Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter left Iacobus ein apostel der gerecht zugenambt vnnd der minder genant in achtung gegen dem grössern. nit der heiligkeit sunder der berueffung halb zum apostel stannd. ein bruder des herren. auß der schwester marie seiner muter ist nach der auffart des herren von den aposteln der erst bischoff der kirchen zu Jherusalem geordnet worden vnnd geseßen. xxx. iar bis auff das sibend iar Neronis. Diser Jacubus was von muter leib heilig der wein vnd truncken machend getranck nit getruncken nach einich flaisch geessen hat. eysen ist auff sein hawbt nit gestigen. noch er ye mit einichen oele gesalbet worden. so geprauchet er sich keins pads vnd wz mit leynim klaid beclaidet. Er gienge allain in sancta sanctorum vnd pate fleißgclich vnnd stetteigclich fuer das hail des volcks mit gepogen knyen. darumb wardt er der gerecht genant: vnd (als Ignacius setzt) im angesiht leben vnd in weysen des wandels Cristo Jhesu der gleichst. als wern sie zwiling brueder. Disen Jacobum tet Amianus der Juden bischoff sahen vnd Cristum zeuerlaugnen versuchen vnd auff die spitz des tempels stelen vnd herab stuertzen. vnd mit stainen verwerffen. aber er huob souil er mocht sein hendt gein himel vnd pate fuer sein verfolger. vnd dieweil er noch also gaistet wardt er mit eim wolbogen an sein hawbt geslagen vnd starb. begraben bey dem tempel. Disem ist der herr nach seiner vrstend erschynnen hat ime das prot gesegnet vnd gesprochen sprechend. Mein bruder iße dein prot dann des menschen sun ist vonn todten erstanden. dann er het gelobt nit prot zeessen er sehen ine denn vor. Er ist (als Josephus sagt) so heilig gewesen das man glawbet das von seins tods wegen Jherusalem zerstoert worden sey. Als nw Petrus der heiligst man ime bey allermeinigclichen also einen großen namen gemacht het dz er hoh geeret wardt do erzuernet Nero suchende ine zertoedten do zohe Petrus auß vermanung der freuend den zorn Neronis zeempflihen auß der statt Rom vnd begegnet Cristo den bettet er an fragende. herr wohyn komst. antwurtet Cristus gein Rom widerumb gecreuetzit zewerden. darumb keret Petrus widerumb zu der statt vnd ordnet Clementen zu eim bischoff. vnlang darnach wardt er mit Paulo auß befehle Neronis getoedt. doch mit vil peynigungen. dann Petrus wardt (als er wolt) an ein creuetz geheft mit dem hawbt gein der erden gekert vnd mit den fueßen in die hoehe gehebt. vnd in Vitacano begraben. vnnd saße. xxv. iar. So wardt Paulus an demselben tag enthawbtet vnd an dem hostiensischn weg begraben im. xxxvij. iar nach dem tod Cristi. vnd als sie sich von einander schieden sprach Paulus zu Petro. der frid sey mit dir du grundfest der kirchen vnd hirt aller lamb Cristi. So sprach Petrus. Gee hyn im frid du prediger der guoten. du mittler vnd layter des hails der gerechten. Marcellus vnd Apuleius ire iungere haben sie mit wolriechenden krewtern salbende begraben. Noch hewtbeytag werden die hewbter Petri vnd Pauli mit gold. silber vnnd edelm gestan gezieret. In der kirchen sancti Johannis lateranensis wesende dem volck gezaigt. Creuetzigung Petri des appostels Enthawbtung Pauli center Blat CV der werlt left Seneca sunst Lucius anneus genant ein naturlicher maister was Neronis des kaisers lerer. zu Rom in wierde gehalten vnd ein vetter Lucani des poeten. Von disem schreibt der heilig Jheronimus das er eins allermassigsten lebens gewest sey darumb setzet er ine in dem zalbuch der heiligen von der manigfeltigen sendbrieff wegen. so Paulus an Senecam vnd Seneca an Paulum geschriben hat. Diser Seneca hat vnder andern guottaten seiner gnaden ime von got verlihen ein solche gedechtnus gehabt das er zwaytausent namen in der ordnung wie die gesagt waren alßpald herwider saget. vnd zwayhundert verss von zwayhundert schuolern