Schedelsche Weltchronik · Blatt 110

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 110, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 110, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter left Thimotheus ein iunger Pauli des apostels ein bischof zu Epheso einer glawbigen wittwen vnd doch eins haidnischen vaters sun wardt von demselben Paulo geordnet. vnd nach vil angsten mit marter gekroenet. doch sagen ettlich er hab vnder Nerone gelidden. dem in seiner marter zwen engel erschinen. sprechende. Hebe auff dein hawbt inn himel vnd syhe. do sahe er den himel offen vnd Jhesum ein coestliche kron haltende vnd sprechende. dise kron wirst du von meiner hand emfahen. dz sahe einer Appollinaris genant vnd ließ sie tawffen do hieß der richter sie bede enthawbten. Titus auch ein iunger Pauli ein bischoff der Cretensier hat nach getrewer außuebung des predigens ein seligs ende erlangt vnd von Paulo auß der statt Nicopoli einen sendbrief oder epistel empfangen. Crescentius was auch ein iunger des appostels pauli vnd wanddert durch Galliam vil menschen mit predigen zu den cristenlichen glawben bekerende. Dionisius ariopagita ein hohberuembter naturlicher maister ist in der verfolgung Domiciani des kaisers mit Leuetherio dem briester vnd Kustico dem Diacon zu Paryß gemartert worden. dann als er von babst Clemens auß gepote sant Peters vnnd right der Gallier zepredigen gesendet wardt. vnd das beuolhen werck des herren inpruenstigclich gehandelt het do wardt er mitsambt seinen gesellen yetzo newntzig iarig von Festennio dem richter der statt halßgeschlagen. verspuertzt. belacht. auff einen eyßen rost an das feuer gelegt. nackendt außgespant. vnd sunst in mancherlay weis gepeinigt vnd zu letst knyende enthawbtet. darnach truog er sein hawbt zwischen den armen auß leytung des engels an dz ende da er daranch rastet. Diser ist der Dionisius der zu athenis in dem leydden des herren Jhesu sprach. aintweders got der natur leyddet. oder das gantz gepew der werlt wirdt zerbrochen werden. die auch darnach der appostel Paulus getauften fleißissigckich vnderwisen vnd zu eim bischof zu athenis geordnet allda er dann einen großen teil der gegent zum cristen glawben gebracht vnd darnach in Gallia amm newnden tag octobris die marterkron empfangen. vnd als ein hohgelerter man vil treffenlicher erleuechter schrift hinder ime gelaßen hat. vnd er ist (als er in einen seiner buocher selbs bezeuegt) mit den andern appostelln bey der entschlaffung Marie der gottes gepererin auch gegenwurtig gewesen. Als er nachfolgend hoeret das Petrus vnd Paulus die apoostel von Nerone zu Rom enthalten wurden do kom er daselbsthin sie zebesihtigen. darauff wardt er (als vor stet) von dem babst Clemens geordnet. left Victorinus an hailigkeit vnd wunderwercken achtper vnd ein wirdiger bischoff der statt Emiterue. wardt als ein cristen man auß der statt zu dem kaiser Nerna gefuert vnd auß desselben befelhnus mit dem hawbt vndersichwartz gehenckt an eim end do stinckende vnd schwiflige wasser außflossen. vnd als er nw solche marter drey tag vmb den namen Jhesu bestendigclich gelidden het do sendet er gekroent amm fuenften tag des monats septembris seinen gaist auff zu Cristo Eutices vnd Marcus sind auch bey dem kayser Nerua gemartert worden. dann als Aurelianus der gespons Domicille vernomen het das dieselb Domicilla dise hailigen von irs glawbens vnd tugent wegen mer libet. vnd Nereus dise hailigen als knecht auff sein