Schedelsche Weltchronik · Blatt 113

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 113, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 113, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter left right Die vierd verfolgung der kirchen ist geschehen zu den zeiten Marci antonini vnd Lucij aurelij vnd sind vil mit der marter gekroenet worden. aber nach diser verfolgung kom ein eylender großer iamer und sterben. der do vil land vnd prait verwueestet. und allermaist Welsche land also verheeret das ettliche doerffer vnd felder on inwoner und pawrn bliben. darzu wz auch in den waffen kein ruoe. sunder schwebten durch den auffgang kriechenlannd Welscheland vnd Galliam krieg. alda warn erdpidem mit versenckung der stett. ertrenckung der wasser vnd beschedigung der hewschrecken an den feldern. Sophia die edel fraw kome mit iren dreyen toechtern Glawb Hoffnung vnd Lieb gein Rom vnd bekeret mit dem ebenpild irer geistlichkeit und nuechterkeit vil edler frawen zu Christo. do das an Adrianum den kaiser gelanget hieß er sie zu ime fuerenn. die warn fast schoen und in der heiligen schrift gelert. und nach langem kampff endeten sie ir leben mit marter durch mancherlay peynigung. als die muter darnach irer toechter leichnam. xviij. meyl von der statt begruobe. unnd mit zehern sprach. O mein toechter nembt mich zu euch. do ruoet sie gleich als schlaffende im frid. Seraphia die Antiochisch iunckfraw hat diser zeit zu Rom umb Christus willen gelidden. die wardt in ein finstere statt zu zwayen fuerwitzigen mannen sie zeenteren getan vnd doch von ine vnuerletzt. darnach mit fewr gepeynigt vnd auß befelhe des richters mit kolben geschlagen vnd zu lest mit dem schwert getoedt. vnd durch sabinam die sie bekert het in irem grab bestattet. amm. xxix. tag des monats Julij. Sabina dz durchleuechtigst weib ettwan des hohberuembten Valentini hawßfraw. vnd Herodis metallarij tochter was von seraphia im cristenlichin glawben underwisen vnd stund in vbung der werckt der barmhertzigkeit vnd wardt zu Rom darumb dz sie den goettern nit opffern wolt mit dem schwert gerichtet. vnnd also auch mit der kron der marter begabet. Quadratus ein bischoff zu Athenis vnd ein iunger der appostel gar ein hohgelerter man. hat in diser vngestuemigkeit die kirchen die mit großer forcht zerstrewet wz wider gesamelt vnd zu beschirmung des cristenlichen stands ein buoch vol glawbens vnd vernunft vnd wol wirdig der appostolischen lere gemacht. vnnd zu letst auch die marter gelidden am. xxvi. tag des monats may. QVirinus erstlich ein richter nachfolgend ein bischof wardt diser zeit in dem windischen land in der statt Sciscia am vierdten tag der monats iunij gemartert vnnd ime ein muelstayn an sein hand gepunden vnd ertrencket. Zenon ein Roemischer ratgeb ist zu Rom mit. xm. vnd. ijc. bruedern in diser aufruor vmb christus willen erschlagen worden Achacius primicerius ist mit. xm. menschen auf dem berg Araraht von Adriano dem kaiser in Armenia gemartert worden. dann als sie durch den engel bekeret den syge wider die feind behielten. vnd Adrianus vnd Antoninus erfuoren das sie christen worden weren do wayneten sie vnd hießen die erstlich gaiseln. vnd darnach vil trispitziger nagel. xx. roßlawff weit auff der erden strewen das die hailigen mit ploßen fueßen darauff geen solten. aber der engel gottes gieng vor in hin. vnnd samelt die nagel auff das sie nit verletzet wurden. darnach haben sie zu gleichnus christi die marter gelidden vnnd sind ir seln zu himel genomen. Papias der iheropolitanisch bischoff ein iunger Johannis des appostels wz also ein hohgelerter man dz ime von seiner kunst vnd lere wegen vil andere gelert mann in iren gedichte nachgefolgt haben. als Hereneus. Appollinaris Terculianus Victorinus Lactancius vnnd der vorgenannt Quadratus. Aristides ein Athenischer naturlicher maister vnd vnder den