Schedelsche Weltchronik · Blatt 118

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 118, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 118, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter left Origenes von Alexandria pirtig Leonidis des martrers vnd ein briester der kirchen zu Alexandria. ein fuerst aller naturlichen maister vnd lerer der heiligen schrift seiner zeit hat zu disen zeiten in Alexandria geplueet. vnnd nach dem er aber von iugent auff der allercristenlichst vnd ein iunger einer allerfuerscheinlichsten sinnreichigkeit wz. so hat er im. x. iar des kaisers Seueri pertinacis vnder 8 cristenlichen verfolgung darinn Leonida sein vater gemartert vnd durch denselben Origenem seinen also iungen sun zu der marter vermanet wardt. nach absterben seins vaters die cristen menschen die von den tirannen durch peynigung verdruckt worden nach vermuegen beschuetzt vnd die zum todt gefuert vnerschroeckenlich getroest. vnd sich darnach gantzer zur gaistlichkeit gekert vnd das ambt des predigens gehabt. Nw was er solcher großer sinnreichigkeit das ime kein gezuenge noch schrift verborgen was. Er geprauchet sich wunderperlicher massigkeit in speis vnd getranck vnd enthaltung in frembden dingen. dann er hat auch der armuot Christi nachefolgt vnd vil iar mit ploßen fueßen gewandert. vil menschen haben in nachfolgung seiner tugent vmb den glawben Christi die marter willigclich gelidden. Er hat die ketzerey der Hebionitarum vberfochten. die dann hielten das Christus auß Joseph vnd Maria ein lawter mensch geporn wer vnd verkuendeten das gesetz nach iudischem sitten zehalten. Er hat auff einichem federpeth nie geschlaffen sunder sich gantz vom flaisch enthalten. vnd die keueschheit also geliebet das er auß inpruenstigkeit des glawbens sichselbs seins manlichen muegens berawbet von wegen seiner schriftlichen weyßheit außsprechung vnd gestrengen lebens wardt er von dem cristlichen weib Mamea der muter des kaisers Alexandri gein Anthiochiam gefordert vnd von ir vnd irem sun in großer achtung gehalten. Origenes was an sinnreichigkeit vnd schriftlicher weißheit also geschickt das ime siben schreiber kauom genuog nachschreiben kunden. So het er sunst siben ander buochschreiber vnd siben wolberichte iunckfrewlein die er alle mit abschreibung seiner angegebnen schrift vnd lere mueed machet. vnd wiewol er durch Porphirium den grimmigen verfolger des cristenlichen namenns als sein feind geachtet wardt so ist er doch yezuzeiten auch also durch ine gelobet worden das er ine eine fuersten der naturlichen maister hieß. vnd sprach das er alle heymliche kunst Platonis erfolgt het. Jheronimus spricht diser Origenes hab. vim. buecher geschriben. Doch hat er (als Augustinus vnd Jheronimus melden) in vil stuecken geirret. allermaist im buoch vomm fuerstenthumb gemacht Periarchon genannt. von dannenher die Origenianisch ketzerey entstuonde. Dieselben ketzer sprachen. das Christus ettwen auß großer barmhertzigkeit nit allain die menschen sunder auch die abtruennigen engel erloesen wuerd. Aber Origenes sol (als ettlich sprechen) in einer schrift an den babst Fabianum getan einen rewen ab boßlich fuerbrachten dingen gehabt haben. Ettlich legen die vrsach seins irrthumbs auff Ambrosium einen seinen widerwertigen der die vngerechtfertigten schriften Origenis eroffnet vnd fuerbracht hat. darumb so wirdt er von ettlichen. als von Eusebio vnd Ruffino vnd andern fast hohgelobt. vnd sind ettliche seiner schrift von der kirchen angenommen. vnd er starb im. lxix. iar seins alters. right left Vulpianus der rechtgelert ein fuertreffenlicher man des obgeschriben kaiser Alexanders beysitzer ist zu diser zeit von seiner mercklichen kunst vnd lere wegen bey demselben kaiser in großen weerde gehalten gewest vnd hat vor andern lerern alte wort vnd gesetz außgelegt vnd sunst vil schriften hinder ime gelassen. Paulus von Padua hat auch diser zeit in der