Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter Metz ist ein fast alte hohberuembte statt in nidern Gallia. sunst auch zu latein genant Mediomatricum. als ein mitle muter dreyer darumb gelegner stett. nemlich Trier von mitternacht. Toll von mi.temtag. Verdun vomm nidergang. So ist Metz gein dem auffgang gar zierlich gelegen. Metz hat irnn namen von dem Roemer Metio erlangt. der sie doch nit gepawen. sunder ir als ein merer vnnd stercker den namen gegeben hat. dann als der kayser Julius die Gallier zamet vnd dise loebliche statt bestritten wardt do hat der hohberuembt vnd edel roemer metius dieselben statt geauffet vnd mit groesserm vmbkrais an zinnen vmbfangen. dann als er daselbsthin kome do fueret er erstlich allen adel durch die nahenden befestigung vnd nahend gelegnen stett in dise statt mit hoher freuedt vnd gabe ir den namen metz nach anzaigung einer schrifft in einen stayn vnder der erden gefunden. Ettlich sagen dise stat hab Dundunum. das ist der goetter berg gehaißen der dann vomm mitternacht vnd nidergang fuerscheinet. Dise statt ligt an den gestadten der zwayer wasser der Musel vnd Selln. ist volckreich vnd ein mechtige bischofliche statt. vnd hat von bischoff Clementen babst clementen vetter von predigens wegen daselbsthin gesendet dz heilig ewangelium cristi angenommen. Derselb Clemens war ein edler eins roemischen ratherren sun vnd ein bruder Faustiniam des vaters Clementis des babsts vnd wardt von sand Peter getauft. vnd z der zeit als Galia in mancherlay irrungen lebet zu bischoff geweyhet vnd an diss ende zu affung cristenlichs glawbens erwelet mitsampt Celeste dem briester vnd Felice dem diacon. dieselben haben daranch an eim ende dreytausent schrit von der statt gelegen ein bethaws in sant Peters ere gepawen. Gozzia genant. diehat der fuerst von Metz auff dem geiayd gefunden vnd in die statt gefuert. Dise edle statt ist an der stercke irer kreft fast machtig. der krieg vnd waffen alweg geenet. an reichthuemern fastehalbehafftig. an veldern. agkern. weingarten. welden vnnd wasser ser fruchtper. Doch ist dise statt mit vergiffter beruerung auff ein zeit schier gar wueest gewesen. dann es lage ein großer drack verborgen an dem sandigen ende. da das coestlich gepew in gestalt eins marcks von Octaniano auffgerichtet was derselb drack vergifftet mit seinem attem dieselben ende also das allermenigclichen der eingang durch das thor gein mittemtag vnd dem auffgang verpotten wardt. Aber der heilig Clemens der dann mit seiner tugend vnnd lere das volck zu goetlicher ere anlaytet hat duch sein stoln diss thier vnd alles gifft hingenommen dz hinfuero diss ende von allen vnraynen thiern sichrer gefunden wirdt. Darnach hat er sant Peters kirchen vnder der mawrn ein herrin des gantzen bischoffthumbs gesetzet. die nachfolgend durch andacht des volcks wol gezieret. sant Stephan zugeaignet vnd ein bischofliche kirch geordnet worden ist. Er hat außerhalb der statt sant Johanßen des tawffers bethaws vnd in seinem alter ein kirchen nit weit von der statt gelegen seiner bescheuelichkeit daselbst destfreyer außzewarten volbracht vnd darinn ein gewelblein vnd gefunden prunnen gemacht. vnd vor der thuer ein altar in sant Peters seins gepieters ere auffgerichtet. Vnd als er nw dise statt von großen vnsawberkeit gerainigt dem herren erobert het vnd der kirchen zu Metz mit gueter regirung. xxv. iar vnd vier monat vorgewesen wz do hat er amm. xxiij tag des monats nouembris seinen gaist dem herren auffgeopffert vnd mit seiner heiligkeit die statt Metz beruembt gemacht. Metz center Blat CXI der werlt left Swetonius tranquillus ein geschiht beschreiber vnd sachsprecher. auch ein maister der sendbrieff. ein geporner roemer des patricianischen vnd ratherrlichen geschlechts ist zu diser zeit bey den roemern ein großer achtung. vnnd darnach vnder dem kaiser Adriano lieb. angenam vnd