pawgueter auß. das sie das ertrich graben solten. aber nach dem sie allermenigclichen angename waren vnd wunderzaichen tetten warden sie zu letst auch getoedt am. xvi. tag des mayen. right Iohannes der appostel vnd ewangelist Jacobi des merern bruder der allergeliebst des herren Jhesu wardt in seinen mindern alter zu der iungerschaft berueft. Sie sagen diser Johannes der aller hailigst man soll bis an die zeit Traiani des keisers gelebt haben. Er hat (als er die Asianischen kirchen auffgerichtet het) der aller letst sein ewangelium geschriben. vnd die ding die von matheo marco vnd luca beschriben waren bestetigt. vnd (als sie sagen) die lere der ebionitischen ketzer vernichtigt die so wiewol vnwarlich sagten. dz Christus vor Maria nit gewesen wer. dann iohannes meldet sein goetliche natur so er spricht. Imm anfang was das wort etc. Er hat auch vil andre ding geschriben. nemlith das buoch der haimlichen offenbarung. als er von Domiciano in die inseln pathmon verschickt wardt. nach desselben todt vnd nach abstellung vnd vernichtung aller seiner als eins wueterichs handel vnd tate keret iohannes wider gein ephesim. daselbst hat er bis auf die zeit traiani des kaisers mit raten vnd schrifften die kirchen auffenthalten. vnd mit alter beladen imm. lxviij. iar nach dem leyden cristi imm herren geruoet. dann als er. xc. iar alt wz do gieng er eins suntags fruee in die kirchen vnd prediget dem volck vnd styge in ein vieregkete gruoben die er in der kirchen het heißen machen. do erschine ein ein groß liecht dz man ine nit sehen mocht nach hinweichung des lichts wardt die gruob vol himelprots vnd sein leichnam nit gefunden. Blat CX der werlt Die drit verfolgung der cristen menschen ist geschehen do sich das gemayn cristenlich wesen wunderperlicher weiß meret. dann wiewol Trayanus ein kaiser sundrer gerechtigkeit vnd guetigkeit was yedoch wardt er im zehenden iar seins keyserthumbs auß zutragung ettlicher boßhaftigen geraitzt zu ob villeicht dem roemischen reich einicherlay abbruch dauon entsteen moecht. dem nach verhienge er die dritten verfolgung wider die christen darinn der ertoedt warden. also das Plinius secundus der die prouintz regiret auß barmhertzigkeit von der menig wegen in dem doch nichtz der roemischen gesetz verletzlichs. noch auch sunst einicherlay mißstattlichs gefunden wuerd. dann allain das sie einem cristo als got lob suengen. aber eebruoch vnd solche laster wuerden bey inen vnzymlich gehalten. dauon wardt Traianus bewegt vnd schribe hinwiderumb das man die cristen nit ersuchen. sunder so sie vberantwurt vnd fuerbracht wuerden. left Ignacius ein bischoff zu Antiochia der drit bischoff daselbst nach sant Peter vnd ein iunger sant Johansen des ewangelisten ist in diser verfolgung nach dem er vil iar die kirchen geregirt het von Traiano zu Antiocha gefangen vnd den wilden thiern fuerzewerffen verurteilt worden. vnnd dieweil er von den knechten gein Rom gefuert wardt do bestettigt er alle cristenmenschen vnd erwegen im glawben. entweders mit gebet oder mit briffen also sprechend. Auff das ich Jhesum christum finden muog so sollen mich feuer. creuetz. wilde thier. zerprechung der gepayn. zerdenung des gantzen leibs vnd peinigung des teuefels finden so ich nuor Christum neueße. vnd als er der leoben gischray hoeret er die engel authiphonas singen. darumb ornet auch er das die in der kirchen gesungen solten werden. Er hat auch Mariam in vil sandbriefen die er ir schribe ein Cristragerin