Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter 100px 100px Ptolemous Euergetes deß philadelphi sun der drit Egyptisch konig regiret. xxvi. iar. Dieser hat zu rachsal seiner schwester Beronice. die Anthiochus Galericus vnd sein muter Laodicia des reichs entsetzeten. Siriam Ciliciam. vnnd einen teil Asie zerstoeret vnd vnzallichen rawb dauon gebracht. Ptolomeus philipator der vierdt Egyptisch konig regiret. xvij. iar. der ersluog seinen vater vnd erwuerget seinen bruder. daher heißt er Philipator. vnnd gleich als er lasterlich was in bekuemmerung des rechs. also was er auch faul treg vnnd versewmlich in pflegnus desselben. dafi er ergabe sich auff leiplich wollust, darumb hat ime Antiochus der groß konig Siriw vil stett bedrucket. Als er aber darnach die verlorne ding herwider bracht. vnd Antiochum des reichs berawbet. wo ime das glueck darinn gefolget het. do fiele er zu letztin vnkeuescheit und vermischet sich nach ertoedtung Euridice seins weibs vnder die vnzucht der puebischen weiber vnd starb. vnnd ließ einen sun fuenff iar alt. Die vnzuchtigen weiber warden zu rachsal der ertoedten konigin erhangen. so schickten die von Alexandria gein Rom das sie sich das vnmuendigen kinds pflegnus verstuenden. 100px 100px Dion syracusanus was ein edeler philozophus. der nach betruebnus beder Dionisischen wueetrichey bey der statt syracusy ertoedt ward. dann der foerder dionisius vermehelt ime aristomachen des Dyonis schwester, auß der warden ime zwen suen Dyppaus vnd Nyseus geporn. vnnd auch souil toexhter. der eine gab er seinen suen Dionisio. dem er dz reich ließ. vnd die andern dem vetter Dionis. der dann on sein edle gepurt. vnnd on den guoten leumuot seiner elternn sunst auch von der natur vil loeblicher guoter ding. als ein guote gelirnige vnnd zu allen kuensten geschickte sinnreichigkeit. auch große widrigkeit des leibs. vnd auch vomm vater vil gelaßner erblicher guoter empfangen het Sibilla chimica in wekschen landen geporn mit einem himelfarben klaid beklaidet. mit guldin locken vber die schulttern gebraytet. vnd iung sprach also. In dem ersten antlitz der iunckfrawen wird ausstygen ein iungs iunckfrewlein. mit schoenem angesicht. mit langen loecken. sitzende auff einem gestrewten stuol. nerende ein kind. gebende ime zeessen sein eygene pruee ein milch vomm himel gesendet. Carmeides der philozophus ist der. der von den Athemernn mit dem Diogene zu dem roemischen rat gesannd wardt. der was in lernung vnd gedancken also flexßig das er yezuzeiten an dem tisch sitzende sein hannd zum mund zethun vergaße. sunder Melista die er an eins weibs statt bey ime hett laytet im sein hannd zu noturftigen vbungen dann er gepraucher sich des gemuets mit dem leben. vnd schine als wer mit eim frembden leib vmgeben. vnnd starb imm hundersten iar seins alters. Anarimenes der groß redner war des Alexander maister in der redkunst. der die historiam Alexandri beschriben sol haben. Vonn dem sagt Valerius. Als Alexander eins mal auß zorn die stat Lausatum vmbkeren wolt wer imm Anaramenes begegent. den hett Alexander ersehn und gewißt das Anaramenes an ine begeret das er ine desselben nit ge weren wolt. do sprach Anarimenes zu alexandro. Ich bit dich du woellest Lausazum zerstoeren Also erlanget er der statt das hayl. vnd dergleichen sol zu Athenis auch beschehen sein. Sertilia ein Verstalische iunckfraw wardt von verschetzung wegen irer iunckfrawschafft lebendig begraben. Xenophilus der Pitagoricisch philozophus. auß Calcedonia pirtig. ward auch zu disen zeiten in großem werde gehalten. Dieser ist (als sie sagen) alles menschlichs vngemachs enteueßert gewesen. vnd als er. c. vnd fuenff iar alt wardt do starb er in hohen