Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter left Simon der sun Cleophe wz ein appostel vnsers herren Jesu cristi vnd geschwistert kint mit ime Chananeus genant ein bruder Thadei Judas gehaißen vnd auß inpruenstigkeit der liebe des herren gleich des zunamens Petri. Disem wardt iren lose der predig Egiptem land zu tail. als er allenthalben vmb das ewangelium christi predigt vnd auß verwilligung der appostel nach der marter Jacobi des apostels die kirchen zu iherusam geregirt het. vnd do er nw dz hundert vnd. xx. iar erraichet vnd mit Juda dem appostel fuergefueret wardt die abgotseueln der sunnen anzebetten. do zaigten sie dz dieselb seueln vol teuefel wer vnd gebotten dz die teuefele die seuelen zerprechen solten do giengen schwartz morn herauß vnd zerbrachen die abgoet do fieln die fuersten der briester vber die apposteln sie peinigende Ettlich halten diser Simon sey von Attico dem rathern durch die ketzer verclagt vnd nach vil schweren quelungen mit der marter Christus lidde zum todt gebracht worden mit verwunderung aller menigclichs, dz ein so alt man ein solch marter des creuetz het muegen erleiden. Die andern sprechen dz Simon der sun Cleophe sey ein bischoff zu iherusalem gewesen. sein tag wirdt begangen am. xxviij. tag des monats octobris daran auch sant Judas geeret wirdt. right Petronella die hailigst iunckfraw sant Peters tochter. ein schoes mensch wardt auß willen sant Peters mit dem kalten sichtagen gequeligt. vnd do er von dem iungern gefragt wardt warumb er sein krancke tochter nit gesund machet so wer doch vil andere gehailet het. antwurtet er. er wer ir also erpreißlich. doch gepote er ir das sie inen dienen vnd darnach wider in ir sichpet geen solt. aber als sie in der forcht gottes volkomen zesein begunde do empfieng sie ertzney der gesuntheit vomm vater. Nw begeret ein graff Flaccus genannt ir vber irn wille zu der ee. do begeret sie drey tag frist vnd bedenckens. in derselben zeit fliße sich fastens vnd bettens vnd starb amm dritten tag als pald als sie das hailigst sacrament christi vnßers herren von sant Nicomede empfangen het. darumb ließ der selb graff Felicolam ir gespilen vnd den yetzgeanten Nicomedem mit mancherlay marter toedten. Ir lichnam ist zu Rom begraben vnd wirt ir tag amm letsten des mayen gehalten. right Lazarus der zwayer schwestern Marthe vnd Magdalene bruder ein bischoff zu massilia. dem vnßer herr ihesus christus von todten erwecket ist im. xiij. iar des kaiserthumbs Claudij zum andern mal gestorben. so hat martha sein schwester vnlang darnach nach fuer verkundung des herrn eins gantzen iars darinn sie den kalten siechtum het im frid geruoet. vnd sant Frontinus eren leib begraben. In diser beder geschwistert loeblichen gedechtnus ist nit ver von Bethania darnach ein kirch gepawet worden. Marcella ir dienerin hat (als man sagt) ir leben beschriben vnd nachfolgend in windischen landen vil menschen zu dem glawben bekeret vnd zehen iar nach absterben marthe in dem herrren gerastet. Diss hailigsten mans lazeri vnd seiner swester heiligthumb wirdt in der stattt massilia in sunder ere gehalten. left Mathias der appostel von Bethleem auß dem geschlecht Juda geporn ist nach auffart des herren von den aposteln durch ein loße in ir zal (als Lucas bezeuegt) erwelet. vnd im nach zukunft des heiligen gaists daz iudisch land. daselbst zepredigen am lose zugefallen. Ettlich sagen auß seiner histori die zu Trier sein sol. dz Mathias in dem gesetz des herren hoh gelert. reyns leibs. kluogs gemuets. fuersichtigs rats vnd verstentlicher rede wer gewesen. Die iuden verclagten vnd beschuldigen ine der gots lesterung vnd verordneten zwen die ine mit staynen erwerffen solten. aber vnder solcher marter wardt er von einen mit einen peygel oder agkst geslagen. vlso dz er mit auffgespanten henden seinen gaist auf sendet. Ettlich sagen sein leichnam sein gein Rom. ettlich gein Padua. etttlich