Schedelsche Weltchronik · Blatt 115

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 115, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 115, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter left | Jar der werlt. vm. iijc. lxiij. |  | Jar Christi. c. lxiiij. Anicetus der babst von gepurt ein Sirier. was ein man treffenlicher sitten. vnd setzt das einicher clerick einich langes har nit ziehen solt nach dem gepot des appostels. so solt auch einich bischoff nit von mindern dann on dreyen andern bischoffen geweihet werden. Sunst hat er vil andre ding geordnet. vnd als ein in fuenf weyhungen des monats decembris. xix. briester vier diacon. vnd newn bischoff geweyhet het ward er mit der marter gekroent vnd begraben amm. xvij. tag aprilis. vnd saße. xi. iar. vier monat drey rag vnd feyret der stul. xyij. tag. | Jar der werlt. vm. iijc. lxxiij. |  | Jar Christi. c. lxxiiij. Sother der babst auß Campania pitig von das statt Fundano wz zu den zeitten L. Comodi des kaisers. vnd wiewol er in vil geferlichkeiten schwever yedoch keret er sein gemuet in souil anfechtungen zu goettlichen sachen ordnende. das einich closterfraw einichen chormantel nit anrueren. noch auch einichen weyrauch in das rauchfaß so goettlicheambt beschehen legen solten. Des was ein epistel vorhanden die er diser ding halben an die bischoff Welscher land geschiben het. Er setzet auch das nit fuer ein eeliche hawßfraw gehalten werden solt dann die. die ein brister nach auffsatzung eingesegnet. vnd die ir eltern mit zierlichen gespreng nach cristlichem sitten irem gemahel zu gelegen. vnd er verwarffe vil segnens vnd zawberey. die man bey den hohzeiten vnd newen een vbet, cnd als er im monat decembris fuenff weyhe gehabt vnd. viij. brister vnd. xi. bischoff geweihet het do starb er vnd ward begraben in dem kirchoff Calisti als er. ix. iar drey monat vnd. xx. tag geseßen was. vnd der stuol ruoet des mals. xxi. tag. | Jar der werlt. vm. iijc. lxxxiij. |  | Jar Christi. c. lxxxiiij. Eleutherius der babst auß kriechischem land von der statt Nicopoli was zu der zeit das kaisertumbs. L. Antonini Comodi. Diser setzer das nymand von vberfluss wegen einich geschlecht der speiß do nut die menschlic gewonet gespeyset wuerdt verschmehen solt. Er wolt auch nit das ymand von seinem stand entsetzt solt werden. er wurde dann auf anclagung der mißtat schuldig gefunden zu diss babses zeiten ist der kirchen frid vnd ruoe gegeben. vnd der cristlich namen durch alle erden wunderperlicer weiß gemeret worden. allermaist zu rom. alda dann vil edel roemer mitsambt iren weibern vnd kindern in den cristlichen glawben genommen vnd getauft worden sind. Diser babst empfing einen sendbrieff von Lucio dem konig Brittannie das er ine vnd die seinen in die zal der Christen nemen solt. als er zu letst un dem december in dreyen weyhungen briester vd bischoff geordnet het do starb er vnd wardt bey sant Peters leichnam begraben am. xxvi. tag des monats may. Als er. xv. iar drey monat zwen tag gesessen was vnd der stuol feyret fuenff tag. | Jar der werlt. vm. iijc. vciij. |  | Jar Christi. c. xciij. Victor der babst aus Affrica pirtig setzt das die ostern amm suntag von den. xiiij. tag des monds des ersten monats bis an den. xxi. tag gehalten werden solt. die dauor mit den Juden amm. xiiij. tag gehalten wardt. dasselb gesetz wardt darnach in dem concili zu Niceno bestettigt- auff das wir nit gesehen wuerden den iuden nachzefolgen. Diser Victor wardt gemartert