Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter Tolosa die statt ihenßhalb der Gallier gepirg gelegen ist von einem Troyaner Tolosus genant erstlich angefangen. als nw die roemer dise statt eroberten do machten sie ine ein wonung daselbst vnd sie zierten mit eim großen marckt haws. capittel haws vnd andernn gepewen der noch ettliche vorawgen sind. Dise statt ist der Narbonensier statt die von den gesellen Enee erpawt wardt. gar nahend gelegen vnd auch nit weit in aquitania von den sonciatischen volck. in der Paulus der iunger sancti Pauli mit wunderzaichen im frid rastet. Sie ist der hawbtstatt vnd durch babst Johannnes dem. xxkj. mit ertzbischoflicher wirdigkeit erstlich begabet vnnd die auß irnn castellen in der statt auffgerichtet vnd demselben ertzbischoffthumb vnderworffen. Dise statt ist dem konig von franckreich vndertanig. vnd darinn auch ein hohe schul auffgerichtet. Daselbst werden die leichnam sancti Saturnini vnd ettlicher appostel heilthum in großer ere gehalten. derselb ist der erst bischoff alda gewest. der von den haiden begriffen vnd von der hoehe des capittel haws durch alle staffeln abgestuertzet im sein hawbt zerknueschet. sein hirn außgeslagen vnd an seinm gantzen leichnam zerrissen wardt. vnd er also daselbst sein heilige sele cristo dem herrnn auffgeopffert hat. Turo ein hawbtstat des lands Gallie ist von Bruto dem konig der Britannier gepawt. die er nach Turno seinem enicklein der daslebst von Ewalfredo dem hertzogen der Aquitanier imm streit erslagen wardt Turonem genennt hat. Diss ist nw gar ein gewerbige statt. Sie hat den fluss Ligeri der die Biturigier von den Hedniern teylet vnd vomm meer vbersich ein schiffung vnd derhalben mit ein kleine mutzperkeit. Daselbst ist auch ein ertzbischoflicher stuol der dann auff andere bischoff vnder ime hat. die zum merern tail in Celtica sind. vnd wiewol sie auß mererm teil in dem hertzogthumb des herdißhalb gelegnen Britanien den namen behelt so ligt sie doch in dem koenigreich der Frantzosen. vnnd so aber dise statt fast reich vnd habschaftig ist so sind daselbst auch nit vnedele gepew. Dise statt hat vil treffenlicher in aller tugend vnnd heiligkeit beruembter mann gehabt. Der einer ist gewest der allerheilligst bischoff Martinus ein aufferwecker dreyer todten. der ander Perpetuus auch ein bischoff wunderperlicher heiligkeit. 400px Blat LXXII der werlt 400px Mayland die machtig statt bey den Insubriern dess gantzen herdißhalb dem gepirg Gallie ein hawbt vnnd muotter anderer stett. hatt irnn vrsprung von den Galliernn die vnder Brenno irem heerfuerer in welsche land zohen. Vil sagen dise statt sey bey herrschung konig Assueri von den Senonensischen Galliern nit gepawet sunder gemeret vnd geauffet worden. Ettlich sprechen aber sie sey erstlich zu der zeit Josue des richters der hebreyschen gepawen vnd zu den zeitten der Troyaner gar scheinperlich gewesen. dann als Sicambri das volck teutscher lannd zur zeit Sampsonis des richters die gegent teutscher lannd erobert hetten vnd sich fueroan wider Mayland mit feyntlichem gemuet schickten. do kome inen Julius der Jnsubrier koenig entgegen. vnd sie machten frid vnd puentnus das sie ein einigs volck vnd reich werden solten. bis auff hertzog Brennium ist es nit ein grosse statt gewesen. sunder durch ine allererst wunderperlicher weiß gemeret worden. Diss ist ein gewerbstatt des gantzen Lombardischen lands. vnd hat in aller guete einen gantz fruchtpern erdpoden. Hercules maximianus hat dise statt mit zynnen gezieret die andern mawr darumb gefuert vnd die statt erweittert vnd nach ime Herculeam genennet. vnd in der ere Herculis einen tempel gepawet. der yetzo sand Laurentzen geweihet ist. Nach so langer gluecksaligkeit hat sie ire erste beswerde dieweil fand Ambrosius noch ein bischoff was auß verfolgung der