Schedelsche Weltchronik · Blatt 107

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 107, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 107, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter left Andreas ein bruder vnd im leyden des creuetzs ein gesel symonis petri. was zu erst ein iunger Johannis des tauffers vnd ein nachfolger ihesu. auff den Johannes zaiget sprechend. Nim war ein lamb gottes. Diser wandert nach zukunft des hailigen gaists in Achaiam die gegent kriechischer land. dieweil Vespasianus noch regiret vnd Andreas den Scithiernn das ewangelium predigt vnnd in Achaia vil lewt zum glawben bekeret het. vnd sunderlich Maximillan das weib Egee des verwesers der selben gegent. do wardt er bey Patras der statt Achaie von Egea nach langer disputacion vomm glawben in den kercker gelegt. vnd darnach von .xx. hoffbuoben schwerlich geschlagen. vnd zu letst mit stricken an ein creuetz gehangen. vnd als aber das volck wider den richter Egeam murmelet do bate sie Andreas fleissigclich das sie sein marter nit hindern solten. dann sein maister Jhesus het in seinen leiden auch gedult erzaigt. Do Andreas das creuetz anschawet do grueßet er dz sprechend. Bis gegruest du hailigs cruetz dz du in dem leichnam Christi geweyhet vnd seinen glidern als mit edelnn stayn geziert bist. vnd er lebet zwen tag amm creuetz. do erschine zu letst vmb ine ein glantz vnnd er volbracht die marter. am letsten tag das monats Nouembris. Maximilla name seinen leichnam vnd begruobe den mit wolrichenden krewtern. derselb leichnam ward im .xxi. iar des kaisers Constancij mit sant Lucas gepaynen auß der obbenanten statt gein Constantinopel gebracht. Babst Pius der ander hat darnach das hawbt Andree von Peloponeso gein rom gefuert in sant peters kirchen bestattet. right Qunitilanus der hohberuembt redner vnd naturlich maister auß Hispania pirtig wardt diser zeit in großem werde gehalten. vnd von Galba dem kaiser gein rom gefuert. daselst hielt er die schuel. Er was gar ein hohgelert vnd tapffer man. der von der kunst des wolredens acht buecher. vnnd auch ein nuetzlichs buech der sachen genantgemacht hat. darinn diser treffenlich vnnd gedechtnus wirdig spruch begriffen ist. Got woelt das wir die sitten vnßrer buecher nit verlueren. dann wir entloesen die kintheit oder vnsprechenheit paldt mit lustperkeit. wann ein waiche auffzucht oder nachlassigkeit bricht das geadere des gemuets vnd leibs. vnd als nw das buoch der kunst des wolredens diss mans schier. vic. iar verlorn gewest was do wardt das darnach von Pogio florentino dem hohgelerten man vmb das tausend. iiijc. xiiij. iar Christi in dem concilio zu Constentz in eim closter also gantz gefunden vnd von ime abgeschriben vnd also gerehtuertigt in Welsche land gebracht. left Thomas didimus oder Geminus genant einer auß den xij. aposteln. was der der an der vrstend cristi zweiflende vnd mer gefruemet hat dann die glewplichkeit Magdalene dann er wardt ein zueg der vrstend nicht allain durch hoeren vnd sehen sucher auch durch beruern. Diser hat das ewangelum Christi den Parthern. Medeern. Persiern. Hiraniern vnd Brachmaniern gepredigt. vnd in oebern vnnd nidern Jndien vil menschen bekert, vnnd Migdoniam Carithii eins freuends des konigs weib getauft. vnd daslebst vil kirchen. die noch wor awgen sind gestiftet. vnd von dannen (als Crisostomus