Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter left Andreas ein bruder vnd im leyden des creuetzs ein gesel symonis petri. was zu erst ein iunger Johannis des tauffers vnd ein nachfolger ihesu. auff den Johannes zaiget sprechend. Nim war ein lamb gottes. Diser wandert nach zukunft des hailigen gaists in Achaiam die gegent kriechischer land. dieweil Vespasianus noch regiret vnd Andreas den Scithiernn das ewangelium predigt vnnd in Achaia vil lewt zum glawben bekeret het. vnd sunderlich Maximillan das weib Egee des verwesers der selben gegent. do wardt er bey Patras der statt Achaie von Egea nach langer disputacion vomm glawben in den kercker gelegt. vnd darnach von .xx. hoffbuoben schwerlich geschlagen. vnd zu letst mit stricken an ein creuetz gehangen. vnd als aber das volck wider den richter Egeam murmelet do bate sie Andreas fleissigclich das sie sein marter nit hindern solten. dann sein maister Jhesus het in seinen leiden auch gedult erzaigt. Do Andreas das creuetz anschawet do grueßet er dz sprechend. Bis gegruest du hailigs cruetz dz du in dem leichnam Christi geweyhet vnd seinen glidern als mit edelnn stayn geziert bist. vnd er lebet zwen tag amm creuetz. do erschine zu letst vmb ine ein glantz vnnd er volbracht die marter. am letsten tag das monats Nouembris. Maximilla name seinen leichnam vnd begruobe den mit wolrichenden krewtern. derselb leichnam ward im .xxi. iar des kaisers Constancij mit sant Lucas gepaynen auß der obbenanten statt gein Constantinopel gebracht. Babst Pius der ander hat darnach das hawbt Andree von Peloponeso gein rom gefuert in sant peters kirchen bestattet. right Qunitilanus der hohberuembt redner vnd naturlich maister auß Hispania pirtig wardt diser zeit in großem werde gehalten. vnd von Galba dem kaiser gein rom gefuert. daselst hielt er die schuel. Er was gar ein hohgelert vnd tapffer man. der von der kunst des wolredens acht buecher. vnnd auch ein nuetzlichs buech der sachen genantgemacht hat. darinn diser treffenlich vnnd gedechtnus wirdig spruch begriffen ist. Got woelt das wir die sitten vnßrer buecher nit verlueren. dann wir entloesen die kintheit oder vnsprechenheit paldt mit lustperkeit. wann ein waiche auffzucht oder nachlassigkeit bricht das geadere des gemuets vnd leibs. vnd als nw das buoch der kunst des wolredens diss mans schier. vic. iar verlorn gewest was do wardt das darnach von Pogio florentino dem hohgelerten man vmb das tausend. iiijc. xiiij. iar Christi in dem concilio zu Constentz in eim closter also gantz gefunden vnd von ime abgeschriben vnd also gerehtuertigt in Welsche land gebracht. left Thomas didimus oder Geminus genant einer auß den xij. aposteln. was der der an der vrstend cristi zweiflende vnd mer gefruemet hat dann die glewplichkeit Magdalene dann er wardt ein zueg der vrstend nicht allain durch hoeren vnd sehen sucher auch durch beruern. Diser hat das ewangelum Christi den Parthern. Medeern. Persiern. Hiraniern vnd Brachmaniern gepredigt. vnd in oebern vnnd nidern Jndien vil menschen bekert, vnnd Migdoniam Carithii eins freuends des konigs weib getauft. vnd daslebst vil kirchen. die noch wor awgen sind gestiftet. vnd von dannen (als Crisostomus sprciht) in die gegent der konig die do komen Christum anzebeten ziehende. sie zum tauff gebracht. vnd als gesellen zu hilff dem cristlichen glawben aufgenomen. zu letzt wardt er von vnglawbige in einen prinnenden ofen darinn er doch vnuerletzt blib geworffe. vnnd darnach zu der sunnen abgot den anzebetten gefueret. do sprach diser apostel mit gepogen knyn. Jch bette an meinen herren Jhesuz christum Jch geieuete dir. der du alda verborgen ligst das du die abgotseueln zerbrechen. do das geschahe zuerneten die briester