Schedelsche Weltchronik · Blatt 119

Sechstes Alter · Nürnberg 1493, Hartmann Schedel, Übersetzung Georg Alt, Druck Anton Koberger

Schedelsche Weltchronik Blatt 119, linke Seite Schedelsche Weltchronik Blatt 119, rechte Seite
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Transkription (Frühneuhochdeutsch, 1493)

Das sechst alter right Fabianus der babst wz ein Roemer. dieweil man nach absterben des babsts Antheri vnder wegen von erwelung eins kuenftigen babsts redet do erschinen alßpald wunderperlicher weiß ein tawb auff seinem hawbt. vnd als er also goetlicher weiß erwelet wardt do taylet er die gegend durch. vij. diacom. die von dem notariem die beschehnen ding der martrer zusammen sammlen solten zu einem ebenpild den andern die den glawben christi bekanten. Er hat auch einen kirchoff zu eren der martrer gepawen vnd geordnet das alle iar ierlich an an dem hailigen donerstag des abent essens des herren der cresem vernewet. vnd der alt in der kirchen verprent werden solt. Zu seiner zeit entstund die Nouacianisch ketzerey. vnd als er in dem monat december. xxij. briester. syben dyacon vnd. xi. bischoff geweyhet het do wardt er mit marter bekroenet. vnd in dem kirchoff Calixti begraben. als er. xiiij. iar. xi. monat. xi. tag geseßen was. vnnd der stuol ruoet sechs tag. sein tag wirdt mitsambt sant Sebastian begangen am. xx. tag des monats Januarij. left Die erst scisma oder zwayung ist geschehen do sich nouatius der briester zu Rom zu disen zeiten vnderfieng die kirchen gottes zeertrennen vnd zebetrueben. dann er vermischet auß begirde bischoflicher wirdigkeit alle goetliche vnd menschliche ding. vnd auff das dz babstlich bischoftumb nit an cornelium gelangen solte. so taylet er sich von der kirchen vnd nennet sich vnd die seinen die raynen. Item er saget das die abtruenigen vomm glawben. die auch des rew hetten nit wider auffzenemen, weren darumb wardt ein concili vom. lx. bischoffen. auch souil briestern mit mer diaxon gehalten. vnd darinn der wone Nouacij als falsch verworffen: also das auß ebenpild vnßers haylands. kainen rewenden vergebung zeuerlawgnen sey vnd also endet sich die erst scisina der roemischen kirchen. Zu diss zeyten fiengen auch an andere ketzerey sich zeerewgen. . dann origenes stellet die ketzerey ab ettlicher. die do sagten das der menschen sele mit iren leiben vergiengen. vnd in der vrstende mit den leiben wideraufferweckt wurden. Item auch die ketzerey Helchesaturum genant die Paulum den apostel gantz verachten. vnd sagten das der der christum in der peinigung verlawgnet kein suend het sunder eins gantzen vnd gerechten hertzens wer Cornelius der babst was auch ein roemer vnd gar ein hohgelert man. der vil vnd mancherlay epistel vnd sendbrieff an vil ende vnd personen gesendet hat. vnder seinen babstthumb hat Nouatus Nouacianum außerhalb der kirchen vnd in Affrica Nicostratum geordnet. darumb haben die beichtiger die von Cornelio abgewichen waren sich wider zu der kirchen gekert. vnd den namen des waren beichtigers vnd verieheres erlangt Aber Cornelius wardt darnach auß anregung der ketzer in das ellend gesendet. dem schicket Ciprianus der Cartaginensisch bischoff in den kercker geworffen brieff zu. auß den verstuond er seins freuends widerwertigkeit vnd sein ellends bestettigung. vor vnd ee dann er in dz ellend geschickt wardt do hat