großer glawbwirdigkeit gewest. darumb das er Plinio neuocomensti mit vil guotwilligkeit verwandt was. Er hat auß art seiner außsprechlichkeit ein scheinperlich werck vonden hieuorgeschriben zwolf kaisern gemacht vnd darinn vil histori. geschihten vnd vbung der alten herwider gemeldet. vnd auch ein buoch in außpuendiger art vnd form von den durchleuechtigen mannen. vnd mer andre ding beschriben. aber Adrianus der kaiser hat ine zu letst vomm ratherrlichen gewalt entsetzt. darumb das er mit Sabina der kaiserin desselben Adriani weib zeuil gehaimschaft suchet. dann es was ein gemuermel dz er sich ir mißbrauchet. vnnd er leebet bis an die zeit des kaisers Antonini veri. right Plinius der ander ein Nou ocomensicher naturlicher maister vnd zierredner. auch einhohberuembter geschihtbeschreiber ist diser zeit in wirden gehalten worden. vnd wiewol er die pflegnus stettiger vnd offenlicher hendel vnd sachen taglich vbet. yedoch keret er in lernung freyer kunst also fleiß an das ymant mer dann er in mueßigkeit nit het beschreiben muegen. Er was ein man eins geschickten sinnreichen gemueets. vnglawplicher lernung. hohs fleißes. gar wenig schlafs. wenn er zu sumerzeit in muessigkeit was so lage er an der sunnen die buecher leßende. merckende vnd außzaichnende. dann er laße ye nichtz das er nit außzaichnet. Er sprach kein buoch wer also boese dz nit ettlichermaß nutzet. er maynet alle zeti verlorn sein die mit lernung nit verzert wuerdt. in diser maynung hat er vil buecher volbracht Nemlich eins von ritterischen geschosss. zway von dem leben Pomponij des andern. zweintzige von den kriegen teuetscher land. darinn er alle krieg die die roemer mit den teuetschen gefuert haben zusamen gesamelt do er in teuetschen landen ritterschaft gepflegen hat. Item acht buecher von zweifellicher rede vnd mer ander ec. Dieweil er in verwesung der Missenensischen heerschiffung was vnd die vrsach des angezuendten prinnenden bergs Vesunij erforschen wolt vnd auß widerwertigen winden nit widerkeren mocht do wardt er mit vberlast des stawbs vnd der suncken vertrucket vnd starb. lvil iar alt. left Plutarcus ein naturlicher maister vnd außsprechender geschihtbeschreiber ein gepieter vnd anrichter des kaisers Trayani ist zu diser zeit an sinnrechmuetigkeit vnd glawbwirdigkeit in fast großer achtung gewest. von dem Policrates in seinen historien also setzt Plutarchus der naturlich maister ist ein mensch in den beschreibungen warhaftig. in dem wortten lawtter verstentlich. vnd in dem heiligthumb schrein der sitten ein so großer wilkuerer gewest das er leichtlich ein gepieter des kaisers hat muegen erkannt werden. Diser Plutarchus tet sundern fleiß dem kaiser seinem iunger wier ding einzepilden. nemlich gottes erwirdigkeit. vnnd er hat als ein hohgelerter man gar vil buecher von mancherlay materien vnnd sachen in kriechischem vnd lateinischem gezueng gar treffenlich beschriben vnnd mit seiner tapfferheit bey Trayano angename begabung erlangt. | Dise alle sind vnder Domiciano gemartert. Sant Enodius Sant Sileas Sant Julianus bischoff Sant paulus bischof Sant Saturninus bischof Sant Aristarcus Sant Maron Sant Marcialis bischoff Sant Eurtropius bischof Sant Gregorius bischof ec. So haben dise vnder Trayano geschynen. Sant Hereneus bischof zu Lyon Sant Jouinus briester vnd martrer Sant Larannus martrer Sant Lucianus beluacensis Sant Eutropius vnnd Eufrosina Sant Eugeus. Sant Sulpicius Sant Santinus bischof Sant Thaurinus bischof Sant Theodora. Sant Saruilianus Sant Sagericus bischof | center | Egesippus der heilig vnd hohgelert man hat (als Eusebins setzt) zu diser zeit geschinen vnd vnder anderm von dem leyden vnsers herren Jhesu christi bis auff diss alter alle historien dr kirchlichen geschihten beschriben vnd also der ihenen schrifftliche gedechtnus außgetruckt der leben er nachgefolget hat. Dyon der naturlich maister auß Prusie der statt pirtig hat diser zeit gereichßnet vnd vil vomm reich beschriben. Basilidas der ketzer. gar ein scharff spitzig man hat zu diser zeit sein leben geendet. vnnd. xxiij. buecher in den ewangelien gemacht. vnd hinder ime verlassen. Aber einer genannt Agrippa derselben zeit der allergelertist vnder den christen hat mit seiner lere desselben ketzers buecher wunderperlich widerworffen. veruntuechtigt vnd vernichtigt. vnd andern zu einem schrecken belachet.
