Schedelsche Weltchronik · Blatt 85

Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 85, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 85, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das funft alter 100px Neuius der poet ist im andern iar des reichs Ptolomei epiphanes genant (als eusebius schreibt) zu Vtica gestorben. vnd von Rom daselbsthin auß verfuegungng ettlicher roemischern ratherren. vnd sunderlich Metelli vertriben worden. Diser hat vnder den poeten die ire gedicht von sunderlichen vnd nidern personen in fueßen lieplichen wesen beschriben haben. die dritten statt des preiß. als Vulcanus im buch von den poeten sagende anzaigt. das in beruomung diser art der poetrey Cecilius der erst. Plautus der ander. diser Neuius der drit. Licinius der vierdt. Attilius der fuenft. Terencius der sechst. Turpilius der sibend. Trabea der acht. Lucrecius der newndt vnd Ennius der zehend. Plautus der poet was ein vater der lateinischen zungen. vnd (als Eusebius schreibt) auß Arpinas der statt des lands Vbrie pirtig vnd zu Rom gestorben. auß des rede hette die ticherin geredt (als Varro nach der maynung Epicolonis sagt) wo sie lateinisch geredt wollten haben. Diser reichßnet in vbung vnd lere der poetrey schier im. xv. iar nach anfang des andern kriegs wider die Poemer. vnd wiewoö er errlich gedichte von vil kriechischen poeten genomen in latein gewendet hat. yedoch nach der maynung OraciJ so vergleicht sich Plautus dem Siculo. vnd wird deßhalb Epicharium genanr. Varro vnd vil ander schreiben. als diser Plautus alles sem gelt das er mit vleis vnd arbait der spilmaister eroberet. mit kaufhandellungen widrumb verloren her. vnd wider arm gein Rom kome. do dinget er sich daselbst von narung wegenzweinem becken ime taig zekneten. vnd als ofter von der arbeit seytet so vbet er sich fabeln zemachen vnd zeuerkawffen. vnd er starb vmd die hundertsten vnd fuenfunduierzigsten olimpiadischen iarzal. vnd er hieß auff sein grab ein vberschrift auff die maynung ergruendet. das auff sem absterben das fueß lieplich geticht waynete vnd erlassen wer vnd alles gelachter. schimpff vnd spil miteinander zehernten. Ennius der poet wardt zu Tarento grporn vnnd Quincius Ennius genant. vnd reichßuet (als Eusebius setzt) zu disen zeiten. vnd wardt von Cthone dem roemer gein rom gebracht. vnd wonet auff dem Athenischen berg an einer gar kleinen zerung vnd einer einigen maod dinstperkeit begnuogig. vnnd hielte alweg das die seln vntoedtlich weren. vnd darumb sprach er amm ende des lebens also. O ir burger seht an die gestalt der pildnus des alten Ennij der die groeßten geschihten ewer vater beschriben hat. nymand sol mich mit zehern noch meyn leich mit waynen zieren. sunder ich begere lebendiger getragen zewerden durchdie muender der menner. Diser poet fuerpreyset die geschamigkeit vnd sprach das es ein anfang des lasters wer so die leib vnder den burgeren emploesser wurden, Diser starb ob. lxx. iarn alt an eim glidseuchen vnd wardt in dem grab Scipionis begraben. Scipio affricanus des andern Scipipionis sun was schier ob allen roemern der fuertrefflichkeit der unn. xxiiij. iar seins alters. nach ertoedtung zwayer Scipiones von Haßdrubale von roemischen rat gein Hispaniam gesendet wardt. vnd was ein leriunger Panccij des hohgelerten mans. vnd vor andern menschen an gemuet tapffer