Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter left Lucius Coilli des konigs Fusci sun ein konig in engelland oder Brittannia wardt von got dem herren gefordert. er sendet einen brieff an Eleuetherium den babst mit begerung ine vnd die seinen in die zal der christen zenemen. demnach schicket der babst die treffenlichen mann Fugacium vnd Damianum da selbst hin den konig vnd das volck zetawffen. Diser Lucius hat nach empfangnem tawff alle ligende gueter der haidnischen tempel den christenlichen kirchen geweytert vnd gemeret vber geben vnd sein vaterland vnd konigreich verlassen. erstlich in Galliam vnd darnach in dz oeber rieß durch die statt augspurg gein Chur gezogen vnd dasselb volck dem herrn vndertanig gemacht vnd rastet daselbst im frid an tugenten vnd wunderzaichen scheinende. Aber Emerita sein schwester hat in einen castel nahent dabey Trimis genant mit der marter des fewrs die ewigen kron verdient. Ir tag wirdt begangen am dritten tag des monats decembris vnd hat dz gantz Bayerland vnd ober Rieße zwischen dem gepirg cristo erobert Trogus pompeius ein Hispanier vnd geschihtbeschreiber ist auch beruembt gewest darumb das er die geschihten von Belo dem vater Nini des konigs Assiriorum bis auff das einich fuerstenthumb vnd monarchey den kaysers Julij in latein beschriben vnd dieselben in. xliiij. buecher geteylt hat. Dieselben buecher hat darnach Justinus der geschihtbeschreiber in ein kuertzere form vnd maynung gezogen. left right Dionisius ein bischoff der Chorinthier ist zu den zeiten Sotheris (als Eusebius schreibt) gewesen. vnd was ein man solcher geprechlichkeit vnd redlichkeit das er nit alla in das volck seiner statt vnd prouintz. sunder auch die bischoff andrer stett vnd prouintzen mit seinen episteln vnd sendbrieffen leret vnd vnnderrichtet. dann auch die bischoff andrer stett vnd prouintzen mit seinen episteln vnd sendbrieffen leret vnd vnnderrichtet. dann nach dem er der lere des appostels Pauli berichtet was so mocht er leichtlich an heiligkeit vnnd vnderweysung die andern imm ambt behalten vnd mit seinen schrifften leren. der er dann sechs an sechs oerter gar nuetzlich geschriben hat. Sunst sin auch zu diser zeit vil mehr hohgleerter mann in leben gewesen. Theodocion ein Asianer von Epheso ein hohglerter vnnd der schrifft wolwissender man. der drit außleger der goetlichen schrift hat diser zeit auch nach neben dem obgeschriben mannen gereichßnet vnd außerhalb seiner außlegeung vnd tulmetschung auch sunst vil schrifften von dem lob cristenlichs glawbens hinder ime gelaßen. Er ist des hohgelerten mans Taciani vor vnd ee er in die ketzery fiele iunger gewest vnd hat mit seinen schrifften den ketzer Appellem gar schickerlich belachet das er sprach dz er got den er eret nit kennet. dann er saget dz cristus nit got in der warheit sunder eine mensch in der fanthesey erschinen wer. Clemens ein briester von Alexandria ein fuertreffenlicher hoherfarner man hat (als Jheronimus schreibt) mit den vorgenanten gereichßnet vnd vil vnd mancherlay nit allain buecher sunder auch treffenlich sendbrieff geschriben vnd gemacht vnd Origenes ist sein iunger gewest Appollonius ein roemischer ratgeb vnd hoherfarner man hat auch zu den zeiten des babsts eleuetherij als der kirchen frid gegeben wardt allain die marter gelidden. do er von ein schoene red von dem lob des cristenlichen glawbens gehabt het. dz dann zu den zeiten beym leben verboten wz Er vberantwurtet ein treffenlich buoch dem keiser comodo dz er in eim rat froelich lesen ließ. darnach wardt er dz er ein cristen man wer von seinen knecht verraten vnd enthawbt amm. xviij. tag aprilis. vnd nach seinem absterben namen vil ketzerey vberhand etc. Tercullianus von carhagine eins rittermaisters vnd ratherrn sun an sinnreichigkeit vnd lere hoberumbt hat diser zeit (als sant Jheronimus schreibt) gereichßnet. Diser wardt zu mittelm alter der clericken der aller namhaftigst zu rom auß neyd der clericken mit schmeungen vnd gewaltsame also bekuemert