Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger
Das sechst alter left Origenes von Alexandria pirtig Leonidis des martrers vnd ein briester der kirchen zu Alexandria. ein fuerst aller naturlichen maister vnd lerer der heiligen schrift seiner zeit hat zu disen zeiten in Alexandria geplueet. vnnd nach dem er aber von iugent auff der allercristenlichst vnd ein iunger einer allerfuerscheinlichsten sinnreichigkeit wz. so hat er im. x. iar des kaisers Seueri pertinacis vnder 8 cristenlichen verfolgung darinn Leonida sein vater gemartert vnd durch denselben Origenem seinen also iungen sun zu der marter vermanet wardt. nach absterben seins vaters die cristen menschen die von den tirannen durch peynigung verdruckt worden nach vermuegen beschuetzt vnd die zum todt gefuert vnerschroeckenlich getroest. vnd sich darnach gantzer zur gaistlichkeit gekert vnd das ambt des predigens gehabt. Nw was er solcher großer sinnreichigkeit das ime kein gezuenge noch schrift verborgen was. Er geprauchet sich wunderperlicher massigkeit in speis vnd getranck vnd enthaltung in frembden dingen. dann er hat auch der armuot Christi nachefolgt vnd vil iar mit ploßen fueßen gewandert. vil menschen haben in nachfolgung seiner tugent vmb den glawben Christi die marter willigclich gelidden. Er hat die ketzerey der Hebionitarum vberfochten. die dann hielten das Christus auß Joseph vnd Maria ein lawter mensch geporn wer vnd verkuendeten das gesetz nach iudischem sitten zehalten. Er hat auff einichem federpeth nie geschlaffen sunder sich gantz vom flaisch enthalten. vnd die keueschheit also geliebet das er auß inpruenstigkeit des glawbens sichselbs seins manlichen muegens berawbet von wegen seiner schriftlichen weyßheit außsprechung vnd gestrengen lebens wardt er von dem cristlichen weib Mamea der muter des kaisers Alexandri gein Anthiochiam gefordert vnd von ir vnd irem sun in großer achtung gehalten. Origenes was an sinnreichigkeit vnd schriftlicher weißheit also geschickt das ime siben schreiber kauom genuog nachschreiben kunden. So het er sunst siben ander buochschreiber vnd siben wolberichte iunckfrewlein die er alle mit abschreibung seiner angegebnen schrift vnd lere mueed machet. vnd wiewol er durch Porphirium den grimmigen verfolger des cristenlichen namenns als sein feind geachtet wardt so ist er doch yezuzeiten auch also durch ine gelobet worden das er ine eine fuersten der naturlichen maister hieß. vnd sprach das er alle heymliche kunst Platonis erfolgt het. Jheronimus spricht diser Origenes hab. vim. buecher geschriben. Doch hat er (als Augustinus vnd Jheronimus melden) in vil stuecken geirret. allermaist im buoch vomm fuerstenthumb gemacht Periarchon genannt. von dannenher die Origenianisch ketzerey entstuonde. Dieselben ketzer sprachen. das Christus ettwen auß großer barmhertzigkeit nit allain die menschen sunder auch die abtruennigen engel erloesen wuerd. Aber Origenes sol (als ettlich sprechen) in einer schrift an den babst Fabianum getan einen rewen ab boßlich fuerbrachten dingen gehabt haben. Ettlich legen die vrsach seins irrthumbs auff Ambrosium einen seinen widerwertigen der die vngerechtfertigten schriften Origenis eroffnet vnd fuerbracht hat. darumb so wirdt er von ettlichen. als von Eusebio vnd Ruffino vnd andern fast hohgelobt. vnd sind ettliche seiner schrift von der kirchen angenommen. vnd er starb im. lxix. iar seins alters. right left Vulpianus der rechtgelert ein fuertreffenlicher man des obgeschriben kaiser Alexanders beysitzer ist zu diser zeit von seiner mercklichen kunst vnd lere wegen bey demselben kaiser in großen weerde gehalten gewest vnd hat vor andern lerern alte wort vnd gesetz außgelegt vnd sunst vil schriften hinder ime gelassen. Paulus von Padua hat auch diser zeit in der philozophey vnd werltlichen burgerlichen rechten gereichßnet. vnd den obgenannten kaiser Alexandro zu widerbringung des abgekomen gemaynen nutzs große hilff gethan. vnd auch ettliche schrifften in dem rechten hinder ime gelassen. Iulius frontinus der philozophus vnd in aller lere der kunst reichist hat mit dem hieuorgeschribnen gelerten gereichßnet