vorigen wesen ein iunger christi hat ein buoch von innhalt vnßer lere zu der zeit. wie Quadratus dem kaiser Adriano zugeschickt. auß denselben buechern ward Adrianus geursachet dz er fuer vnbillich vnd vnrecht achtet dz die christen allenthalben solten erschlagen werden vnd darauf schribe er Minucio fundano dem verweser Asie nimant zetoedten eß wer dann ein anclager vnd die mißtat vorawgen und wissentlich. der werlt Blat CXIII left Secundus ein atheniensischer naturlicher maister ist diser zeit in achtung gewest. der alweg das schweigen haltende ein Pitagorisch leben fueret. Die vrsach seins sweygems was die. Als er auff ein zeit sein aigne muter vnzimlichs beyschlaffens angemuotet vnd sie ime vnwissende das er ir sun was verwilligt het. vnnd do sie nw erkennet das es ir sun was gewesen do starb sie vor scham. als Secundus das mercket do setzet e imselbs die straff zu peen das er hinfuero nimant mer zu reden wolt. do solchs an den kaiser Adrianum zu Athenis deßmals wesende gelanget. berueffet er ine. aber do er ine weder mit gruoß. vermanung noch bedroung vomm fuersatz des schweigens nit entziehen mocht do verwundert er sich seiner schweygung vnd bestendigkeit. vnd begeret an ine das er doch seinen fragen mit der hannd antwurten wolt. darauff fraget er ine. was ist got. do schreib er im pald. Got ist ein vntoedlicher syn. ein vnbeschewliche hoehe. ein vilfoermige form. ein manigfeltiger gaist. ein vnerdenckliche erforschung alle ding begreiffende. ein vngeprechlichs liecht vnnd das hoehst guot. Tiburtina die stat welscher land die noch hewt die alt Tibur genant wirdt ist zu disen zeiten durch den kayser Adrianum (als Helius sparcianus bezeuegt) mit wunderperlicher darlegung erpawt vnd auß eim dorff zu einer statt gemacht worden vnd ligt. xvim. schrit von Rom bey dem fluss Anienne an einem nidern vneben ende. Dise statt hat (als Strabo und Virgilius woellen) lang vor Rom von den kriechischen vrsprung vnd aigenschaft gehabt. Ettlich sprechen ir erster stifter sey gewesen Tiburtus der bruder Coracis vnd Catilli. dann dieselben brueder waren Thebanier. die nach zerstoerung der Thebanier vomm vater in welschen landen geporn. darnach die statt auß irem namen paweten. Dess ist ein zeuegnus der berg nahend dabey noch hewt Catillus genant. So hat der ander bruder Corax ein andere beruembte statt under den Volscos aufgerichtet. also ist dise stat Tiburtina etwen edel gewest. als solchs die nahendt noch vor awgen wesende große und machtige nidergefalne gepew diser alten statt anzaigen vnnd die gewesen wirdigkeit diser statt bedewten. An demselben ende grebt man den starcken Tiburtinischen stayn der zu erpawung vnd enthaltung der statt Rom fast hiflich gewest ist. dann kayser Friderich barbarossa hat dise statt. die dauor von andern teuetschen zerruedet was wider erpawen. So haben darnach vil bebst vnd cardinel dieselben statt gemeret vnd mit vil gepewen erleuechtet. Auß diser stat haben babst Simplicius vnnd andere an kunst vnnd wirdigkeit hohberuembt menner iren vrsprung gehabt. Tiburtina die statt

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Die vierte Verfolgung der Kirche geschah zu den Zeiten des Marcus Antoninus und Lucius Aurelius, und viele wurden mit dem Martyrium gekrönt. Aber nach dieser Verfolgung kam ein schneller, großer Jammer und Sterben, das viele Länder weit verwüstete und vor allem die welschen Länder so verheerte, dass etliche Dörfer und Felder ohne Einwohner und Bauern blieben. Dazu gab es auch in den Waffen keine Ruhe, sondern Kriege schwebten durch den Osten, Griechenland, Welschland und Gallien. Dort waren Erdbeben mit Versenkung der Städte, Überschwemmungen der Gewässer und Schäden durch Heuschrecken auf den Feldern. Sophia, die edle Frau, kam mit ihren drei Töchtern Glaube, Hoffnung und Liebe nach Rom und bekehrte mit dem Vorbild ihrer Geistlichkeit und Nüchternheit viele edle Frauen zu Christus. Als das dem Kaiser Hadrianus zu Ohren kam, hieß er sie zu sich führen. Sie waren sehr schön und in der Heiligen Schrift gelehrt. Und nach langem Kampf beendeten sie ihr Leben mit dem Martyrium durch mancherlei Peinigung. Als die Mutter danach die Leichname ihrer Töchter achtzehn Meilen von der Stadt begrub und mit Tränen sprach: „O meine Töchter, nehmt mich zu euch!