Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter 100px 100px Iadus der sechst bischoff der iuden besaß das bischoffthumb. l. iar. Er was ein frummer man vnd liebhaber des frids. Als Alexander vber die iuden erzuernet vnd Jherusalem zerstoeren wolt do gienge im diser Jadus in seinen bischoflichen kleidern entgegen. do ließ alexander seinen zorn ab. styge pald vom pferd bettet den namen gottes an vnd eret den bischof Als nw alexander in die statt gegangen wz do bracht man im fuer Danielis prophecey die von ime saget. nach verlessung derselben empfienge er große freued vnd groeßern getrawen wider Darium zefechten. Er verlihe auch den iuden freyung sich irs gesetzs zegeprauchen vnd das sibend iar vnzinßper zesein. Onias Jadi des bischofs sun. vnd der iuden sibend bischoff volget seinen vater im andern iar des reichs ptolomei im bischofthumb nach vnd besaße es. xvij. iar. Zu dess zeiten die gesetz bey den iuden gar wol gehalten vnd die statt Jherusalem in allem frid bewonet wardt. vnd darumb hielten auch die haidnischen konig dieselben statt vnd den tempel in hoher ere mit zierung großer schenck vnd gabe. Anfang des reichs der Syrier Siria ein gegent asie endet sich vomm aufgang an den fluss Eufrates. vomm nidergang an den kleinen meer vnd an egypten. vnd hat von mitternacht Armeniam vnd Caadociam vnd mittemtag Arabiam. Seleucus einer auß den fursten alexandri hat nach ime in Siria das reich behabt aber er wardt außgetrieben von Antogono vnd durch ptolomeum nach absterben antogoni. vnd nach vberwindung Demetrij seins suns wideruemb eingesetzt vnnd regiret darnach. xxxij. iar vnnd fueret mit stetiger arbait bis in das achtzigst iar seins lebens alweg krieg. darinn er zu letst außgelescht wardt. Antigonus Philippi des koenigs sun. vnd alexanders bruder fieng nach ime an in azia zeregirnn vnd regiret. xviij. iar. Diser wz einer vnder den fuersten Alexandri vnd gar ein hohfertig man. darumb vbet er vil krieg. darinn er zu letst erniderlage. vnd Demetrius sein sun durch flucht daruon entrane. Saraballa der vogt oder verweser hat einen vberfluessigen tempel auf dem berg Garizim gepawt vnd Manassen den bruder Jadi zu bischoff daselbst gesetzt. der dann seyn aiden wz. vnd alhie hebt sich an der iuden scisma oder zwayung. dann im hiengen vil an. die wurden verbannet vnd Samartiani genant. vnd dieselb zwayung hat geweret bis zu der zerstoerung des tempels durch die roemer. Antiochus Sother Seleuci des konigs sund der ander konig Sirie regiret. xix iar. von dem sind die nachfolgenden konig Sirie antiochi zugenambt worden Alexander der groß der in der pluee seins alters vnd sygs erloschen ist. darumb bey yederman vnd dem gantzen Babilonia ein traurigs schweigen entstuond hat nach seinem letsten willen zwelff. die er von iugent auff bey im gehabt het zu nachkomen seins reichs geordnet. vnd nach dem aber die zwoelff sich darumb nicht vergleichen mochten. vnd deßhalb schier vnentlich krieg erwuchsen. vnnd Alexanders letster wil seiner außteilung keinen fuergang erlangen kund. also nach vertreibung der andern haben dise vier in der gruenen lini verzeichent nach dr prophecey Daniels die konigreich erlangt. also das Seleucus in Syria. Ptolomeus in Egypto. Pphilippus in Macedonia vnd Anigonus in Assiria regirten. Blat LXXVI der werlt 150px 300px Demas der atheniensisch philosophus reichßnet zur zeit Alexandri. Diser widerstuend alexandro do er die statt Athenas belegert het vnd erobern wolt. vnd widerriete den Atheniernn ime die stattzeuebergeben. do aber alexander die statt erobert do hieng er alexandro an mit freuentlicher erbietung. als aber die Athenier dem alexandro opffernn wolten sprach demas zu ine. Seht das ir nit die erden verlierent dieweil ir des himels wartent. Diss wz sein spruch Wenn ich vomm freuend haisch glihne schuld so entpfellt mir zum gelt sein huld. Quintus curcius der philozophus straffet den alexandrum darumb dz er begeret im goettliche ere zebeweysen. vnnd sprach zu ime. Bist du got so gib vns die gabe der vntoedlichkeit vnd nimme die nit von vns. Bist du aber ein mensch so bedenck dasselb alweg. vnd leg andere ding hin. 150px In disen Tagen als alexande geporn ward do warden die roemer mit seltsamen wunderzeichen erschrecket. dann man sahen die sunnen mit dem mond fechten. so schwitzten die felsen