Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter 100px 100px Ptolomeus epiphanes der fuenft egiptisch konig regiret. xxiiij. iar. vnd was imm anfang seins regiments nit vber vier iar alt. vnd nach dem sein kintheit weder rats noch kreft messig sein mocht. darumb vnderstuonde sich seins reichs Antiochus der großkonig Sirie. vnd begunde das mit kriegischer tat anzefechten. aber die fuersten des reichs namen sich des iungen konigs getrewlich an vn beschirmten alles konigreich. Disen kome auch zu schutz Onias der iuden bischoff. als er aber zu seinen vogtpern iaren komen was do vermehelt im Antiochus der edel des grossen antiochi sun sein schwester hinderlistigclich zu eim weib. auß der empfieng er zwen suen. do Antiochus das horet kome er in gestalt sein schwester Cleopatram vnd ire suen zesehen. in Egypten vnd verfueget disen Ptolomeum ob dem tisch zeertoedten. vnd als er sich das gantz egyptier lannd vnderzedrucken sich vnderstunde do wardt er von den egyptiern vertriben. vnd als er nach zwayer iaren Alexandriam belegert von den roemischen potschaftern auß Egypten zeweichen gedrungen. 100px Ptolomeus philometor der sechst Egyptisch konig regiret. xxxv. iar. vnd was der schwester Antiochi sun vnd zumal ein nachlaßig man. disen bekrieget seiner muter bruder. darumb schicket er sein botschafft gein Rome nach hilff. do schickten die Roemer Pompiliuz ire rats botschaft zu antiocho mit begerung von Egypten abzesteen. do empfienge ine an tiochus mit dem kuss. vnd als nw Pompilius seine beuelh geworben het vnd Antiochus die werbung an sein freuend bringen wolt. do vmbfieng ine pompilius mit einer ruoten gepietende seiner freuendt rates zepflegen vnd vor vnd ee auß dem zirckel nit zegeen. er hett denen antwurt gegeben. vnd ime frid oder krieg erwelet auß diser gestrengigkeit wardt der kunig zu gehorsam des roemischen rats bewegt. Diser Ptolomeus hat darnach sein tochter Cleopatram dem konig Alexandro verheyrat. vnd nachfolgend wider genomen vnd Demetrio vermehelt. den er wider ine komende in die flucht bracht. vnd am dritten tag in vberantwurtung des hawtbs Alexandri im durch den Arabischen konig beschehen vor freueden verschiede. Capronia ein vestalische klosteriunckfraw wardt von verwuerkung wegen irer iunckfrawschaft erhenckt. Titus liuius ein beschreiber geuebter vbeltat wz diser zeit hohberuembt. der von verdienst wegen seiner sinnreichigkeit gefreyet ward. Minucia die Vestalisch iunckfraw wardt auß verschertzung irer iunckfrawschaft lebendig begraben. Theophrastus der chresisch philozophus hat zu erst dahaymend Leucippum seinen burger. darnach Platonem vnd nachfolgend Aristotilem gehoert. Diss was ein man hoher kluogheit. sunderlicher emßigkeit vnd wunderperlichs außsprechens. also. wiewol er dauor ein tyrann hieß so nennet ine doch von seins wundersamen außsprechens wegen der Arestotiles Theophrastum. Er hat bey. iijc. buechernn gemacht vnd bey. ijm. zuhoerer vnd iunger gehabt. vnder den was Nicomachus der sun Aristotilis vnd Meander vnd diss het er alweg ime mund. die allerkoestlichst zerung ist die zeit. vnd starb. lxxxv. iarig. Menander der poet vnd iunger Theophrasti ist der von dem Quintilianus also spricht. Mich beduenckt dz diser Meander vleißigclich geleßen. zu volbringung alle der lere die wir getan haben gnugsam sey. also aigentlich hat er alle pildnus des lebens außgetruckt. also ein große gnugsamkeit vnd vermueglichkeit deß getichts vnd außsprechens was in ime. also schickerlich redet er von allen dingen. personen vnd iren naygungen. Menippus wz ein Cunicischer philozophus vnd ein knecht. dess herr wz Bachus ponticus. vnd er was ein teglicher wuchrer. Zu letst verlore er durch veyntschafft alles das er het vnnd erhieng sich. Demetrius phalerius der philozophus ein iunger Theophrasti