Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
100px 100px Das funft alter Xerses der ander des namens der. viij. konig der Persier hat nuor zwen monat vnd nach ime Sochdianus der. ix. koenig siben monat geregirt vonn den wir kuertzhalben der zeit der zeit nichtz gedechtnus wirdigs haben. Iesus Syrachs sun ein hebreyscher hat das buoch Ecclesiasticus gemacht darinn er von aller tugent geistlicher vnd syttlicher gar schoen handelt. vnd er hat dasselb buoch Ecclesiasticum das ist geistlich genent darumb das er alles von geistlicher zucht vnd tugentlichem vandel leret vnnd saget. Herrodotus ein kriechischer geschihtbeschreiber fuer alle kriechysch zeerheben hat zu diesen zeiten die buecher der gschiht beschriben vnd nach verlesung derselben zu Athenis in gemayner versamlung große ere erlangt. von dem Quintilianus vnnd Liuius zeuegnus geben. Dariua. nothus zugenambt der. x. koenig der Persier hat xxix. iar geregirt vnd nach seiner angenomen herrschung wider die Athenier fast schwere krieg bewegt. vnnd in die flucht bracht. also das sie sich darnach nit mer getorsten wider die Persier zu weer stellen. im zehenden iar seins reichs wiche egipten von ime ab. Sophocles atheniensis poeta wardt von groeße wegen seiner sinnreichigkeit von Cicerone ein goetlicher poet genant. Diser schicket in den letsten tagen seins lebens sein geticht vnder die versamlung der gelerten zu verhoerung vnd do er vername das er obgesyget het starb er vor freueden. Assuerus von den hebreyschen also genant. Artaxerses der ander Memnon zugenamet geheißen wz der. xi. konig der Persier. xl. iar des obgenanten Darij sun vnd der mechtigst vber alle die vor ime gewesen warnn. dann er herrschet von india bis gein Ethiopia vber. c. xxvij. lande. im dritten iar seins reichs machet er ein große wirtschaft vnd speyset sein vndertonen herrlich in eim wunderwirdigen tabernackel. vnd setzet die konigin Vasci die sich zekomen widerte ab vnd gab die ere der Hester vnd het sie an irer stat fuer die konigin. Ochus oder Artaxerses der drit ein sun Assueri auß Hester wz der. xij. koenig der Persier. xxvi. iar vnd ein so grausamer ernsthaftiger man das er ime mit seinen taten ein ewige gedechtnus bey den Persiern schoepffet. Diser hat Nectanabum den konig egypti der in ethiopiam vertriben wardt wider in sein reich berueffet vnd auß sorgen der verpuentnus der seinen. weder seiner gesyppten noch fuersten verschonet. noch auch erschlagung vnd ertoedtung derselben. weder auff das pluot noch auff das geslecht noch alter einich auffmerken gehabt. Doch ist er der goetlichen rachsale nit empflohen sunder auch von den seinen ertoedt. Arsanus Ochi des konigs sun. der. xiij. der Persier koenig hat vier iar geregiert vnd vil suen geporn. aber von ime hat man nichts gedechtnus wirdigs. Doch Jadus der sechst bischoff der iuden volget in disem iar Johanni seim gestorben vater im bischoffthumb nach vnnd saße. l. iar gar ein guoter man vnd liebhaber des frids. Parmenides ein Atenischer philozophus fliehende die geselschafft der menschen saße in eim felßen des bergs Caucasi. Erfande zu erst die loycam vnd was ein maister Zenonis. Darius des benanten Arsani sun der letst koenig der persier empfieng im ersten iar des reichs Alexandri die herrschung vnd regiret sechs iar. vnd dieweil er der mechtigst was. auff das dann der ere seiner koeniglichem maiestat nichtz gepreste so vber er mit dem großen Alexandro einen krieg in mancherlay glueck vnd ward zu letst von ime vberwunden vnd von seinen verwanten ertoedtet vnd hat also sein leben mitsambt dem konig reich der Persier geendet. Melissus der philozophus auß Samo der innseln geporn was ein iunger des Parmenidis. dess Aristotiles offt gedenckt. der hat groue lere seiner tugent gemacht. 