vnd alexandro hilff getan vnd auch vil schriften gemacht Tripho ein iunger Origenis ist auch zu disen zeiten gewest. an den ettliche sendbrieff außgangen vorhanden sind. vnd nach dem er ein hoherfarner man der schrift wz so hat er sunderlich ein buoch von der roten kuee Deutronomij vnnd sunst mer ander schriften gemacht. Minucius felix ein treffenlicher sachsprecher zu Rome zwischen zwayen mit einander disputirenden Octauius genant vnd sunst auch wider die schwartz kunstler vnd warsager Ambrosius ein kriechischer diacon ist diser (geschriben zeit in der glori vnd ere der veriehung fast achtper gewesen vnd wiewol er auch erstlich ein marcionitischer irrer wz so wardt er doch durch origenem dauon gestraft vnd gezogen An diesen ambrosium hat Origenes auff desselben ambrosij costen vnd zerung vnzalliche buecher geschriben. Diser adelich man auch treffenlicher sinnreichigkeit starb vnlang vor dem tod Origenis vnd wardt von vil menschen verachtet darumb dz er als eernreicher man sterbenden seinen alten vnd armen freuend nicht bedacht het. Blat CXVIII der werlt left Agapitus der durchleuechtig iungling wardt zu diser zeit bey Prenesta der Sabinier statt auß gescheft des kaisers Alexandri. xv. iarig mit der marter bekroenet dann als er. xv. iar alt was vnd auß der lieb Christi der marter inpruenstigclich begeret. do wardt er vomm kaiser begriffen vnd zu erst mit rohen geadern geslagen. darnach dem richter ine zezwingen den goettern zeoffern vberantwurt vnd in einen herten stinckenden kercker geschlossen vnd ime in vier tagen kein speis gegeben. vnd darnach prinnen gluot auff sein hawbt gelegt. vnd er (als er got dancksaget) mit gaiseln widerumb geslagen vnd also ploß mit nidergekertem hawbt auffgehenckt vnnd sein leichnam mit siedendem wasser durchgoßen. vnd dieweil sie noch die wanng oder kynbacken diss christenlichen martrers zerbrachen do fiel der richter ab seinem stuol vnd gab sein trawrige sel auff. Als der kaiser das hoeret hieß er ine den leoben fuerwerffen. aber die wilden thier warden also gezame vnd senft das sie sich den fueßen des martres naigten. do diss die diener des lasters sahen do haben sie disen hailigen martrer hingenomen vnd zwischen zwaien seueln mit dem schwert geslagen am. xviij. tag des monats Augusti. right Martina die roemisch vnd fast heilig iunckfraw diser zeit ein weibs person vbertreffenlicher cristenlicher warheit vnd tugent wardt vom kaiser alexandro vmb veriehung willen des cristenlichen glawbens begriffen vnd mit mancherlay peynigung gequelet. dann sie was zumal schoen also dz er in lieb gein ir entzuendet wardt. darumb vermanet er sie die abgoetter anzebetten so woelt er sie zu einer gesellin des kaiserthumbs haben. aber der abgot Appollo zerfiel in irer zukunft: dann sie het got ir keueschheit des gemueets vnd leibs gelobet. darnach wardt sie geschlagen. in den kercker gelegt vnd mit großem liecht darinn durchgoßen. vnd in irer hand an einer tafel geschriben gefunden O herr wie gegroeßet sind deine werck alle ding hast in weißgeit getan. nachfolgend wardt sie außgedenent vnd ire glider mit scharpffen schwertern verletzet. vnnd ein leob zu ir geloßen vnd dem sie vnuerletzt blib. als sie dann in dem glawben vnbeweglich verharret vnnd zu letst mit dem schwert gerichtet wardt am ersten tag Januarij. Quirinus der Roemer wardt mitsambt Inclita seiner muter vnd vil andern in diser vngestuemigkeit zu Rom gemartert am fuenffzehenden tag Julij. Berillus auß Arabia ein bischoff zu Bostreno vnnd hohgelert man regiret sein kirchen ein weil loeblich. vnnd fiel zu letst in ein ketzerey. die lawgnet das Christus vor seiner menschwerdung gewesen wer. doch wardt er durch Origenem wider zu der warheit gefuert. Porphirius ein Atheniensischer fuertreffenlicher philozophus ist zu diser zeit in großem werdt gewest vnd wiewol er ein sundrer liebhaber vnd lobet des breisters Origenis was so ist er dorth ein scharpffer herber verfolger des cristenlichen namen gewesen vnd hat vil nach redlicher vnd vnnuetzer tayding wider dem cristenlichen glawben eingetragen die doch der heilig Augustinus abgestelt hat. Yppolitus ein bischof