“, da ruhte sie gleichsam schlafend im Frieden. Seraphia, die antiochenische Jungfrau, hat zu dieser Zeit in Rom um Christi willen gelitten. Sie wurde in eine finstere Stätte zu zwei vorwitzigen Männern gegeben, um sie zu entehren, und blieb doch von ihnen unverletzt. Danach wurde sie mit Feuer gepeinigt und auf Befehl des Richters mit Kolben geschlagen und zuletzt mit dem Schwert getötet. Und durch Sabina, die sie bekehrt hatte, wurde sie in ihrem Grab bestattet, am neunundzwanzigsten Tag des Monats Juli. Sabina, die durchlauchtigste Frau, einst die Hausfrau des hochberühmten Valentinus und Tochter des Herodes Metallarius, war von Seraphia im christlichen Glauben unterwiesen worden und stand in Übung der Werke der Barmherzigkeit. Sie wurde in Rom, weil sie den Göttern nicht opfern wollte, mit dem Schwert gerichtet und so auch mit der Krone des Martyriums begabt. Quadratus, ein Bischof zu Athen und ein Jünger der Apostel, ein sehr hochgelehrter Mann, hat in dieser Ungestümigkeit die Kirche, die mit großer Furcht zerstreut war, wieder gesammelt und zum Schutz des christlichen Standes ein Buch voller Glauben und Vernunft und wohl würdig der apostolischen Lehre verfasst. Und zuletzt auch das Martyrium erlitten, am sechsundzwanzigsten Tag des Monats Mai. Quirinus, erstlich ein Richter, nachfolgend ein Bischof, wurde zu dieser Zeit im windischen Land in der Stadt Siscia am vierten Tag des Monats Juni gemartert, und ihm wurde ein Mühlstein an seine Hand gebunden und er ertränkt. Zenon, ein römischer Ratgeber, ist zu Rom mit zehntausendzweihundert Brüdern in dieser Aufruhr um Christi willen erschlagen worden. Achatius Primicerius ist mit zehntausend Menschen auf dem Berg Ararat von Kaiser Hadrianus in Armenien gemartert worden. Denn als sie durch den Engel bekehrt den Sieg wider die Feinde behielten. Und als Hadrianus und Antoninus erfuhren, dass sie Christen geworden waren, da weinten sie und hießen sie erstlich geißeln. Und danach viele dreispitzige Nägel zwanzig Rossläufe weit auf der Erde streuen, damit die Heiligen mit bloßen Füßen darauf gehen sollten. Aber der Engel Gottes ging vor ihnen hin und sammelte die Nägel auf, damit sie nicht verletzt wurden. Danach haben sie in Gleichnis Christi das Martyrium erlitten und ihre Seelen sind in den Himmel aufgenommen worden. Papias, der hierapolitanische Bischof, ein Jünger Johannes des Apostels, war ein so hochgelehrter Mann, dass ihm wegen seiner Kunst und Lehre viele andere gelehrte Männer in ihren Schriften nachgefolgt sind, als Irenäus, Apollinaris, Tertullian, Victorinus, Laktanz und der vorgenannte Quadratus. Aristides, ein athenischer Naturphilosoph und unter den Vorigen ein Jünger Christi, hat zu der Zeit, wie Quadratus, dem Kaiser Hadrianus ein Buch über den Inhalt unserer Lehre zugeschickt. Aus denselben Büchern wurde Hadrianus dazu veranlasst, dass er es für unbillig und unrecht erachtete, dass die Christen allenthalben erschlagen werden sollten, und daraufhin schrieb er Minucius Fundanus, dem Verweser Asiens, niemanden zu töten, es sei denn, es gäbe einen Ankläger und die Missetat sei offenkundig und wissentlich. Blatt 113. Secundus, ein athenischer Naturphilosoph, war zu dieser Zeit in Ansehen. Er führte, stets das Schweigen haltend, ein pythagoreisches Leben. Die Ursache seines Schweigens war diese: Als er einst seine eigene Mutter zu unziemlichem Beischlaf anmutete und sie ihm, unwissend