gegruesset vnd starb im. xi. iar Traiani. right Eustachius Placidus zugenambt des keisers Traiani rittermaister ist in diser grawsamen verfolgung mitsambt seinem weib Theospita vnd Agapito vnd Theospito iren suenen amm. xx. tag septembris vmb cristi willen gemartert worden. von der bekerung man wunderliche ding liset. dann Eustachius sahe einen schoenen hirschen auff dem geiayd vnd zwischen seinen hoernern das pild eins cricifix das redet ime zu vnd er wardt darumb getauft Hermes ein roemischer burger vnd durchleuechtiger ambtman der statt rom ward von Alexandro dem babst mit weib vnd kindern vnd der schwester Theodoza vnd auch mit tausent. ijc. l. knechten vnd iren weibern getawft. vnd in diser verfolgung ergriffen gekerkert vnd darnach am. xxviij. tag des monats augusti mit dem schwert gemartert vnd gericht. left Iosephus der iud genant Fluius ein briester vnd Mathatie des briesters sun ein hohberuembter geschihtbeschreiber vnd vil ding erfarner man. auch ein hertzog der iudischen kriegs dieweil Nero vnd andere regirten. wardt von Vespasiano vnd Tito in erobrung der iudischen lands gefangen vnd in ein erbere dinstperkeit gefuert. dann er was ein guoter vnd fuertreffenlicher man. der sich von Cristo gar wol verstunde. Diser Josephus verkuendet vorhin das nero in kuertz sterben vnd Vepasianus von aller diestperkeit. darnach wardt er gein Rom gefuert vnnd daselbst mit dem burgerrechten vnd auch mit dem namen des Flauianischen geslechts gegabet. vnd lebet alda bey den selben kayser. xv. iar gluecklich. darinn hat er siben buecher von der iudischen gefencknus geschriben. vnd damit verdient das man ime (als sant Jheronimus sagt) zu Rom ein seueln auffgerichtet. darnach auch. xx. andere buech er von dem alter der Juden von anbegynn der werlt bis auff den Judischen krieg. auch vil andere buecher. die alle von Russino dem Aquilegier zu lateinischer zungen darnach gebracht worden sind. Diser Josephus ist geporn gewest da Christus gecreuetzigt wardt vnd hat gelebet bis auff die zeit des kaysers Trayani vnd ist gar erlich gestorben. left right Stacius der neopolitaner auß dem stattlein Epiroto pirtig hat zu Rom gereichßnet vnd daselbst. xij. buecher von dem Thebayschen krieg. vnnd sunst andere mer. buecher geschriben vnd gemacht. vnd nochzemal iung Claudiam die tochter Apolinaris zu der ee genomen. Marcialis was auß Hispania pirtig. vnd zu Rom von groeße wegen seiner sinnreichigkeit vnd ettlicher treffenlicher kurtzer schrifft in grosser achtung gehalten. Er zohe vnder Traiano also alter anhayms vnnd starb. Stella nit ein vnedler poet vnd tichter hat auch zu disen zeiten gereichßnet vnd ein weib gehabt Violentilla genannt auch in der poetrey gelert. Iuuenalis der poet von Aquinas pirtig ist zu rom scheinlich gewest. vnnd als die zeit figuerlich angemercket het do ward er pald. wiwol. lxxx. iariger durch die ere der ritterschafft von der statt hingenommen vnd in Egypten mit einer schar gesendet. doch ime nit zu eren sunder zu einer peen Aber in kurtzer zeit vergienge er auß angst vnd verdroßenheit. doch lebet er bis an die zeit des kaisers Nerue