ein subtiler disputirer vnd redner was ein wenig gewaltsam. vnd doch sueß. vnd als er. x. iar bey den Atheniern gewesen wz wardt er von seiner fuertreffenlichen tugent wegen mit. iijc. lx. erinen sewln geeret. darumb das er die statt an zinsen vnd gepewen gemeret het. Als aber darnach in seinem abwesen die sewln zerprochen warden sprach er. noch haben sie nit zerstoert die tugent. von der wegen sie die sewln haben aufgericht. Er saget auch dz die gesprechlichkeit in regirung einer statt gemains nutzs also kreftig wer. als die waffen in dem krieg. Blat LXXXI der werlt 100px Nach erpawung der statt Rom. iiijc. lxxvij. iar was der namen derselben statt yetzo hohberuembt vnd nochmals kein waffen außer welschen landen bewegt worden. aber zu erfarung der manschaft der Roemer warden gezelet zwaymal hunndert zwayunndnewntzig tausent. drey hundert vierunddreyssig hawbt. wiewol die Roemer von anbegyn irer statt nie an krieg waren. Nw fieng sich der krieg wider die Affrier an. erstlich vnder Apio claudio vnd Quinto fabio den ratherren in Sicilia. vnnd apius claudius behielt den sige wider die Affrier vnd konig Sicilie. Do Gneus vnd Gaius ratherren waren do fachten die roemer imm meer mit gespitzten schiffen. aber Cornelius wardt betrogen. so hatt Duellius im streit den Carthaginensischen hertzog vberwunden. xxxi. schiff genomen xiiij. schiff versencket. der feind siben tausent gefangen vnd dreytausent erslagen. also das kawn einiche vberwindung den Roemern angenemer was. 100px 100px Crispus der naturlich maister reichßnet zu diser ziet. der im. lxxx. iar seins alters ein buch also subtilig machet. das zu verstentnus der ding darinn begriffen eins langen lebens not wer. Dess spruech was diss einer. Der weise mangelt keins dings. vnd ist doch vil dings nottueftig. hinwiderumbe bedarf der narre keins dings. dann er waißt keins dings zegeprauchen. sunder mangelt aller ding. so was Zenon der naturlich maister auch zu seinen zeiten. der sprach. die rede die du allain hoerst sol bey dir begraben sein. Dise zwen ratßherren stritten mit Hannone dem carthaginensischen kayser vnd verwueesteten corsicam vnd sardiniaz. vnd scipio fueret vil tausent menschen gefangen von dannen hin. Polemon der Athenisch philozophus wardt zu diser zeit erkannt. Diser was (als Laercius setzt) in seiner iugent zumal furwitzig vnd vngeschamig. also das er zu erfuellung aller wolluestperkeit sein gelt vmbtruoge vnd an vnweg vnd strassen verbarge. aber als er eins mals truncken vnd gekroent in die schuel Xenocratis stolpert. do hoeret xenocrates auff von seiner angefangnen meynung zereden. vnd fieng an von geschamigkeit zesagen. Auß dem het sich Polemon fueran in emmßiger lernung vnd tapfferkeit also gebessert das er xenocrati in regirung der schuel nachkomen wer. Under disen ratherren hetten mancherlay geferlichkeit des fewrs vnnd wassers schier die statt Rom verzeret vnd wardt der krieg in affricaz wider Amilcarem dem cartaginensischen hertzogen gewendet auff dem meer gestritten vnd derselb hertzog vberwunden. do zogten dise ratßherren bis gem carthago vnnd verstoereten vil stett. Mallius keret als ein vberwinder wider gein Rom. so blib Attillius regulus in Affrica. vnd krieget wider die Affrier vnd facht wider drey carthaginensisch hertzogen. nemlich wider die zwen Aßdrubales vnd Atailcarem vnd siget inen ab. vnd schluog der feind xvijm. zu tod. vnd ertoedtet ein wunder grosse schlangen. der hawt wz. c. xx. schuog lang. vnd zu Rom menigclichen zu eim wunderzaigen gezaigt. do war den die carthaginenser ernidergelegt. also das sie von den Roemern frids bebegerten. doch wardt Regulus darnach auch ernidergelegt. Dieweil Marcus emilius vnd Paulus seruius ratherren waren sind sie bede in Affricam mit. iijc. schiffen gezogen gein der statt Clipseam begeret vnd pald gein Carthago komen. also hetten sie erstlich die Affrier mit dem schiff streit vberwunden. so versencket Emilius hundert vnd vier schiff mit feynden. vnd fieng dreyssig schiff mit weppner. So hat er auch. xvm. feind eintweders erslagen oder gefangen vnd Affrica wer deßmals gantz ernidergeworffen worden. wo nicht ein solcher hunger gewesen wer. das das heer nicht lennger verharren mocht. Aber die rattherrn erlidden bey Sicilia einen schiffpruch. Zu disen zeitten ward der silberin pfenig erstlich zu Rome gepregt.