schein der lere vnd volkomenheit. Blat LXXIX der werlt 100px 100px Arichiphilas was ein philozophus von dem sich die fect der Achademier anfieng. dieser hat einen armen und krancken freuend der sich doch sor scham nit melden getorst. Als aber das an disen Archiphyilem gelanget. do setzer er immer fuer seinen freuend an beschamunng haymlicher weyse zu hilft zekommen. vnd. leget vnwissend deines freuends ime ein sacklein mit gelr vnder sein kuessen auff dz sich der geschamig freend solchs gelts mer als eins funds denn als einer gabe gprauchet. Dise zwen taherren haben mit Alexandro den konig Epyri gestritten. Emilius het mit den roemern wider die Taren tiner gar ein rechten krieg- darin Pirrhus der kriechisch konig den Tarntinernn hilff raichet. derselb krieg werer vber vier iar. zu letzt ward Prrus vberwunden wnnd starb erbermlich. do machten die Tarentiner mit den von Carthago ein puentnus. darauß fiengen Marcus valerius cornius sich die puenischen krieg an. 100px Marcus valerius mit zunamen coruinus wz ein roemischer iungling. fuertreffliches gemueets vnd sunderlicher tugend. nit vneirdiger dann Camillus. dann wiewol er iung was yedoch name er wider einen Gallischen in groeße und waffen bruembten man einen sunderlichen kampff auff. vnd als er das kampff zyl herfuergiemge. vnd nochmals nit hand angelegt do setzet sich alßpald ein rab auff seinen helm. der nach angefangem kampff nye vomm helm Valerij kome. sunder nut aufhoeret die awgen des Gallischen mans mit dem schnabel vnd kloen zeuerletzen. solang bis Valerius seinen widerkempffer mit solcher wundergeschiht erschzocken vberwan de vnd ertoetet. vnd alßpald verschwande der rab. Von dem Valerio der zu namen corninus entstunde. Emilius hat wider die Tarentiner gekriegt. So hat Curius mit konig Pirrho gestritten. vnd den dritten krieg wider die Epyrotas gefuert. vnd Pirrhum geiagt. vnd. rriijm. man zu tod geslagen. dann er sprach. ich mag we der in der steytspitzen vberwunden noch mit gelt gepogen werden. ich wil liber vber die reichen herzschen dann selbs reich sein. Diß zwen ratheen haben nacheinander geregiret. Geminicus hat die affricos cnd Tarantiner besttritten: so hat Sempronius die Picenter vber wunden. In demselben stryt erzitteret die erd. gleich als ob sie einen grawen het souil menschliches vergßenes pluots zeempfahen. dann wiewol die Roemer vberwanden so komen ir doch wenig daruon. 100px Lucius papirius der roemer. ein hohberuembter kriegs man wardr von dem roemischen rat zu einem dictator erwelet. vnd er setzet im Quintum fabium zu einem hawbtman des raysigen gezeugs der name auß befehnus der roemischen rats einen krieg wider die Samniter fuer. Vnlang danach zohe derselb dictator gein Rome. di man sein notturftig was vnd befalhe Quinto Fabio dem hawbtman das er in seinem abwesen mit dem sein den nit treffen solt. Aber nach abscheid des dictators erkuendigte sich der Fabius durch speher das der feind dachen alle in zerruedung stunden. demnach wardt Fabius also begirig das er wider die Samniter em slagen anfieng. vnd zu hefftigem streit den pferden die zawm abzohe cns sie gespoeret vnder die feind lawen ließ. also das ine kein macht widersteen kund. vnd warden (als Plinius setzt) xxm. feind an dem tag erslagen. das ließ Fabius nit an den dictator sunder an den roemischen rat gelangen. darumb vrteyler ine der dictator auß zurnn zu der pen des tods das er in seinen abwesen wider sein verpot mit den feinden gestritten het. als aber Fabius zum tod gefueret wardt. do wardt er durch groß gunst des volckes vnd der ritterschafft entledigt. vnnd ein solche auffruor wider den obgenanten Papirium den dictator das er kawm mit dem leben dauon kome. vnd wiewol darnach die Samniter die Roemer an einem engen ort besloßen. mit großer slacht ernider legten so haben doch die roemer im nachfolgenden iar auß befelhnus eines rats auff anlaytung des obgenanten Papirij dieselben Samniter hurwiderumb vberwunden