sprciht) in die gegent der konig die do komen Christum anzebeten ziehende. sie zum tauff gebracht. vnd als gesellen zu hilff dem cristlichen glawben aufgenomen. zu letzt wardt er von vnglawbige in einen prinnenden ofen darinn er doch vnuerletzt blib geworffe. vnnd darnach zu der sunnen abgot den anzebetten gefueret. do sprach diser apostel mit gepogen knyn. Jch bette an meinen herren Jhesuz christum Jch geieuete dir. der du alda verborgen ligst das du die abgotseueln zerbrechen. do das geschahe zuerneten die briester des tempels vnd durchstachen disen appostel mit lantzen. Sein leichnam wardt vnlang darnach in die statt Edissam gebrachr. das aber Thomas bey dem absterben Marie nit gewesen sol sein. vnd ein aufnemung irs leibs vnd der sel gezweifelt vnd ime darumb die gloriwirdig iunckfraw maria erscheinende ir guertel zu gezuegnus desselben gegeben hab. Des ist nit glawbwirdige schrifft vor handen. Blat CVII der werlt right Matheus von Christoamm zol auß offen suendlichen wercken gefordert wardt ein hohberuembter appostelvnd ewangelist. vnd als er nach des herren auffart das ewengelium Christi in dem iudischen land gepredigt. vnd ime fuergesetzt het vnder eueßere voelcker zeziehen hat er erster dz ewangelium hebreysch i ethapiam dz morn land fuer die bekehrten iuden zum glawben geschriben vnd den bruedern. zuuorauß Barnabe seinen mitiunger sein zegebencken gelaßen. vnd in desselben ewnageliums anfang die menschwerdung. im mittel die predig vnd imm ende dz leiden Christi angezaigt. Dasselb ewangelium hat der apostel Barnabas zum ambt der predig durch mancherlay stett vmgetragen. auff die krancken gelegt vnnd sie alle damit gehaylet. nw hat Matheus schier dieselben gantzen gegent Ethiopiam predigende durchloffen. vnd vnzallich volck der Ethiopier oder morn zu cristenlichen ioch bekert vnd asie mit den prunnen des tauffs waschende. auß den schwartzen ein wolgestalts volck gemacht. vnd kirchen Christi gestiftet. Als er aber die edeln iunckfrawen Epigeniam mit. ijc. iunckfrawen den herren Christo geweihet het. do sendet der konig einen zuechtiger der den appostel gotes dieweil er meß hielt vnd sein hend gein himel auffhuob beym altar mit eim schwert durchstache vnd ertoedtet. amm. xxxi. tag des monats septembris. So wardt der konig mit außmerckigen seuechen also geplagt das er auß verdieß seines lebens sicselbs ertoedtet. so vermanet der appostel das volck duch gesyhte das sie den bruder Epigenie zu eim konig setzen. der regiret darnach. lxx. iar vnd richtet vil kirchen auff vnd machet Ethiopia fast cristenlich. left right Telca die hoberuembt iunckfraw sant Paulsen iungerin wardt von veriehung wegen des cristlichen glaubens mit kloben. wilden thiern vnd fewer grawlich gepeinigt vnd hat nach zukunft von Jconio gein Seleueciam am. xxiij. tag des monats septembris in den herren gerueet. Processus vnd Martinus die roemischen ritter warden von Petro im kercker getaufft vnd auß befelhnus Neronis mit stacheln. flammen. kloben vnd scorpionen gepeinigt vnd zu lest mit der marter bekroenet Auch ahben Nereus vnd Archelaus die bruder. burgere zu Rom vnnder diser verfolgung daslebts zu Rom. Deßgleichen Torpetus Torquatus vnd Cecilius tuphrasius bey den Hyspaniern die marter erlidden. right Iudas tadeus ein bruder Simonis cananei vnd iacobi des mindern. ein sun marie cleophe vnd