Das sechste Zeitalter. Metz ist eine sehr alte, hochberühmte Stadt in Nieder-Gallien, sonst auch lateinisch Mediomatricum genannt, als eine mütterliche Mitte dreier umliegender Städte, nämlich Trier von Norden, Toul von Süden, Verdun vom Westen. So ist Metz gegen Osten sehr zierlich gelegen. Metz hat ihren Namen von dem Römer Metio erhalten, der sie jedoch nicht erbaut, sondern ihr als ein Vergrößerer und Stärkerer den Namen gegeben hat. Denn als Kaiser Julius die Gallier zähmte und diese löbliche Stadt umkämpft wurde, da hat der hochberühmte und edle Römer Metius dieselbe Stadt erhöht und mit größerem Umkreis an Zinnen umfangen. Denn als er dorthin kam, führte er erstlich allen Adel durch die nahen Befestigungen und nahe gelegenen Städte in diese Stadt mit hoher Freude und gab ihr den Namen Metz nach der Anzeige einer Schrift, die in einem Stein unter der Erde gefunden wurde. Etliche sagen, diese Stadt habe Dundunum, das ist der Götterberg, geheißen, der dann vom Norden und Westen vorscheint. Diese Stadt liegt an den Gestaden der zwei Gewässer, der Mosel und Seille, ist volkreich und eine mächtige Bischofsstadt und hat von Bischof Clemens, dem Vetter von Papst Clemens, der wegen des Predigens dorthin gesendet wurde, das heilige Evangelium Christi angenommen. Derselbe Clemens war ein Edler, der Sohn eines römischen Ratsherren und ein Bruder Faustinians, des Vaters von Papst Clemens, und wurde von Sankt Peter getauft. Und zu der Zeit, als Gallien in mancherlei Irrungen lebte, wurde er zum Bischof geweiht und an dieses Ende zur Verbreitung des christlichen Glaubens erwählt, mitsamt Celeste dem Priester und Felice dem Diakon. Dieselben haben danach an einem Ende, dreitausend Schritte von der Stadt gelegen, ein Bethaus zu Ehren Sankt Peters gebaut, Gozzia genannt. Die hat der Fürst von Metz auf der Jagd gefunden und in die Stadt geführt. Diese edle Stadt ist an der Stärke ihrer Kräfte sehr mächtig, dem Krieg und den Waffen stets geneigt, an Reichtümern sehr beständig, an Feldern, Äckern, Weingärten, Wäldern und Gewässern sehr fruchtbar. Doch ist diese Stadt durch vergiftete Berührung auf eine Zeit fast ganz wüst gewesen, denn es lag ein großer Drache verborgen an dem sandigen Ende, wo das köstliche Gebäude in Gestalt eines Marktes von Octaniano aufgerichtet war. Derselbe Drache vergiftete mit seinem Atem dieselben Enden, sodass jedermann der Eingang durch das Tor gegen Süden und dem Osten verboten wurde. Aber der heilige Clemens, der dann mit seiner Tugend und Lehre das Volk zu göttlicher Ehre anleitete, hat durch sein Gebet dieses Tier und alles Gift hinweggenommen, sodass fortan dieses Ende von allen unreinen Tieren sicherer gefunden wird. Danach hat er Sankt Peters Kirche unter der Mauer als eine Herrin des ganzen Bistums eingesetzt, die nachfolgend durch Andacht des Volkes wohl geschmückt, Sankt Stephan geweiht und eine bischöfliche Kirche geordnet worden ist. Er hat außerhalb der Stadt Sankt Johannes des Täufers Bethaus und in seinem Alter eine Kirche nicht weit von der Stadt gelegen, um dort seine Andacht desto freier zu verrichten, vollbracht und darin ein kleines Gewölbe und gefundenen Brunnen gemacht und vor der Tür einen Altar zu Ehren Sankt Peters, seines Gebieters, aufgerichtet. Und als er nun diese Stadt von großer Unsauberkeit gereinigt, dem Herrn erobert hatte und der Kirche zu Metz mit guter