gesprochen an dem letsten anfahende bis zu dem ersten gentzlich herwider redet. Der sol zway iar vor ertoedtung Petri vnd Pauli von Nerone seinem grawsamen iunger zu widergeltung ertoedt worden sein. dann als Seneca fast alt worden was do wardt er an der Pisonianischen puendtnus verargkwonet. oder als ettlich sprechen. do Nero gegen Senecaz der straych der ime in seiner zucht gegeben het zu gedechtnus fueret (ia auß angepornem haß der tugent) do wardt dem Seneca von Nerone gesagt das er imselbs einen tod erwelet. do Seneca den willen Neronis erkennet begeret er das er in ein lawes wasser gesetzt vnd ime alle adern geoeffent werden solten bis ime der gaist entgienge. maynende das er gar eins fueß geslecht des tods wer. also von eroffnung der adern zesterben. vnd also endet er sein leben. vnnd hat als ein hohgelerter man vil lere goetlicher vnd menschlicher schrifft gemacht. right Lucanus anneus des vorgenanten Senece bruders sun ein hohberuembter redner. poet vnd geschihtbeschreiber was iunger den derselb sein vetter. aber ime doch vom groes wegen seiner sinnreichikeit gleich von gemeß geachtet. der hat erstlich zu Rom vnd Cornuto gelernet. vnd daselbst Persum vnd Bassum zu mitschuolern gehabt. vnd wiewol er von seiner geschicklichkeit wegen durch Neronen gein hoff gefordert vnd ime langezeit fast angename wz vnd darauff das renntmaister ambt vnd briesterschaft erlanget so wardt er doch der puendnus halben wie seneca verclagt vnd mit eroffnung seiner adern nach seiner wale getoedt left Persius flaccus aulus von Volaterrana der Etrurischen statt pirtig. ist ein mittelmassige person. scheinlicher gestalt. guetter sitten vnd fuertreffenlicher sinnreichigkeit vnd lere gewesen vnd hat erstlich Grammaticam. darnach Rhetoricam vnd zu letst bey Cornuto philozophiam gelernet. vnnd ist imm xxix. iar seins alters amm seuechen des magens dieweil Nero noch regiret gestorben vnd zu Rom in seinen erbguettern begraben. Zu disen zeiten ist auch Cornutus der naturlich maister vnd poet von dem grawsamen Nerone on einiche verschuldung in das ellend verschickt. der von großer lieb wegen die er zu Perso seinem iunger het ein librarey samelt vnd seinen verdienten lone seinen schwestern erblich ließe. left Philippus vnßers herren Jhesu cristi auß der zwolfer zal ein appostel gefordert ime nachzefolgen. Der fueret seinen bruder Nathanaelem einen lerer des gesetzs in dem kein listikeit was zu dem der zum appostel stand nit gefordert was. das die bekerung der menschen zum glawben menschlicher weißheit nit solt zugelegt werden. Als nw diser appostell. xx. iar durch das land Scithiam gepredigt vnd sie schier alle zum glawben Cristi bekeret het do kome er gein Jheropolim in die statt Asie. daselbst hat er außgelescht die ketzerey Hebionitarum. die do sagten das Christus ein getichts flaisch an sich genomen het. darnach als er von den haisen gefangen vnd gefuert het. darnach als er von den haiden gefangen vnd gefuert wardt der seueln Maris des abgots zeopffern. do gieng ein dragk vnder ser seueln herauß vnd ertoedtet den sun des bischofs der des feuers zum opffer wartet. vnd zwen rotmaister der. diener den appostel hielten. vnd machet vil lewt kranck. doch auß gepete diss appostels verschwande diser dragk vnd warden die lewt wider gesund Aber er wardt imm. lxxviij. iar seins alters von den vnglawbigen an das creuetz das er prediget wie sein meister geheftet vnd zu eim martrer Christi gemacht. Diser Philippus ließ zwu toechter die waren iunckfrawen. die bede warden bey ime. eine zu der rechten vnd die andern zu der lingken hand begraben. Barnabas ein auß den. lxxij. iungernn. auß Cipria pirtig. was Paulo zu ein gesellen zugegeben den haiden zepredigen. der durch zohe auß befelh Petri predigend vnd lerend alles Longobardisch land. vnd bekeret durch sich vnd sein iunger alles herdißhalb gelegen Galliam zum cristen glawben. vnd richtet zu Mayland zu erst ein bischofliche kirchen auf. ließ daselbst einen bischof. kom wider in cipram mit dem ewangelio Mathei vil haylende. Zu Salamina vnlang vor der marter Petri. Daselbst wardt er auch mit marter gekroent.
