Schedelsche Weltchronik · Blatt 75

Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 75, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 75, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das funft alter 100px Hermes egyptius der philosophus von den vnsernn genant Mercurius ettwen ein iunger Patonis was zu diser zeit beruembt. vnd wiewol er ein alt mensch was. so was er doch in allem geslecht der lere hoh vnderwysen. also das ime von seins vil wossens vnd kunst wegen der namen Trimegisto. das ist dreymal groeßer zugelegt wardt Er hat auch vil buecher zu erkantnus goetlicher ding dienende geschriben. vnnd vnder andern ein buch von dem volkomen wort gemacht. vnd sprach (als Augustinus setzt) das die goetter der hayden todte menschen gewesen weren. Apuleius apher madeurensis auch ein iunger Platonis hat zu disen zeiten geleuechtet vnd daselbst zu Madaura vil buecher geschriben. dann in ime was sunderliche vberfluessigkeit vnd gnad des wissens der schrifft vnd auch des außsprechens beyeinander versamelt. vnder anderer seiner lere was dz eine. Nichts ist got gleicher dann ein man in gemueet volkomenlich guot. Plotinus der philozophus auch ein iunger Platonis vnnd ein mayster Porphirij ist auch zu diser zeit in ruom gestanden vnnd zu allen zierlichkeitten der tugent geschickt. auch mit fleiß vnd lere aller goetlichen ordnung besterckt. gerecht. starck. massig vnd kluog gewesen. der do glawbet das er die gewaltsamkeit des gluecks mit kluogheit der vernunft vberwinden moecht. darumb erwelet er ime ein stat eins geruosamen stuols auff das er von der vnruoe alles menschlichen wandels abgesündert sich von dem neid des gluocks moecht erledigen. diser man ließ sich kein begirde fahen. vnd daruemb hat er gar ein schoens buch von den tugenten gemacht. vnd er sprach das die vernueftig sele (die in den himlischen stuelen (als er nit zweifelt) wonung het) nicht het vber die natur dann allein gott. wann als die sunn den monde beleuechtet also erleuechtet got die sele. Diogenes ist (als Diocles schreibt) ein großer philozophus gewesen. der verließe sein vaterland zohe gein Athenas daselbst fande er Antistenen. Er empfrembdet sich von allen wolluestperkeiten Er was der erste der von kelte wegen einen zwifachen mantelhet vnd ein taschen darinn er speiß truge. Er schrib vnd befalhe einem das er ime ein zell machen solt. die weil aber ihener langksam da mit vmb gieng do het er ein kuoffen fuer ein haws. Zur zeit der kelte keret er den mund der kuoffen gein mittemtag. vnd imm sumer gein mitternacht. imm sumer weltzet er sich in dem hai´ßen sannd. vnd imm winter vmbfienge er seueln mit schne bedeckt. Diser Diogenes sahe einßmals ein kind auß holer haund trincken do warffe er sein schnoeds gefaß hin vnd sprach. Ein kind hat mich in schnoedigkeit vberwunden. Er sprach alle ding wernn der goetter. vnd die weisen wernn der goetter freuedt. Er saße eins mals an der sunnen do sprach Alexander zu ime. begere wz du woellest. antwurtet er. mache nur keinen schatten. vnd man sagt das Alexander gesprochen hab. Er woelt das er Diogenes wer wo er Alexander nit wer. Diss was vnder anderm sein lere. Wenn dir ymant mit lieb einen rat gibt so bis ime mit lieb gehorsam. darnach starb er zu den zeitten Ptolomei philadelphi. Philippus perdice des koenigs sun vnd der. xxiij. koenig der Macedonier regiret. xxvij. iar. vnd was ein kriegs man. der mit seiner kraft die reich Armenie Bithimie Tracie vnd Thessalie miteinander eroberet. Er was ein man freuentlichs zusprechens. begerende mer geliebt denn geforcht zewerden. aber auch tapfferer sitten des weins zeuil begirig vnd doch nach verdewung der trunckenheit in seinen hendeln massig. Auff ein zeit wz er zubeschuetzung seins reichs verr außgezogen do flohe