alphei vnd ein appostel Christi hat erstlich nach zukunft des hailigen gaists in Mesopotamia vnd in der nidern gegent Ponti das ewangelium Christi gepredigt. vnnd die wilden vngezawmten voelcker mit heiliger lere gesenftiget vnd darnach mit Simone dem appostel in Persidem gewandert. vnd ist (als ecclesiastica historia innhelt) in die stat Edissam kommen zu dem konig Abagarum. der dann ein sendbrieff an Christum vor seinen leyden geschriben. den auch christus widerumb schriftlichen geantwurt hat. Derselb wardt mit vnhaylperlichem seuechen des leibs begriffen. den erlediget er von seiner kranckehit vnd wardt darnach mit Symone gemartert vnnd in Netruo der statt Armenie begraben. vnnd wirdt ir tag ierlich begangen am. xxviij. tag octobris. left Diascores ein kriechyscher artzt vnnd ritterlicher man. auch in kunst vnd wissen der krewter kraft diser zeit wunderperlich. hat die krefft. wurckung vnd tugent der krewter. pawmen vnnd gestayne mit grossem fleyß beschriben. also das er von imselbs sprach. Was ich gesetzt hab das hab ich nit auß wone erkant sunder auß werwlung vnd erfarung. gelernt. Von disem tut auch Plinius meldung.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Andreas, ein Bruder und im Leiden des Kreuzes ein Gefährte Simon Petrus', war zuerst ein Jünger Johannes des Täufers und ein Nachfolger Jesu, auf den Johannes zeigte, sprechend: „Nimm wahr, ein Lamm Gottes.“ Dieser wanderte nach der Ankunft des Heiligen Geistes nach Achaia, die Gegend griechischen Landes. Während Vespasian noch regierte und Andreas den Skythen das Evangelium predigte und in Achaia viele Leute zum Glauben bekehrt hatte, und besonders Maximilla, das Weib des Ägeas, des Verwesers derselben Gegend, da wurde er bei Patras, der Stadt Achaias, von Ägeas nach langer Disputation über den Glauben in den Kerker gelegt und danach von zwanzig Hofbuben schwerlich geschlagen und zuletzt mit Stricken an ein Kreuz gehängt. Und als aber das Volk wider den Richter Ägeas murmelte, da bat sie Andreas inständig, dass sie seine Marter nicht hindern sollten, denn sein Meister Jesus hatte in seinem Leiden auch Geduld gezeigt. Als Andreas das Kreuz anschaute, da grüßte er es, sprechend: „Sei gegrüßt, du heiliges Kreuz, das du in dem Leichnam Christi geweiht und mit seinen Gliedern wie mit edlen Steinen geziert bist.“ Und er lebte zwei Tage am Kreuz. Da erschien zuletzt um ihn ein Glanz, und er vollbrachte die Marter am einunddreißigsten Tag des Monats November. Maximilla nahm seinen Leichnam und begrub ihn mit wohlriechenden Kräutern. Derselbe Leichnam wurde im 21. Jahr des Kaisers Constantius mit den Gebeinen des heiligen Lukas aus der obgenannten Stadt nach Konstantinopel gebracht. Papst Pius der Zweite hat danach das Haupt des Andreas von Peloponnes nach Rom geführt und in der Peterskirche bestattet. Quintilian, der hochberühmte Redner und natürliche Meister, aus Hispanien gebürtig, wurde dieser Zeit in großem Wert gehalten und von Galba, dem Kaiser, nach Rom geführt. Daselbst hielt er die Schule. Er war gar ein hochgelehrter und tüchtiger Mann, der über die Kunst des Wohlredens acht Bücher und auch ein nützliches Buch, das „der Sachen“ genannt wird, gemacht hat, darin dieser treffliche und gedenkwürdige Spruch begriffen ist: „Gott wolle, dass wir die Sitten unserer Bücher nicht verlören, denn wir geben die Kindheit oder Unmündigkeit bald mit Lustbarkeit auf. Wann eine weiche Aufzucht oder Nachlässigkeit bricht das Geäder des Gemüts und Leibes.