Schedelsche Weltchronik · Blatt 109

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 109, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 109, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter right Jar der werlt. vm. ijc. xciiij.Jar Christi. xciiij. Clemens von gepurt ein roemer wz zu der zeit des kaisers Domiciani vnd saße nach dem babst Cletum. ix. iar. x. tag. der vierd babst zu Rom nach Petro. wiewol etlich der Lateinischen gemaynt haben das er der ander babst gewesen sey. Diser wz der allerguetigst senftmuetigst man. der die zwen bebst Linum vnnd Cletum willigclich vor ime in solcher arbait fuertretten hieß. vnd als er aber an lere geistlichkeit vnd guetigkeit beruembt gehalten wardt so machet er in namen der kirchen ettlich epistel vnd ordnet das einicher bischoff in abwesen des diacons nit meß halten noch einich laye einichen clerick anclagen solt vnd taylet die gegenten syben notarien auß. die die geuebten geschihten der martrer fleißigclich solten beschreiben. Diser Clemens hat taglich vil menschen mit seiner lere. geistlichkeit vnd guettigkeit zum christenlichen glawben bekert. darumb raytzten P. tarquinius vnd Mamertinus die roemer dem kaiser Trayanuz wider die cristen. auß dess gehaiß wardt Clemens in ein inseln gebracht darinn er bey zwaytausent cristen marmorstayn hawende fand. Nw hetten die menschen daselbst gepruch vnd mangel an wasser das sie sechs meyl dahin brachten. do wardt Clemens auß notturftigkeit des volcks bewegt vnd gieng auff einen puehel nit weit gelegen. do sahe er ein lamb vnder desselben rechten fueß goße ein prun wunderperlich vberflueßigs wasser auß. mit dem warden alle menschen erquicket vnd vil zum glawben bekert. dauon erzuernet Trayanus vnd sendet seyn diener die punden ime ainen angker an seinen hals vnd wurffen ine in das meer. am. xxiij. tag des monats nouembris. sein heiliger leichnam wardt vnlang darnach an das gestadt getragen vnd an dem ende begraben. dauon ein prun außfloße. in seinen todt ruoet der stuol. xx. tag. Jar der werlt. vm. iijc. iij.Jar Christi. c. iiij. Anacletus was von gepurt ein kriech von Athenis. vnd ein nachkomen Clementis im babstthumb zu den zeiten Nerue vnd Trayani. Eusebius fuergeet disen Anacletum vnd spricht er sey Cletus. aber gibt zwischen disen zwayen einen vnderschaid irer gepurt vnd toedte halben. dann Cletus ein roemer starb vnder Domiciano. vnd Anacletus von Athenis vnder Trayano. Diser hat die gedechtnus Petri zusamen gesetzt. vnd sundere ort zu begrebnus der martrer geornet. vnd ein mal im monat decembri fuenff briester. drey diacon vnd an mancherlay enden sechs bischoff geweyhet. vnd gesetzt das ein bischoff nit von wenigern dann von dreyen bischoffen geweyht werden solt. aber ein schlechter briester von eim bischoff. vnd dz ein bischof sich nit vndersteen solt frembd vnderthanen zeweyhen. Zuo letst wardt er vnder Traiano dem kayser getoedt. vnnd ruoet der stuol. xiij. tag. Er saß. ix. iar. ij. monat. x. tag. Euaristus der babst von gepurt ein kriechischer. auß einen iuden Judas genant von Bethleem pirtig geporen. was ein gerechter vnnd gantzer man. Der hat erstlich in der statt Rom den briestern die tittel außgetaylt. vnd syben diacon in ordnung gebracht die den predigenden bischof zu der warheit bewaren solten. Er hat auch gesatzt das die anclag des volcks wider den bischof nit angenomen solt werden. erhat die haimlichen winckl ee verbotten. vnd das prewtigam vnd prawt vomm briester gesegent werden solten. Er het im monat decembri dreymal weyhe. vnd weyhet. vi. briester zwen diacon. vnd an mancherlay enden fuenf bischof. vnd wardt (als ettlich sagen) im letsten iar Trayani des kaisers gemartert. aber es ist glawplicher left das er vnder Hadriano dieweil er nochmals gegen den cristen nit versoenet was (als ettlich ander