Das fünfte Zeitalter. Ptolemäus Euergetes, der Sohn des Philadelphus, der dritte ägyptische König, regierte 26 Jahre. Dieser hat zur Rache für seine Schwester Berenike, die Antiochus Galerius und seine Mutter Laodike des Reiches entsetzten, Syrien, Kilikien und einen Teil Asiens zerstört und unzählige Beute davon gebracht. Ptolemäus Philopator, der vierte ägyptische König, regierte 17 Jahre. Er erschlug seinen Vater und erwürgte seinen Bruder, daher heißt er Philopator. Und gleichwie er lasterhaft war in der Bekümmerung des Reiches, so war er auch faul, träge und nachlässig in dessen Pflege, sodass er sich auf leibliche Wollust ergab. Darum hat ihm Antiochus der Große, König von Syrien, viele Städte bedrückt. Als er aber danach die verlorenen Dinge wiederbrachte und Antiochus des Reiches beraubte, wo ihm das Glück darin gefolgt wäre, da fiel er zuletzt in Unkeuschheit und vermischte sich nach der Tötung Eurydikes, seiner Frau, unter die Unzucht der jungen Frauen und starb. Er hinterließ einen fünf Jahre alten Sohn. Die unzüchtigen Frauen wurden zur Rache für die getötete Königin erhängt. Da schickten die von Alexandria nach Rom, damit sie sich der Pflege des unmündigen Kindes annähmen. Dion von Syrakus war ein edler Philosoph, der nach der Betrübnis beider dionysischen Gewaltherrschaften bei der Stadt Syrakus getötet wurde. Denn der ältere Dionysius verheiratete ihn mit Aristomache, der Schwester des Dionysius, aus der ihm zwei Söhne, Dyppaus und Nyseus, geboren wurden, und auch ebenso viele Töchter. Die eine gab er seinem Sohn Dionysius, dem er das Reich überließ, und die anderen seinem Vetter Dion, der dann, abgesehen von seiner edlen Geburt und dem guten Ruf seiner Eltern, sonst auch von Natur aus viele lobenswerte gute Dinge empfangen hatte, wie einen guten, gelehrigen und zu allen Künsten geschickten Scharfsinn, auch große körperliche Widerstandsfähigkeit, und auch vom Vater viele hinterlassene, erbliche Güter. Die Sibylla Cimmeria, geboren in welschen Landen, bekleidet mit einem himmelfarbenen Kleid, mit goldenen Locken über die Schultern gebreitet, und jung, sprach also: „In dem ersten Antlitz der Jungfrau wird ein junges Jungfräulein aufsteigen, mit schönem Angesicht, mit langen Locken, sitzend auf einem gestreuten Stuhl, ein Kind nährend, ihm zu essen gebend seine eigene Brühe, eine vom Himmel gesandte Milch.“ Charmides der Philosoph ist der, der von den Athenern mit Diogenes zum römischen Rat gesandt wurde. Er war in Lehre und Gedanken so fleißig, dass er zuweilen, am Tisch sitzend, vergaß, seine Hand zum Mund zu führen. Sondern Melissa, die er anstelle einer Frau bei sich hatte, leitete ihm seine Hand zu notwendigen Übungen, denn er gebrauchte seinen Geist mit dem Leben und schien, als wäre er von einem fremden Leib umgeben, und starb im hundertsten Jahr seines Alters. Anaximenes der große Redner war Alexanders Meister in der Redekunst, der die Historie Alexanders beschrieben haben soll. Von ihm sagt Valerius: Als Alexander einmal aus Zorn die Stadt Lampsacus umkehren wollte, begegnete ihm Anaximenes. Alexander hatte ihn gesehen und gewusst, dass Anaximenes von ihm begehrte, dass er ihm dasselbe nicht gewähren wollte. Da sprach Anaximenes zu Alexander: „Ich bitte dich, du wollest Lampsacus zerstören!