dass er ihr Sohn war, zugestimmt hatte. Und als sie nun erkannte, dass es ihr Sohn gewesen war, da starb sie vor Scham. Als Secundus das merkte, da setzte er sich selbst die Strafe zur Buße, dass er hinfort niemandem mehr reden wollte. Als solches dem Kaiser Hadrianus, der damals in Athen weilte, zu Ohren kam, berief er ihn. Aber als er ihn weder mit Gruß, Ermahnung noch Bedrohung von seinem Vorsatz des Schweigens nicht abbringen konnte, da verwunderte er sich über sein Schweigen und seine Beständigkeit. Und begehrte von ihm, dass er doch seinen Fragen mit der Hand antworten wollte. Darauf fragte er ihn: „Was ist Gott?“ Da schrieb er ihm bald: „Gott ist ein unsterbliches Wesen, eine unüberschaubare Höhe, eine vielgestaltige Form, ein mannigfaltiger Geist, eine unerdenkliche Erforschung, alle Dinge begreifend, ein unvergängliches Licht und das höchste Gut.“ Tiburtina, die Stadt im welschen Land, die noch heute das alte Tibur genannt wird, ist zu diesen Zeiten durch den Kaiser Hadrianus (wie Aelius Spartianus bezeugt) mit wunderbarer Darlegung erbaut und aus einem Dorf zu einer Stadt gemacht worden und liegt sechzehntausend Schritte von Rom entfernt beim Fluss Aniene an einem niedrigen, unebenen Ende. Diese Stadt hat (wie Strabon und Vergil wollen) lange vor Rom ihren griechischen Ursprung und ihre Eigenart gehabt. Etliche sprechen, ihr erster Stifter sei Tiburtus, der Bruder des Corax und Catillus, gewesen. Denn dieselben Brüder waren Thebaner, die nach der Zerstörung Thebens vom Vater in welschen Ländern geboren wurden. Danach bauten sie die Stadt aus ihrem Namen. Dessen ist ein Zeugnis der Berg nahe dabei, der noch heute Catillus genannt wird. So hat der andere Bruder Corax eine andere berühmte Stadt unter den Volskern aufgerichtet. Also ist diese Stadt Tiburtina einst edel gewesen, wie solches die nahen, noch vor Augen befindlichen großen und mächtigen niedergefallenen Gebäude dieser alten Stadt anzeigen und die gewesene Würdigkeit dieser Stadt bedeuten. An demselben Ort gräbt man den starken tiburtinischen Stein, der zum Bau und zur Erhaltung der Stadt Rom sehr hilfreich gewesen ist. Denn Kaiser Friedrich Barbarossa hat diese Stadt, die zuvor von anderen Deutschen zerstört worden war, wieder aufgebaut. So haben danach viele Päpste und Kardinäle dieselbe Stadt vermehrt und mit vielen Gebäuden verschönert. Aus dieser Stadt haben Papst Simplicius und andere an Kunst und Würdigkeit hochberühmte Männer ihren Ursprung gehabt. Tiburtina, die Stadt.

Anmerkungen

sechst alter
Frühneuhochdeutsch für 'sechstes Zeitalter'
vierd
Frühneuhochdeutsch für 'vierte'
kirchen
Frühneuhochdeutsch für 'Kirche'
Marci antonini
Marcus Antoninus (römischer Kaiser, Marcus Aurelius Antoninus Augustus)
Lucij aurelij
Lucius Aurelius (römischer Kaiser, Lucius Verus)
gekroenet worden
historische Formulierung für 'mit dem Martyrium gekrönt werden'
eylender
Frühneuhochdeutsch für 'schneller, eiliger'
iamer
Frühneuhochdeutsch für 'Jammer, Elend'
sterben
Frühneuhochdeutsch für 'Pest, Seuche' (im Sinne einer Epidemie)
prait
Frühneuhochdeutsch für 'breit, weit'
verwueestet
Frühneuhochdeutsch für 'verwüstete'
Welsche land
historische Bezeichnung für 'Italien'
verheeret
Frühneuhochdeutsch für 'verheerte'
ettliche
Frühneuhochdeutsch für 'etliche, einige'
on inwoner
Frühneuhochdeutsch für 'ohne Einwohner'
pawrn
Frühneuhochdeutsch für 'Bauern'
wz
Frühneuhochdeutsch für 'war, gab es'
ruoe
Frühneuhochdeutsch für 'Ruhe'
sunder
Frühneuhochdeutsch für 'sondern'
schwebten
Frühneuhochdeutsch für 'schwebten, zogen sich hin'
auffgang
Frühneuhochdeutsch für 'Osten' (wörtl. Sonnenaufgang)
kriechenlannd
Frühneuhochdeutsch für 'Griechenland'
Welscheland
historische Bezeichnung für 'Italien'
Galliam
Gallien (historische Region)
alda
Frühneuhochdeutsch für 'dort'
warn
Frühneuhochdeutsch für 'waren'
erdpidem
