Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
100px Das funft alter Xenophon der philozophus vnd der Atheniensischen heers ein fuerst ein geschamig außder maßen wol gestalt. auch sittig. frumm vnd yederman angename mensch. was ein iunger Socratis vnd ein widersprecher Platonis. dann xenophon hat sich wider die schriften Platonis die er von guotem stand eins gemeinen nutzs vnd pflegnus einer statt gemacht het. als derselben erstlich zway buecher geleßen warden vnd an das licht komen dawider gesetzt vnd vil dargegen geschriben. dess sich plato (do er das hoeret) (als sie sagen) bewegen het lassen. Diser was der erst der die ding die Socrates saget im gemercke genomen vnd in die gemayn gepracht hat. Er hatt der erst aller philozophorum die historien geschriben. Er was auch ein gestrenger fuerst vnd heerfuerer. der das heer auß den hundersten oertern Babilonie herwider gefuert vnd in scharpffen geferlichen wegen durch grausame voelcker vnuerletzt wider anhaymß belaytet hat. Diser lebet. lxxxix. iar. Archita terentinus der Pitagoricisch philozophus ward diser zeit hohberuembt. vnd in allem geslecht der tugend in großer verwunderung gehalten. Diser hat platonem den philozophum der vonn Dionisio ertoedt solt worden sein durch einen danndbrieff erledigt. Er hat auch vil schrift gemacht der eine also lautet. Es ist kein fuernamer geferlicher seuechen dann wollust des leibs. dess begirig gelustungen zu frefellicher vnnd vnmassiger geprauchung geraitzt werden. wann dauon entsteen verratery des vaterlands. zerstoerung gemeins nutzs. vnd ist kein laster. vnd ist kein vbeltat. darzu die girigkeit des wollusts nit treybe. Plato der allernamhaftigst philozophus ist zu diser zeit (als Eusebius schreibt) ob allen philozopen der beruembtst vnd erleuechtest gewesen. auß Aristone seinem vater. vnd Perictonia. oder petona seiner muter geporn zu Athenis an gleichem tag. daran zu Delon der Appollo (als Appollodorus setzt) geporn wardt: die muter. was des geslechts Solonis her vnd der vater Codri des suns Melanthi. Plato het zwen bruder Adimantem vnd Glanconem vnd ein schwester Petonaz auß der Speuessipus der philozophus vrsprung hat. Diser Plato hat zu erst malen gelernet. auch getichte vnd beschreybung geuebter vbeltat gemacht. vnd er wardt von herrlicher fuertreffenlicher scheinperkeit wegen seins leibs Plato genannt. wiewol er dauor nach seins vaterlichen anherren namens Arestodes hieß. Er hat gelernet von Socrate vnd von Euclide. darnach von Theodoro. Nachfolgend zohe er in Egypten. do hoeret er die propheten vnd briester. daselbsthin het er mit ime Euripidem zu eim weggeferten. do er herwider gein Athenas kome wonet er in Achademia vnd schiffet drey mal in Siliciam. vnd als er daselbst der geferlichkeit des todts empflohen was da wardt er verkauft. Eins mals wardt er gefragt warinn ymant die weißheit erlangen moecht. saget er: in nit harrung der ding die nit begegnen muegen. auch vergangner dig nit widerzegedencken. vnd plato starb in der wirtschaft sitzende im. lxxxi. iar seins alters. Anthistenes der Athenisch philosophus hat im anfang den redner Georgiam gehoeret vnd sich darnach socrati zugesellet. vnd wiewol er in Pyreo wonet so gieng er doch teglich. xl. achteil einer meyl den Socratem zehoeren. von den leret er gedult vnd senftmuetigkeit. Er fieng die cynischen sect erstlich an vnd wz ein fuerst darinn. er straffet den mit hohfart erplaßnen Platonem. vnd so er yezuzeiten ime platonem hoeret vbel reden so sprach er. es ist koeniglich vbel zehoeren so du wol gethan hast. Er hat vil buecher vonn mancherlay geschriben. Von ime schreibt. Jheronimus wider Jouinianum. do er Socratem gehoert het do het er zu seinen iungern gesprochen. Geet hin vnd suchet euch einen maister dann ich hab mir einen gefunden. es ist ein vngewißenheit vil lernen. vnnd was ir wißt das ist nit