Schedelsche Weltchronik · Blatt 81

Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 81, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 81, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das funft alter 100px 100px Ptolomeus epiphanes der fuenft egiptisch konig regiret. xxiiij. iar. vnd was imm anfang seins regiments nit vber vier iar alt. vnd nach dem sein kintheit weder rats noch kreft messig sein mocht. darumb vnderstuonde sich seins reichs Antiochus der großkonig Sirie. vnd begunde das mit kriegischer tat anzefechten. aber die fuersten des reichs namen sich des iungen konigs getrewlich an vn beschirmten alles konigreich. Disen kome auch zu schutz Onias der iuden bischoff. als er aber zu seinen vogtpern iaren komen was do vermehelt im Antiochus der edel des grossen antiochi sun sein schwester hinderlistigclich zu eim weib. auß der empfieng er zwen suen. do Antiochus das horet kome er in gestalt sein schwester Cleopatram vnd ire suen zesehen. in Egypten vnd verfueget disen Ptolomeum ob dem tisch zeertoedten. vnd als er sich das gantz egyptier lannd vnderzedrucken sich vnderstunde do wardt er von den egyptiern vertriben. vnd als er nach zwayer iaren Alexandriam belegert von den roemischen potschaftern auß Egypten zeweichen gedrungen. 100px Ptolomeus philometor der sechst Egyptisch konig regiret. xxxv. iar. vnd was der schwester Antiochi sun vnd zumal ein nachlaßig man. disen bekrieget seiner muter bruder. darumb schicket er sein botschafft gein Rome nach hilff. do schickten die Roemer Pompiliuz ire rats botschaft zu antiocho mit begerung von Egypten abzesteen. do empfienge ine an tiochus mit dem kuss. vnd als nw Pompilius seine beuelh geworben het vnd Antiochus die werbung an sein freuend bringen wolt. do vmbfieng ine pompilius mit einer ruoten gepietende seiner freuendt rates zepflegen vnd vor vnd ee auß dem zirckel nit zegeen. er hett denen antwurt gegeben. vnd ime frid oder krieg erwelet auß diser gestrengigkeit wardt der kunig zu gehorsam des roemischen rats bewegt. Diser Ptolomeus hat darnach sein tochter Cleopatram dem konig Alexandro verheyrat. vnd nachfolgend wider genomen vnd Demetrio vermehelt. den er wider ine komende in die flucht bracht. vnd am dritten tag in vberantwurtung des hawtbs Alexandri im durch den Arabischen konig beschehen vor freueden verschiede. Capronia ein vestalische klosteriunckfraw wardt von verwuerkung wegen irer iunckfrawschaft erhenckt. Titus liuius ein beschreiber geuebter vbeltat wz diser zeit hohberuembt. der von verdienst wegen seiner sinnreichigkeit gefreyet ward. Minucia die Vestalisch iunckfraw wardt auß verschertzung irer iunckfrawschaft lebendig begraben. Theophrastus der chresisch philozophus hat zu erst dahaymend Leucippum seinen burger. darnach Platonem vnd nachfolgend Aristotilem gehoert. Diss was ein man hoher kluogheit. sunderlicher emßigkeit vnd wunderperlichs außsprechens. also. wiewol er dauor ein tyrann hieß so nennet ine doch von seins wundersamen außsprechens wegen der Arestotiles Theophrastum. Er hat bey. iijc. buechernn gemacht vnd bey. ijm. zuhoerer vnd iunger gehabt. vnder den was Nicomachus der sun Aristotilis vnd Meander vnd diss het er alweg ime mund. die allerkoestlichst zerung ist die zeit. vnd starb. lxxxv. iarig. Menander der poet vnd iunger Theophrasti ist der von dem Quintilianus also spricht. Mich beduenckt dz diser Meander vleißigclich geleßen. zu volbringung alle der lere die wir getan haben gnugsam sey. also aigentlich hat er alle pildnus des lebens außgetruckt. also ein große gnugsamkeit vnd vermueglichkeit deß getichts vnd außsprechens was in ime. also schickerlich redet er von allen dingen. personen vnd iren naygungen. Menippus wz ein Cunicischer philozophus vnd ein knecht. dess herr wz Bachus ponticus. vnd er was ein teglicher wuchrer. Zu letst verlore er durch veyntschafft alles das er het vnnd erhieng sich. Demetrius phalerius der philozophus ein iunger Theophrasti ein subtiler disputirer vnd redner was ein wenig gewaltsam. vnd doch sueß. vnd als er. x. iar bey den Atheniern gewesen wz wardt er von seiner fuertreffenlichen tugent wegen mit. iijc. lx. erinen