Fünftes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das funft alter Agrippa oder Colonia. das ist Coeln. auff der lingken seyten amm Rheyn ist nit allain der gegent vnnd des gelegers. sunder auch des fluss vnnd volcks halben ein hoehberuembte vnd achpare statt in nidern teetschen landen gelegen. die hat (als Sicardius cremoneus helt) zu den zeiten Enee des Troyaners. von einem Troyanischen Colonus genant den anfang genomen. vnd ist darnach auß gehaiß vnd gescheft Claydij des roemischen kaysers. der dann ein gemahel der frawen Agrippine was. als das volck Vbij genannt von den schwaben veriagt wardt. geauffet vnd besteueret. vnd von derselben frawen auß irem geslecht herkomen Agrippa genant worden. vnd also hat das volck Vbij daselbst zewonen angehebt. aber die warhaftigern vnd glawbwirdigeren geschihtbeschreiber alle sagen. das. M. agrippa ein stiffter diser statt gewesen sey. dann wiewol er anhayms vnd außwendig vil achtperer gepew auffgerichtet hab so hab er doch dise statt von allen andern die wirdigern gesetzt. nach seinem namen genent zewerden. dann er was ein trefflicher vnd werder pawmeister vnd kriegsman gehalten. den ime der keyser Augustus zu einem ayden: oder tochterman seiner geliebten ainigen kayserlichen tochter auß der gantzen werlt erwelet. Derselb ordnet dise statt wider die statt Tryer machtiglich. das er darauß die feindschafft vnd zwitrachtigkeit der Gallier stillen vnd nidertruecken moecht. Aber lang darnach hat Hildericus der konig zu frankreich Egidij des Roemers guenner vnnd anhenger auß diser statt Coeln vertriben daselbsthinein Frantzosen gesetzt. vnd auß der Frantzosen einwonung. dem latein nach Coloniam genennt. wiewol ettlich sagen. das die. der Roemer einwonung gewesen sey. Dise statt ist eins mals. dieweil sie der roemer gesellin was mit wunderperlichen fewr verzert worden. darinn waren ein Capitolium:gepew vnd gewonheiten gleich den Roemern. inmaßen dann allain das dort rate des frids vnd kriegs gehandelt warden. so pflegen abhie hohberuembt iungling vnd iunckfrawen got dem almechtigen nachtlichs lob in ewiger ayntrachtigkeit zesingen. Alda enmitten in der statt syht man den schoensten vnd doch nochmals nit gar außgepawen tempel. den sie den hohstifft nennen. daselbst sind der heyligen dreyer konig leichnam. vomm aufgang bis zum nidergang des sunnen in dreyen spruengen dahin gefuert. die dann (als wir lesen) den himlischen konig ettwen in der krippen wechtzende mit gaben geeret haben. Diss ist ein freyhe vnd namhaftige ertzbischofliche hawbtstatt. Der ertzbischoff daselbst ist ein curfuerst des heiligen roemischen reichs vnd ein weler yezuzeiten eins roemischen konigs. Daselbst haben vil menschen an kunst vnnd heiligkeit geleuechtet. als sand Seucrinus daselbst bischoff. vnd Albertus magnus. des leichnam bey den predigern ligt. alda haben fuenftzig auß der schar Thebeorum ir leben geendet. So hat sand Vrsula mit den aylfftausent iunckfrawen. vnnd etliche andere daselbst die kron der marter verdient. aber sich ist zeuerwundern der burgerlichen syttlichkeit. gestalt Blat XCI der werlt | der statt tapfferkeit der mann vnd der weiber huebschheit vnd sauberkeit daselbst. Von einer alten gewonheit der weiber alda schreibt Franciscus petrarcha der es gesehen hat. dann an sand Johanns der tauffers abent so die sunn nidergeet so samelt sich ein vnglewpliche große menig der weiber amm gestadt des fluss die tuncken denn mit auffgestraiffen ermeln bis hinder den elenpogenn wolriechende krewter darein