Schedelsche Weltchronik · Blatt 111

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 111, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 111, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter Metz ist ein fast alte hohberuembte statt in nidern Gallia. sunst auch zu latein genant Mediomatricum. als ein mitle muter dreyer darumb gelegner stett. nemlich Trier von mitternacht. Toll von mi.temtag. Verdun vomm nidergang. So ist Metz gein dem auffgang gar zierlich gelegen. Metz hat irnn namen von dem Roemer Metio erlangt. der sie doch nit gepawen. sunder ir als ein merer vnnd stercker den namen gegeben hat. dann als der kayser Julius die Gallier zamet vnd dise loebliche statt bestritten wardt do hat der hohberuembt vnd edel roemer metius dieselben statt geauffet vnd mit groesserm vmbkrais an zinnen vmbfangen. dann als er daselbsthin kome do fueret er erstlich allen adel durch die nahenden befestigung vnd nahend gelegnen stett in dise statt mit hoher freuedt vnd gabe ir den namen metz nach anzaigung einer schrifft in einen stayn vnder der erden gefunden. Ettlich sagen dise stat hab Dundunum. das ist der goetter berg gehaißen der dann vomm mitternacht vnd nidergang fuerscheinet. Dise statt ligt an den gestadten der zwayer wasser der Musel vnd Selln. ist volckreich vnd ein mechtige bischofliche statt. vnd hat von bischoff Clementen babst clementen vetter von predigens wegen daselbsthin gesendet dz heilig ewangelium cristi angenommen. Derselb Clemens war ein edler eins roemischen ratherren sun vnd ein bruder Faustiniam des vaters Clementis des babsts vnd wardt von sand Peter getauft. vnd z der zeit als Galia in mancherlay irrungen lebet zu bischoff geweyhet vnd an diss ende zu affung cristenlichs glawbens erwelet mitsampt Celeste dem briester vnd Felice dem diacon. dieselben haben daranch an eim ende dreytausent schrit von der statt gelegen ein bethaws in sant Peters ere gepawen. Gozzia genant. diehat der fuerst von Metz auff dem geiayd gefunden vnd in die statt gefuert. Dise edle statt ist an der stercke irer kreft fast machtig. der krieg vnd waffen alweg geenet. an reichthuemern fastehalbehafftig. an veldern. agkern. weingarten. welden vnnd wasser ser fruchtper. Doch ist dise statt mit vergiffter beruerung auff ein zeit schier gar wueest gewesen. dann es lage ein großer drack verborgen an dem sandigen ende. da das coestlich gepew in gestalt eins marcks von Octaniano auffgerichtet was derselb drack vergifftet mit seinem attem dieselben ende also das allermenigclichen der eingang durch das thor gein mittemtag vnd dem auffgang verpotten wardt. Aber der heilig Clemens der dann mit seiner tugend vnnd lere das volck zu goetlicher ere anlaytet hat duch sein stoln diss thier vnd alles gifft hingenommen dz hinfuero diss ende von allen vnraynen thiern sichrer gefunden wirdt. Darnach hat er sant Peters kirchen vnder der mawrn ein herrin des gantzen bischoffthumbs gesetzet. die nachfolgend durch andacht des volcks wol gezieret. sant Stephan zugeaignet vnd ein bischofliche kirch geordnet worden ist. Er hat außerhalb der statt sant Johanßen des tawffers bethaws vnd in seinem alter ein kirchen nit weit von der statt gelegen seiner bescheuelichkeit daselbst destfreyer außzewarten volbracht vnd darinn ein gewelblein vnd gefunden prunnen gemacht. vnd vor der thuer ein altar in sant Peters seins gepieters ere auffgerichtet. Vnd als er nw dise statt von