des tempels vnd durchstachen disen appostel mit lantzen. Sein leichnam wardt vnlang darnach in die statt Edissam gebrachr. das aber Thomas bey dem absterben Marie nit gewesen sol sein. vnd ein aufnemung irs leibs vnd der sel gezweifelt vnd ime darumb die gloriwirdig iunckfraw maria erscheinende ir guertel zu gezuegnus desselben gegeben hab. Des ist nit glawbwirdige schrifft vor handen. Blat CVII der werlt right Matheus von Christoamm zol auß offen suendlichen wercken gefordert wardt ein hohberuembter appostelvnd ewangelist. vnd als er nach des herren auffart das ewengelium Christi in dem iudischen land gepredigt. vnd ime fuergesetzt het vnder eueßere voelcker zeziehen hat er erster dz ewangelium hebreysch i ethapiam dz morn land fuer die bekehrten iuden zum glawben geschriben vnd den bruedern. zuuorauß Barnabe seinen mitiunger sein zegebencken gelaßen. vnd in desselben ewnageliums anfang die menschwerdung. im mittel die predig vnd imm ende dz leiden Christi angezaigt. Dasselb ewangelium hat der apostel Barnabas zum ambt der predig durch mancherlay stett vmgetragen. auff die krancken gelegt vnnd sie alle damit gehaylet. nw hat Matheus schier dieselben gantzen gegent Ethiopiam predigende durchloffen. vnd vnzallich volck der Ethiopier oder morn zu cristenlichen ioch bekert vnd asie mit den prunnen des tauffs waschende. auß den schwartzen ein wolgestalts volck gemacht. vnd kirchen Christi gestiftet. Als er aber die edeln iunckfrawen Epigeniam mit. ijc. iunckfrawen den herren Christo geweihet het. do sendet der konig einen zuechtiger der den appostel gotes dieweil er meß hielt vnd sein hend gein himel auffhuob beym altar mit eim schwert durchstache vnd ertoedtet. amm. xxxi. tag des monats septembris. So wardt der konig mit außmerckigen seuechen also geplagt das er auß verdieß seines lebens sicselbs ertoedtet. so vermanet der appostel das volck duch gesyhte das sie den bruder Epigenie zu eim konig setzen. der regiret darnach. lxx. iar vnd richtet vil kirchen auff vnd machet Ethiopia fast cristenlich. left right Telca die hoberuembt iunckfraw sant Paulsen iungerin wardt von veriehung wegen des cristlichen glaubens mit kloben. wilden thiern vnd fewer grawlich gepeinigt vnd hat nach zukunft von Jconio gein Seleueciam am. xxiij. tag des monats septembris in den herren gerueet. Processus vnd Martinus die roemischen ritter warden von Petro im kercker getaufft vnd auß befelhnus Neronis mit stacheln. flammen. kloben vnd scorpionen gepeinigt vnd zu lest mit der marter bekroenet Auch ahben Nereus vnd Archelaus die bruder. burgere zu Rom vnnder diser verfolgung daslebts zu Rom. Deßgleichen Torpetus Torquatus vnd Cecilius tuphrasius bey den Hyspaniern die marter erlidden. right Iudas tadeus ein bruder Simonis cananei vnd iacobi des mindern. ein sun marie cleophe vnd alphei vnd ein appostel Christi hat erstlich nach zukunft des hailigen gaists in Mesopotamia vnd in der nidern gegent Ponti das ewangelium Christi gepredigt. vnnd die wilden vngezawmten voelcker mit heiliger lere gesenftiget vnd darnach mit Simone dem appostel in Persidem gewandert. vnd ist (als ecclesiastica historia innhelt) in die stat Edissam kommen zu dem konig Abagarum. der dann ein sendbrieff an Christum vor seinen leyden geschriben. den auch christus widerumb schriftlichen geantwurt hat. Derselb wardt mit vnhaylperlichem seuechen des leibs begriffen. den erlediget er von seiner kranckehit vnd wardt darnach mit Symone gemartert vnnd in Netruo der statt Armenie begraben. vnnd wirdt ir tag ierlich begangen am. xxviij. tag octobris. left Diascores ein kriechyscher artzt vnnd ritterlicher man. auch in kunst vnd wissen der krewter kraft diser zeit wunderperlich. hat die krefft. wurckung vnd tugent der krewter. pawmen vnnd gestayne mit grossem fleyß beschriben. also das er von imselbs sprach. Was ich gesetzt hab das hab ich nit auß wone erkant sunder auß werwlung vnd erfarung. gelernt. Von disem tut auch Plinius meldung.