vnd bey sant Peter begraben. vnd saß zehen iar. drey monat. zehen tag. des mals ruoer der stuol. xij. tag zepherinus der babst ein roemer was zu den zweiten des keisers Seueri gar ein hailiger man mer auff goettlich dann auff menschlich sachen geflissen. darum setzt er das ein leuit und briester in beywesen glawbiger clerick vnd layen geweyhet werden solt. das dann darnach in dem Lacedonischen concili bestetigt wardt. Er ordnet auch das die gesegnung des goettlichen pluots in eim glaserin gefaße vnnd nit in eim hueltzern (als vor) beschehen solt. aber dise satzung wardt nachfolgend verwandelt. vnd fuergenomen solche gesegnung weder in holtz noch in glas. sunder in gold oder solber oder zin zevolbrigen. Jtem er setzt das alle cristen menschen die zu irn vogtpern iarn komen wern alle iar amm heiligen ostertag offentlich das heilig sacrament empfangen solten. Zu letst nach weyhung elttlicher briester vnd bischoff starb er. als er acht iar siben monat. x. tag geseßen was | Jar der werlt. vm. iiijc. xiij. |  | Jar Christi. ijc. xiiij. Calirtus der babst ein roemer vnnd ein goetlicher hohweyser heliger man hat in großer betruebnus des cristlichen wesens vnder der boßhaftigen kaisern vnabgetretten von seinem fuernemen geordnet viermal im iar als die vier quatrmprt oderngoldfasten zefasten. von denselben vier zeiten her sind auch die weyhungen gehalten worden. die dauor in dem monat december beschahen. Er hat auch einen kirchoff seins namens gepawt darinn vil mater leichnam begraben warden. als er aber Palmachinn vnd Simplicium die roemer. vnd Felicem den edel man mit irem hawßgesind getauft vnd vil briester vnd bischoff geweihet het do wardt er amm. xiiij. tag des monats octobris von dem kaiser alexandro mit marter bekroenet. als er. vi. iar. x. monat. x. tag geseßen wz Blat CXV der werlt right Comodos lucius antonius der. xviij. Roemisch kaiser ist nach M. antonio vero seinem vater kaiser gewest. Sein mutter Faustina het als sie sein schwanger was einen trawm wie sie vil schlangen. vnd vnter den eun grawsamere gepere. vnd sie depare Comodum und Antonium. nach absterben desselben het Marcus der vater großen fleiß den Comodum durch lere vnd anweysung guter mann zeunderichten. vnd wiewol diser Comodus trefflich kriechisch vnd lateinisch anweyser vnd maister het so waren sie ime doch gar nicht nuetz. sunder er er wz von erster kintheit an ein befleckter. vnfrummer. grausamer. vnkeueschgiriger mensch. der im. xij iar seins alters anzaigung seiner kuenftigen grausamkeit erscheinen ließ. Er zohe mit dem vater in den teuetschen krieg darunn er wurde der scham noch einicher zerung verschoner. Zu letst het er kein gemaynsam mit dem vater. sunder was allermeniglichem vnfugsam vnd vnnuetz dann allayn das er wider die teuetschen durch hilff der cristenlichen ritter gluecklich strite vnd als sein herr in demselben krieg mangel an wasser het do ward (als sie sagen) auß fuerbitte der cristlichen ritter das wasser wunderperlicher weiß vonn himel gesendet vnd fieln vil plitz auff die teuetschen vnd Sarmacier. Aber als er wider gein Rom zohe do fiel er in vnzucht der vnkeuchschheitvnd allermaist die fuertrffrnlichsten amm adel vnd redlickeit ertoetende: ettlichen die statt verbietende. die land vnd ire pfleg verkauffende. Er was ebner gestlt des leibs. eines trunckengestalten angesichts. vngefueger rede. alweg geferbts hars vnd besenget sein lock vnd part selbs sich vor dem barbirer besorgende Zu der zeit seins