Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter left Galienus der allergelertist artzt was der gepurt ein kriechischer auß der statt pergamo in Asia gelegen. ein grosse person. grosser vnd prayter achsel vnd schultern prawner farb. het lust imm gesang vnd in der alchamey. er was geporn auß eim reichen vnd milten vater. kuenstreich in der kunst des gestirns vnd zelens vnd dergleichen. vnd durch Talium seinen maister in der ertzney wunderperlicher weiß berichtet. er vmbgieng die werlt kunst zeerlangen. imm fruemal aße er wenig vnd was allain an feygen vnd prot benuegig vnd het ein vberfluessigs nachtmal. er was von iugent auff zu lernung der ertzney geflissen vnd disputiret imm. xix. iar seins alters mit den iungern Athanei von der ertzney. er hat zu den zeiten des kaisers Antonini pij gereichßnet: so ist er in sorgen oder ertzneyungen nie zu scham worden. hat auch in seinen fueruerkundungen nie geirret. Constantinus spricht er hab hundert vnd fuenfftzig buecher geschriben. er lebet. lxxxvij. iar. vnd er ist als ettlich sprechen im meer gestorben dieweil er zu besichtigung der wunderzaychen ettwen durch christum beschehen außwanderet. vnd Mundinus spricht. Diser Galienus soll billich ein fuerst der artzte genent werden. der in derselben kunst alle andere außgenomen ypocratem vbertroffen haben geglawbt wirdt. vnd Galienus hat auch desselben ypocratis schrift mit wundersamer sinnreichigkeit außgelegt. right Iustinus ein naturlicher maister auß der statt Neapolis. hat diser zeit fuer den cristenlichen glawben vil muee vnd arbait gehabt. der gabe Antonino pio dem kaiser vnd seinen suenen ein buoch wider die haiden geschriben. auch ein frag vnnd antwurtschrifft wider Triphonem dem fuersten der iuden. so wz er auch wider Marcionem den ketzer der der lere Cerdonis des ketzers nachfolget. vnd sprach. Das der ein herr guot. vnd der ander gerecht wer. als weren zwen widerwertig anfeng der beschoepffung vnd der guete. er redstraffet auch Crescentem cynicum als einen fraßigen. auß desselben haymlichen hinderlistigkeitten wardt er also hinderkomen das er vmb die ere des cristenlichen namens sein pluot vergoße. Aquila ein Jud ist mit Priscilla seim weib auß gepott Claudij gewichen. vnd (als ettlich sagen) bis an dise zeit in leben bliben. vnd der ander außleger des gesetzs Moisi nach den. lxx. außlegern gewest. vnd hat die buecher des alten testaments auß hebreyschem in kriechisch gezuenge fast wol gewendet. vnnd des propheten wort von der iunckfrawen Maria gesprochen an ein iunckfrewlein geschriben Cerdo der ketzer. von dem die Cerdonianischen ketzer iren namen haben vnderstund sich zu diser zeit vnsinnende zeweissagen vnd sprach. Es weren zwen widerwertig anfeng. MArcion der ketzer sein iunger ein stoycischer naturlicher maister fieng mit seinem maister auch an vnsinnigclich zereden vnd sprach. Got der schoepffer der die werlt durch den sun gemacht het wer nit gewest ein vater Christi. Auff ein zeit gieng er zu Rom gegen Policarpo. den fraget er ob er ine kennet. Do sprach Palicarpus zu ime. Ja ich kenne den erstgepornen des teuefels. Valentinianus ein ander ketzer von dem die valentinianisch ketzerey iren namen hat auch diser zeit vberhand genomen. Die sprachen. das Christus von dem leib der iunckfrawen nichtz genomen het. sunder auß ir als durch pfeyflein oder roerlein lawtter gegangen wer. Thophilus der Antiocenischen kirchen bischof hat auch zu disen zeiten geplueet vnd wider den vorgenanten ketzer Marcionem. bey dem kaiserthumb Antonini ein buoch gemacht. auch ein buch wider der ketzerey Hermogenis. vnd sunst drey buecher wider Etholum vnd vil andere ding mer beschriben. Melito oder Miletus der Sardensisch bischof ein iunger Frontonis des kunstredners ist zu diser zeit in großem werde gewest. vnd hat ein buoch von der cristenlichen lere dem kaiser Antonino marco vberantwurt. Diss mans sinnschicklichkeit hat der maister Terculianus (als Jheronimus schreibt) wunderperlicher weiß gelobt. vnd spricht dz er von vil der vnßern ein weyssag gehalten sey darumb