pluot. imm tag erschinen vil monde amm himel. die nacht naiget sich zum mererern teil des tags. so fielen felsen von den wolcken. vnd der hagel schluog die erden siben tag weyt vnd prayt mit eingemengten steynnin vberbleiblingen der schifern oder schalu. Olimpias die muter Alexandri wardt erslagen. die den todt on allen weiplichen schrecken vnerzittert empfienge. Von Philippo vnd seinem reich beschiht in der heiligen schrift nit meldung. sunder von den konigen Egipti vnnd Sirie. dann dieselben sind zu zeiten den iuden vnguenstig zu zeiten guenstig gewesen. auß der vrsach. dann dise konig fachten schier alweg mit den Egyptiern. nw lage israhel in der mitte. wo hin sie sich dann kerten so warden sie bekuemert. vnd Ptolomeus verfolget sie schwerlich. darumb warden sie in den volelckern zerstrewet. Ptolomeus der erst nach Alexandro Egiptisch konig regiret. xl. iar. vnd was ein sun eins ritters Lagi genant. vnd er hat Egiptum Affricam vnd einen großen teil Arabie als einen weiten schein seinen nachkomen gelaßen. also das sein nachfolgende konig zu egypten ptolomei genant worden. Ptolomeus philadelphus der ander konig Egipti regiret. xxxviij. iar Diser was des Ptolomei lagi kleinster sun. dem trate der vater vor seinem todt des reichs ab. vnnd auffet mit solchem ebenbild der guetigkeit die lieb des volcks gein dem iungen vnd nach dem diser Ptolomeus aller kunst der gelertist was vnnd Stratonem den philozohhum zu einem vnderweyser het so richtet er die in allerwerlt namhaftigsten librarey auff. die dann bis zu dem ersten alexandrischen krieg mit den roemern blibe. Diser Ptolomeus hat bey hundert zweyntzigtausent in Egipto dienender iuden des pands irer dienstperkeit entledigt vnd sie wider in Jherusalez gesendet. mitsambt den gefaßen zu den goetlichen dienst gehoerend: Eleazaro dem bischoff fuer die goetlichen schrifft zehaben. die er in dieselben librarey gelegt het. Diß Ptolomei muter hieß Beronica. vnnd sein weib Asinoa. auß der empfieng er Euergetez vnd Beronicam die tochter. die vermehelt er antiocho dem sun Seleuci
Das fünfte Zeitalter. Jadus, der sechste Bischof der Juden, besaß das Bischofsamt fünfzig Jahre. Er war ein frommer Mann und Liebhaber des Friedens. Als Alexander über die Juden erzürnt war und Jerusalem zerstören wollte, da ging ihm dieser Jadus in seinen bischöflichen Kleidern entgegen. Da ließ Alexander seinen Zorn ab, stieg bald vom Pferd, betete den Namen Gottes an und ehrte den Bischof. Als nun Alexander in die Stadt gegangen war, da brachte man ihm Daniels Prophezeiung dar, die von ihm sprach. Nach Verlesung derselben empfing er große Freude und größeren Mut, gegen Darius zu fechten. Er verlieh auch den Juden die Freiheit, sich ihres Gesetzes zu gebrauchen und das siebte Jahr zinsfrei zu sein. Onias, Jadus' Sohn und der siebte Bischof der Juden, folgte seinem Vater im zweiten Jahr des Reiches Ptolemäus' im Bischofsamt nach und besaß es siebzehn Jahre. Zu dessen Zeiten wurden die Gesetze bei den Juden sehr gut gehalten und die Stadt Jerusalem in allem Frieden bewohnt. Und darum hielten auch die heidnischen Könige dieselbe Stadt und den Tempel in hoher Ehre mit Zierrat, großen Geschenken und Gaben. Anfang des Reiches der Syrer: Syrien, eine Gegend Asiens, erstreckt sich vom Aufgang (Osten) an den Fluss Euphrat, vom Niedergang (Westen) an das kleine Meer und an Ägypten, und hat von Mitternacht (Norden) Armenien und Kappadokien und von Mittag (Süden) Arabien. Seleukos, einer der Fürsten Alexanders, hatte nach ihm in Syrien das Reich inne, aber er wurde von Antigonos vertrieben und durch Ptolemäus nach dem Tod Antigonos' und nach Überwindung Demetrius', seines Sohnes, wieder eingesetzt und regierte danach zweiunddreißig Jahre und führte mit stetiger Arbeit bis in das achtzigste Jahr seines Lebens stets Krieg, worin er zuletzt ausgelöscht wurde. Antigonos, Philipps, des Königs, Sohn und Alexanders Bruder, begann nach ihm in Asien zu regieren und regierte achtzehn Jahre. Dieser war einer unter den Fürsten Alexanders und ein sehr hochmütiger Mann. Darum führte er viele Kriege, worin er zuletzt unterlag, und Demetrius, sein Sohn, entkam durch Flucht davon. Sanballat, der Vogt oder Verweser, hat einen prächtigen Tempel auf dem Berg Garizim gebaut und Manasse, den Bruder Jadus', dort zum Bischof eingesetzt, der