ist zu diser zeit achtper gewest vnd hat die rechnung der osternn vnnd die ordnung der zeit beschriben bis auff das erst iar des kaisers Alexandri Er hat den circkel. xvi. iar gefunden vnd vrsach gegeben Eusebio der vber dieselben ostern den circkel. xix. iar gemacht hat. Iulius von affrica ist zu disen zeiten (als sant Jheronimus schreibt) vnder den geschihtschreibern seiner zeit hohberuembt gewest. vnd hat von den zeiten fuenff buecher vnd von der trifeltigkeit ein groß buoch geschriben vnd an den grossen Origeen einen sendbrieff geschickt. vnd darinn angezaigt dz die fabel Susanne bey dem hebreischen nit gehabt werd Wider den origenes ein schriftweise epistel geschriben hat. Diser Julius hat als ein pflantzer vnd liebhaber der schrift auß vermueglichkeit seiner reichthümer zu Cesaria der statt des lands Palestine ein merckliche librarey seinem namen gemacht. vnd wardt als ein ern wirdiger man gesendet das castel Emaus wider zepawen vnnd auffzerichten. das er dann nachfolgend erpawen vnnd Nichopolim genennt hat.
Das sechste Zeitalter. Origenes von Alexandria, gebürtig als Sohn des Märtyrers Leonidas und Priester der Kirche zu Alexandria, ein Fürst aller Naturphilosophen und Lehrer der Heiligen Schrift seiner Zeit, blühte zu diesen Zeiten in Alexandria. Und nachdem er aber von Jugend auf der christlichste und ein Jünger einer höchst glänzenden Gelehrsamkeit war, so hat er im zehnten Jahr des Kaisers Severus Pertinax, unter der achten christlichen Verfolgung, in der Leonidas, sein Vater, gemartert und durch denselben Origenes, seinen noch so jungen Sohn, zur Marter ermahnt wurde, nach dem Ableben seines Vaters die christlichen Menschen, die von den Tyrannen durch Peinigung unterdrückt worden waren, nach Vermögen beschützt und die zum Tode Geführten unerschrocken getröstet. Und sich danach ganz der Geistlichkeit zugewandt und das Amt des Predigens gehabt. Nun war er von solch großer Gelehrsamkeit, dass ihm kein Zungenreden noch Schrift verborgen war. Er gebrauchte sich wunderbarer Mäßigkeit in Speis und Trank und Enthaltsamkeit in fremden Dingen. Dann er hat auch der Armut Christi nachgefolgt und viele Jahre mit bloßen Füßen gewandert. Viele Menschen haben in Nachfolge seiner Tugend um den Glauben Christi die Marter williglich gelitten. Er hat die Ketzerei der Hebionitarum überfochten, die dann hielten, dass Christus aus Joseph und Maria ein lauter Mensch geboren wäre und verkündeten, das Gesetz nach jüdischem Sitten zu halten. Er hat auf keinem Federbett nie geschlafen, sondern sich ganz vom Fleisch enthalten. Und die Keuschheit also geliebt, dass er aus Inbrunst des Glaubens sich selbst seines männlichen Vermögens beraubte. Wegen seiner schriftlichen Weisheit, Aussprechung und strengen Lebensweise wurde er von dem christlichen Weib Mamea, der Mutter des Kaisers Alexander, nach Antiochia gefordert und von ihr und ihrem Sohn in großer Achtung gehalten. Origenes war an Gelehrsamkeit und schriftlicher Weisheit so geschickt, dass ihm sieben Schreiber kaum genug nachschreiben konnten. So hatte er sonst sieben andere Buchschreiber und sieben wohlunterrichtete Jungfräulein, die er alle mit Abschreibung seiner angegebenen Schrift und Lehre müde machte. Und wiewohl er durch Porphyrius, den grimmigen Verfolger des christlichen Namens, als sein Feind geachtet wurde, so ist er doch zuweilen auch also durch ihn gelobt worden, dass er ihn einen Fürsten der Naturphilosophen hieß und sprach, dass er alle heimliche Kunst Platons befolgt hätte. Hieronymus spricht, dieser Origenes habe 6000 Bücher geschrieben. Doch hat er (wie Augustinus und Hieronymus melden) in vielen Stücken geirrt, allermeist im Buch vom Fürstentum, genannt Periarchon, von dannen her die Origenistische Ketzerei entstand. Dieselben Ketzer sprachen, dass Christus etwann aus großer Barmherzigkeit nicht allein die Menschen, sondern auch die abtrünnigen Engel erlösen würde. Aber Origenes soll (wie etliche sprechen) in einer Schrift, an den Papst Fabianus gerichtet, Reue über böslich vorgebrachte Dinge gehabt haben. Etliche legen die Ursache seines Irrtums auf Ambrosius, einen