vnd manlich. Als diser Scipio verstanden hett das der Roemisch ratt von forcht wegen. sie auff haßdrubalem hettn welsche land rawmen wolten do wendet er dz mit außgezognem schwert. er woelt selbst ein beschutzer vnd beschirmer des vaterlads sein. Diser was manlicher sytten vnd geperde. Er nam (als Eutropius spricht) lxx. stett in Hispania ein. vnnd do er dise ding wol gehandelt het do wardt er ein richter wider die Carthaginenser geordent. doselben zohe er vnd machet ime den hertzogen der Afrier mitsambt Stiphace dem konig Numidie vndertanig. vnlang dernach het er mit Hanibaleien streit darinn leget er imm seinen raysigen gezeueg also ernieder. dz (als man saget) der auff Hanibalis seiten ob. xxm. erslagen vnd auch schier souil gefangen worden an einem tag. also das Hanibal mit wenig personen entpflohe. demnach erlanger diser Scipio frid zu land vnd wasser vnd zohe hin in Siciliam vnd kome darnach gein Rom. alda er dann mit hohzierlichem triumpff eingefuert vnd zu sunderer ere affrocanus genant wardt. darumb das er die Affrier bestritten hett. vnd also ender sich der ander punisch krieg der. xviij. iar geweret het. Diser was Cathuni dem Roemer widerwertig. in dem dann er wolt nit dz Carthago die statt die den roemern widersatzig was zerstoert werden sollt. darum das die Roemer so sie an forchr des kriegs in fried lebten sich aufgeylheit vnd fuerwitzigkeit ergeben moechten. Diss was Scipionis spruch. Er wer nymmer mynder muessig. dann so muessig wer. vnd nymmer mynder allein dann so er allein wer. vnd wiewol diser Scipio ein grosser vater des vater lands was so ward er doch von seinen mißguenern verclagt. vnnd auß seinem vndanckpern vaterland vertriben. vnd stab im ellend an einem seuexhen. lij. iar alt. Blat LXXXV der werlt 100px Philo ein iud auß briesterlichem geslecht geporn vnd zu Alexandria erzogen hat zu diser zeit gereichßnet vnd das buoch der weißheit in kriechischer zungen (da er hoh erfahren was) nach artlicher weise beschribenevnd dasselb buoch darumb das buoch der weißheit genennt. dann er hat darinn das lob vnsers herren Jhesu cristi sunderlich gemelder. oder darumb das die weißheit darinn vilfeltigclich gelobt wirdt. Er har vil dings geschriben. als sander Jheronimus imm buch von den erleuchteten mannen meldet. Cathon der stoisch naturlich meister von grpurt ein Egitier ettwen ein leriunger Panecij hat vil schrift nach ime gelaßen. vnnd vil koestlicher lere vnd spruech gemacht. Auß denn sind dis die trefflichern. Wenn du aufhoerest zehoffnen so wirdestu abloßen zefoerchten. Ob du fragst was ich mir nutzs geschaft hab. so antwurt ich. Jch hab angefangen mirselbs ein freuÖkond zesein. Wiltu lieb gehabt werden so hab lieb. Eins mals ward er gefragt ob ein knecht eim herren ein guotat thuon moecht. do antwurtet er. Es sind ettlich guottat. ettliche ambt vnd ettliche dienstperkeit. nw ist das (sprach er) ein guot tat die ein frembder tuot. aber der ist ein fremder der do on straffred moch aufhoren. aber das ambt ist des kinds der hawßfrawen vnd anderer person die die zunaigung vnnd verwandschaft raitzent vnd hilff zeraichen erhaischet. aber dienstperkeit ist des knechts. den sein aigenschaft an das ort gesetzt hat. das er nichtz der ding die er thuot dem obern verargern soll. Cato der erst roemisch maister vndrechtgelerter wz zu erst ein rentmaister. lostunger