dann sein Eidam war. Und hier beginnt die Schisma oder Spaltung der Juden, denn ihm schlossen sich viele an. Die wurden verbannt und Samaritaner genannt. Und dieselbe Spaltung hat gewährt bis zur Zerstörung des Tempels durch die Römer. Antiochos Soter, Seleukos', des Königs, Sohn und der zweite König Syriens, regierte neunzehn Jahre. Von ihm sind die nachfolgenden Könige Syriens Antiochi genannt worden. Alexander der Große, der in der Blüte seines Alters und Sieges gestorben ist, darum entstand bei jedermann und im ganzen Babylon ein trauriges Schweigen, hat nach seinem letzten Willen zwölf (Männer), die er von Jugend auf bei sich gehabt hatte, zu Nachfolgern seines Reiches bestimmt. Und nachdem aber die zwölf sich darum nicht einigen konnten und deshalb schier unendliche Kriege erwuchsen und Alexanders letzter Wille seiner Aufteilung keinen Fortgang erlangen konnte, also nach Vertreibung der anderen haben diese vier, in der grünen Linie verzeichnet, nach der Prophezeiung Daniels die Königreiche erlangt, sodass Seleukos in Syrien, Ptolemäus in Ägypten, Philippos in Makedonien und Antigonos in Assyrien regierten. Demades, der athenische Redner, rechnete zur Zeit Alexanders. Dieser widerstand Alexander, als er die Stadt Athen belagert hatte und erobern wollte, und riet den Athenern ab, ihm die Stadt zu übergeben. Als aber Alexander die Stadt erobert hatte, da schloss er sich Alexander mit freundlicher Darbietung an. Als aber die Athener dem Alexander opfern wollten, sprach Demades zu ihnen: 'Seht, dass ihr nicht die Erde verliert, während ihr des Himmels wartet.' Dies war sein Spruch: 'Wenn ich vom Freund geliehene Schuld fordere, so entfällt mir zum Geld seine Huld.' Quintus Curtius, der Historiker, tadelte Alexander, darum dass er begehrte, ihm göttliche Ehre zu erweisen, und sprach zu ihm: 'Bist du Gott, so gib uns die Gabe der Unsterblichkeit und nimm sie nicht von uns. Bist du aber ein Mensch, so bedenke dasselbe stets und lege andere Dinge beiseite.' In diesen Tagen, als Alexander geboren wurde, da wurden die Römer mit seltsamen Wunderzeichen erschreckt. Denn man sah die Sonne mit dem Mond fechten, so schwitzten die Felsen Blut, am Tag erschienen viele Monde am Himmel, die Nacht neigte sich zum größeren Teil des Tages, so fielen Felsen von den Wolken, und der Hagel schlug die Erde sieben Tage weit und breit mit eingemengten steinernen Überbleibseln der Schiefer oder Schalen. Olympias, die Mutter Alexanders, wurde erschlagen, die den Tod ohne allen weiblichen Schrecken unerschüttert empfing. Von Philipp und seinem Reich geschieht in der Heiligen Schrift keine Erwähnung, sondern von den Königen Ägyptens und Syriens. Denn dieselben waren zu Zeiten den Juden ungünstig, zu Zeiten günstig gewesen. Aus diesem Grund: denn diese Könige fochten schier stets mit den Ägyptern. Nun lag Israel in der Mitte. Wohin sie sich dann kehrten, so wurden sie bekümmert. Und Ptolemäus verfolgte sie schwerlich. Darum wurden sie in den Völkern zerstreut. Ptolemäus, der erste ägyptische König nach Alexander, regierte vierzig Jahre und war ein Sohn eines Ritters namens Lagos. Und er hat Ägypten, Afrika und einen großen Teil Arabiens als ein weites Reich seinen Nachkommen hinterlassen, sodass seine nachfolgenden Könige in Ägypten Ptolemäer genannt wurden. Ptolemäus Philadelphos, der zweite König Ägyptens, regierte achtunddreißig Jahre. Dieser war des Ptolemäus Lagos' jüngster Sohn, dem der Vater vor seinem Tod das Reich abtrat. Und erweckte mit solchem Ebenbild der Güte die Liebe des Volkes gegenüber dem Jungen, und nachdem dieser Ptolemäus in aller Kunst der Gelehrteste war und Straton, den Philosophen, zu einem Unterweiser hatte, so richtete er die in aller Welt namhaftigste Bibliothek auf, die dann bis zum ersten Alexandrinischen Krieg mit den Römern blieb. Dieser Ptolemäus hat etwa hundertzwanzigtausend in Ägypten dienende Juden des Pfandes ihrer Dienstbarkeit entledigt und sie wieder nach Jerusalem gesendet, mitsamt den Gefäßen, die zum göttlichen Dienst gehörten, an Eleazar, den Bischof, damit er die göttlichen Schriften habe, die er in dieselbe Bibliothek gelegt hatte. Dieses Ptolemäus' Mutter hieß Berenike und sein Weib Arsinoë. Aus ihr empfing er Euergetes und Berenike, die Tochter. Die vermählte er Antiochos, dem Sohn Seleukos'.