Das sechste Zeitalter. Jakobus, ein Apostel, der „der Gerechte“ genannt wurde und „der Kleinere“ im Vergleich zum Größeren – nicht wegen seiner Heiligkeit, sondern wegen seiner Berufung zum Apostelamt. Ein Bruder des Herrn, von der Schwester Marias, seiner Mutter, wurde nach der Himmelfahrt des Herrn von den Aposteln zum ersten Bischof der Kirche zu Jerusalem eingesetzt und saß dreißig Jahre lang, bis zum siebten Jahr Neros. Dieser Jakobus war von Geburt an heilig, trank keinen Wein und keine berauschenden Getränke, aß kein Fleisch. Ein Eisen ist nicht auf sein Haupt gekommen, noch wurde er je mit Öl gesalbt. Er benutzte kein Bad und war mit einem leinenen Gewand bekleidet. Er ging allein in das sancta sanctorum und betete fleißig und beständig für das Heil des Volkes mit gebeugten Knien. Darum wurde er „der Gerechte“ genannt; und (wie Ignatius schreibt) er war in Aussehen, Leben und Wandel Christus Jesus am ähnlichsten, als wären sie Zwillingsbrüder. Diesen Jakobus ließ Ananias, der Bischof der Juden, fassen und versuchen, Christus zu verleugnen, und ihn auf die Spitze des Tempels stellen und herabstürzen und mit Steinen bewerfen. Aber er hob, so viel er konnte, seine Hände gen Himmel und betete für seine Verfolger. Und während er noch so gepeinigt wurde, schlug man ihn mit einem Walkstock auf sein Haupt, und er starb. Er wurde beim Tempel begraben. Diesem erschien der Herr nach seiner Auferstehung, segnete ihm das Brot und sprach: „Mein Bruder, iss dein Brot, denn des Menschen Sohn ist von den Toten auferstanden.“ Denn er hatte gelobt, kein Brot zu essen, ehe er ihn nicht zuvor gesehen hätte. Er ist (wie Josephus sagt) so heilig gewesen, dass man glaubte, dass wegen seines Todes Jerusalem zerstört worden sei. Als nun Petrus, der heiligste Mann, sich bei jedermann einen so großen Namen gemacht hatte, dass er hoch geehrt wurde, da erzürnte Nero und suchte ihn zu töten. Da zog Petrus auf Ermahnung der Freunde, um dem Zorn Neros zu entfliehen, aus der Stadt Rom und begegnete Christus. Den betete er an und fragte: „Herr, wohin kommst du?“ Christus antwortete: „Nach Rom, um wiederum gekreuzigt zu werden.“ Darum kehrte Petrus wieder zur Stadt zurück und setzte Clemens als Bischof ein. Unlängst danach wurde er mit Paulus auf Befehl Neros getötet, doch mit vielen Peinigungen. Denn Petrus wurde (wie er wollte) an ein Kreuz geheftet, mit dem Haupt zur Erde gekehrt und mit den Füßen in die Höhe gehoben. Und er wurde im Vatikan begraben und saß fünfundzwanzig Jahre. So wurde Paulus am selben Tag enthauptet und am Ostiensischen Weg begraben, im siebenunddreißigsten Jahr nach dem Tod Christi. Und als sie sich voneinander schieden, sprach Paulus zu Petrus: „Der Friede sei mit dir, du Grundfeste der Kirche und Hirt aller Lämmer Christi.“ So sprach Petrus: „Geh hin im Frieden, du Prediger des Guten, du Mittler und Leiter des Heils der Gerechten.“ Marcellus und Apuleius, ihre Jünger, haben sie mit wohlriechenden Kräutern salbend begraben. Noch heutzutage werden die Häupter Petri und Pauli mit Gold, Silber und Edelsteinen geziert, in der Kirche sancti Johannis lateranensis dem Volk gezeigt. Kreuzigung Petri des Apostels, Enthauptung Pauli. (Mitte Blatt CV der Weltchronik) Seneca, sonst Lucius Annaeus genannt, war ein Naturphilosoph und Lehrer des Kaisers Nero. Er wurde in Rom in Ehren gehalten und war ein Onkel des Dichters Lucanus. Von diesem schreibt der heilige Hieronymus, dass er ein sehr maßvolles