großen vnsawberkeit gerainigt dem herren erobert het vnd der kirchen zu Metz mit gueter regirung. xxv. iar vnd vier monat vorgewesen wz do hat er amm. xxiij tag des monats nouembris seinen gaist dem herren auffgeopffert vnd mit seiner heiligkeit die statt Metz beruembt gemacht. Metz center Blat CXI der werlt left Swetonius tranquillus ein geschiht beschreiber vnd sachsprecher. auch ein maister der sendbrieff. ein geporner roemer des patricianischen vnd ratherrlichen geschlechts ist zu diser zeit bey den roemern ein großer achtung. vnnd darnach vnder dem kaiser Adriano lieb. angenam vnd großer glawbwirdigkeit gewest. darumb das er Plinio neuocomensti mit vil guotwilligkeit verwandt was. Er hat auß art seiner außsprechlichkeit ein scheinperlich werck vonden hieuorgeschriben zwolf kaisern gemacht vnd darinn vil histori. geschihten vnd vbung der alten herwider gemeldet. vnd auch ein buoch in außpuendiger art vnd form von den durchleuechtigen mannen. vnd mer andre ding beschriben. aber Adrianus der kaiser hat ine zu letst vomm ratherrlichen gewalt entsetzt. darumb das er mit Sabina der kaiserin desselben Adriani weib zeuil gehaimschaft suchet. dann es was ein gemuermel dz er sich ir mißbrauchet. vnnd er leebet bis an die zeit des kaisers Antonini veri. right Plinius der ander ein Nou ocomensicher naturlicher maister vnd zierredner. auch einhohberuembter geschihtbeschreiber ist diser zeit in wirden gehalten worden. vnd wiewol er die pflegnus stettiger vnd offenlicher hendel vnd sachen taglich vbet. yedoch keret er in lernung freyer kunst also fleiß an das ymant mer dann er in mueßigkeit nit het beschreiben muegen. Er was ein man eins geschickten sinnreichen gemueets. vnglawplicher lernung. hohs fleißes. gar wenig schlafs. wenn er zu sumerzeit in muessigkeit was so lage er an der sunnen die buecher leßende. merckende vnd außzaichnende. dann er laße ye nichtz das er nit außzaichnet. Er sprach kein buoch wer also boese dz nit ettlichermaß nutzet. er maynet alle zeti verlorn sein die mit lernung nit verzert wuerdt. in diser maynung hat er vil buecher volbracht Nemlich eins von ritterischen geschosss. zway von dem leben Pomponij des andern. zweintzige von den kriegen teuetscher land. darinn er alle krieg die die roemer mit den teuetschen gefuert haben zusamen gesamelt do er in teuetschen landen ritterschaft gepflegen hat. Item acht buecher von zweifellicher rede vnd mer ander ec. Dieweil er in verwesung der Missenensischen heerschiffung was vnd die vrsach des angezuendten prinnenden bergs Vesunij erforschen wolt vnd auß widerwertigen winden nit widerkeren mocht do wardt er mit vberlast des stawbs vnd der suncken vertrucket vnd starb. lvil iar alt. left Plutarcus ein naturlicher maister vnd außsprechender geschihtbeschreiber ein gepieter vnd anrichter des kaisers Trayani ist zu diser zeit an sinnrechmuetigkeit vnd glawbwirdigkeit in fast großer achtung gewest. von dem Policrates in seinen historien also setzt Plutarchus der naturlich maister ist ein mensch in den beschreibungen warhaftig. in dem wortten lawtter verstentlich. vnd in dem heiligthumb schrein der sitten ein so großer wilkuerer gewest das er leichtlich ein gepieter des kaisers hat muegen erkannt werden. Diser Plutarchus tet sundern fleiß dem kaiser seinem iunger wier ding einzepilden. nemlich gottes erwirdigkeit. vnnd er hat als ein hohgelerter man gar vil buecher von mancherlay materien vnnd sachen