Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter center Blat CII der werlt right Der hohst got vnd geperer aller ding hat den newglawbigen ein news gesetz zegeben. einen lerer der gerechtigkeit auß dem himel herab gesendet. derselb hat (als vorgemelt ist) sich an das creuetz lassen heften vnd daran seinen gaist auffgegeben. aber nach dem er vorgesagt het das er amm dritten tag von den todten wideraufersteen wurdt. do besorgten die iuden die iungern moechten den leichnam heymlich hinnemen vnd wuerde villeicht allermenigclich glawben das er erstanden wer. darumb zohen sie ine vomm creuetz besloßen ine in ein grab vnd bewarten das festigclich mit ritterlicher huot Aber amm dritten tag vor dem liecht nach beschehnem erdpidem ist das grab pald eroffnet ein großer schreck vber die huoter gefallen vnd der herr auß dem grab gantzer vnd lebendiger gegangen vnd in Gallileam gewandert vnd hat seinen versamelten iungern die buochstaben der heiligen schrifft vnd haymligkait der propheten geoffenbaret die doch dauor nicht mochten verstanden werden. dann sie von ime vnd seinen leyden verkuendigten. Als nw der herr seinen iungern das ewangelium vnd die verkuendung desselben in seinem namen geordnet het do vmbgabe ine pald ein wolcken vnd huobe ine auf in den himel. amm viertzigsten tag nach seinen leyden. dann nach der heiligen gloriwirdigen vrstend. als die goettlich machtigkeit in dreyen tagen den gottes tempel der von der iudischen vnguetigkeit entloeßet wardt wider auffgewecket hat. ist die zal der heiligen viertzig tag mit verharrung leiplicher gegenwurtigkeit erstreckt. zu anzeigung vnd befestigung des glawbens der vrstend. Als nw die appostelln vnd iunger alle nach der auffart des herrnn (als Lucas von den geschihten der apostel setzt) ab dem oelberg gegangen vnd in Jherusalem komen sind do sind sie in ein eßlawben gestigen vnd vnd alda bliben in gebette vnd gueetigem wesen bey den weibern vnnd Maria der muter Jhesu vnd seinen bruedern verharrende vnd in dem gesetze des herrrn vnd seiner gepot tag vnd nacht trachtende bis sie beclaidet wurden mit tugent auß der hoehe. In disen tagen zwischen der vrstend vnd auffart des herrnn ist die bewegnus des bittern tods hingenomen vnd nit allain der seln sunder auch des flaisch vntoedtlichkeit geoffenbaret. vnd darinn durch einplassung des herrnn der hailig gaist allen aposteln eingegoßen. vnd dem seligen Petro appostolo vber die andern nach vbergebung der schluessel des reichs die sorg des schaffstals des herrnn befohlen Durch alle dise zeit hat die goetliche fuersichtigkeit den awgen vnd hertzen der seinen eroffnet das der herr als warlich erstanden solt erkant werden der do warlich geporn. gemartert vnd gestorben was. Aber von dem tag an als der herr vber alle hoeh der himel gestigen ist do kome der zehend tag das was von seiner vrstend der fuenftzigst. do nw die iungern beyeinander warn do empfiehen sie die gelobten gabe des hailigen gaists der sie begerten. vnnd pald wardt ein stym von himel vnd erfuellet das gantzt haws darinn sie saßen. vnd ine erschinnen zerteylte zungen als das fewer vnd sind alle erfuelt mit dem hailigen gaist vnd fiengen anzureden mit mancherlay zungen. dann gleicherweis als etwen dem volck Israhel nach irer erledigung von den Egyptiern amm fuenftzigisten tag nach opfferung des lambs dz gesetzt auff dem berg Syna gegeben ist. Also nach dem leyden darinn das war gottes lamb getoedtet ist worden. amm fuenftzigisten tag von seiner vrstend ist der heilig gaist in die appostel vnd in das volck der glawbenden außgegeoßen Auß vnderrichtung diser empfangner gabe haben die appostel alle ding die von Cristo durch die propheten geschriben warnn gantz verstanden. vnd mit gemainem rat die artickel vnd grundfeste vnsers glawbens gesetzt. Vnd Petrus ein fuerst der appostel hat nach der prophecey Jheremie. ysaie vnnd Dauid gesprochen. Ich glawb in einen got vater almechtigen schoepffer des himels vnnd der erden. Andreas mit Abacukk. vnnd in Jhesum cristum seinen eygen sun vnßern herrnn. Johannes. der empfahen ist vomm heiligen gaist auß Maria der iunckfrawen als ysaias vorgesagt hat. Nembt war ein iunckfraw wirdt empfahen vnd gepern einen sun. Jacobus bestetigende die prophecey ysaie. Gelidden