gein Trier gebracht worden. Sein tag wirdt am. xxiiij. tag des monats februarij gefeyert. vnd wiewol von der zeit seiner marter mancherlay maynung gehalten werden. so ist doch ye wissenlich das er auß zuofal des goetlichen loss an die statt Jude scariothis. des verraters von den apposteln erwelet worden ist. Blat CLIII der werlt left Lucas der ewangelist vnd iunger Christi auß Aniochia der statt Sirie pirtig. ein artzt. der kriechischen zungen nit vnwissende. ein nachfolger Pauli des appostels vnd ein vnabgesuendert weggefert aller seiner pilgramschaft. was ein mensch an alles laster. Als diser Lucas nw verstanden het das zway ewangelia vorhanden wern. durch Matheum imm iuedischen lannd vnd durch Marcum in Welschen land. dohat er auß anregung des hailigen gaists in den gegenten Achaie als er von sant Paulßen gelernet het sein ewangelium geschriben. von den sant Paulß spricht. Wir haben mit den geschickt eynen bruder dess lob ist imm ewangeli durch alle kirchen. vnd an einen andern ort. Euch grueßet Lucas der artzt mein allerliebster. doch hat er sein ewngelium nit allain von dem appostel Paulo. sunder auch von andern apposteln gelernet. als er selbs meldet. als vns die geleret haben die es von anfang haben gesehen. vnd diener der predig gewesen sind. Sie sagen auch das er dess von der seligen gotes gepererin Maria (der freuentschaft er sich gepraucht hab) vnderwisen sey worden. vnd nach dem er auch der kunst des mallens berichtet was. vnd vmb die iunckfrawen Maria vil wandels vnd wonung het sohat er (asl damascenus setzt) ir pildnus oftmal entworffen vnd abgemalet. derselben pildnus dann zwu nw maln zu Rom vorhanden sind der eine zo sant Maria de pupulo in großer erwirdigkeit bewaret wirdt vnd als er. lxxiiij. jar on ein weib bliben wz do starb er in Bithinia am. xviij tag octobris. im. xx. iar des kaisers Constancij warden seine gepayne gein Constantinopel gebracht. yetzo rasten die zu Padua in sant Justina kirchen. right Euax der konig in Arabia ein beruembter naturlicher maister. artzt vnd wolredner ist zu diser zeit in ruom gewest. Der hat vnder andern wercken seiner kunst vnnd lere ein fast guot buoch von den ertzneye gemacht. vnd Neroni zugeschickt. darin er nit allain die geschlecht namen vnd farb der ertzneylichen krewter. sunder auch der gestayne. vnd in welchen gegenten die zefinden seyen beschriben hat. Vectius der kriechisch artzt hat nach eroberten gewalt zu rom in der ertzney ein newe weiß auffgerichtet. vnd sich fuer die alten vnd newen auß frefellicher tuerstigkeit auffgeworffen der doch durch Galienum als ein vnwissender angezaigt ward. left Maria magdalena die hohberuembt poetin christi hat von iugent auf (als ir histori innhelt) alle maidlein an schoene fuertrofen Sie wardt auß willen Marthe irer schwester vnd Lazari irs bruders in Magdalum dz castel eim mann gegeben vnd doch pald auß betriegung der wollustperkeit vnnd auß eytler freuede verfueret. Dise Magdalena wardt in vergessenheit irs geschlechts ein suenderin. aber sie ist auß der predig vnd lere Jhesu zu beßrung irer verschuldung bewegt worden vnd zu demherren in dz haws Simonis des außmerckigen komen vnd hinder wertling zu seinen fueßen getretten. vnd hat ire zeher miltigclich vergießende die fueß gewaschen vnd mit dem hare irs hawbts getruecknet vnd gekuesset vnd mit koestlicher salben gesalbet. vnd derherr sprach zu ir. O Weib dir werden vil suend nachgelaßen gehin im frid. darnach ist sie dieweil sie lebet cristo hitzigclich angehangen vnd ir bruder lazarus von irer lieb wegen vomm todt erweckt worden. vnd siehat auc den besten teil erwelet. Nach der auffart des herrn hat sie sich in massilia in ein scharpffe einsidelschafft begeben. vnd an einer statt. xxx. iar den menschen vnbekant gewonet vnd sie wardt taglich zu dem. vij tag zeiten von den engeln in die lust erhebt vnd in irn leiplichen orn von dem freuedenreichen gesang der himlischen choere erquicket. vnd also dauon ersatigt. dz sie einicherlay leiplichen narung nit bedorft. zu letst wardt sie durch einen aynsidel dem bischof maximino geoffenbaret der harret ir am suntag in der morgen roete als sie sterben solt do erschine sie zwen elnbogen hoh von der erden erhebt in dem mittel der engel mit großem liecht vmbgeben. mit dem heiligsten sacrament bewaret vnd sendet mit zehernn irnn gaist auff zu got. amm. xxij. tag des monats Julij.