schreiben) gemartert worden sey. dann er saß newn iar zehen monat zwen tag vnd wardt begraben bey sand Peters leichnam. vnnd der stuol ruoet des mals. xix. tag. Die andern verfolgung der christen hat der kaiser Domicianus im. xij. iar seins kaiserthumbs nach Nerone wider die christen geuebt. darinn wardt Johannes der appostell vnd ewangelist von Domiciano dem kayser gein Rom gefuert vnd in ein kuoffen syedendigs oels. darauß er doch vnuerfert gieng gesetzt. vnd darnach in die inseln Pathmos verschicket vnd doch nach dem todt Domiciani wider auß dem ellend gefordert in Ephesim. Domicilla die heilig iunckfraw wardt in diser verfolgung in die inseln Pontiam gebracht. vnd nach langgedulten ellend mitsambt Euphrosina Theodora vnd andern iunckfrawen in irer schlafkamer von eim wueeterich verprent. Nicomedis ein roemischer briester. Hermocoras der Aquilegiensisch ertzbischoff sant Marxen iunger. mitsambt Fortunato seinen ertzdiacon haben vnder diser verfolgung ir marter kron erstritten. So sind auch vnder andern Cletus vnd Anaderus die bebst vnnd vil andere gemartert worden. Blat CIX der werlt right Titus der erst sun Vespasiani der. xi. roemisch kaiser hat nach abgang seins vaters zeregirn angefangen. Diser wz von natur der aller guotwilligst. Nw machet Vespasianus Titi seins suns tugent also groß das er (do ettliche auffruorig in begirde zeherschen zwittracht suchten) sprach. das eintweder nymant. oder aber sein sun sich des kaiserthumbs geprauchen solte. vnd nicht vnbillich. dann Titus wardt von wegen seiner tugent vnd gentzigkeit des gemuees als ein lieb vnd wunsamkeit des meschlichen geslechts geachtet. Er was der redsprechist im frid. vnd der sterckst im krieg. vnd der allermiltst in die vberfarr. aeuch also guetig vnnd freygabig das er nymant yehtzit versaget. als diss sein freuend gein ime andeten do antwurtet er. nymant muoß trawrig von dem antlitz des kaisers geen. Eins tags im nachtmal wurd er gedechtig das er desselben tags nymant ichtz gegeben het. vnd sprach. O ir freuend ich hab dem hewtigen tag verlorn mit vergessung meiner miltigkeit. Er was lateinischer vnnd kriechischer zungen hoherfarn. darumb het er in freuentlicher kuntschaft des hohgelerten mans Ascanij pediani guote ergetzlichkeit. Diser bestritte das iudischs land. keret Jherusalez vmb. schlayffet den tempel der erden gleich. erschluog sechßhundermal tausent menschen. wiewol Josephus der in demselben streit gefangen wardt also setzet. dz zu aylfmal hunderttausent vomm schwert vnd hunger vorgangen. vnd hundert tausent menschen gefangen vnd offenlich verkauft worden seyen. Diser Titus vnd sein vater hielten vber solchen obsyge der iuden zu Rom einen triumph auff einem ainigen wag sitzende. den folget Domicianus nach auff eim weyssen pferdt. Auff disen tag sind noch rom vor awgen desselben sygs zaichen vnd die gegraben leuechter vnd tafeln des alten gesetzs auß dem tempel dargebracht. Er starb in dem dorff darinn sein vater gestorben was im. xlij. iar seins altes vnd wardt mit gemaynem waynen vnnd clagen zum grab getragen gleich als sie alle irs vaters berawbet weren. Domicianus ein bruder Titi vnd ein sun Vespasiani der. xij. roemisch kayser. zwischen oder winckel vnd tet nichtz mer dann mugken fahen vnd mit scharpffem griffel stechen. Er was Neroni oder Gallicule den kaisern gleicher dann seim vater Vespasiano oder dem bruder Tito. doch was er in den ersten iarn massiger. aber er fiel alßpald in grosse grobe laster der vnkeueschgirigkeit. nachlassigkeit. zornigkeit vnd grawsamkeit. ertoedtet vil auß den edeln. verschicket vil in das ellend. doch richtet er vil weyte verprante gepew widerumb auff. aber alle vnder seinem titel vnd on irer alten stiffter gedechtnus. doch sprach er guote recht vnd vrteil vnd richtet die verpranten librareij mit grossem costen