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Timotheus, ein Jünger des Apostels Paulus, ein Bischof zu Ephesus, der Sohn einer gläubigen Witwe und doch eines heidnischen Vaters, wurde von demselben Paulus eingesetzt und nach vielen Ängsten mit dem Martyrium gekrönt. Doch sagen etliche, er habe unter Nero gelitten, dem in seiner Marter zwei Engel erschienen, sprechend: „Hebe auf dein Haupt gen Himmel und siehe!“ Da sah er den Himmel offen und Jesus, eine kostbare Krone haltend und sprechend: „Diese Krone wirst du aus meiner Hand empfangen.“ Das sah einer namens Apollinaris und ließ sich taufen. Da hieß der Richter sie beide enthaupten. Titus, auch ein Jünger des Paulus, ein Bischof der Kreter, hat nach getreuer Ausübung des Predigens ein seliges Ende erlangt und von Paulus aus der Stadt Nikopolis einen Sendbrief oder eine Epistel empfangen. Crescentius war auch ein Jünger des Apostels Paulus und wanderte durch Gallien, viele Menschen mit Predigen zum christlichen Glauben bekehrend. Dionysius Areopagita, ein hochberühmter Naturmeister, ist in der Verfolgung des Kaisers Domitian mit Leutherius, dem Priester, und Rusticus, dem Diakon, zu Paris gemartert worden. Denn als er von Papst Clemens auf Gebot des heiligen Petrus und Recht der Gallier zu predigen gesendet wurde und das befohlene Werk des Herrn inbrünstiglich gehandelt hatte, da wurde er mitsamt seinen Gesellen, jetzt neunzigjährig, von Festennius, dem Richter der Stadt, enthauptet, verspottet, belacht, auf einen eisernen Rost an das Feuer gelegt, nackt ausgespannt und sonst in mancherlei Weise gepeinigt und zuletzt kniend enthauptet. Danach trug er sein Haupt zwischen den Armen, durch Leitung des Engels, an das Ende, da er darnach ruhte. Dieser ist der Dionysius, der zu Athen im Leiden des Herrn Jesus sprach: „Entweder Gott der Natur leidet, oder das ganze Gebäude der Welt wird zerbrochen werden.“ Diesen, den auch danach der Apostel Paulus taufte, unterwies er fleißiglich und ordnete ihn zu einem Bischof zu Athen, allda er dann einen großen Teil der Gegend zum christlichen Glauben gebracht und darnach in Gallien am neunten Tag des Oktobers die Märtyrerkrone empfangen hat. Und als ein hochgelehrter Mann hat er viele treffliche, erleuchtete Schriften hinter sich gelassen. Und er ist (wie er in einem seiner Bücher selbst bezeugt) mit den anderen Aposteln bei der Entschlafung Marias, der Gottesgebärerin, auch gegenwärtig gewesen. Als er nachfolgend hörte, dass Petrus und Paulus, die Apostel, von Nero zu Rom gefangen gehalten wurden, da kam er dorthin, sie zu besichtigen. Daraufhin wurde er (wie oben steht) von Papst Clemens eingesetzt. Es folgt Victorinus, an Heiligkeit und Wunderwerken achtbar und ein würdiger Bischof der Stadt Amiternum. Er wurde als ein Christ aus der Stadt zu Kaiser Nerva geführt und auf dessen Befehl mit dem Haupt nach unten gehängt an einem Ort, wo stinkende und schwefelige Wasser ausflossen. Und als er nun solche Marter drei Tage um den Namen Jesu beständiglich gelitten hatte, da sandte er, gekrönt, am fünften Tag des Monats September seinen Geist auf zu Christus. Eutices und Marcus sind auch bei Kaiser Nerva gemartert worden. Denn als Aurelianus, der Gemahl der Domitilla, vernommen hatte, dass dieselbe Domitilla diese Heiligen wegen ihres Glaubens und ihrer Tugend mehr liebte, und Nereus diese Heiligen als Knechte auf seine Pachtgüter schickte, damit sie das Erdreich graben sollten. Aber nachdem sie jedermann angenehm waren und Wunderzeichen taten, wurden sie zuletzt auch getötet am sechzehnten Tag des Mai. Es folgt Johannes, der Apostel und Evangelist, Bruder des älteren Jakobus, der Allerliebste des Herrn Jesus, wurde in seinem jüngeren Alter zur Jüngerschaft berufen. Sie sagen, dieser Johannes, der allerheiligste Mann, soll bis an die Zeit des Kaisers Trajan gelebt haben. Er hat (als er die asiatischen Kirchen aufgerichtet hatte) als allerletzter sein Evangelium geschrieben und die Dinge, die von Matthäus, Markus und Lukas beschrieben waren, bestätigt. Und (wie sie sagen) die Lehre der ebionitischen Ketzer vernichtet, die, wiewohl unwahrhaftig, sagten, dass Christus vor Maria nicht gewesen wäre. Denn Johannes meldet seine göttliche Natur, so er spricht: „Im Anfang war das Wort etc.