100px Blat LXXIII der werlt Hippocrates ein sun Eraclidis. ein iunger Pitagore. ein fuerst aller artzt. in der innseln Choo geportn. ist zu diser zeit gar hohberuembt gehalten worden. Diser hat die ertzney. die. vc. iar nach dem tod Esculapij verborgen lage. widerumb zum liecht geprache vnd alle wollustperkeiten sere verschmehet. vnd (als Jheronimus schreibt) seine iunger mit ayde verpflichtet das sie die sweygung halten vnd beschaydenheit in beklaydungen vnnd sytten erzaigen solt. vnd er was (als sie sagen) kleins leibs. schoener gestat. großs hawbts langksamer bewegnus. vil gedancken. kangksamer rede vnd weniger speys. Er lebet. xcv iar. Dess lere was die. Welcher frey wil sein der begere nit das er nit haben mag. Welcher das wil haben das er begert begere nit das er nit haben mag. Welcher hie fridlich wil leben der sol gleich werden dem der zur wirschaft geladen wirdt. der alles dess das man ime fuerlegt danckper ist vnd vber keinen gepruch murmelt. Zeno der Actiensisch philozophus auß Cipro der kriechyschen statt was (als Appollonius tyrius saget) eins magern leibs. gerader person. vnd einer schwartzen hawt Er het zerplaßne schwache vnd krancke pain. daruemb vermide er vil nachtmal. er noße gernn frisch vnd an der sunnen gerigen feygen. Er was der Cratis stilpionis vnd xenocratis iunger. vnd mitsambt Chiteo dem philozopho ein lerer der Stoyeischen sect. die sagten. das ist das hoehst guot das erlich ist. dem gepricht nichtz. recht zeleben. in dem die tugent ist. Zeno was bey den Atheniern in solchem werd gehalten das der statt schluessel hinder ine gelegt warden. vnd sie zierten ine mit einer guldin cron vnd erinem pild. deßgleichen tetten auch sein burgere. Er het vil treffenlicher zuhoerer. vnd sunderlicher Antigonum. dem er acuh yezuzeiten brieff schribe. Zu einem vilgeswatzigen iungling sprach er also. darumb haben wir zway orn vnd nuor einen mund das wir vil hoern vnd wenig reden sollen. imm. xc. iar seins alters starb er. also gesund. gantzer vnd on seuechen. Socrates der hoberuembt Atheniensisch philozophus was auß Alopeto dem dorf von Sophronisco dem steinmetzen. vnd Phanarete der hebammen gepornn. vnnd ist (als ettlich sagen) erstlich ein zuhoerer Anaxagore. vnd darnach Archelay. vnd ein mayster Platonis gewest. der zu erst die syttlichen kunst erfunden. vnd zu diser zeit gereichßnet hat Er hat (als Cicero schreibt) die kunst der weißheit auß dem himel herab geuordert. vnd in den stetten nidergesetzt. vnd in die hewßer gefuert. vnd gezwungen von guoten vnd boesen dingen. sytten vnd leben zefragen. darumb ist er (als Solinus setzt) nit allain auß verwilligung der menschen. sunder auch auß ansag Appollinis der allerweisist geacht gewesen. Er wz auch ein schneller außpuendiger fuertreffenlicher redner. der zu erst. als do bezeueget Fauorinus mit Eschino seinem iunger das felld der redkunst eroffent. vnd zu erlangung der weißheit bis in sein alter die eueßersten gegent der erden durchwandert hat vnd wiewol er der allerweisest was so achtet er sich doch nichtz kuenden. darumb sprach er offt. da ayn waiß ich. das ich nichtz waiß. Socrates wz auch wunderperlicher keueschheit. gerechtigkeit vnd anderer tugent. in seinem sigill was (als man sag) geschriben alsol Ein freuend des menschen ist sein weißheit. aber des menschen feind ist sein torheit. Vnder vil andern seinen leren was das eine. Ein frembder gescheft solt du also handeln dz du des deinen nit vergest. vnd als du woellest gesehen werden also solt du sein. Zu lest wardt er angeclagt das er die aychen. hund vnd rehboeck. die die Athenier als goetter ereten belachet. darumb ward er mit vergiftem getranck ertoedtet. dess empfiengen die Athenier nach seinem tod einen rewen. darumb setzen sie ime zu gedechtnus ein guldins pild in dem tempel auff. Isocrates von gepurt ein kriech der hohberuembt redner ein iunger Gorgie. vnd ein fuertreffenlicher lerer vil naturlicher maister. als Macrobius sagt. So spricht Quintilianus er sey in mancherlay geslecht des redens scheinperlich vnd zierlich. auch mer zu vbung des kampffs der lere dann des steyts