Das sechste Zeitalter. Andreas, ein Bruder und im Leiden des Kreuzes ein Gefährte Simon Petrus', war zuerst ein Jünger Johannes des Täufers und ein Nachfolger Jesu, auf den Johannes zeigte, sprechend: „Nimm wahr, ein Lamm Gottes.“ Dieser wanderte nach der Ankunft des Heiligen Geistes nach Achaia, die Gegend griechischen Landes. Während Vespasian noch regierte und Andreas den Skythen das Evangelium predigte und in Achaia viele Leute zum Glauben bekehrt hatte, und besonders Maximilla, das Weib des Ägeas, des Verwesers derselben Gegend, da wurde er bei Patras, der Stadt Achaias, von Ägeas nach langer Disputation über den Glauben in den Kerker gelegt und danach von zwanzig Hofbuben schwerlich geschlagen und zuletzt mit Stricken an ein Kreuz gehängt. Und als aber das Volk wider den Richter Ägeas murmelte, da bat sie Andreas inständig, dass sie seine Marter nicht hindern sollten, denn sein Meister Jesus hatte in seinem Leiden auch Geduld gezeigt. Als Andreas das Kreuz anschaute, da grüßte er es, sprechend: „Sei gegrüßt, du heiliges Kreuz, das du in dem Leichnam Christi geweiht und mit seinen Gliedern wie mit edlen Steinen geziert bist.“ Und er lebte zwei Tage am Kreuz. Da erschien zuletzt um ihn ein Glanz, und er vollbrachte die Marter am einunddreißigsten Tag des Monats November. Maximilla nahm seinen Leichnam und begrub ihn mit wohlriechenden Kräutern. Derselbe Leichnam wurde im 21. Jahr des Kaisers Constantius mit den Gebeinen des heiligen Lukas aus der obgenannten Stadt nach Konstantinopel gebracht. Papst Pius der Zweite hat danach das Haupt des Andreas von Peloponnes nach Rom geführt und in der Peterskirche bestattet. Quintilian, der hochberühmte Redner und natürliche Meister, aus Hispanien gebürtig, wurde dieser Zeit in großem Wert gehalten und von Galba, dem Kaiser, nach Rom geführt. Daselbst hielt er die Schule. Er war gar ein hochgelehrter und tüchtiger Mann, der über die Kunst des Wohlredens acht Bücher und auch ein nützliches Buch, das „der Sachen“ genannt wird, gemacht hat, darin dieser treffliche und gedenkwürdige Spruch begriffen ist: „Gott wolle, dass wir die Sitten unserer Bücher nicht verlören, denn wir geben die Kindheit oder Unmündigkeit bald mit Lustbarkeit auf. Wann eine weiche Aufzucht oder Nachlässigkeit bricht das Geäder des Gemüts und Leibes.“ Und als nun das Buch der Kunst des Wohlredens dieses Mannes schier 600 Jahre verloren gewesen war, da wurde es danach von Poggio Bracciolini, dem hochgelehrten Mann, um das Jahr 1414 Christi in dem Konzil zu Konstanz in einem Kloster ganz gefunden und von ihm abgeschrieben und so wiederhergestellt in welsche Lande gebracht. Thomas, Didymus oder Geminus genannt, einer aus den zwölf Aposteln, war der, der an der Auferstehung Christi zweifelnd mehr gefördert hat als die Gläubigkeit Magdalenas, denn er wurde ein Zeuge der Auferstehung nicht allein durch Hören und Sehen, sondern auch durch Berühren. Dieser hat das Evangelium Christi den Parthern, Medern, Persern, Hyrkaniern und Brahmanen gepredigt und in Ober- und Niederindien viele Menschen bekehrt und Migdonia, Carithius', eines Freundes des Königs, Weib, getauft und daselbst viele Kirchen, die noch sichtbar sind, gestiftet. Und von dannen (wie Chrysostomus spricht) in die Gegend der Könige, die da kamen, Christus anzubeten, ziehend, sie zum Tauf gebracht und als Gesellen zur Hilfe dem christlichen Glauben aufgenommen. Zuletzt wurde er von Ungläubigen in einen brennenden Ofen geworfen, darin er doch unverletzt blieb, und danach zu dem Sonnenabgott geführt, den anzubeten. Da sprach dieser Apostel mit gebogenen Knien: „Ich bete an meinen Herrn Jesus Christus. Ich gebiete dir, der du allda verborgen liegst, dass du die Abgötzen säulen zerbrechen sollst.