vnd beschwert dz er sich an Montani des ketzers lere zukeren gezwungen wardt. darumb vnderstund er sich vil buecher wider den christenlichen glawben zeschreiben vnd er lebet bis auff in ein abkomens verlebts alter. Blat CXVI der werlt DJe fuenft verfolgung der cristen menschen hat auß zorn vnd befelhnus des kaisers Seueri in disen iaren anfang genomen. Er wz der fuenft von Nerone der die cristen verfolget. doch wardt er stettigclich mit mancherlay geferlichkeiten vnd kriegen angefochten vnd bekuemert. so waren die roemer nit on goettliche rachsal. dann sie warden alßpald mit burgerlichen kriegen wunderperlicher weiß betruebt. in welcher verfolgung die hernachbenanten gelidden haben left Hireneus der bischoff zu Lyon ein fast hohgelert man wardt also alterin derselben statt von den cristenlichen namens wegen bemartert. dann er was vnder dem kaiser Comodo in großem ruom. vnd (als Jheronimus schreibt) ein iunger policarpi des martrers. von demselben ward er also gelert das ere fuenff buecher wider die ketzerey. vnnd eins wider die haiden. vnd sunst mer andere geschriben hat. zu letst wardt er von dem kaiser Seuero auff zwen puehel. auff der einen ein creuetz. auff dem andern ein abgot stund. gestelt den todt durch dz creuetz. oder dz leben durch den abgot zeerwelen. aber er kome mit dem volck zum creuetz vnd sie warden alle mit marter bekroenet am. xxviij. tag Junij. right Leonides von Alexandria des großen Origenis vater gar ein frumm man hat in diser verfolgung die marter gelidden. dem wolt Origenes sein sun in der marter imm zehenden iar des kaisers Pertinacis noch also iunger nachgefolgt haben wo er auß goettlichem willen zu vil menschen nutzperkeit nit enthalten vnd durch muterliche sorgfeltigkeit nit verhindert wer worden. dann als er ime het fuergenomen des morgens Christum offenlich zeueriehen do warden ime seine klaider in der nacht durch die muter haymlich auffgehebt vnd er also vor den Tirannen behalten. aber er vermanet seinen vater zu der marter vnd wardt mit sechs bruedern vnd der muter arm verlassen vnd das vaterlich guot von irer veriehung wegen des cristenlichen glawbens in einen gemaynen pewtel genomen. left Eugenia des durchleuechtigen roemers Philippi des richters tochter ein schoene iunckfraw in den freyen kuensten gelert ist mit Protho vnd Jacincto den brudern die ire eltern verließen durch den bischof Helenum getauft vnd darnach in manlicher klaidung in einem closter wonende durch Melanciam das weib vmb vergeweltigung vnd notzerrung angeclagt vnd deßhalb fuer den richter gefuert vnd zur berayten marter bedroet worden. aber als sie irn rock den sie an het zerriße vnd ein weibs pild er scheine. vnnd sie sich als sein tochter erzaiget do geschah ein freued dem volck mit forchten. dann Melancia wardt mit allem irem haws mit wunderperlichem fewr verprennt. vnnd ire eltern liesen sich mit gantzem hawßgesind tauffen. darnach zohe sie mit der muter vnd bruedern Protho vnd Jacicnto gein Rome mit ebenpild der tugent vil menschen zum glawben raitzende. vnd sunderlich Basiliam zu ewiger keuescheit vermanende. darumb als sie der goettin Dyana nit opffern wolt do wardt sie an einen stayn gepunden vnd in die Tyber geworffen. aber der stayn zerbrache vnnd sie blib vnuerseret. Zu letst nach vil marter vnd quelung wardt sie an dem tag der gepurt Christi imm kercker ertoedt vnd ir leichnam nit verr von rom auff irem aigen grund vnd poden begraben. right Perpetua vnd Felicitas die heiligen frawen sind in Mauritania in der Tiburbitanier statt mitsambt Saturnino vnd Secundolo amm sibenden tag marcij gemartert. vnd nach absterben Secundoli imm kercker den wilden thiern fuergeworffen vnnd zerrissen worden. Narcissus ein patriarch zu Jherusalem ist zu den zeiten Victoris des babsts vnd Seueri des kaisers gewest. Auff ein zeit als mangel des oels in den ampeln erschine. do hieß er wasser darein giessen do keret sich das wasser in faistigkeit vnd gab den ampeln liechtern schein. Er ward von falschen