dz er vil prophetischer zeuegknus geschriben Appollinaris der iheropolitanisch bischof wardt hab. diser zeit in achtung gehalten. der hat ein treffenlich buoch von dem glawben christi dem kaiser M. antonino dem andern vberantwurt. vnd sunst vil vnd mancherlay wider ettliche ketzer. auch fuenf buecher wider die haiden vnd sunst zway andere von der warheit geschriben. Blat CXIIII der werlt left Policarpus ein iunger Johannis des appostels. ein bischoff zu Smyrna von ime geordnet vnd des gantzen Asie an gaistlichen wesen vnd lere ein fuerst ist in disem iar vnder dem babsthumb Pij gein Rom komen vnd hat vil christen menschen die durch falsche einplasung der zwayer ketzer Marconis vnd Valentiniani verfueert waren. wider zum glawben gelaytet. Disem Policarpo begegnet eins mals der ytzgenant ketzer marcion den hieß Policarpus einen erstgepornen des teuefels. dann er lawgnet das got der schoepffer ein vater Christi wer etc. Diser Policarpus wardt in der vierden verfolgung vnder dem kaiserthum M. antonini vnd L. aurelij comodi verprennt vnd mit ime. xij auß Philadeiphia komende gemartert. vnd nach dem diss ein fast hohgelert vnd heiliger man wz so hat er ein fast nuetze epistel vnd sendbrief an die von philippis geschickt. right Praxedis die heiligst iunckfraw des seligsten Roemers Pudentis tochter. vnd der hohberuembten iunckfrawen Pudenciane swester in der heiligen schrift hoherfarn was zu diser zeit bis auff Anicetum den babst. als sie nw ir vaterlich erbe mitsambt irer vorgenanten swester zu auffenthaltung der armen außgegeben vnd alle zeit irs lebens mit stettigem wachen. betten vnd fasten verzeret. vnd alles ir hawßgesind. nemlich. xc. person ledig gelassen vnd vil leichnam der martrer begraben het do hat dise allerseligste iunckfraw auch iren gaist zu dem herren gesendet vnnd die kron der gerechtigkeit empfangen. amm. xxi. tag des monats Julij. daran auch ir tag begangen wirdt vnd ist zu rom bey irer swester pudenciana in dem kirchof priscille begraben worden. Felicitas mit den. vij. sunen Felicitas die roemerin gar ein heilige fraw hat zu diser zeit mitsambt iren siben suenen nemlich Januario Felice Philippo Scylano Alexandro Vitale vnd Marciale zu Rom die marter empfangen. Dise Felicitas vnd nach bedeuedtnus irs namens an sele vnd leib wol selige fraw hat dise ire siben suen got anzebetten geleret das sie die kron der marter empfiengen. dann Januarius der erstgeporn wardt mit ruoten geschlagen vnnd mit pley getoedt. Felix vnd Philippus mit kolben erschlagen. Scyllanus vberstuertzt. Alexander Vitalis vnd Marcialis enthawbtet. vnd zu letst auch dieselb Felicitas wider die gewonheit der mueter mit dem schwert gerichtet. In disen personen ist ein großer spigel vnßsers glawbens fuer vnßre awgen gesetzt. ir tag wirdt begangen amm. xx. tag des monats Julij. left Ptolomeus von Alexandria pirtig ein naturlicher maister vnd treffenlicher sternseher hat nach den zeiten des kaisers Adriani geschinen. vnd ist diser zeit erkant worden. Derselb fuertreffenlich man hat vil mer zu der Astronomey gelegt dann er vor ime geschriben gefunden hat. so hat er auch sunst vil buecher von mancherlay materi (als die gelerten des lateins wissen) beschriben. vnd. lxxxviij. iar gelebt. Vnder andern seinen spruechen sind dise zemercken. Welcher vnder den Menschen nit sorget in wes hand die werlt sey der ist hoeher dann die werlt. Item welcher durch andere nit gebessert oder gestrafft wird durch den sollen auch andere nit gestrafft werden. Item als vil du dich mer zu dem ende nahnist souil soltu dz guot mit merung wircken. right Aulius gellius ein roemischer kunstredner vnd treffenlicher grammaticus was zu disen zeiten achtper. Der hat vnder andern wercken seiner kunst vnd tugent als er auß Rom im winter in das Atticisch land zohe gar vil treffenlicher glawbwirdiger buecher geschriben vnd inen den titel von Aticischen nachten gegeben hat etc. Vrsprung der Cathaphriganischen ketzerey. Zu disen zeiten ist vnder Mantuano die ketzerey Cathaphrigarum genant entstanden. dann diser allerboeßist