oder pfleger. eynnemens. vnd außgebens des gemaynen roemischen gelts. vnd darnach zu wwayen maln ein ratßherr vnd bey den roemern ein zierde der kriechyschen vnd lateinischen zungen. Diserhat zu erst mit Q. fabio maximo ritterschaft geuebt. darnach im fuenften iar sich gein Tarentum gefueget daselbst Ennium den poeten gefunden vnd mit ime gein Rom gefueret vnd darnachmit Scipione dem dem trefflichen mann gein Affricam ziehende den gemaynen roemischen nutz nit wenig geauffet. vnnd nach dem er ye von einem stannd an den andern aufsteigende geordnet wardt so hat er sich in denselben allen gar wol vnd redlich gehalten. Als er nw zu letzt schier im alter die lateinischen schrift gelerner het do gegerert er auch die kriechyschen ziffern. auß den wardt er also gelert das er historien vnd ritterlich sachen handelt vnd beschube. vnd do er ime auß miltigkeit ere vnd ruom zu wegen gebracht het do schicket er sich also das er fuer den erfarunsten des roemischen burgerlichen rechthns gehalten wardt. vnd alle mitgenossen seines alter innerhalb vnd außerhalb dem ratt mit fuertreffung der tapferheit vnd glawbwirdigkeitvberstige. Auß desselben Cathonis geslechte ist der nachfolgens Catho em große zierde der roemer entsprungen. der dann den namen der Cathonen darnach vntoedtlich gemachr hat. Scipio des ersten Scipionis enicklein was bey den roemern an allenm tugenten beruembt vnd wardt außer der ordnung ein ratßherr gemacht vnd ime Affrica ertailt Do er nw gein Cartaginem kome vnd die sechs tag vnd nacht aneinander gestuermet het do bracht er zeletst nach verzweifelten dingen die Carthaginenser zu egebung. also das sie begerten das doch die. die vor der schlacht des kriegs vberbliben weren doch dienen moechten. dem nach zohe er zu erste der weiber samlung. vnnd darnach der menner schar gar erbermlich auß. dann (als Lucius schreibt) so waren der gefangen von weibern xxvm. vnnd der menner. xxxm. Aber Haßdrubal ir kayser gab sich willigclich in die flucht so warffe sein weib sichselbs vnnd ire kinder auß weibischem grimmen enmitten die prunst. Dieselb statt prane. rvi. tag an einander. also das es auch den obsiigern ein erbermblich anschawen bracht. Diser Scipio hat mit seiner starcken kraft verdienr auch den loblichen zunamen seins anherren zehaben vnd affricanus der iunger genant zewerden. Publius Terencius ein afrier von Carthagine puertig ein poet. wardt von dem vorgenanten Scipione (als ettlich maynen) in dienstperkeit auß Affrica geuert. vnnd doch von wegen der große seiner synnreichigkeit vnd fuertreffenlichkeir seiner gestalt mit freyung begabet. Ettlich schreiben das Therencius Lucano dem ratherren zu Rom gedienet hab vonn dem er egemelter vrsach halben nit allain freylich angerichtet. sunder auch zeitlich ledig gelaßen worden sey. Diser Therencius hat bey vil edeln personen vnd sunderlich bey Scipione affricano vnd Lelio gar dienstperlich gelebt. vnd sechs liepliche gedicht gemachr. vnnd darinn mancherlay sytten der menschen zu verhuettung der verlichkeit angemerckt. Vulcanus schreibt von ime. do er eins mals in Asiam ziehen wolt wer er in ein schif gestigen vnnd darnach nimmer mer gesehen worden. Man sagt er sey ein mittelmassige person mahers leibs vnd prawner farb gewesen. vnnd hab ein tochter gelassen die sich einem roemischen raysigen gesellen verluebet.