zeuegen angeclagt. die warden mit goettlicher straff beschwert. vnd er gieng in die wueestnuß. vnd als er darnach alters halben dem ambt nit vor sein mocht do wardt Alexander der bischof Capadocie an sein statt mit seiner verwilligung aufgenomen. Er wardt darnach auch gemartert. Eusebius potencianus Vincencius vnd Peregrinus die edeln Roemer warden vor diser zeit under dem kaiser Comodo vmb cristenlichs glawbens willen getoedt. vnd doch vor mit vil marter vnnd peinigung geangstigt vnd gequelet. Iulius der Roemisch ratgeb ist auß derselben martrer lere mit allem seinem haws zu Christo bekert vnd durch Ruffinum getaufft vnd auff gescheft des kaises mit kolben erschlagen worden. Dess leichnam begruob Eusebius. Dem hieß Vitellius der richter die zungen abschneiden. do dz geschah do sang er got lob. Dauon wardt Antoninus glawbig. der enthawt wardt. So wardt Eusebius darnach mit pleyzaynen so lang geschlagen bißer starb.
Das sechste Zeitalter. Lucius Coilli, der Sohn des Königs Fuscus, ein König in England oder Britannien, wurde von Gott dem Herrn berufen. Er sandte einen Brief an Eleutherius, den Papst, mit der Bitte, ihn und die Seinen in die Zahl der Christen aufzunehmen. Daraufhin schickte der Papst die hervorragenden Männer Fugacius und Damianus dorthin, um den König und das Volk zu taufen. Dieser Lucius hat nach empfangener Taufe alle liegenden Güter der heidnischen Tempel den christlichen Kirchen erweitert und vermehrt übergeben und sein Vaterland und Königreich verlassen. Zuerst zog er nach Gallien und danach ins obere Rätien, durch die Stadt Augsburg nach Chur, und machte dieses Volk dem Herrn untertanig und ruhte dort in Frieden, leuchtend an Tugenden und Wundern. Aber Emerita, seine Schwester, hat in einer nahegelegenen Burg namens Trimis mit dem Feuertod die ewige Krone verdient. Ihr Gedenktag wird am dritten Tag des Monats Dezember begangen, und sie hat das ganze Bayernland und Oberrätien zwischen dem Gebirge für Christus erobert. Trogus Pompeius, ein Hispanier und Geschichtsschreiber, war auch berühmt, weil er die Geschichten von Belus, dem Vater Ninos, des Königs der Assyrer, bis auf das einzige Fürstentum und die Monarchie des Kaisers Julius in Latein beschrieben und dieselben in 44 Bücher geteilt hat. Dieselben Bücher hat danach Justinus, der Geschichtsschreiber, in eine kürzere Form und Fassung gebracht. Dionysius, ein Bischof der Korinther, lebte zu den Zeiten Soters (wie Eusebius schreibt). Und er war ein Mann solcher Vortrefflichkeit und Redlichkeit, dass er nicht nur das Volk seiner Stadt und Provinz, sondern auch die Bischöfe anderer Städte und Provinzen mit seinen Episteln und Sendbriefen lehrte und unterrichtete. Denn nachdem er in der Lehre des Apostels Paulus unterrichtet war, so konnte er leicht an Heiligkeit und Unterweisung die anderen in ihrem Amt erhalten und mit seinen Schriften lehren, die er dann sechs an sechs Orten sehr nützlich geschrieben hat. Sonst sind auch zu dieser Zeit viel mehr hochgelehrte Männer am Leben gewesen. Theodotion, ein Asianer von Ephesus, ein hochgelehrter und der Schrift wohlwissender Mann, der dritte Ausleger der göttlichen Schrift, hat zu dieser Zeit auch neben den oben beschriebenen Männern gewirkt und außerhalb seiner Auslegung und Übersetzung auch sonst viele Schriften über das Lob des christlichen Glaubens hinterlassen. Er ist des hochgelehrten Mannes Tatianus, bevor und ehe er in die Ketzerei fiel, ein Jünger gewesen und hat mit seinen Schriften den Ketzer Apelles sehr geschickt verspottet, dass er sprach, er kenne den Gott nicht, den er ehrt. Denn er sagte, dass Christus nicht Gott in Wahrheit, sondern ein Mensch in der Phantasie erschienen sei. Clemens, ein Priester von Alexandria, ein vortrefflicher, hoch erfahrener Mann, hat (wie Hieronymus schreibt) mit den Vorgenannten gewirkt und vielerlei, nicht allein Bücher, sondern auch treffliche Sendbriefe geschrieben und verfasst, und Origenes ist sein Jünger gewesen. Apollonius, ein