er auff begerung der hailigen frawen Lucina sant Peters vnd Pauls leichnam von dem ort do sie vor mynder sicher lagen bey nacht erhebt. vnd Lucina Paulum auff irem grund vnd aigen do er ertoedt wardt. vnd Cornelius Petrum do er gecreuetzigt wardt in dem tempel Appollinis vnder amm guldin berg amm. xxix. tag des monats Junij bestattet. Diser Dionisius bischof zu Alexandria heilig Cornelius wardt auß befehle Decij des kaisers mancherlay weiß gepeinigt vnd die abgoetter zeeren angemuotet vnd zu letst in verharrung des glawbens am fuenften tag des moants maij getoedt. right Dionisius der bischof zu Alexandria ein hohgelert man. vnnd ein hoerer des maysters Origenis. wardt diser zeit zu eim bischof daselbst geordnet. vnd saße. xvij. iar. vnd was auch der maynung das die ketzer widerumb getauft werden solten. Er hat als ein hohgelert man vil schriften an macherlay personen. von mancherlay materien gemacht vnnd außgesendet. Blat CXVIX der werlt right Maximinus der kaiser ist von erpawung der statt Rom. ixc. lxxxviij. iar nach Alexandro auß der ritterschaft nach dem er den krieg in teuetschen land gluecklich gefueert het on einiche zuothuonung des Roemischen rats zu kaiser erwelet worden. In der ersten kitheit wz er ein hirt. zu zeiten ein verwarter der schacher oder moerder die seinen vor vberlauffung zebewaren. Er fienge an ritterschaft zeueben vnder dem kaiser Seuero. dann er wz an groeße des leibs syhtper. an tugent vnder andern rittern scheinper. an manlicher gestalt zierlich vnd ernstlicher sitten. vnd von person also gerad das er lenger dann acht schuoh was so het er also einen großen fuoß. wenn man darnach von lange vnd vngefuegen menschen saget dz man sprach. Diser bedoerft wol des kaisers Maximini hosen. so mocht er also sere trincken das er auff ein nachtmal einen kruog weins außtrancken. Aber nach dem er nach Nerone der sechst verfolger der christen was so wardt er von Pripieno zu Aquilegia die er belegert het im dritten iar seins kayserthumbs mitsambt seinen sun Maximino erslagen. dann die von Aquilegia hielten sich wider Maximinum auf des Roemischen rats seyten also getrewlich das sie auf mangel der geader auß der weiber horlocken strick zum geschoß machten. darumb denselben frawen zu eren paweten die Roemer den tempel der kalen goettin Venus zu Rom. right Gordianus hat nach Maximino dem tyrannen das kaiserthumb erlangt als er die Parthier mit großer niderlag vberwunden het do ward diser alleredelst man mitsambt seinen sun ein kaiser genannt Als er. lxxx. iar alt vnd in vil prouintzen ein verweser gewest was den hießen sie Affricanum. Diser Gordianus der vater vnnd Gordianus sein sun sind bede mit großem rat der Affrier kaiser genennt worden. Gordianus der iung wardt zu kaiser erklert vnd herschet sechs iar. Als aber Maximinus on willen eins roemischen rats dz kaiserthumb erlanget. do setzet ein rat drey kaiser densleben maximinum anzefechten Derselben warden zwen. als Pupienus vnd Albinus imm pallast erslagen also blib allain Gordiano das kaiserthumb. Diser kaiser wardt sunderlich gelobt das er. lxijm. buecher in seiner librarey gehabt haben sol. Zu letst als er zetriumphiren gein Rom keret wardt er nit verr von Rom auß listigkeit Philippi erslagen vnnd mit einem erlichen tittel von vierlay gezueng begraben. Philippus hat nach erpawung der statt Rom