Das fünfte Zeitalter. Ptolemäus Epiphanes, der fünfte ägyptische König, regierte 24 Jahre und war zu Beginn seiner Herrschaft nicht über vier Jahre alt. Und nachdem seine Kindheit weder rats- noch kraftmäßig sein konnte, unternahm es Antiochus, der Großkönig von Syrien, sich seines Reiches zu bemächtigen und begann, es mit kriegerischer Tat anzufechten. Aber die Fürsten des Reiches nahmen sich des jungen Königs getreulich an und beschirmten das ganze Königreich. Diesem kam auch Onias, der Bischof der Juden, zu Schutz. Als er aber zu seinen mündigen Jahren gekommen war, vermählte ihm Antiochus der Edle, der Sohn des großen Antiochus, seine Schwester hinterlistig zu einer Frau, aus der er zwei Söhne empfing. Als Antiochus das hörte, kam er in Gestalt, seine Schwester Kleopatra und ihre Söhne zu sehen, nach Ägypten und veranlasste, diesen Ptolemäus ob dem Tisch zu ertöten. Und als er sich das ganze ägyptische Land zu unterdrücken unternahm, da wurde er von den Ägyptern vertrieben. Und als er nach zwei Jahren Alexandria belagerte, wurde er von den römischen Botschaftern gedrängt, aus Ägypten zu weichen. Ptolemäus Philometor, der sechste ägyptische König, regierte 35 Jahre und war der Sohn der Schwester Antiochi und zumal ein nachlässiger Mann. Diesen bekriegte seiner Mutter Bruder. Darum schickte er seine Botschaft nach Rom um Hilfe. Da schickten die Römer Pompilius, ihren Ratsbotschafter, zu Antiochus mit der Bitte, von Ägypten abzustehen. Da empfing ihn Antiochus mit dem Kuss. Und als nun Pompilius seinen Befehl geworben hatte und Antiochus die Werbung an seine Freunde bringen wollte, da umfing ihn Pompilius mit einer Rute, gebietend, seiner Freunde Rates zu pflegen und zuvor und ehe aus dem Zirkel nicht zu gehen, er hätte denen Antwort gegeben. Und ihm Friede oder Krieg erwählt. Aus dieser Gestrengigkeit ward der König zu Gehorsam des römischen Rates bewegt. Dieser Ptolemäus hat darnach seine Tochter Kleopatra dem König Alexander verheiratet und nachfolgend wieder genommen und Demetrius vermählt, den er, wider ihn kommend, in die Flucht brachte. Und am dritten Tag, in Überantwortung des Hauptes Alexanders, ihm durch den arabischen König geschehen, vor Freuden verschied. Capronia, eine vestalische Klosternon, ward von Verwirkung wegen ihrer Jungfräulichkeit erhängt. Titus Livius, ein Beschreiber geübter Übeltat, war dieser Zeit hochberühmt, der von Verdienst wegen seiner Sinnreichigkeit gefreit ward. Minucia, die vestalische Jungfrau, ward aus Verschätzung ihrer Jungfräulichkeit lebendig begraben. Theophrastus, der kretische Philosoph, hat zuerst daheim Leucippus, seinen Bürger, darnach Platon und nachfolgend Aristoteles gehört. Dies war ein Mann hoher Klugheit, sonderlicher Emsigkeit und wunderbaren Aussprechens, also, wiewohl er davor ein Tyrann hieß, so nannte ihn doch von seines wundersamen Aussprechens wegen der Aristoteles Theophrastus. Er hat bei 300 Büchern gemacht und bei 2000 Zuhörer und Jünger gehabt, unter denen war Nikomachus, der Sohn Aristoteles, und Menander. Und dies hatte er allweg im Mund: Die allerköstlichste Zehrung ist die Zeit. Und starb 85-jährig. Menander, der Poet und Jünger Theophrasti, ist der, von dem Quintilianus also spricht: Mich dünkt, dass dieser