suentlichen lebens erlidde die stat Rom ein straff an der verprunst der librarey im capitolio durch einen plitzen. dio er starb wardt er ein feynd des menschlichen geschlchts geurteilt vnd erwuergt im. xij. iar seins kaiserthumbs. Heilius perinar der. xix. Roemisch kaiser ist in dem gepirg Appennino in eim dorff Martis geporn vnd nachfolgend in dem Roemischen wesen ye von eim stand an den andern von seiner guetigkeit wegen gefuerdert vnd zu isigst zt kayserlichicher wirdigkeit erkom worden. aber er wardt von seiner kargheit wegen die dann eim kaiser zumal lasterlich verachtet. Doch was er ein erwirdiger alter man eins eingeschmuckten parts. eins widergepogen hars. faist leibig. ein herrlicher person. mittelmassiger gesprechlichkeit vnd mer liebkosend dann guetig. zu letst ward er von Juli ano dem rechtgelerten in Pallacio erschlagen imm sechsetn monat seins kaiserthumbs. dann die ritter vnd hofflewt hasseten ine. aber das roemisch volck het an seinem todt mißfallen darumb wardt er von rats wegen vnder die goetter ernennet. Iulianus didius was ein nachkomen Pertinacis. als die ritter die senselben kaiser Pertinacem ertoedten sein hawbt an einer stangen durch die statt in das heerhleger truogen. vnd nw diser Julianus desselben Pertinacis leim in dem pallacio gefunden het do ließ er den mit den groesten eren so er mocht bestatten. Ettlich maynen diser Julianus sey der der Pernacem erschlagen vnd das kaiserthumb nach ime bekuemert hab. Die andern sprachen es sey gewesen Julianus das enicklein des großen Juliani des rechtgelerten. dass vorfarn von Mayland gewesen seyen. Diser was der boest mensch der also schentlich lebet dz er dem volck haßlich vnd von meniglichen verlassen wz wardt im. vii. monat seins regiments von Seuro vberwunden vnd erslagen Seuerus de roemisch kaiser auß Affrica des herkomens wardt erstlich in seyner kintheit der krischischen vnd lateinischen schrift also vnderrichtet das er zu hoher verstentnus derselben komen. wenn er in seiner kintheit vnder andern spilet so saß er als ein richter vnd vrteilet. so die andern kindere vmb ine stunden. darnach kom er von lernens wegen gein Rom. daslebst wardt er von eim stand in den andern bis in die kaiserliche wirdigkeit fuergezogen. Er was zumal karg. von natur ernstaftig. mit vil kriegen vermueedet. den gemaynen stand stercklich wiewol muesamigclich regirende. Er was zu der philozophey gar geflißen vnd wider die Partheier. Adiabenier. vnd Arabier ein solcher vberwinder das er der Arabier gegent zu einer roemischen provintzen machet. Er zieret die statt Rom mit gemaynen gpewen vnd was massiger speis. schlechter klaidung. vaterlicher zemess begirig. zu zeitten des weins begerende. des flaisch gewoenlich vnwissende. Er was zierlicher person. vnd groß. eins langen parts. eind groen vnd krawsen hars eins ersamen angesihtts. einer lieplichen stymm vnd sprach seins Affricanischen lands bis in sein alter. Als er aber zu letst mit mancherlay geferlichen anstoeßen nit allain in Syria sunder auch in Gallia vnd in Brittania nach verlaßung schier aller seiner geselschafft vnd verwanten bekuemert wardt do starb er zu Eburaco in Gallia im. xvij. iar seins kaiserthumbs vnnd ließ zwen suen Bassianum vnnd Getam.