im. ixc. xcvij. iar als er die herr der ritterschaft auß Syria in Welsch land herwidergefueert het mit sambt seim sun Philippo fuenff iar im kaiserthum geherschet. die cristen haben disen ersten kaiser gehabt. aber er hat die haymlichen bedeuetnus des glawbens mit der tat nit angetastet. sunder allain veriehen. Nach dem dritten iar seins kaiserthumbs was das tawsentist iar der erpawung der statt Rom do hielt man die spil die man alweg vber das hunderst iar begieng. vnd von Valerio publicola nach entschaft der roemischen konig als ein zil des menschlichen lebens auff gesetzt waren. Die bede warden darnach auß listigkeit Decij vomm heer erlagen. nemlich vnder den goettern gezelet. Philippus der iung was also eins ernstlichen gemuets das er mit keinerlay kuertzweilicher geperde zu gelachter bewegt werden mocht. sunder den vater in den obgemelten spiln leichtfertigclicher lachenden mit abgewendten anplick mercket Vnd nach dem inen Decius abguenstig wz darumb wendeten sie ire schetz an den babst Fabianum. Auß derselben sach empfieng Decius großen haß wider die christen. Decius der roemisch kaiser auß nydern Pannonia budalie geporn hat nach ertoedtung der zwayer Philippen das kaiserthumb angenommen wider die christen in haß prinnende von der christenlichen Philippen wegen. Er hat den burgerlichen krieg der in Gallia entstund gedruecket. seinen sun zu einem kaiser gemacht. Zu Rom ein waschstatt gepawen. vnnd wardt darnach als er mit seinen sun zway iar geherschet het in dem Barbarischen krieg verdrucket vnd in einen tuempffel einer pfütschen also versencket das sein leichnam nyndert gefunden wardt. also das er mit wirdigem vrteil verdambt ist worden. der nach Nerone die sibend verfolgung wider die christen bewegt vnnd darinn vil hailiger mann ertoedt hat. Alhie entsteet vnder den geschihtbeschreibern ein mißhelligkeit. dann Eutropius schreibt Decius hab mit fewer gepeinigt sant Laurentzen den leuiten vnd martrer der vnder Sixto dem babst gereichßnet hab. darumb so erstrecken ettlich das kayserthumb Decij. Ettlich sagen diser sey der elter Decius vnder dem Fabrianus vnd Cornelius gelidden haben. Darnach setzen sie den iuengern Decium cesarem. vnd das zwischen disen zwayen Gallus volusianus vnnd ander kaiser gewesen seyen. vnnd darnach Valerianus mit Galieno. vnder dem Lucius Stephanus Sixtus die bebst. vnnd Laurencius der ertzdiacon vnnd yppolutus gemartert seyen. also dz Galienus sol Decius galienus genennt sein worden. Ettlich setzen Decius cesar sey von Philippo gesetzt. dann in sant Laurentzen leben liset man decius cesar vnnd mit Imperator. vnder dem sannt Laurentz gelidden hat. dann vor alten zeiten sind ettlich kaiser mit vnderschidnem latein cesares. ettlich Augusti vnnd ettlich Imperatores. das doch alles kaiser bedeuet gewesen.

Moderne Übersetzung

Das sechste Zeitalter leitete Fabianus, der Papst, ein Römer. Als man nach dem Tod des Papstes Antherus über die Wahl eines zukünftigen Papstes sprach, erschien sogleich auf wunderbare Weise eine Taube auf seinem Haupt. Und als er so auf göttliche Weise erwählt wurde, teilte er die Gegend durch sieben Diakone ein, die von den Notaren die Geschehnisse der Märtyrer sammeln sollten, als Vorbild für die anderen, die den Glauben Christi bekannten. Er ließ auch einen Kirchhof zu Ehren der Märtyrer bauen und ordnete an, dass jedes Jahr