“ Und als nun das Buch der Kunst des Wohlredens dieses Mannes schier 600 Jahre verloren gewesen war, da wurde es danach von Poggio Bracciolini, dem hochgelehrten Mann, um das Jahr 1414 Christi in dem Konzil zu Konstanz in einem Kloster ganz gefunden und von ihm abgeschrieben und so wiederhergestellt in welsche Lande gebracht. Thomas, Didymus oder Geminus genannt, einer aus den zwölf Aposteln, war der, der an der Auferstehung Christi zweifelnd mehr gefördert hat als die Gläubigkeit Magdalenas, denn er wurde ein Zeuge der Auferstehung nicht allein durch Hören und Sehen, sondern auch durch Berühren. Dieser hat das Evangelium Christi den Parthern, Medern, Persern, Hyrkaniern und Brahmanen gepredigt und in Ober- und Niederindien viele Menschen bekehrt und Migdonia, Carithius', eines Freundes des Königs, Weib, getauft und daselbst viele Kirchen, die noch sichtbar sind, gestiftet. Und von dannen (wie Chrysostomus spricht) in die Gegend der Könige, die da kamen, Christus anzubeten, ziehend, sie zum Tauf gebracht und als Gesellen zur Hilfe dem christlichen Glauben aufgenommen. Zuletzt wurde er von Ungläubigen in einen brennenden Ofen geworfen, darin er doch unverletzt blieb, und danach zu dem Sonnenabgott geführt, den anzubeten. Da sprach dieser Apostel mit gebogenen Knien: „Ich bete an meinen Herrn Jesus Christus. Ich gebiete dir, der du allda verborgen liegst, dass du die Abgötzen säulen zerbrechen sollst.“ Als das geschah, zürnten die Priester des Tempels und durchstachen diesen Apostel mit Lanzen. Sein Leichnam wurde unlängst danach in die Stadt Edessa gebracht. Dass aber Thomas beim Absterben Marias nicht gewesen sein soll und eine Aufnahme ihres Leibes und der Seele bezweifelt und ihm darum die glorwürdige Jungfrau Maria erscheinend ihren Gürtel zum Zeugnis desselben gegeben habe, des ist nicht glaubwürdige Schrift vorhanden. Blatt 107 der Weltchronik. Matthäus, von Christus am Zoll aus offen sündlichen Werken gefordert, wurde ein hochberühmter Apostel und Evangelist. Und als er nach des Herrn Auffahrt das Evangelium Christi im jüdischen Land gepredigt und ihm vorgesetzt hatte, unter äußere Völker zu ziehen, hat er zuerst das Evangelium hebräisch in Äthiopien, das Mohrenland, für die bekehrten Juden zum Glauben geschrieben und den Brüdern, zuvor auch Barnabas, seinem Mitjünger, sein Zeugnis zu geben gelassen. Und in desselben Evangeliums Anfang die Menschwerdung, im Mittel die Predigt und am Ende das Leiden Christi angezeigt. Dasselbe Evangelium hat der Apostel Barnabas zum Amt der Predigt durch mancherlei Städte umgetragen, auf die Kranken gelegt und sie alle damit geheilt. Nun hat Matthäus schier dieselbe ganze Gegend Äthiopien predigend durchlaufen und unzähliges Volk der Äthiopier oder Mohren zum christlichen Joch bekehrt und sie mit den Brunnen des Taufs waschend, aus den Schwarzen ein wohlgestaltes Volk gemacht und Kirchen Christi gestiftet. Als er aber die edle Jungfrau Epigenia mit 200 Jungfrauen dem Herrn Christus geweiht hatte, da sendete der König einen Züchtiger, der den Apostel Gottes, dieweil er Messe hielt und seine Hände gen Himmel aufhob, beim Altar mit einem Schwert durchstach und ertötete am 21. Tag des