Nectanabo ettwen ein koenig Egypti auß forcht des koenigs Persarum zu ime. vnd als aber derselb Nectanabo Olimpiadem das fast schoen weib Philippi ersehen het do verweltigt er sie durch betrigerey der schwartzen kunst (darinn er dann hoh erfarnn was) dann an der nacht darinn Olimpias empfienge trawmet ir wie sie sich mit einer großen schlangen vmbweltzet. nw empfienge Olimpias auß ime vnd gepare nach widerkunft Philippi den sun Alexandrum. vnd wiewol Olimpias irem man Philippo bekeunet das sie denselben Alexandrum nit auß ime sunder auß einer großen slangen empfangen het. yedoch zohe der koenig Philippus denselben Alexandrum als einen liebsten sun auff. Als nw Alexander geporn wardt so schrieb Philippus dem Arestotili also. du solt wissen das mir ein sum geporn ist darumb ich den goettern dancksag nit allein deßhalb dz er geporn ist sunder auch darumb das er zu den zeitten deins lebens ist gepornn worden. ich hoff das er auß deiner anlere wirdig werd. den name darnach Arestotiles in sein zucht vnd er hat funff iar vnder demselben philosopho gewachßen vnd darnach ein wilds pferd gezame gemacht vnd vnerschroeckenlich geritten. vnd do ine Philippus sahe sprach er dz er auß antwurt der goetter erkennet das Alexander nach ime regirnn wuerdt. darumb gab er ime einen koniglichen wagen. auch pferde vnd ein summa golds. vnd Alexander beweget einen krieg wider den konig der Pelopeneser. von dem bracht er dem vater die kron des sygs mit freueden widerheym. als er darach die herrschung empfieng do hieß er sich einen konig aller erden vnd der werlt nennen. Blat LXXV der werlt | Alexander der groß der. xxiiij. konig der Macedonier hat imm letsten iar Arsani des konigs der Persier zeregirn angefangen. vnd. xij. iar vnd. vi. monat geregirt. vnd was. xx. iar alt do er anfieng zeregirn: Als nw Philippus der konig gestorben was so vndertrucket Alexander Illiriacam. oder Sclauoniam windische land gar pald mit inpruenstigem gemuet vnd erobert die innseln der Roemer vnd schiffet vber in Aphricam vnd vberwande die gantz. darnach zohe er in die widerstrebenden Siriam verwuestet die. vnd bestritte Damascum. vnd erobert Sidonem. darnach eylet er gein Iherusalem. daselbst eret er den bischoff der iuden. zohe in die statt vnd verlihe den iuden freyung. vnd geschwayget zwischen den anfenngen vil widerspennigs volcks vnnd leget vil zwitracht des auffgangs hin. Mit disen ding wardt er erhebt das er mit stillem fuoß in Greciam das kriechysch lannd kom. darnach name er den Persischen vomm vater angefangen krieg fuer. vnd dieweil er sich also zum krieg schicket wardt ime verkuendt wie sich die athenier Thebanier vnd Lacesomonier von ime an die Persier geslagen hetten. aber alexander ruestet sich mit seinen heer vnd bedruecket kriechen land in großer schnelligkeit. vnd gleicherweiß als die athenier zum ersten abgetretten warn. also fiengen sie auch zum ersten an zebuessen vnd rew zeempfahen. doch warden sie durch Anaximenem den weyßen gein alexandrum also wider versoenet das er ine freyung vnd auch frid gabe. Er zuendet die widerspennigen thebayschen statt an. vnnd bracht die Lacedomonier zu gehorsam. Er zohe auch in Egypten vnd pawet alda ein wunderperliche statt. die er nach ime alexandriam nennet. darnach als er wider die Persier zohe. vnd Darius sein kintheit verachtet. vnd ime sein muter Olimpias botschaft tet. zu ir (dann sie wz schwerlich kranck) zekomen. do keret er wider anhaynis. vnd erobert vnderwegen Phrigiam. als er auß großen Asia in das klein asia durch Hellespontum zohe. do er nw wider anhayms komende sein muter wider zunemend fande. do versamelt er sein heer widerumb. vnd als er alle gegent bey dem fluss Euphratem in seinen gewalt gebracht het do machet er ein prugk vber den Euphratem. darueber