Menander, fleißiglich gelesen, zur Vollbringung aller der Lehre, die wir getan haben, genügsam sei. Also eigentlich hat er alle Bildnisse des Lebens ausgedrückt. Also eine große Genügsamkeit und Vermöglichkeit des Gedichts und Aussprechens war in ihm. Also schicklich redet er von allen Dingen, Personen und ihren Neigungen. Menippus war ein kynischer Philosoph und ein Knecht, dessen Herr war Bachus Ponticus. Und er war ein täglicher Wucherer. Zuletzt verlor er durch Feindschaft alles, was er hatte, und erhängte sich. Demetrius Phalereus, der Philosoph, ein Jünger Theophrasti, ein subtiler Disputierer und Redner, war ein wenig gewaltsam und doch süß. Und als er 10 Jahre bei den Athenern gewesen war, ward er von seiner vortrefflichen Tugend wegen mit 360 eisernen Säulen geehrt, darum, dass er die Stadt an Zinsen und Gebäuden gemehrt hatte. Als aber darnach in seinem Abwesen die Säulen zerbrochen wurden, sprach er: Noch haben sie nicht zerstört die Tugend, von der wegen sie die Säulen haben aufgerichtet. Er sagte auch, dass die Gesprächigkeit in Regierung einer Stadt gemeinen Nutzens also kräftig wäre, als die Waffen in dem Krieg. Blatt 81 der Welt. Nach Erbauung der Stadt Rom 477 Jahre war der Name derselben Stadt jetzt hochberühmt und nochmals keine Waffen außer welschen Landen bewegt worden. Aber zur Erfassung der Mannschaft der Römer wurden gezählt 292.334 Häupter, wiewohl die Römer von Anbeginn ihrer Stadt nie an Krieg waren. Nun fing sich der Krieg wider die Afrikaner an, erstlich unter Appius Claudius und Quintus Fabius, den Ratsherren in Sizilien. Und Appius Claudius behielt den Sieg wider die Afrikaner und König Siziliens. Da Gnaeus und Gaius Ratsherren waren, da fochten die Römer im Meer mit gespitzten Schiffen. Aber Cornelius ward betrogen. So hat Duellius im Streit den karthagischen Herzog überwunden, 31 Schiffe genommen, 14 Schiffe versenkt. Der Feind 7000 gefangen und 3000 erschlagen, also dass kaum irgendeine Überwindung den Römern angenehmer war. Crispus, der natürliche Meister, zeichnet zu dieser Zeit. Der im 80. Jahr seines Alters ein Buch also subtil machte, dass zum Verständnis der Dinge, darin begriffen, eines langen Lebens Not wäre. Dess Spruch war dieser: Der Weise mangelt keines Dings und ist doch viel Dings notdürftig. Hinwiederum bedarf der Narr keines Dings, dann er weiß keines Dings zu gebrauchen, sondern mangelt aller Dinge. So war Zenon, der natürliche Meister, auch zu seinen Zeiten, der sprach: Die Rede, die du allein hörst, soll bei dir begraben sein. Diese zwei Ratsherren stritten mit Hanno, dem karthagischen Kaiser, und verwüsteten Korsika und Sardinien. Und Scipio führte viel tausend Menschen gefangen von dannen hin. Polemon, der athenische Philosoph, ward zu dieser Zeit erkannt. Dieser war (als Laertius setzt) in seiner Jugend zumal vorwitzig und unverschämt, also dass er zur Erfüllung aller Wollüstigkeit sein Geld umhertrug und an Unweg und Straßen verbarg. Aber als er eines Mals trunken und gekrönt in die Schule Xenokrates stolperte, da hörte Xenokrates auf, von seiner angefangenen Meinung zu reden, und fing an, von Schamhaftigkeit zu sagen. Aus dem hatte sich Polemon fortan in emsiger Lernung und Tapferkeit also gebessert, dass er Xenokrates in Regierung der Schule nachgekommen wäre. Unter diesen Ratsherren hatten mancherlei Gefährlichkeiten des Feuers und Wassers schier die Stadt Rom verzehrt, und ward der Krieg in Afrika wider Hamilkar, dem karthagischen Herzog, gewendet, auf dem Meer gestritten, und derselbe Herzog überwunden. Da zogen diese Ratsherren bis gen Karthago und zerstörten viel Städte. Manlius kehrt als ein Überwinder wieder gen Rom. So blieb Attilius Regulus in Afrika und kriegte wider die Afrikaner und focht wider drei karthagische Herzöge, nämlich wider