Monats September. So wurde der König mit ausmerklicher Seuche also geplagt, dass er aus Verdruss seines Lebens sich selbst ertötete. So ermahnte der Apostel das Volk durch Gesichte, dass sie den Bruder Epigenias zu einem König setzen sollten. Der regierte danach 70 Jahre und richtete viele Kirchen auf und machte Äthiopien fast christlich. Thekla, die hochberühmte Jungfrau, Jüngerin des heiligen Paulus, wurde wegen des Bekenntnisses des christlichen Glaubens mit Kloben, wilden Tieren und Feuer gräulich gepeinigt und hat nach ihrer Ankunft von Ikonium nach Seleukia am 23. Tag des Monats September im Herrn geruht. Processus und Martinianus, die römischen Ritter, wurden von Petrus im Kerker getauft und auf Befehl Neros mit Stacheln, Flammen, Kloben und Skorpionen gepeinigt und zuletzt mit der Marter gekrönt. Auch haben Nereus und Archelaus, die Brüder, Bürger zu Rom, unter dieser Verfolgung daselbst zu Rom [die Marter erlitten]. Desgleichen Torpetus, Torquatus und Caecilius Tuphrasius bei den Hispaniern die Marter erlitten. Judas Thaddäus, ein Bruder Simon des Kananäers und Jakobus des Jüngeren, ein Sohn Marias Kleophas und Alphäus', und ein Apostel Christi, hat erstlich nach der Ankunft des Heiligen Geistes in Mesopotamien und in der niederen Gegend des Pontus das Evangelium Christi gepredigt und die wilden, ungezähmten Völker mit heiliger Lehre gesänftigt und danach mit Simon dem Apostel nach Persien gewandert. Und ist (wie die Kirchengeschichte enthält) in die Stadt Edessa gekommen zu dem König Abgar, der dann einen Sendbrief an Christus vor seinem Leiden geschrieben, den auch Christus wiederum schriftlich geantwortet hat. Derselbe wurde mit unheilbarer Seuche...

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter, eine mittelalterliche Periodisierung der Weltgeschichte.
creuetzs
Kreuzes
gesel
Geselle, Gefährte
symonis petri
Simon Petrus'
iunger
Jünger
Johannis des tauffers
Johannes des Täufers
ihesu
Jesu
zaiget
zeigte
Nim war
Nimm wahr, siehe
zukunft
Ankunft
hailigen gaists
Heiligen Geistes
Achaiam
Achaia, eine antike Landschaft in Griechenland
kriechischer land
griechischen Landes
Vespasianus
Vespasian, römischer Kaiser (reg. 69–79 n. Chr.)
Scithiernn
Skythen, ein antikes Reiternomadenvolk
ewangelium
Evangelium
vil lewt
viele Leute
glawben bekeret
zum Glauben bekehrt
sunderlich
besonders
Maximillan
Maximilla, eine Frau in Patras, die Andreas bekehrte
Egee
Ägeas (auch Aegeates), der römische Prokonsul von Achaia
verwesers
Verweser, Statthalter, Verwalter
Patras
Patras, eine Stadt in Achaia, Griechenland
statt Achaie
Stadt Achaias
disputacion
Disputation, Streitgespräch
kercker
Kerker, Gefängnis
.xx.
römisch für 20
hoffbuoben
Hofbuben, hier abfällig für Schergen, Wächter
stricken
Stricken, Seilen
richter Egeam
Richter Ägeas
murmelet
murmelte
bate sie
bat sie
fleissigclich
fleißiglich, inständig
marter
Marter, Martyrium
maister Jhesus
Meister Jesus
erzaigt
gezeigt
anschawet
anschaute
grueßet er dz
grüßte er es
Bis gegruest
Sei gegrüßt
hailigs cruetz
heiliges Kreuz
geweyhet
geweiht
glidern
Gliedern
edelnn stayn
edlen Steinen
geziert bist
geziert bist
zwen tag
zwei Tage
erschine zu lest
erschien zuletzt
glantz
Glanz
volbracht die marter
vollbrachte das Martyrium
Nouembris
November
name
nahm
begruobe den
begrub ihn
wolrichenden krewtern
wohlriechenden Kräutern
.xxi.