Frühneuhochdeutsch für 'Erdbeben'
versenckung
Frühneuhochdeutsch für 'Versenken, Untergang'
ertrenckung der wasser
Frühneuhochdeutsch für 'Überschwemmung der Gewässer'
beschedigung
Frühneuhochdeutsch für 'Beschädigung'
hewschrecken
Frühneuhochdeutsch für 'Heuschrecken'
Sophia
Heilige Sophia, Märtyrerin, Mutter der drei Töchter Glaube, Hoffnung, Liebe
fraw
Frühneuhochdeutsch für 'Frau'
Glawb Hoffnung vnd Lieb
Glaube, Hoffnung und Liebe (Heilige, Töchter der Sophia)
gein Rom
Frühneuhochdeutsch für 'nach Rom'
bekeret
Frühneuhochdeutsch für 'bekehrte'
ebenpild
Frühneuhochdeutsch für 'Ebenbild, Vorbild'
geistlichkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Geistlichkeit, Frömmigkeit'
nuechterkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Nüchternheit, Besonnenheit'
do
Frühneuhochdeutsch für 'als'
gelanget
Frühneuhochdeutsch für 'gelangte, zu Ohren kam'
Adrianum
Hadrianus (römischer Kaiser)
hieß er sie zu ime fuerenn
Frühneuhochdeutsch für 'hieß er sie zu sich führen'
fast schoen
Frühneuhochdeutsch für 'sehr schön'
gelert
Frühneuhochdeutsch für 'gelehrt'
marter
Frühneuhochdeutsch für 'Martyrium'
mancherlay peynigung
Frühneuhochdeutsch für 'mancherlei Peinigung'
muter
Frühneuhochdeutsch für 'Mutter'
leichnam
Frühneuhochdeutsch für 'Leichnam'
xviij.
römisch für 18
meyl
Meile (historisches Längenmaß, ca. 7,5 km)
begruobe
Frühneuhochdeutsch für 'begrub'
zehern
Frühneuhochdeutsch für 'Tränen'
nembt mich zu euch
Frühneuhochdeutsch für 'nehmt mich zu euch'
ruoet sie gleich als schlaffende im frid
Frühneuhochdeutsch für 'ruhte sie gleichsam schlafend im Frieden'
Seraphia
Heilige Seraphia, Märtyrerin
Antiochisch iunckfraw
Frühneuhochdeutsch für 'antiochenische Jungfrau'
gelidden
Frühneuhochdeutsch für 'gelitten'
finstere statt
Frühneuhochdeutsch für 'finstere Stätte, dunkler Ort'
fuerwitzigen mannen
Frühneuhochdeutsch für 'vorwitzigen, zudringlichen Männern'
zeenteren
Frühneuhochdeutsch für 'entehren'
vnuerletzt
Frühneuhochdeutsch für 'unverletzt'
fewr gepeynigt
Frühneuhochdeutsch für 'mit Feuer gepeinigt'
kolben geschlagen
Frühneuhochdeutsch für 'mit Kolben geschlagen'
getoedt
Frühneuhochdeutsch für 'getötet'
Sabina
Heilige Sabina, Märtyrerin
bekert het
Frühneuhochdeutsch für 'bekehrt hatte'
bestattet
Frühneuhochdeutsch für 'bestattet'
xxix.
römisch für 29
Julij
Frühneuhochdeutsch für 'Juli'
dz durchleuechtigst weib
Frühneuhochdeutsch für 'die durchlauchtigste Frau'
ettwan
Frühneuhochdeutsch für 'einst, ehemals'
hohberuembten
Frühneuhochdeutsch für 'hochberühmten'
Valentini
Valentinus (Ehemann der Sabina)
hawßfraw
Frühneuhochdeutsch für 'Hausfrau'
Herodis metallarij
Herodes Metallarius (Vater der Sabina)
underwisen
Frühneuhochdeutsch für 'unterwiesen'
vbung der werckt der barmhertzigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Übung der Werke der Barmherzigkeit'
goettern nit opffern wolt
Frühneuhochdeutsch für 'den Göttern nicht opfern wollte'
gerichtet
Frühneuhochdeutsch für 'gerichtet, hingerichtet'
kron der marter begabet
Frühneuhochdeutsch für 'mit der Krone des Martyriums begabt'
Quadratus
Quadratus von Athen (Bischof, Apologet)
Athenis
Frühneuhochdeutsch für 'Athen'
iunger der appostel
Frühneuhochdeutsch für 'Jünger der Apostel'
hohgelerter man
Frühneuhochdeutsch für 'hochgelehrter Mann'
vngestuemigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Ungestümigkeit, Wirren'
zerstrewet wz
Frühneuhochdeutsch für 'zerstreut war'
wider gesamelt
Frühneuhochdeutsch für 'wieder gesammelt'
beschirmung des cristenlichen stands
Frühneuhochdeutsch für 'Schutz des christlichen Standes'
buoch vol glawbens vnd vernunft
Frühneuhochdeutsch für 'Buch voller Glauben und Vernunft'
wol wirdig der appostolischen lere
Frühneuhochdeutsch für 'wohl würdig der apostolischen Lehre'
zu letst
Frühneuhochdeutsch für 'zuletzt'
marter gelidden
Frühneuhochdeutsch für 'Martyrium erlitten'
xxvi.