Moderne Übersetzung

Das fünfte Zeitalter. Neuius, der Dichter, ist im zweiten Jahr der Herrschaft des Ptolemäus Epiphanes (wie Eusebius schreibt) in Utica gestorben und von Rom dorthin auf Anordnung einiger römischer Ratsherren, insbesondere Metellus, vertrieben worden. Dieser nimmt unter den Dichtern, die ihre Gedichte über besondere und niedere Personen in wohlklingenden Versen beschrieben haben, den dritten Platz des Ruhmes ein, wie Vulcanius im Buch über die Dichter sagend anzeigt, dass in der Berühmtheit dieser Art der Dichtkunst Caecilius der erste, Plautus der zweite, dieser Neuius der dritte, Licinius der vierte, Attilius der fünfte, Terentius der sechste, Turpilius der siebte, Trabea der achte, Lucretius der neunte und Ennius der zehnte ist. Plautus, der Dichter, war ein Vater der lateinischen Sprache und (wie Eusebius schreibt) aus Arpinum, der Stadt des Landes Umbrien, gebürtig und in Rom gestorben. Aus dessen Rede hätte die Dichterin gesprochen (wie Varro nach der Meinung des Epicolonus sagt), wenn sie Lateinisch hätte sprechen wollen. Dieser zeichnete sich in der Übung und Lehre der Dichtkunst fast im 15. Jahr nach Beginn des zweiten Krieges gegen die Punier aus. Und obwohl er ehrenvolle Gedichte von vielen griechischen Dichtern genommen und ins Lateinische übertragen hat, jedoch nach der Meinung des Horaz vergleicht sich Plautus dem Sizilier und wird deshalb Epicharmus genannt. Varro und viele andere schreiben, dass dieser Plautus all sein Geld, das er mit Fleiß und Arbeit als Spielmeister erworben hatte, durch Kaufhandlungen wieder verloren hatte und wieder arm nach Rom kam. Dort verdingte er sich wegen des Lebensunterhalts bei einem Bäcker, um Teig zu kneten. Und als er oft von der Arbeit müde war, so übte er sich darin, Fabeln zu machen und zu verkaufen. Und er starb um das hundertfünfundvierzigste olympische Jahr. Und er ließ auf sein Grab eine Inschrift setzen, die besagte, dass bei seinem Ableben die wohlklingende Dichtung weinte und verlassen war und alles Gelächter, Scherz und Spiel miteinander trauerten. Ennius, der Dichter, wurde in Tarent geboren und Quintus Ennius genannt und blühte (wie Eusebius feststellt) zu diesen Zeiten. Und wurde von Cato dem Römer nach Rom gebracht und wohnte auf dem Aventin mit sehr geringem Unterhalt und einer einzigen Magd zufrieden. Und hielt stets daran fest, dass die Seelen unsterblich seien. Und darum sprach er am Ende seines Lebens so: „O ihr Bürger, seht die Gestalt des Bildnisses des alten Ennius an, der die größten Geschichten eurer Väter beschrieben hat. Niemand soll mich mit Tränen noch meinen Leichnam mit Weinen zieren, sondern ich begehre, lebendiger durch die Münder der Männer getragen zu werden.“ Dieser Dichter pries die Schamhaftigkeit und sprach, dass es ein Anfang des Lasters wäre, wenn die Körper unter den Bürgern entblößt würden. Dieser starb über 70 Jahre alt an einer Gliederkrankheit und wurde im Grab des Scipio begraben. Scipio Africanus, der Sohn des anderen Scipio, übertraf fast alle Römer an Vortrefflichkeit des Geistes im 24. Jahr seines Alters. Nach der Tötung zweier Scipionen durch Hasdrubal wurde er vom römischen Rat nach Hispanien gesandt und war ein Schüler des hochgelehrten Mannes Panaetius und vor anderen Menschen an Gemüt tapfer und männlich. Als dieser Scipio verstanden hatte, dass der römische Rat aus Furcht vor Hasdrubal die gallischen Länder räumen wollte, da wendete er das mit gezogenem Schwert ab, er wollte selbst ein Beschützer und Beschirmer des Vaterlandes sein. Dieser war von männlicher Sitte und Gebärde. Er nahm (wie Eutropius spricht) 70 Städte in Hispanien ein. Und als er diese Dinge gut gehandelt hatte, da wurde er als Richter gegen die Karthager eingesetzt. Dort zog er und machte sich den Herzog der Afrikaner samt Syphax, dem König von Numidien, untertanig. Unlängst danach hatte er mit Hannibal einen Streit, darin legte er ihm seinen Tross so nieder, dass (wie man sagt) auf Hannibals Seite über 20.000 erschlagen und auch fast ebenso viele gefangen genommen wurden an einem Tag, so dass Hannibal mit wenigen Personen entfloh. Danach erlangte dieser