in kriechischem vnd lateinischem gezueng gar treffenlich beschriben vnnd mit seiner tapfferheit bey Trayano angename begabung erlangt. | Dise alle sind vnder Domiciano gemartert. Sant Enodius Sant Sileas Sant Julianus bischoff Sant paulus bischof Sant Saturninus bischof Sant Aristarcus Sant Maron Sant Marcialis bischoff Sant Eurtropius bischof Sant Gregorius bischof ec. So haben dise vnder Trayano geschynen. Sant Hereneus bischof zu Lyon Sant Jouinus briester vnd martrer Sant Larannus martrer Sant Lucianus beluacensis Sant Eutropius vnnd Eufrosina Sant Eugeus. Sant Sulpicius Sant Santinus bischof Sant Thaurinus bischof Sant Theodora. Sant Saruilianus Sant Sagericus bischof | center | Egesippus der heilig vnd hohgelert man hat (als Eusebins setzt) zu diser zeit geschinen vnd vnder anderm von dem leyden vnsers herren Jhesu christi bis auff diss alter alle historien dr kirchlichen geschihten beschriben vnd also der ihenen schrifftliche gedechtnus außgetruckt der leben er nachgefolget hat. Dyon der naturlich maister auß Prusie der statt pirtig hat diser zeit gereichßnet vnd vil vomm reich beschriben. Basilidas der ketzer. gar ein scharff spitzig man hat zu diser zeit sein leben geendet. vnnd. xxiij. buecher in den ewangelien gemacht. vnd hinder ime verlassen. Aber einer genannt Agrippa derselben zeit der allergelertist vnder den christen hat mit seiner lere desselben ketzers buecher wunderperlich widerworffen. veruntuechtigt vnd vernichtigt. vnd andern zu einem schrecken belachet.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Metz ist eine sehr alte, hochberühmte Stadt in Nieder-Gallien, sonst auch lateinisch Mediomatricum genannt, als eine mütterliche Mitte dreier umliegender Städte, nämlich Trier von Norden, Toul von Süden, Verdun vom Westen. So ist Metz gegen Osten sehr zierlich gelegen. Metz hat ihren Namen von dem Römer Metio erhalten, der sie jedoch nicht erbaut, sondern ihr als ein Vergrößerer und Stärkerer den Namen gegeben hat. Denn als Kaiser Julius die Gallier zähmte und diese löbliche Stadt umkämpft wurde, da hat der hochberühmte und edle Römer Metius dieselbe Stadt erhöht und mit größerem Umkreis an Zinnen umfangen. Denn als er dorthin kam, führte er erstlich allen Adel durch die nahen Befestigungen und nahe gelegenen Städte in diese Stadt mit hoher Freude und gab ihr den Namen Metz nach der Anzeige einer Schrift, die in einem Stein unter der Erde gefunden wurde. Etliche sagen, diese Stadt habe Dundunum, das ist der Götterberg, geheißen, der dann vom Norden und Westen vorscheint. Diese Stadt liegt an den Gestaden der zwei Gewässer, der Mosel und Seille, ist volkreich und eine mächtige Bischofsstadt und hat von Bischof Clemens, dem Vetter von Papst Clemens, der wegen des Predigens dorthin gesendet wurde, das heilige Evangelium Christi angenommen. Derselbe Clemens war ein Edler, der Sohn eines römischen Ratsherren und ein Bruder Faustinians, des Vaters von Papst Clemens, und wurde von Sankt Peter getauft. Und zu der Zeit, als Gallien in mancherlei Irrungen lebte, wurde er zum Bischof geweiht und an dieses Ende zur Verbreitung des christlichen Glaubens erwählt, mitsamt Celeste dem Priester und Felice dem Diakon. Dieselben haben danach an einem Ende, dreitausend Schritte von der Stadt gelegen, ein Bethaus zu Ehren Sankt Peters gebaut, Gozzia genannt. Die hat der Fürst von Metz auf der Jagd gefunden und in die Stadt geführt. Diese edle