philozophey vnd werltlichen burgerlichen rechten gereichßnet. vnd den obgenannten kaiser Alexandro zu widerbringung des abgekomen gemaynen nutzs große hilff gethan. vnd auch ettliche schrifften in dem rechten hinder ime gelassen. Iulius frontinus der philozophus vnd in aller lere der kunst reichist hat mit dem hieuorgeschribnen gelerten gereichßnet vnd alexandro hilff getan vnd auch vil schriften gemacht Tripho ein iunger Origenis ist auch zu disen zeiten gewest. an den ettliche sendbrieff außgangen vorhanden sind. vnd nach dem er ein hoherfarner man der schrift wz so hat er sunderlich ein buoch von der roten kuee Deutronomij vnnd sunst mer ander schriften gemacht. Minucius felix ein treffenlicher sachsprecher zu Rome zwischen zwayen mit einander disputirenden Octauius genant vnd sunst auch wider die schwartz kunstler vnd warsager Ambrosius ein kriechischer diacon ist diser (geschriben zeit in der glori vnd ere der veriehung fast achtper gewesen vnd wiewol er auch erstlich ein marcionitischer irrer wz so wardt er doch durch origenem dauon gestraft vnd gezogen An diesen ambrosium hat Origenes auff desselben ambrosij costen vnd zerung vnzalliche buecher geschriben. Diser adelich man auch treffenlicher sinnreichigkeit starb vnlang vor dem tod Origenis vnd wardt von vil menschen verachtet darumb dz er als eernreicher man sterbenden seinen alten vnd armen freuend nicht bedacht het. Blat CXVIII der werlt left Agapitus der durchleuechtig iungling wardt zu diser zeit bey Prenesta der Sabinier statt auß gescheft des kaisers Alexandri. xv. iarig mit der marter bekroenet dann als er. xv. iar alt was vnd auß der lieb Christi der marter inpruenstigclich begeret. do wardt er vomm kaiser begriffen vnd zu erst mit rohen geadern geslagen. darnach dem richter ine zezwingen den goettern zeoffern vberantwurt vnd in einen herten stinckenden kercker geschlossen vnd ime in vier tagen kein speis gegeben. vnd darnach prinnen gluot auff sein hawbt gelegt. vnd er (als er got dancksaget) mit gaiseln widerumb geslagen vnd also ploß mit nidergekertem hawbt auffgehenckt vnnd sein leichnam mit siedendem wasser durchgoßen. vnd dieweil sie noch die wanng oder kynbacken diss christenlichen martrers zerbrachen do fiel der richter ab seinem stuol vnd gab sein trawrige sel auff. Als der kaiser das hoeret hieß er ine den leoben fuerwerffen. aber die wilden thier warden also gezame vnd senft das sie sich den fueßen des martres naigten. do diss die diener des lasters sahen do haben sie disen hailigen martrer hingenomen vnd zwischen zwaien seueln mit dem schwert geslagen am. xviij. tag des monats Augusti. right Martina die roemisch vnd fast heilig iunckfraw diser zeit ein weibs person vbertreffenlicher cristenlicher warheit vnd tugent wardt vom kaiser alexandro vmb veriehung willen des cristenlichen glawbens begriffen vnd mit mancherlay peynigung gequelet. dann sie was zumal schoen also dz er in lieb gein ir entzuendet wardt. darumb vermanet er sie die abgoetter anzebetten so woelt er sie zu einer gesellin des kaiserthumbs haben. aber der abgot Appollo zerfiel in irer zukunft: dann sie het got ir keueschheit des gemueets vnd leibs gelobet. darnach wardt sie geschlagen. in den kercker gelegt vnd mit großem liecht darinn durchgoßen. vnd in irer hand an einer tafel geschriben gefunden O herr wie gegroeßet sind deine werck alle ding hast in weißgeit getan. nachfolgend wardt sie außgedenent vnd ire glider mit scharpffen schwertern verletzet. vnnd ein leob zu ir geloßen vnd dem sie vnuerletzt blib. als sie dann in dem glawben vnbeweglich verharret vnnd zu letst mit dem schwert gerichtet wardt am ersten tag Januarij. Quirinus der Roemer wardt mitsambt Inclita seiner muter vnd vil andern in diser vngestuemigkeit zu Rom gemartert am fuenffzehenden tag Julij. Berillus auß Arabia ein bischoff zu Bostreno vnnd hohgelert man regiret sein kirchen ein weil loeblich. vnnd fiel zu letst