgenannt sein muter von seinem herrten zornn vnd keret sein fuernemen zu guotem. also das er sein belegerung abstellet vnd die statt frey ließ. darumb diser frawen zu danckperkeit ließen die Roemer an dem end der frawen versonung irs suns einen tempel pawen. vnnd nach dem bis zu derselben zeit den frawen von den mannen kein: oder klaine ere erbotten wardt. so setzten die Roemer das fueran die lewt gein den frawen alweg aufsteen. vnd inen auß dem weg weichen solten. als dann solchs noch bißhieher bey den erbernn gehalten wirdt. inen solt auch gezymen sich golds. purpurklaids vnnd guldein guertel vnd geschmucks zegeprauchen.
Das fünfte Zeitalter. Nach der Erbauung der Stadt Rom, 224 Jahre, als ihre Könige ein Ende hatten, da setzten sie anstelle der Könige Ratsherren ein, die ein Jahr lang die römische Regierung führen sollten, damit durch Verzögerung und Länge der Zeit kein Hochmut in ihnen entstünde. Unter diesen werden die vornehmsten hierbei gemeldet, aus denen die ersten zwei mit Porsenna, dem König der Etrusker, einen Krieg hatten. Aber Brutus hatte zwei Söhne, die wiederum einen König einsetzen wollten; die ließ er mit Ruten schlagen und mit einer Axt totschlagen. So wurde Callatinus die Würdigkeit entzogen, darum, dass kein tarquinischer Name in der Stadt Rom sein sollte. Die Sibylla Cumana war zur Zeit des Tarquinius Priscus mit goldenem Kleid bekleidet, ein offenes und hohes Buch in der Hand tragend und ein Buch in der linken auf dem Knie habend, mit bloßem Haupt erscheinend. Die sprach, wie aus der Ewigkeit in diese Welt durch eine Jungfrau eine wunderbare Geburt entsprungen sei und dass das eiserne Volk sich enden und ein goldenes entstehen würde. Diese zwei Römer besiegten die Sabiner, und es wurde von ihnen ein Triumph gehalten, und Valerius starb so arm. Nach der Erbauung der Stadt Rom, 225 Jahre, haben die Römer, als sie wider die Sabiner im Krieg unterlagen, einen besonderen Regenten, den sie Diktator nannten, erkoren, dessen Gewalt und Macht vor der Würdigkeit der ratsherrlichen Amtsführung ging und was ein Name eines würdigeren Amtes war. Manilius Torquatus, ein Sohn des Lelius Manilius, hat einen Krieg mit den Galliern angefangen und einen Gallier, der ihn zu einem besonderen Kampf forderte, geschlagen. Ihm sein goldenes Halsband genommen und an seinen Hals gehängt. Darum wurden er und seine Nachkommen Torquati genannt, was ein Halsband bedeutet. Die Senonischen Gallier waren von Natur aus ein grausames und an Sitten ein unzivilisiertes Volk und an Größe ihrer Leiber und Waffen so erschrecklich, als ob sie zur Vernichtung der Menschen und Verwüstung der Stadt Rom geboren wären. Danach ebneten und verwüsteten die Barbaren die ganze Stadt mit Feuer und Schwert sechs Monate lang. Damals warf Manilius, durch das Geschrei einer Gans geweckt, jene, die bei Nacht einsteigen wollten, über einen hohen Felsen ab. Popilia, eine Jungfrau der Göttin Vesta, wurde wegen Verlust ihrer Jungfräulichkeit lebendig begraben. Zu Zeiten dieser zweier Römer geschah der Veientinische Streit, darin von den siegreichen Römern so viele wie von den überwundenen Veientinern unterlagen und fielen. Einsetzung der diktatorischen Würde. Im neunten Jahr nach dem Ende der römischen Könige (wie Eusebius feststellt) ist zu Rom eine neue Würde, Diktatur genannt, geschaffen worden, und ein Meister der Reiterei, der dem Diktator in allen Dingen gefolgsam sein sollte. Also ist Largus der erste Diktator und Spurius Cassius der erste Meister der Reiterei gewesen. Und derselbe Diktator war also eingesetzt, dass er in Gewalt und Macht wider die Feinde vor den Ratsherren sein sollte. Quinctius Cincinnatus, danach ein gar vortrefflicher Diktator, wurde vom Ackerbau durch den Römischen Rat zur Würde dieser Diktatur erfordert, die er doch, wiewohl unwilliger, annahm. Und danach nicht allein die belagerten Römer, sondern auch die überwundenen Feinde mit unzähliger Beute nach Rom brachte. Unter diesem Valerius, dem Ratsherrn, haben die notleidenden Bürger und die entlaufenen Sklaven das Kapitol gewaltsam eingenommen und angezündet, und der Krieg war so grausam, dass derselbe Ratsherr erschlagen wurde. Blatt 70 der Weltchronik. Aratos, der hochberühmte Astrologe und Poet, hat sich (wie Augustinus feststellt) gerühmt, dass er mitsamt Eudoxus alle Zahl der Sterne begriffen und beschrieben habe. Das ist aber, wie derselbe Augustinus spricht, wider die Schrift, die zu Abraham spricht: „Siehe an die Sterne und zähle sie, ob du magst.“ Aber wie können sie gezählt werden, wenn sie nicht alle gesehen werden können? Und nachdem er der Astrologie nicht unwissend war, so hat er gar ein treffliches Buch davon geschrieben mit schönen, zierlichen Gedichten, wie ihm dessen Cicero Zeugnis gibt. Mitten in der Stadt Rom erschien ein Mund der Hölle mit einem weiten, erschrecklichen Rachen, der (wie die Wahrsager auslegten) die Begräbnis eines lebendigen Menschen begehrte. Denn zu Rom (wie Livius sagt) hatte sich die Erde an einem öffentlichen Ort ohne irgendein Einwerfen oder andere Gewalt so weit aufgetan, dass man meinte, dass solcher Schlund mit keinerlei Materie nicht möchte erfüllt werden. Dies hörte ein römischer Reitersgeselle, Marcus Curtius genannt. Der bedachte die Göttertempel, die an dasselbe Ort stießen, und setzte sich auf ein gar wohlgeschmücktes Pferd und sprang bewaffnet aus Liebe seines Vaterlandes in das Loch. Und als er gestorben war, da schloss sich der Schlund. Äsop, der hochberühmte Poet und Fabeldichter, hat zu den Zeiten Kyros', des Königs der Perser, gelebt. Er war ein griechischer Mann, sinnreich und klug und dichtete treffliche Fabeln, die Romulus danach aus griechischer Zunge zu Latein gebracht und seinem Sohn Tibertinus zugeschickt hat. Darin hat Äsop die Menschen gelehrt, wie sie sich halten sollen, und zur Anzeige menschlicher Sitten die Vögel, Bäume und unvernünftigen Tiere, als ob sie redeten, eingeführt. Also, wo die fleißiglich betrachtet werden, so werden darin solche Dinge gefunden, die nicht allein Spott und Gelächter verursachen, sondern auch den Verstand schärfen. Sie sagen, dieser Äsop soll im ersten Jahr Kyros' des Königs umgebracht worden sein. Erwählung der aus der Gemeinde. Begierde nach schönen Gütern hat die vierte Zwietracht erweckt, dass auch gemeine Bürgermeister erwählt wurden, und sie wurden erwählt im sechzehnten Jahr Artaxerxes'. Und wiewohl dies Amt der Bürgermeister aus der Gemeinde keine bürgermeisterliche Würdigkeit hatte, so wurde es doch fa...