sewln geeret. darumb das er die statt an zinsen vnd gepewen gemeret het. Als aber darnach in seinem abwesen die sewln zerprochen warden sprach er. noch haben sie nit zerstoert die tugent. von der wegen sie die sewln haben aufgericht. Er saget auch dz die gesprechlichkeit in regirung einer statt gemains nutzs also kreftig wer. als die waffen in dem krieg. Blat LXXXI der werlt 100px Nach erpawung der statt Rom. iiijc. lxxvij. iar was der namen derselben statt yetzo hohberuembt vnd nochmals kein waffen außer welschen landen bewegt worden. aber zu erfarung der manschaft der Roemer warden gezelet zwaymal hunndert zwayunndnewntzig tausent. drey hundert vierunddreyssig hawbt. wiewol die Roemer von anbegyn irer statt nie an krieg waren. Nw fieng sich der krieg wider die Affrier an. erstlich vnder Apio claudio vnd Quinto fabio den ratherren in Sicilia. vnnd apius claudius behielt den sige wider die Affrier vnd konig Sicilie. Do Gneus vnd Gaius ratherren waren do fachten die roemer imm meer mit gespitzten schiffen. aber Cornelius wardt betrogen. so hatt Duellius im streit den Carthaginensischen hertzog vberwunden. xxxi. schiff genomen xiiij. schiff versencket. der feind siben tausent gefangen vnd dreytausent erslagen. also das kawn einiche vberwindung den Roemern angenemer was. 100px 100px Crispus der naturlich maister reichßnet zu diser ziet. der im. lxxx. iar seins alters ein buch also subtilig machet. das zu verstentnus der ding darinn begriffen eins langen lebens not wer. Dess spruech was diss einer. Der weise mangelt keins dings. vnd ist doch vil dings nottueftig. hinwiderumbe bedarf der narre keins dings. dann er waißt keins dings zegeprauchen. sunder mangelt aller ding. so was Zenon der naturlich maister auch zu seinen zeiten. der sprach. die rede die du allain hoerst sol bey dir begraben sein. Dise zwen ratßherren stritten mit Hannone dem carthaginensischen kayser vnd verwueesteten corsicam vnd sardiniaz. vnd scipio fueret vil tausent menschen gefangen von dannen hin. Polemon der Athenisch philozophus wardt zu diser zeit erkannt. Diser was (als Laercius setzt) in seiner iugent zumal furwitzig vnd vngeschamig. also das er zu erfuellung aller wolluestperkeit sein gelt vmbtruoge vnd an vnweg vnd strassen verbarge. aber als er eins mals truncken vnd gekroent in die schuel Xenocratis stolpert. do hoeret xenocrates auff von seiner angefangnen meynung zereden. vnd fieng an von geschamigkeit zesagen. Auß dem het sich Polemon fueran in emmßiger lernung vnd tapfferkeit also gebessert das er xenocrati in regirung der schuel nachkomen wer. Under disen ratherren hetten mancherlay geferlichkeit des fewrs vnnd wassers schier die statt Rom verzeret vnd wardt der krieg in affricaz wider Amilcarem dem cartaginensischen hertzogen gewendet auff dem meer gestritten vnd derselb hertzog vberwunden. do zogten dise ratßherren bis gem carthago vnnd verstoereten vil stett. Mallius keret als ein vberwinder wider gein Rom. so blib Attillius regulus in Affrica. vnd krieget wider die Affrier vnd facht wider drey carthaginensisch hertzogen. nemlich wider die zwen Aßdrubales vnd Atailcarem vnd siget inen ab. vnd schluog der feind xvijm. zu tod. vnd ertoedtet ein wunder grosse schlangen. der hawt wz. c. xx. schuog lang. vnd zu Rom menigclichen zu eim wunderzaigen gezaigt. do war den die carthaginenser ernidergelegt. also das sie von den Roemern frids bebegerten. doch wardt Regulus darnach auch ernidergelegt. Dieweil Marcus emilius vnd Paulus seruius ratherren waren sind sie bede in Affricam mit. iijc. schiffen gezogen gein der statt Clipseam begeret vnd pald gein Carthago komen. also hetten sie erstlich die Affrier mit dem schiff streit vberwunden. so versencket Emilius hundert vnd vier schiff mit feynden. vnd fieng dreyssig schiff mit weppner. So hat er auch. xvm. feind eintweders erslagen oder gefangen vnd Affrica wer deßmals gantz ernidergeworffen worden. wo nicht ein solcher hunger gewesen wer. das das heer nicht lennger verharren mocht. Aber die rattherrn erlidden bey Sicilia einen schiffpruch. Zu disen zeitten ward der silberin pfenig erstlich zu Rome gepregt.