Arrianischen ketzer erlidden. Vnlang darnach zohe Attila der wuetterich in welsche land vnd zerruedet Mayland. nach irer wideraufrichtung ist dise statt in kleiner ruee gestanden. sunder von den Lombardischen mit großem beschwerden bekuemert worden. als aber der groß Karolus die Lombardier gezamet het do stund Mayland durch. iijc. lx. iar in plueendem wesen. bis keiser Friderich mit dem rottenpart dieselben stat dem erdpoden gleich schlayffet. Darnach haben die Maylander ir statt vnnd gegent durch hilffe der Parmenser vnd Placentiner mit solcher inpruenstigkeit des gemuets widererpawen das die statt innerhalb dreyen iarnn reicher. machtiger vnd gewerwiger worden denn sie vormals gewesen wer vnd zu wunderperlicher zunemung gelangt het. Babst Alexander der fuenfft schreibt das Mayland also eines natuerlichen guoten gelegers sey das alda weder entzundung der hytz noch scherpffe der keltt vbertreffe vnd daruemb so sey daselbst gar einwolgemassigts ende vnnd fast guter luft vnd frischs gesuendlich wasser vnd. xvij. gar schoene see. vnd. lx. wasserfluess die erden begießende werden in derselben gegent gefunden. In was plueendem wesen aber dise statt ettwen gestanden sey vnnd noch stee das zeigen an die große der tempel. die weitte der koeniglichen hewser. der adel der hohberuembten gepew. auch die mechtigen herrnn der hertzogischen mayestat vnderworffen vnd die versamlung der geistlichen. auch die schar der geraysigen vnd der gelerten. vnd auch die arbeit vnd kaufmanschaft der waffen. tuecher vnd mancherlay kleyder. der obgenant babst spricht auch Barnabas sand Paulßen mitiunger sey daselbst der erst bischoff gewesen. vnnd vnlang nach ime sand Ambrosius komen. der alda sand Augustin zum glawben bekert hab. Amm iungsten haben die hertzogen ein gar hohe burg daselbst vnd ein fast loeblich spital in vnßer lieben frawen kirchen gepawen vnnd mit vil andern dingen geziert.
Das fünfte Zeitalter. Toulouse, die Stadt jenseits der gallischen Berge gelegen, wurde zuerst von einem Trojaner namens Tolosus gegründet. Als nun die Römer diese Stadt eroberten, machten sie sich dort eine Wohnung und schmückten sie mit einem großen Markthaus, Kapitelhaus und anderen Gebäuden, von denen noch etliche zu sehen sind. Diese Stadt liegt sehr nahe bei der Stadt der Narbonenser, die von den Gefährten des Aeneas erbaut wurde, und auch nicht weit in Aquitanien vom Volk der Sonciaten, in der Paulus, der Jünger des heiligen Paulus, mit Wunderzeichen in Frieden ruht. Sie ist die Hauptstadt und wurde durch Papst Johannes den XXI. zuerst mit erzbischöflicher Würde begabt, und die aus ihren Kastellen in der Stadt aufgerichtet und demselben Erzbistum unterworfen. Diese Stadt ist dem König von Frankreich untertan, und darin auch eine hohe Schule eingerichtet. Dort werden die Leichname des heiligen Saturninus und die Reliquien etlicher Apostel in großer Ehre gehalten. Dieser war der erste Bischof dort, der von den Heiden ergriffen und von der Höhe des Kapitelhauses über alle Stufen hinabgestürzt wurde, wobei ihm sein Haupt zerschmettert, sein Hirn ausgeschlagen und sein ganzer Leichnam zerrissen wurde, und er so dort seine heilige Seele Christus, dem Herrn, geopfert hat. Tours, eine Hauptstadt des Landes Gallien, wurde von Brutus, dem König der Britannier, erbaut, die er nach Turnus, seinem Enkel, der dort von Ewaldfred, dem Herzog der Aquitanier, im Streit erschlagen wurde, 'Turonem' genannt hat. Dies ist nun eine sehr geschäftige Stadt. Sie hat den Fluss Loire, der die Bituriger von den Haeduern trennt und vom Meer aufwärts eine Schifffahrt ermöglicht und deshalb eine kleine Nützlichkeit besitzt. Dort ist auch ein erzbischöflicher Stuhl, der dann andere Bischöfe unter sich hat, die zum größeren Teil in der Keltika sind. Und obwohl sie zum größeren Teil in dem Herzogtum des