Stadt ist an der Stärke ihrer Kräfte sehr mächtig, dem Krieg und den Waffen stets geneigt, an Reichtümern sehr beständig, an Feldern, Äckern, Weingärten, Wäldern und Gewässern sehr fruchtbar. Doch ist diese Stadt durch vergiftete Berührung auf eine Zeit fast ganz wüst gewesen, denn es lag ein großer Drache verborgen an dem sandigen Ende, wo das köstliche Gebäude in Gestalt eines Marktes von Octaniano aufgerichtet war. Derselbe Drache vergiftete mit seinem Atem dieselben Enden, sodass jedermann der Eingang durch das Tor gegen Süden und dem Osten verboten wurde. Aber der heilige Clemens, der dann mit seiner Tugend und Lehre das Volk zu göttlicher Ehre anleitete, hat durch sein Gebet dieses Tier und alles Gift hinweggenommen, sodass fortan dieses Ende von allen unreinen Tieren sicherer gefunden wird. Danach hat er Sankt Peters Kirche unter der Mauer als eine Herrin des ganzen Bistums eingesetzt, die nachfolgend durch Andacht des Volkes wohl geschmückt, Sankt Stephan geweiht und eine bischöfliche Kirche geordnet worden ist. Er hat außerhalb der Stadt Sankt Johannes des Täufers Bethaus und in seinem Alter eine Kirche nicht weit von der Stadt gelegen, um dort seine Andacht desto freier zu verrichten, vollbracht und darin ein kleines Gewölbe und gefundenen Brunnen gemacht und vor der Tür einen Altar zu Ehren Sankt Peters, seines Gebieters, aufgerichtet. Und als er nun diese Stadt von großer Unsauberkeit gereinigt, dem Herrn erobert hatte und der Kirche zu Metz mit guter Regierung fünfundzwanzig Jahre und vier Monate vorgestanden war, da hat er am dreiundzwanzigsten Tag des Monats November seinen Geist dem Herrn aufgeopfert und mit seiner Heiligkeit die Stadt Metz berühmt gemacht. (Metz, Mitte Blatt 111 der Weltchronik, linke Spalte). Suetonius Tranquillus, ein Geschichtsschreiber und Sachwalter, auch ein Meister der Briefe, ein geborener Römer des patrizischen und ratsherrlichen Geschlechts, ist zu dieser Zeit bei den Römern in großer Achtung und danach unter Kaiser Hadrianus lieb, angenehm und von großer Glaubwürdigkeit gewesen, darum, weil er Plinius Neocomensis mit viel Gutwilligkeit verbunden war. Er hat aus Art seiner Ausdrucksfähigkeit ein glänzendes Werk von den hier vorgeschriebenen zwölf Kaisern gemacht und darin viele Historien, Geschichten und Bräuche der Alten wieder gemeldet und auch ein Buch in ausgezeichneter Art und Form von den durchlauchtigen Männern und mehr andere Dinge beschrieben. Aber Hadrianus der Kaiser hat ihn zuletzt vom ratsherrlichen Amt enthoben, darum, weil er mit Sabina, der Kaiserin, desselben Hadrians Weib, zu viel Geheimnis suchte, denn es war ein Gemurmel, dass er sich ihrer missbrauchte. Und er lebte bis an die Zeit des Kaisers Antoninus Verus. (rechte Spalte) Plinius der Jüngere, ein Novocomenser Naturforscher und Zierredner, auch ein hochberühmter Geschichtsschreiber, ist dieser Zeit in Würden gehalten worden. Und wiewohl er die Pflege ständiger und öffentlicher Angelegenheiten und Sachen täglich übte, jedoch wandte er in der Erlernung freier Künste solchen Fleiß an, dass niemand mehr als er in Muße hätte beschreiben mögen. Er war ein Mann eines geschickten, scharfsinnigen Gemüts, unglaublicher Gelehrsamkeit, hohen Fleißes, sehr wenig Schlafs. Wenn er zur Sommerzeit in Muße war, so lag er an der Sonne, die Bücher lesend, merkend und Notizen machend, denn er las nie nichts, das er nicht auszeichnete. Er sprach, kein