Scipio Frieden zu Land und zu Wasser und zog nach Sizilien und kam danach nach Rom, wo er dann mit hochzierlichem Triumph eingeführt und zu besonderer Ehre Africanus genannt wurde, darum, weil er die Afrikaner besiegt hatte. Und so endete der zweite Punische Krieg, der 18 Jahre gedauert hatte. Dieser war Cato dem Römer zuwider, indem er nicht wollte, dass Karthago, die Stadt, die den Römern widersetzlich war, zerstört werden sollte, darum, dass die Römer, wenn sie ohne Furcht vor Krieg in Frieden lebten, sich Ausschweifung und Übermut hingeben könnten. Dies war Scipios Spruch: „Er sei niemals weniger müßig, als wenn er müßig sei, und niemals weniger allein, als wenn er allein sei.“ Und obwohl dieser Scipio ein großer Vater des Vaterlandes war, so wurde er doch von seinen Missgönnern verklagt und aus seinem undankbaren Vaterland vertrieben und starb im Elend an einer Krankheit, 52 Jahre alt. Blatt 85 der Weltchronik. Philo, ein Jude aus priesterlichem Geschlecht geboren und in Alexandria erzogen, hat zu dieser Zeit gewirkt und das Buch der Weisheit in griechischer Sprache (da er hoch erfahren war) kunstvoll beschrieben und dasselbe Buch darum das Buch der Weisheit genannt, denn er hat darin das Lob unseres Herrn Jesus Christus besonders erwähnt, oder darum, weil die Weisheit darin vielfältig gelobt wird. Er hat viele Dinge geschrieben, wie der heilige Hieronymus im Buch von den erleuchteten Männern meldet. Cato, der stoische Naturphilosoph, von Geburt ein Ägypter, einst ein Schüler des Panaetius, hat viele Schriften nach sich gelassen und viele köstliche Lehren und Sprüche gemacht. Aus denen sind dies die trefflicheren: „Wenn du aufhörst zu hoffen, so wirst du aufhören zu fürchten.“ „Ob du fragst, was ich mir Nützliches geschaffen habe, so antworte ich: Ich habe angefangen, mir selbst ein Freund zu sein.“ „Willst du geliebt werden, so liebe.“ Einmal wurde er gefragt, ob ein Knecht einem Herrn eine Wohltat erweisen könnte. Da antwortete er: „Es gibt einige Wohltaten, einige Ämter und einige Dienstbarkeiten. Nun ist das (sprach er) eine Wohltat, die ein Fremder tut. Aber der ist ein Fremder, der ohne Strafe aufhören kann. Aber das Amt ist das des Kindes, der Hausfrau und anderer Personen, die die Zuneigung und Verwandtschaft reizen und Hilfe zu reichen verlangen. Aber Dienstbarkeit ist die des Knechts, den seine Eigenschaft an den Ort gesetzt hat, dass er nichts von den Dingen, die er tut, dem Oberen verschlechtern soll.“ Cato, der erste römische Meister und Rechtsgelehrte, war zuerst ein Rentmeister, Löser oder Pfleger des Einnahmen- und Ausgabenwesens des allgemeinen römischen Geldes, danach zweimal ein Ratsherr und bei den Römern eine Zierde der griechischen und lateinischen Sprache. Dieser hat zuerst mit Quintus Fabius Maximus Ritterschaft geübt, danach im fünften Jahr sich nach Tarent begeben, dort Ennius den Dichter gefunden und mit ihm nach Rom geführt und danach mit Scipio, dem trefflichen Mann, nach Afrika ziehend, den allgemeinen römischen Nutzen nicht wenig gefördert, und nachdem er stets von einem Stand zum anderen aufsteigend geordnet war.

Anmerkungen

funft alter
Das fünfte Zeitalter (Epoche der Weltgeschichte nach der Schedelschen Weltchronik)
Neuius
Gnaeus Naevius, römischer Dichter (ca. 270–201 v. Chr.)
Ptolomei epiphanes
Ptolemäus V. Epiphanes, ägyptischer Pharao (reg. 204–180 v. Chr.)
Eusebius
Eusebius von Caesarea, Kirchenhistoriker (ca. 260–339 n. Chr.)
Vtica
Antike Stadt in Nordafrika, heute Tunesien
verfuegungng
Anordnung, Verfügung
ratherren
Ratsherren
sunderlich
insbesondere
Metelli
Lucius Caecilius Metellus, römischer Konsul
ire gedicht
ihre Gedichte
sunderlichen vnd nidern personen
besondere und niedere Personen
in fueßen lieplichen wesen beschriben haben
in wohlklingenden Versen beschrieben haben (wörtl. 'in füßlich lieblicher Weise')
dritten statt des preiß
den dritten Platz des Ruhmes
Vulcanus
Vulcanius, römischer Grammatiker (4. Jh. n. Chr.)
sagende anzaigt
sagend anzeigt
beruomung diser art der poetrey
Berühmtheit dieser Art der Dichtkunst
Cecilius
Caecilius Statius, römischer Komödiendichter (ca. 220–168 v. Chr.)