in ein ketzerey. die lawgnet das Christus vor seiner menschwerdung gewesen wer. doch wardt er durch Origenem wider zu der warheit gefuert. Porphirius ein Atheniensischer fuertreffenlicher philozophus ist zu diser zeit in großem werdt gewest vnd wiewol er ein sundrer liebhaber vnd lobet des breisters Origenis was so ist er dorth ein scharpffer herber verfolger des cristenlichen namen gewesen vnd hat vil nach redlicher vnd vnnuetzer tayding wider dem cristenlichen glawben eingetragen die doch der heilig Augustinus abgestelt hat. Yppolitus ein bischof ist zu diser zeit achtper gewest vnd hat die rechnung der osternn vnnd die ordnung der zeit beschriben bis auff das erst iar des kaisers Alexandri Er hat den circkel. xvi. iar gefunden vnd vrsach gegeben Eusebio der vber dieselben ostern den circkel. xix. iar gemacht hat. Iulius von affrica ist zu disen zeiten (als sant Jheronimus schreibt) vnder den geschihtschreibern seiner zeit hohberuembt gewest. vnd hat von den zeiten fuenff buecher vnd von der trifeltigkeit ein groß buoch geschriben vnd an den grossen Origeen einen sendbrieff geschickt. vnd darinn angezaigt dz die fabel Susanne bey dem hebreischen nit gehabt werd Wider den origenes ein schriftweise epistel geschriben hat. Diser Julius hat als ein pflantzer vnd liebhaber der schrift auß vermueglichkeit seiner reichthümer zu Cesaria der statt des lands Palestine ein merckliche librarey seinem namen gemacht. vnd wardt als ein ern wirdiger man gesendet das castel Emaus wider zepawen vnnd auffzerichten. das er dann nachfolgend erpawen vnnd Nichopolim genennt hat.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter. Origenes von Alexandria, gebürtig als Sohn des Märtyrers Leonidas und Priester der Kirche zu Alexandria, ein Fürst aller Naturphilosophen und Lehrer der Heiligen Schrift seiner Zeit, blühte zu diesen Zeiten in Alexandria. Und nachdem er aber von Jugend auf der christlichste und ein Jünger einer höchst glänzenden Gelehrsamkeit war, so hat er im zehnten Jahr des Kaisers Severus Pertinax, unter der achten christlichen Verfolgung, in der Leonidas, sein Vater, gemartert und durch denselben Origenes, seinen noch so jungen Sohn, zur Marter ermahnt wurde, nach dem Ableben seines Vaters die christlichen Menschen, die von den Tyrannen durch Peinigung unterdrückt worden waren, nach Vermögen beschützt und die zum Tode Geführten unerschrocken getröstet. Und sich danach ganz der Geistlichkeit zugewandt und das Amt des Predigens gehabt. Nun war er von solch großer Gelehrsamkeit, dass ihm kein Zungenreden noch Schrift verborgen war. Er gebrauchte sich wunderbarer Mäßigkeit in Speis und Trank und Enthaltsamkeit in fremden Dingen. Dann er hat auch der Armut Christi nachgefolgt und viele Jahre mit bloßen Füßen gewandert. Viele Menschen haben in Nachfolge seiner Tugend um den Glauben Christi die Marter williglich gelitten. Er hat die Ketzerei der Hebionitarum überfochten, die dann hielten, dass Christus aus Joseph und Maria ein lauter Mensch geboren wäre und verkündeten, das Gesetz nach jüdischem Sitten zu halten. Er hat auf keinem Federbett nie geschlafen, sondern sich ganz vom Fleisch enthalten. Und die Keuschheit also geliebt, dass er aus Inbrunst des Glaubens sich selbst seines männlichen Vermögens beraubte. Wegen seiner schriftlichen Weisheit, Aussprechung und strengen Lebensweise wurde er von dem christlichen Weib Mamea, der Mutter des Kaisers Alexander, nach Antiochia gefordert und von ihr und ihrem Sohn in großer Achtung gehalten. Origenes war an Gelehrsamkeit und schriftlicher Weisheit so geschickt, dass ihm sieben Schreiber kaum genug nachschreiben konnten. So hatte er sonst sieben andere Buchschreiber und sieben wohlunterrichtete Jungfräulein, die er alle mit Abschreibung seiner angegebenen Schrift und Lehre müde machte. Und wiewohl er durch Porphyrius, den grimmigen Verfolger des christlichen Namens, als sein Feind