Buch sei so schlecht, dass es nicht einigermaßen nütze. Er meinte, alle Zeiten seien verloren, die nicht mit Lernen verbracht würden. In dieser Meinung hat er viele Bücher vollbracht, nämlich eines von ritterlichem Geschoss, zwei von dem Leben Pomponius des Zweiten, zwanzig von den Kriegen deutscher Lande, darin er alle Kriege, die die Römer mit den Deutschen geführt haben, zusammen gesammelt hat, als er in deutschen Landen Kriegsdienst geleistet hat. Item acht Bücher von zweifelhafter Rede und mehr andere etc. Dieweil er in der Verwaltung der misenischen Heeresflotte war und die Ursache des angezündeten, brennenden Berges Vesuv erforschen wollte und aus widrigen Winden nicht zurückkehren konnte, da wurde er mit Überlast des Staubes und der Asche erdrückt und starb, siebenundfünfzig Jahre alt. (linke Spalte) Plutarch, ein Naturforscher und beredter Geschichtsschreiber, ein Lehrer und Ratgeber des Kaisers Trajan, ist zu dieser Zeit an Scharfsinnigkeit und Glaubwürdigkeit in sehr großer Achtung gewesen, von dem Polykrates in seinen Historien also setzt: „Plutarch, der Naturforscher, ist ein Mensch in den Beschreibungen wahrhaftig, in den Worten lauter verständlich und in dem Heiligtumsschrein der Sitten ein so großer Willkürer gewesen, dass er leichtlich ein Gebieter des Kaisers hätte erkannt werden können.“ Dieser Plutarch übte besonderen Fleiß, dem Kaiser, seinem Jünger, vier Dinge einzuprägen, nämlich Gottes Ehrwürdigkeit. Und er hat als ein hochgelehrter Mann sehr viele Bücher von mancherlei Materien und Sachen in griechischer und lateinischer Zunge sehr trefflich beschrieben und mit seiner geistigen Stärke bei Trajan angenehme Gunst erlangt. Diese alle sind unter Domitian gemartert: Sankt Enodius, Sankt Sileas, Sankt Julianus Bischof, Sankt Paulus Bischof, Sankt Saturninus Bischof, Sankt Aristarchus, Sankt Maron, Sankt Marcialis Bischof, Sankt Eutropius Bischof, Sankt Gregorius Bischof etc.

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (der Weltgeschichte, nach der Schedelschen Weltchronik)
hohberuembte
frühneuhochdeutsch für 'hochberühmt'
nidern Gallia
Nieder-Gallien, eine römische Provinz
Mediomatricum
Lateinischer Name für Metz
mitle muter
frühneuhochdeutsch für 'mütterliche Mitte'
Trier
Stadt in Deutschland
Toll
Toul, Stadt in Frankreich
Verdun
Stadt in Frankreich
mitternacht
frühneuhochdeutsch für 'Norden'
mittemtag
frühneuhochdeutsch für 'Süden'
nidergang
frühneuhochdeutsch für 'Westen'
auffgang
frühneuhochdeutsch für 'Osten'
Metio
Legendärer Römer, dem die Namensgebung von Metz zugeschrieben wird
gepawen
frühneuhochdeutsch für 'gebaut'
merer vnnd stercker
frühneuhochdeutsch für 'Vergrößerer und Stärkerer'
kayser Julius
Gaius Julius Caesar, römischer Feldherr und Staatsmann
Gallier
Bewohner Galliens
bestritten wardt
frühneuhochdeutsch für 'umkämpft wurde'
geauffet
frühneuhochdeutsch für 'erhöht, ausgebaut'
vmbkrais an zinnen
frühneuhochdeutsch für 'Umkreis mit Zinnen', Befestigungsmauern
anzaigung
frühneuhochdeutsch für 'Anzeige, Hinweis'
stayn
frühneuhochdeutsch für 'Stein'
Dundunum
Alter Name für eine befestigte Siedlung, hier auf Metz bezogen
goetter berg
frühneuhochdeutsch für 'Götterberg'
fuerscheinet
frühneuhochdeutsch für 'vorscheint, sichtbar ist'
Musel
Mosel, Fluss
Selln
Seille, Fluss
bischofliche statt
frühneuhochdeutsch für 'Bischofsstadt'
bischoff Clementen
Clemens von Metz, erster Bischof von Metz (3. Jh. n. Chr.)