zohe er vnd nehnet sich gein Persipolim der statt. darinn Darius der konig der persier wonet. Alexander het in seinem heer zwenunddreyssigtausent zu fuoß. vnd fuenfthalb tausend zu roß. vnnd hundert lxxij. schiff. also das ein yweifel ist ob sich Alexanders bestreytung des gantzen erdpodens mit so kleinem gewalt. oder seins kuenmueetigen außzugs wider der gantzen werlt mit so wenig volcks mer zeuerwundern sey. Aber alexander erwelet ime in solchen geferlichen krieg ein heer nicht von iungen starken. sunder von alten betagten. auch ettlichen außgedienten vnd der ritterschaft gefreyten mannen. die mit seinem vater vnd vettern ritterschaft gepflegen hetten. also auch das nit allain die ritter. sunder die rittermaister außerleßen warden. So was nymant rotmaister außerleßen warden. So was nymant rotmaister er wer dann. lx. iar alt. so gedacht nimant im streyt auff die flucht. sunder auff vberwindung. Dargegen schicket sich Darius der Persier |  | konig mit sechßmal hundertausent mannen. die warden nit min der mit kluogheit des Alexanders dann mit kreften der Macedonier vberwunden vnd in flucht gekert. nach diser obsygung schluog sich der merer teil asie an ine. darnach wardt ime verkuendet wie Darius mit einen großen mechtigen heer gegen ime koeme do besorget sich alexander der enge vnd zohe mit großer eyl vber den berg Thaurum vnd kom in die statt Tharsum. do ruoet er mit krankheit begriffen: dazwischen richtet sich Darius mit drey malhunderttausent zu fuoß. vnd hunderttausent zu roß zur spitzen. dieweil was alexander genesen vnd keret sich mit seinen heer wider die feind. do erhub sich ein streit mit großer kuenmuetigkeit. darinn warden bede konig wund. vnnd weret der streyt also lang zweifellich bis Darius sich in die flucht wendet. darauß folget die niderlag der Persier. dann ir warden erslagen einunsetzigtausent zu fuoß. zehentausent zu ross. vnd viertzigtausent gefangen. auß den Macedoniern fieln hundert vnd dreyssig fuoßknecht vnd anderhalhundert geraysig. In den heergelegern der Persier wardt vil golds vnd anderer koestlichkeit gefunden. vnder den gefangen waren die muter. fraw. schwester vnd zwu toechter Darij. do Alexander die scheinperlichkeit der rechthuemer Darij beschawet wardt er in verwunderumg derselben gefangen vnd fienge an Bersanem von irer schoene wegen liebzehaben. auß der wardt im geporn ein kind das hieß er Herculem. Darius flohe gein Babiloniam: von dannen entbote er alexandro ime fuer entledigung der gefangen groß gelt zegeben. aber Alexander begeret keins gelts. sunder des reichs. also nach verlorner hoffnung des frids ruestet sich Darius wideruemb gegen Alexandro mit viermalhunderttausent zu fuoß vnd hunderttausent zu ross. do komen sie abermals zu streitt. die Macedonier fachten mit grosser ernstmuetigkeit. so wolten die persier lieber sterben denn erniderligen. in eynichem streitt ist selten souil pluots vergossen. do darius sahe dz die seinen erniderlagen do wolt auch er sterben. aber er wardt von den nehsten gedrungen zeflihen. Mit disem streit erobert Alexander das keyserthumb Azie. dess gluecksaligkeit was also groß das ime darnach nymannt widerstreben getorft. Darius ward von den seinen getoedt vnnd also das reich der persier geendet. das vnder. xiiij. konigen.ijc. liiij. iar geweret het. vnd als aber alexander fueran vil land vnd lewt. vnd auch Indier land zu gehorsam gebracht vnd sich zu letst in babilonia zu ruoe nidergelassen het do starb er von vergiftem getranck durch Cassandrum den sum Antipatris zuberaytet. das dann also kreftig was das er weder ertze noch eysen. sunder allain in einer roßheffe behalten werden mocht. also vergieng alexander. xxxiij. iar vnd eins monats alt. ein man vber menschliche macht mit großmuetigkeit begabet.