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Im Jahr der Welt 5363, im Jahr Christi 164. Anicetus, der Papst, von Geburt ein Syrer, war ein Mann von trefflichen Sitten. Er setzte fest, dass kein Kleriker langes Haar tragen sollte, nach dem Gebot des Apostels. Auch sollte kein Bischof von weniger als drei anderen Bischöfen geweiht werden. Sonst hat er viele andere Dinge geordnet. Und als er in fünf Weihen des Monats Dezember 19 Priester, vier Diakone und neun Bischöfe geweiht hatte, wurde er mit der Marter gekrönt und begraben am 17. Tag des April. Er saß 11 Jahre, vier Monate, drei Tage, und der Stuhl ruhte 17 Tage. Im Jahr der Welt 5373, im Jahr Christi 174. Sother, der Papst aus Kampanien, gebürtig aus der Stadt Fundano, war zu den Zeiten des Kaisers L. Commodus. Und obwohl er in vielen Gefährlichkeiten schwebte, kehrte er doch sein Gemüt in so vielen Anfechtungen zu göttlichen Sachen, ordnend, dass keine Klosterfrau einen Chormantel anrühren, noch Weihrauch in das Rauchfass legen sollte, wenn göttliche Ämter stattfanden. Davon war ein Brief vorhanden, den er dieser Dinge halber an die Bischöfe welscher Länder geschrieben hatte. Er setzte auch fest, dass nur diejenige für eine eheliche Hausfrau gehalten werden sollte, die ein Priester nach Aufsetzung eingesegnet hatte, und deren Eltern sie mit zierlichem Gesprenge nach christlichen Sitten ihrem Gemahl zugelegt hatten. Und er verwarf viel Segnen und Zauberei, die man bei den Hochzeiten und neuen Ehen übte. Und als er im Monat Dezember fünf Weihen gehabt und acht Priester und elf Bischöfe geweiht hatte, da starb er und wurde begraben auf dem Kirchhof des Calixtus, als er neun Jahre, drei Monate und 20 Tage gesessen war. Und der Stuhl ruhte damals 21 Tage. Im Jahr der Welt 5383, im Jahr Christi 184. Eleutherius, der Papst aus griechischem Land, von der Stadt Nicopolis, war zu der Zeit des Kaisertums des L. Antoninus Commodus. Dieser setzte fest, dass niemand wegen Überfluss irgendeine Art von Speise verschmähen sollte, von der die menschliche Natur gewohnt ist, gespeist zu werden. Er wollte auch nicht, dass jemand von seinem Stand entsetzt werden sollte, es sei denn, er wurde auf Anklage der Missetat schuldig befunden. Zu Zeiten dieses Papstes ist der Kirche Friede und Ruhe gegeben worden, und der christliche Name ist durch alle Lande auf wunderbarliche Weise gemehrt worden, allermeist zu Rom, wo dann viele edle Römer mitsamt ihren Weibern und Kindern in den christlichen Glauben aufgenommen und getauft worden sind. Dieser Papst empfing einen Sendbrief von Lucius, dem König Britanniens, dass er ihn und die Seinen in die Zahl der Christen aufnehmen sollte. Als er zuletzt im Dezember in drei Weihen Priester und Bischöfe geordnet hatte, da starb er und wurde bei Sankt Peters Leichnam begraben am 26. Tag des Monats Mai. Als er 15 Jahre, drei Monate, zwei Tage gesessen war, und der Stuhl ruhte fünf Tage. Im Jahr der Welt 5398, im Jahr Christi 193. Victor, der Papst, gebürtig aus Afrika, setzte fest, dass Ostern am Sonntag vom 14. Tag des Mondes des ersten Monats bis zum 21. Tag gehalten werden sollte, das zuvor mit den Juden am 14. Tag gehalten wurde. Dasselbe Gesetz wurde danach im Konzil zu Nicäa bestätigt, auf dass wir nicht gesehen würden, den Juden nachzufolgen. Dieser Victor wurde gemartert und bei Sankt Peter begraben. Und er saß zehn Jahre, drei Monate, zehn Tage. Damals ruhte der Stuhl 12 Tage. Zephyrinus, der Papst, ein Römer, war zu den Zeiten des Kaisers Severus, ein sehr heiliger Mann, mehr auf göttliche als auf menschliche Sachen bedacht. Darum setzte er fest, dass ein Levit und Priester in Beisein gläubiger Kleriker und Laien geweiht werden sollte, was dann danach in