Moderne Übersetzung

Das fünfte Zeitalter. Ptolemäus Epiphanes, der fünfte ägyptische König, regierte 24 Jahre und war zu Beginn seiner Herrschaft nicht über vier Jahre alt. Und nachdem seine Kindheit weder rats- noch kraftmäßig sein konnte, unternahm es Antiochus, der Großkönig von Syrien, sich seines Reiches zu bemächtigen und begann, es mit kriegerischer Tat anzufechten. Aber die Fürsten des Reiches nahmen sich des jungen Königs getreulich an und beschirmten das ganze Königreich. Diesem kam auch Onias, der Bischof der Juden, zu Schutz. Als er aber zu seinen mündigen Jahren gekommen war, vermählte ihm Antiochus der Edle, der Sohn des großen Antiochus, seine Schwester hinterlistig zu einer Frau, aus der er zwei Söhne empfing. Als Antiochus das hörte, kam er in Gestalt, seine Schwester Kleopatra und ihre Söhne zu sehen, nach Ägypten und veranlasste, diesen Ptolemäus ob dem Tisch zu ertöten. Und als er sich das ganze ägyptische Land zu unterdrücken unternahm, da wurde er von den Ägyptern vertrieben. Und als er nach zwei Jahren Alexandria belagerte, wurde er von den römischen Botschaftern gedrängt, aus Ägypten zu weichen. Ptolemäus Philometor, der sechste ägyptische König, regierte 35 Jahre und war der Sohn der Schwester Antiochi und zumal ein nachlässiger Mann. Diesen bekriegte seiner Mutter Bruder. Darum schickte er seine Botschaft nach Rom um Hilfe. Da schickten die Römer Pompilius, ihren Ratsbotschafter, zu Antiochus mit der Bitte, von Ägypten abzustehen. Da empfing ihn Antiochus mit dem Kuss. Und als nun Pompilius seinen Befehl geworben hatte und Antiochus die Werbung an seine Freunde bringen wollte, da umfing ihn Pompilius mit einer Rute, gebietend, seiner Freunde Rates zu pflegen und zuvor und ehe aus dem Zirkel nicht zu gehen, er hätte denen Antwort gegeben. Und ihm Friede oder Krieg erwählt. Aus dieser Gestrengigkeit ward der König zu Gehorsam des römischen Rates bewegt. Dieser Ptolemäus hat darnach seine Tochter Kleopatra dem König Alexander verheiratet und nachfolgend wieder genommen und Demetrius vermählt, den er, wider ihn kommend, in die Flucht brachte. Und am dritten Tag, in Überantwortung des Hauptes Alexanders, ihm durch den arabischen König geschehen, vor Freuden verschied. Capronia, eine vestalische Klosternon, ward von Verwirkung wegen ihrer Jungfräulichkeit erhängt. Titus Livius, ein Beschreiber geübter Übeltat, war dieser Zeit hochberühmt, der von Verdienst wegen seiner Sinnreichigkeit gefreit ward. Minucia, die vestalische Jungfrau, ward aus Verschätzung ihrer Jungfräulichkeit lebendig begraben. Theophrastus, der kretische Philosoph, hat zuerst daheim Leucippus, seinen Bürger, darnach Platon und nachfolgend Aristoteles gehört. Dies war ein Mann hoher Klugheit, sonderlicher Emsigkeit und wunderbaren Aussprechens, also, wiewohl er davor ein Tyrann hieß, so nannte ihn doch von seines wundersamen Aussprechens wegen der Aristoteles Theophrastus. Er hat bei 300 Büchern gemacht und bei 2000 Zuhörer und Jünger gehabt, unter denen war Nikomachus, der Sohn Aristoteles, und Menander. Und dies hatte er allweg im