am Gründonnerstag, dem Abendmahl des Herrn, das Chrisam erneuert und das alte in der Kirche verbrannt werden sollte. Zu seiner Zeit entstand die Novatianische Ketzerei. Und als er im Monat Dezember 22 Priester, sieben Diakone und 11 Bischöfe geweiht hatte, wurde er mit dem Martyrium gekrönt und auf dem Kirchhof des Calixtus begraben, nachdem er 14 Jahre, 11 Monate und 11 Tage im Amt gewesen war. Der Stuhl ruhte sechs Tage. Sein Gedenktag wird zusammen mit dem heiligen Sebastian am 20. Januar begangen. Die erste Spaltung oder Zwietracht geschah, als sich Novatianus, der Priester in Rom, zu diesen Zeiten unterfing, die Kirche Gottes zu zertrennen und zu betrüben. Denn er vermischte aus Begierde nach bischöflicher Würde alle göttlichen und menschlichen Dinge. Und damit das päpstliche Bischofsamt nicht an Cornelius gelangen sollte, trennte er sich von der Kirche und nannte sich und die Seinen die 'Reinen'. Des Weiteren sagte er, dass die vom Glauben Abgefallenen, die auch Reue zeigten, nicht wieder aufgenommen werden sollten. Darum wurde ein Konzil von 60 Bischöfen, ebenso vielen Priestern und mehreren Diakonen abgehalten, und darin die Lehre Novatians als falsch verworfen: nämlich dass nach dem Vorbild unseres Heilands keinem Reuenden die Vergebung verweigert werden dürfe. Und so endete die erste Spaltung der römischen Kirche. Zu dieser Zeit begannen auch andere Ketzereien sich zu regen. Denn Origenes widerlegte die Ketzerei einiger, die sagten, dass die Seelen der Menschen mit ihren Leibern vergingen und in der Auferstehung mit den Leibern wiederauferweckt würden. Des Weiteren auch die Ketzerei, Helchesaturum genannt, die Paulus den Apostel gänzlich verachteten und sagten, dass derjenige, der Christus in der Peinigung verleugnete, keine Sünde hätte, sondern eines ganzen und gerechten Herzens wäre. Papst Cornelius war ebenfalls ein Römer und ein sehr hochgelehrter Mann, der viele und mancherlei Episteln und Sendbriefe an viele Orte und Personen gesendet hat. Unter seinem Pontifikat hat Novatus den Novatianus außerhalb der Kirche und in Afrika den Nicostratus eingesetzt. Darum haben sich die Bekenner, die von Cornelius abgewichen waren, wieder der Kirche zugewandt und den Namen des wahren Bekenners und Verkünder erlangt. Aber Cornelius wurde danach auf Anregung der Ketzer ins Exil gesandt. Ihm schickte Cyprianus, der Bischof von Karthago, Briefe, als er in den Kerker geworfen war. Aus diesen verstand er die Widerwärtigkeit seines Freundes und die Bestätigung seines Exils. Bevor er ins Exil geschickt wurde, hat er auf Begehren der heiligen Frau Lucina die Leichname der heiligen Petrus und Paulus von dem Ort, wo sie zuvor weniger sicher lagen, bei Nacht erhoben. Und Lucina bestattete Paulus auf ihrem Grund und Boden, wo er getötet wurde, und Cornelius bestattete Petrus, wo er gekreuzigt wurde, im Tempel des Apollon unter dem goldenen Berg am 29. Juni. Dieser heilige Cornelius wurde auf Befehl Kaiser Decius auf mancherlei Weise gepeinigt und aufgefordert, die Abgötter zu ehren, und zuletzt, in Beharrung des Glaubens, am fünften Tag des Monats Mai getötet. Dionysius, der Bischof zu Alexandria, ein hochgelehrter Mann und ein Schüler des Meisters Origenes, wurde zu dieser Zeit dort zum Bischof eingesetzt und saß 17 Jahre im Amt. Er war auch der Meinung, dass die Ketzer