römisch für 26
may
Frühneuhochdeutsch für 'Mai'
QVirinus
Quirinus von Siscia (Bischof, Märtyrer)
windischen land
historische Bezeichnung für das 'windische Land' (Gebiet der Wenden, oft Slowenien/Kärnten/Pannonien)
Sciscia
Siscia (antike Stadt, heute Sisak in Kroatien)
iunij
Frühneuhochdeutsch für 'Juni'
gemartert
Frühneuhochdeutsch für 'gemartert'
muelstayn
Frühneuhochdeutsch für 'Mühlstein'
gepunden
Frühneuhochdeutsch für 'gebunden'
ertrencket
Frühneuhochdeutsch für 'ertränkt'
Zenon
Zenon (römischer Ratgeber, Märtyrer)
ratgeb
Frühneuhochdeutsch für 'Ratgeber'
xm. vnd. ijc.
römisch für 10.200 (xm = 10.000, ijc = 200)
aufruor
Frühneuhochdeutsch für 'Aufruhr'
erschlagen worden
Frühneuhochdeutsch für 'erschlagen worden'
Achacius primicerius
Achatius Primicerius (Heiliger, Anführer der Zehntausend Märtyrer)
xm.
römisch für 10.000
Araraht
Ararat (Berg in der heutigen Türkei)
Armenia
Armenien (historische Region)
bekeret
Frühneuhochdeutsch für 'bekehrt'
syge
Frühneuhochdeutsch für 'Sieg'
Adrianus vnd Antoninus
Hadrianus und Antoninus (römische Kaiser)
erfuoren
Frühneuhochdeutsch für 'erfuhren'
wayneten
Frühneuhochdeutsch für 'weinten'
erstlich gaiseln
Frühneuhochdeutsch für 'zuerst geißeln'
trispitziger nagel
Frühneuhochdeutsch für 'dreispitzige Nägel'
xx.
römisch für 20
roßlawff
Rosslauf (historische Maßeinheit, ca. 100-200 Meter)
auff der erden strewen
Frühneuhochdeutsch für 'auf der Erde streuen'
hailigen
Frühneuhochdeutsch für 'Heiligen'
ploßen fueßen
Frühneuhochdeutsch für 'bloßen Füßen'
darauff geen solten
Frühneuhochdeutsch für 'darauf gehen sollten'
gieng vor in hin
Frühneuhochdeutsch für 'ging vor ihnen hin'
samelte die nagel auff
Frühneuhochdeutsch für 'sammelte die Nägel auf'
verletzet wurden
Frühneuhochdeutsch für 'verletzt wurden'
gleichnus christi
Frühneuhochdeutsch für 'Gleichnis Christi, Christus gleich'
ir seln zu himel genomen
Frühneuhochdeutsch für 'ihre Seelen in den Himmel aufgenommen'
Papias
Papias von Hierapolis (Bischof, Kirchenvater)
iheropolitanisch bischoff
Frühneuhochdeutsch für 'hierapolitanischer Bischof'
Johannis des appostels
Frühneuhochdeutsch für 'Johannes des Apostels'
kunst vnd lere wegen
Frühneuhochdeutsch für 'wegen seiner Kunst und Lehre'
gedichte
Frühneuhochdeutsch für 'Schriften, Werke'
Hereneus
Irenäus von Lyon (Kirchenvater)
Appollinaris
Apollinaris von Hierapolis (Bischof, Apologet)
Terculianus
Tertullian (Kirchenvater)
Victorinus
Victorinus von Poetovio (Bischof, Märtyrer)
Lactancius
Laktanz (Kirchenvater)
vorgenannt Quadratus
der vorgenannte Quadratus
Aristides
Aristides von Athen (Apologet)
naturlicher maister
Frühneuhochdeutsch für 'Naturphilosoph, Gelehrter'
vorigen wesen
Frühneuhochdeutsch für 'vorigen (Personen)'
iunger christi
Frühneuhochdeutsch für 'Jünger Christi'