Leben geführt habe, darum setzt er ihn in das Verzeichnis der Heiligen wegen der vielfältigen Briefe, die Paulus an Seneca und Seneca an Paulus geschrieben hat. Dieser Seneca hatte unter anderen Gnadengaben, die ihm von Gott verliehen waren, ein solches Gedächtnis, dass er zweitausend Namen in der Reihenfolge, wie sie gesagt worden waren, sogleich wiederholen konnte. Und zweihundert Verse, die von zweihundert Schülern gesprochen wurden, konnte er, vom letzten beginnend bis zum ersten, vollständig wiedergeben. Er soll zwei Jahre vor der Tötung Petri und Pauli von Nero, seinem grausamen Schüler, zur Vergeltung getötet worden sein. Denn als Seneca schon sehr alt geworden war, da wurde er der Pisonianischen Verschwörung verdächtigt. Oder, wie etliche sagen: Als Nero Seneca die Schläge, die er ihm in seiner Erziehung gegeben hatte, ins Gedächtnis führte (ja, aus angeborenem Hass der Tugend), da wurde Seneca von Nero gesagt, dass er sich selbst einen Tod wählen solle. Als Seneca den Willen Neros erkannte, begehrte er, dass er in lauwarmes Wasser gesetzt und ihm alle Adern geöffnet werden sollten, bis ihm der Geist entging. Er meinte, dass dies eine sehr sanfte Art des Todes sei, so durch das Öffnen der Adern zu sterben. Und so beendete er sein Leben und hat als ein hochgelehrter Mann viele Lehren göttlicher und menschlicher Schriften verfasst. Lucanus Annaeus, der Sohn des Bruders des vorgenannten Seneca, ein hochberühmter Redner, Dichter und Geschichtsschreiber, war jünger als sein Onkel, aber ihm doch wegen der Größe seiner Geisteskraft als ebenbürtig angesehen. Dieser hat erstlich in Rom bei Cornutus gelernt und daselbst Persius und Bassus als Mitschüler gehabt. Und obwohl er wegen seiner Geschicklichkeit durch Nero an den Hof gefordert wurde und ihm lange Zeit sehr angenehm war und daraufhin das Amt des Rennmeisters und die Priesterschaft erlangte, so wurde er doch wegen der Verschwörung wie Seneca angeklagt und durch das Öffnen seiner Adern nach seiner Wahl getötet. Persius Flaccus Aulus, gebürtig aus Volaterrae, der etruskischen Stadt, war eine mittelgroße Person, von ansehnlicher Gestalt, guten Sitten und hervorragender Geisteskraft und Gelehrsamkeit. Er hat erstlich Grammatik, darnach Rhetorik und zuletzt bei Cornutus Philosophie gelernt. Und ist im neunundzwanzigsten Jahr seines Alters an einer Magenkrankheit gestorben, während Nero noch regierte, und zu Rom in seinen Erbgütern begraben. Zu diesen Zeiten ist auch Cornutus, der Naturphilosoph und Dichter, von dem grausamen Nero ohne irgendeine Schuld ins Exil geschickt worden. Dieser hat aus großer Liebe, die er zu Persius, seinem Jünger, hatte, eine Bibliothek gesammelt und seinen verdienten Lohn seinen Schwestern erblich hinterlassen. Philippus, einer der zwölf Apostel unseres Herrn Jesus Christus, wurde aufgefordert, ihm nachzufolgen. Dieser führte seinen Bruder Nathanael, einen Lehrer des Gesetzes, in dem keine List war, zu dem, der nicht zum Apostelamt berufen war, damit die Bekehrung der Menschen zum Glauben nicht menschlicher Weisheit zugeschrieben werden sollte. Als nun dieser Apostel zwanzig Jahre lang durch das Land Skythien gepredigt und sie fast alle zum Glauben Christi bekehrt hatte, da kam er nach Hierapolis in die Stadt Asiens. Daselbst hat er die Ketzerei der Ebioniten ausgelöscht, die sagten, dass Christus ein scheinbares Fleisch angenommen hätte. Darnach, als er von den Heiden gefangen und geführt wurde, um dem Abgott Mars geopfert zu werden, da ging ein Drache unter seinem Schemel hervor und tötete den Sohn des Bischofs, der des Feuers zum Opfer wartete, und zwei Hauptleute der Diener, die den Apostel hielten. Und er machte viele Leute krank. Doch auf Gebet dieses Apostels verschwand dieser Drache, und die Leute wurden wieder gesund.