wiedergetauft werden sollten. Als hochgelehrter Mann hat er viele Schriften an mancherlei Personen über mancherlei Themen verfasst und ausgesendet. Blatt 119 der Weltchronik. Kaiser Maximinus wurde 988 Jahre nach der Gründung der Stadt Rom, nach Alexander, aus der Ritterschaft zum Kaiser gewählt, nachdem er den Krieg im deutschen Land glücklich geführt hatte, ohne jegliche Zustimmung des Römischen Rates. In seiner frühen Kindheit war er ein Hirte, zuweilen ein Beschützer vor Räubern oder Mördern, um die Seinen vor Überfällen zu bewahren. Er begann unter Kaiser Severus den Ritterdienst zu üben. Denn er war von sichtbarer Größe des Leibes, an Tugend unter anderen Rittern hervorragend, von männlicher Gestalt stattlich und von ernsten Sitten. Und von Person so aufrecht, dass er länger als acht Schuh war, und er hatte einen so großen Fuß. Wenn man danach von langen und ungestalten Menschen sagte, sprach man: 'Dieser bedürfte wohl der Hosen des Kaisers Maximinus.' Er konnte so sehr trinken, dass er bei einem Nachtmahl einen Krug Wein austrank. Aber nachdem er nach Nero der sechste Verfolger der Christen war, wurde er von Pupienus in Aquileia, die er belagert hatte, im dritten Jahr seines Kaisertums zusammen mit seinem Sohn Maximinus erschlagen. Denn die von Aquileia hielten sich gegen Maximinus auf Seiten des Römischen Rates so getreulich, dass sie aus Mangel an Sehnen aus den Haarlocken der Frauen Stricke für Geschosse machten. Darum bauten die Römer zu Ehren derselben Frauen den Tempel der kahlen Göttin Venus in Rom. Gordianus erlangte nach Maximinus dem Tyrannen das Kaisertum. Als er die Parther mit großer Niederlage besiegt hatte, wurde dieser alleredelste Mann zusammen mit seinem Sohn zum Kaiser ernannt. Als er 80 Jahre alt und in vielen Provinzen ein Verwalter gewesen war, nannten sie ihn Africanus. Dieser Gordianus der Vater und Gordianus sein Sohn sind beide mit großem Rat der Afrikaner zu Kaisern ernannt worden. Gordianus der Jüngere wurde zum Kaiser erklärt und herrschte sechs Jahre. Als aber Maximinus ohne den Willen eines römischen Rates das Kaisertum erlangt hatte, setzte ein Rat drei Kaiser ein, um denselben Maximinus anzufechten. Von diesen wurden zwei, nämlich Pupienus und Albinus, im Palast erschlagen, so blieb allein Gordianus das Kaisertum. Dieser Kaiser wurde besonders gelobt, dass er 62.000 Bücher in seiner Bibliothek gehabt haben soll. Zuletzt, als er zum Triumph nach Rom zurückkehrte, wurde er nicht weit von Rom durch die List des Philippus erschlagen und mit einem ehrenvollen Titel in vier Sprachen begraben. Philippus herrschte nach der Gründung der Stadt Rom im Jahre 997, nachdem er das Heer der Ritterschaft aus Syrien ins Welschland zurückgeführt hatte, zusammen mit seinem Sohn Philippus fünf Jahre im Kaisertum. Die Christen hatten diesen ersten Kaiser, aber er hat die heimlichen Bedeutungen des Glaubens mit der Tat nicht angetastet, sondern allein bekannt. Nach dem dritten Jahr seines Kaisertums war das tausendste Jahr der Gründung der Stadt Rom. Da hielt man die Spiele, die man stets über das hundertste Jahr beging und die von Valerius Publicola nach der Abschaffung der römischen Könige als ein Ziel des menschlichen Lebens aufgesetzt worden waren. Die beiden wurden danach durch die List des Decius vom Heer erschlagen, nämlich unter den Göttern...