buoch von innhalt vnßer lere
Frühneuhochdeutsch für 'Buch über den Inhalt unserer Lehre'
zugeschickt
Frühneuhochdeutsch für 'zugeschickt'
geursachet
Frühneuhochdeutsch für 'veranlasst'
fuer vnbillich vnd vnrecht achtet
Frühneuhochdeutsch für 'für unbillig und unrecht erachtete'
allenthalben
Frühneuhochdeutsch für 'allenthalben, überall'
erschlagen werden
Frühneuhochdeutsch für 'erschlagen werden'
darauf schribe er
Frühneuhochdeutsch für 'daraufhin schrieb er'
Minucio fundano
Minucius Fundanus (Prokonsul von Asien)
verweser Asie
Frühneuhochdeutsch für 'Verweser (Statthalter) Asiens'
nimant zetoedten
Frühneuhochdeutsch für 'niemanden zu töten'
eß wer dann ein anclager
Frühneuhochdeutsch für 'es sei denn, es gäbe einen Ankläger'
mißtat vorawgen und wissentlich
Frühneuhochdeutsch für 'Missetat offenkundig und wissentlich'
Blat CXIII
Blatt 113 (römisch für 113)
Secundus
Secundus der Schweigsame (Philosoph)
atheniensischer naturlicher maister
Frühneuhochdeutsch für 'athenischer Naturphilosoph'
in achtung gewest
Frühneuhochdeutsch für 'in Ansehen, geachtet'
alweg das schweigen haltende
Frühneuhochdeutsch für 'stets das Schweigen haltend'
Pitagorisch leben fueret
Frühneuhochdeutsch für 'pythagoreisches Leben führte'
vrsach seins sweygems
Frühneuhochdeutsch für 'Ursache seines Schweigens'
auff ein zeit
Frühneuhochdeutsch für 'einst, zu einer Zeit'
aigne muter
Frühneuhochdeutsch für 'eigene Mutter'
vnzimlichs beyschlaffens angemuotet
Frühneuhochdeutsch für 'zu unziemlichem Beischlaf anmutete'
vnwissende
Frühneuhochdeutsch für 'unwissend'
verwilligt het
Frühneuhochdeutsch für 'zugestimmt hatte'
nw erkennet
Frühneuhochdeutsch für 'nun erkannte'
starb sie vor scham
Frühneuhochdeutsch für 'starb sie vor Scham'
mercket
Frühneuhochdeutsch für 'merkte'
setzet e imselbs die straff zu peen
Frühneuhochdeutsch für 'setzte er sich selbst die Strafe zur Buße'
hinfuero nimant mer zu reden wolt
Frühneuhochdeutsch für 'hinfort niemandem mehr reden wollte'
solchs an den kaiser Adrianum zu Athenis deßmals wesende gelanget
Frühneuhochdeutsch für 'solches dem Kaiser Hadrianus, der damals in Athen weilte, zu Ohren kam'
berueffet er ine
Frühneuhochdeutsch für 'berief er ihn'
weder mit gruoß. vermanung noch bedroung
Frühneuhochdeutsch für 'weder mit Gruß, Ermahnung noch Bedrohung'
vomm fuersatz des schweigens nit entziehen mocht
Frühneuhochdeutsch für 'von seinem Vorsatz des Schweigens nicht abbringen konnte'
verwundert er sich seiner schweygung vnd bestendigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'verwunderte er sich über sein Schweigen und seine Beständigkeit'
begeret an ine
Frühneuhochdeutsch für 'begehrte von ihm'
mit der hannd antwurten wolt
Frühneuhochdeutsch für 'mit der Hand antworten wollte'
was ist got
Frühneuhochdeutsch für 'Was ist Gott?'