dem Lacedonischen Konzil bestätigt wurde. Er ordnete auch, dass die Segnung des göttlichen Blutes in einem gläsernen Gefäß und nicht in einem hölzernen (wie zuvor) geschehen sollte. Aber diese Satzung wurde nachfolgend verwandelt und vorgenommen, solche Segnung weder in Holz noch in Glas, sondern in Gold oder Silber oder Zinn zu vollziehen. Item, er setzte fest, dass alle christlichen Menschen, die zu ihren vogtbaren Jahren gekommen wären, alle Jahre am heiligen Ostertag öffentlich das heilige Sakrament empfangen sollten. Zuletzt, nach Weihe etlicher Priester und Bischöfe, starb er, als er acht Jahre, sieben Monate, zehn Tage gesessen war. Im Jahr der Welt 5413, im Jahr Christi 214. Calixtus, der Papst, ein Römer und ein göttlicher, hochweiser, heiliger Mann, hat in großer Betrübnis des christlichen Wesens unter den boshaften Kaisern, unabgetreten von seinem Vorhaben, viermal im Jahr, als die vier Quatember oder Goldfasten, zu fasten geordnet. Von denselben vier Zeiten her sind auch die Weihen gehalten worden, die zuvor in dem Monat Dezember geschahen. Er hat auch einen Kirchhof seines Namens gebaut, darin viele Märtyrerleichen begraben wurden. Als er aber Palmachius und Simplicius, die Römer, und Felix, den Edelmann, mit ihrem Hausgesinde getauft und viele Priester und Bischöfe geweiht hatte, da wurde er am 14. Tag des Monats Oktober von dem Kaiser Alexander mit Marter gekrönt, als er sechs Jahre, zehn Monate, zehn Tage gesessen war. Blatt 115. Commodus Lucius Antonius, der 18. römische Kaiser, ist nach M. Antonius Verus, seinem Vater, Kaiser gewesen. Seine Mutter Faustina hatte, als sie mit ihm schwanger war, einen Traum, wie sie viele Schlangen und unter diesen eine grausamere gebären würde. Und sie gebar Commodus und Antonius. Nach dem Absterben desselben hatte Marcus, der Vater, großen Fleiß, den Commodus durch Lehre und Anweisung guter Männer zu unterrichten. Und wiewohl dieser Commodus treffliche griechische und lateinische Anweiser und Meister hatte, so waren sie ihm doch gar nicht nützlich, sondern er war von erster Kindheit an ein befleckter, unfrommer, grausamer, unkeuschgieriger Mensch, der im 12. Jahr seines Alters Anzeichen seiner künftigen Grausamkeit erscheinen ließ. Er zog mit dem Vater in den Teutschen Krieg, darin er weder der Scham noch irgendeiner Züchtigung verschont wurde. Zuletzt hatte er keine Gemeinschaft mit dem Vater, sondern war jedermann unfügsam und unnütz, außer allein, dass er wider die Teutschen durch Hilfe der christlichen Ritter glücklich stritt. Und als sein Herr in demselben Krieg Mangel an Wasser hatte, da wurde (wie sie sagen) aus Fürbitte der christlichen Ritter das Wasser auf wunderbarliche Weise vom Himmel gesendet, und es fielen viele Blitze auf die Teutschen und Sarmaten. Aber als er wieder gen Rom zog, da fiel er in Unzucht der Unkeuschheit und tötete allermeist die vortrefflichsten vom Adel und an Redlichkeit: etlichen die Stadt verbietend, die Länder und ihre Pflege verkaufend. Er war von ebener Gestalt des Leibes, eines trunkenen Angesichts, ungefüger Rede, allweg gefärbten Haares und versengte seine Locken und Bart selbst, sich vor dem Barbier fürchtend. Zu der Zeit seines sündlichen Lebens erlitt die Stadt Rom eine Strafe an der Verbrennung der Bibliothek im Kapitol durch einen Blitz. Als er starb, wurde er ein Feind des menschlichen Geschlechts geurteilt und erwürgt im 12. Jahr seines Kaisertums. Helvius Pertinax, der 19. römische Kaiser...