ertzketzer Mantuanus auß Phrigia geporn. vnnd hat sich den hailigen gaist den troester in Phrigia land genennt. vnd vil menschen verfueret vnd dieselben gegent mit den nahend gelegnen gegenten mit vil irthumen vergifftet. vnd daselbst Priscam vnd Maximillam die hohberuembten weiber also verkeret das sie ire man verließen vnd mit ime offenlich vmbzohen vnd sichselbs auß seiner einplasung weyssagerin hießen. Dise ketzer sagten das die gabe des hailigen gaists allain in sie vnd nit in die appostell gegeben worden wer. Appelles ein ander ketzer in kriechischem land sprach Christum nit got in der warheit sunder in der menschen fantasey den menschen erschinen sein. Disen Appellem nennt der hohgelert man Theodocion den aller ketzerlichsten ketzer. vnnd hat mit seinen schriften denselben ketzer gar schimpflich belachet vnd verworffen.
Das sechste Zeitalter. Galen, der allergelehrteste Arzt, war seiner Geburt nach ein Grieche aus der Stadt Pergamon in Kleinasien. Er war eine große Person, mit großen und breiten Achseln und Schultern, von brauner Farbe. Er hatte Freude am Gesang und an der Alchemie. Er wurde von einem reichen und mildtätigen Vater geboren, der kunstfertig in der Kunst der Gestirne, des Zählens und dergleichen war. Und durch Thallos, seinen Meister in der Arzneikunde, wurde er auf wunderbare Weise unterrichtet. Er reiste um die Welt, um Kunst zu erlangen. Am Morgen aß er wenig und war allein mit Feigen und Brot zufrieden, hatte aber ein überflüssiges Abendmahl. Er war von Jugend auf dem Studium der Arzneikunde beflissen und disputierte in seinem 19. Lebensjahr mit den Jüngern Athenaios über die Arzneikunde. Er hat zu den Zeiten des Kaisers Antoninus Pius Ruhm erlangt: So ist er in Sorgen oder Behandlungen nie zu Scham geworden, hat auch in seinen Vorhersagen nie geirrt. Konstantin spricht, er habe 150 Bücher geschrieben. Er lebte 87 Jahre und ist, wie etliche sprechen, im Meer gestorben, während er zur Besichtigung der Wunderzeichen, die bisweilen durch Christus geschehen waren, auswanderte. Und Mundinus spricht: Dieser Galen soll billig ein Fürst der Ärzte genannt werden, der in derselben Kunst alle anderen, ausgenommen Hippokrates, übertroffen haben soll. Und Galen hat auch desselben Hippokrates' Schriften mit wundersamer Sinnreichigkeit ausgelegt. Justin, ein Naturphilosoph aus der Stadt Neapel, hat zu dieser Zeit viel Mühe und Arbeit für den christlichen Glauben gehabt. Er gab Antoninus Pius, dem Kaiser und seinen Söhnen, ein Buch gegen die Heiden geschrieben, auch eine Frage- und Antwortschrift gegen Tryphon, den Fürsten der Juden. So war er auch gegen Marcion, den Ketzer, der der Lehre Cerdos des Ketzers nachfolgte, und sprach, dass der eine Herr gut und der andere gerecht sei, als wären es zwei widerwärtige Anfänge der Schöpfung und der Güte. Er rügte auch Crescens den Kyniker als einen Fraßigen. Aus dessen heimlichen Hinterlistigkeiten wurde er so hintergangen, dass er um die Ehre des christlichen Namens sein Blut vergoss. Aquila, ein Jude, ist mit Priscilla, seinem Weib, auf Befehl des Claudius gewichen und (wie etliche sagen) bis an diese Zeit am Leben geblieben. Und der andere Ausleger des Gesetzes Moses nach den 70 Auslegern gewesen und hat die Bücher des Alten Testaments aus dem Hebräischen ins Griechische sehr gut übersetzt und des Propheten Wort von der Jungfrau Maria gesprochen an ein Jungfräulein geschrieben. Cerdo, der Ketzer, von dem die Cerdonianischen Ketzer ihren Namen haben, unternahm es zu dieser Zeit, unsinnig zu weissagen und sprach: Es wären zwei widerwärtige Anfänge. Marcion, der Ketzer, sein Jünger, ein stoischer Naturphilosoph, fing mit seinem Meister auch unsinniglich zu reden an und sprach: Gott, der Schöpfer, der die Welt durch den Sohn gemacht hatte, wäre nicht ein Vater Christi gewesen. Auf eine Zeit ging er zu Rom gegen Polykarp. Den fragte er, ob er ihn kenne. Da sprach Polykarp zu ihm: Ja, ich kenne den Erstgeborenen des Teufels. Valentinian, ein anderer Ketzer, von dem die Valentinianische Ketzerei ihren Namen