“ So erlangte er der Stadt das Heil. Und dergleichen soll zu Athen auch geschehen sein. Sertilia, eine Vestalische Jungfrau, wurde wegen Verletzung ihrer Jungfräulichkeit lebendig begraben. Xenophilus der Pythagoreische Philosoph, aus Chalcedon gebürtig, wurde auch zu diesen Zeiten in großem Wert gehalten. Dieser ist (wie sie sagen) alles menschlichen Ungemachs entäußert gewesen. Und als er 105 Jahre alt wurde, da starb er in hohem Schein der Lehre und Vollkommenheit. Blatt 79 der Welt. Arcesilaus war ein Philosoph, von dem sich die Sekte der Akademiker anfing. Dieser hatte einen armen und kranken Freund, der sich doch vor Scham nicht melden getraute. Als aber das an diesen Arcesilaus gelangte, da setzte er immer für seinen Freund, ohne Beschämung, heimlicherweise zu helfen. Und legte, unwissend deines Freundes, ihm ein Säcklein mit Geld unter sein Kissen, auf dass sich der schamhafte Freund solches Geldes mehr als eines Fundes denn als einer Gabe gebrauchte. Diese zwei Herren haben mit Alexander, dem König von Epirus, gestritten. Aemilius hatte mit den Römern gegen die Tarentiner einen rechten Krieg, darin Pyrrhus, der griechische König, den Tarentinern Hilfe reichte. Derselbe Krieg währte über vier Jahre. Zuletzt ward Pyrrhus überwunden und starb erbärmlich. Da machten die Tarentiner mit denen von Karthago ein Bündnis, daraus fingen Marcus Valerius Corvinus die Punischen Kriege an. Marcus Valerius, mit Zunamen Corvinus, war ein römischer Jüngling vortrefflichen Gemüts und besonderer Tugend, nicht unverdienter als Camillus. Denn wiewohl er jung war, nahm er jedoch wider einen gallischen, an Größe und Waffen berühmten Mann, einen besonderen Kampf auf. Und als er das Kampfziel hervorging und noch nicht Hand angelegt hatte, da setzte sich alsbald ein Rabe auf seinen Helm, der nach angefangenem Kampf nie vom Helm Valerius' kam, sondern nicht aufhörte, die Augen des gallischen Mannes mit dem Schnabel und Krallen zu verletzen, solange bis Valerius seinen Widerkämpfer mit solcher Wundergeschichte erschrocken überwand und tötete. Und alsbald verschwand der Rabe. Von diesem Valerius entstand der Zuname Corvinus. Aemilius hat wider die Tarentiner gekriegt. So hat Curius mit König Pyrrhus gestritten und den dritten Krieg wider die Epiroten geführt und Pyrrhus gejagt und 23.000 Mann zu Tod geschlagen. Dann er sprach: „Ich mag weder in der Speerspitze überwunden noch mit Geld gebogen werden. Ich will lieber über die Reichen herrschen, dann selbst reich sein.“ Diese zwei Ratsherren haben nacheinander regiert. Geminus hat die Afrikaner und Tarentiner bestritten; so hat Sempronius die Picenter überwunden. In demselben Streit erzitterte die Erde, gleich als ob sie einen Grauen hätte, so viel menschliches vergossenes Blutes zu empfangen. Denn wiewohl die Römer überwanden, so kamen ihrer doch wenige davon. Lucius Papirius, der Römer, ein hochberühmter Kriegsmann, ward von dem römischen Rat zu einem Diktator erwählt. Und er setzte ihm Quintus Fabius zu einem Hauptmann des reisigen Zeugs, der, auf Befehl des römischen Rates, einen Krieg wider die Samniter führte. Unlang danach zog derselbe Diktator gen Rom, da man seiner bedurfte, und befahl Quintus Fabius, dem Hauptmann, dass er in seinem Abwesen mit dem Feind nicht treffen sollte. Aber nach Abschied des Diktators erkundigte sich der Fabius durch Späher, dass der Feind da alle in Zerrüttung stunden. Demnach ward Fabius also begierig, dass er wider die Samniter einen Schlag anfing und zu heftigem Streit den Pferden die Zäume abzog und sie gespornt unter die Feinde laufen ließ, also dass ihm keine Macht widerstehen konnte. Und es wurden (wie Plinius setzt) 20.000 Feinde an dem Tag erschlagen. Das ließ Fabius nicht an den Diktator, sondern an den römischen Rat gelangen. Darum urteilte ihn der Diktator aus Zorn zur Todesstrafe.