Anmerkungen

vm. iijc. lxiij.
römisch für 5363 (Jahr der Welt)
c. lxiiij.
römisch für 164 (Jahr Christi)
Anicetus
Papst Anicetus (ca. 157–168)
babst
Papst
gepurt ein Sirier
von Geburt ein Syrer
treffenlicher sitten
von ausgezeichneten Sitten
einicher clerick einich langes har nit ziehen solt
kein Kleriker sollte langes Haar tragen/wachsen lassen
gepot des appostels
Gebot des Apostels
weyhungen
Weihen (Priester-, Diakonen-, Bischofsweihen)
xix.
römisch für 19
briester
Priester
newn
neun
marter gekroent
mit dem Martyrium gekrönt
amm. xvij. tag aprilis
am 17. Tag des April
xi.
römisch für 11
feyret der stul
der Stuhl ruhte (Vakanz des Papststuhls)
xyij.
römisch für 17
vm. iijc. lxxiij.
römisch für 5373 (Jahr der Welt)
c. lxxiiij.
römisch für 174 (Jahr Christi)
Sother
Papst Soter (ca. 166/167–174/175)
Campania
Kampanien (Region in Italien)
pitig von das statt Fundano
gebürtig aus der Stadt Fundano (heute Fondi, Italien)
L. Comodi des kaisers
Kaiser Lucius Commodus (reg. 177–192)
geferlichkeiten schwever
in Gefährlichkeiten schwebte
keret er sein gemuet in souil anfechtungen zu goettlichen sachen ordnende
er wandte sein Gemüt in so vielen Anfechtungen zu göttlichen Sachen, ordnend
closterfraw
Klosterfrau, Nonne
chormantel
Chormantel (liturgisches Gewand)
anrueren
berühren
weyrauch
Weihrauch
rauchfaß
Rauchfass
goettlicheambt beschehen
wenn göttliche Ämter (Gottesdienste) stattfanden
epistel
Brief
diser ding halben
dieser Dinge halber, deswegen
Welscher land
Welsche Länder (oft Italien oder romanischsprachige Gebiete)
eeliche hawßfraw
eheliche Hausfrau
auffsatzung eingesegnet
nach Aufsetzung (der Ehe) eingesegnet
zierlichen gespreng
zierlichem Gesprenge (könnte sich auf Brautkranz, Schmuck oder Mitgift beziehen, oder eine Art Segnung)
irem gemahel zu gelegen
ihrem Gemahl zugelegt, übergeben
segnens vnd zawberey
Segnen und Zauberei (im Sinne von Aberglauben oder heidnischen Bräuchen)
hohzeiten vnd newen een
Hochzeiten und neuen Ehen
viij.
römisch für 8
kirchoff Calisti
Kirchhof des Calixtus (Katakomben des Calixtus in Rom)
ix.
römisch für 9
xx.
römisch für 20
xxi.
römisch für 21
vm. iijc. lxxxiij.
römisch für 5383 (Jahr der Welt)
c. lxxxiiij.
römisch für 184 (Jahr Christi)
Eleutherius
Papst Eleutherius (ca. 174/175–189)
kriechischem land
griechischem Land
Nicopoli
Nicopolis (Stadt, vermutlich in Epirus, Griechenland)
L. Antonini Comodi
Kaiser Lucius Antoninus Commodus
nymand von vberfluss wegen einich geschlecht der speiß do nut die menschlic gewonet gespeyset wuerdt verschmehen solt
niemand sollte wegen Überfluss irgendeine Art von Speise verschmähen, von der die menschliche Natur gewohnt ist, gespeist zu werden (Regelung bezüglich der Speisevorschriften)
ymand von seinem stand entsetzt
jemand von seinem Stand (Amt) entsetzt
anclagung der mißtat
Anklage der Missetat
kirchen frid vnd ruoe
Kirchenfriede und Ruhe
cristlich namen
christlicher Name
durch alle erden
durch alle Lande/Erden
wunderperlicer weiß gemeret
auf wunderbarliche Weise gemehrt
allermaist zu rom
allermeist zu Rom
mitsambt iren weibern vnd kindern
mitsamt ihren Weibern und Kindern
sendbrieff
Sendbrief, Rundschreiben
Lucio dem konig Brittannie
Lucius, dem König Britanniens (legendärer britischer König, der sich angeblich an den Papst wandte)
zal der Christen
Zahl der Christen
vd
und
sant Peters leichnam
Sankt Peters Leichnam
xxvi.