hat, hat auch zu dieser Zeit überhandgenommen. Die sprachen, dass Christus nichts vom Leib der Jungfrau genommen hätte, sondern aus ihr wie durch ein Pfeifchen oder Röhrchen lauter gegangen wäre. Theophilus, der Bischof der antiochenischen Kirche, hat auch zu diesen Zeiten geblüht und wider den vorgenannten Ketzer Marcion, unter dem Kaisertum des Antoninus, ein Buch gemacht, auch ein Buch wider die Ketzerei des Hermogenes und sonst drei Bücher wider Etholus und viel andere Dinge mehr beschrieben. Melito oder Miletus, der sardische Bischof, ein Jünger Frontos des Kunstredners, ist zu dieser Zeit in großem Ansehen gewesen und hat ein Buch von der christlichen Lehre dem Kaiser Antoninus Marcus überantwortet. Dieses Mannes Sinnreichigkeit hat der Meister Tertullian (wie Hieronymus schreibt) auf wunderbare Weise gelobt und spricht, dass er von vielen der Unseren ein Weissager gehalten sei, darum, dass er viele prophetische Zeugnisse geschrieben habe. Apollinaris, der hieropolitanische Bischof, ward zu dieser Zeit in Achtung gehalten. Der hat ein treffliches Buch von dem Glauben Christi dem Kaiser Marcus Antoninus dem Zweiten überantwortet und sonst viel und mancherlei wider etliche Ketzer, auch fünf Bücher wider die Heiden und sonst zwei andere von der Wahrheit geschrieben. Blatt 114 der Welt. Polykarp, ein Jünger Johannes des Apostels, ein Bischof zu Smyrna von ihm geordnet und des ganzen Asiens an geistlichen Wesen und Lehre ein Fürst, ist in diesem Jahr unter dem Papsttum des Pius nach Rom gekommen und hat viele Christenmenschen, die durch falsche Einflüsterung der zwei Ketzer Marcion und Valentinian verführt waren, wieder zum Glauben geleitet. Diesem Polykarp begegnete eines Mals der jetzt genannte Ketzer Marcion, den hieß Polykarp einen Erstgeborenen des Teufels, denn er leugnete, dass Gott der Schöpfer ein Vater Christi wäre etc. Dieser Polykarp ward in der vierten Verfolgung unter dem Kaisertum des Marcus Antoninus und Lucius Aurelius Commodus verbrannt und mit ihm zwölf aus Philadelphia kommende gemartert. Und nachdem dies ein fast hochgelehrter und heiliger Mann war, so hat er eine fast nützliche Epistel und Sendbrief an die von Philippi geschickt. Praxedis, die heiligste Jungfrau, des seligsten Römers Pudentius Tochter und der hochberühmten Jungfrau Pudentiana Schwester, in der Heiligen Schrift hocherfahren, war zu dieser Zeit bis auf Anicetus den Papst. Als sie nun ihr väterliches Erbe mitsamt ihrer vorgenannten Schwester zur Aufenthaltsgewährung der Armen ausgegeben und alle Zeit ihres Lebens mit stetigem Wachen, Beten und Fasten verzehrt und alles ihr Hausgesinde, nämlich 90 Personen, ledig gelassen und viele Leichname der Märtyrer begraben hatte, da hat diese allerseligste Jungfrau auch ihren Geist zu dem Herrn gesendet und die Krone der Gerechtigkeit empfangen am 21. Tag des Monats Juli. Daran auch ihr Tag begangen wird und ist zu Rom bei ihrer Schwester Pudentiana in dem Kirchhof der Priscilla begraben worden. Felicitas mit den sieben Söhnen. Felicitas, die Römerin, eine gar heilige Frau, hat zu dieser Zeit mitsamt ihren sieben Söhnen, nämlich Januarius, Felix, Philippus, Scylanus, Alexander, Vitalis und Marcialis, zu Rom die Marter empfangen. Diese Felicitas, und nach Bedeutung ihres Namens an Seele und Leib wohl selige Frau, hat diese ihre sieben Söhne Gott anzubeten gelehrt, dass sie die Krone der Marter empfingen. Denn Januarius, der Erstgeborene, ward mit Ruten geschlagen und mit Blei getötet. Felix und Philippus mit Kolben erschlagen. Scylanus überstürzt. Alexander, Vitalis und Marcialis enthauptet. Und zuletzt auch dieselbe Felicitas, wider die Gewohnheit der Mütter, mit dem Schwert gerichtet. In diesen Personen ist ein großer Spiegel unseres Glaubens vor unsere Augen gesetzt. Ihr Tag wird begangen am 20. Tag des Monats Juli. Ptolemäus, von Alexandria gebürtig, ein Naturphilosoph und trefflicher Sternseher, hat nach den Zeiten des Kaisers Hadrianus geschienen und ist zu dieser Zeit bekannt geworden. Derselbe vortreffliche Mann hat viel