Moderne Übersetzung

Das fünfte Zeitalter. Hermes der Ägypter, der Philosoph, von den Unseren Merkur genannt, einst ein Schüler Platons, war zu dieser Zeit berühmt. Und obwohl er ein alter Mann war, so war er doch in jeder Art der Lehre hoch unterwiesen, sodass ihm wegen seines großen Wissens und seiner Kunst der Name Trismegistus, das ist „dreimal größer“, zugelegt wurde. Er hat auch viele Bücher geschrieben, die der Erkenntnis göttlicher Dinge dienten, und unter anderem ein Buch über das vollkommene Wort verfasst. Und er sprach (wie Augustinus darlegt), dass die Götter der Heiden tote Menschen gewesen wären. Apuleius von Madaura, auch ein Schüler Platons, hat zu diesen Zeiten geleuchtet und daselbst in Madaura viele Bücher geschrieben; denn in ihm war eine besondere Überfülle und Gnade des Wissens der Schrift und auch der Beredsamkeit beieinander versammelt. Unter seinen anderen Lehren war diese eine: Nichts ist Gott ähnlicher als ein Mann, der im Gemüt vollkommen gut ist. Plotin, der Philosoph, auch ein Schüler Platons und ein Meister des Porphyrius, stand auch zu dieser Zeit in Ruhm und war zu allen Zierden der Tugend geschickt, auch mit Fleiß und Lehre aller göttlichen Ordnung gestärkt, gerecht, stark, mäßig und klug gewesen. Er glaubte, dass er die Gewalt des Glücks mit Klugheit der Vernunft überwinden könnte. Darum erwählte er sich einen Ort eines geruhsamen Sitzes, auf dass er, abgesondert von der Unruhe allen menschlichen Wandels, sich vom Neid des Glücks befreien möge. Dieser Mann ließ sich von keiner Begierde fangen, und darum hat er ein sehr schönes Buch über die Tugenden gemacht. Und er sprach, dass die vernünftige Seele (die in den himmlischen Sitzen, wie er nicht zweifelt, Wohnung hatte) nichts über die Natur hätte als allein Gott. Denn wie die Sonne den Mond beleuchtet, so erleuchtet Gott die Seele. Diogenes ist (wie Diokles schreibt) ein großer Philosoph gewesen, der sein Vaterland verließ und nach Athen zog; daselbst fand er Antisthenes. Er entfremdete sich von allen Vergnügungen. Er war der Erste, der wegen der Kälte einen doppelten Mantel hatte und eine Tasche, darin er Speise trug. Er schrieb und befahl jemandem, dass er ihm eine Zelle machen sollte. Weil jener aber langsam damit umging, da hatte er eine Kufe für ein Haus. Zur Zeit der Kälte kehrte er die Öffnung der Kufe gegen Mittag und im Sommer gegen Mitternacht. Im Sommer wälzte er sich im heißen Sand und im Winter umfing er mit Schnee bedeckte Statuen. Dieser Diogenes sah einmal ein Kind aus hohler Hand trinken, da warf er sein schnödes Gefäß hin und sprach: „Ein Kind hat mich in Einfachheit übertroffen.“ Er sprach, alle Dinge wären der Götter, und die Weisen wären der Götter Freunde. Er saß einmal in der Sonne, da sprach Alexander zu ihm: „Begehre, was du wolltest.“ Er antwortete: „Mache nur keinen Schatten.“ Und man sagt, dass Alexander gesprochen habe, er wollte, dass er Diogenes wäre, wenn er nicht Alexander wäre. Dies war unter anderem seine Lehre: Wenn dir jemand mit Liebe einen Rat gibt, so sei ihm mit Liebe gehorsam. Danach starb er zu den Zeiten des Ptolemäus Philadelphus. Philipp, der Sohn des Königs Perdikkas und der 23. König der Makedonier, regierte 27 Jahre und war ein Kriegsmann, der mit seiner Kraft die Reiche Armenien, Bithynien, Thrakien und Thessalien miteinander eroberte. Er war ein Mann freundlichen Zuspruchs, begehrend, mehr geliebt als gefürchtet zu werden, aber auch tapferer Sitten, des Weines zu viel begierig und doch nach Verdauung der Trunkenheit in seinen Handlungen mäßig. Einst, als er zum Schutz seines Reiches