Plautus
Titus Maccius Plautus, römischer Komödiendichter (ca. 254–184 v. Chr.)
Licinius
Gaius Licinius Imbrex, römischer Komödiendichter (2. Jh. v. Chr.)
Attilius
Lucius Attilius, römischer Komödiendichter (2. Jh. v. Chr.)
Terencius
Publius Terentius Afer, römischer Komödiendichter (ca. 195/185–159 v. Chr.)
Turpilius
Sextus Turpilius, römischer Komödiendichter (gest. 103 v. Chr.)
Trabea
Quintus Trabea, römischer Dichter (2. Jh. v. Chr.)
Lucrecius
Titus Lucretius Carus, römischer Dichter und Philosoph (ca. 97–55 v. Chr.)
Ennius
Quintus Ennius, römischer Dichter (239–169 v. Chr.)
Arpinas
Arpinum, antike Stadt in Latium (heute Arpino, Italien)
Vbrie
Umbrien, Region in Italien
pirtig
gebürtig
ticherin
Dichterin
Varro
Marcus Terentius Varro, römischer Gelehrter und Schriftsteller (116–27 v. Chr.)
maynung Epicolonis
Meinung des Epicolonus (möglicherweise eine Verballhornung oder ein seltener Name, eventuell Bezug auf Epicharmus oder eine Figur aus seinen Werken)
wo sie lateinisch geredt wollten haben
wenn sie Lateinisch hätte sprechen wollen
reichßnet
zeichnete sich aus, blühte, wirkte
vbung vnd lere der poetrey
Übung und Lehre der Dichtkunst
xv. iar
römisch für 15. Jahr
Poemer
Punier (Karthager)
wiewoö er errlich gedichte
obwohl er ehrenvolle Gedichte
genomen in latein gewendet hat
genommen und ins Lateinische übertragen hat
maynung OraciJ
Meinung des Horaz (Quintus Horatius Flaccus, römischer Dichter)
vergleicht sich
vergleicht sich
Siculo
Sizilier (gemeint ist Epicharmus von Syrakus, griechischer Komödiendichter)
Epicharium genanr
Epicharmus genannt
sem gelt
sein Geld
vleis vnd arbait der spilmaister eroberet
Fleiß und Arbeit als Spielmeister erworben
kaufhandellungen widrumb verloren her
durch Kaufhandlungen wieder verloren hatte
wider arm gein Rom kome
wieder arm nach Rom kam
dinget er sich daselbst von narung wegenzweinem becken ime taig zekneten
verdingte er sich dort wegen des Lebensunterhalts bei einem Bäcker, um Teig zu kneten
als ofter von der arbeit seytet
als er oft von der Arbeit müde war
vbet er sich fabeln zemachen vnd zeuerkawffen
übte er sich darin, Fabeln zu machen und zu verkaufen
hundertsten vnd fuenfunduierzigsten olimpiadischen iarzal
um das 145. olympische Jahr (entspricht 199/198 v. Chr.)
hieß auff sein grab ein vberschrift auff die maynung ergruendet
ließ auf sein Grab eine Inschrift setzen, die besagte
sem absterben
seinem Ableben
fueß lieblich geticht waynete vnd erlassen wer
wohlklingende Dichtung weinte und verlassen war
gelachter. schimpff vnd spil miteinander zehernten
Gelächter, Scherz und Spiel miteinander trauerten
Tarento
Tarent, antike Stadt in Süditalien (heute Taranto)
grporn
geboren
Quincius Ennius
Quintus Ennius, römischer Dichter (239–169 v. Chr.)