“ Er hat auch viele andere Dinge geschrieben, nämlich das Buch der heimlichen Offenbarung, als er von Domitian auf die Insel Patmos verschickt wurde. Nach dessen Tod und nach Abstellung und Vernichtung aller seiner Handlungen und Taten als eines Wüterichs kehrte Johannes wieder gen Ephesus. Daselbst hat er bis auf die Zeit des Kaisers Trajan mit Ratschlägen und Schriften die Kirchen aufrechterhalten und, mit Alter beladen, im 68. Jahr nach dem Leiden Christi im Herrn geruht. Denn als er 90 Jahre alt war, da ging er eines Sonntags früh in die Kirche und predigte dem Volk und stieg in eine viereckige Grube, die er in der Kirche hatte machen lassen. Da erschien ein großes Licht, dass man ihn nicht sehen mochte. Nach Hinwegweichen des Lichts ward die Grube voll Himmelbrots und sein Leichnam nicht gefunden. Blatt 110 der Welt. Die dritte Verfolgung der Christen geschah, als sich das gemeine christliche Wesen wunderbarer Weise mehrte. Denn wiewohl Trajan ein Kaiser besonderer Gerechtigkeit und Güte war, so wurde er doch im zehnten Jahr seines Kaisertums durch Zutragung etlicher Boshaften gereizt, ob vielleicht dem römischen Reich irgendein Abbruch davon entstehen möchte. Demnach verhängte er die dritte Verfolgung wider die Christen, darin viele getötet wurden. So dass Plinius Secundus, der die Provinz regierte, aus Barmherzigkeit wegen der Menge, in der doch nichts der römischen Gesetze Verletzliches, noch auch sonst irgendein Missfälliges gefunden wurde, außer allein, dass sie einem Christus als Gott Lob sangen. Aber Ehebruch und solche Laster wurden bei ihnen unziemlich gehalten. Davon ward Trajan bewegt und schrieb hinwiederum, dass man die Christen nicht ersuchen, sondern so sie überantwortet und vorgebracht würden, ... Es folgt Ignatius, ein Bischof zu Antiochia, der dritte Bischof daselbst nach dem heiligen Petrus und ein Jünger des heiligen Johannes des Evangelisten, ist in dieser Verfolgung, nachdem er viele Jahre die Kirche regiert hatte, von Trajan zu Antiochia gefangen und den wilden Tieren vorgeworfen zu werden verurteilt worden. Und dieweil er von den Knechten gen Rom geführt ward, da bestätigte er alle Christenmenschen und erweckte sie im Glauben, entweder mit Gebet oder mit Briefen, also sprechend: „Auf dass ich Jesus Christus finden möge, so sollen mich Feuer, Kreuz, wilde Tiere, Zerbrechung der Gebeine, Zerdehnung des ganzen Leibes und Peinigung des Teufels finden, so ich nur Christus genieße.“ Und als er der Löwen Geschrei hörte, hörte er die Engel Antiphonen singen. Darum ordnete auch er, dass diese in der Kirche gesungen werden sollten. Er hat auch Maria in vielen Sendbriefen, die er ihr schrieb, eine Christusträgerin gegrüßt und starb im 11. Jahr Trajans. Es folgt Eustachius, genannt Placidus, des Kaisers Trajan Rittermeister, ist in dieser grausamen Verfolgung mitsamt seinem Weib Theospita und Agapitus und Theopistus, ihren Söhnen, am zwanzigsten Tag des Septembers um Christi willen gemartert worden. Von der Bekehrung dieses Mannes...