weit ausgezogen war, da floh Nektanebos, einst ein König Ägyptens, aus Furcht vor dem König der Perser zu ihm. Und als aber derselbe Nektanebos Olympias, die sehr schöne Frau Philipps, gesehen hatte, da verführte er sie durch Betrügerei der schwarzen Kunst (darin er dann hoch erfahren war); denn in der Nacht, in der Olympias empfing, träumte ihr, wie sie sich mit einer großen Schlange umschlang. Nun empfing Olympias von ihm und gebar nach der Wiederkunft Philipps den Sohn Alexander. Und obwohl Olympias ihrem Mann Philipp bekannte, dass sie denselben Alexander nicht von ihm, sondern von einer großen Schlange empfangen hatte, zog der König Philipp denselben Alexander doch als einen liebsten Sohn auf. Als nun Alexander geboren wurde, schrieb Philipp dem Aristoteles also: „Du sollst wissen, dass mir ein Sohn geboren ist, darum ich den Göttern danksage, nicht allein deshalb, dass er geboren ist, sondern auch darum, dass er zu den Zeiten deines Lebens geboren worden ist. Ich hoffe, dass er durch deine Unterweisung würdig werde.“ Den nahm danach Aristoteles in seine Zucht, und er ist fünf Jahre unter demselben Philosophen gewachsen und hat danach ein wildes Pferd zahm gemacht und unerschrocken geritten. Und als ihn Philipp sah, sprach er, dass er aus Antwort der Götter erkenne, dass Alexander nach ihm regieren würde. Darum gab er ihm einen königlichen Wagen, auch Pferde und eine Summe Goldes. Und Alexander bewegte einen Krieg wider den König der Peloponnesier, von dem brachte er dem Vater die Krone des Sieges mit Freuden wieder heim. Als er danach die Herrschaft empfing, da ließ er sich einen König aller Erde und der Welt nennen. Blatt 75 der Welt. Alexander der Große, der 24. König der Makedonier, hat im letzten Jahr des Arsames, des Königs der Perser, zu regieren angefangen und 12 Jahre und 6 Monate regiert und war 20 Jahre alt, als er anfing zu regieren. Als nun König Philipp gestorben war, so unterdrückte Alexander Illyrien oder Slawonien, die windischen Lande, sehr bald mit inbrünstigem Gemüt und eroberte die Inseln der Römer und schiffte über nach Afrika und überwand es ganz. Danach zog er in das widerstrebende Syrien, verwüstete es und bestritt Damaskus und eroberte Sidon. Danach eilte er nach Jerusalem; daselbst ehrte er den Bischof der Juden, zog in die Stadt und verlieh den Juden Freistellung. Und er beschwichtigte zwischen den Anfängen viel widerspenstiges Volk und legte viel Zwietracht des Ostens nieder. Mit diesen Dingen wurde er erhoben, dass er mit stillem Fuß nach Griechenland, das griechische Land, kam. Danach nahm er den persischen, vom Vater angefangenen Krieg auf. Und derweil er sich also zum Krieg schickte, wurde ihm verkündet, wie sich die Athener, Thebaner und Lakedaimonier von ihm an die Perser geschlagen hatten. Aber Alexander rüstete sich mit seinem Heer und unterdrückte Griechenland in großer Schnelligkeit. Und gleicherweise, als die Athener zum ersten abgetreten waren, so fingen sie auch zum ersten an zu büßen und Reue zu empfangen. Doch wurden sie durch Anaximenes den Weisen mit Alexander also wieder versöhnt, dass er ihnen Freistellung und auch Frieden gab. Er zündete die widerspenstige thebanische Stadt an und brachte die Lakedaimonier zu Gehorsam. Er zog auch nach Ägypten und baute allda eine wunderbare Stadt, die er nach ihm Alexandria nannte. Danach, als er wider die Perser zog und Darius seine Kindheit verachtete und ihm seine Mutter Olympias Botschaft sandte, zu ihr (denn sie war schwerlich krank) zu kommen, da kehrte er wieder heimwärts und eroberte unterwegs Phrygien, als er aus...