Regierung fünfundzwanzig Jahre und vier Monate vorgestanden war, da hat er am dreiundzwanzigsten Tag des Monats November seinen Geist dem Herrn aufgeopfert und mit seiner Heiligkeit die Stadt Metz berühmt gemacht. (Metz, Mitte Blatt 111 der Weltchronik, linke Spalte). Suetonius Tranquillus, ein Geschichtsschreiber und Sachwalter, auch ein Meister der Briefe, ein geborener Römer des patrizischen und ratsherrlichen Geschlechts, ist zu dieser Zeit bei den Römern in großer Achtung und danach unter Kaiser Hadrianus lieb, angenehm und von großer Glaubwürdigkeit gewesen, darum, weil er Plinius Neocomensis mit viel Gutwilligkeit verbunden war. Er hat aus Art seiner Ausdrucksfähigkeit ein glänzendes Werk von den hier vorgeschriebenen zwölf Kaisern gemacht und darin viele Historien, Geschichten und Bräuche der Alten wieder gemeldet und auch ein Buch in ausgezeichneter Art und Form von den durchlauchtigen Männern und mehr andere Dinge beschrieben. Aber Hadrianus der Kaiser hat ihn zuletzt vom ratsherrlichen Amt enthoben, darum, weil er mit Sabina, der Kaiserin, desselben Hadrians Weib, zu viel Geheimnis suchte, denn es war ein Gemurmel, dass er sich ihrer missbrauchte. Und er lebte bis an die Zeit des Kaisers Antoninus Verus. (rechte Spalte) Plinius der Jüngere, ein Novocomenser Naturforscher und Zierredner, auch ein hochberühmter Geschichtsschreiber, ist dieser Zeit in Würden gehalten worden. Und wiewohl er die Pflege ständiger und öffentlicher Angelegenheiten und Sachen täglich übte, jedoch wandte er in der Erlernung freier Künste solchen Fleiß an, dass niemand mehr als er in Muße hätte beschreiben mögen. Er war ein Mann eines geschickten, scharfsinnigen Gemüts, unglaublicher Gelehrsamkeit, hohen Fleißes, sehr wenig Schlafs. Wenn er zur Sommerzeit in Muße war, so lag er an der Sonne, die Bücher lesend, merkend und Notizen machend, denn er las nie nichts, das er nicht auszeichnete. Er sprach, kein Buch sei so schlecht, dass es nicht einigermaßen nütze. Er meinte, alle Zeiten seien verloren, die nicht mit Lernen verbracht würden. In dieser Meinung hat er viele Bücher vollbracht, nämlich eines von ritterlichem Geschoss, zwei von dem Leben Pomponius des Zweiten, zwanzig von den Kriegen deutscher Lande, darin er alle Kriege, die die Römer mit den Deutschen geführt haben, zusammen gesammelt hat, als er in deutschen Landen Kriegsdienst geleistet hat. Item acht Bücher von zweifelhafter Rede und mehr andere etc. Dieweil er in der Verwaltung der misenischen Heeresflotte war und die Ursache des angezündeten, brennenden Berges Vesuv erforschen wollte und aus widrigen Winden nicht zurückkehren konnte, da wurde er mit Überlast des Staubes und der Asche erdrückt und starb, siebenundfünfzig Jahre alt. (linke Spalte) Plutarch, ein Naturforscher und beredter Geschichtsschreiber, ein Lehrer und Ratgeber des Kaisers Trajan, ist zu dieser Zeit an Scharfsinnigkeit und Glaubwürdigkeit in sehr großer Achtung gewesen, von dem Polykrates in seinen Historien also setzt: „Plutarch, der Naturforscher, ist ein Mensch in den Beschreibungen wahrhaftig, in den Worten lauter verständlich und in dem Heiligtumsschrein der Sitten ein so großer Willkürer gewesen, dass er leichtlich ein Gebieter des Kaisers hätte erkannt werden können.“ Dieser Plutarch übte besonderen Fleiß, dem Kaiser, seinem Jünger, vier Dinge einzuprägen, nämlich Gottes Ehrwürdigkeit. Und er hat als ein hochgelehrter Mann sehr viele Bücher von mancherlei Materien und Sachen in griechischer und lateinischer Zunge sehr trefflich beschrieben und mit seiner geistigen Stärke bei Trajan angenehme Gunst erlangt. Diese alle sind unter Domitian gemartert: Sankt Enodius, Sankt Sileas, Sankt Julianus Bischof, Sankt Paulus Bischof, Sankt Saturninus Bischof, Sankt Aristarchus, Sankt Maron, Sankt Marcialis Bischof, Sankt Eutropius Bischof, Sankt Gregorius Bischof etc.