wißen. Speusippus der Athenisch philozophus Eurimedontis sun vnnd des Platonis auß seiner swester enicklein ist ach iar der schul Platonis maister gewesen. Er zuernet leichtlich vnd raichet der wollustperkeit die hand. darumb straffet ine Diogenes der philozophus hart. als er darnach mit dem seuchen des paralisis beruert wardt do bater er xenocratem das er ime in der lere nachfolgen solt. Plutarcus schreibt das er von aufuellenden lewsen vergangen sey. Thimotheus setzt er wer eins magern leibs gewesen. vnd ließ vil schrifften. Fauorinus sagt Aristotiles hab desselben Speusippi buecher vmb drey pfund gekauft. Symonides hat historien an ine geschriben. er hat auch erstlich erfunden wie man auß duennen hoeltzern fahige gefaß machen solt. Blat LXXIIII der werlt Papia die statt Gallie het dißhalb des gepirgs gelegen ist als Plinius sagt von den voelckern Leug is vnnd Maricis die ihenßhalb des gepirgs warnn gepawen worden. aber als Paulus longobardos setzt so hat sie ir gruntfest vnd anfeng zu den zeitten Assueri des konigs Persarum von den Senonensischen Galliern gehabt. doch lang dauor haben die Insubrischen Gallier das ort dorffs weise bewonet. Dise statt ligt amm gestadt Ticini des fluss auß Verbano dem see flueeßende. darueber ein gar schone steynnine prugk auffgerichtet vnd die statt von demsleben fluss Ticinum genannt ist. do der beruembt Scipio seinen syg gegen Hanibalem het. Dise an gelegenheit vnnd gesundheit des lufts allerwunsamste statt haben die Ostrogotischen vnnd darnach die Lombardischen konig gernn bewonetl. deßhalb sind bey ir vil beruembter geschihte vnd tate geuebt worden. vnd daruemb hat sie mit Mayland in große ansehung alter vnad wirdigkeit lang gerungen. aber yetzo fuertrift Mayland verr. doch sind sie bede nw vnnd ettwen beruembt vnd erleuecht gewesen. Dise statt hat Atila der hunyer konig verwueestet. vnd als sie vnlang darnach wider zu krefften kome do hat Odoacer der konig Erulorum einen genant Orestem darinn belegert. mit gewalt gefangen vnd erslagen. vnd auch dise statt grausamlich zerstoeret vnd verwueestet. also das deßmals alda so große niderlag der roemischen burger beschahe das dergleichen nie anderßwo nach abnemung des roemischen reichs beschehen ist. Dieweil aber Rudolff hertzog zu burgundi das reich welscher land bekumert do haben bey zeitten Babst Stephans des sibenden die Hungern vnder Salado dem heerfuerer welsche land vberzogen vnd dise statt belegert. gefangen vnnd mit fewr vnd schwert verwueestet. darzwischen forderten babst Agapitus vnd der welsch adel vnd volck Ottonez den ersten auß teuetschen landen in welsche land. also fiengen welsche land an: sich irer beschwerde: die sie lang zeit erlidden hetten: wider zuerholen. vnd Pertharit der Lompardisch konig hat sant Agethen closter vnd Tehadolinda die konigin vnßer lieben frawen kirchen daslebst gepawen. So hat Luitprandus der Lombardisch konig sand Augustins gepayn auß Sardinia gein Papiam bringen lassen. vnd ist ein fast schoens grab auß gar weyßem marmorstein in wunderperlicher schnelligkeit beraitet. Derselb konig hat auch sand Peters closter die guldein zell genant. vnd an dem ende do die koenig offt hoff gehalten haben sand Anastasien des marterers closter gepawt. So haben Gondiberta die konigin der kirchen sand Johansen des tauffers. vnd bischoff Peter des konigs Luitprandi freuend sant Sauini kirchen zu papia aufgerichtet. Nachfolgend hat Johannes galeacius Maria vicecomes der erst meylendisch hertzog vor andern dise stat zeziernn vil vleiß angekert. vnd nach vil daselbst auffgerichten gepewen ein großmechtig castell in herrlicher gestalt mit einer weytten librarey erpawen. vnd bey dem castell einen großen walt mit mawrn eingefangen vnd darinn ein huebsch wardwerck vnd wildfang zu gerichtet. vnd enmitten desselben ein hoh Cartheueser closter mit seinem grab mit grossem costen pawen lassen. der vmbkrays des walds ist. c. xx. elenpogen. Jetzo hat papia in irer hohen schul vil in der kunst geistlicher vnd werntlicher recht auch der philosophey vnd ertzney beruembt menner. sie hat auch vil erleuecht mann geporn. als Sirum den bischoff daselbst in lere vnd heiligkeit hohgelobt Enodium den allergesprechsten poeten Anthonium Gwaynerium den artzt. Cattonem Saccum Silanum Nygrum vnnd andere.