Anmerkungen

funft alter
Fünftes Zeitalter
Hermes egyptius
Hermes der Ägypter, oft identifiziert mit Hermes Trismegistus
philosophus
Philosoph (lat. philosophus)
Mercurius
Merkur (römischer Gott, entspricht dem griechischen Hermes)
Patonis
Platons (Genitiv von Platon, griechischer Philosoph)
ettwen
einst, ehemals
geslecht der lere
Art der Lehre, Wissensgebiet
wossens
Wissens
kunst
Kunst, Wissen, Fähigkeit
Trimegisto
Trismegistus (griech. 'dreimal größter')
zugelegt wardt
zugelegt wurde
erkantnus
Erkenntnis
dienende
dienend
volkomen wort
vollkommenes Wort
Augustinus
Augustinus von Hippo (christlicher Kirchenvater)
setzt
darlegt, behauptet
hayden
Heiden
Apuleius apher madeurensis
Apuleius von Madaura (römischer Schriftsteller und Philosoph)
geleuechtet
leuchtete, war berühmt/prominent
Madaura
Madaura (antike Stadt in Numidien, heute Algerien)
sunderliche vberfluessigkeit
besondere Überfülle
gnad
Gnade
schrifft
Schrift, Schriftgelehrsamkeit
außsprechens
Ausdrucks, Beredsamkeit
beyeinander versamelt
beieinander versammelt
gemueet
Gemüt, Geist
Plotinus
Plotin (neuplatonischer Philosoph)
mayster
Meister
Porphirij
Porphyrius (neuplatonischer Philosoph, Schüler Plotins)
ruom
Ruhm
zierlichkeitten der tugent
Zierden der Tugend
besterckt
gestärkt
massig
mäßig, besonnen
kluog
klug
glawbet
glaubte
gewaltsamkeit des gluecks
Gewalt des Glücks, Schicksals
kluogheit der vernunft
Klugheit der Vernunft
erwelet
erwählte
geruosamen stuols
geruhsamen Sitzes, Wohnsitzes
vnruoe
Unruhe
wandels
Wandels, Veränderung
neid des gluocks
Neid des Glücks, Schicksals
erledigen
befreien
begirde fahen
Begierde fangen, sich von Begierde erfassen lassen
tugenten
Tugenden
vernueftig sele
vernünftige Seele
himlischen stuelen
himmlischen Sitzen, Wohnstätten
wonung het
Wohnung hatte
wann
denn, weil
beleuechtet
beleuchtet
erleuechtet
erleuchtet
Diogenes
Diogenes von Sinope (griechischer Philosoph, Kyniker)
Diocles
Diokles von Magnesia (Biograph griechischer Philosophen)
verließe
verließ
zohe gein Athenas
zog nach Athen
Antistenen
Antisthenes (griechischer Philosoph, Begründer der Kynischen Schule)
empfrembdet sich
entfremdete sich
wolluestperkeiten
Wollustbarkeiten, Vergnügungen
kelte
Kälte
zwifachen mantelhet
zweifachen Mantel hatte
taschen
Tasche
speiß truge
Speise trug
zell
Zelle, kleines Zimmer
kuoffen
Kufe, Tonne (Fass)
haws
Haus
keret er den mund der kuoffen gein mittemtag
kehrte er die Öffnung der Kufe gegen Mittag (Süden)
imm sumer gein mitternacht
im Sommer gegen Mitternacht (Norden)