geschickt. allen liebhabern des wolredens gefoelgig in erfindug gering. ersamer ding geflißen vnd in versamlung vnd zusamen bringung der schrifft also fleissig gewest dz sein sorgfeltigkeit verworffen worden wer. Er hat vnder andern ein buoch gemacht. darinn spricht er. Du solt eer halten die vertrawung der wort denn der hab. vnd er lebet. lxxxxiiij. iar. Thucidides de kriechysch tapffer geschihtbeschreiber ließe sich auch zu disen zeitten (als Eusebius setzt) erkennen. Disen Thucididem. vnnd darnach Herodotum hat Laurencius Vallensis lateinisch reden geleret. dess beschribne buecher yetzo in werde gehalten sind.
Das fünfte Zeitalter. Xerxes II., der achte König der Perser, hat nur zwei Monate und nach ihm Sogdianus, der neunte König, sieben Monate regiert, von denen wir der Kürze ihrer Herrschaft wegen nichts Erwähnenswertes haben. Jesus, der Sohn Sirachs, ein Hebräer, hat das Buch Ecclesiasticus verfasst, in dem er sehr schön von aller geistlichen und sittlichen Tugend handelt. Und er hat dasselbe Buch Ecclesiasticus, das heißt 'geistlich', genannt, weil er alles über geistliche Zucht und tugendhaftes Verhalten lehrt und berichtet. Herodot, ein griechischer Geschichtsschreiber, der über alle Griechen zu erheben ist, hat zu diesen Zeiten die Bücher der Geschichte beschrieben und nach Verlesung derselben in Athen in einer öffentlichen Versammlung große Ehre erlangt, von dem Quintilian und Livius Zeugnis geben. Darius, genannt Nothus, der zehnte König der Perser, hat 29 Jahre regiert und nach seinem Herrschaftsantritt fast schwere Kriege gegen die Athener geführt und sie in die Flucht geschlagen, sodass sie sich danach nicht mehr wagten, sich den Persern entgegenzustellen. Im zehnten Jahr seiner Herrschaft fiel Ägypten von ihm ab. Sophokles, der athenische Dichter, wurde wegen der Größe seiner Genialität von Cicero ein göttlicher Dichter genannt. Dieser schickte in den letzten Tagen seines Lebens sein Gedicht zur Anhörung unter die Versammlung der Gelehrten, und als er vernahm, dass er gesiegt hatte, starb er vor Freude. Assuerus, von den Hebräern so genannt, Artaxerxes II., genannt Memnon, war der elfte König der Perser, 40 Jahre lang, der Sohn des oben genannten Darius und der mächtigste über alle, die vor ihm gewesen waren, denn er herrschte von Indien bis nach Äthiopien über 127 Länder. Im dritten Jahr seiner Herrschaft veranstaltete er ein großes Festmahl und speiste seine Untertanen herrlich in einem wunderbaren Zelt und setzte die Königin Vashti ab, die sich weigerte zu kommen, und gab die Ehre der Ester und hatte sie an ihrer statt als Königin. Ochus oder Artaxerxes III., ein Sohn des Assuerus aus Ester, war der zwölfte König der Perser, 26 Jahre lang, und ein so grausamer, strenger Mann, dass er sich mit seinen Taten ein ewiges Andenken bei den Persern schuf. Dieser hat Nektanebos, den König Ägyptens, der nach Äthiopien vertrieben worden war, wieder in sein Reich berufen und aus Sorge vor der Verschwörung der Seinen weder seine Verwandten noch Fürsten verschonte, noch auch bei der Erschlagung und Tötung derselben weder auf das Blut noch auf das Geschlecht noch auf das Alter irgendeine Rücksicht nahm. Doch ist er der göttlichen Rache nicht entflohen, sondern auch von den Seinen getötet worden. Arses, der Sohn König Ochus', der dreizehnte König der Perser, hat vier Jahre regiert und viele Söhne gezeugt, aber von ihm hat man nichts Erwähnenswertes. Doch Jaddua, der sechste Hohepriester der Juden, folgte in diesem Jahr seinem verstorbenen Vater Johannes im Bischofsamt nach und saß 50 Jahre lang, ein sehr guter Mann und Liebhaber des Friedens. Parmenides, ein athenischer Philosoph, floh die Gesellschaft der Menschen und saß in einem Felsen des Berges Kaukasus. Er erfand zuerst die Logik und war ein Meister Zenons. Darius, der Sohn des genannten Arses, der letzte König der Perser, empfing im ersten Jahr des Reiches Alexanders die