Anmerkungen

Das sechst alter
Das sechste Zeitalter (Epoche in der Weltchronik)
right
frühneuhochdeutsch für 'regierte', 'leitete' (hier als Spalten- oder Seitenmarkierung im Originaltext ignoriert)
Fabianus
Papst Fabianus (236–250)
Roemer
Römer
Antheri
Papst Antherus (235–236)
vnder wegen
währenddessen, unterwegs
alßpald
alsbald, sogleich
tawb
Taube
hawbt
Haupt
goetlicher weiß
auf göttliche Weise
taylet er die gegend durch
er teilte die Gegend ein
vij.
römisch für 7
diacom
Diakone
notariem
Notaren
beschehnen ding der martrer
Geschehnisse der Märtyrer
ebenpild
Ebenbild, Vorbild
glawben
Glauben
kirchoff
Kirchhof, Friedhof
gepawen
bauen lassen
hailigen donerstag des abent essens des herren
Gründonnerstag, der Tag des Abendmahls des Herrn
cresem
Chrisam (heiliges Öl)
verprent
verbrannt
entstund
entstand
Nouacianisch ketzerey
Novatianische Ketzerei (benannt nach Novatianus)
xxij.
römisch für 22
briester
Priester
syben dyacon
sieben Diakone
xi.
römisch für 11
bischoff
Bischöfe
geweyhet het
geweiht hatte
bekroenet
gekrönt (hier: mit dem Martyrium)
kirchoff Calixti
Kirchhof des Calixtus (Katakomben des Calixtus in Rom)
xiiij. iar. xi. monat. xi. tag geseßen was
14 Jahre, 11 Monate und 11 Tage im Amt gewesen war
stuol ruoet
der (Papst-)Stuhl ruhte, das Amt war vakant
sant Sebastian
Heiliger Sebastian
xx. tag des monats Januarij
20. Tag des Monats Januar
left
Seiten- oder Spaltenmarkierung im Originaltext (hier ignoriert)
scisma oder zwayung
Schisma oder Zwietracht/Spaltung
nouatius
Novatianus (römischer Priester und Gegenpapst, ca. 200–258)
vnderfieng
unternahm, unterfing sich
zeertrennen vnd zebetrueben
zu zertrennen und zu betrüben
vermischet auß begirde bischoflicher wirdigkeit
vermischte aus Begierde nach bischöflicher Würde
babstlich bischoftumb
päpstliches Bischofsamt
cornelium
Papst Cornelius (251–253)
taylet er sich von der kirchen
er trennte sich von der Kirche
die raynen
die Reinen (Bezeichnung der Novatianer für sich selbst, Puristen)
Item
Des Weiteren, Ferner
abtruenigen vomm glawben
Abtrünnigen vom Glauben
des rew hetten
Reue hatten
nit wider auffzenemen, weren
nicht wieder aufzunehmen wären
concili vom. lx. bischoffen
Konzil von 60 Bischöfen
lx.
römisch für 60
souil priestern mit mer diaxon
ebenso vielen Priestern und mehreren Diakonen
der wone Nouacij
die Lehre Novatians
ebenpild vnßers haylands
Vorbild unseres Heilands
kainen rewenden vergebung zeuerlawgnen sey
keinem Reuenden die Vergebung zu verweigern sei
scisina
Schisma
zeerewgen
sich regen, entstehen
origenes
Origenes (ca. 185–254, frühchristlicher Theologe)
stellet die ketzerey ab
widerlegte, bekämpfte die Ketzerei
sele mit iren leiben vergiengen
Seelen mit ihren Leibern vergingen
vrstende
Auferstehung
Helchesaturum
Elkesaiten (eine gnostisch-ebionitische Sekte)
Paulum den apostel
Paulus den Apostel
peinigung
Peinigung, Folter
kein suend het sunder eins gantzen vnd gerechten hertzens wer
keine Sünde hätte, sondern eines ganzen und gerechten Herzens wäre
hohgelert man
hochgelehrter Mann
epistel vnd sendbrieff
Episteln und Sendbriefe
babstthumb
Pontifikat, Papsttum
Nouatus
Novatus (ein Priester, der Novatianus unterstützte)
Affrica
Afrika
Nicostratum
Nicostratus (ein Anhänger des Novatianus in Afrika)
geordnet
eingesetzt, geweiht
beichtiger