römisch für 21
Constancij
Constantius, römischer Kaiser (hier wohl Constantius II., reg. 337–361 n. Chr.)
sant Lucas
heiliger Lukas, Evangelist
gepaynen
Gebeinen
obbenanten statt
obgenannten Stadt (Patras)
gein Constantinopel
nach Konstantinopel
Babst Pius der ander
Papst Pius II. (reg. 1458–1464)
hawbt Andree
Haupt des Andreas
Peloponeso
Peloponnes, Halbinsel in Griechenland
gein rom
nach Rom
sant peters kirchen
Peterskirche
Qunitilanus
Quintilian (Marcus Fabius Quintilianus), römischer Rhetoriker (ca. 35–96 n. Chr.)
hohberuembt
hochberühmt
redner
Redner
naturlich maister
natürlicher Meister, hier im Sinne von 'Meister der Rhetorik'
Hispania pirtig
aus Hispanien (Spanien) gebürtig
werde gehalten
in Wert gehalten, hochgeschätzt
Galba
Galba, römischer Kaiser (reg. 68–69 n. Chr.)
daselst
daselbst, dort
hohgelert
hochgelehrt
tapffer
tapfer, hier im Sinne von 'tüchtig', 'fähig'
kunst des wolredens
Kunst des Wohlredens, Rhetorik
buecher
Bücher
nuetzlichs buech der sachen genant
nützliches Buch, das 'der Sachen' genannt wird; bezieht sich auf Quintilians Hauptwerk 'Institutio Oratoria' (Unterweisung in der Redekunst)
darinn
darin
treffenlich
trefflich, ausgezeichnet
gedechtnus wirdig
gedenkwürdig
spruch begriffen ist
Spruch enthalten ist
Got woelt
Gott wolle
sitten vnßrer buecher
Sitten unserer Bücher, hier im Sinne von 'Lehren' oder 'Inhalten'
verlueren
verlören
entloesen
entlösen, hier im Sinne von 'aufgeben', 'verlieren'
kintheit
Kindheit
vnsprechenheit
Unsprechbarkeit, hier im Sinne von 'Unmündigkeit', 'Unfähigkeit zu sprechen'
paldt
bald
lustperkeit
Lustbarkeit, hier im Sinne von 'Vergnügen', 'Leichtigkeit', 'Verderbtheit'
wann
wenn
waiche auffzucht
weiche Aufzucht, nachgiebige Erziehung
nachlassigkeit
Nachlässigkeit
bricht das geadere
bricht das Geäder, hier im Sinne von 'schwächt die Kraft', 'zerstört die Substanz'
gemuets vnd leibs
Gemüts und Leibes
nw
nun
diss mans
dieses Mannes
schier
schier, beinahe
.vic.
römisch für 600
verlorn gewest was
verloren gewesen war
Pogio florentino
Poggio Bracciolini (1380–1459), italienischer Humanist, der Quintilians 'Institutio Oratoria' 1416 in St. Gallen wiederentdeckte
hohgelerten man
hochgelehrten Mann
tausend. iiijc. xiiij. iar Christi
1414 nach Christus
concilio zu Constentz
Konzil von Konstanz (1414–1418)
eim closter
einem Kloster
gantz gefunden
ganz gefunden, vollständig
abgeschriben
abgeschrieben
gerehtuertigt
gerechtfertigt, hier im Sinne von 'wiederhergestellt', 'in Ehren wiederhergestellt'
Welsche land
Welsche Lande, Italien
didimus oder Geminus
Didymus (griechisch) oder Geminus (lateinisch), beides bedeutet 'Zwilling', Beiname des Apostels Thomas
.xij.