wider auff. aber zu letst raytzet er mit seinen mißhandlungen souil neyds vber sich das er schier seins vaters vnd bruders namen vertilget het. vnd kome zu solcher vnbesunnenheit das er sich einen herren vnd got zenennen. zeschreiben. vnd zeeren gepote. aber zu letst wardt er auß goetlicher verhengknus von den seinen in seiner schlafkamer erschlagen. vnd sein leichnam durch die fledermewse vertragen vnd schentlich begraben im. xxxv. iar seins alters vnd im. xv. iar seins kayserthumbs. Nerua der. xiij. roemisch kaiser wardt yetzo alter nach Domiciano erwelet. vnd wz eins gemainen vnd sunderlichen massigen lebens. der sich dem gemaynen stand gleich vnd nutzpar erzaiget. vnd nach dem alles wesen des roemischen kayserthumbs auß auffruerigkeit seins vorfarn verletzet vnd zerruedet was. so warden auß seinen fleiß die that vnd henndel Domiciani durch gemayne rats erkantnus abgestelt vnd abgetan. vnd dem nach auch vil in das ellend verschickt lewt herwidergeforderdt. vnd dem ihenen ire hab vnd gueter der sie dauor entsetzet waren widergegeben. aber nach dem ersten iar seins kaiserthumbs als er yetzo mit dem alter beladen was vnnd sich der todt nahnet hat er zu fuersehung des gemaynen nutzs Traianum zu eim zugewuenschten sun genomen. vnd starb im. lxxij. iar seins alters vnd im ersten iar vnd vierdten monats seins keisertumbs. dem die roemer auß erkantnus des rats vnder die goetter zeleten: Traianus von gepurt ein Hispanier. Vlixius Crinitus zugenambt was der. xiiij. roemisch kaiser vnd ein nachkomen Nerue amm reich. Diser hat an ritterlichem ruom an hoeflichkeit vnd an massigung alle kaiser vdertroffen. dann er hat die ende des roemischen kayerthumbs lang vnd prayt erweittert. teuetsche land ihenßhalb des Reins gelegen in seinen vordern stand gebracht. Daciam vnd vil voelcker ihenßhalb der Thonaw wesende dem roemischen reich vnderworffen. die Parthier wider genomen. den Albaniern einem konig gegeben. Eufratem vdn Tigrim zu prouintz gemacht. vnd bis an die ende Indie vnd an das rot meer gezogen. vnd sich dannoch allenthalben also gleichlich gein aller menigcklichem erboten das man bis auf die zeit Justiniani in der wal vnd erkiesung der roemischen kaiser ye einem erwelten kayser zuschreye vnd wueschet das er glueckseliger dann Augustus vnnd besser dann Traianus solt sein. Darzu was er solcher guetigkeit vnd holdseligkeit mit haymsuchung der krancken vnd gruossamen zusprechen der freuend das ime ein so große senftmuetigkeit zu argk gerechnet wardt. vnd dannen ist das spruchwort entstanden Also muoß der kaiser sich gein sundern personen erzaigen als er sunder person zu im wil naigen. Ere. reichthuemer. gabe vnd belonung hat er dem woluerdienenden gleichlich außgeteilt. vnd nichtz im leben getan dz zu gemainen nutz nit dienstlich wz Er starb zu Seleucia der statt Isaurie am fluss des leibs im. xviij. iar vnd. vi. monat seins kaiserthumbs. dess gepaine warden darnach gein rom gebracht. vnd daselbst begraben vnder einer seueln die man noch sihet. vnd. c. xl. schuh hoh ist

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Im Jahr der Welt 5294, im Jahr Christi 94. Clemens, von Geburt ein Römer, war zur Zeit des Kaisers Domitian und saß nach Papst Cletus neun Jahre, zehn Tage, der vierte Papst in Rom nach Petrus, obwohl einige der Lateiner gemeint haben, dass er der zweite Papst gewesen sei. Dieser war der allergnädigste, sanftmütigste Mann, der die zwei Päpste Linus und Cletus willentlich vor sich in solcher Arbeit vortreten hieß. Und als er aber an Lehre, Geistlichkeit und Güte berühmt gehalten wurde, so verfasste er im Namen der Kirche etliche Episteln und ordnete an, dass kein Bischof in Abwesenheit des Diakons keine Messe halten noch irgendein Laie irgendeinen Kleriker anklagen sollte, und teilte den Gegenden sieben Notare zu, die