Bekenner (lat. confessores, Christen, die ihren Glauben unter Verfolgung bekannten)
verieheres
Verkünder, Bekenner
ellend
Exil, Verbannung
Ciprianus der Cartaginensisch bischoff
Cyprianus, der Bischof von Karthago (ca. 200–258)
kercker
Kerker, Gefängnis
freuends widerwertigkeit
Widerwärtigkeit seines Freundes, Unglück seines Freundes
ellends bestettigung
Bestätigung seines Exils
begerung der hailigen frawen Lucina
Begehren der heiligen Frau Lucina
sant Peters vnd Pauls leichnam
die Leichname der heiligen Petrus und Paulus
mynder sicher lagen
weniger sicher lagen
erhebt
erhoben
grund vnd aigen
Grund und Boden, Eigentum
ertoedt wardt
getötet wurde
gecreuetzigt wardt
gekreuzigt wurde
tempel Appollinis vnder amm guldin berg
Tempel des Apollon unter dem goldenen Berg (wahrscheinlich eine Umschreibung für einen Ort in Rom)
xxix. tag des monats Junij
29. Tag des Monats Juni
Diser Dionisius bischof zu Alexandria heilig Cornelius
Hier liegt eine Verwechslung oder ein Fehler im Original vor. Der Satz bezieht sich auf den heiligen Cornelius, nicht auf Dionysius von Alexandria, der im nächsten Abschnitt behandelt wird.
Decij des kaisers
Kaiser Decius (249–251)
abgoetter zeeren angemuotet
aufgefordert, die Abgötter zu ehren
verharrung des glawbens
Beharrung im Glauben
fuenften tag des moants maij
fünften Tag des Monats Mai
Dionisius der bischof zu Alexandria
Dionysius von Alexandria (Bischof von Alexandria, ca. 247–264)
hoerer des maysters Origenis
Schüler des Meisters Origenes
xvij. iar
römisch für 17 Jahre
widerumb getauft werden solten
wiedergetauft werden sollten (Bezug auf die Ketzertaufe)
macherlay personen
mancherlei Personen
mancherlay materien
mancherlei Themen
Blat CXVIX der werlt
Blatt 119 der Weltchronik (Schedelsche Weltchronik, eine Referenz, kein narrativer Text)
Maximinus der kaiser
Kaiser Maximinus Thrax (235–238)
erpawung der statt Rom
Gründung der Stadt Rom
ixc. lxxxviij. iar
römisch für 988 Jahre
nach Alexandro
nach Alexander (gemeint ist Alexander Severus, sein Vorgänger)
ritterschaft
Ritterschaft (hier: der Militärstand)
teuetschen land
deutsches Land
gluecklich gefueert het
glücklich geführt hatte
on einiche zuothuonung des Roemischen rats
ohne jegliche Zustimmung des Römischen Rates
kitheit
Kindheit
hirt
Hirte
verwarter der schacher oder moerder
Beschützer vor Räubern oder Mördern
vberlauffung
Überfall
zebewaren
zu bewahren
kaiser Seuero
Kaiser Severus (wahrscheinlich Alexander Severus, unter dem Maximinus diente)
ritterschaft zeueben
Ritterdienst ausüben
groeße des leibs syhtper
von sichtbarer Größe des Leibes, sehr groß
tugent vnder andern rittern scheinper
an Tugend unter anderen Rittern hervorragend
manlicher gestalt zierlich
von männlicher Gestalt stattlich, wohlgestaltet
ernstlicher sitten
von ernsten Sitten
gerad
aufrecht, großgewachsen
acht schuoh
acht Schuh (historisches Längenmaß, ca. 2,40 Meter)
lange vnd vngefuegen menschen
langen und ungestalten Menschen
bedoerft wol des kaisers Maximini hosen
bedürfte wohl der Hosen des Kaisers Maximinus (als Redewendung für sehr große Menschen)
sere trincken
sehr viel trinken
nachtmal
Nachtmahl, Abendessen
kruog weins
Krug Wein
Nerone
Kaiser Nero (54–68 n. Chr.)
sechst verfolger der christen
sechster Christenverfolger
Pripieno
Pupienus (römischer Kaiser 238 n. Chr.)