römisch für 12
vrstend cristi
Auferstehung Christi
zweiflende
zweifelnd
mer gefruemet hat
mehr gefördert/genützt hat
glewplichkeit Magdalene
Gläubigkeit Magdalenas (Maria Magdalena)
zueg der vrstend
Zeuge der Auferstehung
allain
allein
hoeren vnd sehen sucher auch durch beruern
Hören und Sehen, sondern auch durch Berühren
Parthern
Parther, ein antikes Volk im Iran
Medeern
Meder, ein antikes Volk im Iran
Persiern
Perser, ein antikes Volk im Iran
Hiraniern
Hyrkanier, ein antikes Volk südlich des Kaspischen Meeres
Brachmaniern
Brahmanen, die höchste Kaste im Hinduismus
oebern vnnd nidern Jndien
Ober- und Niederindien
Migdoniam
Migdonia, eine Frau, die Thomas in Indien bekehrte
Carithii
Carithius, ein Freund des Königs in Indien
freuends des konigs
Freund des Königs
daslebst
daselbst, dort
wor awgen sind
vor Augen sind, sichtbar sind
Crisostomus
Johannes Chrysostomus (ca. 345–407 n. Chr.), Kirchenvater
anzebeten ziehende
anzubeten ziehend
zum tauff gebracht
zum Tauf gebracht
gesellen zu hilff
Gesellen zur Hilfe
vnglawbige
Ungläubige
prinnenden ofen
brennenden Ofen
vnuerletzt blib
unverletzt blieb
sunnen abgot
Sonnenabgott
gepogen knyn
gebogenen Knien
Jch ieieuete dir
Ich gebiete dir
alda verborgen ligst
allda verborgen liegst
abgotseueln zerbrechen
Abgötzen säulen zerbrechen
zuerneten die briester
zürnten die Priester
durchstachen
durchstachen
lantzen
Lanzen
vnlang darnach
unlängst danach
statt Edissam
Stadt Edessa, eine antike Stadt in Mesopotamien
absterben Marie
Absterben Marias, Tod Marias
aufnemung irs leibs vnd der sel
Aufnahme ihres Leibes und der Seele, Himmelfahrt Mariens
gezweifelt
gezweifelt
gloriwirdig iunckfraw maria
glorwürdige Jungfrau Maria
ir guertel zu gezuegnus desselben
ihren Gürtel zum Zeugnis desselben
glawbwirdige schrifft vor handen
glaubwürdige Schrift vorhanden
Blat CVII
Blatt 107 (römisch für 107)
der werlt
der Weltchronik (Schedelschen Weltchronik)
Matheus
Matthäus, Apostel und Evangelist
amm zol
am Zoll, als Zöllner
offen suendlichen wercken
offen sündlichen Werken
gefordert
gefordert, hier im Sinne von 'berufen'
hohberuembter appostelvnd ewangelist
hochberühmter Apostel und Evangelist
auffart
Auffahrt, Himmelfahrt
iudischen land
jüdischen Land
fuergesetzt het
vorgesetzt hatte, sich vorgenommen hatte
eueßere voelcker
äußere Völker, Heiden
erster dz ewangelium hebreysch
zuerst das Evangelium hebräisch
i ethapiam dz morn land
in Äthiopien, das Mohrenland
bekehrten iuden
bekehrten Juden
zuuorauß
zuvor auch
Barnabe
Barnabas, Apostel
mitiunger
Mitjünger
sein zegebencken gelaßen
sein Zeugnis zu geben gelassen, hier im Sinne von 'als Zeugnis hinterlassen'
menschwerdung
Menschwerdung
im mittel
im Mittel, in der Mitte
predig
Predigt
angezaigt
angezeigt, dargestellt
zum ambt der predig
zum Amt der Predigt
mancherlay stett
mancherlei Städte
vmgetragen
umgetragen, herumgetragen
gehaylet
geheilt
gantzen gegent Ethiopiam
ganze Gegend Äthiopien
vnzallich volck
unzähliges Volk
Ethiopier oder morn
Äthiopier oder Mohren
cristenlichen ioch
christlichen Joch, hier im Sinne von 'christlichen Glauben'
prunnen des tauffs
Brunnen des Taufs, Taufwasser
wolgestalts volck
wohlgestaltes Volk, hier im Sinne von 'geistig geformt' oder 'moralisch gebessert'
edeln iunckfrawen Epigeniam
edle Jungfrau Epigenia
.ijc.