Anmerkungen

achtper
historisches dt. für 'achtbar', 'ehrenwert'
Agapito vnd Theospito iren suenen
Agapitus und Theopistus, ihre Söhne (historische Personen, Söhne des Eustachius Placidus)
aintweders got der natur leyddet. oder das gantz gepew der werlt wirdt zerbrochen werden
Entweder Gott der Natur leidet, oder das ganze Gebäude der Welt wird zerbrochen werden (Zitat, zugeschrieben Dionysius Areopagita, bezogen auf die Finsternis bei der Kreuzigung Christi)
allermenigclichen angename
historisches dt. für 'jedermann angenehm', 'beliebt bei allen'
Amiternum
antike Stadt in Italien
Antiochia
antike Stadt in Syrien
Appollinaris
Apollinaris (historische Person)
Asianischen kirchen
asiatische Kirchen (Kirchen in Kleinasien)
athenis
Athen (antike Stadt in Griechenland)
authiphonas
Antiphonen (lat. antiphonae – Wechselgesänge im Gottesdienst)
Aurelianus
Aurelianus (historische Person, Gemahl der Domitilla)
babst Clemens
Papst Clemens (Clemens I., Bischof von Rom, Heiliger)
Blat CX der werlt
Blatt 110 der Welt (Seitenangabe der Schedelschen Weltchronik)
buoch der haimlichen offenbarung
Buch der heimlichen Offenbarung (Buch der Offenbarung des Johannes, Apokalypse)
Cristragerin
historisches dt. für 'Christusträgerin', 'Gottesgebärerin', 'Theotokos'
Cretensier
Kreter (Bewohner der Insel Kreta)
Crescentius
Crescentius (historische Person, Jünger des Apostels Paulus)
drit verfolgung
dritte Verfolgung (dritte Christenverfolgung unter römischen Kaisern, hier unter Trajan)
drey tag
drei Tage (Maßeinheit für Zeit)
Domiciani des kaisers
Domitian, der Kaiser (römischer Kaiser 81–96 n. Chr.)
Domicilla
Domitilla (historische Person, römische Adlige)
ebionitischen ketzer
ebionitische Ketzer (Ebioniten, eine frühchristliche Sekte, die die Göttlichkeit Christi ablehnte)
eebruoch
historisches dt. für 'Ehebruch'
einicherlay abbruch
historisches dt. für 'irgendein Schaden', 'Nachteil'
enthawbten
historisches dt. für 'enthaupten'
Entschlafung Marias
Entschlafung Marias (Dormitio Mariae, das Sterben und die Aufnahme Marias in den Himmel)
Epheso
Ephesus (antike Stadt in Kleinasien)
ertrich graben
historisches dt. für 'die Erde umgraben'
Eustachius Placidus zugenambt
Eustachius, genannt Placidus (Heiliger Eustachius, römischer Feldherr)
Eutices vnd Marcus
Eutices und Marcus (historische Personen, Märtyrer)
eyßen rost
historisches dt. für 'eiserner Grill', 'Marterinstrument'
Festennio
Festennius (historische Person, Richter)
fuenften tag des monats septembris
fünften Tag des Monats September (5. September)
Galliam
Gallien (antike Region, entspricht etwa dem heutigen Frankreich)
gemayn cristenlich wesen
historisches dt. für 'die allgemeine christliche Gemeinschaft/Glauben'
gepeinigt
historisches dt. für 'gefoltert'
gottes gepererin
historisches dt. für 'Theotokos', 'Mutter Gottes'
gruoben
historisches dt. für 'Grube'
halßgeschlagen
historisches dt. für 'enthauptet'
Hebe auff dein hawbt inn himel vnd syhe
Hebe auf dein Haupt gen Himmel und siehe (biblisch anmutende Redewendung)
himelprots
historisches dt. für 'Manna', 'himmlisches Brot'
Ignacius
Ignatius (Ignatius von Antiochia, frühchristlicher Bischof und Märtyrer)
Imm anfang was das wort etc.
Im Anfang war das Wort etc. (lat. In principio erat Verbum, Zitat aus Johannes 1,1)
inpruenstigclich
historisches dt. für 'inbrünstig', 'leidenschaftlich'
inseln pathmon
Insel Patmos (Insel in der Ägäis, Verbannungsort des Johannes)
Iohannes der appostel vnd ewangelist
Johannes, der Apostel und Evangelist (Johannes der Evangelist)
Jacobi des merern bruder
Bruder des älteren Jakobus (Jakobus der Ältere, Apostel)
keisers Traiani rittermaister
Kaisers Trajan Rittermeister (historischer Titel, etwa 'Heermeister' oder 'General')
Kustico dem Diacon
Rusticus, der Diakon (historische Person)
left
historisches dt. zur Einführung einer neuen Person oder eines neuen Ereignisses, hier übersetzt mit 'Es folgt'
Leuetherio
Leutherius (historische Person, Priester)
leyden cristi
Leiden Christi (Passion Christi)
leydden des herren Jhesu
Leiden des Herrn Jesus (Passion Jesu)
lxviij. iar
römisch für 68. Jahr
matheo marco vnd luca
Matthäus, Markus und Lukas (die Evangelisten)
menig wegen
historisches dt. für 'wegen der großen Zahl'
mißstattlichs
historisches dt. für 'anstößig', 'unangemessen'
naturlicher maister
historisches dt. für 'Naturphilosoph', 'Naturwissenschaftler'
Nerone
Nero (römischer Kaiser 54–68 n. Chr.)