Herrschaft und regierte sechs Jahre. Und da er der Mächtigste war, damit der Ehre seiner königlichen Majestät nichts fehle, führte er mit dem großen Alexander einen Krieg mit wechselndem Glück und wurde zuletzt von ihm überwunden und von seinen Verwandten getötet und hat so sein Leben samt dem Königreich der Perser beendet. Melissos, der Philosoph, geboren auf der Insel Samos, war ein Jünger des Parmenides, dessen Aristoteles oft gedenkt. Dieser hat große Lehren seiner Tugend verfasst. Blatt 73 der Weltchronik. Hippokrates, ein Sohn des Herakleides, ein Jünger des Pythagoras, ein Fürst aller Ärzte, geboren auf der Insel Kos, ist zu dieser Zeit sehr hochberühmt gewesen. Dieser hat die Arzneikunst, die 500 Jahre nach dem Tod des Äskulap verborgen lag, wieder ans Licht gebracht und alle Wollüstigkeiten sehr verschmäht und (wie Hieronymus schreibt) seine Jünger mit Eid verpflichtet, dass sie Schweigen halten und Bescheidenheit in Kleidung und Sitten zeigen sollten. Und er war (wie sie sagen) von kleiner Statur, schöner Gestalt, großen Hauptes, langsamer Bewegung, voller Gedanken, langsamer Rede und geringer Speise. Er lebte 95 Jahre. Dessen Lehre war die: Wer frei sein will, der begehre nicht, was er nicht haben kann. Wer das haben will, was er begehrt, der begehre nicht, was er nicht haben kann. Wer hier friedlich leben will, der soll gleich werden dem, der zur Gastfreundschaft geladen wird, der für alles dankbar ist, was man ihm vorlegt, und über keinen Mangel murrt. Zenon, der kitionische Philosoph aus Zypern, der griechischen Stadt, war (wie Apollonius von Tyros sagt) von magerem Leib, gerader Gestalt und schwarzer Haut. Er hatte blasse, schwache und kranke Beine, darum vermied er viele Nachtmahle. Er genoss gern frische und in der Sonne getrocknete Feigen. Er war ein Jünger des Krates, Stilpons und Xenokrates und zusammen mit Kleanthes, dem Philosophen, ein Lehrer der stoischen Sekte, die sagten: Das höchste Gut ist das, was ehrenhaft ist, dem nichts fehlt, um recht zu leben, in dem die Tugend ist. Zenon wurde bei den Athenern in solchem Ansehen gehalten, dass die Stadtschlüssel hinter ihm niedergelegt wurden, und sie zierten ihn mit einer goldenen Krone und einem ehernen Bild. Dasselbe taten auch seine Bürger. Er hatte viele ausgezeichnete Zuhörer, und besonders Antigonos, dem er auch zuweilen Briefe schrieb. Zu einem vielschwätzigen Jüngling sprach er also: Darum haben wir zwei Ohren und nur einen Mund, damit wir viel hören und wenig reden sollen. Im 90. Jahr seines Alters starb er, so gesund, ganz und ohne Gebrechen. Sokrates, der hochberühmte athenische Philosoph, war aus Alopeke, dem Dorf, von Sophroniskos, dem Steinmetz, und Phainarete, der Hebamme, geboren und ist (wie etliche sagen) erstlich ein Zuhörer des Anaxagoras und danach des Archelaos und ein Meister Platons gewesen, der zuerst die sittlichen Künste erfunden und zu dieser Zeit ausgezeichnet hat. Er hat (wie Cicero schreibt) die Kunst der Weisheit vom Himmel herabgefordert und in den Städten niedergelassen und in die Häuser geführt und gezwungen, nach guten und bösen Dingen, Sitten und dem Leben zu fragen. Darum ist er (wie Solinus berichtet) nicht allein aus Zustimmung der Menschen, sondern auch auf Ansage des Apollon der Weiseste geachtet worden. Er war auch ein schneller, ausgezeichneter, vortrefflicher Redner, der zuerst, wie Favorinus mit seinem Jünger Aischines bezeugt, das Feld der Redekunst eröffnete und zur Erlangung der Weisheit bis in sein Alter die äußersten Gegenden der Erde durchwandert hat. Und obwohl er der Allerweiseste war, so meinte er doch, nichts zu wissen. Darum sprach er oft: Da weiß ich nur eines, dass ich nichts weiß. Sokrates war auch von wunderbarer Keuschheit, Gerechtigkeit und anderer Tugend. Auf seinem Siegel war (wie man sagt) geschrieben: Ein Freund des Menschen ist seine Weisheit, aber des Menschen Feind ist seine Torheit. Unter vielen...