römischer Ratgeber und hoch erfahrener Mann, hat auch zu den Zeiten des Papstes Eleutherius, als der Kirche Frieden gegeben wurde, allein die Marter gelitten. Nachdem er eine schöne Rede über das Lob des christlichen Glaubens gehalten hatte, was damals bei Lebensstrafe verboten war. Er überreichte ein treffliches Buch dem Kaiser Commodus, das dieser in einem Rat fröhlich lesen ließ. Danach wurde er, weil er ein Christ war, von seinem Knecht verraten und am 18. Tag des April enthauptet. Und nach seinem Ableben nahmen viele Ketzereien überhand etc. Tertullian von Karthago, Sohn eines Rittermeisters und Ratsherrn, an Sinnreichtum und Lehre hochberühmt, hat zu dieser Zeit (wie der heilige Hieronymus schreibt) gewirkt. Dieser wurde im mittleren Alter der Kleriker der namhafteste in Rom, aber aus Neid der Kleriker mit Schmeicheleien und Gewalt so bekümmert und beschwert, dass er sich gezwungen sah, sich der Lehre des Ketzers Montanus zuzuwenden. Darum unternahm er es, viele Bücher wider den christlichen Glauben zu schreiben, und er lebte bis in ein hohes, abgelebtes Alter. Blatt 116 der Welt. Die fünfte Verfolgung der Christen hat aus Zorn und Befehl des Kaisers Severus in diesen Jahren ihren Anfang genommen. Er war der fünfte nach Nero, der die Christen verfolgte. Doch wurde er ständig mit mancherlei Gefährlichkeiten und Kriegen angefochten und bekümmert. So waren die Römer nicht ohne göttliche Rache. Denn sie wurden alsbald mit Bürgerkriegen auf wunderbare Weise betrübt. In welcher Verfolgung die hiernach Genannten gelitten haben: Irenäus, der Bischof zu Lyon, ein sehr hochgelehrter Mann, wurde im Alter in derselben Stadt wegen des christlichen Namens gemartert. Denn er stand unter Kaiser Commodus in großem Ruhm und war (wie Hieronymus schreibt) ein Jünger Polykarps, des Märtyrers. Von demselben wurde er so gelehrt, dass er fünf Bücher wider die Ketzerei und eines wider die Heiden und sonst mehr andere geschrieben hat. Zuletzt wurde er von Kaiser Severus auf zwei Hügel gestellt, auf dem einen ein Kreuz, auf dem anderen ein Götzenbild stand, um den Tod durch das Kreuz oder das Leben durch das Götzenbild zu wählen. Aber er kam mit dem Volk zum Kreuz, und sie wurden alle mit Marter gekrönt am 28. Tag des Juni. Leonides von Alexandria, der Vater des großen Origenes, ein sehr frommer Mann, hat in dieser Verfolgung die Marter gelitten. Ihm wollte Origenes, sein Sohn, in der Marter im zehnten Jahr des Kaisers Pertinax noch so jung nachgefolgt sein, wäre er nicht aus göttlichem Willen zur Nützlichkeit vieler Menschen zurückgehalten und durch mütterliche Sorgfalt nicht verhindert worden. Denn als er sich vorgenommen hatte, am Morgen Christus öffentlich zu bekennen, da wurden ihm seine Kleider in der Nacht von der Mutter heimlich weggenommen und er so vor den Tyrannen bewahrt. Aber er ermahnte seinen Vater zur Marter und wurde mit sechs Brüdern und der Mutter arm verlassen, und das väterliche Gut wurde wegen ihres Bekenntnisses des christlichen Glaubens in einen gemeinsamen Beutel genommen. Eugenia, die Tochter des durchlauchtigen Römers Philippus, des Richters, eine schöne Jungfrau, in den freien Künsten gelehrt, ist mit Prothus und Hyacinthus, den Brüdern, die ihre Eltern verließen, durch den Bischof Helenus getauft und danach in männlicher Kleidung in einem Kloster wohnend von Melantia, der Frau, wegen Vergewaltigung und Nötigung angeklagt und deshalb vor den Richter geführt und zur bereiteten Marter bedroht worden. Aber als sie ihren Rock, den sie anhatte, zerriss und ein weibliches Bild erschien und sie sich als seine Tochter zeigte, da geschah dem Volk eine Freude mit Furcht. Denn Melantia wurde mit ihrem ganzen Haus mit wunderbarem Feuer verbrannt, und ihre Eltern ließen sich mit dem ganzen Hausgesinde taufen. Danach zog sie mit der Mutter und den Brüdern Prothus und Hyacinthus nach Rom, viele Menschen durch das Vorbild der Tugend zum Glauben reizend, und besonders Basilia zur ewigen Keuschheit ermahnend.