Das sechste Zeitalter. Simon, der Sohn des Kleophas, war ein Apostel unseres Herrn Jesus Christus und ein Geschwisterkind mit ihm, genannt Kananäer, ein Bruder des Thaddäus, Judas genannt, und aus Inbrunst der Liebe zum Herrn, gleich dem Beinamen Petri. Diesem wurde Ägypten als Land der Predigt zuteil, als er überall das Evangelium Christi predigte und aus Einwilligung der Apostel nach dem Martyrium des Apostels Jakobus die Kirche zu Jerusalem regiert hatte. Und als er nun das hundertundzwanzigste Jahr erreichte und mit dem Apostel Judas vorgeführt wurde, die Abgötter der Sonne anzubeten, da zeigten sie, dass dieselben Götzenbilder voller Teufel waren und geboten, dass die Teufel die Götzenbilder zerbrechen sollten. Da gingen schwarze Mohren heraus und zerbrachen die Abgötter. Da fielen die Fürsten der Priester über die Apostel her, sie peinigend. Etliche meinen, dieser Simon sei von Atticus, dem Statthalter, durch die Ketzer verklagt und nach vielen schweren Qualen mit dem Leiden Christi zum Tode gebracht worden, zur Verwunderung aller Menschen, dass ein so alter Mann ein solches Martyrium des Kreuzes hätte erleiden können. Die anderen sagen, dass Simon, der Sohn des Kleophas, ein Bischof zu Jerusalem gewesen sei. Sein Tag wird am 28. Tag des Monats Oktober begangen, an dem auch der heilige Judas geehrt wird. Petronella, die heiligste Jungfrau, die Tochter des heiligen Petrus. Ein schönes Mädchen wurde auf Wunsch des heiligen Petrus mit dem kalten Siechtum geplagt. Und als er von den Jüngern gefragt wurde, warum er seine kranke Tochter nicht gesund mache, wo er doch viele andere geheilt hätte, antwortete er, er sei ihr so preislich. Doch gebot er ihr, dass sie ihnen dienen und danach wieder in ihr Siechbett gehen sollte. Aber als sie in der Furcht Gottes vollkommen zu sein begann, da empfing sie Arznei der Gesundheit vom Vater. Nun begehrte ein Graf namens Flaccus sie gegen ihren Willen zur Ehe. Da begehrte sie drei Tage Frist und Bedenkzeit. In derselben Zeit befleißigte sie sich des Fastens und Betens und starb am dritten Tag, sobald sie das heiligste Sakrament Christi, unseres Herrn, von dem heiligen Nikomedes empfangen hatte. Darum ließ derselbe Graf Felicola, ihre Gespielin, und den eben genannten Nikomedes mit mancherlei Marter töten. Ihr Leichnam ist zu Rom begraben und ihr Tag wird am letzten des Mai gefeiert. Lazarus, der Bruder der zwei Schwestern Martha und Magdalena, ein Bischof zu Massilia. Dem unser Herr Jesus Christus von den Toten erweckt ist, ist im 13. Jahr des Kaisertums des Claudius zum zweiten Mal gestorben. So hat Martha, seine Schwester, unlängst danach, nach der Verkündigung des Herrn, ein ganzes Jahr, in dem sie das kalte Siechtum hatte, in Frieden geruht. Und der heilige Frontinus ihren Leib begraben. In dieser lobenswerten Gedächtnis beider Geschwister ist nicht weit von Bethanien danach eine Kirche gebaut worden. Marcella, ihre Dienerin, hat (wie man sagt) ihr Leben beschrieben und nachfolgend in windischen Ländern viele Menschen zum Glauben bekehrt und zehn Jahre nach dem Absterben Marthas im Herrn geruht. Das Heiligtum dieses heiligsten Mannes Lazarus und seiner Schwester wird in der Stadt Massilia in besonderer Ehre gehalten. Matthias der Apostel, aus Bethlehem, aus dem Geschlecht Juda geboren, ist nach der Auffahrt des Herrn von den Aposteln durch ein Los in ihre Zahl (wie Lukas bezeugt) erwählt worden. Und ihm ist nach der Ankunft