die erlittenen Geschichten der Märtyrer fleißig beschreiben sollten. Dieser Clemens hat täglich viele Menschen mit seiner Lehre, Geistlichkeit und Güte zum christlichen Glauben bekehrt. Darum reizten P. Tarquinius und Mamertinus die Römer gegen Kaiser Trajanus wegen der Christen auf. Auf dessen Geheiß wurde Clemens auf eine Insel gebracht, auf der er etwa zweitausend Christen fand, die Marmorsteine hauten. Nun hatten die Menschen dort Mangel an Wasser, das sie sechs Meilen weit herbrachten. Da wurde Clemens aus Notwendigkeit des Volkes bewegt und ging auf einen nicht weit gelegenen Hügel. Da sah er ein Lamm, unter dessen rechtem Fuß ein Brunnen wunderbar überfließendes Wasser hervorquoll. Damit wurden alle Menschen erquickt und viele zum Glauben bekehrt. Darauf erzürnte Trajanus und sandte seine Diener, die ihm einen Anker an seinen Hals banden und ihn ins Meer warfen, am 23. Tag des Monats November. Sein heiliger Leichnam wurde unlängst danach an das Gestade getragen und an diesem Ort begraben, wovon ein Brunnen entsprang. In seinem Tod ruhte der Stuhl 20 Tage. Im Jahr der Welt 5303, im Jahr Christi 104. Anacletus war von Geburt ein Grieche aus Athen und ein Nachfolger Clemens' im Papsttum zu den Zeiten Nerva und Trajan. Eusebius geht diesem Anacletus voraus und sagt, er sei Cletus, aber gibt zwischen diesen beiden einen Unterschied ihrer Geburt und ihres Todes halber. Denn Cletus, ein Römer, starb unter Domitian, und Anacletus aus Athen unter Trajan. Dieser hat die Gedächtnis Petri zusammengestellt und besondere Orte zur Begräbnis der Märtyrer geordnet und einmal im Monat Dezember fünf Priester, drei Diakone und an mancherlei Orten sechs Bischöfe geweiht und gesetzt, dass ein Bischof nicht von wenigeren als von drei Bischöfen geweiht werden sollte, aber ein einfacher Priester von einem Bischof, und dass ein Bischof sich nicht unterstehen sollte, fremde Untertanen zu weihen. Zuletzt wurde er unter Kaiser Trajan getötet, und ruhte der Stuhl 13 Tage. Er saß neun Jahre, zwei Monate, zehn Tage. Evaristus, der Papst, von Geburt ein Grieche, aus einem Juden namens Judas, gebürtig aus Bethlehem, geboren, war ein gerechter und ganzer Mann. Dieser hat zuerst in der Stadt Rom den Priestern die Titel ausgeteilt und sieben Diakone in Ordnung gebracht, die den predigenden Bischof zur Wahrheit bewahren sollten. Er hat auch gesetzt, dass die Anklage des Volkes wider den Bischof nicht angenommen werden sollte. Er hat die heimlichen Winkel-Ehen verboten und dass Bräutigam und Braut vom Priester gesegnet werden sollten. Er hatte im Monat Dezember dreimal Weihe und weihte sechs Priester, zwei Diakone und an mancherlei Orten fünf Bischöfe und wurde (wie etliche sagen) im letzten Jahr Kaiser Trajans gemartert. Aber es ist glaublicher, dass er unter Hadrian, weil dieser nochmals gegen die Christen nicht versöhnt war (wie etliche andere schreiben), gemartert worden sei. Denn er saß neun Jahre, zehn Monate, zwei Tage und wurde begraben bei Sankt Peters Leichnam, und der Stuhl ruhte dieses Mal 19 Tage. Die andere Verfolgung der Christen hat Kaiser Domitian im zwölften Jahr seines Kaisertums nach Nero wider die Christen ausgeübt. Darin wurde Johannes der Apostel und Evangelist von Kaiser Domitian nach Rom geführt und in einen Kufen siedenden Öls gesetzt, woraus er doch unversehrt ging, und danach auf die Insel Patmos verschickt und doch nach dem Tod Domitians wieder aus dem Exil nach Ephesus zurückgerufen. Domitilla, die heilige Jungfrau, wurde in dieser Verfolgung auf die Insel Pontia gebracht und nach lang geduldetem Exil mitsamt Euphrosina, Theodora und anderen Jungfrauen in ihrer Schlafkammer von einem Wüterich verbrannt. Nicomedes, ein römischer Priester, Hermagoras, der aquileiensische Erzbischof, ein Jünger des heiligen Markus, mitsamt