seiner Widersacher, der die ungerechtfertigten Schriften des Origenes eröffnet und vorgebracht hat. Darum so wird er von etlichen, als von Eusebius und Rufinus und anderen, fast hochgelobt. Und sind etliche seiner Schriften von der Kirche angenommen. Und er starb im 69. Jahr seines Alters. Vulpianus, der Rechtsgelehrte, ein vortrefflicher Mann, Beisitzer des oben beschriebenen Kaisers Alexander, ist zu dieser Zeit wegen seiner merkbaren Kunst und Lehre bei demselben Kaiser in großem Wert gehalten gewesen und hat vor anderen Lehrern alte Worte und Gesetze ausgelegt und sonst viele Schriften hinter ihm gelassen. Paulus von Padua hat auch zu dieser Zeit in der Philosophie und den weltlichen bürgerlichen Rechten ausgezeichnet. Und dem obgenannten Kaiser Alexander zur Wiederbringung des abhandengekommenen Gemeinwohls große Hilfe getan. Und auch etliche Schriften in dem Recht hinter ihm gelassen. Julius Frontinus, der Philosoph und in aller Lehre der Kunst reichste, hat mit dem hier vorgeschriebenen Gelehrten ausgezeichnet und Alexander Hilfe getan und auch viele Schriften gemacht. Trypho, ein Jünger des Origenes, ist auch zu diesen Zeiten gewesen, an den etliche Sendbriefe ausgegangen vorhanden sind. Und nachdem er ein hocherfahrener Mann der Schrift war, so hat er sonderlich ein Buch von der roten Kuh des Deuteronomiums und sonst mehr andere Schriften gemacht. Minucius Felix, ein trefflicher Sachsprecher zu Rom, zwischen zweien miteinander disputierenden, genannt Octavius, und sonst auch wider die Schwarzkünstler und Wahrsager. Ambrosius, ein griechischer Diakon, ist zu dieser (geschriebenen) Zeit in der Glorie und Ehre der Verfolgung fast achtbar gewesen. Und wiewohl er auch erstlich ein marcionitischer Irrgläubiger war, so wurde er doch durch Origenes davon gestraft und erzogen. An diesen Ambrosius hat Origenes auf desselben Ambrosius' Kosten und Zehrung unzählige Bücher geschrieben. Dieser adelige Mann, auch von trefflicher Gelehrsamkeit, starb unlängst vor dem Tod des Origenes und wurde von vielen Menschen verachtet, darum dass er als ehrenreicher Mann sterbend seine alten und armen Freunde nicht bedacht hatte. Blatt 118 der Weltchronik. Agapitus, der durchlauchtige Jüngling, wurde zu dieser Zeit bei Praeneste, der Stadt der Sabiner, auf Befehl des Kaisers Alexander, fünfzehnjährig mit der Marter gekrönt. Denn als er fünfzehn Jahre alt war und aus der Liebe Christi die Marter inbrünstiglich begehrte, da wurde er vom Kaiser ergriffen und zuerst mit rohen Sehnen geschlagen. Darnach dem Richter überantwortet, ihn zu zwingen, den Göttern zu opfern, und in einen harten, stinkenden Kerker geschlossen und ihm in vier Tagen keine Speise gegeben. Und darnach brennende Glut auf sein Haupt gelegt. Und er (als er Gott Danksagung sprach) mit Geißeln wiederum geschlagen und also bloß mit niedergekehrtem Haupt aufgehängt und sein Leichnam mit siedendem Wasser durchgossen. Und dieweil sie noch die Wangen oder Kinnbacken dieses christlichen Märtyrers zerbrachen, da fiel der Richter von seinem Stuhl und gab seine traurige Seele auf. Als der Kaiser das hörte, hieß er ihn den Löwen vorwerfen. Aber die wilden Tiere wurden also zahm und sanft, dass sie sich den Füßen des Märtyrers neigten. Als dies die Diener des Lasters sahen, da haben sie diesen heiligen Märtyrer hingenommen und zwischen zwei Pfählen mit dem Schwert geschlagen am 18. Tag des Monats August. Martina, die römische und fast heilige Jungfrau dieser Zeit, eine weibliche Person von übertrefflicher christlicher Wahrheit und Tugend, wurde vom Kaiser Alexander um des Bekenntnisses des christlichen Glaubens willen ergriffen und mit mancherlei Peinigung gequält. Denn sie war zumal schön, also dass er in Liebe zu ihr entzündet wurde. Darum ermahnte er sie, die Abgötter anzubeten, so wollte er sie zu einer Gesellin des Kaisertums haben. Aber der Abgott Apollo zerfiel in ihrer Gegenwart; denn sie hatte Gott ihre Keuschheit des Gemüts und Leibes gelobt. Darnach wurde sie geschlagen, in den Kerker gelegt und mit großem Licht darin durchgossen. Und in ihrer Hand an einer Tafel geschrieben gefunden: O h