Aquilegia
Aquileia (antike Stadt in Norditalien)
belegert het
belagert hatte
im dritten iar seins kayserthumbs
im dritten Jahr seines Kaisertums
mitsambt seinen sun Maximino erslagen
zusammen mit seinem Sohn Maximinus (dem Jüngeren) erschlagen
auf des Roemischen rats seyten
auf Seiten des Römischen Rates
getrewlich
getreulich, treu
mangel der geader
Mangel an Sehnen
weiber horlocken
Haarlocken der Frauen
strick zum geschoß machten
Stricke für Geschosse machten
kalen goettin Venus
kahle Göttin Venus (Venus Calva, ein Kult in Rom, der auf die Opferung der Haare der Frauen zurückgeführt wurde)
Gordianus
Gordian I. und Gordian II. (römische Kaiser 238 n. Chr.)
niderlag vberwunden het
mit großer Niederlage besiegt hatte
alleredelst man
alledelster Mann
lxxx. iar alt
römisch für 80 Jahre alt
prouintzen ein verweser
Provinzen ein Verwalter
Affricanum
Africanus (Beiname, der auf Erfolge in Afrika hinweist)
großem rat der Affrier
großem Rat der Afrikaner
Gordianus der iung
Gordian III. (römischer Kaiser 238–244)
on willen eins roemischen rats
ohne den Willen eines römischen Rates
anzefechten
anzufechten, zu bekämpfen
Pupienus vnd Albinus
Pupienus und Balbinus (römische Kaiser 238 n. Chr., im Original 'Albinus' statt Balbinus)
imm pallast erslagen
im Palast erschlagen
allain Gordiano das kaiserthumb
allein Gordianus das Kaisertum (gemeint ist Gordian III.)
sunderlich gelobt
besonders gelobt
lxijm. buecher
römisch für 62.000 Bücher
librarey
Bibliothek
zetriumphiren gein Rom keret
zum Triumph nach Rom zurückkehrte
listigkeit Philippi
List des Philippus (gemeint ist Philippus Arabs)
erlichen tittel von vierlay gezueng
ehrenvollen Titel in vier Sprachen
Philippus
Philippus Arabs (römischer Kaiser 244–249)
ixc. xcvij. iar
römisch für 997 Jahre
herr der ritterschaft
Heer der Ritterschaft (Militär)
Syria
Syrien
Welsch land
Welschland (historische Bezeichnung für Italien)
herwidergefueert het
zurückgeführt hatte
seim sun Philippo
seinem Sohn Philippus (Philippus II.)
fuenff iar im kaiserthum geherschet
fünf Jahre im Kaisertum geherrscht
haymlichen bedeuetnus des glawbens
heimlichen Bedeutungen des Glaubens, Glaubensgeheimnisse
nit angetastet
nicht öffentlich praktiziert, nicht angetastet
veriehen
bekannt, sich dazu bekannt
dritten iar seins kaiserthumbs
dritten Jahr seines Kaisertums
tawsentist iar der erpawung der statt Rom
tausendste Jahr der Gründung der Stadt Rom (Jubiläumsjahr 248 n. Chr.)
spil
Spiele (gemeint sind die Ludi Saeculares, Säkularspiele)
alweg vber das hunderst iar begieng
stets über das hundertste Jahr beging
Valerio publicola
Valerius Publicola (römischer Konsul und Staatsmann der frühen Republik)
entschaft der roemischen konig
Abschaffung der römischen Könige
als ein zil des menschlichen lebens auff gesetzt waren
als ein Ziel des menschlichen Lebens aufgesetzt waren (bezogen auf das 'saeculum', eine Generation oder ein Jahrhundert)
Die bede
Die beiden (Philippus Arabs und sein Sohn Philippus II.)
listigkeit Decij
List des Decius
vomm heer erlagen
vom Heer erschlagen
nemlich vnder den goettern g
nämlich unter den Göttern g... (Textabbruch im Original)