Das fünfte Zeitalter. Xenophon, der Philosoph und ein Fürst des athenischen Heeres, war ein überaus schamhafter, wohlgestalteter, auch sittlicher, frommer und jedermann angenehmer Mensch. Er war ein Schüler des Sokrates und ein Widersprecher Platons. Denn Xenophon hat sich gegen die Schriften Platons, die dieser über den guten Zustand eines Gemeinwesens und die Pflege einer Stadt gemacht hatte, gewandt, als dieselben zuerst zwei Bücher gelesen und ans Licht gekommen waren, und hat viel dagegen geschrieben. Dies soll Platon (als er das hörte) (wie man sagt) bewegt haben. Dieser war der Erste, der die Dinge, die Sokrates sagte, im Gedächtnis behielt und in die Öffentlichkeit brachte. Er hat als Erster aller Philosophen die Historien geschrieben. Er war auch ein strenger Fürst und Heerführer, der das Heer aus den entferntesten Orten Babyloniens zurückführte und auf scharfen, gefährlichen Wegen durch grausame Völker unversehrt wieder heimgeleitete. Dieser lebte 89 Jahre. Archytas von Tarent, der pythagoreische Philosoph, war zu dieser Zeit hochberühmt und in jeder Art der Tugend in großer Bewunderung gehalten. Dieser hat Platon, den Philosophen, der von Dionysios getötet werden sollte, durch einen Dankesbrief befreit. Er hat auch viele Schriften verfasst, von denen eine so lautet: „Es ist keine vornehmere, gefährlichere Seuche als die Wollust des Leibes, deren begehrliche Gelüste zu frevelhafter und unmäßiger Gebrauchung gereizt werden. Denn davon entstehen Verrat am Vaterland, Zerstörung des Gemeinwohls, und es gibt kein Laster, und es gibt keine Übeltat, zu der die Gier der Wollust nicht treibt.“ Platon, der allernamhaftigste Philosoph, ist zu dieser Zeit (wie Eusebius schreibt) über allen Philosophen der berühmteste und erleuchtetste gewesen. Geboren wurde er aus Ariston, seinem Vater, und Perictione oder Potone, seiner Mutter, in Athen am gleichen Tag, an dem auf Delos der Apollo (wie Apollodoros setzt) geboren wurde. Die Mutter war vom Geschlecht Solons her und der Vater vom Geschlecht Kodros, des Sohnes des Melanthos. Platon hatte zwei Brüder, Adeimantos und Glaukon, und eine Schwester Potone, aus der Speusippos, der Philosoph, seinen Ursprung hat. Dieser Platon hat zuerst gemalt, auch Gedichte und Beschreibungen geübter Übeltaten gemacht. Und er wurde wegen der herrlichen, vortrefflichen Scheinbarkeit seines Leibes Platon genannt, wiewohl er zuvor nach dem Namen seines väterlichen Vorfahren Aristokles hieß. Er hat von Sokrates und von Euklid gelernt, danach von Theodoros. Nachfolgend zog er nach Ägypten, wo er die Propheten und Priester hörte. Dorthin hatte er Euripides als Weggefährten mit sich. Als er wieder nach Athen kam, wohnte er in der Akademie und schiffte dreimal nach Sizilien. Und als er daselbst der Gefährlichkeit des Todes entflohen war, da wurde er verkauft. Einmal wurde er gefragt, worin jemand die Weisheit erlangen möge. Sagte er: „Im Nichtharrung der Dinge, die nicht begegnen mögen, auch vergangener Dinge nicht wiederzudenken.“ Und Platon starb in der Wirtschaft sitzend im 81. Jahr seines Alters. Antisthenes, der athenische Philosoph, hat am Anfang den Redner Gorgias gehört und sich darnach Sokrates zugesellt. Und wiewohl er in Piräus wohnte, so ging er doch täglich 40 Achtel einer Meile, um Sokrates zu hören. Von ihm lernte er Geduld und Sanftmütigkeit. Er fing die kynische Sekte erstlich an und war ein Fürst darin. Er strafte den mit Hochfahrt erblassten Platon. Und so er zuweilen Platon übel reden hörte, so sprach er: „Es ist königlich, Übel zu hören, so du wohlgetan hast.