diesseits gelegenen Britannien den Namen behält, so liegt sie doch im Königreich der Franzosen. Und da diese Stadt sehr reich und wohlhabend ist, so sind dort auch nicht unedle Gebäude. Diese Stadt hat viele treffliche, in aller Tugend und Heiligkeit berühmte Männer gehabt. Der eine war der allerheiligste Bischof Martinus, ein Auferwecker dreier Toter; der andere Perpetuus, auch ein Bischof wunderbarer Heiligkeit. Mailand, die mächtige Stadt bei den Insubrern, des ganzen diesseits der Alpen in Gallien ein Haupt und Mutter anderer Städte, hat ihren Ursprung von den Galliern, die unter Brennus, ihrem Heerführer, in welsche Lande zogen. Viele sagen, diese Stadt sei während der Herrschaft König Assuers von den Senonischen Galliern nicht erbaut, sondern vermehrt und vergrößert worden. Etliche sprechen aber, sie sei zuerst zur Zeit Josuas, des Richters der Hebräer, erbaut und zu den Zeiten der Trojaner sehr berühmt gewesen. Denn als die Sikambrer, das Volk deutschen Landes, zur Zeit Samsons, des Richters, die Gegend deutschen Landes erobert hatten und sich fortan mit feindlichem Gemüt gegen Mailand wandten, da kam ihnen Julius, der König der Insubrer, entgegen, und sie schlossen Frieden und Bündnis, dass sie ein einziges Volk und Reich werden sollten. Bis auf Herzog Brennus ist es keine große Stadt gewesen, sondern durch ihn allererst auf wunderbare Weise vermehrt worden. Dies ist eine Gewerbestadt des ganzen lombardischen Landes und hat in aller Güte einen ganz fruchtbaren Erdboden. Herculius Maximianus hat diese Stadt mit Zinnen geziert, die andere Mauer darum geführt und die Stadt erweitert und nach ihm 'Herculeam' genannt und zu Ehren des Herkules einen Tempel erbaut, der jetzt dem heiligen Laurentius geweiht ist. Nach so langer Glückseligkeit hat sie ihre erste Beschwerde, während der heilige Ambrosius noch Bischof war, aus Verfolgung der arianischen Ketzer erlitten. Unlängst danach zog Attila, der Wüterich, in welsche Lande und verwüstete Mailand. Nach ihrer Wiederaufrichtung ist diese Stadt in kleiner Ruhe gestanden, sondern von den Langobarden mit großen Beschwerden bedrängt worden. Als aber der große Karl die Langobarden gezähmt hatte, da stand Mailand dreihundertsechzig Jahre in blühendem Zustand, bis Kaiser Friedrich mit dem Rotbart dieselbe Stadt dem Erdboden gleich schleifte. Danach haben die Mailänder ihre Stadt und Gegend durch Hilfe der Parmenser und Placentiner mit solcher Inbrunst des Gemüts wiedererbaut, dass die Stadt innerhalb dreier Jahre reicher, mächtiger und geschäftiger wurde, als sie vormals gewesen wäre, und zu wunderbarer Zunahme gelangt war. Papst Alexander der Fünfte schreibt, dass Mailand eine so natürlich gute Lage habe, dass dort weder Entzündung der Hitze noch Schärfe der Kälte übertreffe, und darum sei dort ein sehr wohl gemäßigtes Klima und sehr gute Luft und frisches, gesundes Wasser und siebzehn sehr schöne Seen und sechzig Wasserflüsse, die die Erde bewässern, in derselben Gegend gefunden werden. In welch blühendem Zustand aber diese Stadt einst gestanden sei und noch stehe, das zeigen die Größe der Tempel, die Weite der königlichen Häuser, der Adel der hochberühmten Gebäude, auch die mächtigen Herren, der herzoglichen Majestät unterworfen, und die Versammlung der Geistlichen, auch die Schar der Reisigen und der Gelehrten, und auch die Arbeit und Kaufmannschaft der Waffen, Tücher und mancherlei Kleider. Der oben genannte Papst spricht auch, Barnabas, der Mitjünger des heiligen Paulus, sei dort der erste Bischof gewesen, und unlängst nach ihm sei der heilige Ambrosius gekommen, der dort den heiligen Augustinus zum Glauben bekehrt habe. Am jüngsten haben die Herzöge dort eine sehr hohe Burg und ein sehr lobenswertes Spital in Unserer Lieben Frauen Kirche gebaut und mit vielen anderen Dingen geziert.