Mund: Die allerköstlichste Zehrung ist die Zeit. Und starb 85-jährig. Menander, der Poet und Jünger Theophrasti, ist der, von dem Quintilianus also spricht: Mich dünkt, dass dieser Menander, fleißiglich gelesen, zur Vollbringung aller der Lehre, die wir getan haben, genügsam sei. Also eigentlich hat er alle Bildnisse des Lebens ausgedrückt. Also eine große Genügsamkeit und Vermöglichkeit des Gedichts und Aussprechens war in ihm. Also schicklich redet er von allen Dingen, Personen und ihren Neigungen. Menippus war ein kynischer Philosoph und ein Knecht, dessen Herr war Bachus Ponticus. Und er war ein täglicher Wucherer. Zuletzt verlor er durch Feindschaft alles, was er hatte, und erhängte sich. Demetrius Phalereus, der Philosoph, ein Jünger Theophrasti, ein subtiler Disputierer und Redner, war ein wenig gewaltsam und doch süß. Und als er 10 Jahre bei den Athenern gewesen war, ward er von seiner vortrefflichen Tugend wegen mit 360 eisernen Säulen geehrt, darum, dass er die Stadt an Zinsen und Gebäuden gemehrt hatte. Als aber darnach in seinem Abwesen die Säulen zerbrochen wurden, sprach er: Noch haben sie nicht zerstört die Tugend, von der wegen sie die Säulen haben aufgerichtet. Er sagte auch, dass die Gesprächigkeit in Regierung einer Stadt gemeinen Nutzens also kräftig wäre, als die Waffen in dem Krieg. Blatt 81 der Welt. Nach Erbauung der Stadt Rom 477 Jahre war der Name derselben Stadt jetzt hochberühmt und nochmals keine Waffen außer welschen Landen bewegt worden. Aber zur Erfassung der Mannschaft der Römer wurden gezählt 292.334 Häupter, wiewohl die Römer von Anbeginn ihrer Stadt nie an Krieg waren. Nun fing sich der Krieg wider die Afrikaner an, erstlich unter Appius Claudius und Quintus Fabius, den Ratsherren in Sizilien. Und Appius Claudius behielt den Sieg wider die Afrikaner und König Siziliens. Da Gnaeus und Gaius Ratsherren waren, da fochten die Römer im Meer mit gespitzten Schiffen. Aber Cornelius ward betrogen. So hat Duellius im Streit den karthagischen Herzog überwunden, 31 Schiffe genommen, 14 Schiffe versenkt. Der Feind 7000 gefangen und 3000 erschlagen, also dass kaum irgendeine Überwindung den Römern angenehmer war. Crispus, der natürliche Meister, zeichnet zu dieser Zeit. Der im 80. Jahr seines Alters ein Buch also subtil machte, dass zum Verständnis der Dinge, darin begriffen, eines langen Lebens Not wäre. Dess Spruch war dieser: Der Weise mangelt keines Dings und ist doch viel Dings notdürftig. Hinwiederum bedarf der Narr keines Dings, dann er weiß keines Dings zu gebrauchen, sondern mangelt aller Dinge. So war Zenon, der natürliche Meister, auch zu seinen Zeiten, der sprach: Die Rede, die du allein hörst, soll bei dir begraben sein. Diese zwei Ratsherren stritten mit Hanno, dem karthagischen Kaiser, und verwüsteten Korsika und Sardinien. Und Scipio führte viel tausend Menschen gefangen von dannen hin. Polemon, der athenische Philosoph, ward zu dieser Zeit erkannt. Dieser war (als Laertius setzt) in seiner Jugend zumal vorwitzig und unverschämt, also dass er zur Erfüllung aller Wollüstigkeit sein