Nerna
Nerva (römischer Kaiser 96–98 n. Chr.)
Nereus
Nereus (historische Person)
newnden tag octobris
neunten Tag des Oktobers (9. Oktober)
Nicopoli
Nikopolis (antike Stadt in Griechenland)
nit ersuchen
historisches dt. für 'nicht suchen', 'nicht nachforschen'
pawgueter
historisches dt. für 'Pachtland', 'Landgüter'
Pauli des apostels
Paulus, der Apostel (Apostel Paulus)
Paryß
Paris (Stadt in Frankreich)
peinigung des teuefels
historisches dt. für 'Peinigung des Teufels'
Petrus vnd Paulus
Petrus und Paulus (Apostel Petrus und Paulus)
Plinius secundus
Plinius Secundus (Plinius der Jüngere, römischer Schriftsteller und Beamter)
prouintz regiret
historisches dt. für 'die Provinz verwaltete'
Recht der Gallier
Recht der Gallier (im Auftrag/nach dem Recht der Gallier; unklare Formulierung, die eine Art Vollmacht oder Auftrag andeutet)
right
historisches dt. zur Einführung einer neuen Person oder eines neuen Ereignisses, hier übersetzt mit 'Es folgt'
sant Johansen des ewangelisten
Heiliger Johannes der Evangelist (Johannes der Evangelist)
sant Peter
Heiliger Petrus (Apostel Petrus)
schwiflige wasser
historisches dt. für 'schwefelhaltige Gewässer'
sendbrief oder epistel
historisches dt. für 'Brief', 'Sendschreiben'
so ich nuor Christum neueße
historisches dt. für 'wenn ich nur Christus habe/erfahre'
Thimotheus
Timotheus (biblische Person, Jünger des Paulus)
Theospita
Theospita (historische Person, Ehefrau des Eustachius Placidus, auch Theopista genannt)
Traiani des keisers
Trajan, der Kaiser (römischer Kaiser 98–117 n. Chr.)
Trayanus
Trajan (römischer Kaiser 98–117 n. Chr.)
vberantwurt vnd fuerbracht wuerden
historisches dt. für 'ausgeliefert und vor Gericht gestellt würden'
vndersichwartz gehenckt
historisches dt. für 'kopfüber aufgehängt'
verletzlichs
historisches dt. für 'verletzend', 'gegen Gesetze verstoßend'
verspuertzt
historisches dt. für 'verspottet'
Victorinus
Victorinus (historische Person, Bischof von Amiternum)
vieregkete gruoben
historisches dt. für 'viereckige Grube'
von der bekerung man
Von der Bekehrung dieses Mannes (Satzfragment, deutet auf einen Seitenumbruch hin)
wunderzaichen tetten
historisches dt. für 'Wunder wirkten'
xc. iar alt
römisch für 90 Jahre alt
xi. iar Traiani
11. Jahr Trajans (11. Jahr der Herrschaft Trajans)
yetzo newntzig iarig
historisches dt. für 'jetzt neunzig Jahre alt'
zehenden iar seins keyserthumbs
zehnten Jahr seines Kaisertums (zehntes Jahr seiner Herrschaft als Kaiser)
zerdenung des gantzen leibs
historisches dt. für 'Zerreißung des ganzen Körpers'
zerprechung der gepayn
historisches dt. für 'Knochenbruch'
zutragung ettlicher boßhaftigen
historisches dt. für 'Anzeige/Denunziation durch einige böswillige Personen'