geachtet wurde, so ist er doch zuweilen auch also durch ihn gelobt worden, dass er ihn einen Fürsten der Naturphilosophen hieß und sprach, dass er alle heimliche Kunst Platons befolgt hätte. Hieronymus spricht, dieser Origenes habe 6000 Bücher geschrieben. Doch hat er (wie Augustinus und Hieronymus melden) in vielen Stücken geirrt, allermeist im Buch vom Fürstentum, genannt Periarchon, von dannen her die Origenistische Ketzerei entstand. Dieselben Ketzer sprachen, dass Christus etwann aus großer Barmherzigkeit nicht allein die Menschen, sondern auch die abtrünnigen Engel erlösen würde. Aber Origenes soll (wie etliche sprechen) in einer Schrift, an den Papst Fabianus gerichtet, Reue über böslich vorgebrachte Dinge gehabt haben. Etliche legen die Ursache seines Irrtums auf Ambrosius, einen seiner Widersacher, der die ungerechtfertigten Schriften des Origenes eröffnet und vorgebracht hat. Darum so wird er von etlichen, als von Eusebius und Rufinus und anderen, fast hochgelobt. Und sind etliche seiner Schriften von der Kirche angenommen. Und er starb im 69. Jahr seines Alters. Vulpianus, der Rechtsgelehrte, ein vortrefflicher Mann, Beisitzer des oben beschriebenen Kaisers Alexander, ist zu dieser Zeit wegen seiner merkbaren Kunst und Lehre bei demselben Kaiser in großem Wert gehalten gewesen und hat vor anderen Lehrern alte Worte und Gesetze ausgelegt und sonst viele Schriften hinter ihm gelassen. Paulus von Padua hat auch zu dieser Zeit in der Philosophie und den weltlichen bürgerlichen Rechten ausgezeichnet. Und dem obgenannten Kaiser Alexander zur Wiederbringung des abhandengekommenen Gemeinwohls große Hilfe getan. Und auch etliche Schriften in dem Recht hinter ihm gelassen. Julius Frontinus, der Philosoph und in aller Lehre der Kunst reichste, hat mit dem hier vorgeschriebenen Gelehrten ausgezeichnet und Alexander Hilfe getan und auch viele Schriften gemacht. Trypho, ein Jünger des Origenes, ist auch zu diesen Zeiten gewesen, an den etliche Sendbriefe ausgegangen vorhanden sind. Und nachdem er ein hocherfahrener Mann der Schrift war, so hat er sonderlich ein Buch von der roten Kuh des Deuteronomiums und sonst mehr andere Schriften gemacht. Minucius Felix, ein trefflicher Sachsprecher zu Rom, zwischen zweien miteinander disputierenden, genannt Octavius, und sonst auch wider die Schwarzkünstler und Wahrsager. Ambrosius, ein griechischer Diakon, ist zu dieser (geschriebenen) Zeit in der Glorie und Ehre der Verfolgung fast achtbar gewesen. Und wiewohl er auch erstlich ein marcionitischer Irrgläubiger war, so wurde er doch durch Origenes davon gestraft und erzogen. An diesen Ambrosius hat Origenes auf desselben Ambrosius' Kosten und Zehrung unzählige Bücher geschrieben. Dieser adelige Mann, auch von trefflicher Gelehrsamkeit, starb unlängst vor dem Tod des Origenes und wurde von vielen Menschen verachtet, darum dass er als ehrenreicher Mann sterbend seine alten und armen Freunde nicht bedacht hatte. Blatt 118 der Weltchronik. Agapitus, der durchlauchtige Jüngling, wurde zu dieser Zeit bei Praeneste, der Stadt der Sabiner, auf Befehl des Kaisers Alexander, fünfzehnjährig mit der Marter gekrönt. Denn als er fünfzehn Jahre alt war und aus der Liebe Christi die Marter inbrünstiglich begehrte, da wurde er vom Kaiser ergriffen und zuerst mit rohen Sehnen geschlagen. Darnach dem Richter überantwortet, ihn zu zwingen, den Göttern zu opfern, und in einen harten, stinkenden Kerker geschlossen und ihm in vier Tagen keine Speise gegeben. Und darnach brennende Glut auf sein Haupt gelegt. Und er (als er Gott Danksagung sprach) mit Geißeln wiederum geschlagen und also bloß mit niedergekehrtem Haupt aufgehängt und sein Leichnam mit siedendem Wasser durchgossen. Und dieweil sie noch die Wangen oder Kinnbacken dieses christlichen Märtyrers zerbrachen, da fiel der Richter von seinem Stuhl und gab seine traurige Seele auf. Als der Kaiser das hörte, hieß