Geld umhertrug und an Unweg und Straßen verbarg. Aber als er eines Mals trunken und gekrönt in die Schule Xenokrates stolperte, da hörte Xenokrates auf, von seiner angefangenen Meinung zu reden, und fing an, von Schamhaftigkeit zu sagen. Aus dem hatte sich Polemon fortan in emsiger Lernung und Tapferkeit also gebessert, dass er Xenokrates in Regierung der Schule nachgekommen wäre. Unter diesen Ratsherren hatten mancherlei Gefährlichkeiten des Feuers und Wassers schier die Stadt Rom verzehrt, und ward der Krieg in Afrika wider Hamilkar, dem karthagischen Herzog, gewendet, auf dem Meer gestritten, und derselbe Herzog überwunden. Da zogen diese Ratsherren bis gen Karthago und zerstörten viel Städte. Manlius kehrt als ein Überwinder wieder gen Rom. So blieb Attilius Regulus in Afrika und kriegte wider die Afrikaner und focht wider drei karthagische Herzöge, nämlich wider

Anmerkungen

Das funft alter
Das fünfte Zeitalter (der Weltgeschichte nach der christlichen Chronologie, hier nach Eusebius/Hieronymus)
100px 100px
Platzhalter für Holzschnitte oder Initialen im Originaltext, hier ignoriert
Ptolomeus epiphanes
Ptolemäus V. Epiphanes, König von Ägypten (reg. 204–180 v. Chr.)
xxiiij. iar
römisch für 24 Jahre
Antiochus der großkonig Sirie
Antiochos III. der Große, König des Seleukidenreiches (reg. 223–187 v. Chr.)
kintheit weder rats noch kreft messig sein mocht
seine Kindheit weder zu Ratschlüssen noch zu Taten fähig sein konnte
anzefechten
anfechten, bekämpfen
Onias der iuden bischoff
Onias III., Hohepriester der Juden in Jerusalem
vogtpern iaren
mündigen Jahren, dem Alter, in dem man selbst die Vormundschaft übernehmen kann
Antiochus der edel des grossen antiochi sun
Antiochos IV. Epiphanes, Sohn Antiochos' III. (hier als 'der Edle' bezeichnet, obwohl er später als 'Epiphanes' – der Erscheinende – bekannt wurde)
hinderlistigclich
hinterlistig, arglistig
ob dem tisch zeertoedten
am Tisch zu töten (während eines Gastmahls)
Alexandriam
Alexandria, Hauptstadt des ptolemäischen Ägypten
Ptolomeus philometor
Ptolemäus VI. Philometor, König von Ägypten (reg. 180–145 v. Chr.)
xxxv. iar
römisch für 35 Jahre
zumal ein nachlaßig man
überaus ein nachlässiger, träger Mann
seiner muter bruder
sein Onkel mütterlicherseits (Antiochos IV. Epiphanes)
gein Rome
nach Rom
Pompiliuz ire rats botschaft
Gaius Popillius Laenas, römischer Gesandter (hier als 'Ratsbotschafter' bezeichnet)
abzesteen
abzustehen, sich zurückzuziehen
geworben het
vorgetragen hatte
an sein freuend bringen wolt
seine Freunde um Rat fragen wollte
vmbfieng ine pompilius mit einer ruoten
Popillius zog mit einem Stock einen Kreis um Antiochos, um ihn zur sofortigen Entscheidung zu zwingen (historische Anekdote)
gepietende seiner freyendt rates zepflegen vnd vor vnd ee auß dem zirckel nit zegeen
gebietend, den Rat seiner Freunde einzuholen und zuvor und ehe er aus dem Kreis gehe, er hätte denen Antwort gegeben
Gestrengigkeit
Strenge, Härte
Cleopatram
Kleopatra II., Schwester und Ehefrau Ptolemäus' VI.
Alexandro
Alexander I. Balas, König des Seleukidenreiches (reg. 150–145 v. Chr.)