“ Er hat viele Bücher von mancherlei geschrieben. Von ihm schreibt Hieronymus wider Jovinianus: „Als er Sokrates gehört hatte, da hatte er zu seinen Jüngern gesprochen: Geht hin und suchet euch einen Meister, denn ich habe mir einen gefunden. Es ist eine Ungewissheit, viel zu lernen, und was ihr wisst, das ist nicht Wissen.“ Speusippos, der athenische Philosoph, Sohn des Eurymedon und des Platonis Enkelkind von seiner Schwester, ist acht Jahre Meister der Schule Platons gewesen. Er zürnt leichtlich und reicht der Wollustbarkeit die Hand. Darum strafte ihn Diogenes der Philosoph hart. Als er darnach mit der Seuche der Paralyse berührt ward, da bat er Xenokrates, dass er ihm in der Lehre nachfolgen sollte. Plutarch schreibt, dass er von aufquellenden Läusen vergangen sei. Timotheos setzt, er sei eines mageren Leibes gewesen und hinterließ viele Schriften. Favorinus sagt, Aristoteles habe desselben Speusippos Bücher um drei Pfund gekauft. Simonides hat Historien an ihn geschrieben. Er hat auch erstlich erfunden, wie man aus dünnen Hölzern fähige Gefäße machen sollte. Blatt 74 der Welt. Pavia, die Stadt Galliens, diesseits des Gebirges gelegen, ist, wie Plinius sagt, von den Völkern Leuger und Mariker, die jenseits des Gebirges waren, erbaut worden. Aber wie Paulus Diaconus setzt, so hat sie ihren Grundfest und Anfang zu den Zeiten Assuers, des Königs der Perser, von den senonischen Galliern gehabt. Doch lange davor haben die insubrischen Gallier den Ort dorfweise bewohnt. Diese Stadt liegt am Gestade des Ticino, des Flusses, der aus dem Lago Maggiore fließt. Darüber ist eine sehr schöne steinerne Brücke aufgerichtet, und die Stadt ist von demselben Fluss Ticino genannt. Dort errang der berühmte Scipio seinen Sieg gegen Hannibal. Diese an Gelegenheiten und Gesundheit der Luft allerwünschteste Stadt haben die ostgotischen und darnach die langobardischen Könige gern bewohnt. Deshalb sind bei ihr viele berühmte Geschichten und Taten geübt worden. Und darum hat sie mit Mailand in großer Ansehung, Alter und Würdigkeit lange gerungen. Aber jetzt übertrifft Mailand weit. Doch sind sie beide nun und ehemals berühmt und erleuchtet gewesen. Diese Stadt hat Attila, der Hunnenkönig, verwüstet. Und als sie unlängst darnach wieder zu Kräften kam, da hat Odoaker, der König der Heruler, einen namens Orestes darin belagert, mit Gewalt gefangen und erschlagen. Und auch diese Stadt grausamlich zerstört und verwüstet, also dass damals allda so große Niederlage der römischen Bürger geschah, dass dergleichen nie anderswo nach Abnahme des römischen Reiches geschehen ist. Dieweil aber Rudolf, Herzog von Burgund, das Reich welscher Lande bekümmerte, da haben bei Zeiten Papst Stephans des Siebten die Ungarn unter Salado, dem Heerführer, welsche Lande überzogen und diese Stadt belagert, gefangen und mit Feuer und Schwert verwüstet. Dazwischen forderten Papst Agapitus und der welsche Adel und Volk Otto den Ersten aus deutschen Landen in welsche Lande. Also fingen welsche Lande an, sich ihrer Beschwerde, die sie lange Zeit erlitten hatten, wieder zu erholen. Und Pertharit, der langobardische König, hat das Kloster der heiligen Agatha und Theodelinde, die Königin, die Kirche Unserer Lieben Frau daselbst erbaut. So hat Liutprand, der langobardische König, die Gebeine des heiligen Augustinus aus Sardinien nach Pavia bringen lassen. Und es ist ein fast schönes Grab aus ganz weißem Marmorstein in wunderbarer Schnelligkeit bereitet. Derselbe König hat auch das Kloster des heiligen Petrus, die „Goldene Zelle“ genannt, und an dem Ende, wo die Könige oft Hof gehalten haben, das Kloster des heiligen Anastasius des Märtyrers erbaut. So haben