er ihn den Löwen vorwerfen. Aber die wilden Tiere wurden also zahm und sanft, dass sie sich den Füßen des Märtyrers neigten. Als dies die Diener des Lasters sahen, da haben sie diesen heiligen Märtyrer hingenommen und zwischen zwei Pfählen mit dem Schwert geschlagen am 18. Tag des Monats August. Martina, die römische und fast heilige Jungfrau dieser Zeit, eine weibliche Person von übertrefflicher christlicher Wahrheit und Tugend, wurde vom Kaiser Alexander um des Bekenntnisses des christlichen Glaubens willen ergriffen und mit mancherlei Peinigung gequält. Denn sie war zumal schön, also dass er in Liebe zu ihr entzündet wurde. Darum ermahnte er sie, die Abgötter anzubeten, so wollte er sie zu einer Gesellin des Kaisertums haben. Aber der Abgott Apollo zerfiel in ihrer Gegenwart; denn sie hatte Gott ihre Keuschheit des Gemüts und Leibes gelobt. Darnach wurde sie geschlagen, in den Kerker gelegt und mit großem Licht darin durchgossen. Und in ihrer Hand an einer Tafel geschrieben gefunden: O h

Anmerkungen

sechst alter
Das sechste Zeitalter (historische Periodisierung)
pirtig
gebürtig, Sohn von
martrers
Märtyrers
briester
Priester
fuerst
Fürst, Meister
naturlichen maister
Naturphilosophen
geplueet
blühte, wirkte
iugent
Jugend
allercristenlichst
der christlichste
iunger
Jünger
allerfuerscheinlichsten sinnreichigkeit
höchst glänzenden Gelehrsamkeit, Intelligenz
wz
war (Frühneuhochdeutsch für 'was')
x. iar
zehntes Jahr (römisch für 10)
Seueri pertinacis
Kaiser Severus Pertinax (gemeint ist Septimius Severus, unter dem die 8. Christenverfolgung stattfand und Origenes' Vater starb)
8 cristenlichen verfolgung
achte christliche Verfolgung (historische Bezeichnung)
gemartert
gemartert
vermanet
ermahnt
absterben
Ableben
tirannen
Tyrannen
peynigung
Peinigung
verdruckt
unterdrückt
nach vermuegen
nach Vermögen, nach Kräften
beschuetzt
beschützt
vnerschroeckenlich
unerschrocken
getroest
getröstet
gantzer zur gaistlichkeit gekert
ganz der Geistlichkeit zugewandt
ambt des predigens
Amt des Predigens
Nw
Nun
gezuenge
Zungenreden, Sprache (im Sinne von Redegewandtheit oder Kenntnis von Sprachen)
wunderperlicher massigkeit
wunderbarer Mäßigkeit
speis vnd getranck
Speis und Trank
enthaltung in frembden dingen
Enthaltsamkeit in fremden Dingen (im Sinne von Verzicht auf weltliche Güter)
armuot
Armut
nachefolgt
nachgefolgt
vil iar
viele Jahre
ploßen fueßen
bloßen Füßen
willigclich gelidden
williglich gelitten
ketzerey
Ketzerei
Hebionitarum
Ebioniten (eine frühchristliche Gruppe, die Jesus als reinen Menschen und nicht als Gottessohn sah)
vberfochten
überwunden, bekämpft
lawter mensch
reiner Mensch
geporn wer
geboren wäre
verkuendeten
verkündeten
iudischem sitten
jüdischem Sitten
federpeth
Federbett
sunder
sondern
flaisch enthalten
sich vom Fleisch enthalten, vegetarisch leben
keueschheit
Keuschheit
inpruenstigkeit des glawbens
Inbrunst des Glaubens
manlichen muegens berawbet
sich seines männlichen Vermögens beraubt, sich selbst kastriert (historisch umstritten, aber so im Text dargestellt)
schriftlichen weyßheit außsprechung
Aussprechung seiner schriftlichen Weisheit
gestrengen lebens
strengen Lebens
Mamea
Julia Mamaea (Mutter des Kaisers Severus Alexander)
Alexandri
Kaiser Severus Alexander
Anthiochiam
Antiochia (antike Stadt in Syrien)
sinnreichigkeit
Gelehrsamkeit, Intelligenz
geschickt
geschickt, begabt
kauom genuog
kaum genug
sunst
sonst
buochschreiber
Buchschreiber, Kopisten
wolberichte iunckfrewlein
wohlunterrichtete Jungfräulein
mueed machet
müde machte
Porphirium
Porphyrius (neuplatonischer Philosoph und Kritiker des Christentums)
grimmigen verfolger des cristenlichen namenns
grimmigen Verfolger des christlichen Namens
yezuzeiten
zuweilen
fuersten der naturlichen maister
Fürsten der Naturphilosophen
heymliche kunst Platonis
geheime Kunst/Lehre Platons
erfolgt het
befolgt hätte
Jheronimus
Hieronymus (Kirchenvater, ca. 347–420 n. Chr.)