römisch für 200
geweihet het
geweiht hatte
zuechtiger
Züchtiger, hier im Sinne von 'Henker', 'Vollstrecker'
dieweil er meß hielt
dieweil er Messe hielt
gein himel auffhuob
gen Himmel aufhob
durchstache vnd ertoedtet
durchstach und ertötete
.xxxi.
römisch für 31
septembris
September
außmerckigen seuechen
ausmerklicher Seuche, auffälliger/schwerer Krankheit
verdieß seines lebens
Verdruss seines Lebens, Lebensüberdruss
sicselbs ertoedtet
sich selbst ertötete
duch gesyhte
durch Gesichte, Visionen
.lxx.
römisch für 70
Telca
Thekla, frühchristliche Märtyrerin, Jüngerin des Apostels Paulus
hoberuembt iunckfraw
hochberühmte Jungfrau
sant Paulsen iungerin
Jüngerin des heiligen Paulus
veriehung wegen des cristlichen glaubens
wegen des Bekenntnisses des christlichen Glaubens
kloben
Kloben, Folterinstrumente (z.B. Daumenschrauben)
wilden thiern
wilden Tieren
fewer
Feuer
grawlich gepeinigt
gräulich gepeinigt
zukunft von Jconio gein Seleueciam
Ankunft von Ikonium nach Seleukia
Jconio
Ikonium, eine antike Stadt in Kleinasien (heute Konya, Türkei)
Seleueciam
Seleukia, eine antike Stadt in Syrien
.xxiij.
römisch für 23
in den herren gerueet
im Herrn geruht, gestorben
Processus vnd Martinus
Processus und Martinianus, römische Märtyrer
roemischen ritter
römische Ritter
Petro
Petrus, Apostel
befelhnus Neronis
Befehl Neros
Neronis
Nero, römischer Kaiser (reg. 54–68 n. Chr.)
stacheln
Stacheln
flammen
Flammen
scorpionen
Skorpionen, hier wohl als Folterinstrumente (Geißeln mit Widerhaken)
bekroenet
gekrönt, hier im Sinne von 'mit dem Martyrium gekrönt'
Nereus vnd Archelaus
Nereus und Archelaus, römische Märtyrer
burgere zu Rom
Bürger zu Rom
vnnder diser verfolgung
unter dieser Verfolgung
daslebts zu Rom
daselbst zu Rom
Torpetus Torquatus vnd Cecilius tuphrasius
Torpetus, Torquatus und Caecilius Tuphrasius, Märtyrer
Hyspaniern
Hispaniern, Spaniern
Iudas tadeus
Judas Thaddäus, Apostel
Simonis cananei
Simon des Kananäers, Apostel
iacobi des mindern
Jakobus des Jüngeren, Apostel
sun marie cleophe vnd alphei
Sohn Marias Kleophas und Alphäus'
Mesopotamia
Mesopotamien, eine antike Region im Nahen Osten
nidern gegent Ponti
niederen Gegend des Pontus, eine Region an der Südküste des Schwarzen Meeres
vngezawmten voelcker
ungezähmten Völker
gesenftiget
gesänftigt
Persidem
Persien
ecclesiastica historia
lat. Kirchengeschichte
innhelt
enthält
stat Edissam
Stadt Edessa, eine antike Stadt in Mesopotamien
konig Abagarum
König Abgar (V. von Edessa), ein legendärer König, der mit Jesus korrespondiert haben soll
sendbrieff
Sendbrief, Brief
vnhaylperlichem seuec
unheilbarer Seuche