weltzet er sich
wälzte er sich
hai´ßen sannd
heißen Sand
vmbfienge
umfing
seueln
Säulen, Statuen
einßmals
einstmals, einmal
holer haund
hohler Hand
schnoeds gefaß
schnödes Gefäß, einfaches Gefäß
schnoedigkeit
Schnödigkeit, Einfachheit, Bedürfnislosigkeit
wernn
wären
freuedt
Freunde
saße
saß
Alexander
Alexander der Große (König von Makedonien)
wz
was
woellest
wolltest
antwurtet
antwortete
woelt
wollte
wer
wäre
ymant
jemand
bis
sei
darnach
danach
Ptolomei philadelphi
Ptolemäus II. Philadelphus (Pharao von Ägypten)
Philippus perdice
Philipp II. (König von Makedonien, Vater Alexanders des Großen)
xxiij.
römisch für 23
Macedonier
Makedonier
regiret
regierte
xxvij.
römisch für 27
iar
Jahre
kriegs man
Kriegsmann
kraft
Kraft
reich
Reiche
Armenie
Armenien
Bithimie
Bithynien
Tracie
Thrakien
Thessalie
Thessalien
eroberet
eroberte
freuentlichs zusprechens
freundlichen Zuspruchs
begerende
begehrend
geforcht zewerden
gefürchtet zu werden
tapferer sitten
tapferer Sitten
zeuil begirig
zu viel begierig
verdewung der trunckenheit
Verdauung der Trunkenheit (d.h. nach dem Ausnüchtern)
hendeln
Handlungen
Auff ein zeit
Einst, zu einer Zeit
wz er zubeschuetzung seins reichs verr außgezogen
er war zum Schutz seines Reiches weit ausgezogen
flohe
floh
Nectanabo
Nektanebos II. (letzter einheimischer Pharao Ägyptens)
Egypti
Ägyptens
Persarum
Perser
Olimpiadem
Olympias (Mutter Alexanders des Großen)
verweltigt
verführte, vergewaltigte
betrigerey der schwartzen kunst
Betrügerei der schwarzen Kunst (Magie)
hoh erfarnn
hoch erfahren
dann
denn
empfienge
empfing, empfing die Schwangerschaft
trawmet ir
ihr träumte
vmbweltzet
umschlang, umwickelte
nw
nun
gepare
gebar
widerkunft
Wiederkunft, Rückkehr
bekeunet
bekannte
sunder
sondern
slangen
Schlange
yedoch
jedoch
zohe ... auff
zog ... auf, erzog
geporn wardt
geboren wurde
Arestotili
Aristoteles (griechischer Philosoph)
sum
Sohn
dancksag
danksage
deßhalb dz
deshalb dass
anlere
Anlehre, Unterweisung
wirdig werd
würdig werde
name ... in sein zucht
nahm ... in seine Zucht, Erziehung
funff iar
fünf Jahre
gewachßen
gewachsen
gezame gemacht
zahm gemacht
vnerschroeckenlich
unerschrocken
ine
ihn
antwurt der goetter
Antwort der Götter
regirnn wuerdt
regieren würde
summa golds
Summe Goldes
beweget
bewegte, führte
Pelopeneser
Peloponnesier
sygs
Sieges
freueden
Freuden
widerheym
wieder heim
herrschung empfieng
Herrschaft empfing
hieß er sich ... nennen
ließ er sich ... nennen
werlt
Welt
Blat LXXV der werlt
Blatt 75 der Welt
LXXV
römisch für 75
xxiiij.