“ Als das geschah, zürnten die Priester des Tempels und durchstachen diesen Apostel mit Lanzen. Sein Leichnam wurde unlängst danach in die Stadt Edessa gebracht. Dass aber Thomas beim Absterben Marias nicht gewesen sein soll und eine Aufnahme ihres Leibes und der Seele bezweifelt und ihm darum die glorwürdige Jungfrau Maria erscheinend ihren Gürtel zum Zeugnis desselben gegeben habe, des ist nicht glaubwürdige Schrift vorhanden. Blatt 107 der Weltchronik. Matthäus, von Christus am Zoll aus offen sündlichen Werken gefordert, wurde ein hochberühmter Apostel und Evangelist. Und als er nach des Herrn Auffahrt das Evangelium Christi im jüdischen Land gepredigt und ihm vorgesetzt hatte, unter äußere Völker zu ziehen, hat er zuerst das Evangelium hebräisch in Äthiopien, das Mohrenland, für die bekehrten Juden zum Glauben geschrieben und den Brüdern, zuvor auch Barnabas, seinem Mitjünger, sein Zeugnis zu geben gelassen. Und in desselben Evangeliums Anfang die Menschwerdung, im Mittel die Predigt und am Ende das Leiden Christi angezeigt. Dasselbe Evangelium hat der Apostel Barnabas zum Amt der Predigt durch mancherlei Städte umgetragen, auf die Kranken gelegt und sie alle damit geheilt. Nun hat Matthäus schier dieselbe ganze Gegend Äthiopien predigend durchlaufen und unzähliges Volk der Äthiopier oder Mohren zum christlichen Joch bekehrt und sie mit den Brunnen des Taufs waschend, aus den Schwarzen ein wohlgestaltes Volk gemacht und Kirchen Christi gestiftet. Als er aber die edle Jungfrau Epigenia mit 200 Jungfrauen dem Herrn Christus geweiht hatte, da sendete der König einen Züchtiger, der den Apostel Gottes, dieweil er Messe hielt und seine Hände gen Himmel aufhob, beim Altar mit einem Schwert durchstach und ertötete am 21. Tag des Monats September. So wurde der König mit ausmerklicher Seuche also geplagt, dass er aus Verdruss seines Lebens sich selbst ertötete. So ermahnte der Apostel das Volk durch Gesichte, dass sie den Bruder Epigenias zu einem König setzen sollten. Der regierte danach 70 Jahre und richtete viele Kirchen auf und machte Äthiopien fast christlich. Thekla, die hochberühmte Jungfrau, Jüngerin des heiligen Paulus, wurde wegen des Bekenntnisses des christlichen Glaubens mit Kloben, wilden Tieren und Feuer gräulich gepeinigt und hat nach ihrer Ankunft von Ikonium nach Seleukia am 23. Tag des Monats September im Herrn geruht. Processus und Martinianus, die römischen Ritter, wurden von Petrus im Kerker getauft und auf Befehl Neros mit Stacheln, Flammen, Kloben und Skorpionen gepeinigt und zuletzt mit der Marter gekrönt. Auch haben Nereus und Archelaus, die Brüder, Bürger zu Rom, unter dieser Verfolgung daselbst zu Rom [die Marter erlitten]. Desgleichen Torpetus, Torquatus und Caecilius Tuphrasius bei den Hispaniern die Marter erlitten. Judas Thaddäus, ein Bruder Simon des Kananäers und Jakobus des Jüngeren, ein Sohn Marias Kleophas und Alphäus', und ein Apostel Christi, hat erstlich nach der Ankunft des Heiligen Geistes in Mesopotamien und in der niederen Gegend des Pontus das Evangelium Christi gepredigt und die wilden, ungezähmten Völker mit heiliger Lehre gesänftigt und danach mit Simon dem Apostel nach Persien gewandert. Und ist (wie die Kirchengeschichte enthält) in die Stadt Edessa gekommen zu dem König Abgar, der dann einen Sendbrief an Christus vor seinem Leiden geschrieben, den auch Christus wiederum schriftlich geantwortet hat. Derselbe wurde mit unheilbarer Seuche...