vim.
6000 (römisch für 6000)
Augustinus
Augustinus von Hippo (Kirchenvater, 354–430 n. Chr.)
vil stuecken
vielen Stücken
geirret
geirrt
allermaist
allermeist
fuerstenthumb
Fürstentum
Periarchon
Peri Archon (griechisch für „Über die Prinzipien“, Origenes' Hauptwerk)
Origenianisch ketzerey
Origenistische Ketzerei
entstuonde
entstand
ettwen
etwann, einst
nit allain
nicht allein
sunder auch
sondern auch
abtruennigen engel
abtrünnigen Engel
babst Fabianum
Papst Fabianus (Papst von 236 bis 250 n. Chr.)
rewen ab boßlich fuerbrachten dingen
Reue über böslich vorgebrachte Dinge
vrsach
Ursache
widerwertigen
Widersacher
vngerechtfertigten schriften
ungerechtfertigten Schriften (im Sinne von nicht autorisierten oder umstrittenen Schriften)
eroffnet vnd fuerbracht
eröffnet und vorgebracht, veröffentlicht
Eusebio
Eusebius von Caesarea (Kirchenhistoriker, ca. 260–339 n. Chr.)
Ruffino
Rufinus von Aquileia (Kirchenhistoriker und Übersetzer, ca. 345–411 n. Chr.)
lxix. iar
69. Jahr (römisch für 69)
Vulpianus
Domitius Ulpianus (römischer Jurist, ca. 170–228 n. Chr.)
rechtgelert
Rechtsgelehrte
fuertreffenlicher
vortrefflicher
obgeschriben kaiser Alexanders
oben beschriebenen Kaisers Alexander (Severus Alexander)
beysitzer
Beisitzer, Berater
mercklichen kunst vnd lere
merkbaren Kunst und Lehre
weerde
Wert
außgelegt
ausgelegt, interpretiert
Paulus von Padua
Paulus (römischer Jurist, bekannt als Paulus Iurisconsultus, nicht aus Padua, ca. 2. Jh. n. Chr.)
philozophey
Philosophie
werltlichen burgerlichen rechten
weltlichen bürgerlichen Rechten
gereichßnet
ausgezeichnet
obgenannten kaiser Alexandro
obgenannten Kaiser Alexander (Severus Alexander)
widerbringung des abgekomen gemaynen nutzs
Wiederbringung des abhandengekommenen Gemeinwohls
Iulius frontinus
Julius Frontinus (römischer Senator und Schriftsteller, hier wohl ein anderer, weniger bekannter Frontinus oder eine Verwechslung, da der berühmte Sextus Iulius Frontinus im 1. Jh. n. Chr. lebte)
hieuorgeschribnen gelerten
hier vorgeschriebenen Gelehrten
Tripho
Trypho (Schüler des Origenes)
sendbrieff außgangen
ausgegangene Sendbriefe, Briefe
hoherfarner man der schrift
hocherfahrener Mann der Schrift
roten kuee Deutronomij
roten Kuh des Deuteronomiums (bezieht sich auf Num 19,1-10, nicht Deuteronomium)
Minucius felix
Marcus Minucius Felix (römischer christlicher Apologet, ca. 2. Jh. n. Chr.)