Fortunatus, seinem Erzdiakon, haben unter dieser Verfolgung ihre Märtyrerkrone errungen. So sind auch unter anderen Cletus und Anacletus, die Päpste, und viele andere gemartert worden. Blatt 109 der Weltchronik. Titus, der erste Sohn Vespasians, der elfte römische Kaiser, hat nach dem Ableben seines Vaters zu regieren angefangen. Dieser war von Natur der aller gutwilligste. Nun machte Vespasian die Tugend seines Sohnes Titus so groß, dass er (als etliche Aufruhrer in Begierde zu herrschen Zwietracht suchten) sprach, dass entweder niemand oder aber sein Sohn sich des Kaisertums bedienen sollte, und nicht unbillig. Denn Titus wurde wegen seiner Tugend und Güte des Gemütes als eine Liebe und Wünschbarkeit des menschlichen Geschlechts geachtet. Er war der redegewandteste im Frieden und der stärkste im Krieg und der allermildeste im Sieg, auch so gütig und freigebig, dass er niemandem jemals etwas versagte. Als dies seine Freunde ihm andeuteten, da antwortete er: "Niemand muss traurig vom Antlitz des Kaisers gehen." Eines Tages beim Abendmahl wurde er eingedenk, dass er desselben Tages niemandem etwas gegeben hatte, und sprach: "O ihr Freunde, ich habe den heutigen Tag verloren mit Vergessung meiner Milde." Er war in lateinischer und griechischer Zunge hoch erfahren, darum hatte er in freundschaftlicher Bekanntschaft des hochgelehrten Mannes Ascanius Pedianus gute Ergetzlichkeit. Dieser bestritt das jüdische Land, kehrte Jerusalem um, schleifte den Tempel dem Erdboden gleich, erschlug sechshunderttausend Menschen, obwohl Josephus, der in demselben Streit gefangen wurde, also setzt, dass elfhunderttausend vom Schwert und Hunger umgekommen und hunderttausend Menschen gefangen und öffentlich verkauft worden seien. Dieser Titus und sein Vater hielten über solchen Obsieg der Juden zu Rom einen Triumph, auf einem einzigen Wagen sitzend. Dem folgte Domitian nach auf einem weißen Pferd. Auf diesen Tag sind noch in Rom vor Augen desselben Sieges Zeichen und die gegrabenen Leuchter und Tafeln des alten Gesetzes aus dem Tempel dargebracht. Er starb in dem Dorf, darin sein Vater gestorben war, im 42. Jahr seines Alters und wurde mit allgemeinem Weinen und Klagen zum Grab getragen, gleich als sie alle ihres Vaters beraubt wären. Domitian, ein Bruder des Titus und ein Sohn Vespasians, der zwölfte römische Kaiser, zwischen oder Winkel und tat nichts mehr, als Mücken fangen und mit scharfem Griffel stechen. Er war Nero oder Caligula, den Kaisern, ähnlicher als seinem Vater Vespasian oder dem Bruder Titus. Doch war er in den ersten Jahren mäßiger, aber...

Anmerkungen

vm. ijc. xciiij.
römisch für 5294 (Jahr der Welt)
xciiij.
römisch für 94 (Jahr Christi)
Domiciani
Domitian, römischer Kaiser (81–96 n. Chr.)
Cletum
Cletus, auch Anacletus I., Papst (ca. 76–88 n. Chr.)
ix.
römisch für 9
x.
römisch für 10
Petro
Petrus, Apostel und erster Bischof von Rom
Linum
Linus, Papst (ca. 67–76 n. Chr.)
epistel
Episteln, Briefe
laye
Laie, Nicht-Kleriker
clerick
Kleriker, Geistlicher
syben
sieben
geuebten geschihten
erlittenen Geschichten
martrer
Märtyrer
P. tarquinius
P. Tarquinius, historische Person, die Trajan gegen die Christen aufhetzte
Mamertinus
Mamertinus, historische Person, die Trajan gegen die Christen aufhetzte
Trayanuz
Trajan, römischer Kaiser (98–117 n. Chr.)
zwaytausent
zweitausend
gepruch
Mangel, Not
sechs meyl
sechs Meilen (eine Meile entsprach im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwa 7,5 km)
puehel
Hügel
prun
Brunnen
punden
banden
angker
Anker
xxiij.
römisch für 23
nouembris
November
gestadt
Gestade, Ufer
stuol
Stuhl, hier: Papststuhl
xx.
römisch für 20
vm. iijc. iij.
römisch für 5303 (Jahr der Welt)
c. iiij.
römisch für 104 (Jahr Christi)
Athenis
Athen, Stadt in Griechenland
Nerue
Nerva, römischer Kaiser (96–98 n. Chr.)