römisch für 26
xv.
römisch für 15
vm. iijc. vciij.
römisch für 5398 (Jahr der Welt)
c. xciij.
römisch für 193 (Jahr Christi)
Victor
Papst Viktor I. (ca. 189–199)
Affrica pirtig
gebürtig aus Afrika
ostern amm suntag von den. xiiij. tag des monds des ersten monats bis an den. xxi. tag gehalten werden solt
Ostern sollte am Sonntag vom 14. Tag des Mondes des ersten Monats bis zum 21. Tag gehalten werden (Regelung des Ostertermins, Quartodezimanerstreit)
xiiij.
römisch für 14
xxi.
römisch für 21
dauor mit den Juden amm. xiiij. tag gehalten wardt
das zuvor mit den Juden am 14. Tag gehalten wurde
concili zu Niceno
Konzil zu Nicäa (Konzil von Nicäa, 325 n. Chr.)
auff das wir nit gesehen wuerden den iuden nachzefolgen
auf dass wir nicht gesehen würden, den Juden nachzufolgen
gemartert
gemartert, das Martyrium erlitten
zehen
zehn
xij.
römisch für 12
zepherinus
Papst Zephyrinus (ca. 199–217)
keisers Seueri
Kaiser Severus (Septimius Severus, reg. 193–211)
hailiger man mer auff goettlich dann auff menschlich sachen geflissen
heiliger Mann, mehr auf göttliche als auf menschliche Sachen bedacht
leuit
Levit (hier: Diakon)
beywesen glawbiger clerick vnd layen
Beisein gläubiger Kleriker und Laien
Lacedonischen concili
Lacedonisches Konzil (vermutlich eine alte oder fehlerhafte Bezeichnung für ein Konzil, da das Konzil von Laodicea später stattfand)
gesegnung des goettlichen pluots
Segnung des göttlichen Blutes (Eucharistie)
glaserin gefaße
gläsernes Gefäß
hueltzern
hölzern
satzung wardt nachfolgend verwandelt
Satzung wurde nachfolgend verwandelt
fuergenomen
vorgenommen
solber
Silber
zin
Zinn
zevolbrigen
zu vollziehen
Jtem
Item (ferner, desgleichen)
vogtpern iarn
vogtbaren Jahren (Mündigkeitsalter, Alter der Erstkommunion)
heiligen ostertag
heiligen Ostertag
heilig sacrament
heiliges Sakrament (Eucharistie)
elttlicher
etlicher
acht
acht
x.
römisch für 10
vm. iiijc. xiij.
römisch für 5413 (Jahr der Welt)
ijc. xiiij.
römisch für 214 (Jahr Christi)
Calirtus
Papst Calixtus I. (ca. 217–222)
goetlicher hohweyser heliger man
göttlicher, hochweiser, heiliger Mann
betruebnus des cristlichen wesens
Betrübnis des christlichen Wesens
boßhaftigen kaisern
boshaften Kaisern
vnabgetretten von seinem fuernemen
unabgetreten von seinem Vorhaben, unbeirrt
quatrmprt oderngoldfasten
Quatember oder Goldfasten (Quatemberfasten, vier Fastenzeiten im Kirchenjahr)
zefasten
zu fasten
kirchoff seins namens gepawt
Kirchhof seines Namens gebaut (Katakomben des Calixtus in Rom)
mater leichnam
Märtyrerleichen
Palmachinn vnd Simplicium
Palmachius und Simplicius (Märtyrer)
Felicem den edel man
Felix, den Edelmann (Märtyrer)
hawßgesind
Hausgesinde
octobris
Oktober
kaiser alexandro
Kaiser Alexander (Severus, reg. 222–235)
vi.