Demetrio
Demetrios II. Nikator, König des Seleukidenreiches (reg. 145–138 v. Chr. und 129–126 v. Chr.)
in vberantwurtung des hawtbs Alexandri im durch den Arabischen konig beschehen vor freueden verschiede
als ihm die Übergabe des Hauptes Alexanders durch den arabischen König geschah, starb er vor Freude
Capronia ein vestalische klosteriunckfraw
Kapronia, eine Vestalin (Priesterin der Vesta, die zur Jungfräulichkeit verpflichtet war)
verwuerkung wegen irer iunckfrawschaft
wegen des Verlusts ihrer Jungfräulichkeit (ein schweres Vergehen für Vestalinnen)
Titus liuius ein beschreiber geuebter vbeltat
Titus Livius, der römische Geschichtsschreiber (59 v. Chr. – 17 n. Chr.), hier fälschlicherweise in diese Zeit eingeordnet und als 'Beschreiber geübter Übeltat' bezeichnet, was eine freie Interpretation seiner Geschichtsschreibung sein könnte
gefreiet ward
freigesprochen, begnadigt wurde
Minucia die Vestalisch iunckfraw
Minucia, eine Vestalin, die wegen Verletzung ihres Keuschheitsgelübdes lebendig begraben wurde
verschertzung irer iunckfrawschaft
Verletzung ihrer Jungfräulichkeit
Theophrastus der chresisch philozophus
Theophrastos von Eresos, griechischer Philosoph und Naturforscher (ca. 371–287 v. Chr.), hier 'chresisch' (kretisch) statt 'eresisch' (von Eresos)
Leucippum seinen burger
Leukipp, griechischer Philosoph (5. Jh. v. Chr.), hier fälschlicherweise als Zeitgenosse und Bürger Theophrasts genannt
Platonem
Platon, griechischer Philosoph (ca. 428/427–348/347 v. Chr.)
Aristotilem
Aristoteles, griechischer Philosoph (384–322 v. Chr.), Lehrer Theophrasts
wiewol er dauor ein tyrann hieß
obwohl er zuvor ein Tyrann genannt wurde (hier eine Verwechslung oder Fehlinterpretation, Theophrast war kein Tyrann)
Theophrastum
Theophrastos, von Aristoteles so genannt wegen seiner 'göttlichen Rede' (theios phrasis)
iijc. buechernn
römisch für 300 Bücher
ijm. zuhoerer vnd iunger
römisch für 2000 Zuhörer und Jünger
Nicomachus der sun Aristotilis
Nikomachos, Sohn des Aristoteles
Meander
Menander, griechischer Komödiendichter (ca. 342/341–291/290 v. Chr.)
lxxxv. iarig
römisch für 85-jährig
Quintilianus
Marcus Fabius Quintilianus, römischer Rhetoriker (ca. 35–96 n. Chr.)
vleißigclich
fleißig, sorgfältig
gnugsam sey
genügsam, ausreichend sei
aigentlich
eigentlich, treffend, genau
vermueglichkeit deß getichts vnd außsprechens
Fähigkeit, Kraft der Dichtung und des Ausdrucks
schickerlich
schicklich, passend, angemessen
Menippus wz ein Cunicischer philozophus
Menippos von Gadara, ein kynischer Philosoph (3. Jh. v. Chr.)
Bachus ponticus
Bacchus Ponticus, ein reicher Mann aus Pontus, der Menippos als Sklaven besaß
teglicher wuchrer
täglicher Wucherer, jemand, der täglich Zinsen nimmt
Demetrius phalerius
Demetrios von Phaleron, athenischer Staatsmann und Philosoph (ca. 350–280 v. Chr.)
subtiler disputirer vnd redner
feinsinniger Debattierer und Redner
gewaltsam
gewalttätig, aber hier eher im Sinne von 'nachdrücklich', 'eindringlich'
iijc. lx. erinen sewln
römisch für 360 eherne (eiserne) Säulen
an zinsen vnd gepewen gemeret het
die Stadt durch Einnahmen und Bauten vermehrt hatte
Blat LXXXI der werlt
Blatt 81 der Weltchronik (Schedelschen Weltchronik)
iiijc. lxxvij. iar
römisch für 477 Jahre (nach Erbauung der Stadt Rom, also 277 v. Chr.)