sachsprecher
Sachsprecher, Anwalt
Octauius
Octavius (Hauptfigur in Minucius Felix' Dialog 'Octavius')
schwartz kunstler
Schwarzkünstler, Magier
warsager
Wahrsager
Ambrosius
Ambrosius von Alexandria (Gönner des Origenes, ca. 3. Jh. n. Chr.)
kriechischer diacon
griechischer Diakon
veriehung
Verfolgung, Bekenntnis
achtper
achtbar, angesehen
marcionitischer irrer
marcionitischer Irrgläubiger (Marcionismus war eine frühchristliche Häresie)
gestraft vnd gezogen
gestraft und erzogen
costen vnd zerung
Kosten und Zehrung, Aufwand
vnzalliche buecher
unzählige Bücher
treffenlicher sinnreichigkeit
trefflicher Gelehrsamkeit
vnlang vor dem tod Origenis
unlängst vor dem Tod des Origenes
eernreicher man
ehrenreicher Mann
freuend
Freunde
bedacht het
bedacht hatte
Blat CXVIII
Blatt 118 (römisch für 118)
werlt
Welt, Weltchronik (Schedelsche Weltchronik)
Agapitus
Agapitus von Praeneste (christlicher Märtyrer, ca. 3. Jh. n. Chr.)
durchleuechtig iungling
durchlauchtiger Jüngling, hochwohlgeborener Jüngling
Prenesta der Sabinier statt
Praeneste, Stadt der Sabiner (antike Stadt in Latium, heute Palestrina)
auß gescheft
auf Befehl, im Auftrag
Alexandri
Kaiser Severus Alexander
xv. iarig
fünfzehnjährig (römisch für 15)
bekroenet
gekrönt, gemartert
inpruenstigclich begeret
inbrünstiglich begehrte
begriffen
ergriffen, verhaftet
rohen geadern
rohen Sehnen, Riemen
vberantwurt
überantwortet
kercker
Kerker
speis
Speise
prinnen gluot
brennende Glut
hawbt
Haupt
dancksaget
Danksagung sprach
gaiseln
Geißeln
nidergekertem hawbt
niedergekehrtem Haupt, mit dem Kopf nach unten
auffgehenckt
aufgehängt
leichnam
Leichnam
siedendem wasser durchgoßen
mit siedendem Wasser übergossen
wanng oder kynbacken
Wangen oder Kinnbacken
zerbrachen
zerbrachen
stuol
Stuhl
trawrige sel auff
traurige Seele aufgab
leoben fuerwerffen
Löwen vorwerfen
gezame vnd senft
zahm und sanft
naigten
neigten
diener des lasters
Diener des Lasters, Henker
hailigen martrer
heiligen Märtyrer
seueln
Pfählen
xviij. tag des monats Augusti
18. Tag des Monats August (römisch für 18)
Martina
Martina von Rom (christliche Märtyrerin, ca. 3. Jh. n. Chr.)
roemisch
römisch
iunckfraw
Jungfrau
weibs person
weibliche Person
vbertreffenlicher cristenlicher warheit vnd tugent
übertrefflicher christlicher Wahrheit und Tugend
alexandro
Kaiser Severus Alexander
veriehung willen des cristenlichen glawbens
um des Bekenntnisses des christlichen Glaubens willen
begriffen
ergriffen, verhaftet
mancherlay peynigung gequelet
mit mancherlei Peinigung gequält
zumal schoen
zumal schön, sehr schön
in lieb gein ir entzuendet wardt
in Liebe zu ihr entzündet wurde
abgoetter anzebetten
Abgötter anzubeten
gesellin des kaiserthumbs
Gesellin des Kaisertums, Kaiserin
abgot Appollo
Abgott Apollo
zerfiel in irer zukunft
zerfiel in ihrer Gegenwart
keueschheit des gemuets vnd leibs gelobet
Keuschheit des Gemüts und Leibes gelobt
großem liecht darinn durchgoßen
mit großem Licht darin durchgossen, erleuchtet
tafel geschriben gefunden O h
Tafel geschrieben gefunden: O h (unvollständiger Satz, wahrscheinlich ein Gebetsanfang oder eine Anrufung)