reichßuet
blühte, wirkte
setzt
feststellt, berichtet
Cthone dem roemer
Cato dem Römer (gemeint ist Marcus Porcius Cato Censorius, Cato der Ältere)
Athenischen berg
Aventin, einer der sieben Hügel Roms
gar kleinen zerung
sehr geringem Unterhalt
einigen maod dinstperkeit begnuogig
einer einzigen Magd zufrieden
hielte alweg das die seln vntoedtlich weren
hielt stets daran fest, dass die Seelen unsterblich seien
pildnus
Bildnis
geschihten ewer vater
Geschichten eurer Väter
nymand sol mich mit zehern noch meyn leich mit waynen zieren
niemand soll mich mit Tränen noch meinen Leichnam mit Weinen zieren
sunder ich begere lebendiger getragen zewerden durchdie muender der menner
sondern ich begehre, lebendiger durch die Münder der Männer getragen zu werden (d.h. im Gedächtnis zu bleiben)
fuerpreyset die geschamigkeit
pries die Schamhaftigkeit
anfang des lasters wer so die leib vnder den burgeren emploesser wurden
Anfang des Lasters wäre, wenn die Körper unter den Bürgern entblößt würden
ob. lxx. iarn alt
über 70 Jahre alt
glidseuchen
Gliederkrankheit, Gicht
Scipionis
Scipio (gemeint ist Publius Cornelius Scipio Africanus der Ältere)
Scipio affricanus des andern Scipipionis sun
Scipio Africanus (der Jüngere), Sohn des Lucius Aemilius Paullus Macedonicus, adoptiert von Publius Cornelius Scipio (Sohn des Scipio Africanus des Älteren)
schier ob allen roemern der fuertrefflichkeit der unn
übertraf fast alle Römer an Vortrefflichkeit des Geistes
xxiiij. iar seins alters
römisch für 24. Jahr seines Alters
ertoedtung zwayer Scipiones von Haßdrubale
Tötung zweier Scipionen (Publius Cornelius Scipio und Gnaeus Cornelius Scipio Calvus) durch Hasdrubal
Haßdrubale
Hasdrubal Barkas, karthagischer Feldherr (gest. 207 v. Chr.)
Hispaniam
Hispanien (Iberische Halbinsel)
leriunger
Schüler
Panccij
Panaetius von Rhodos, stoischer Philosoph (ca. 185–110 v. Chr.)
verstanden hett das der Roemisch ratt von forcht wegen
verstanden hatte, dass der römische Rat aus Furcht
sie auff haßdrubalem hettn welsche land rawmen wolten
sie wegen Hasdrubal die gallischen Länder räumen wollten ('welsche Land' = romanische/gallische Länder)
do wendet er dz mit außgezognem schwert
da wendete er das mit gezogenem Schwert ab
er woelt selbst ein beschutzer vnd beschirmer des vaterlads sein
er wollte selbst ein Beschützer und Beschirmer des Vaterlandes sein
manlicher sytten vnd geperde
männlicher Sitte und Gebärde
lxx. stett
römisch für 70 Städte
Eutropius
Eutropius, römischer Historiker (4. Jh. n. Chr.)
Carthaginenser
Karthager
hertzogen der Afrier
Herzog der Afrikaner (gemeint ist Hasdrubal Gisko, karthagischer Feldherr)
Stiphace dem konig Numidie
Syphax, König von Numidien (gest. 203 v. Chr.)
Numidie
Numidien, antikes Königreich in Nordafrika
Hanibaleien
Hannibal, karthagischer Feldherr (247–183 v. Chr.)
raysigen gezeueg also ernieder
reisiges Zeug (Gepäck, Tross) so nieder (vernichtete es)
ob. xxm. erslagen
über 20.000 (zwanzigtausend) erschlagen
Siciliam
Sizilien
hohzierlichem triumpff
hochzierlichem Triumph
affrocanus
Africanus (Beiname für Scipio)
Affrier
Afrikaner (hier: Karthager)
ander punisch krieg
Zweiter Punischer Krieg (218–201 v. Chr.)