des Heiligen Geistes das jüdische Land, dort zu predigen, durch Los zugefallen. Etliche sagen aus seiner Historie, die zu Trier sein soll, dass Matthias im Gesetz des Herrn hoch gelehrt, reinen Leibes, klugen Gemütes, vorsichtigen Rates und verständlicher Rede gewesen sei. Die Juden verklagten und beschuldigten ihn der Gotteslästerung und verordneten zwei, die ihn mit Steinen werfen sollten. Aber unter solcher Marter wurde er von einem mit einem Beil oder einer Axt geschlagen, so dass er mit aufgespannten Händen seinen Geist aufgab. Etliche sagen, sein Leichnam sei nach Rom, etliche nach Padua, etliche nach Trier gebracht worden. Sein Tag wird am 24. Tag des Monats Februar gefeiert. Und wiewohl über die Zeit seines Martyriums mancherlei Meinungen vertreten werden, so ist doch gewiss, dass er aus Zufall des göttlichen Loses an die Stelle des Judas Iskariot, des Verräters, von den Aposteln erwählt worden ist. Blatt 153 der Weltchronik. Lukas der Evangelist und Jünger Christi, aus Antiochia, der Stadt Syriens, gebürtig. Ein Arzt, der der griechischen Sprache nicht unkundig war. Ein Nachfolger des Apostels Paulus und ein unzertrennlicher Weggefährte all seiner Pilgerschaft. War ein Mensch ohne alles Laster. Als dieser Lukas nun verstanden hatte, dass zwei Evangelien vorhanden waren, durch Matthäus im jüdischen Land und durch Markus im welschen Land, da hat er aus Anregung des Heiligen Geistes in den Gegenden Achaias, als er von dem heiligen Paulus gelernt hatte, sein Evangelium geschrieben. Von dem der heilige Paulus spricht: „Wir haben mit ihnen einen Bruder geschickt, dessen Lob im Evangelium durch alle Kirchen geht.“ Und an einem anderen Ort: „Euch grüßt Lukas, der Arzt, mein allerliebster.“ Doch hat er sein Evangelium nicht allein von dem Apostel Paulus, sondern auch von anderen Aposteln gelernt, wie er selbst meldet: „Wie es uns die gelehrt haben, die es von Anfang an gesehen und Diener der Predigt gewesen sind.“ Sie sagen auch, dass er dessen von der seligen Gottesgebärerin Maria (deren Freundschaft er sich bedient habe) unterwiesen worden sei. Und nachdem er auch in der Kunst des Malens unterrichtet war und weil er um die Jungfrau Maria viel Umgang und Wohnung hatte, so hat er (wie Damascenus schreibt) ihr Bildnis oft entworfen und abgemalt. Von denselben Bildnissen sind dann zwei nunmehr in Rom vorhanden, das eine wird zu Santa Maria del Popolo in großer Ehrwürdigkeit bewahrt. Und als er 74 Jahre ohne eine Frau geblieben war, da starb er in Bithynien am 18. Tag des Oktober. Im 20. Jahr des Kaisers Constantius wurden seine Gebeine nach Konstantinopel gebracht. Jetzt ruhen sie zu Padua in der Kirche der heiligen Justina. Euax, der König in Arabien, ein berühmter Naturmeister, Arzt und Wohlredner, ist zu dieser Zeit in Ruhm gewesen. Der hat unter anderen Werken seiner Kunst und Lehre ein sehr gutes Buch über die Arzneien gemacht und Nero zugeschickt, darin er nicht allein die Geschlechter, Namen und Farbe der arzneilichen Kräuter, sondern auch der Gesteine und in welchen Gegenden sie zu finden seien, beschrieben hat. Vectius, der griechische Arzt, hat nach eroberter Gewalt zu Rom in der Arznei eine neue Weise aufgerichtet und sich für die Alten und Neuen aus frevelhafter Tollkühnheit aufgeworfen, der doch durch Galen als ein Unwissender angezeigt wurde. Maria Magdalena, die hochberühmte Poetin Christi, hat von Jugend auf (wie ihre Historie enthält) alle Mädchen an Schönheit übertroffen. Sie wurde auf Wunsch Marthas, ihrer Schwester, und Lazarus, ihres Bruders, in Magdala, dem Kastell, einem Mann gegeben und doch bald aus Betrug der Wollust und aus eitler Freude verführt. Diese Magdalena wurde in Vergessenheit ihres Geschlechts eine Sünderin. Aber sie ist aus der Predigt und Lehre Jesu zur Besserung ihrer Verschuldung bewegt worden und zu dem Herrn in das Haus Simons des Aussätzigen gekommen und hinter [seine Füße].