babst clementen vetter
Vetter von Papst Clemens I. (1. Jh. n. Chr.). Eine historische Ungenauigkeit in der Chronik
predigens wegen
frühneuhochdeutsch für 'wegen des Predigens'
ewangelium cristi
frühneuhochdeutsch für 'Evangelium Christi'
roemischen ratherren sun
frühneuhochdeutsch für 'Sohn eines römischen Ratsherren'
Faustiniam
Faustinianus, Vater von Papst Clemens I. (nach der Legende)
sand Peter
Sankt Peter, Apostel Petrus
Galia
Gallien, römische Provinz
irrungen
frühneuhochdeutsch für 'Irrungen, Verwirrungen' (hier: heidnische Bräuche, religiöse Konflikte)
affung cristenlichs glawbens
frühneuhochdeutsch für 'Verbreitung des christlichen Glaubens'
Celeste dem briester
Celeste, Priester
Felice dem diacon
Felix, Diakon
dreytausent schrit
3000 Schritte (historische Maßeinheit, ca. 2,25 km)
bethaws
frühneuhochdeutsch für 'Bethaus, Kapelle, Kirche'
Gozzia
Alter Name für eine Kirche oder einen Ort bei Metz, möglicherweise die Abtei Saint-Pierre de la Goze
fuerst von Metz
Fürst von Metz (lokaler Herrscher oder Bischof)
geiayd
frühneuhochdeutsch für 'Jagd'
stercke irer kreft
frühneuhochdeutsch für 'Stärke ihrer Kräfte'
geenet
frühneuhochdeutsch für 'geneigt, zugeneigt'
fastehalbehafftig
frühneuhochdeutsch für 'sehr beständig, wohlhabend'
agkern
frühneuhochdeutsch für 'Äckern'
welden
frühneuhochdeutsch für 'Wäldern'
fruchtper
frühneuhochdeutsch für 'fruchtbar'
vergiffter beruerung
frühneuhochdeutsch für 'vergiftete Berührung, Verpestung'
wueest
frühneuhochdeutsch für 'wüst, verwüstet'
drack
frühneuhochdeutsch für 'Drache' (legendäres Ungeheuer)
coestlich gepew
frühneuhochdeutsch für 'köstliches Gebäude'
marcks
frühneuhochdeutsch für 'Markt'
Octaniano
Octavianus (hier wohl ein lokaler Herrscher oder Stifter, nicht der römische Kaiser Augustus)
attem
frühneuhochdeutsch für 'Atem'
allermenigclichen
frühneuhochdeutsch für 'jedermann'
verpotten wardt
frühneuhochdeutsch für 'verboten wurde'
goetlicher ere anlaytet
frühneuhochdeutsch für 'zu göttlicher Ehre anleitete'
stoln
frühneuhochdeutsch für 'Gebet, Flehen'
vnraynen thiern
frühneuhochdeutsch für 'unreinen Tieren'
sichrer
frühneuhochdeutsch für 'sicherer'
mawrn
frühneuhochdeutsch für 'Mauern'
herrin des gantzen bischoffthumbs
frühneuhochdeutsch für 'Herrin des ganzen Bistums' (Hauptkirche)
wol gezieret
frühneuhochdeutsch für 'gut geschmückt'
sant Stephan zugeaignet
frühneuhochdeutsch für 'Sankt Stephan geweiht'
sant Johanßen des tawffers bethaws
frühneuhochdeutsch für 'Bethaus des Heiligen Johannes des Täufers'
bescheuelichkeit
frühneuhochdeutsch für 'Andacht, Frömmigkeit'
außzewarten
frühneuhochdeutsch für 'zu verrichten, zu pflegen'
gewelblein
frühneuhochdeutsch für 'kleines Gewölbe'
prunnen
frühneuhochdeutsch für 'Brunnen'
gepieters
frühneuhochdeutsch für 'Gebieters, Herrn'
vnsawberkeit
frühneuhochdeutsch für 'Unsauberkeit' (metaphorisch für Heidentum, Sünde)
gerainigt
frühneuhochdeutsch für 'gereinigt'
erobert het
frühneuhochdeutsch für 'erobert hatte' (im geistlichen Sinne)
xxv.
römisch für '25'
vorgewesen wz
frühneuhochdeutsch für 'vorgestanden war, geleitet hatte'
xxiij
römisch für '23'
nouembris
lateinisch für 'November'
gaist dem herren auffgeopffert
frühneuhochdeutsch für 'seinen Geist dem Herrn aufgeopfert' (gestorben)
center Blat CXI der werlt left
Hinweis auf die Position im Originalbuch: 'Mitte Blatt 111 der Weltchronik, linke Spalte'
Swetonius tranquillus
Gaius Suetonius Tranquillus, römischer Geschichtsschreiber (ca. 70–140 n. Chr.)