römisch für 6
Blat CXV
Blatt 115
Comodos lucius antonius
Commodus Lucius Antonius (Kaiser Commodus, reg. 177–192)
xviij.
römisch für 18
M. antonio vero
Marcus Antonius Verus (Kaiser Marcus Aurelius, reg. 161–180)
Faustina
Faustina die Jüngere (Ehefrau des Marcus Aurelius)
trawm
Traum
depare Comodum und Antonium
sie gebar Commodus und Antonius (historisch ungenau, Commodus hatte einen Zwillingsbruder namens Antoninus, der früh starb, aber der Text impliziert hier zwei Söhne)
absterben desselben
nach dem Absterben desselben (Marcus Aurelius)
lere vnd anweysung guter mann zeunderichten
Lehre und Anweisung guter Männer zu unterrichten
trefflich kriechisch vnd lateinisch anweyser vnd maister
treffliche griechische und lateinische Anweiser und Meister (Lehrer)
ime doch gar nicht nuetz
ihm doch gar nicht nützlich
befleckter. vnfrummer. grausamer. vnkeueschgiriger mensch
befleckter, unfrommer, grausamer, unkeuschgieriger Mensch
xij iar seins alters
12. Jahr seines Alters
anzaigung seiner kuenftigen grausamkeit erscheinen ließ
Anzeichen seiner künftigen Grausamkeit erscheinen ließ
teuetschen krieg
Teutschen Krieg (Markomannenkriege)
der scham noch einicher zerung verschoner
weder der Scham noch irgendeiner Züchtigung verschont
gemaynsam
Gemeinschaft
allermeniglichem vnfugsam vnd vnnuetz
jedermann unfügsam und unnütz
wider die teuetschen durch hilff der cristenlichen ritter gluecklich strite
wider die Teutschen durch Hilfe der christlichen Ritter glücklich stritt (Bezug auf das 'Regenwunder' der Legio XII Fulminata)
mangel an wasser
Mangel an Wasser
fuerbitte der cristlichen ritter
Fürbitte der christlichen Ritter
wunderperlicher weiß vonn himel gesendet
auf wunderbarliche Weise vom Himmel gesendet
plitz
Blitze
Sarmacier
Sarmaten (antikes Volk)
gein Rom zohe
gen Rom zog
vnzucht der vnkeuchschheit
Unzucht der Unkeuschheit
fuertrffrnlichsten amm adel vnd redlickeit ertoetende
die vortrefflichsten vom Adel und an Redlichkeit tötend
ettlichen die statt verbietende
etlichen die Stadt verbietend (verbannend)
land vnd ire pfleg verkauffende
Länder und ihre Pflege (Ämter, Einkünfte) verkaufend
ebner gestlt des leibs
ebener Gestalt des Leibes (wohl: wohlproportioniert)
trunckengestalten angesichts
trunkenen Angesichts
vngefueger rede
ungefüger Rede (unangemessene, grobe Rede)
alweg geferbts hars vnd besenget sein lock vnd part selbs sich vor dem barbirer besorgende
allweg gefärbten Haares und versengte seine Locken und Bart selbst, sich vor dem Barbier fürchtend
suentlichen lebens
sündlichen Lebens
verprunst der librarey im capitolio durch einen plitzen
Verbrennung der Bibliothek im Kapitol durch einen Blitz
feynd des menschlichen geschlchts geurteilt vnd erwuergt
Feind des menschlichen Geschlechts geurteilt und erwürgt
Heilius perinar
Helvius Pertinax (Kaiser Pertinax, reg. 193)
xix.
römisch für 19