xviij. iar geweret het
römisch für 18 Jahre gedauert hatte
Cathuni dem Roemer widerwertig
Cato dem Römer (Cato der Ältere) zuwider
Carthago
Karthago, antike Stadt in Nordafrika
aufgeylheit vnd fuerwitzigkeit
Ausschweifung und Übermut
nymmer mynder muessig. dann so muessig wer. vnd nymmer mynder allein dann so er allein wer
Er sei niemals weniger müßig, als wenn er müßig sei, und niemals weniger allein, als wenn er allein sei (philosophischer Spruch, zugeschrieben Scipio Africanus)
mißguenern verclagt
Missgönnern verklagt
undanckpern vaterland
undankbaren Vaterland
stab im ellend an einem seuexhen. lij. iar alt
starb im Elend an einer Krankheit, 52 Jahre alt
LXXXV
römisch für 85
Philo
Philo von Alexandria, jüdischer Philosoph (ca. 20 v. Chr. – 50 n. Chr.)
briesterlichem geschlecht geporn
aus priesterlichem Geschlecht geboren
Alexandria
Alexandria, Stadt in Ägypten
gereichßnet
gewirkt, blühte
buoch der weißheit
Buch der Weisheit (ein deuterokanonisches Buch des Alten Testaments)
kriechischer zungen
griechischer Sprache
hoh erfahren was
hoch erfahren war
nach artlicher weise beschriebenevnd
kunstvoll beschrieben
Jhesu cristi
Jesus Christus
sunderlich gemelder
besonders erwähnt
vilfeltigclich
vielfältig
sander Jheronimus
Heiliger Hieronymus, Kirchenvater (ca. 347–420 n. Chr.)
buch von den erleuchteten mannen
De viris illustribus (Über berühmte Männer), Werk des Hieronymus
Cathon der stoisch naturlich meister
Cato, der stoische Naturphilosoph (hier wohl eine Verwechslung oder Fehlzuschreibung, da die Beschreibung 'von Geburt ein Ägypter, einst ein Schüler des Panaetius' nicht zu Cato dem Älteren oder Jüngeren passt)
Egitier
Ägypter
ettwen ein leriunger Panecij
einst ein Schüler des Panaetius
koestlicher lere vnd spruech
köstliche Lehren und Sprüche
aufhoerest zehoffnen so wirdestu abloßen zefoerchten
Wenn du aufhörst zu hoffen, so wirst du aufhören zu fürchten (philosophischer Spruch)
nutzs geschaft hab
Nützliches geschaffen habe
freuÖkond zesein
Freund zu sein
guotat thuon moecht
Wohltat erweisen könnte
ettlich guottat. ettliche ambt vnd ettliche dienstperkeit
einige Wohltaten, einige Ämter und einige Dienstbarkeiten
on straffred moch aufhoren
ohne Strafe aufhören kann
hawßfrawen
Hausfrau
zunaigung vnnd verwandschaft raitzent vnd hilff zeraichen erhaischet
Zuneigung und Verwandtschaft reizen und Hilfe zu reichen verlangen
aigenschaft
Eigenschaft, Status
nichtz der ding die er thuot dem obern verargern soll
nichts von den Dingen, die er tut, dem Oberen verschlechtern soll (d.h. nicht zum Nachteil des Herrn handeln soll)
Cato der erst roemisch maister vndrechtgelerter
Cato der Ältere (Marcus Porcius Cato Censorius), römischer Staatsmann, Redner und Schriftsteller (234–149 v. Chr.)
rentmaister
Rentmeister, Finanzverwalter
lostunger oder pfleger
Löser (jemand, der Schulden löst) oder Pfleger (Verwalter)
eynnemens. vnd außgebens des gemaynen roemischen gelts
des Einnahmen- und Ausgabenwesens des allgemeinen römischen Geldes
wwayen maln
zweimal
zierde der kriechyschen vnd lateinischen zungen
Zierde der griechischen und lateinischen Sprache
Q. fabio maximo
Quintus Fabius Maximus Verrucosus, römischer Feldherr (ca. 280–203 v. Chr.)
fuenften iar
fünften Jahr
gein Tarentum gefueget
sich nach Tarent begeben
mit ime gein Rom gefueret
mit ihm nach Rom geführt
gein Affricam ziehende
nach Afrika ziehend
gemaynen roemischen nutz nit wenig geauffet
allgemeinen römischen Nutzen nicht wenig gefördert
von einem stannd an den andern aufsteigende geordnet war
von einem Stand zum anderen aufsteigend geordnet war (Karriereleiter)