geschiht beschreiber
frühneuhochdeutsch für 'Geschichtsschreiber'
sachsprecher
frühneuhochdeutsch für 'Sachwalter, Anwalt'
maister der sendbrieff
frühneuhochdeutsch für 'Meister der Briefe, Sekretär'
geporner roemer
frühneuhochdeutsch für 'geborener Römer'
patricianischen vnd ratherrlichen geschlechts
frühneuhochdeutsch für 'patrizischen und ratsherrlichen Geschlechts'
kaiser Adriano
Kaiser Hadrian, römischer Kaiser (reg. 117–138 n. Chr.)
glawbwirdigkeit
frühneuhochdeutsch für 'Glaubwürdigkeit'
Plinio neuocomensti
Plinius der Jüngere (Gaius Plinius Caecilius Secundus), aus Novum Comum (heute Como)
guotwilligkeit verwandt was
frühneuhochdeutsch für 'mit viel Gutwilligkeit verbunden war'
auß art seiner außsprechlichkeit
frühneuhochdeutsch für 'aufgrund seiner Ausdrucksfähigkeit'
scheinperlich werck
frühneuhochdeutsch für 'glänzendes Werk' (gemeint sind Suetons 'De vita Caesarum')
hieuorgeschriben zwolf kaisern
frühneuhochdeutsch für 'die zuvor beschriebenen zwölf Kaiser' (von Caesar bis Domitian)
vbung der alten
frühneuhochdeutsch für 'Bräuche der Alten'
außpuendiger art vnd form
frühneuhochdeutsch für 'in ausgezeichneter Art und Form'
durchleuechtigen mannen
frühneuhochdeutsch für 'durchlauchtigen Männern' (gemeint ist Suetons 'De viris illustribus')
ratherrlichen gewalt entsetzt
frühneuhochdeutsch für 'vom ratsherrlichen Amt enthoben'
Sabina der kaiserin
Vibia Sabina, Ehefrau Kaiser Hadrians
zeuil gehaimschaft suchet
frühneuhochdeutsch für 'zu viel Vertraulichkeit suchte'
gemuermel
frühneuhochdeutsch für 'Gemurmel, Gerücht'
mißbrauchet
frühneuhochdeutsch für 'missbrauchte'
kaiser Antonini veri
Kaiser Antoninus Verus (wahrscheinlich Antoninus Pius, reg. 138–161 n. Chr., da Lucius Verus erst später Kaiser wurde)
right
Hinweis auf die Position im Originalbuch: 'rechte Spalte'
Plinius der ander
Plinius der Jüngere (Gaius Plinius Caecilius Secundus, ca. 61–113 n. Chr.)
Nou ocomensicher
frühneuhochdeutsch für 'aus Novum Comum' (heute Como)
naturlicher maister
frühneuhochdeutsch für 'Naturforscher, Gelehrter'
zierredner
frühneuhochdeutsch für 'Zierredner, Rhetoriker'
pflegnus stettiger vnd offenlicher hendel vnd sachen
frühneuhochdeutsch für 'Pflege ständiger und öffentlicher Angelegenheiten und Sachen'
ybet
frühneuhochdeutsch für 'übte'
keret er in lernung freyer kunst also fleiß an
frühneuhochdeutsch für 'er wandte in der Erlernung freier Künste solchen Fleiß an'
mueßigkeit
frühneuhochdeutsch für 'Muße'
sinnreichen gemuets
frühneuhochdeutsch für 'sinnreichen Gemüts, scharfsinnigen Geistes'
vnglawplicher lernung
frühneuhochdeutsch für 'unglaublicher Gelehrsamkeit'
hohs fleißes
frühneuhochdeutsch für 'hohen Fleißes'
sumerzeit
frühneuhochdeutsch für 'Sommerzeit'
außzaichnende
frühneuhochdeutsch für 'auszeichnend, Notizen machend'
ettlichermaß nutzet
frühneuhochdeutsch für 'einigermaßen nütze'
maynet
frühneuhochdeutsch für 'meinte'
zeti verlorn sein die mit lernung nit verzert wuerdt
frühneuhochdeutsch für 'Zeiten seien verloren, die nicht mit Lernen verbracht würden'
ritterischen geschosss
frühneuhochdeutsch für 'ritterlichem Geschoss' (Waffenkunde, Militärwesen)
Pomponij des andern
Pomponius Secundus, römischer Dichter und Freund des älteren Plinius
teuetscher land
frühneuhochdeutsch für 'deutsche Lande, Germanien'
ritterschaft gepflegen hat
frühneuhochdeutsch für 'Kriegsdienst geleistet hat'
zweifellicher rede
frühneuhochdeutsch für 'zweifelhafter Rede' (gemeint ist 'Dubii sermonis')
ec.