welschen landen
fremden, nicht-römischen Ländern (hier im Sinne von 'außerhalb Italiens')
zwaymal hunndert zwayunndnewntzig tausent. drey hundert vierunddreyssig hawbt
292.334 Häupter (Personen), Zählung der römischen Bürger
nie an krieg waren
nie ohne Krieg waren
Affrier
Afrikaner, hier speziell die Karthager
Apio claudio vnd Quinto fabio den ratherren
Appius Claudius Caudex und Quintus Fabius Maximus Gurges, Konsuln im Ersten Punischen Krieg (264 v. Chr.)
Sicilie
Sizilien
Gneus vnd Gaius ratherren
Gnaeus Cornelius Scipio Asina und Gaius Duilius, Konsuln im Ersten Punischen Krieg (260 v. Chr.)
gespitzten schiffen
Kriegsschiffen (mit Rammsporn)
Cornelius wardt betrogen
Gnaeus Cornelius Scipio Asina wurde von den Karthagern gefangen genommen
Duellius im streit den Carthaginensischen hertzog vberwunden
Gaius Duilius besiegte den karthagischen Admiral Hannibal Gisko in der Seeschlacht von Mylae (260 v. Chr.)
Crispus der naturlich maister reichßnet zu diser ziet
Crispus, der Naturphilosoph, zeichnet sich zu dieser Zeit aus (möglicherweise eine Verwechslung oder ungenaue Angabe, da kein bekannter Philosoph dieses Namens in dieser Zeit so prominent ist)
subtilig
subtil, feinsinnig
not wer
notwendig wäre
Dess spruech was diss einer
Dessen Spruch war dieser
nottueftig
notdürftig, bedürftig
hinwiderumbe
hingegen
Zenon der naturlich maister
Zenon von Kition, Begründer der Stoa (ca. 333–262 v. Chr.)
Dise zwen ratßherren stritten mit Hannone dem carthaginensischen kayser
Hier ist eine Verwechslung. Die Konsuln Lucius Cornelius Scipio und Gaius Sulpicius Paterculus kämpften gegen die Karthager, nicht gegen einen 'Kaiser' Hanno. Hanno der Große war ein karthagischer Staatsmann.
corsicam vnd sardiniaz
Korsika und Sardinien
scipio fueret vil tausent menschen gefangen von dannen hin
Lucius Cornelius Scipio eroberte Korsika und Sardinien und führte viele Gefangene fort
Polemon der Athenisch philozophus
Polemon von Athen, griechischer Philosoph, Schüler und Nachfolger Xenokrates als Leiter der Platonischen Akademie (gest. 270/269 v. Chr.)
Laercius
Diogenes Laertios, griechischer Doxograph (3. Jh. n. Chr.), Verfasser der 'Leben und Lehren der Philosophen'
zumal furwitzig vnd vngeschamig
überaus vorwitzig und unverschämt
wolluestperkeit
Wollust, Vergnügen
an vnweg vnd strassen verbarge
an abgelegenen Wegen und Straßen versteckte
gekroent
mit einem Kranz geschmückt (oft bei Festen oder Trinkgelagen)
schuel Xenocratis
Schule des Xenokrates (Leiter der Platonischen Akademie vor Polemon)
von seiner angefangnen meynung zereden
aufhörte, über sein begonnenes Thema zu reden
von geschamigkeit zesagen
über Schamhaftigkeit zu sprechen
fueran
fortan
emmßiger lernung vnd tapfferkeit
emsiger (eifriger) Lernung und Tapferkeit
nachkomen wer
nachgefolgt wäre
schier die statt Rom verzeret
beinahe die Stadt Rom verzehrt (zerstört) hätten
Amilcarem dem cartaginensischen hertzogen
Hamilkar Barkas, karthagischer Feldherr (Vater Hannibals)
gewendet
gewendet, geführt
bis gem carthago
bis nach Karthago
Mallius
Lucius Manlius Vulso Longus, römischer Konsul im Ersten Punischen Krieg
Attillius regulus
Marcus Atilius Regulus, römischer Konsul und Feldherr im Ersten Punischen Krieg