römisch für 24
imm letsten iar Arsani des konigs der Persier
im letzten Jahr des Arsames, des Königs der Perser (Arsames war ein persischer Satrap, hier wohl eine Verwechslung oder eine andere Bezeichnung für Darius III.)
zeregirn angefangen
zu regieren angefangen
xij.
römisch für 12
vi.
römisch für 6
geregirt
regiert
xx.
römisch für 20
vndertrucket
unterdrückte
Illiriacam
Illyrien (antike Region auf dem westlichen Balkan)
Sclauoniam windische land
Slawonien, windische Lande (Slawonien, slawische Gebiete)
inpruenstigem gemuet
inbrünstigem Gemüt, leidenschaftlichem Geist
innseln der Roemer
Inseln der Römer (historisch ungenau für Alexanders Eroberungen, möglicherweise eine allgemeine Bezeichnung für Gebiete im Mittelmeerraum)
Aphricam
Afrika
vberwande die gantz
überwand sie ganz
zohe er in
zog er in
widerstrebenden Siriam
widerstrebenden Syrien
verwuestet die
verwüstete sie
bestritte Damascum
bestritt Damaskus, griff Damaskus an
Sidonem
Sidon
eylet er gein Iherusalem
eilte er nach Jerusalem
eret er den bischoff der iuden
ehrte er den Bischof der Juden (Hohepriester)
freyung
Freistellung, Privilegien
geschwayget
beschwichtigte, beruhigte
anfenngen
Anfängen
widerspennigs volcks
widerspenstiges Volk
leget vil zwitracht des auffgangs hin
legte viel Zwietracht des Ostens nieder
Mit disen ding wardt er erhebt
Mit diesen Dingen wurde er erhoben
stillem fuoß
stillem Fuß, ungestört
Greciam das kriechysch lannd
Griechenland, das griechische Land
kom
kam
name er den Persischen vomm vater angefangen krieg fuer
nahm er den persischen, vom Vater angefangenen Krieg auf
dieweil
derweil, während
schicket
schickte, bereitete sich vor
verkuendt
verkündet
athenier
Athener
Thebanier
Thebaner
Lacesomonier
Lakedaimonier (Spartaner)
geslagen hetten
sich geschlagen hatten, sich angeschlossen hatten
ruestet sich
rüstete sich
heer
Heer
bedruecket kriechen land
unterdrückte Griechenland
gleicherweiß
gleicherweise
abgetretten warn
abgetreten waren, abgefallen waren
fiengen sie auch zum ersten an zebuessen vnd rew zeempfahen
fingen sie auch zum ersten an zu büßen und Reue zu empfangen
warden sie
wurden sie
Anaximenem den weyßen
Anaximenes den Weisen (Anaximenes von Lampsakos, Rhetoriker und Historiker)
gein alexandrum
gegen Alexander
versoenet
versöhnt
gabe
gab
zuendet die widerspenigen thebayschen statt an
zündete die widerspenstige thebanische Stadt an
bracht
brachte
Egypten
Ägypten
pawet alda ein wunderperliche statt
baute allda eine wunderbare Stadt
alexandriam
Alexandria
Darius sein kintheit verachtet
Darius (Darius III., letzter Großkönig des Achämenidenreiches) verachtete seine Kindheit
botschaft tet
Botschaft sandte
wz schwerlich kranck
war schwerlich krank
zekomen
zu kommen
keret er wider anhaynis
kehrte er wieder heimwärts (anhaynis ist hier als 'heimwärts' interpretiert, da ein spezifischer Ort 'Anhaenis' nicht bekannt ist und der Kontext eine Rückkehr impliziert)
vnderwegen Phrigiam
unterwegs Phrygien
als er auß g
Text bricht hier ab