lateinisch für 'etcetera', frühneuhochdeutsch für 'und so weiter'
verwesung der Missenensischen heerschiffung
frühneuhochdeutsch für 'Verwaltung der misenischen Heeresflotte' (Plinius der Ältere war Präfekt der Flotte in Misenum)
angezuendten prinnenden bergs Vesunij
frühneuhochdeutsch für 'des angezündeten, brennenden Berges Vesuv'
widerwertigen winden
frühneuhochdeutsch für 'widrigen Winden'
widerkeren mocht
frühneuhochdeutsch für 'zurückkehren konnte'
stawbs vnd der suncken
frühneuhochdeutsch für 'Staubes und der Asche'
vertrucket
frühneuhochdeutsch für 'erdrückt'
lvil
römisch für '57'
left
Hinweis auf die Position im Originalbuch: 'linke Spalte'
Plutarcus
Plutarch, griechischer Schriftsteller (ca. 45–125 n. Chr.)
außsprechender geschihtbeschreiber
frühneuhochdeutsch für 'beredter Geschichtsschreiber'
gepieter vnd anrichter des kaisers Trayani
frühneuhochdeutsch für 'Lehrer und Ratgeber des Kaisers Trajan'
sinnrechmuetigkeit
frühneuhochdeutsch für 'Scharfsinnigkeit, Klugheit'
Policrates
Polykrates (hier wohl ein antiker Schriftsteller, der Plutarch lobt; möglicherweise eine Verwechslung oder Quelle der Chronik)
lawtter verstentlich
frühneuhochdeutsch für 'lauter verständlich, klar'
heiligthumb schrein der sitten
frühneuhochdeutsch für 'Heiligtumsschrein der Sitten' (metaphorisch für moralische Autorität)
wilkuerer
frühneuhochdeutsch für 'Willkürer' (hier: Meister der Sitten, moralischer Richter)
iunger
frühneuhochdeutsch für 'Jünger, Schüler'
wier ding einzepilden
frühneuhochdeutsch für 'vier Dinge einzuprägen' (die Chronik nennt nur eines)
gottes erwirdigkeit
frühneuhochdeutsch für 'Gottes Ehrwürdigkeit, Gottesfurcht'
kriechischem vnd lateinischem gezueng
frühneuhochdeutsch für 'griechischer und lateinischer Zunge' (Sprache)
treffenlich beschriben
frühneuhochdeutsch für 'trefflich, ausgezeichnet beschrieben'
tapfferheit
frühneuhochdeutsch für 'Tapferkeit' (hier: geistige Stärke, Gelehrsamkeit)
angename begabung erlangt
frühneuhochdeutsch für 'angenehme Gunst, Belohnung erlangt'
Domiciano
Domitian, römischer Kaiser (reg. 81–96 n. Chr.)
gemartert
frühneuhochdeutsch für 'gemartert'
Sant Enodius
Heiliger Enodius (Märtyrer)
Sant Sileas
Heiliger Sileas (Märtyrer)
Sant Julianus bischoff
Heiliger Julianus, Bischof (Märtyrer)
Sant paulus bischof
Heiliger Paulus, Bischof (Märtyrer)
Sant Saturninus bischof
Heiliger Saturninus, Bischof (Märtyrer)
Sant Aristarcus
Heiliger Aristarchus (Märtyrer)
Sant Maron
Heiliger Maron (Märtyrer)
Sant Marcialis bischoff
Heiliger Marcialis, Bischof (Märtyrer)
Sant Eurtropius bischof
Heiliger Eutropius, Bischof (Märtyrer)
Sant Gregorius bischof
Heiliger Gregorius, Bischof (Märtyrer)