vnder poncio Pilato. gecreuetzigt. gestorben vnd begraben. Thomas die prophecey Osee bezeuegende. Abgestigen zu den hellen amm dritten tag wider erstanden von den todten. Jacobus der groeßer. Auff gestigen zu den himeln sitzet zu der gerechten gottes vaters des almechtigen. Philippus. Von dannen er kuenftig ist zu richten die lebendigen vnd todten. Bartholomeus. Ich glawb in den heiligen gaist. Metheus. Die heiligen cristenlichen kirchen. Aber Simon. Judas vnd Mathias. Gemainschaft der heiligen. Ablaß der suend. Vrstend des flaischs vnd das ewig leben amen. Darnach haben die appostell vil dings von aller kirchen gesetzt. vnd Jacobum den bruder des herrnn einen bischoff zu Jherusalem geordnet. der von gepurt auff ein heiliger man was. der do anfieng die mess in schlechter weiß zehalten. das vater vnßer etc. sprechende. also name das cristenlich wesen an mannen vnnd frawen zu. vnd sant Peter erwelet siben diaconos. das ist diener des glawbens. Als Stephanum. Philippum. Procorum. Nicomorem. Tymonem. Parmenam vnd Nicolaum antiochenum. dise vnderfiengen sich. die ding die den dienern cristi zugepuern zeuerbringen. Darnach taylten sich die aposttel auß in die gantzen welt. nemlich Thomas vnder die Parthos Medos Persas Hircanos Bactrianos vnd in die hindern Indien. Matheus in Mecedoniam vnd Ethiopiam. Barthomeus in Licaoniam vnnd foerdern Indiam. Andreas in Achaiam vnd Scithiam. Johannes nach dem todt der iunckfrawen Marie in Asiam. Petrus in Pontum vnd Gallaciam Bithiniam Capadociam Welsche land. vnd zu lest gein Rom. Jacobus der merer in Hispaniam. Judas in Mesopotamiam. Simon in Egypten. vnnd Philippus vnder die Gallier. Wie dann von disen aposteln hernach geschriben stett. vnd also haben sie sich durch die land außgeteilt vnd allenthalben die grundfeste der kirchen gesetzt. vnd in dem namen gottes irs maisters große vnd schier vnglawpliche wunderzaichen gethan. Derselb hat sie an tugenten vnd krafft vnderwisen zu grundfestigung vnd bestetigung newes glawbens vnd verkundigung.
Das sechste Zeitalter, Blatt CII der Weltchronik. Der höchste Gott und Schöpfer aller Dinge hat den Neugläubigen ein neues Gesetz gegeben, einen Lehrer der Gerechtigkeit vom Himmel herab gesandt. Derselbe hat (wie vorgemelt ist) sich an das Kreuz heften lassen und daran seinen Geist aufgegeben. Doch nachdem er vorausgesagt hatte, dass er am dritten Tag von den Toten wiederauferstehen würde, da besorgten die Juden, die Jünger könnten den Leichnam heimlich wegnehmen, und es würde vielleicht jedermann glauben, dass er auferstanden sei. Darum zogen sie ihn vom Kreuz, schlossen ihn in ein Grab und bewachten es festiglich mit ritterlicher Hut. Aber am dritten Tag vor dem Licht, nach geschehenem Erdbeben, ist das Grab bald geöffnet, ein großer Schreck über die Hüter gefallen, und der Herr ist aus dem Grab ganzer und lebendiger gegangen und nach Galiläa gewandert. Und er hat seinen versammelten Jüngern die Schriften der Heiligen Schrift und die Geheimnisse der Propheten geoffenbart, die doch zuvor nicht verstanden werden konnten, denn sie verkündigten von ihm und seinem Leiden. Als nun der Herr seinen Jüngern das Evangelium und die Verkündung desselben in seinem Namen geordnet hatte, da umgab ihn bald eine Wolke und hob ihn auf in den Himmel, am vierzigsten Tag nach seinem Leiden. Denn nach der heiligen, glorwürdigen Auferstehung, als die göttliche Macht in drei Tagen den Gottestempel, der von der jüdischen Ungütigkeit entblößt ward, wieder aufgeweckt hat, ist die Zahl der heiligen vierzig Tage mit Verharren leiblicher Gegenwärtigkeit erstreckt worden, zur Anzeige und Befestigung des Glaubens der Auferstehung. Als nun die Apostel und Jünger alle nach der Auffahrt des Herrn (wie Lukas in den Geschichten der Apostel schreibt) vom Ölberg gegangen und nach Jerusalem gekommen sind, da sind sie in eine Esslaube gestiegen und allda in Gebet und gütigem Wesen bei den Weibern und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern verharrend geblieben, und in dem Gesetz des Herrn und seiner Gebote Tag und Nacht trachtend, bis sie mit Tugend aus der Höhe bekleidet wurden. In diesen Tagen zwischen der Auferstehung und Auffahrt des Herrn ist die Macht des bittern Todes hinweggenommen