vnd waschen ir schneweiß hennd vnd arm darauß vnd werffen alle anligende widerwerdigkeit des gantzen iars hinein. das der fluss dieselben hinfueren vnd fuerbas froelichkeit bringen sol. O ir zeuil seligen nachpawrn des rheins der euch ewrer duerftigkeit also reinigt vnd abwescht. das doch weder in oberm teuetschen land die thonaw noch in welschen landen der Padus. oder die Tiber iren nachpawrn nie thuon mochten. Bey Coeln ist ein stat Ach genannt. ein stuol des großen kayser Karls. vnd daselbst in einem marmolsteinem tempel ein wunderwirdiges grab desselben fuersten. derselb hat geordnet das sein nachkomen amm reich daselbst die ersten kron vnd wirdigkeit des roemischen kayserthumbs annemen sollen. als dann noch hewt bey tag beschiht vnd fuero beschehen wirdt. alle dieweil die teuetsch nacion den zawm des Roemischen reichs hanthabt. | | 100px L. Pomponius ein geschihtbeschreiber vnd wolredner ist zu disen zeiten achtper gewesen. als Eusebius setzt. der hat ein buch gemacht drinn er außgemessen wie weit ein statt von der andern lige. Leoneus was ein hohgelerter grammaticus vnd ein gefreyter Gn. pompey. der hat auß befehl desselben pompey seins herren ettliche außlegung in der ertzney die dann pompeyus nach vberwindung Metridaris in seiner beheltnus fande in latein gebracht. dann Metridates was auff die ertzney geflissen also das er von allen seinen vnderthanen ertzney erforschet. vnd die beschreibung vnd auffzaichnus derselben in seinen gesperren verließ. Agrippa ein tochter ma Octaviani ein außpuendiger pawman. hat in seiner pawmeisterschaft zu rom vil gepew vnd vnder andernn vijc. see gemacht vnd der statt Coeln iren namen nach ime. als obgeschriben steet gegeben.
Das fünfte Zeitalter. Agrippa oder Colonia, das ist Köln, auf der linken Seite am Rhein, ist nicht allein wegen seiner Gegend und Lage, sondern auch wegen des Flusses und der Bevölkerung eine hochberühmte und angesehene Stadt in den niederen deutschen Landen. Sie hat (wie Sicardus Cremonensis meint) zu den Zeiten des Aeneas, des Trojaners, ihren Anfang von einem trojanischen Colonus genommen. Und ist danach auf Geheiß und Betreiben des römischen Kaisers Claudius, der ein Gemahl der Frau Agrippina war, als das Volk, genannt Ubier, von den Schwaben vertrieben wurde, gegründet und besteuert und von derselben Frau, aus ihrem Geschlecht stammend, Agrippa genannt worden. Und so hat das Volk der Ubier dort zu wohnen begonnen. Aber alle wahrhaftigeren und glaubwürdigeren Geschichtsschreiber sagen, dass M. Agrippa ein Stifter dieser Stadt gewesen sei. Denn obwohl er daheim und auswärts viele angesehene Bauten errichtet hat, so hat er doch diese Stadt von allen anderen als die würdigste erachtet, nach seinem Namen genannt zu werden. Denn er wurde als ein trefflicher und würdiger Baumeister und Kriegsmann angesehen, den Kaiser Augustus aus der ganzen Welt zu einem Eidam oder Schwiegersohn seiner geliebten einzigen kaiserlichen Tochter erwählt hatte. Derselbe ordnete diese Stadt mächtig gegen die Stadt Trier an, damit er daraus die Feindschaft und Zwietracht der Gallier stillen und unterdrücken möge. Aber lange danach hat Childerich, der König von Frankreich, Aegidius den Römer, dessen Gönner und Anhänger er war, aus dieser Stadt Köln vertrieben und stattdessen Franken angesiedelt. Und aus der Ansiedlung der Franken wurde sie, dem Lateinischen gemäß, Colonia genannt, wiewohl etliche sagen, dass es eine römische Ansiedlung gewesen sei. Diese Stadt wurde einst, während sie die Verbündete