schreib er im pald
Frühneuhochdeutsch für 'schrieb er ihm bald'
vntoedlicher syn
Frühneuhochdeutsch für 'unsterbliches Wesen'
vnbeschewliche hoehe
Frühneuhochdeutsch für 'unüberschaubare Höhe'
vilfoermige form
Frühneuhochdeutsch für 'vielgestaltige Form'
manigfeltiger gaist
Frühneuhochdeutsch für 'mannigfaltiger Geist'
vnerdenckliche erforschung
Frühneuhochdeutsch für 'unerdenkliche Erforschung'
alle ding begreiffende
Frühneuhochdeutsch für 'alle Dinge begreifend'
vngeprechlichs liecht
Frühneuhochdeutsch für 'unvergängliches Licht'
hoehst guot
Frühneuhochdeutsch für 'höchstes Gut'
Tiburtina
Tiburtina (antiker Name für Tivoli, Stadt in Latium, Italien)
welscher land
historische Bezeichnung für 'Italien'
noch hewt die alt Tibur genant wirdt
Frühneuhochdeutsch für 'noch heute das alte Tibur genannt wird'
Helius sparcianus
Aelius Spartianus (römischer Historiker, Autor der Historia Augusta)
bezeuegt
Frühneuhochdeutsch für 'bezeugt'
wunderperlicher darlegung erpawt
Frühneuhochdeutsch für 'mit wunderbarer Darlegung erbaut'
auß eim dorff zu einer statt gemacht worden
Frühneuhochdeutsch für 'aus einem Dorf zu einer Stadt gemacht worden'
xvim.
römisch für 16.000
schrit
Schritt (historische Maßeinheit, ca. 0,74 Meter)
Anienne
Aniene (Fluss in Latium, Italien)
nidern vneben ende
Frühneuhochdeutsch für 'niedrigen, unebenen Ende'
Strabo
Strabon (griechischer Geograph und Historiker)
Virgilius
Vergil (römischer Dichter)
woellen
Frühneuhochdeutsch für 'wollen, behaupten'
kriechischen vrsprung vnd aigenschaft
Frühneuhochdeutsch für 'griechischen Ursprung und Eigenart'
stifter
Frühneuhochdeutsch für 'Stifter, Gründer'
Tiburtus
Tiburtus (mythologischer Gründer von Tibur)
Coracis
Corax (Bruder des Tiburtus)
Catilli
Catillus (Bruder des Tiburtus)
Thebanier
Einwohner von Theben (antike Stadt in Griechenland)
zerstoerung der Thebanier
Frühneuhochdeutsch für 'Zerstörung Thebens'
vomm vater in welschen landen geporn
Frühneuhochdeutsch für 'vom Vater in welschen Ländern geboren'
paweten
Frühneuhochdeutsch für 'bauten'
zeuegnus
Frühneuhochdeutsch für 'Zeugnis'
nahend dabey
Frühneuhochdeutsch für 'nahe dabei'
Volscos
Volsker (antikes Volk in Latium)
etwen
Frühneuhochdeutsch für 'einst, ehemals'
nahendt noch vor awgen wesende
Frühneuhochdeutsch für 'nahen, noch vor Augen befindlichen'
nidergefalne gepew
Frühneuhochdeutsch für 'niedergefallenen Gebäude'
anzaigen
Frühneuhochdeutsch für 'anzeigen'
gewesen wirdigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'gewesene Würdigkeit, vergangene Bedeutung'
bedewten
Frühneuhochdeutsch für 'bedeuten'
grebt man
Frühneuhochdeutsch für 'gräbt man'
Tiburtinischen stayn
tiburtinischer Stein (Travertin, ein Kalkstein)
erpawung vnd enthaltung
Frühneuhochdeutsch für 'Erbauung und Erhaltung'
fast hiflich gewest ist
Frühneuhochdeutsch für 'sehr hilfreich gewesen ist'
Friderich barbarossa
Friedrich I. Barbarossa (römisch-deutscher Kaiser)
dauor von andern teuetschen zerruedet was
Frühneuhochdeutsch für 'die zuvor von anderen Deutschen zerstört worden war'
wider erpawen
Frühneuhochdeutsch für 'wieder aufgebaut'
bebst vnd cardinel
Frühneuhochdeutsch für 'Päpste und Kardinäle'
gemeret
Frühneuhochdeutsch für 'vermehrt, erweitert'
gepewen erleuechtet
Frühneuhochdeutsch für 'mit Gebäuden verschönert, ausgestattet'
babst Simplicius
Papst Simplicius (Papst von 468 bis 483)
kunst vnnd wirdigkeit
Frühneuhochdeutsch für 'Kunst und Würdigkeit'
hohberuembt menner
Frühneuhochdeutsch für 'hochberühmte Männer'
vrsprung gehabt
Frühneuhochdeutsch für 'Ursprung gehabt'