und nicht allein der Seele, sondern auch des Fleisches Unsterblichkeit geoffenbart. Und darin ist durch Einblasung des Herrn der Heilige Geist allen Aposteln eingegossen. Und dem seligen Petrus, dem Apostel, ist über die anderen nach Übergebung der Schlüssel des Reiches die Sorge des Schafstalls des Herrn befohlen worden. Durch all diese Zeit hat die göttliche Fürsicht den Augen und Herzen der Seinen eröffnet, dass der Herr als wahrlich auferstanden erkannt werden sollte, der doch wahrlich geboren, gemartert und gestorben war. Aber von dem Tag an, als der Herr über alle Höhen des Himmels gestiegen ist, da kam der zehnte Tag, das war von seiner Auferstehung der fünfzigste. Als nun die Jünger beieinander waren, da empfingen sie die gelobte Gabe des Heiligen Geistes, die sie begehrten. Und bald ward eine Stimme vom Himmel und erfüllte das ganze Haus, darin sie saßen. Und ihnen erschienen zerteilte Zungen wie das Feuer, und sie sind alle erfüllt mit dem Heiligen Geist und fingen an, mit mancherlei Zungen zu reden. Denn gleicherweise, als ehedem dem Volk Israel nach ihrer Befreiung von den Ägyptern am fünfzigsten Tag nach Opferung des Lammes das Gesetz auf dem Berg Sinai gegeben ist, so ist nach dem Leiden, darin das wahre Gotteslamm getötet worden ist, am fünfzigsten Tag von seiner Auferstehung der Heilige Geist in die Apostel und in das Volk der Gläubigen ausgegossen. Aus Unterrichtung dieser empfangenen Gabe haben die Apostel alle Dinge, die von Christus durch die Propheten geschrieben waren, ganz verstanden und mit gemeinsamem Rat die Artikel und Grundfesten unseres Glaubens gesetzt. Und Petrus, ein Fürst der Apostel, hat nach der Prophezeiung Jeremias, Jesajas und Davids gesprochen: „Ich glaube an einen Gott, Vater, allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erden.“ Andreas mit Habakuk: „Und an Jesus Christus, seinen eigenen Sohn, unseren Herrn.“ Johannes: „Der empfangen ist vom Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, wie Jesaja vorausgesagt hat: ‚Nehmt wahr, eine Jungfrau wird empfangen und gebären einen Sohn.‘“ Jakobus, bestätigend die Prophezeiung Jesajas: „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Thomas, die Prophezeiung Hoseas bezeugend: „Abgestiegen zu den Höllen, am dritten Tag wieder auferstanden von den Toten.“ Jakobus der Größere: „Aufgestiegen zu den Himmeln, sitzet zur Rechten Gottes, des Vaters, des Allmächtigen.“ Philippus: „Von dannen er künftig ist, zu richten die Lebendigen und Toten.“ Bartholomäus: „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Matthäus: „Die heilige christliche Kirche.“ Aber Simon, Judas und Matthias: „Gemeinschaft der Heiligen, Ablass der Sünden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben. Amen.“ Darnach haben die Apostel vieles für die ganze Kirche gesetzt und Jakobus, den Bruder des Herrn, zum Bischof zu Jerusalem geordnet. Dieser war von Geburt an ein heiliger Mann, der da anfing, die Messe in schlichter Weise zu halten, das Vaterunser etc. sprechend. Also nahm das christliche Wesen an Männern und Frauen zu. Und Sankt Petrus erwählte sieben Diakone, das sind Diener des Glaubens: Stephanus, Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus aus Antiochia. Diese unternahmen es, die Dinge zu verrichten, die den Dienern Christi zukommen. Darnach teilten sich die Apostel in die ganze Welt auf: nämlich Thomas unter die Parther, Meder, Perser, Hyrkanier, Baktrier und in die hinteren Indien; Matthäus nach Mazedonien und Äthiopien; Bartholomäus nach Lykaonien und Vorderindien; Andreas nach Achaia und Skythien; Johannes nach dem Tod der Jungfrau Maria nach Asien; Petrus nach Pontus und Galatien, Bithynien, Kappadokien, die welschen Lande und zuletzt nach Rom; Jakobus der Ältere nach Hispanien; Judas nach Mesopotamien; Simon nach Ägypten; und Philippus unter die Gallier. Wie dann von diesen Aposteln hernach geschrieben steht. Und also haben sie sich durch die Lande ausgeteilt und allenthalben die Grundfesten der Kirchen gesetzt und in dem Namen Gottes, ihres Meisters, große und schier unglaubliche Wunderzeichen getan. Derselbe hat sie an Tugenden und Kraft unterwiesen zur Grundfestigung und Bestätigung des neuen Glaubens und dessen Verkündigung.