der Römer war, von einem wundersamen Feuer verzehrt. Darin waren ein Capitolium, Gebäude und Gewohnheiten gleich den Römern. Insofern, als dort allein Räte des Friedens und des Krieges verhandelt wurden, so pflegten hier hochberühmte Jünglinge und Jungfrauen Gott dem Allmächtigen nächtlich Lob in ewiger Eintracht zu singen. Dort, inmitten der Stadt, sieht man den schönsten und doch noch nicht ganz ausgebauten Tempel, den sie den Hochstift nennen. Dort sind die Leichname der Heiligen Drei Könige, vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne in drei Sprüngen dorthin geführt, die dann (wie wir lesen) den himmlischen König einst in der Krippe wachend mit Gaben geehrt haben. Dies ist eine freie und namhafte erzbischöfliche Hauptstadt. Der Erzbischof daselbst ist ein Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches und ein Wähler zuzeiten eines römischen Königs. Dort haben viele Menschen in Kunst und Heiligkeit geleuchtet, als da sind der heilige Severin, Bischof daselbst, und Albertus Magnus, dessen Leichnam bei den Predigern liegt. Dort haben fünfzig aus der Thebäischen Schar ihr Leben beendet. So hat die heilige Ursula mit den elftausend Jungfrauen und etliche andere dort die Krone des Martyriums verdient. Aber man muss sich wundern über die bürgerliche Sittlichkeit, die Gestalt der Welt, die Tapferkeit der Stadt, die Schönheit und Sauberkeit der Männer und Frauen dort. Von einer alten Gewohnheit der Frauen dort schreibt Francesco Petrarca, der es gesehen hat: Denn am Abend des heiligen Johannes des Täufers, wenn die Sonne untergeht, versammelt sich eine unglaublich große Menge Frauen am Ufer des Flusses. Sie tauchen dann mit aufgestreiften Ärmeln bis hinter die Ellbogen wohlriechende Kräuter hinein und waschen ihre schneeweißen Hände und Arme darin und werfen alle anliegende Widerwärtigkeit des ganzen Jahres hinein, damit der Fluss dieselben hinwegführe und fortan Fröhlichkeit bringe. O ihr zu viel seligen Nachbarn des Rheins, der euch eurer Dürftigkeit so reinigt und abwäscht, was doch weder im oberen deutschen Land die Donau, noch in welschen Landen der Padus oder die Tiber ihren Nachbarn je tun konnten. Bei Köln ist eine Stadt namens Aachen, ein Stuhl des großen Kaisers Karls. Und daselbst in einem marmornen Tempel ein wunderwürdiges Grab desselben Fürsten. Derselbe hat angeordnet, dass seine Nachkommen im Reich dort die erste Krone und Würdigkeit des römischen Kaisertums annehmen sollen, wie es dann noch heute geschieht und künftig geschehen wird, solange die deutsche Nation den Zaum des Römischen Reiches handhabt. L. Pomponius, ein Geschichtsschreiber und Redner, war zu diesen Zeiten angesehen, wie Eusebius schreibt. Er hat ein Buch verfasst, darin er ausgemessen hat, wie weit eine Stadt von der anderen liege. Leoneus war ein hochgelehrter Grammatiker und ein Freigelassener des Gnaeus Pompeius. Er hat auf Befehl desselben Pompeius, seines Herrn, etliche Auslegungen in der Arzneikunde, die Pompeius nach Überwindung des Mithridates in seinem Besitz fand, ins Lateinische übertragen. Denn Mithridates war der Arzneikunde so sehr zugetan, dass er von allen seinen Untertanen Arzneien erforschte und die Beschreibung und Aufzeichnung derselben in seinen Schatzkammern hinterließ. Agrippa, ein Schwiegersohn Octavians, ein hervorragender Baumeister, hat in seiner Baukunst in Rom viele Gebäude und unter anderem 700 Wasserbecken geschaffen und der Stadt Köln ihren Namen nach ihm gegeben, wie oben geschrieben steht.