Eusebius
Eusebius von Caesarea, Kirchenhistoriker (ca. 260/265–339/340 n. Chr.)
decembri
Dezember
fuenff
fünf
drey
drei
sechs
sechs
xiij.
römisch für 13
ij.
römisch für 2
Bethleem
Bethlehem, Stadt in Palästina
tittel
Titel, hier im Sinne von Pfarrkirchen oder Zuständigkeitsbereichen für Priester
haimlichen winckl ee
heimliche Winkel-Ehen, Ehen, die ohne kirchliche oder öffentliche Form geschlossen wurden
prewtigam vnd prawt
Bräutigam und Braut
vi.
römisch für 6
zwen
zwei
glawplicher left
glaublicher ist
Hadriano
Hadrian, römischer Kaiser (117–138 n. Chr.)
xix.
römisch für 19
xij.
römisch für 12
Nerone
Nero, römischer Kaiser (54–68 n. Chr.)
appostell
Apostel
ewangelist
Evangelist
kuoffen syedendigs oels
Kufen siedenden Öls, ein großes Gefäß mit kochendem Öl
vnuerfert
unversehrt
Pathmos
Patmos, griechische Insel in der Ägäis
ellend
Elend, hier: Exil, Verbannung
Ephesim
Ephesus, antike Stadt in Kleinasien
Domicilla
Domitilla, Flavia Domitilla, frühchristliche Märtyrerin
iunckfraw
Jungfrau
Pontiam
Pontia, Pontinische Inseln, Verbannungsort
Euphrosina
Euphrosina, frühchristliche Märtyrerin
Theodora
Theodora, frühchristliche Märtyrerin
wueeterich
Wüterich, grausamer Mensch
Nicomedis
Nicomedes, frühchristlicher Märtyrer
Hermocoras
Hermagoras, erster Bischof von Aquileia, Märtyrer
Aquilegiensisch
aquileiensisch, aus Aquileia stammend (antike Stadt in Norditalien)
sant Marxen
Sankt Markus, Evangelist
Fortunato
Fortunatus, Erzdiakon des Hermagoras, Märtyrer
ertzdiacon
Erzdiakon
marter kron
Märtyrerkrone, die Krone des Martyriums
Anaderus
Anacletus, hier eine alternative Schreibweise für Anacletus I.
CIX
römisch für 109
Vespasiani
Vespasian, römischer Kaiser (69–79 n. Chr.)
xi.
römisch für 11
zeherschen
zu herrschen
zwittracht
Zwietracht, Uneinigkeit
gentzigkeit des gemuees
Güte des Gemütes
wunsamkeit
Wünschbarkeit, Annehmlichkeit
redsprechist
redegewandteste
vberfarr
Überfahrt, hier im Sinne von 'Sieg' oder 'Überwindung'
yehtzit
jemals etwas
freuend
Freunde
andeten
andeuteten
nachtmal
Abendmahl
gedechtig
eingedenk, sich erinnernd
zungen hoherfarn
in Sprachen hoch erfahren
Ascanij pediani
Ascanius Pedianus, römischer Gelehrter und Freund des Titus
ergetzlichkeit
Ergetzlichkeit, Erholung, Freude
iudischs land
jüdisches Land, Judäa
Jherusalez
Jerusalem, Stadt in Palästina
schlayffet
schleifte, dem Erdboden gleichmachte
sechßhundermal tausent
sechshunderttausend
Josephus
Flavius Josephus, jüdischer Historiker (ca. 37–100 n. Chr.)
aylfmal hunderttausent
elfhunderttausend
obsyge
Obsieg, Sieg
ainigen wag
einigen Wagen
leuechter
Leuchter
xlij.
römisch für 42
gemaynem waynen vnnd clagen
allgemeinem Weinen und Klagen
winckel
Winkel, hier: im Verborgenen, heimlich
mugken fahen
Mücken fangen
griffel
Griffel, Schreibgerät, Stift
Gallicule
Caligula, römischer Kaiser (37–41 n. Chr.)